Sonntag, 11. August 2013

Paradoxien



Auch wenn man es sich im Moment kaum vorstellen kann; es gab auch politische Phasen, in denen man gern Zeitung las und wohlwollend den Regierenden zusah.
Im Jahr 2000 gab es so eine Phase. Gerd Schröder und Joschka Fischer machten international bella figura.
Nachdem Kanzler und Vizekanzler zum Entsetzen der tobenden CDU ihre Amtseide ohne die religiöse Formel „so wahr mir Gott helfe“ geschworen hatten, gingen sie weitere bisherige absolute Tabu-Themen an. 
Den vielen deutschen Konzernen, die sich im Krieg an verschleppten Zwangsarbeitern bereichert hatten – unter anderem gehörten dazu auch die Kirchen – und bis dato keinen Pfenning Wiedergutmachung an ihre ehemaligen versklavten Arbeiter gezahlt hatten, ging es moralisch an den Kragen. 
Schröder legte einen 10 Milliarden-DM-Fonds auf erreichte es, daß über 6000 deutsche Unternehmen in die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, kurz EVZ, einzahlten. Die EVZ begann am 2. August 2000 ehemalige Zwangsarbeiter des NS-Regimes zu entschädigen.
Es wurde eine weltweit wegweisende ökologische Steuerreform begonnen, die den Energieverbrauch berücksichtigte. 
Man beendete den Anachronismus, daß 1,1 Millionen deutsche Freier TÄGLICH eine Prostituierte aufsuchen, aber die Prostitution verboten war, so daß die Huren keine Chance hatten in eine Renten- oder Kranken- oder Sozialversicherung zu kommen. 
Rita Süßmuth wurde beauftragt, um endlich ein modernes und gerechtes Staatsbürgerschaftsrecht auszuarbeiten.
Das unter Kohl und Kinkel Undenkbare geschah: Die Bundesregierung legte sich mit dem nahezu allmöächtigen Atomoligopol an. 
Umweltminister Trittin setzte am 1. April 2000 das Erneuerbare-Energien-Gesetz in Kraft, das die Stromerzeugung durch erneuerbare Energien in Deutschland entscheidend förderte.
Mit Renate Künast kam im Januar 2001 eine Verbraucherschutzministerin ins Amt, die erstmals die Biolandwirtschaft förderte und den katastrophalen Insektizid-Pestizid-Fungizid-Herbizid-Monokulturwahnsinn in Frage stellte.
 Es war eine gute Zeit.

Auf der anderen Seite des Teichs hatten sich die Vorzeichen verkehrt. 
Statt des engagierten Klimaschützers Al Gore wurde im Herbst der intellektuell und rhetorisch völlig unterbelichtete George W. Bush trotz Stimmenminderheit zum Präsidenten gewählt. Der evangelikale Frömmler verstand rein gar nichts von Außenpolitik, besaß noch nicht mal einen Pass, weil er die USA nie verlassen hatte. Das einzige, was der Möchtegern-Cowboy aus Texas je „erfolgreich“ geschafft hatte, war eine Rekordzahl von Todesurteilen zu unterzeichnen.
Nach seinem Amtsantritt im Januar 2001 begann er mit intensiver Arbeitsverweigerung und verbrachte Monate fernab vom Weißen Haus auf seiner Ranch in Texas.
Die kreuzzugsartige Politmentalität, die sich nach dem 11. September 2001 in Amerika einstellte, ließ die politischen Unterschiede zwischen Deutschland und Amerika nur noch augenfälliger erscheinen.
Bush und sein frommes Kabinett beteten gemeinsam und im Zwiegespräch mit „the lord“, erfuhr der mächtigste Mann der Welt, daß er nun den Irak, der nicht das allergeringste mit 9/11 zu tun hatte, mit Krieg überziehen mußte.
Die christliche Oppositionspolitikerin Angela Merkel unterstützte den Plan ausdrücklich, reiste dafür eigens nach Washington und kroch schleimspurziehend auf Knien in das Oval Office.

Auf der anderen Seite unternahmen die Atheisten Schröder und Fischer alles, um diesen Wahnsinn zu stoppen. 

Sie schraubten das internationale Ansehen Deutschlands auf nie dagewesene Höhen, wurden in der gesamten arabischen Welt hochgeachtet.
Die Beziehungen zu Russland und Frankreich waren exzellent. Mit dem konservativen Chirac arbeitete die rotgrüne Regierung so eng zusammen, daß sich Schröder sogar bei einem Gipfel von Chirac vertreten ließ.
Premiere auf dem Gipfel der Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union: Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac hebt die Hand für Deutschland, da Bundeskanzler Gerhard Schröder ihm vertrauensvoll die Wahrnehmung der deutschen Interessen übertragen hat.   Hinter dem Schild "Deutschland" auf dem Konferenztisch des Brüsseler EU-Gipfels ist Schröders Stuhl leer geblieben.   Wo sonst der Bundeskanzler und Außenminister Joschka Fischer sitzen, hatte am Morgen lediglich der deutsche EU- Botschafter Wilhelm Schönfelder Platz genommen. Er beobachtet das Treffen aber nur.   Chirac hat die Vertretung übernommen, damit Schröder und Fischer an der Abstimmung des Bundestags über die Reformgesetze der Agenda 2010 teilnehmen konnten. Der Franzose nimmt seine neue Rolle ernst: Entgegen seiner Gewohnheit traf Chirac am Freitag als einer der ersten am Konferenzort ein und begrüßte die später ankommenden Staats- und Regierungschefs an der Tür des Saals mit Handschlag.
Und nun ein 12-Jahre-Zeitsprung:

Die Deutschen haben inzwischen eine vollfromme Regierung gewählt.  
 100% der Minister schworen sich mit „so wahr mir Gott helfe“ ein. 
Die Kanzlerin betont immer wieder ihre Regierungsentscheidungen am christlichen Menschenbild auszurichten, der Vizekanzler ist engagiertes Mitglied des Zentralrats der Katholiken.
Die Beziehungen zu Frankreich und Russland sind weitgehend zerstört. Man hat sich nichts mehr zu sagen, stimmt sich nicht im Geringsten ab.
 Die christlichen Schwarzgelben intensivierten dafür den Waffenexport, schlagen nationalistische Töne an, lassen den Papst im Bundestag sprechen, wollen die Grenzen nach Südosteuropa zumachen.
Deutschland ist wieder richtig unbeliebt. 
Wenn sich die Regierungschefin oder der Finanzminister in Spanien, Griechenland oder Zypern blicken lassen, werden sie mit Hakenkreuz-Karikaturen empfangen und in den Zeitungen mit Hitlerbärtchen abgebildet.
Statt wie einst Schröder und Fischer im Nahost- und Irakkonflikt eine führende Vermittlerrolle zu spielen und aktiv für einen Frieden in Afghanistan zu streiten („Petersberger Konferenz in Bonn“), haben sich Merkel und Westerwelle international zu lästigen Paria entwickelt, die spätestens seit der Libyen-Entscheidung nur ausgelacht werden.
Die Deutschen sind international wieder die Blockierer geworden, die sinnvolle Entscheidungen aus Brüssel (CO2-Abgabe für übermotorisierte Autos beispielsweise) mit Vetos zu Fall bringen.

Gesellschaftliche Modernisierungen – PID, Patientenverfügung, Stammzellenforschung, Homogattensplitting, Homoadoption, doppelte Staatsbürgerschaft, selbstbestimmtes Sterben, Strafbarkeit von Abgeordnetenbestechung u.v.a.m. werden allesamt von diesem schwarzgelben Kabinett strikt abgelehnt und verhindert.

Man schämt sich jetzt wieder, wenn die tumben Deutschen - „man spricht wieder deutsch in Brüssel!“ (Kauder), „ich bin nicht als Tourist in kurzen Hosen hier. Was ich sage, zählt!“ (Westerwelle) – international in Erscheinung treten.

Das umgekehrte Bild in Amerika.
GWB wurde weggefegt. Zwei Mal schon wurde ein schwarzer Demokrat zum Präsidenten gewählt, der den Irakkrieg beendet hat, eine Art Krankenversicherung für alle durchboxte und sogar für die Schwulenehe eintritt.

Das tumbe amerikanische Volk tut auf einmal das vorher für absolut unmöglich gehaltene:
In Volksabstimmungen spricht es sich staatenweise für die sofortige Legalisierung von Marihuana oder gay marriage aus.

Und, kaum zu glauben, aber wahr: Es gibt eine deutlich steigende Anzahl von Atheisten in Amerika!
Schuld ist vermutlich dieses neumodische Internet, welches Angela Merkel despektierlich als „Neuland“ bezeichnet.


Das Internet kann ähnlich wie das TV Dumme dümmer und Schlaue schlauer machen.
Die Deutschen gehören offenbar eher zu ersten Kategorie. 
Die skandalösen Abhörpraktiken, das Milliardenfache Ausspähen durch dubiose Geheimdienstkooperationen stört sie gar nicht. 
Dafür wächst die Zustimmung für die Politverweigerin Merkel stetig an. Sogar die als offensichtlich unfähig und korrupt enttarnte FDP wird wieder in den Bundestag kommen.
Keiner kann sich vorstellen, daß der Kanzlerin die Wiederwahl zu nehmen ist. 



In Amerika hingegen regt das Internet ein, christliche Gewissheiten zu hinterfragen, sich zu vernetzen.
Religions survive by teaching young children silly stories as truths, by distorting reason and by restricting access to contrary ideas.
Now, most young people can access the internet where it is hard to avoid contrary ideas and where they will meet non-believers who are moral, intelligent, well-read and fiercely logical.
Superstition and lies cannot compete.
Now, it is not a question of IF religions will die; it is only a question of how quickly.
(Bill Flavell, University of Sussex, via Facebook)



In den USA sinkt die Zahl der Gläubigen – jeder Fünfte nennt sich in "God's own country" konfessionslos. […]

Als Atheisten und Agnostiker bekannten sich 2012 in einer Befragung des Pew Research Centers 5,7 Prozent der Amerikaner, doch immerhin zwei Prozentpunkte mehr als 2007. In derselben Erhebung gaben 19,6 Prozent der Befragten an, "religiös ungebunden" zu sein – immerhin ein Fünftel der Bevölkerung.

Das ist die Zahl, an der sich Amerikas Atheisten, säkulare Humanisten, Darwinisten, Unitarier, Agnostiker und andere Ungläubige aufrichten. Sie sehen sich als Eliten und Bürger zweiter Klasse, intellektuell überlegen und institutionell unterlaufen, zu wenige und zu einflussarm, um verfolgt zu werden. Die Zeiten spielen für sie, glauben sie. Ihr Land komme zur Vernunft, man müsse Geduld haben. Die Ungläubigen kämpfen gegen den Zusatz "under God" (unter Gott), den jedes Schulkind in der Eidesformel "Pledge of Allegiance" täglich wiederholt; sie kämpfen gegen den Segen vor Sitzungen des Kongresses; für die Einführung von atheistischen "Feldgeistlichen" in den Streitkräften. […] Es heißt in der Pew Research Studie, Politikverdrossenheit, nachlassendes soziales Engagement, später geschlossene Ehen beförderten in jungen Generationen den Trend zum Unglauben. Als sich im März 2012 rund zehntausend bekennende Gottlose im strömenden Regen zur "Reason Rally" auf der National Mall zu Washington versammelten, soll die Atmosphäre großartig familiär gewesen sein.

Es war die größte Zusammenkunft bekennender Atheisten in der amerikanischen Geschichte. Dass kaum jemand im Kongress, in Kirchen, den Medien, im Volk selbst, die "Vernunftversammlung" mitbekam, muss nichts bedeuten. Atheisten haben Zeit und setzen auf das Diesseits.
Natürlich ist die Religion in öffentlichen Leben Amerikas noch deutlich präsenter als beispielsweise in Norddeutschland, aber sie wird schwächer.
Religion to Disappear By 2041 Claims New Study - Author and noted biopsychologist Nigel Barber has completed a new study that shows Atheism is most prevalent in developed countries, and, according to his projections, religion will completely disappear by 2041. His findings are discussed in his new book “Why Atheism Will Replace Religion.” A new study that clarifies his earlier research will be published in August. His findings focus on studying trends within countries around the world and the fact that “Atheists are heavily concentrated in economically developed countries”
Schade nur, daß die Deutschen auf die rückwärtsgewandte Merkel fixiert sind.
Das politische Verhältnis zu Amerika ist natürlich auch im Eimer.
 Obama kann so gar nicht mit der Ostdeutschen Beharrungskünstlerin und sie ist abgestoßen von seinen Neuerungen.

Samstag, 10. August 2013

Fundikatholische Nachwehen


Nicht daß ich jemals einen Funken Sympathie für Kreuznet aufgebracht hätte, aber im Gegensatz zu ähnlich rechtsradikalen Hetzseiten wie PI oder Blaue Narzisse, hatten die süddeutsch-österreichisch-schweizerischen Dunkelkatholiban wenigstens Humor.
Sicher unbewußt, aber im Ergebnis hatte man durchaus etwas zu lachen.
Ich vermisse die Formulierungskunst der Kreuznetten, die „schwulen Sex“ schon mal mit „Brechreiz-Turnübungen mit seinem Unzuchtspartner“ umschrieben.
Welche Art Mensch sich solche Formulierungen ausdachte, konnte man anhand der in Moldawien beheimateten Kreuznet-Schwester Gloria-TV erahnen.
gloria.tv ist eine Art YouTube für katholische Radikale. Nutzer können Videos oder Texte hochladen und kommentieren. Herzstück ist eine selbstproduzierte tägliche Nachrichtensendung, die in mehreren Sprachen aufgezeichnet wird. Das Motto der Plattform ist Programm: "Je katholischer, desto besser."

Doch statt der "Frohen Botschaft" verbreitet die Seite vornehmlich Hass. Hass auf Homosexuelle, Hass auf Befürworter des Schwangerschaftsabbruchs und Hass auf christliche Reformer. "Die Positionen, die gloria.tv vermittelt, sind zutiefst antidemokratisch", sagt der katholische Hochschulpfarrer Burkhard Hose aus Würzburg. "Sie sind einfach gegen alles, was mit einer offenen Gesellschaft zu tun hat." Hose hat gegen gloria.tv inzwischen Anzeige wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen erstattet.

SPIEGEL TV hat sich auf die Suche nach den Hintermännern des Portals gemacht. Die Spur führt in den Schweizer Kanton Graubünden. Hier ist unter anderem der Pfarrer Reto Nay als Mitverantwortlicher der gloria TV Productions im Handelsregister eingetragen. Der Geistliche ist im christlich-fundamentalistischem Milieu kein Unbekannter. Einige seiner Texte wurden im mittlerweile abgeschalteten Portal kreuz.net veröffentlicht.
Das Gesicht des rechtsradikalen Tradi-Senders war lange Zeit die bizarr betonende Eva Doppelbauer, deren ultrakonservativer Pfarrer-Bruder Marcus ebenfalls für den Hetzsender arbeitet.

Wenn man ihre völlig grotesk betonten Endsilben hört, fängt man eigentlich schon nach dem Eingangsstatement – Laudetur Jesus Christus – an so zu lachen, daß man kaum noch folgen kann.
Es ist allerdings gefährlich Kreuz.net, Gloria.TV, K-TV und ihre nur wenig moderatere Schwester Kath.net als Witze zu euphemisieren.
Ihre Reichweite im Internet ist enorm und ihre kontinuierliche Hetze kann fundamentalistische, vereinsamte Sonderlinge durchaus so radikalisieren, daß ein Anders Brejivik entsteht.

Wozu katholische Schwulenhetze führt, haben wir 2013 in Frankreich erlebt. 
In unserem traditionell eher homophilen Nachbarland hatten sich die homophoben Übergriffe verdreifacht, seit die liebe RKK des allseits so geschätzten Papst Franz sich so massiv in die französische Gesetzgebung einmischte.
Und auch in Hamburg geschah letzte Woche das Unvorstellbare: Mehrere gewalttätige Übergriffe auf Schwule im Zuge des CSDs. Zwei Opfer liegen immer noch im Krankenhaus.

Vom deutschen BND und seinen Schwesterorganisationen ist diesbezüglich allerdings rein gar nichts zu erwarten. Ihre Blindheit auf den rechten Augen stellten sie eindrucksvoll unter Beweis.
Anders in Österreich.
In Wien klopfte diese Woche der Staatsschutz an die Türen von Gloria TV und beschlagnahmte die Unterlagen. Als die Beamten sich an Markus Doppelbauers Computer zu schaffen machen, rastete seine fromme Schwester Evääää aus und ging wie Matthias Matussek auf Speed auf die Staatsschützer los.

Eskalation bei Hausdurchsuchung in Wien

Nun wurde auch die heimische Justiz tätig und gab dem Geheimdienst grünes Licht für Hausdurchsuchungen. Wobei es in der Priesterwohnung in der Bundeshauptstadt zur Eskalation gekommen sein soll: Die Schwester des Geistlichen habe versucht, Daten auf dem Computer des Bruders zu löschen und die unerwünschten Besucher daran zu hindern, den PC mitzunehmen. Einen Beamten habe sie gar verletzt.

Während die Verdächtigen - sie wurden auf freiem Fuß angezeigt - aus ihren Kirchen abgezogen wurden, begutachtet der Geheimdienst derzeit noch die Berge an sichergestelltem Beweismaterial.

Da kann man mal sehen, was den rechten Hetzern blüht, wenn der Staat nicht wie im bräsigen Merkel-Deutschland wohlwollend alles durchgehen läßt.
Trotzdem..., Eväää Doppelbauer ist irgendwie lustig.

Freitag, 9. August 2013

Peng, Du bist tot!



Irgendwie doof – da macht Deutschland immer häufiger bei Kriegen mit und sucht sich aber konsequent die Falschen aus.
 Dort wo internationale Militäreinsätze halbwegs sinnig sein mögen – in Mali und Libyen beispielweise  - weigern sich Merkel und Westerwelle zu helfen.

Dort wo es aber garantiert nichts bringt und mit Waffengewalt der Karren nur tiefer in den Dreck geschoben wird – Afghanistan (International Security Assistance Force (ISAF)) und Libanon (Operation UNIFIL (United Nations Interim Forces In Lebanon)) – ist Deutschland dabei.

Das ist schon allein deswegen bedauerlich, weil die deutschen Militärverbände meistens feststecken, wenn sie nicht wie vor dem Libanon im eigenen Boot kommen.
Auf den Booten haben sie aber auch den größten Spaß.

Auf einem Boot der Deutschen Marine ist es zu einem schweren tätlichen Angriff auf einen Vorgesetzten gekommen. Das Einsatzführungskommando der Bundeswehr bestätigte der Süddeutschen Zeitung, dass mindestens vier Unteroffiziere auf dem Schnellboot S 73 Hermelin einen ihnen vorgesetzten Bootsmann gefesselt und bemalt haben sollen.  Der Vorfall hat sich bereits am 15. Februar ereignet, inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft. Das Schnellboot befindet sich derzeit im Rahmen der Unifil-Mission vor der Küste Libanons im Einsatz. […]   Als das Schnellboot am Abend des 15. Februar im Hafen von Beirut lag, zogen demnach die Obermaate den Bootsmann aus seiner Koje. Er war dabei nur mit einer Unterhose bekleidet. Die Tatverdächtigen sollen den Bootsmann mit Tape und einem Spanngurt auf einem Tisch fixiert und am Bein bemalt haben. Das Einsatzführungskommando bestätigte, dass sie ihm die Worte "Hier wohnen die Mongos" auf die Haut geschrieben haben sollen. Bei dem Bootsmann handelt es sich um einen Deutschen thailändischer Herkunft.
In Afghanistan ist die Hin- und Rückreise schon deutlich schwieriger.
 Eigentlich bräuchte man ein Truppentransporter-Flugzeug, um so einen Einsatz logistisch zu wuppen.
Deutschland hat so was aber nicht und ist schon mal per Hitchhiking an den Hindukusch gezogen.
Der Einsatz, der nun schon fast doppelt so lange wie der Zweite Weltkrieg dauert, soll jetzt mal langsam beendet werden. 
Dafür beschloss man ja auch im Bundesverteidigungsministerium einen Truppentransporter namens A400M bauen zu lassen.
 Eine Propellermaschine (Frachtvolumen 270 m3, maximale Nutzlast 37t, 730 km/h), die zwar langsamer, kleiner und ineffizienter als die russische Antonov An 124 ist (Frachtvolumen 1030 m3, maximale Nutzlast 150t, 865 km/h, vier Düsentriebwerke), aber dafür ist der Airbus 400M hundert mal so teuer und wird die Bundeswehr 20 Milliarden Euro kosten! Im Prassen sind wir ganz groß!

Aber wie das so ist mit Merkels Minister-Simulanten: Was sie anpacken geht schief. 
Drohnen-de Maizière debakuliert auch in dieser causa. Eine Starterlaubnis wird es so schnell nicht geben.

Zunächst [plante der Verteidigungsminister] die Schaffung einer "virtuellen Luftfahrtbehörde" für die militärische Zulassung und den Betrieb des Transportflugzeugs. Am Ende soll eine neue Behörde mit 400 zum Teil hochbezahlten Beamten entstehen.

Allerdings kommt die Einrichtung der neuen Zulassungsbehörde nicht schnell genug voran. Dies stellt den Verteidigungsminister vor Probleme, weil die ersten Serienmaschinen der A400M, bei deren Entwicklung es immer wieder massive Probleme gegeben hat, bald an die Bundeswehr ausgeliefert werden sollen - die aber darf die Flugzeuge ohne militärische Zulassung nicht einsetzen.

Naja, macht ja nichts. Dann lassen wir das Kriegsspielzeug eben da drüben liegen.


Der Abzug aus Afghanistan ist eine Riesenaufgabe für die Bundeswehr. Sie wird dabei nach SPIEGEL-Informationen Kriegsgerät im Neuwert von rund 150 Millionen Euro zurücklassen. Das Material wird entweder an die Afghanen übergeben, verkauft oder verschrottet.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums betrifft das rund 42 Prozent der von der Bundeswehr genutzten Geräte.


Vielleicht ist es auch besser so.
Denn wenn man den Deutschen Soldaten ihre Schießgeräte lässt, schießen sie sich doch am Ende nur ins Knie.

Bei der Bundeswehr häufen sich die Unfälle mit eigenen Waffen. […] Es war am Dienstag "um 7.10 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit", so steht es im Bericht des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr: Bei einer "ungewollten Schussabgabe" im Feldlager Masar-i-Scharif, Afghanistan, "lösten sich drei Schuss aus einer Maschinenpistole MP 7", während sich "zwei weitere deutsche Soldaten im Raum aufhielten". Gefährlich verletzt wurde niemand, trotzdem kamen die drei Bundeswehrsoldaten ins Lazarett: Verdacht auf Knalltrauma.

Sogenannte ungewollte Schussabgaben im Einsatzgebiet werden stets als "lagerelevantes Ereignis" nach Berlin gemeldet, und derzeit häufen sich diese Meldungen - wobei sich die Schüsse meist nicht aus der MP 7 lösen, sondern aus der Standardpistole P 8. So am 25. Juli: In einem Bürocontainer des Feldlagers Kundus fällt ein Schuss bei der Sicherheitsüberprüfung vor dem Waffenreinigen.

Oder am 23. Juli: In Masar-i-Scharif löst sich ein Schuss in einem Unterkunftscontainer. Als der Soldat die Waffe überprüfen will, fällt ein weiterer Schuss. "Ein Geschoss beschädigte einen Spind, das andere drang in den Nachbarcontainer ein und blieb dort in einer Matratze stecken", heißt es im entsprechenden Bericht. […]

Es gibt […] Statistiken für die vergangenen Jahre. So untersuchte das damalige Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung 2011 insgesamt 122 "ungewollte Auslösungen" in der Truppe. "Allein in den Einsatzgebieten der Bundeswehr wurden 47 unbeabsichtigte Schussabgaben mit Handfeuerwaffen und Gefechtsmunition untersucht, in deren Folge 24 Soldaten verletzt wurden, davon fünf schwer", heißt es im Bericht. In 23 Fällen lösten sich die Schüsse aus der P 8, in zehn aus dem Gewehr G 36 und in elf Fällen aus der MP 7.

Donnerstag, 8. August 2013

Zum Jagen tragen



Ja, doch, JA, ich WILL, daß die SPD endlich mal in den Wahlkampf startet und aus ihrer lethargisch-resignativen Stimmung aufwacht.
Steinbrück macht das an sich gar nicht so schlecht; ich finde ihn durchaus überzeugend.
Auch Thomas Oppermann legt sich ins Zeug. Und noch eine Handvoll anderer.
Für die große Mehrheit der Partei gilt das allerdings nicht.
Ein gewisser Sigmar Gabriel (ich habe im Moment gerade vergessen, ob der eine wichtiges Amt in der SPD hat) setzt als frisch gebackener Vater jedenfalls andere Prioritäten.

"Ich muss nicht mehr bei allen Terminen dabei sein, sondern bleibe lieber auch mal zu Hause bei meiner Familie", sagte der 53-Jährige der Zeitschrift "Bunte". Der Mittwochnachmittag gehöre Marie. "Die Zeit mit ihr ist der schönste Tag der Woche und gibt mir Kraft", sagte Gabriel.   So oft es gehe, fahre er abends von Berlin noch heim nach Goslar zu seiner Frau Anke und seiner 16 Monate alten Tochter, "damit wir wenigstens zusammen frühstücken können", sagte Gabriel weiter.

Ja, bloß nicht verausgaben. Es ist ja nicht so, daß die Bundestagswahl irgendwie wichtig wäre für die SPD.
Das ist umso schlimmer, weil die gesamte Journaille sowieso gebetsmühlenhaft wiederholt, Merkel bleibe ohnehin Kanzlerin und stattdessen mit Genuß auf Steinbrück eindrischt.

Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich mir eine funktionierende, kreative SPD-Kampa wünschen, die aktiv Wahlkampf macht, Themen setzt und die politabstinenten Merkel-Minister mit konkreten Vorschlägen überhäuft, sowie der Bevölkerung die Konsequenzen des Regierungsversagen verdeutlicht.
Aber wie sagen einst schon „Fettes Brot“?

 Hoff‘ nicht auf eine Fee mit der du weg fliegst –
 Es gibt dir niemand seine Hand wenn du im Dreck liegst.

Und so lande ich wieder auf dem brutal harten Boden der Realität.
Oberste SPD-Wahlkampfkoordinatorin ist die fromm-joviale Nahles, der es nicht nur schlicht und ergreifend an der Fähigkeit mangelt so ein Unternehmen zu managen, sondern die darüber hinaus offensichtlich auch noch a) doof ist und b) vor lauter Selbstzufriedenheit gar nicht bemerkt wie doof und ideenlos sie agiert.
Inzwischen ist sogar die Phase passee, in der man herzlich über die völlig verunglückten Nahles-Auftritte lachte, die bestenfalls zum mitschämen anregten.
Mittlerweile ist die schwer frömmelnde SPD-Generalsekretärin komplett abgetaucht und findet in der deutschen Presse gar nicht mehr statt.
Zuletzt sorgte sie für hunderttausendfaches Facepalming, als sie ausgerechnet den Werbespruch einer ausbeuterischen Zeitarbeitsfirma als Wahlkampfmotto erkor.
Dieser Satz ist nicht nur inhaltlich belanglos, sondern vergewaltigt den grammatikalischen Anstand so brutal, daß ich jedes Mal einen stummen Schrei ausstoße, wenn ich über dieses Ungetüm stolpere. Das geht mir durch Mark und Bein.
Hinter den Kulissen wird man als SPD-Mitglied unterdessen von Frau Nahles zum Mitmachen aufgefordert.
Unter „das WIR“ versteht die fromme Pfälzerin offenbar nicht nur Genossen, sondern  alle Wahlbürger und ruft zur Bürgerabstimmung auf:
„Sie entscheiden, was die SPD nach der Wahl sofort anpackt“
Was für ein Blödsinn!
WENN die SPD die Regierung stellt – was ich mir ja wünsche – wird sie mit einer großen Mannschaft und einem üppigen Regierungsapparat dastehen, so daß hoffentlich ALLE Baustellen, die Merkel unerledigt liegen lassen hat, angepackt werden.
Einige Punkte, wie zum Beispiel „Doppelte Staatsbürgerschaft“ lassen sich mit den entsprechenden Mehrheiten sicher schnell umsetzen. Andere Pläne sind teuer und hängen von der Finanzierung ab und die meisten Dinge liegen gar nicht unmittelbar in der Hand der SPD.
 „Soziale Standards in Europa“ ist so ein Programmpunkt, den ich natürlich auch unterstütze, der aber ähnlich wie „Finanzmärkte regulieren“ kaum mit einer Ukas von Steinbrück abzuhaken sein wird.
Im Übrigen hoffe ich doch sehr, daß ein Bundeskanzler Steinbrück kompetent und informiert genug ist, um selbst zu entscheiden was er zur Chefsache machen muß und wird seine Aktivitäten nicht von einer Online-Wahlkampfaktion bestimmen lassen.

Aber um kein Spielverderber zu sein, habe ich auch meine fünf  Projekte angekreuzt. Drei meiner wichtigsten Ziele standen dabei gar nicht auf der Liste.


WAS man ankreuzt, ist vermutlich ohnehin irrelevant – es geht mir nur darum bei der Feedback-Quantität mitzumachen, damit die Sozen in Zukunft bei Wahlkampfdiskussionen darauf verweisen können wie sie die Basis einbinden und wie erfolgreich ihre Kampagne ist.

Lustig ist es natürlich schon, daß ausgerechnet Nahles, die in der Partei die Religionskeule schwingt und gnadenlos Atheisten bekämpft, ihnen sogar verbietet überhaupt in einer AG innerhalb der SPD zu diskutieren, nun so tut, als ob die Wünsche der Basis die Agenda beeinflussen könnten.
Was führende Sozis süddeutscher Prägung von der VERFASSUNGSGEBOTENEN Trennung von Staat und Kirche halten, wissen wir ja: Nichts.
Auch die Bayern-SPD schießt scharf. Ganz auf der Linie des Bundestopreligioten Thierse:

Kein laizistischer Arbeitskreis in der SPD

Der SPD-Fraktionsvorsitzende und Oppositionsführer im Bayerischen Landtag, Markus Rinderspacher, hat sich vom laizistischen Arbeitskreis der SPD und Forderungen nach der Abschaffung von Religionsunterricht und Kirchensteuern distanziert.

 „Es ist ein Zu­sam­men­schluss ei­ni­ger we­ni­ger Po­li­ti­ker, die lai­zis­ti­sche Pa­ro­len for­mu­lie­ren nach fran­zö­si­schem Vor­bild. Das hat in der SPD nicht nur keine Mehr­heit, son­dern es ist eine so ver­schwin­dend ge­rin­ge Min­der­heit, dass ich schon fast gar nicht dar­über reden will“, sagte Rin­der­spa­cher bei einem Re­dak­ti­ons­be­such des Sankt Mi­cha­els­bun­des in Mün­chen. In der SPD sei Platz für ver­schie­dens­te Grup­pen wie die Ar­beits­ge­mein­schaft SPD 60 Plus oder die Ar­beits­ge­mein­schaft Les­ben und Schwu­le in der SPD (Schwu­sos). „Aber es gibt kei­nen Ar­beits­kreis lai­zis­ti­scher Po­li­tik oder wie auch immer er sich nennt“, so der SPD-Po­li­ti­ker. Ein lai­zis­ti­scher Ar­beits­kreis sei nie bei einem SPD-Bun­des­par­tei­tag for­mal zu­ge­las­sen wor­den.

Rin­der­spa­cher be­ton­te mit Blick auf die Land­tags­wahl im Sep­tem­ber, dass ka­tho­li­sche Wäh­ler be­son­ders in Fra­gen der so­zia­len Ge­rech­tig­keit gut bei der SPD auf­ge­ho­ben seien. So seien sich Kir­che und SPD einig, dass die Fi­nanz­märk­te ge­bän­digt wer­den müss­ten.