Dienstag, 28. Mai 2013

Vorbild USA


Es ist nicht so leicht mich politisch noch zu überraschen.
Aber ein bißchen staunte ich schon, als im letzten US-Wahlkampf der systematische Einsatz von „Fact-Checkers“ zwar das erwartete Ergebnis lieferte, daß Republikaner sehr viel mehr und dreister logen als Demokraten; es aber kaum Einfluß auf ihre Wählerschaft hatte!
Geradezu stolz verkündete man sich im „post-truth“-Zeitalter zu befinden. 
Trotzig verbreiteten die Kandidaten Romney und Santorum sie ließen sich ihren Wahlkampf nicht von den „fact-checkern“ kaputt machen.
Wahrheit war zur Manövriermasse geworden.
Untersuchungen hatten ergeben, daß die Zuschauer und Zuhörer von konservativen Medien wie „Fox News“ systematisch so desinformiert worden waren, daß sie in Fragen zu aktuellen politischen Wissen klar schlechter als diejenigen abschnitten, die überhaupt keine politischen Nachrichten sahen.
Die Hirne der Bachman- oder Palin-Anhänger sind derartig geschädigt, daß sie sich eher in ihren Ansichten bestätigt sahen, wenn neutrale Quellen die Aussagen ihrer Idole als „Pants on fire“ (=größtmögliche Lüge) entlarvten.

Ich halte es allerdings ohnehin für naiv, dem Wähler eine Vorliebe für ehrliche oder gar „Klartext“-Politiker zu unterstellen.
Das Gegenteil ist der Fall.
Die Schwafler, die so vage und wischiwaschi daherreden, daß es alles und das Gegenteil dessen bedeuten kann, sind beliebt.
Klare Kante wirkt hingegen abschreckend auf das scheue Wahl-Reh!
Spitzenpolitiker, die wie von der Leyen, Merkel oder Schäuble immer wieder der Lüge überführt wurden, führen dennoch (oder gerade deswegen?) die Polithitparaden an.
Lügen haben den riesengroßen Vorteil, daß man es dem Publikum viel leichter recht machen kann, als wenn man sich an die lästigen Fesseln der Wahrheit halten muß.
Als Merkel lostönte, es könne nicht angehen, daß die fleißigen Deutschen für Griechenland zahlten und dafür die Griechen länger Urlaub machten und früher in Rente gingen, war das so ein Volltreffer!
Genau so sehen sich die Deutschen.
„Wir sind fleißig und die anderen faulen Säcke wollen uns das hart erarbeitete Geld wegnehmen!“
Das hört man gern, wenn die Kanzlerin das auch so sieht und dementsprechend die deutschen Interessen verteidigt.
Daß nichts daran wahr ist – die Griechen arbeiten mehr und länger als die Deutschen und Geld ist in Griechenland gar nichts angekommen; das landete alles unter anderem bei deutschen Banken – macht da fast gar nichts.

Ausgerechnet das biedere ZDF, das mit seinem schwarzgelb und kirchlich dominierten Verwaltungsrat für regierungsfreundliche und kirchentreue Chefredakteure sorgt, versucht sich nun zur Wahl auch an einer Art "Fakten-Check“ für Politikeraussagen im Wahlkampf. Unter „zdfcheck.de“ werden sparsam vereinzelte Aussagen überprüft.

Im Berliner Hauptstadtstudio des ZDF arbeitet ab Mitte Mai ein Team aus Faktencheckern, Social-Media-, und Grafik-Redakteuren von ZDF und Phoenix – sichtet, wählt aus und recherchiert. Die Expertise aus den ZDF-Fachredaktionen fließt dabei mit ein. Die Ergebnisse des Teams kann jeder live und transparent auf ZDFcheck.de verfolgen und selbst mitrecherchieren: Noch ist die Internetseite ZDFcheck.de im Aufbau, aber ab dem 13. Mai 2013 können Interessierte direkt ihre Hinweise auf der Seite eingeben und sich so in den Rechercheprozess einbringen.

Transparent?
Naja, wieso hier welche Aussagen genau gecheckt werden, erschließt sich mir nicht.
An Merkel hat sich jedenfalls noch keiner herangewagt.
Den ersten Check ließ allerdings die gewohnheitsmäßige Lügnerin Ursula von der Leyen über sich ergehen.
 Sie, die Arbeits- und Sozialministerin, die es wissen müßte, hatte behauptet die Einkommensschere schließe sich seit drei Jahren.
Das ist, überraschend, überraschend, natürlich eine Lüge. Schließlich handelt es sich ja um von der Leyen und die verabscheut Fakten.
Nimmt man die Ministerin beim Wort, lässt sich Ihre Aussage nicht zweifelsfrei belegen. Das gilt vor allem für ihren Zeitbezug "in den letzten drei Jahren". Für diesen Zeitraum gibt es keine aktuellen Zahlen. Die Daten des Statistischen Bundesamtes reichen bis zum Jahr 2011 und zeigen nicht, dass sich die Einkommensschere schließt. Die Aussage der Bundesarbeitsministerin stützt sich nach Angaben ihres eigenen Ministeriums auf DIW-Daten, die allerdings nur die Jahre 2005-2010 analysieren. Und selbst diese alten Daten werden vom DIW sehr unterschiedlich interpretiert. Für die Schlussfolgerung von Ursula von der Leyen finden sich deshalb hier keine hieb- und stichfesten Belege. Deshalb das Fazit: stimmt so nicht.
So richtig trauen sich die ZDF’ler also auch nicht. 
Experten, wie zum Beispiel der bekannte Kölner Armutsforscher Christoph Butterwegge werden gar nicht erst befragt und ob das DIW, welches schon mal Mitarbeiter entläßt, wenn sie sich nicht regierungsfreundlich genug zeigen, so eine objektive Quelle ist, wage ich auch zu bezweifeln.
Das Problem scheint mir beim ZDF-Faktencheck vor allem die „Probennahme“ zu sein.
Wer sagt was in welchen Zusammenhang?
Bei Linken haben sich beispielweise das Gerd-Schröder-Zitat vom „lupenreinen Demokraten Putin“ und das Müntefering-Zitat es sei unfair Politiker nach der Wahl an ihren Versprechen vor der Wahl zu messen absolut in den Köpfen festgesetzt.
Wie ich mehrfach in diesem Blog nachwies, sind das grob verfälschende Zitate, die so wie sie jetzt zitiert werden, nie gemeint waren.
Andererseits ist es schwer bei professionellen Nichtssagern wie Merkel überhaupt kernige Aussagen zu bekommen.
Und wozu auch?
Den Wählern behagt es möglichst unkonkret.
 So behaupten sie zwar mit großer Mehrheit „Klartext-Politiker“ zu bevorzugen und glauben das womöglich auch. Es stimmt dennoch nicht. Denn unter „Klartextpolitiker“ versteht der deutsche Michel einen Unklar-Plapperer wie Guttenberg. 
Jemand, der tatsächlich unverblümt Wahrheiten abfeuert, schreckt den Wähler ab. Steinbrück ist ein Klartextpolitiker, der ehrlich und klar ausdrückt was er will. 
Da zieht sich der Urnenpöbel zurück wie ein scheues Reh und flüchtet ins Reich des Wolkigen bei der Kanzlerin.
Bei ihr sind sie doppelt sicher, denn selbst wenn Merkel versehentlich mal eine klare Meinung zum Ausdruck bringt, zum Beispiel indem sie etwas ausschließt, kann man versichert sein, daß sie bald auch wieder das Gegenteil dessen sagen wird.
Sie beläßt es bei vagen Ankündigungen, wolkigem Gewaber und einigen konkreten Aktionen, die sie für die Zukunft „ausschließe.“

Merkel treibt planlos vor sich hin - durch ihren aberwitzigen ZickZack- und Hinhaltekurs hat sie die Eurorettungsaktion zigfach verteuert. 
Ihr abstruses Spardiktat würgt die Konjunkturen diverser Nationen ab.
 So ein Rezept hätte sie nie für Deutschland gewollt. Hier reagierte sie 2008/2009 völlig gegenteilig auf die Krise; nämlich mit gewaltigen Ausgaben-Orgien, zwei dicken Konjunkturpakten und Geldrauswurfmaßnahmen wie der Abwrackprämie.

Die Chaotisierung der europäischen Finanzarchitektur durch Wolfgang Schäuble und Angela Merkel folgt einer Grundregel, die SPD-Fraktionsgeschäftsführer Oppermann sehr schön auf den Punkt brachte, nachdem der eben noch endgültig auf maximal 218 Milliarden Euro begrenzte Haftungsrahmen von Merkel doch auf 280 Milliarden aufgeblasen wurde.
Wieder einmal, so Oppermann, komme das "Merkel'sche Gesetz" zur Anwendung: Je vehementer die Kanzlerin etwas ausschließt, desto sicherer ist, dass es später doch eintritt. Der Ärger der Genossen erscheint verständlich, denn es ist beileibe nicht das erste Mal, dass Merkel in der Schuldenkrise eine Position revidiert. Im Gegenteil: Die meisten Bundesbürger haben angesichts des Hü und Hott längst den Überblick verloren. Sie registrieren nur noch, dass die Summen, für die sie einstehen sollen, immer astronomischer werden und dass mittlerweile halb Europa auf ihre Kosten zu leben scheint. Wut, Frust und Missverständnisse haben ein Maß erreicht, das geeignet ist, die Demokratie in ihren Grundfesten zu erschüttern.    Die Hauptschuld daran trägt die Kanzlerin, der es nicht gelingt, mit den Bürgern so zu kommunizieren, wie es die Schwere der Krise von ihr verlangt. Keine Fernsehansprache, keine Rede zur Lage der Nation, stattdessen Gemauschel in Hinterzimmern nebst anschließender Kurskorrektur.
Griechenlandumschuldung, Wehrpflicht, Atomkraft, Mehrwertsteuer, Gesundheitsreform - wohin man auch blickt; man kann sich stets darauf verlassen, daß das was die Kanzlerin als absolut alternativlos einnordet doch nicht kommt, sondern eher das Gegenteil dessen angepeilt wird.
Man müßte also einen Faktencheck der Gesamtperson Merkel beginnen.
Heraus käme mit Sicherheit, daß auf ihre Aussagen absolut kein Verlass ist.
Und es würde ihr vermutlich noch nicht mal schaden.

Die größten Märchenerzähler und offensichtlichen Lügner, nämlich die Religionsführer, gelten hierzulande immer noch als hochangesehene Moralexperten.

Bei ihnen sollte der öffentliche Rundfunk mal das Fakten-Checken beginnen.
Wir kennen das von Dampfplauderern wie dem Ex-EKD-Chef Bischof Huber, der zwar der wiederholten und hartnäckigen Lüge überführt ist, aber dennoch als ETHIK-Experte in der Ethikkommission der Bundesregierung sitzt und für die ZEIT Ethik-Seminare auf DVD verkauft.

Seine Nachfolgerin Bischöfin Käßmann ist sogar noch schlimmer, indem sie ihr schlichtes ahistorisches Weltbild hinter so einem Schwall von nichtssagenden Allgemeinplätzchen verbirgt, daß man kaum noch greifen kann, was sie überhaupt sagt. 
Und genau das gefällt den Massen. Sie wird auf Kirchentagen gefeiert wie die vier Beatles in einer Person.
Menschen mit Gehirn leiden Höllenqualen, wenn sie Käßmanns Schriften lesen müssen, aber der Urnenpöbel ist begeistert.
Es gab schon einmal den „Scheck-Check Käßmann-Edition.“
Plappermäulchen Käßmann konnte es noch nicht mal unterdrücken die intimsten medizinischen Dinge, wie ihre einsetzende Menopause oder ihre Brustkrebserkrankungen sofort in der BILD auszuplaudern.

Ihre Mitteilungswut konterkariert notwendigerweise ihre geistige Schlichtheit.
 Ihr fortwährend erscheinenden Bücher (80 Stück bisher!) sind derart platt und inhaltsleer, daß professionelle Buchkritiker wie Denis Scheck vor echte Herausforderungen gestellt werden, wenn sie die neuesten Käßmannschen Plattitüden-Ansammlungen beschreiben müssen.

Aus groupiehafter Sehnsucht nach der medialen Wiederaufstehung einer wegen Trunkenheit am Steuer zurückgetretenen Landesbischöfin und Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland ein grauenhaftes Mischmasch aus Sermon, Erbauungsliteratur und moralisierenden Textautomatenbausteinen über Monate an die Spitze der deutschen Bestsellerlisten zu jubeln – für solch merkwürdige Heiligenverehrung kennt man meines Wissens im Norddeutschen das schöne Wort "katholisch!"
Margot Kässmann "In der Mitte des Lebens"
Changierend zwischen Predigtentwürfen und autobiographischen Notizen, geschrieben in jenem anbiedernden theologischen Kauderwelsch, das zum Niedergang der protestantischen Predigt beigetragen hat, ist dieses in seiner Konzeption nicht nachvollziehbare, in seinen Gedankengängen sprunghafte Büchlein eher eine Art Promigucken als wirklich etwas zum Lesen.
Margot Kässmann: "Sehnsucht nach Leben "
In zwölf besinnungsaufsatzähnlichen Texten denkt die Ex-Vorsitzende der EKD über Leben und Liebe, Kraft, Heimat, Stille und ja, auch über Gott nach. Dabei schreibt sie Sätze wie: "Ein Nein ohne jedes Ja – das wurde auf lila Tüchern beim Kirchentag 1983 in Hannover gegen den Willen von Kirchentagsleitung und Evangelischer Kirche in Deutschland zum Symbol." "Ein Nein ohne jedes Ja", auf diesen wirren Nenner könnte man auch meine Meinung zu diesem Mischmasch von einem Buch bringen.
Aber auch Naturwissenschaftler beschäftigen sich gelegentlich mit den Aussagen der Religioten.
Die Ergebnisse sind erwartungsgemäß verheerend. Die beweist ein neues Buch von Prof Thomas Rießinger: „Ratzinger – ein brillanter Denker?“
Rießinger zeigt, dass Ratzinger alias Benedikt XVI. „alles andere als ein scharfer oder tiefer Denker ist, seine angeblichen Resultate beruhen in der Regel auf einer Kombination aus Wunschdenken und Ausblendung der Realität… und von gedanklicher Tiefe kann in seinen Studien keine Rede sein“. Unbequeme Bibelstellen, die in Ratzingers Projekt eines total idealisierten und vergöttlichten Jesus nicht hineinpassen, ignoriert er. Zugleich bringt er Interpretationen vor, „die das gewünschte Ergebnis in Gestalt eines christlichen Glaubens bereits voraussetzten, das sie eigentlich erst gewinnen wollten… Das Prinzip, dass nicht sein kann, was nicht sein darf, hat er mit bewundernswerter Konsequenz durchgehalten. Auf der Strecke geblieben ist dabei nur die Suche nach der Wahrheit, aber die darf man von einer Hermeneutik des Glaubens wohl nicht erwarten“. […]

[…]   Noch weit niedriger muss man das Bild hängen, wenn man sich mit der Theologie Margot Käßmanns befasst. Dementsprechend vernichtend fällt das Urteil Rießingers über sie aus: „Manchmal bezieht sie Positionen zu konkreten Problemen unserer Zeit, vergisst dabei aber, die Realität wenigstens ein wenig in ihren Betrachtungen zu berücksichtigen, sondern zieht es vor, selbstgerechte moralische Allgemeinplätze zu präsentieren. In der Regel beschränkt sie sich aber darauf, Alltagsgeschichten zu berichten und daraus freundliche Lehren für den Hausgebrauch zu ziehen, die meistens darauf hinauslaufen, dass dies und das der Fall ist, das Gegenteil aber eigentlich auch, und dass man zwischen beiden die Balance wahren sollte. Und gelegentlich wagt sie sich auch auf das gefährliche Feld der Theologie und Bibelinterpretation, wobei sie großzügig alles ignoriert, was ihrem persönlichen Geschmack nicht entspricht, und auf diese Weise Deutungen produziert, die jeder Beschreibung spotten. Wer seine Freude an moralisch garnierten Banalitäten hat, der darf sich bei Margot Käßmann gut aufgehoben fühlen“.

Ein besonderer „Leckerbissen“ in der „Theologie“ und Bibeldeutung Käßmanns ist ihre Beschreibung der Gotteserfahrung des Propheten Elia, der nach ihr „Gott im Säuseln“ erlebt habe. Das ist in Käßmanns Deutung eine Gotteserfahrung „in ganz leisen Tönen“ gewesen. Deswegen unterscheide sich auch das Gottesbild dieses Propheten „schon im hebräischen Teil der Bibel von all diesen Bildern vom gewalttätigen Donnergott… Sanft, zart, zuwendend, so erlebt der Prophet Gott“. Käßmanns großartiges Fazit auf der Basis des eben Gesagten: „Gott und Gewalt gehen nicht konform“. Dass dieser „sanft säuselnde Gott“ seinem braven Diener Elia befahl, 450 Baal-Priester zu töten, was dieser auch prompt erledigte, stört Frau Käßmann nicht und verschweigt sie auch vor den gläubigen Schafen, die ihre Bücher lesen.

Was soll’s?! Die Frau ist populär, ihre Bücher verkaufen sich blendend, ihre Auftritte ziehen Massen des Kirchenvolkes an, und den Verantwortlichen der evangelischen Kirche geht es längst nicht mehr um die Wahrheit, sondern nur noch um Popularität und Profit.

Montag, 27. Mai 2013

Das Missverständnis.



So hatte ich Ratzi das ja wohl auch gedacht: 
Abtreten, um nicht selbst den Vatileaks- und IOR- und Kinderficker-Sumpf trocken zu legen und eine schnelle Papstwahl noch vor Ostern.
Hat prima geklappt. 
Der Neue, Franz, macht auf bescheiden und Friedensengel und wird jetzt schon von allen geliebt. Perfekte PR für die zuletzt von einer Panne zur nächsten schlitternden Vatikan-Öffentlichkeitsarbeit.

Papst fleht um Frieden in Syrien und Versöhnung in Korea. […] In seiner Osterbotschaft bat er Jesus, Krieg in Frieden und Rache in Vergebung umzuwandeln. In Syrien sei zu viel Blut vergossen worden, so das Oberhaupt der katholischen Kirche. […] In seiner Botschaft forderte Franziskus Frieden zwischen Israelis und Palästinensern und "für das geschätzte Land Syrien, für seine von den Auseinandersetzungen geschlagene Bevölkerung und für die vielen Flüchtlinge".   "Wie viel Blut vergossen wurde", sagte Franziskus. Wie viele Leiden müssten noch auferlegt werden, bevor eine politische Lösung gefunden werde, fragte der Papst.
(Spon 31.03.13)

Wie viele Myriaden Tote in Syrien zu beklagen sind, weiß keiner genau.
Es ist der Welt auch relativ egal. 
Anders als in Libyen, wo erheblich weniger Menschen umkamen, denkt keiner daran den Bürgerkrieg von außen militärisch zu beenden und die Flüchtlinge, die zu Millionen versuchen das Land zu verlassen, will auch niemand nehmen.
Die Häupter der westlichen Welt sind zwar gerne nach Rom gereist, um den neuen Papst zu hören, aber sie hören nicht AUF ihn.
Nächstenliebe ist etwas für die Kanzeln. 
Man sitzt gerne mit frommen Gesichtsausdruck auf der Kirchenbank und läßt sich von Frieden und Nächstenliebe erzählen.
 Insbesondere die frommen Politiker der C-Parteien.
Praktisch umsetzen wollen der christliche Innenminister Friedrich, der fromme ZdK-Vizekanzler Rösler und die Pastorentochter Merkel den Frieden lieber nicht.
Bürgerkriegsflüchtlinge sollen draußen bleiben und da sich mit Bürgerkrieg wunderbar Geld verdienen läßt, exportiert Deutschland mehr Waffen denn jemals zuvor in die Krisengebiete der Erde.
Jeder Tote und Verletzte ist eine Patrone mehr, die deutsche Waffenschmieden verkaufen können.
Und da ist Deutschland absolute Spitze.

Deutsche Rüstungsunternehmen verdienen so gut am Export von Kleinwaffen wie nie in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten. Der Wert der im Jahr 2012 genehmigten Ausfuhren war doppelt so hoch wie im Vorjahr. So wurden Genehmigungen für die Ausfuhr von Kleinwaffen und Kleinwaffenteilen im Wert von 76,15 Millionen Euro erteilt. Der Betrag liegt höher als alle Vergleichswerte seit Beginn der Erfassung in den Exportberichten der Bundesregierung Ende der Neunzigerjahre. Dies geht aus einer Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion hervor, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt.
Bei ihrer Definition von Kleinwaffen folgt die Bundesregierung der EU und fasst darunter in ihren Rüstungsexportberichten unter anderem Maschinenpistolen, Maschinengewehre sowie voll- und halbautomatische Waffen. Der Export von Kleinwaffen ist international besonders umstritten, weil ihnen, verglichen mit schweren Waffen, weltweit mit Abstand die meisten Menschen zum Opfer fallen. Zudem sind sie auch in Entwicklungsländern leicht zu beschaffen und tauchen immer wieder durch illegale Weiterverbreitung in Krisenregionen auf.

Die Grünen und die Sozis sind in ihrer Beschreibung dieses Vorgangs, der wieder einmal nur heraus gekommen ist, weil der LINKE Jan von Aken sich dahinter klemmte, ziemlich lau. Sie erliegen dem Missverständnis, daß Kleinwaffen eben auch nur ein kleines Problem wären.
Von der SPD gibt es gar keine offizielle Reaktion und die Grünen beklagen eher pflichtschuldig.

Sowohl in Libyen als auch in Mexiko wird mit Sturmgewehren aus deutscher Produktion gekämpft. Eine Verdopplung der Exporte von Kleinwaffen führt auch zu einer Verdopplung der potenziellen Opfer in diesen Konflikten. Auch Kleinwaffen sind Kriegswaffen und daher grundsätzlich nicht in Drittländer zu liefern. Schwarz-Gelb sollte lieber die bestehenden Kontrolldefizite in Deutschland beseitigen, als sich um den Verkauf von immer mehr Waffen zu bemühen.
Kleinwaffen aus deutscher Produktion sind bisher nicht einmal so sicher gekennzeichnet, dass sich ihr Weg dauerhaft zurückverfolgen lässt. Wir brauchen eine unauslöschliche Markierung von in Deutschland produzierten Klein- und Leichtwaffen und eine effektive Endverbleibskontrolle. Es muss tatsächlich überprüft werden, wo die verkauften Waffen abgeblieben sind.
(Katja Keul, Parlamentarische Geschäftsführerin Bündnis 90/Grüne 27.05.2013, PM 0393/13)

Was die Grünen euphemistisch mit „Kontrolldefizite“, „unauslöschliche Markierung“ und „effektive Endverbleibskontrolle“ beplappert wird, ist in Wahrheit eine Massenvernichtungswaffe, die tödlicher als alles bisher Dagewesene ist. 
Dafür sollte es schlicht und ergreifend überhaupt keine Exportgenehmigungen geben.

'Kleinwaffen sind die Massenvernichtungswaffen des 21. Jahrhunderts', sagte der Linken-Bundestagsabgeordnete Jan van Aken der SZ. 'Einmal exportiert, werden sie völlig unkontrolliert von Krieg zu Krieg weitergereicht.' Die Regierung solle den Export von Kleinwaffen 'nicht verdoppeln, sondern verbieten'. In jedem aktuellen Konflikt tauchten auch deutsche Kleinwaffen auf, 'selbst in Afghanistan schießen die Taliban mit deutschen Waffen auf deutsche Soldaten', so van Aken.

Ich empfehle jedem sich van Akens Website „Waffenexporte.org“ genau anzusehen, um einen Eindruck zu bekommen wie abartig und tödlich die Folgen von Merkels Politik sind.
Der verniedlichende Ausdruck „Kleinwaffen“ sollte nur mit Anführungszeichen verwendet werden.
Allerdings ist Merkels Deutschland auch mit größeren Waffen moralisch völlig verkommen.

„Jetzt musste die Bundesregierung zugeben, dass sie mit der Genehmigung deutscher Rüstungsexporte mitschuldig ist am Tod von 12 Demonstranten in Ägypten. Das macht einmal mehr deutlich, wie wichtig ein sofortiger Stopp aller Rüstungsexporte ist“, erklärt Jan van Aken, außenpolitischer Sprecher der Fraktion und stellvertretender Vorsitzender der Partei DIE LINKE, zu Medienmeldungen, nach denen in deutscher Lizenz produzierte und mit deutscher Technik ausgestattete Radpanzer in Kairo gegen den arabischen Frühling eingesetzt worden sind. „Nicht ein Gewehr, nicht ein Panzerteil, nicht ein Panzer darf das Land mehr verlassen, denn all diese Waffen werden natürlich irgendwann auch eingesetzt. Mit Radpanzern, die ohne Rüstungsexporte aus Deutschland niemals gebaut hätten werden können, hat das ägyptische Militär im arabischen Frühling 12 Demonstranten getötet, als die Panzer rücksichtslos und mit hoher Geschwindigkeit in die friedlich demonstrierende Menge gelenkt wurden. Die dramatischen Bilder aus Kairo führen eines mit aller Brutalität vor Augen: Wer Waffen exportiert, macht sich mitschuldig an Tod, Leid und Zerstörung.“
(Jan van Aken, die LINKE Bundestagsfraktion 27.09.13)

Übrigens, den friedensbewegten Papst, stört das alles überhaupt nicht!

Er traf Merkel in seiner kurzen Amtszeit schon zwei Mal und man versteht sich prächtig!

Rückschlüsse darauf wie ernst man Franz‘ Worte nehmen kann, liegen auf der Hand.

Sonntag, 26. Mai 2013

Zu schwul?



Da ist natürlich etwas Wahres dran:
 Als jemand, der sich viel mit Religion beschäftigt, hat man andauernd das Thema Homosexualität auf dem Tisch liegen.
Als eine der letzten Verteidigungslinien beharren die Hardcore-Kirchisten nämlich auf der Ungleichbehandlung von Heteros und Homos.
Ihnen schwimmen die Felle davon und nach 200 Jahren Aufklärung ist nicht mehr so viel übrig, für das die Moraltheologen kämpfen können.
Die meisten der anderen Gott-gegebenen Regeln, für die das Christentum in der Vergangenheit kämpfte, weil sie entsprechend in der Bibel geregelt waren, haben die Kirchen inzwischen fallen gelassen.


Sie sind nicht mehr gegen das Frauenwahlrecht oder Zinsen, hetzen nicht mehr gegen die standesamtliche Ehe, Befürworten nicht mehr die Leibeigenschaft, lehnen nicht mehr strikt die Moderne und die Demokratie ab, die verteufeln nicht mehr gemischtrassige Ehen, sie verbieten keine gemischtkonfessionellen Ehen mehr, sie streiten nicht mehr für Kinderarbeit und zumindest die Protestanten wettern noch nicht einmal mehr gegen Empfängnisverhütung.
Da ist nicht mehr viel übrig, gegen das Kirchen mit Verve hetzen können.
Hetze gegen Außenstehende ist aber unverzichtbar für das identitätsstiftende Wir-Gefühl von Religionsgemeinschaften.
Der „Wir sind besser als die!“-Grundtenor ist das Hauptrekrutierungs-Argument für organisierte Gläubige.
Wer würde sich schon einer inferioren Religion anschließend wollen?

Die beiden heute noch gängigen Hauptverdammungs-Objekte der Christen sind Abtreibungen und Schwule.

Der erste Punkt ist dabei besonders verlogen, weil Kirchenführer mit ihrer strengen Anti-Abtreibungsrhetorik immer unterstellen ihre Gegner wären FÜR Abtreibungen.
 Das ist aber selbstverständlich eine der vielen Lügen, die Christen verbreiten.
 Denn niemand, der bei Verstand ist, wirbt FÜR Abtreibungen.
Umstritten ist nur die Straffreiheit bei Schwangerschaftsunterbrechungen.
Empirisch betrachtet führen aber liberalere Regelungen und Sexualaufklärung zu WENIGER ABTREIBUNGEN. 
Verglichen mit den Zeiten vor 40 Jahren, als Abtreibungen in Deutschland generell verboten war, beträgt die Zahl der Abtreibungen heute nur noch ein Viertel!
Mit der Forderung von Abtreibungsverboten, dem Bekämpfen von Sexualaufklärung in der Schule, kämpfen die Kirchen also in Wahrheit FÜR mehr Abtreibungen.

Bleiben also nur noch die Schwulen. 
Hier besteht ein echter Dissens zwischen Kirchenoberen und Säkularen. Die einen sind in der Tat FÜR Homosexualität und die anderen dagegen.
Daher polarisiert das Thema. 
Daher haben all die vielen heterosexuellen Kirchenkritiker stets den „Homophobie“-Pfeil im Köcher, wenn sie mit Christen streiten.

Die Frage, die in Wahrheit diesem Thema zu Grunde liegt, ist die Frage nach dem Einfluß der Kirche auf den Staat.
Das ist für mich absolut entscheidend.
Die Homofrage ist dabei nur eine Symptom-Sau, welche stellvertretend durchs Dorf gejagt wird. Und zwar zuvorderst von den Kirchen, die beispielsweise im liberalen homophilen Frankreich mit ihrer homophoben Menschenhetze eine Verdreifachung der antischwulen Gewalt erreichten!
Das sollte jeden schockieren.
Die „Schwulenfrage“ an sich ist dabei auch für mich uninteressant.
 Sicher, meine persönliche Meinung ist, daß gleichgeschlechtlich Orientierte selbstverständlich genau die gleichen Rechte, wie die gegengeschlechtlich Orientierten haben sollten. 
Meiner Ansicht nach gibt es genauso wenig Anlass Schwulen und Lesben geringere Rechte einzuräumen, wie bei Schwarzen, Juden oder Ossis.
Ich habe genauso wenig Interesse daran zu erklären weswegen Schwule gleichberechtigt sein sollten, wie an der Frage, ob Schwarze dieselben Menschenrechte wie Weiße genießen sollten.

Vor allem aber will ich nicht, daß solche elementaren Rechtsfragen von Kirchen beeinflußt werden.

Noch einmal: In Wahrheit geht es um den kirchlichen Einfluß auf den Staat. Würde man ihn vollständig abbrechen, hätten sich auch so gut wie alle gesellschaftspolitischen Streitpunkte erledigt.

Verdammt noch mal, die Kirchen sollen sich aus den rechtlichen Belangen raushalten.

Für IHRE Mitglieder können sie gerne jede Regel aufstellen - und sei sie noch so absurd.
Aber warum sollte das für die Konfessionsfreien ebenfalls gelten?

Dazu hatte ich schon vor Jahren einen Vorschlag zur Güte unterbreitet.

Dabei wäre die Lösung für all die Probleme so einfach.



Jedes Mitglied der Kirche darf dann keine Schwangerschaftsunterbrechungen durchführen, darf nicht masturbieren, darf nicht in homosexuellen Partnerschaften leben, darf keine Patientenverfügungen aufsetzen, darf keinesfalls die PID nutzen und muß auch auf durch Gentechnik gewonnene Medikamente gegen Parkinson, Krebs und MS verzichten. Und jedes Kirchenmitglied soll natürlich mit allen Mitteln unter Aufbietung aller erdenklichen Qualen so lange wie nur irgend möglich am Leben gehalten werden. Jedem Mitglied der Kirche ist es streng verboten jedwede Form des Suizids in Betracht zu ziehen.


Gesetze würden natürlich weiterhin für ALLE Deutschen gelten - lediglich die angesprochenen gesetzlichen Einschränkungen der Freiheit, die ausschließlich religiös begründet sind, würden in ihrem Geltungsbereich auf die Kirchenmitglieder beschränkt.

Immerhin gibt es heute schon solche Zonen eingeschränkten Rechts, wenn es um die Arbeitnehmerrechte der kirchlichen Angestellten geht.
Ein Chirurg in einem katholischen Krankenhaus kann gefeuert werden, wenn er sich scheiden läßt und mit einer anderen Frau zusammen lebt.
Als Kirchenmitglied hat er also eingeschränkte Rechte.
Diese Einschränkung sollte konsequent ausgeweitet werden auf Verhütung, Homoehe, PID und Co.

Christen und Atheisten kämen sich nicht mehr in die Quere und vor allem wäre endlich der Gesetzgeber aus der Schusslinie!

Wenn ein Atheist gegen passive Sterbehilfe oder Stammzellenforschung ist, könnte er in eine Kirche eintreten.
Umgekehrt könnte eine christliche Schwangere, die sich das Recht zur Abtreibung nehmen will, aus der Kirche austreten.

Die Rechte wären individualisiert, Kirchen und Parteien und Politik müßten keine Stellvertreterkriege mehr führen.

Die augenblickliche Situation ist hingegen höchst unbefriedigend.
 Die Hauptkampflinien des Jahres 2013 sind immer noch die rechtlich gleichgestellte Homo-Ehe, die steuerliche Gleichstellung und die sogenannte Homo-Adoption.
Das Thema „Homoehe“ können mittlerweile aber auch einige Schwule kaum noch hören und so bekam ich gestern folgenden Kommentar:
Bisweilen habe ich bei Ihren Gedanken den Eindruck, dass die Einstellung zur Homo-Ehe für Sie das Maß aller Dinge zu sein scheint, obschon sie doch für den Fortbestand und die Weiterentwicklung der Gesellschaft, ja auch den Bestand und die Pflege der Demokratie nur marginale Bedeutung hat. Die uneingeschränkte und gleichberechtigte gesetzliche Anerkennung ist gut und richtig. Aber sie betrifft eben nur eine marginale Minderheit. Als Kriterium für Demokratie und Fortschritt, erscheint mir das zu hoch bewertet.
Dem widerspreche ich entschieden.
Selbstverständlich ist die Homo-Ehe keineswegs „das Maß aller Dinge“ für mich!

Aber gerade weil es nur eine „marginale Minderheit“ betrifft, erscheint mir das Thema ein idealer Indikator für das gesellschaftliche Klima zu sein.
Denn anders als bei Herdprämie oder Bildungsgutscheinen, ist die „Homoehe“ eben finanziell irrelevant für den Staat.
Es „kostet“ im doppelten Sinne nichts, die Homoehe zu erlauben.
Deutschland wird sich dadurch nicht verändern.
Die dreieinhalb verheirateten Homos, die Steuersplittingvorteile geltend machen können, fallen so gut wie nicht ins Gewicht.
Niemand muß etwas abgeben, nichts wird teurer, keiner wird schlechter gestellt.
Heteros sind gar nicht tangiert.
Umso abwegiger ist der Kampf dagegen.
Wenn eine Mehrheit gleiche Homorechte ablehnt – und genau das tut die PARLAMENTARISCHE Mehrheit aus CDU, CSU und FDP, betrifft das eben NICHT nur die dreieinhalb Schwulen, die gerne heiraten würden, um dann vom Ehegattensplitting zu profitieren, sondern es zeigt, daß eine Mehrheit in der Bevölkerung bereit ist zu diskriminieren und auszugrenzen.
 Auf Zuruf der Religionsvertreter insbesondere der katholischen Kirche.

Das halte ich in der Tat für sehr bemerkenswert, daß eine Majorität der Bevölkerung so wählt, daß Minderheiten offiziell diskriminiert werden.
Keine Kleinigkeit!
Schwulenrechte sind somit kein reines Schwulenthema, das nur eine kleine Minderheit betrifft, sondern der augenblicklich stärkste Indikator für eine moralisch unterentwickelte Gesellschaft, die offenbar immer noch am Rockzipfel der Theologen hängt.

PS:

Hier noch eine frühere Ausführung zur "HOMO-FRAGE"