Sonntag, 17. März 2013

Intoleranz nicht tolerieren!


Homo Sapiens wird in jeder Menge Modellvarianten ausgeliefert.
Große, Kleine, Dicke, Dünne, Schwarze, Gelbe, Rote, Braune, Krisselhaarige, Glatzköpfe, Albinos, Linkshänder, Blinde, Taube, Hermaphroditen, Einbeinige  - der Philanthrop hat die freie Auswahl.

Dabei zeigt die DNA eindeutig, daß es sich um die gleiche Art handelt - was man auch daran merkt, daß sie alle miteinander fortpflanzungsfähig sind.
Poppt ein Aborigine eine Inuit, können sie ein Kind bekommen.

Homo Sapiens hat allerdings eine eher unangenehme Kulturgeschichte, die durch religiöse Indoktrinierung immer wieder zu Hassattacken untereinander führte. 
 Toleranz ist uns zwar durchaus in die Wiege gelegt, aber durch „Erziehung“ lernen wir andere Homo Sapiens mit bestimmten Merkmalen zu verachten.

Durch zwei Jahrhunderte Aufklärung und harten Kampf der Humanisten gegen das konservativ-religiöse Establishment, sind wir im 21. Jahrhundert endlich so weit Diskriminierungen unter einander zu ächten.
Heute Geborenen ist in der Regel bewußt, daß es keinerlei Rechtfertigung dafür gibt Schwarze im Bus hinten sitzen zu lassen.

Diese Erkenntnis ist allerdings relativ neu.

Bis vor hundert Jahren durften Frauen nicht wählen oder studieren. 

Meine eigene Oma, Jahrgang 1897, wurde in der Schule mit größter Selbstverständlichkeit dafür geschlagen, daß sie Linkshänderin war. Jedes Mal, wenn sie der Klassenlehrer dabei erwischte den Bleistift zum Schreiben in die linke Hand zu nehmen, setzte es Hiebe. 
Ihre Zwangs-Rechtshändigkeit war über viele Jahre brutal eingeprügelt worden und zeigte sich ihr ganzes Leben in einer typischen krakeligen Handschrift, die so gar nicht zu ihrer außerordentlich gepflegten und eleganten Erscheinung passen wollte.

Als US-Soldaten Deutschland von den Nazis befreiten, war es ganz selbstverständlich, daß die Schwarzen unter ihnen keine Offiziere werden konnten und sich von Offiziersclubs fernzuhalten hatten.

Zu Hause in den Staaten, hatten die Überbringer der Freiheit und Demokratie japanisch-stämmige Amerikaner in Internierungslager gesteckt – einfach wegen ihrer Rasse.

Die Apartheid in Südafrika, also die staatlich verordnete strenge Rassentrennung und völlige Entrechtung der Bevölkerungsmehrheit endete erst 1994! 

Homosexualität war in den USA teilweise sogar bis ins 21. Jahrhundert verboten. Man konnte in Kansas, Oklahoma, Missouri und Texas bis 2003 (!!!) zu hohen Freiheitsstrafen und Geldbußen verurteilt werden.

Das volle Frauenstimmrecht in der Schweiz wurde erst im Jahr 1971(!) eingeführt; im Kanton Appenzell sogar erst im Jahr 1990. Und auch das nur auf gerichtlichem Wege gegen einen anderslautenden Mehrheitsbescheid der männlichen Stimmberechtigten.

Man muß sich eigentlich schämen ein Mensch zu sein.

Immerhin scheinen wir aber langsam an einem Punkt angekommen zu sein, an dem wir Diskriminierungen aufgrund angeborener Merkmale nicht mehr tolerieren wollen.

ZU RECHT erntet ein Thilo Sarrazin ein riesigen Shitstorm, wenn er auch nur andeutet Türken wären von Geburt an doofer als Deutsche.

Keine Toleranz der Intoleranz!

Es mag Frau Merkel als konservativer Christen schwer gefallen sein, aber als Papst Benedikt durch seine Williamson-Entscheidung und die Wiedereinführung der Karfreitagsfürbitte den Eindruck erweckte antisemitisch zu sein, ging sie ihn hart an.

In bisher nicht gekannter Schärfe hat Bundeskanzlerin Angela Merkel Papst Benedikt XVI. in der Debatte über den Umgang mit dem Holocaust kritisiert und das Oberhaupt der katholischen Kirche zu einer Klarstellung aufgefordert. Merkel sagte in Berlin, der Papst müsse "sehr eindeutig" erklären, dass es keine Leugnung des Holocaust geben dürfe. Zugleich rief sie den Papst dazu auf, unmissverständlich deutlich zu machen, dass es "einen positiven Umgang mit dem Judentum insgesamt" geben müsse. "Diese Klarstellungen sind aus meiner Sicht noch nicht ausreichend erfolgt", sagte Merkel.

Es ist unser demokratischer Konsens Menschenfeindlichkeit nicht mehr zuzulassen.
 Wenn eine Person des öffentlichen Lebens über die Minderwertigkeit von Schwarzen oder Juden orakelt, ist er erledigt.
Und womit? Mit Recht!
Es gibt keinerlei Rechtfertigung für Diskriminierungen aufgrund von vermeidlicher Andersartigkeit, mit der jemand geboren wurde.

Das ist selbstverständlich ein Lernprozess. Wie die Beschneidungsdebatte zeigt, ist die Politik keineswegs bereit in jedem Fall für Menschenrechte einzutreten.

Auch wenn Xenophobie und Antisemitismus geächtet sind, existieren sie in den Köpfen einiger Wähler. Und so kommt es immer wieder vor, daß ein Möllemann, ein Stoiber oder auch ein Lafontaine faschistoid klingende Töne von sich geben – in der Hoffnung auf Stimmengewinne. Das Beispiel Roland Koch zeigt – LEIDER – daß perfide eingesetzte Menschenfeindlichkeit durchaus zu Wahlsiegen führen kann.
Umso wichtiger ist es aber sofort laut die Stimme zu erheben, wenn ein Politiker mit diesen Methoden operiert.
Das funktioniert teilweise durchaus effektiv.
 Anti-afroamerikanische Andeutungen von Romney und Ryan haben ihnen im Wahlkampf massiv geschadet.
Die Mehrheit will eben keinen Präsidenten, der solchen Stereotypen anhängt.
Da mögen Konservative noch so sehr ob der manchmal auch übertriebenen „political Correctness“ rumjammern, aber da müssen sie durch.
Die Menschheit hat einfach zu viel Dreck am Stecken, um bei Judenfeindlichkeit oder Homohass die Augen zuzudrücken.

In diesem Zusammenhang möchte ich mich scharf gegen die relativ liberalen Katholiken Heiner Geißler und Heribert Prantl wenden, die einerseits Papst Franciscus als Freund der Armen, als Jesuiten und Anhänger Franz von Assisis bejubeln und andererseits schulterzuckend hinnehmen, daß er ihre Wünsche nach Legalisierung der Homoehe und Frauenordinierung nicht erfüllen werde.
 Prantl kann sich nicht vorstellen, daß priesterliche Ehelosigkeit oder das Weiheverbot für Frauen binnen einiger Jahre, oder eines Pontifikats aufgehoben würden. Aber er fühlt sich der Kirche sehr verbunden, die ihn wie ein wärmender Mantel umhülle.
 Antihumanistische Politik werde der Vatikan aber nicht beenden.
Das sei eben doch zu viel erwartet, es handele sich schließlich um den Papst. Und ihm wünsche man nun alles Gute, freue sich auf sein Pontifikat.

Der neue Papst beweist sich als Menschenfreund, deshalb hat er sich den Namen Franziskus gegeben. Er will uns verdeutlichen: Der Mensch als solcher ist uns anvertraut. So einer wie Jorge Mario Bergoglio wäre nie auf die Idee gekommen einem Weltjugendtag die Überschrift zu verpassen: "Wir kommen, um ihn anzubeten", wie es Benedikt XVI. getan hat. […]  Man kann sich wieder mehr freuen, katholisch zu sein. Ich hoffe, dass die katholische Kirche sich wieder beteiligt an der geistigen Auseinandersetzung für eine humane Wirtschaftsordnung so wie vor 60 Jahren die soziale Marktwirtschaft entstanden ist durch das geistige Bündnis zwischen Ordoliberalismus und katholischer Soziallehre unter Führung des Jesuiten Oswald von Nell-Breuning.

Schämt Euch, liberale Katholiken!

Warum fresst Ihr so viel Kreide und nehmt voller Verständnis scharf diskriminierende Sprüche des Papstes hin, als ob für ihn nicht die Regeln des Anstandes gelten würden?

Papst Franziskus, der mich gleich mal als Satanisten abstempelte, erklärte noch in jüngster Zeit, wie sehr er Frauen und Schwule verachtet.

In diesem Zusammenhang benutzt er die für einen Christen schwerste Keule überhaupt und bemüht den Satan, (Vater der Lügen, Herr der Fliegen) also das Schlimmste, das es überhaupt gibt in einem Christenkopp.

"Women are naturally unfit for political office. Both the natural order and facts show us that the political being par excellence is male; the Scripture shows us that woman has always been the helper of man who thinks and does, but nothing more."

In the debate leading up to the successful passage of same-sex-marriage legislation in his home country, then-Cardinal Bergoglio was a strong and vocal opponent, most famously saying, in a private letter to nuns that became public,
    Let’s not be naïve, we’re not talking about a simple political battle; it is a destructive pretension against the plan of God. We are not talking about a mere bill, but rather a machination of the Father of Lies that seeks to confuse and deceive the children of God.

Der Erzbischof von Buenos Aires hatte 2010 die Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule als "zerstörerischen Anlauf gegen den Plan Gottes" bezeichnet, der die Familie "verletzen" könne und geradezu ein Plan des Teufels sei: "Wir sprechen nicht von einem Gesetzentwurf, sondern von einer Intrige des Vaters der Lügen, die die Kinder Gottes verwirren und hinters Licht führen soll."
Die Ehe zwischen Mann und Frau sei "der einzige natürliche Weg der Nachwuchszeugung", hatte das Mitglied des päpstlichen Rates für die Familie einst gesagt. Ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare nannte er eine "Diskriminierung" von Kindern, die der "durch Gott gewollten Entwicklung durch Vater und Mutter beraubt" werden. Laut englischen Quellen sprach er in diesem Zusammenhang auch von Kindesmissbrauch.
(Queer.de 13.03.13) 
Für solche Äußerungen gibt es keinerlei Rechtfertigung!
Sie sind genauso hart zu bekämpfen, wie entsprechende Herabsetzungen von Juden und Farbigen.

Man führe sich vor Augen, wie die Welt reagiert hätte, wenn man nur das Objekt von Bergoglios Diffamierungen austauscht:

Der Erzbischof von Buenos Aires hatte 2010 die Öffnung der Ehe für Juden als "zerstörerischen Anlauf gegen den Plan Gottes" bezeichnet, der die Familie "verletzen" könne und geradezu ein Plan des Teufels sei: "Wir sprechen nicht von einem Gesetzentwurf, sondern von einer Intrige des Vaters der Lügen, die die Kinder Gottes verwirren und hinters Licht führen soll."
Die Ehe zwischen Katholiken sei "der einzige natürliche Weg der Nachwuchszeugung", hatte das Mitglied des päpstlichen Rates für die Familie einst gesagt. Ein Adoptionsrecht für Juden nannte er eine "Diskriminierung" von Kindern, die der "durch Gott gewollten Entwicklung durch Katholische Eltern beraubt" werden.

Schwarze sind von Natur aus unfähig politische Ämter zu übernehmen. Die natürliche Ordnung und die Fakten zeigen uns, daß Politiker Weiße sein müssen, die Bibel sagt uns, daß Schwarze immer nur Helfer der Weißen waren, welche das Denken und Tun übernahmen, aber nie mehr!

Warum sollte es weniger schlimm sein Homosexuelle und Frauen zu diskriminieren, als Juden und Schwarze?

Alles ist gleichermaßen von Übel und gehört gleichermaßen auf das Schärfste verdammt.

Papst Franziskus hat keine Milde verdient.

Ich verdamme seine Äußerungen genauso, wie ich den Antisemitismus von NPD-Politikern oder den Rassismus von Klukluxklan-Opis verdamme!

Samstag, 16. März 2013

Schämen zum Wochenende.



Seit ein paar Jahren sind alle so begeistert von dem Neologismus „Fremdschämen.“
Nun ja. Es geht so.
Viel besser ist allerdings der Ausspruch, den ich schon als Teenager von einer kreativen Freundin übernahm:

 „Das ist ja zum Mitschämen!“

Zum Mitschämen sind insbesondere die religiös Fanatisierten meiner Partei!

Es ging los mit der Lobpreisung der Generalsekretärin für den Freund der Holocaustleugner, den Schwulenhasser, den Frauen-Verachter und Kinderfickerschützer Ratzinger, der den Massenmörder Robert Mugabe trotz EU-Einreiseverbots einlud und die Kommunion erteilte (nicht aber Christian Wulff!), der auch Weißrusslands Diktator Lukaschenko herzlich begrüßte und mit George W. Bush seinen 81. Geburtstag verbrachte, ohne ein einziges Mal die Kriege im Irak und Afghanistan zu erwähnen:

 Mit größtem Respekt und Bedauern nehmen wir die Nachricht des geplanten Rücktritts von Papst Benedikt XVI. zur Kenntnis. […]   Wir danken Papst Benedikt XVI. für sein herausragendes Wirken. Aus tiefster christlicher Überzeugung heraus setzt er sich für die weltweite Achtung der Menschenrechte ein. Er suchte die Brücken zwischen Religionen und Weltanschauungen und zwischen säkularer und christlicher Welt. Das bleibt ein herausragender Beitrag für mehr Menschlichkeit und Frieden in unserem Jahrhundert. 

Es ist unnötig angesichts dieser Stellungnahme den Geisteszustand der SPD-Frontfrau in Worte zu fassen.

Der frühere Kanzlerkandidat, Außenminister und jetzige Bundestagsfraktionsvorsitzende Steinmeier steht Nahles in Punkto Religiotie kaum nach.

In Deutschland haben nach Einschätzung von SPD-Fraktions-Chef, Frank-Walter Steinmeier „antireligiöse Affekte und areligiöse Einstellungen“ zugenommen.
Das gelte auch für die SPD, sagte Steinmeier am Freitag in Berlin bei einer Veranstaltung der Evangelischen und der Katholischen Akademie aus Anlass des 150-jährigen Bestehens der Sozialdemokratie. Während der Beschneidungsdebatte des vergangenen Jahres sei ihm nicht selten „schlichtes Unverständnis“ dafür begegnet, dass religiöse Riten auch Ausdruck der Freiheit sein könnten.

Man fasst es doch einfach nicht, daß nach der Informationsflut der letzten sechs Monate ein SPD-Topppolitiker angesichts von Zwangsreligiosierung, hunderten Todesfällen bei Genitalverstümmelungen an männlichen Säuglingen allein in der westlichen Welt und einer vielfachen Zahl von psychischen Schäden von „Freiheit“ faselt.

Wie ich mich schäme solche Typen mit meinem monatlichen Beitrag mitzufinanzieren.

Den Gipfel der katholischen Verwirrung bildet aber Wolfgang Thierse, der seine Religiotie auf einzigartige Weise mit Bosheit, Verachtung für andere Überzeugungen und Lügen kombiniert.

„Laizismus wäre das Ende“
Tibor Oestereich: Herr Thierse, was bedeutet Ihr Glaube für Sie?
Wolfgang Thierse: Der christliche Glaube ist das tragende Fundament meines Lebens, das mich auch vor den Gefährdungen sowohl des politischen Fanatismus wie des politischen Zynismus schützt.  […]   Aus der Partei eine antikirchliche, laizistische Partei machen zu wollen, also zurück hinter Godesberg und ins 19. Jahrhundert, das wäre das Ende der SPD als Volkspartei!

So, jetzt fehlen mir aber wirklich die Worte!
Ich wünsche einen schönen Sonntag.

Freitag, 15. März 2013

Das C im Namen.


Ist das nicht schön? 
Während kritische Katholiken wie Heiner Geißler oder Hans Küng noch vor Begeisterung über den Jesuiten Franziskus jubeln, nordet der uns schon mal ein und erklärt mir am zweiten Tag seines Pontifikats, daß ich den Teufel anbete.
Der Unfehlbare bezichtigt mich des Satanismus.
"Wer nicht zum Herrn betet, betet zum Teufel"

[…] "Wenn der Mensch nicht geht, bleibt er stehen", predigte er. "Wenn man nicht auf die Felsen baut, was passiert dann? Das, was Kindern passiert, die am Strand spielen und Sandburgen bauen. Irgendwann fällt alles ein - ohne Festigkeit. Wenn sich der Mensch nicht zu Jesus Christus bekennt, geschieht, was wir bei Leon Bloy lesen: Wer nicht zum Herrn betet, betet zum Teufel. Wer sich nicht zu Christus bekennt, gibt die Welt der Weltlichkeit des Teufels anheim."
Wie nett. 
Da haben wir ihn wieder in Reinkultur, den stinkenden Kern jeder Religion:
 „Wir sind besser als Ihr. Ihr seid Dreck und deswegen dürfen wir mit Euch machen, was wir wollen!“
Und bei dem Mann gerät die ganze Katholische Welt in Entzückung und erwartet einen liberalen Umschwung?
Ungefähr das haben tatsächlich viele erwartet oder sich zumindest gewünscht, insbesondere sich irgendwie links wähnende Leute, denen die katholische Kirche eigentlich herzlich egal oder reichlich suspekt ist. Die Vorstellung aber, irgendein Hungerleider aus der Dritten Welt könnte Papst werden, fand man in diesen Kreisen total süß („nicht eurozentristisch“).

Und zugleich hegte man, es stand an dieser Stelle schon mal, die Hoffnung, der neue Papst würde den Zölibat abschaffen, gleichgeschlechtliche Ehen gestatten, Frauen zum Priesteramt erlauben, die Sache mit der Jungfrauengeburt einer naturwissenschaftlichen Prüfung unterziehen, das gemeinsame Abendmahl mit Hinz und Kunz zulassen, Abtreibung in Maßen billigen und überhaupt unter den Soutanen den Muff von 2000 Jahren lüften.

Das ist die katholische Kirche, Himmelherrgott!

Doch selbstverständlich wird der neue alte Sack nichts von alledem tun.
Das „Wir-sind-etwas-besseres-als-ihr“-Christentum praktiziert auch die CSU, die gerade jetzt im Kampf gegen die Menschenrechte das „C im Namen“ als Argument wiederentdeckt.
Die Toleranz-Skala der CSU beginnt bei Null, das ist dann der sogenannte Dobrindt-Punkt. Im Streit um die rechtliche Gleichstellung von Homo-Ehen hat der Generalsekretär am Wochenende im Interview mit der Welt anschaulich erklärt, wie die Union aus seiner Sicht funktioniert. 'Die Union als Volkspartei hat die Aufgabe, der stillen Mehrheit eine Stimme zu geben gegen eine schrille Minderheit.' Schrille Minderheit - das sind in diesem aktuellen Fall die Schwulen und Lesben. Ganz allgemein steht die Minderheit in Dobrindts Koordinatensystem als Platzhalter für jene, auf deren Kosten die CSU meint, ein paar Prozente bei den Wahlen gewinnen zu können. Bei der schweigenden Mehrheit war die Partei in jedem Fall nie besonders wählerisch, solange sie bei der CSU ihr Kreuzchen macht, weshalb erfahrungsgemäß in Wahljahren früher oder später mit scharf an Ausländerfeindlichkeit grenzenden Parolen Stimmenfang betrieben wird. […]

In Sachen Weltoffenheit schließt die CSU gerade die Pforten, Eintritt hat im Wahljahr offenbar nur noch, wer weiß-blaue Unterwäsche trägt und schwört, alles zu tun, was der CSU jetzt und für immer guttut. Aus einer Abstimmung über die Klage gegen den Länderfinanzausgleich, mit der CSU und FDP erreichen wollen, dass der Freistaat in Zukunft weniger Geld an bettelarme Bundesländer überweisen muss, machte die CSU im Februar sogleich einen Patriotentest im bayerischen Landtag. Wer gegen die Klage ist, muss gegen Bayern sein. Prompt fanden sich auf Facebook all jene Abgeordnete der Opposition namentlich wieder, die sowohl etwas gegen die Klage wie auch gegen das übertriebene Bayerngehabe haben.
(Frank Müller und Mike Szymanski, SZ, 12.03.2013)
Ausländer, Tunten, Linke – all das sind Menschen, bzw eher Subhumane, die nicht der CSU-Religion angehören und als Ungläubige keine Rechte besitzen sollten.
Der CSU-Bundesinnenminister ist ganz eifrig dabei das Ausländerpack abzuwehren.
Friedrich muss populistische Eskapaden gegenüber Bulgarien und Rumänien beenden.

Innenminister Friedrich läuft sich mit markigen Sprüchen gegen Rumänien und Bulgarien für den Wahlkampf warm. Seine Verknüpfung der Schengen-Beitrittsfrage mit der Unterstellung von Sozialmissbrauch durch Zuwanderer aus diesen Ländern ist zudem schlicht unverantwortlich. Das eigentliche Problem ist die Korruption. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma hat Recht, wenn er sich in einem Brief an Bundespräsident Gauck beschwert, dass solche pauschale Aussagen aggressiv auf Roma gemünzt seien.
(PM Nr. 0198/13, Bündnis90/Die Grünen, 07.03.2013)
Schlimmer als Ausländer im Ausland, die aber womöglich hierher kommen könnten, sind für CSU-Politiker nur Ausländer in Deutschland.
Das bewies CSU-Sozialministerin Christine Haderthauer, die gestern bei einem Würzburg-Besuch mit Bischof Friedhelm Hofmann und Mitgliedern der lokalen Asyl-Arbeitskreise sprach. 
Großzügig wollte sie sich zeigen und den Asylanten nun doch mal Deutschkurse anbieten. 
OK; im Jahr 2013 ist es noch reichlich früh für eine solch progressive Tat. Wozu müssen Undeutsche denn Deutsch können?
Haderthauer wollte als Wohltäterin punkten, rechnete allerdings nicht damit, daß diese Nicht-Bayern auch mit ihr reden wollten.
Eine CSU-Ministerin, die mit Ausländern redet? 
Das ging ihr dann zu weit.
 Sie lehnte ab und flüchtete in ihren gepanzerten Dienstwagen. Einige dieser Ausländer wagten es aber frecherweise auf ein Gespräch zu bestehen und stellten sich einfach vor den Dienstwagen. 
Sauerei!
Für die Pressefotografen war das natürlich ein spektakuläres Motiv: Ein Asylbewerber auf Krücken etwa, der sich vor der stattlichen Limousine aufbaute und dort gut zehn Minuten lang mit anderen, die sich dazugesellten, stehen blieb.

Für die Opposition ist Haderthauer aber nicht das Opfer, sondern die Schuldige: "Eine Visite der eiskalten Schneekönigin", erklärte die unterfränkische Grünen-Abgeordnete Simone Tolle am Freitag. Kälter könne man Menschen, die Schutz suchen, nicht behandeln, sagte Tolle in Reaktion auf Haderthauers Definition des Begriffs "Flüchtling", mit welcher sie auch in Würzburg nicht hinter dem Berg gehalten hatte. Flüchtlinge, so betont die Ministerin stets, seien nur jene, die offiziell als solche anerkannt sind. Haderthauer weicht zudem keinen Millimeter davon ab, dass Asylbewerber auch weiterhin kein Geld erhalten sollen, um sich das Essen selbst kaufen zu können. Hier wolle sie erst einen Pilotversuch abwarten.

[…] Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) [sprang] in die Bresche.

Sie war beim Gespräch dabei gewesen. Während Haderthauer im Wagen saß, redete Stamm mit den Aufgebrachten und versprach, sich zu kümmern. Kopfschütteln herrscht am Tag danach beim Flüchtlingsrat: "Sie hätte einfach mal aus ihrem Auto aussteigen und mit den Asylbewerbern reden können", sagte ein Sprecher - seit Monaten hätten die Flüchtlinge um ein Gespräch gebeten.

Donnerstag, 14. März 2013

Ansehensverlustimmunität



Heute ist auch in der atheistischen Szene noch alles vom Kampf um die Deutungshoheit der Personalie Bergoglio geprägt.
Während sich alle deutschen Politiker von ganz links bis ganz rechts freudig und erwartungsvoll zeigen, stöbern die wenigen kirchenfernen Schreiberlinge in Franzis homophober und Junta-philer Vergangenheit umher.
Ob der neue Papst nur ein normaler Schwulenhasser ist, wie es konservative Kleriker nun einmal immer sind, oder ob er das Homobashing mit einer manisch-neurotischen Verve wie Ratzi vertritt, muß man noch abwarten.

Katholiken sind offenbar immer sehr naiv. 
Als man 2005 in Deutschland „Wir sind Papst!“ jubelte, wurde die Wahl des erzkonservativen Panzerkardinals auch als Zeichen des Aufbruchs bewertet und eine Öffnung hin zur liberalen Weltanschauung erwartet.
Das ist ähnlich wahrscheinlich wie ein Eintreten Brüderles für einen Spitzensteuersatz von 100%.
Den besten Text zur Wahl Bergoglios fand ich beim Postillon und der besteht aus insgesamt drei Sätzen:
Überraschung! Katholische Kirche wählt alten, konservativen weißen Mann zum Papst!

Wer hätte das gedacht? Obwohl Franziskus (76) alt, weiß und erzkonservativ ist, wurde er Papst.
Oder etwas ausführlicher formuliert von Deniz Yücel:
Was hat man denn erwartet?

Alter Sack der Xte

Der neue Papst ist, den bislang vorliegenden Informationen nach zu urteilen, ein reaktionärer alter Sack wie sein Vorgänger, der seinerseits einem reaktionären alten Sack gefolgt war, der wiederum einen reaktionären alten Sack beerbt hatte. Alter Sack I. folgte Alter Sack II., Alter Sack II. aber folgte Alter Sack III., in einem fort, jahrein, jahraus.  Ob dieser oder jene alte Sack nun eine Schwäche für die Schwachen („katholische Soziallehre“) hatte oder sich lieber mit esoterischem Klimbim („katholische Dogmatik“) beschäftigte, ist in etwa so relevant wie die Frage, ob er nebenher Briefmarken sammelte oder lieber doch Schmetterlinge.

Der neue alte Sack, der künftig unter dem Künstlernamen Franziskus auftreten wird, hat, so ist zu hören, als er noch Jorge Bergoglio hieß und Erzbischof von Buenos Aires war, gegen die Ehe von Lesben und Schwulen („Plan des Teufels“) und die Adoption von Kindern durch gleichgeschlechtliche Paare („Kindesmissbrauch“) gekämpft. Noch früher soll er als Leiter der argentinischen Jesuiten ein enges Verhältnis zur Militärjunta (das waren jene Freaks, die auch die Falklands heimholten wollten) unterhalten haben.
Aber ist das so verwunderlich? Und was hat man denn erwartet? Einen gutaussehenden schwulen Afrikaner, der George Bataille, Simone de Beauvoir und die Situationisten verehrt, der den Islam, das Judentum oder die Lehren irgendwelcher Bettelmönche aus dem Anhaltischen für ebenbürtige Wege zu Gott hält, der den päpstlichen Anspruch auf Führung („Petrus-Primat“) und Unfehlbarkeit („Ich hab recht, du nicht“) sausen lässt und der nach der Sonntagsmesse mit einem Joint beim Formel-1-Rennen Entspannung sucht?
Renate Künast (deren Friseur offenbar farbenblind geworden ist und ihr ein ganz grauenhaftes Orange auf die Birne geklatscht hat) entgegnete auf die Frage Gerd-Joachim von Fallois nach den schwulenfeindlichen Sprüchen des Papstes nur ganz entspannt, nun ja, sie erwarte ja auch nicht von der katholischen Kirche die Vorkämpferin für die Homoehe zu sein.

So einfach ist das also. 
Eine Organisation, die mit vielen Milliarden Euro Steuermitteln versorgt wird und allgemein als Vermittlerin der „WERTE“ bejubelt wird, kann ruhig auch extrem antihumanistische Hasspropaganda verbreiten. 
Macht ja nichts.

Es ist und bleibt ein Faszinosum für mich, daß eine Religion, die sich so nachhaltig als sadistisch disqualifiziert hat weiterhin als Autorität für Menschenrechte und moralische Werte angesehen wird.
Es ist schließlich kein Geheimwissen mehr über die hunderttausendfache Kindermisshandlung durch Kirchenmitglieder Bescheid zu wissen.
800.000 Kinder wurden allein in Deutschland von ca. 1950 – 1980 in protestantischen und katholisch geführten Gulags gequält, missbraucht, geschlagen, ausgenutzt, versklavt und unter Drogen gesetzt.
Und Deutschland ist keineswegs ein Einzelfall. In Holland, Belgien, Österreich, Irland oder der Schweiz verfuhren die Kirchen-Perversen genauso mit Menschen unter 21 Jahren.
Es gab durchaus Todesfälle, in Holland haben Bischöfe die Kastration von Jungen durchführen lassen, wenn sie diese für potentiell homosexuell hielten.
Millionen Menschen haben die christlichen Kirchen in den letzten Dekaden systematisch zu seelischen Wracks gemacht. Zu psychisch Gestörten, die bis heute unter schweren Angststörungen und Depressionen leiden und nie im Leben glücklich werden konnten.
Das ist das Werk der Kirchen.
Man weiß das alles. Letzte Woche gab es zu dem Thema mal wieder zur Primetime einen Film und eine Dokumentation im ZDF.
Über 800.000 Mädchen und Jungen waren zwischen Kriegsende und 1975 in westdeutschen Heimen untergebracht. In den sechziger Jahren gab es etwa 3000 solcher Einrichtungen, zwei Drittel davon standen unter kirchlicher Leitung, ein Viertel war staatlich, der Rest privat organisiert. Etwa die Hälfte der Insassen konnte das Heim nach zwei bis vier Jahren wieder verlassen, der Rest blieb bis zur Volljährigkeit, bis zum 21. Lebensjahr - die gesamte Kindheit und Jugend lang.

Wie es hinter den Mauern dieser Einrichtungen zuging, hat der SPIEGEL-Journalist Peter Wensierski aufgeschrieben. Sein Buch "Schläge im Namen des Herrn", erschienen 2006, beschreibt aus der Perspektive der Opfer, wie es war, pädagogisch schlecht oder gar nicht ausgebildeten Erziehern und Aufsehern ausgeliefert zu sein, verprügelt zu werden für Ungehorsam oder schlicht aus Willkür, keine schulische Ausbildung zu bekommen, dafür Zwangsarbeit verrichten zu müssen, eingesperrt zu werden in "Besinnungsstübchen" genannte Kerkerzellen.

"Schläge im Namen des Herrn" brachte eine Tatsache ans Licht, die lange verdrängt worden war: Auch in der Bundesrepublik gab es staatlich sanktionierte Menschenrechtsverletzungen.
Jede andere Organisation, die auch nur ein Promille dieser Schuld auf sich geladen hätte, wäre längst verboten, ihr Besitz wäre konfisziert worden.

Die Kirchen jedoch hält man hartnäckig für „werteorientiert“ und für besonders gut geeignet Kinderbetreuung zu übernehmen.
Dabei ist auch bekannt, daß katholische Geistliche mit ihrer bizarr unterdrückten Sexualität immer wieder kleine Jungs vergewaltigen und daß diese Fälle dann von den Vorgesetzten bis hoch zum Papst vertuscht werden.
Noch gestern fand man so einen Kinderfickerschützer so würdig den neuen Papst wählen zu lassen – würdiger als jede Frau dieses Universums!
Kardinal Roger Mahony, der bis 2011 über ein Vierteljahrhundert lang die Geschicke des Erzbistums von Los Angeles geleitet hatte, saß in der Sixtinischen Kapelle zur Wahl eines Papstes, als ihn die alten Geschichten aus der Heimat einholten: Seine Diözese verpflichtete sich zur Zahlung von 9,9 Millionen Dollar Entschädigung an vier Männer, die von einem pädophilen Priester über Jahre hinweg missbraucht worden waren.

Mahony hatte den Gemeindepfarrer zwar schon 1986 wegen sexueller Übergriffe verwarnt und in Behandlung geschickt, dann aber andernorts wieder als Pfarrer eingesetzt. Der Täter wurde rückfällig und im Jahr 2000 entlassen, ein Strafgericht verurteilte ihn später zu zehn Jahren Gefängnis, von denen er fünf absaß. Angeblich belästigte und misshandelte der Priester über drei Jahrzehnte 23 Jungen.

[…] Erst im Januar hatte die Kirchenbehörde 12000 Dokumente freigeben müssen, die nachzeichneten, wie lax der Kardinal Fällen sexuellen Missbrauchs durch Priester intern nachgegangen war. Ein Opferanwalt erklärte, die Papiere hätten eine außergerichtliche Einigung mit seinen Mandaten enorm beschleunigt: 'Kardinal Mahonys Fingerabdrücke waren überall auszumachen.'  
Macht ja nichts.
 Mit solchen Stimmen wurde Franzi gewählt.
Die schwulenhassende, kinderseelenvernichtende und sexuell übergriffige RKK ist keineswegs geläutert. 
 Auch im Jahr 2013 ist sie intensiv damit beschäftigt sich gegen die Aufklärung zu wehren und diejenigen zu diffamieren, die Licht ins Dunkel bringen wollen. 
Anfang der Woche wurde die katholische Kirche durch einen gerichtlichen Vergleich dazu gezwungen die Vorwürfe gegen Prof. Pfeiffer zurück zu nehmen. Wieder einmal hatten die Bischöfe gelogen.
Anfang des Jahres kündigte die Kirche das groß angelegte Projekt, seither schieben sich beide Seiten die Schuld zu. Konkret geht es im Vergleich darum, wie die Vertragsverhandlungen zwischen Kirche und Pfeiffers Kriminologischem Forschungsinstitut Niedersachsen (KfN) abliefen, die schließlich in die Zerrüttung führten. Die Bischofskonferenz darf auf ihrer Seite dbk.de nun nicht mehr behaupten, sie habe mit Pfeiffer schon im Juni 2012 eine Einigung erzielt, welche die 'Wissenschafts- und Publikationsfreiheit zweifelsfrei garantierten'. […]

Pfeiffer sprach am Dienstag von einer neuen Niederlage der Kirche vor Gericht. Sein Institut habe sich durchgesetzt. Die 'krasse Unwahrheit', man habe sich im Juni auf Publikationsfreiheit geeinigt, sei damit korrigiert. Schon im Januar waren die Kirchenanwälte mit einem Antrag gescheitert, dass Pfeiffer ihnen nicht mehr öffentlich 'Zensurwünsche' vorwerfen darf. Anders als mit einer bloßen Unterlassung sei die Kirche nun durch den Vergleich dazu verpflichtet, die Geschehnisse mit bestimmten Formulierungen darzustellen.
(SZ vom 13.03.2013)
Ja, Bergoglio mag im persönlichen Auftreten deutlich sympathischer als Ratzinger sein – aber das ist irrelevant das Kind RKK ist seit Dekaden im Brunnen.

Die Organisation gehört einfach abgeschafft.