Donnerstag, 24. Januar 2013

Lüge währt am Längsten - Teil II



Das ist doch einfach zu albern, daß vom Staatsmann bis herunter zum Reality-TV-Z-Promi jeder Ehrlichkeit predigt.

Ob Kanzlerin oder Dschungel-Georgina, alle behaupten „immer ehrlich“ zu sein und empören sich über „Falschheit“.
Dabei lügen sie alle. Und noch nicht mal besonders trickreich.
Geschick beim Lügen ist nicht notwendig.
Die Kanzlerin erzählt in öffentlichen Veranstaltungen von der geringeren Arbeitszeit der Griechen, „beim Arbeitslosengeld II würden im Rahmen der Erstattung der Unterkunftskosten alle Heiz- und Stromkosten voll ersetzt“ oder Atomenergie sei unverzichtbar. 
Alles Merkel-Lügen, die leicht zu überprüfen sind.
("Die Arge übernimmt alle Stromrechnungen der Arbeitslosen."
Fakt ist, dass die Arbeitslosen die Stromrechnung selbst bezahlen müssen aus dem Regelsatz von 351 €. Da die Strompreise stark gestiegen sind, werden Arbeitslose hart getroffen.)

Merkels Lügen sind auch nicht anspruchsvoller, als die dem Vakuum-Kopf des Dschungel-Sams' entsprungenen Geschichten über ihre Dschungelprüfungen, die sie den Co-Versagern auftischt. 
Ihr müßte doch klar sein, daß sich jeder in ein paar Tagen die Aufzeichnungen ansieht und sie der Lüge überführt.
 So funktioniert das Lügen aber nicht. Man lügt für den Moment und in der schnelllebigen Zeit, in der gewöhnliche Homo Demens über eine maximale Aufmerksamkeitsspanne von Minuten verfügen, ist es irrelevant, ob man später der Lüge überführt werden könnte.
So wird auch Merkel von 75% der Deutschen bewundert und als grundehrlich eingeschätzt. 
Dabei lügt sie andauernd.
 "Ich habe gesagt, ich will keine Große Koalition – und es wird sie auch nicht geben." (Juli 2005; OVB, 7.11.2006, S. 3) wenige Monate später gab es die Große Koalition mit der Kanzlerin Angela Merkel.

"Die CDU-Vorsitzende Dr. Angela Merkel hat die militärischen Konsequenzen der USA als Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September als “alternativlos” bezeichnet." – Es gibt selbstverständlich viele andere Möglichkeiten, z.B. Verhandlungen oder Afghanistan nicht zu bombardieren.
Zur Eurokrise, für deren Bewältigung die Wähler Merkel für ganz besonders kompetent erachten, feuerten Merkel und Schäuble ganze Kaskaden von dreisten Lügen über nicht kommende Rettungsschirme und Transferunionen ab.
Im Münchhausencheck des Spiegel heißt es:
Die Aussagen der Bundeskanzlerin und ihres Finanzministers in Sachen Euro-Krise sind über die Jahre immer wieder völlig falsch. Note: eine klare Sechs.
(Hauke Janssen 11.12.12)

Natürlich war es eine dicke Lüge, als Merkel dreist und frech vor dem Bundestag behauptete, dass die Lasten aus der deutschen Wiedervereinigung schon getilgt seien.
Na und? Merkel ist die mit Abstand beliebteste Politikerin Deutschlands und wird vermutlich ein drittes mal Kanzlerin.

Das macht doch nichts.

Die USA ist bis heute zweifellos die stärkste Militärmacht des Planeten. 
Trotz oder wegen der LÜGEN, mit denen Amerika in Kriege zieht?
Bis 2001 bis 2003 hatte die Bush-Administration hundertfach bei jeder Gelegenheit die dreistesten Lügen über den Irak verkündet. Er helfe Osama bin Laden, horte Massenvernichtungswaffen, könne binnen 45 Minuten Europäische Hauptstädte mit Interkontinentalraketen erreichen. 
Der oberste Diplomat der Weltmacht USA führte all diese Lügen sogar ungeniert im UN-Sicherheitsrat aus.
Glaubwürdig war das nicht. Joschka Fischer; damals hatten wir noch einen Außenminister; schleuderte dem US-Kriegsminister direkt ins Gesicht, daß er ihm kein Wort glaube.
Machte aber keinen Unterschied. Die USA begannen dennoch den Krieg, der möglicherweise Millionen Opfer forderte und letztlich eine Weltwirtschaftskrise auslöste.
 Es gab keine Sanktionen gegen die USA, George W. Bush wurde wiedergewählt, Merkel herzte und küsste ihn, wann immer sie ihn zu fassen bekam.

Beim letzten Irakkrieg war es nicht anders. Da war es GWBs Vater, der als Präsident die Lüge von marodierenden Irakern, die Kuweitische Säuglinge an die Wand würfen, verbreitete. Ein erstunkener Kriegseintrittsgrund.

1964 stellte der US-Präsident Lyndon B. Johnson die Weichen auf Vietnamkrieg, indem er behauptete der US-Zerstörer „Maddox“ werde von Vietnamesen angegriffen.
 Stichwort „Tongking-Zwischenfall“.
Alles eine glatte Lüge. Aber der Krieg kam wie vom Weißen Haus erwünscht.

Das macht doch nichts

Mit der Wahrheit steht dieser Papst notorisch auf dem Kriegsfuß und versucht sie, wo immer möglich, zu unterdrücken.
Seit 50 Jahren ist die vatikanische Inquisitionsbehörde eifrig damit beschäftigt weltweit niemals die Wahrheit ans Licht kommen zu lassen, wenn einer der 400.000 Priester mal wieder ein Kind missbraucht hat.

An vorderster Stelle der Wahrheitsantagonisten steht seit Dekaden Joseph Ratzinger.
Zu seiner Mitschuld hat sich bisher noch kaum ein Bischof bekannt. Aber er könnte darauf verweisen, er sei nur den Weisungen Roms gefolgt. Aus Gründen absoluter Geheimhaltung zog in der Tat die verschwiegene vatikanische Glaubenskongregation alle wichtigen Fälle von Sexualvergehen von Klerikern an sich und so kamen die Fälle in den Jahren 1981 bis 2005 auf den Tisch ihres Präfekten Kardinal Ratzinger. Dieser sandte noch am 18. Mai 2001 ein feierliches Schreiben über die schweren Vergehen („Epistula de delictis gravioribus“) an alle Bischöfe der Welt, in welchem die Missbrauchsfälle unter die „päpstliche Geheimhaltung“ („secretum Pontificium“) gestellt wurden, deren Verletzung unter Kirchenstrafe steht.
(Prof Küng über Bischöfliche Verantwortung)
Kein geringer als Ratzinger also, der heute Unfehlbare, sorgte über 20 Jahre dafür, daß die Kindersexattacken der Priester und Bischöfe verschwiegen und vor den Staatsanwaltschaften verborgen wurden.
1962 verschickte der damalige Chef der vatikanischen Glaubenskongregation, Kardinal Alfredo Ottaviani, einen bis heute umstrittenen Brief an die Bischofskonferenzen. Missbrauchsfälle sollten geheim gehalten und lediglich dem zuständigen Bischof gemeldet werden. Auf die Opfer wurde eingewirkt, Stillschweigen zu bewahren – unter Androhung der Exkommunikation.
Das Lügen ist diesem Papst so in Fleisch und Blut übergegangen, daß ihm seine Märchen von der unbefleckten Empfängnis und anderen kindlichen Ammenmärchen vermutlich gar nicht mehr peinlich sind.
 
 Seit 2000 Jahren ist die Giga-Organisation Christentum mit Lügen erfolgreich.
In all den Jahrhunderten, in denen Geistliche auch weltliche Macht hatten, fiel das Lügen natürlich ohnehin leicht, weil man diejenigen, die behaupteten die Erde sei eine Kugel oder die Sonne stünde im Zentrum des Planetensystems einfach verbrennen und foltern konnte.

Wer aber denkt hohe Geistliche sollten im 21. Jahrhundert vorsichtiger lügen, weil sie leicht zu widerlegen wäre, irrt.
Bischofe hauen auch heute noch die dreistesten Lügen raus und werden dennoch brav vom Steuerzahler mit fünfstelligem Monatsgehalt bedacht.
 Zig Millionen Deutsche gehören dem Lügenverein freiwillig an und zahlen freiwillig neun Milliarden Euro Mitgliedsbeiträge pro Jahr.
Der Bischof lässt das Lügen nicht.

Der Bischof von Regensburg, Gerhard Ludwig Müller, hat sich in Fragen der Kirchensteuer und was damit finanziert wird, derart sachlich grob falsch geäußert, dass es nur als Lüge zu bezeichnen ist.

Auch Bischöfe müssen bei der Wahrheit bleiben.

Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller hat im Rechtsstreit mit dem Philosophen Michael Schmidt-Salomon eine Niederlage erlitten: Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof sah es als erwiesen an, dass Müller in der Auseinandersetzung mit Schmidt-Salomon die „Pflicht zur Sorgfalt, Sachlichkeit und Wahrhaftigkeit“ nicht erfüllt hat. Ein Urteil mit weitreichenden Folgen.

Im Mai 2008 hatte Müller dem Buchautor im Rahmen einer Predigt – neben anderen Unwahrheiten – unterstellt, er würde Kindstötungen legitimieren. Eine Aussage, die glatt das Gegenteil von dem behauptet, was Schmidt-Salomon tatsächlich geschrieben hat. Der Bischof hatte schlicht ein Zitat verfälscht dargestellt und sich zudem auf ein Kinderbuch Schmidt-Salomons bezogen, in dem weder die tatsächliche, noch die behauptete Äußerung vorkommt. Den Wortlaut der Predigt veröffentlichte die Diözese anschließend im Internet.
Nachdem sich Müller auch noch als Missbrauchsvertuscher und Opferdrangsalierer in Szene gesetzt hatte, erkannte Vizegott Ratzinger dessen Qualitäten und beförderte ihn zur weltweiten Nummer 3 aller Katholiken - zum Chef der Glaubenskongregation im Vatikan.

Im Zuge des Scheiterns der Missbrauchsstudie von Prof Pfeiffer gingen die Lügner der RKK sogar soweit Pfeiffer der Lüge zu bezichtigen und versuchten ihn mit Unterlassungsverfügung daran zu hindern die Wahrheit zu sagen.
Dass Pater Langendörfer die Chuzpe hat, in der "Beckmann"-Sendung zu behaupten, ich hätte die Unwahrheit gesagt, schockiert mich geradezu. Unter welchem Druck muss dieser an sich doch kluge und kultivierte Mensch stehen, dass er so vom Kurs abkommt?
Die Unterlassungsverfügung mußte die Kirche zwar inzwischen zurückziehen, aber von ihrer argumentativen Linie weichen sie nicht ab.

Auch mein Lieblingsbischof, der Bischof von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst muß sich heute gefallen lassen, daß eine seiner besonders dreisten Lügengeschichten öffentlich entlarvt wird.
Natürlich hatte er über seinen Indienflug nicht die Wahrheit gesagt und mit großem Tamtam unter Einschaltung von Anwälten und Gerichten versucht die Lüge anderen aufzuzwingen.
Warum auch nicht.
Lügen werden nicht sanktioniert.

OK, da sind diese Studien, die vom Glaubwürdigkeitsverlust berichten.
Katholiken in Deutschland sehen ihre Kirche mittlerweile deutlich kritischer als noch vor wenigen Jahren. Immer klarer distanzieren sie sich von der katholischen Sexuallehre, vom Umgang der Kirche mit Frauen und Homosexuellen sowie von der Haltung gegenüber Geschiedenen und Christen anderer Konfessionen.
Die Glaubwürdigkeit der Institution bei ihren Mitgliedern ist durch die Missbrauchsskandale tief erschüttert, zugleich beklagen gerade treue Gläubige, dass die Präsenz der Kirche vor Ort wegen des Priestermangels stark zurückgeht.
Aber wenn nach wie vor 50 Millionen Deutsche Mitglied der Lügenvereine sind und Merkel die beliebteste Politikerin ist, scheinen Lügen immer noch sehr akzeptiert zu sein.



Mittwoch, 23. Januar 2013

Kleinste Übel.




Was haben Demokratie, SPD und Süddeutsche Zeitung gemeinsam?

Alle drei sind in ihrem jeweiligen Contest die Sieger, aber sie strahlen nicht.

In der Kunst oder der Musik kommt es durchaus vor, daß ich von einer Performance restlos begeistert bin und auf die Knie sinken möchte.

Aber Demokratie?
Was ist das nur für eine Scheiße! Ein Haufen denkfauler Phlegmaten, die noch nicht mal die simpelsten Grundlagen der politischen Konzeptionen kennen, sollen bestimmen, wer bestimmt?
Urnenpöbel, der so desinteressiert ist, daß bei Wahlen regelmäßig gleich die Hälfte der Wahlberechtigten im Bett liegen bleibt und gar keine Stimme abgibt. Man läßt eine verblödete Volksmasse bestimmen, die egoistisch-xenophob denkt und nach dem St.-Florians-Prinzip entscheidet.
 Durch diese systemimmanenten Fehl-Entscheider bekommen wir dann viermal Berlusconi als Ministerpräsident, Cameron, mehrfach Bibi-Netanjahu, zweimal George W. Bush, 16 Jahre Kohl, elf Jahre „Wo-kann-man-hier-gegen-Ausländer-unterschreiben?“-Roland Koch in Hessen, Westerwelle als Außenminister.
Aber so sehr ich mir den Kopf zermatere, außer einer absoluten Tammox-Diktatur fällt mir einfach keine bessere Staatsform ein. Demokratie ist das kleinste Übel.

Und dann meine Partei, die SPD.
Wieso bin ich mit diesen Stümpern geschlagen, die jeden Tag von einer debakulierenden Regierung Vorlagen geschenkt bekommen, um zu glänzen und es beharrlich schaffen sich immer selbst ein Bein zu stellen?
Die Partei, die unter ihren Funktionären immer das schlimmste Wählergift auswählt, wenn Führungspositionen besetzt werden müssen? Die Partei, die mich immer wieder durch IQ-befreite, religiotisch fanatisierte Kanaillen wieThierse, Nahles und Matschie dazu bringt mir mit einem Holzhammer auf den Kopf zu schlagen.
Die im Ausschließeritis-Wahn lieber CDU-Kandidaten zur Wahl verhilft, statt die vorhandenen rot-rot-grünen Mehrheiten zu nutzen.
Ich bin gewissermaßen ein typischer Sozialdemokrat, weil ich unter meiner Partei leide. 
Es ist eine Qual. Das Parteibuch ein Menetekel. 
Dennoch, unter den Bundestagsparteien ist die SPD immer noch die beste. Man nenne mich altmodisch, aber ich bin nun einmal so veranlagt, daß ich mich für die Schwachen einsetze.
Ich will lieber die Geringverdiener und Arbeitslosen unterstützen, statt wie CDU, CSU und FDP Erfüllungsgehilfe der Reichsten und Mächtigsten zu sein.
 Ich finde nun einmal, daß man Verantwortung übernehmen muß für Missstände und nicht pauschal alles ablehnen darf wie die LINKE. Ich stehe für eine breite Programmatik, die für alle Hilfsbedürftigen substanzielle Verbesserungen anstrebt, die solidarisch denkt und nicht immer nur Vorurteilen frönt. Ich interessiere mich nicht für THEORETISCHE Parteien, die all das vertreten, das ich will. Ich gucke auf die real existierenden Parteien, die eine echte Chance haben in den Bundestag zu kommen; die mitregieren könnten.
Und unter diesen ist die SPD nun einmal die erste Wahl, das kleinere Übel.

Ebenso sieht es mit den Papier-Periodika aus.
Ich möchte TÄGLICH und UMFASSEND informiert sein. 
Also von einer überregionalen Tageszeitung mit eigenem Korrespondentennetz und feuilletonistischer Kompetenz.
Zweifellos ist die „Süddeutsche Zeitung“ die beste Qualitätszeitung in Deutschland. 
Sympathisch ist auch die taz, aber das ist verglichen eben eher ein Blättchen mit einer Miniredaktion.
Aus der SZ ziehe ich hingegen massenweise Informationen. Zudem gibt es immer wieder längere Artikel und Reportagen, die erahnen lassen, weswegen man die SZ-Autoren auch „Edelfedern“ nennt. Die können schon schreiben. Die SZ ist bei weitem nicht so dröge, wie der konservative  Konkurrent aus Frankfurt.
Die Meinungsseite, die s. 4, ist eigentlich immer durchgehend spannend.
Beim Wirtschaftschef, Dr. Marc Beise, 53, kann man aber durchaus graue Haare generieren. Der Mann ist ein Neoliberaler, der nicht viel von moderneren Konzeptionen hält.
Die bekanntesten Autoren, Kurt Kister und Heribert Prantl, sind zweifellos beide hochintelligente, gebildete Köpfe. Der Chef, Kister, ist ein deutliches Stück konservativer als Prantl, dafür aber noch unabhängiger. Er macht sich mit niemand gemein und kritisiert an allen, das was zu kritisieren ist. Er weiß mit der Sprache umzugehen, übertreibt es aber nicht.
 Der ehemalige Staatsanwalt und Richter Prantl gefällt sich hingegen als Schöngeist. Er beginnt jeden Kommentar und jede Analyse mit einer Leitmetaphorik, um dann so richtig in seiner Bildung zu schwelgen.
Das kann durchaus mal ein bißchen sehr blumig geraten. 
Außerdem verfolgt Prantl eine politische Agenda. Das ist an sich nicht verkehrt, kann aber beim Lesen sehr unangenehm werden, wenn er voller Emphase eine andere Überzeugung als die meine vertritt. 
Geradezu gruselig war Prantls massive Unterstützung der kinderfeindlichen Position bei der Genitalbeschneidung. All die Gegenargumente, die er als hochintelligenter Mann eigentlich verstehen müßte, nahm er einfach nicht zur Kenntnis.

Das größte SZ-Ärgernis ist aber der Mann für’s Religiöse, Matthias Drobinski.
Der 49-Jährige Katholik studierte Germanistik und Theologie, ist seit 1997 bei der Süddeutschen Zeitung. 
Zusammen mit einer der bundesweit schlechtesten Religionsjournalistinnen überhaupt, der Tagesspiegel-Chef-Religiotin Claudia Keller, die vollkommen faktenresistent jeden Soutanteträger bejubelt, verfasste Drobinski sogar ein Buch - Glaubensrepublik Deutschland. Herder, Freiburg 2011, ISBN 3-451-30340-X.
So unterbelichtet wie Keller ist der SZ-Mann nicht, aber es ist schon ziemlich schwer erträglich, wie er in der zurückliegenden skandalgebeutelten Zeit der RKK seine hochverehrte Kirche niemals in Frage stellt.
Er zeigt zwar durchaus Schwachpunkte auf und moniert taktische Fehler, läßt aber seine katholische Überzeugung immer durchblicken.

Heute ging es wieder los.
 Ein Skandal erster Kategorie, der noch einmal die ganze Verlogenheit und Menschenfeindlichkeit der RKK aufzeigt.
Ein seriöser Redakteur müßte in diesem Zusammenhang unbedingt darauf hinweisen, daß Krankenhäuser, Kitas und Co stark zunehmend unter kirchliche Trägerschaft rutschen. 
Warum ist das so, wer will das so und was bedeutet das für die Patienten, wenn sie in weiten Teilen Deutschlands vor einem kirchlichen Monopol stehen und gar keine konfessionsfreien Einrichtungen mehr vorfinden?
Das sind Themen, die durchaus in vielen Medien analysiert wurden.
Hochproblematische Entwicklungen sind im Gange, weil man sich der Krake Kirche kaum noch entziehen kann.
Kirchen, die aber eben NICHT dem Patientenwohl, sondern in erster Linie ihrer mittelalterlichen Agenda verpflichtet sind.

Man muß dazu nicht auf Alice Schwarzer verweisen, kann es aber.
Meisner bezeichnet die Vergewaltigung als ein „schlimmes Verbrechen“, was selbstverständlich ist, und geht sodann ausführlich auf die ethische Diskussion ein: „Der Schutz eines Menschenlebens gilt uneingeschränkt und von der Zeugung an. Der Lebensschutz ist eine unüberschreitbare Grenze und jedem menschlichen Eingriff entzogen.“

Das ist reine Theorie, Lichtjahre vom Leben entfernt. Denn die Abtreibung ist im realen Leben ja keineswegs dem „menschlichen Eingriff“ entzogen. Frauen, auch katholische, treiben ab, wenn sie ungewollt schwanger sind, unter allen Umständen. Egal, was die Kardinäle verkünden: Gläubige Katholikinnen, das belegen Studien, treiben nicht weniger ab als alle anderen Frauen.

[…] Es ist vor allem dem Einfluss der katholischen Kirche und der Willfährigkeit der Politik zu verdanken, dass wir in Deutschland auch 40 Jahre nach Beginn des Protestes gegen den § 218 keine lebenswirklichen Gesetze haben, sondern Abtreibung selbst in den ersten drei Monaten noch immer eher eine Gnade ist als ein Recht wie in unseren Nachbarländern (inklusive Italien). Ungewollt Schwangere in Deutschland müssen um Erlaubnis bitten und sich zwangsberaten lassen.

In katholisch beherrschten Bundesländern, wie Bayern, gibt es schon heute einen Abtreibungs-Tourismus. Denn ÄrztInnen an katholischen Krankenhäusern dürfen ungewollt schwangeren Frauen nicht medizinisch beistehen, sonst riskieren sie ihren Job. Und in katholisch dominierten Regionen wie Südamerika herrscht dank der ach so linken „Befreiungstheologen“ inzwischen eine Terrorherrschaft über Frauen, die illegal abtreiben müssen, unter Lebensgefahr. Weltweit ist vor allem die katholische Kirche für die jährlich über 80.000 toten Frauen verantwortlich, krepiert bei illegalen Abtreibungen. Das nennen Kirchenmänner wie Meisner „Lebensschutz“.

Nun hat der Kölner Kardinal ausgerechnet die Gelegenheit seiner Entschuldigung genutzt, um seine so unethische Ethik nicht nur noch einmal zu bekräftigen, sondern tatsächlich noch weiter auszudehnen. So sprach er sich explizit gegen alle „Maßnahmen“ aus, „welche die Tötung eines möglicherweise schon gezeugten Kindes bedeuten“. Damit meint er die „Pille danach“, die direkt nach einem riskanten oder ungewollten Geschlechtsverkehr verabreicht werden kann, um die Befruchtung bzw. die Einnistung des Eis zu verhindern.
Selbst CDU-Parlamentarier, wie Jens Spahn, kritisierten massiv das Verhalten der katholischen Krankenhäuser.
In „meiner“ SZ hingegen, lebt der Kirchenredakteur gemütlich weiter hinter dem Mond und betreibt 100% RKK-Agenda.
Ein Krankenhaus, das eine mutmaßlich vergewaltigte Frau abweist, aus Angst, gegen die katholische Lehre zu verstoßen, gehöre 'vom Netz genommen'. Das hat kein böser Kirchenfeind gesagt, sondern der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn; es ist unsinnig […].

Zum Unsinn: Zu Recht gilt in Deutschland das Subsidiaritätsprinzip. Wo es geht, überträgt der Staat öffentliche Aufgaben dem Roten Kreuz, der Arbeiterwohlfahrt oder eben den Kirchen. Das sichert im guten Fall Pluralität, und kirchliche Krankenhäuser leisten gute Arbeit. Dass diese Einrichtungen ein eigenes Arbeitsrecht haben und dass katholische Kliniken keine Abtreibungen vornehmen, ist - als Teil der Religionsfreiheit - durch die Verfassung gedeckt. Mutwillig zerstören sollte man dieses System nicht.
(Matthias Drobinski, 23.01.13)
Diese Sätze erschienen auf der „Meinungsseite.“
Jeder ist frei seine Meinung zu publizieren, selbstverständlich. Aber in der Top-Tageszeitung dieser Republik, sollten Meinungen auch begründet werden und das möglichst wahrhaftig.
In diesem Fall ist das Subsidiaritätsprinzip aber von Übel und daß die kirchlichen Krankenhäuser gute Arbeit leisten, kann man eben NICHT pauschal sagen, nachdem tausende Kinder missbraucht wurden, jedes Jahr Myriaden Menschen mit MRSA angesteckt werden, Mitarbeiter ausgebeutet werden und Hilfesuchenden die Tür vor der Nase zugeschlagen wird.
Dieses System sollte unbedingt zerstört werden!
Entweder Drobinski weiß das alles nicht und ist dann ein schlechter Journalist. 
Oder er weiß es und schreibt wissentlich die Unwahrheit. 
Dann ist er ein Religiot und als solcher ein noch schlechterer Journalist.
Eine No-Win-Situation.
Herr Kister, bitte bemühen sie sich um Ersatz.
Drobinski könnte dann zur ZEIT wechseln - dort ist man ohnehin schon zum rein katholischen Claqueur-Blatt mutiert; da passt er hin.

Dienstag, 22. Januar 2013

Dasselbe in lila



 
Kinder sexuell missbrauchen, vergewaltigten Frauen in der Not die Tür vor der Nase zuschlagen, Kinder schlagen, Akten manipulieren, Straftaten vertuschen, Schwule und Lesben diskriminieren, den Staat abzocken, die eigenen Mitarbeiter auspressen, Frauen ausschließen, Mafiageschäfte, Geldwäsche, nein, wahrlich, die Römisch-katholische Kirche Ratzingers hatte schon mal bessere Presse. 
Solange die katholische Kirche ihre Obsessionen in Sachen Sexualität weiter pflegt, solange Sex nur zur Zeugung 'erlaubt' ist, solange Frauen diskriminiert werden, solange sie sich offiziell als Bastion der Homophobie profiliert, um nur ein paar Beispiele zu nennen, ist zu befürchten, dass sich nichts zum Besseren entwickelt. (Leserbrief Süddeutsche Zeitung 17. Januar 2013)
Fragt man in den höchsten Etagen der Kurie nach, erfährt man ganz klar, wer für diese Missstände verantwortlich ist:
Die böse linke Presse, der Kirchenhass der Atheisten und natürlich die Diktatur des Relativismus.
Angesichts der jüngsten Ereignisse um die Missbrauchsfälle der katholischen Kirche, aber auch wegen anderer Begebenheiten erfreue ich mich heute noch der Gewissheit, mit meinem Austritt aus der Kirche in den frühen 90er-Jahren die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Absurd, aber die Gewissheit darüber liefert mir die Kirche in regelmäßigen Abständen. Danke dafür!?
(Leserbrief Süddeutsche Zeitung 17. Januar 2013)
Fragt man in der mittleren Etage der RKK nach, hauen sie garantiert das „Tu Quoque-Argument“ raus. Man solle sich doch mal die mal die Protestanten ansehen, die hätten ja schließlich keinen Zölibat und Frauenordination und dennoch fehle es an Pfarrern. Dennoch verließen die Gläubigen in Scharen die Kirche.

Das ist die halbe Wahrheit.
Denn immerhin ist das Ficken kleiner Jungs weitgehend eine Domäne der KATHOLISCHEN Kirche. Keine Petitesse, obwohl es offensichtlich viele Bischöfe immer noch so sehen.
Den Kirchenfürsten geht es nicht um die Opfer, sondern um den Erhalt ihrer Macht über Menschen und Medien. Dieses Spiel ist seit fast 2000 Jahren erfolgreich, und zwar sehr häufig durch den Missbrauch der Botschaft Christi. Die Heuchelei wird zunehmend perverser. Papst Benedikt XVI. persönlich beherrscht das diabolische Spiel perfekt. Der Vatikan ist um ein Vielfaches einflussreicher als die oft angeprangerten Herrschaftsregime in Russland oder China. Die Maskerade der Glaubensdiktatoren, die das Licht Gottes verdunkeln, muss ein Ende haben. Jeder Mensch ist für sich selbst verantwortlich und sollte sich vom System 'Kirche', die Jesus in dieser Form nie gegründet hat, dringend distanzieren.
 (Leserbrief Süddeutsche Zeitung 17. Januar 2013)
Konfession ist heutzutage eher eine Frage des Zufalls.
 Es gibt sehr wenige Konvertiten in Deutschland. Daher kann man die Produkte RKK und EKD nicht unter Marketing-Aspekten vergleichen.

Beide vertreten aber Regeln einer archaischen Hirtenkultur, die im 21.Jahrhundert vollkommen deplatziert sind. Beide werden vom Steuerzahler mit Milliarden und Privilegien überschüttet, die es ihnen ermöglichen die Mitarbeiter zu drangsalieren, zu entrechten und mies zu bezahlen.

Dafür stehen auch die allseits beliebten Kathrin Göring-Kirchentag und Margot Käßmann, die verbissen dafür kämpfen ihren Hunderttausenden Angestellten weiterhin Rechte vorzuenthalten, ihnen das Streikrecht zu verbieten und Juden, Atheisten und Moslems zu diskriminieren. Auch alle Evangelen stehen für massive religiöse Diskriminierung.
Es gibt also selbst für gläubige Christen wahrlich genügend Gründe endlich aus der evangelischen Kirche mit ihrer besonders obrigkeitshörigen und antisemitischen Geschichte auszutreten.
Die deutschen Bischöfe, vom Steuerzahler fürstlich mit hohen Gehältern bedacht, stellen bei der Aufarbeitung der vielen Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche die Fürsorgepflicht und den Datenschutz über die Aufklärung der Verbrechen. Damit schützen die deutschen Bischöfe mutmaßliche Sexualstraftäter und Verbrecher in den Reihen des Klerus und ihrer kirchlichen Angestellten bis über deren Tod hinaus.
 (Leserbrief Süddeutsche Zeitung 17. Januar 2013)
In den Fokus der Berichterstattung muß endlich DER STAAT geraten, denn es sind Regierungen und Parlamentarier, die dem massiven Ausbau der konfessionellen Träger von Altenheimen, Krankenhäusern, Schulen und Kitas Vorschub leisten.
Es ist die Bundesregierung, die den Tausenden missbrauchten Kindern den Mittelfinger zeigt und seit Jahren die Täter die Täter untersuchen läßt, die den Opfern zumutet sich doch bitte an die Täterorganisation zu wenden, wenn sie sich beklagen möchten.
Schande über Merkel, Schavan, Leutheusser-Schnarrenberger, Schröder und Rösler!

Die evangelische Diakonie ist arbeitsrechtlich betrachtet kein Stück besser als die katholische Caritas.
Razzia in der Diakonie Alten Eichen

Die Staatsanwaltschaft verdächtigt Pastor Torsten Schweda, den Chef der kirchlichen Einrichtung, der Hinterziehung von Sozialbeiträgen.

Der Verdacht gegen die evangelisch-lutherische Diakonissenanstalt Alten Eichen hat sich erhärtet. Im Zusammenhang mit dem Ermittlungsverfahren gegen Verantwortliche der kirchlichen Einrichtung haben Polizisten und Staatsanwälte zehn Wohnungen und Büros durchsucht - darunter auch die Privatwohnung des Alten-Eichen-Vorstandschefs Pastor Torsten Schweda. […] Eine Anzeige der Gewerkschaft Ver.di wegen der aus Sicht der Arbeitnehmervertreter dubiosen Beschäftigungspraxis in Alten Eichen hatte die Ermittlungen im November 2011 ins Rollen gebracht […]  Das Gesetz sieht für das "Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt" eine Geldstrafe oder Gefängnis von bis zu fünf Jahren vor.

[…] Das Diakonische Werk Hamburg, Dachverband der wirtschaftlich eigenständigen Diakonissenanstalt, hält nach wie vor zu Alten Eichen. […]

Alten Eichen und Pastor Schweda sind außerdem im Zusammenhang mit Leiharbeit in die Kritik geraten. So hatte Ver.di dem evangelischen Unternehmen (Motto: "Dem Menschen zuliebe") Lohndumping vorgeworfen, weil es eine eigene Leiharbeitsfirma gegründet hatte.
(Sascha Balasko, HH Abendblatt 22.01.13)