Sonntag, 20. Januar 2013

Stunde der Taktiker.


Als ob es die letzten drei Jahre gar nicht gegeben hätte.
Der schlechteste Parteichef aller Zeiten, der unfähigste Vizekanzler aller Zeiten und der Vorsitzende der käuflichsten Lobbygruppe der Geschichte der Bundesrepublik steht heute Abend als großer Sieger mit einem Zehn-Prozent-Ergebnis da.
Der Mann, dessen politisches Aus 99,9% aller Politanalysten für absolut sicher hielten, würde im Kreis grinsen, wenn er keine Ohren hätte.
Fipsi ist glücklich, die FDP jubelt, eine weitere Legislaturperiode schwarzgelbe Merkel ist deutlich wahrscheinlicher geworden.

Und dabei schien über zwei Jahre ein rotgrüner Durchmarsch in Niedersachsen so sicher, daß man sich keine großen Sorgen um die Bundestagswahl im Herbst 2013 machen mußte. Das Ergebnis von Hannover würde einen solchen Boost geben und die Bundesrat so massiv verändern, daß bestimmt ein Sozi ins Kanzleramt einzöge.
Und nun das!
Patt.
Bisher.

Wie konnte DAS geschehen?
Dafür gab es natürlich ein Bündel von Ursachen.

Die Journaille rottet sich zusammen, um in weitgehender Eintracht die SPD und Steinbrück runter zumachen.
Es handelt sich um eine kollektive Kampagne, aus der so gut wie niemand ausscheren mag. 
Fast alle Zeitungen sprechen fälschlicherweise davon Steinbrück hätte „eine Kampagne für ein höheres Kanzlergehalt losgetreten“.
Das ist glatt gelogen. Die konservative FAS hatte ihm diese Fangfrage gestellt und statt wie die Merkels und McAllisters dieser Welt verschwurbelte, nichtssagende Sprechblasen abzulassen und dem Wähler Honig um den Bart zu schmieren, tat Steinbrück das Ungeheuerliche. 
Er antwortete ehrlich und sprach eine simple Wahrheit aus.
P.S.: Nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die Kanzlerin. Abgeordnete des Bundestags arbeiten fast sieben Tage die Woche, durchschnittlich zwölf bis 13 Stunden. Sie sind gemessen an ihrer Leistung nicht überbezahlt. Manche Debatte, die unsere Tugendwächter führen, ist grotesk und schadet dem politischen Engagement.

F.A.S. Verdient die Kanzlerin zu wenig?

P.S.: Ein Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin verdient in Deutschland zu wenig - gemessen an der Leistung, die sie oder er erbringen muss und im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten mit weit weniger Verantwortung und viel größerem Gehalt.

F.A.S. Ist es nicht so, dass in der Wirtschaft zu viel und nicht in der Politik zu wenig verdient wird?

P.S.: In der Wirtschaft werden Managergehälter in der Regel privatrechtlich ausgehandelt. Da hat die Politik nichts zu suchen. Die Politik kann höchstens Sorge dafür tragen, dass durch Steuern einiges abgeschöpft wird von den exorbitanten Gehältern, die teilweise gezahlt werden, oder diese nicht als Betriebsausgaben voll absetzbar sind.
Aber Klartext ist unerwünscht.
Der Urnenpöbel will wie ein Dreijähriger behandelt werden, mit weichem Brei gefüttert werden und keinesfalls mit unangenehmen Wahrheiten konfrontiert werden.
So gut wie alle Politiker huldigen dieser „bleibe-im-Ungefähren-und-versprich-was-der-Wähler-hören-will“-Regel.
Der grüne Spitzenkandidat in Niedersachsen springt gleich auf den Zug und biedert sich ebenfalls an, macht das verlogene Spiel mit.
[Der Grüne Stefan] Wenzel stellte die Integrität Steinbrücks infrage. „Offenbar hat Peer Steinbrück die Bedeutung des Wortes Minister missverstanden. Es kommt von dienen, nicht von verdienen“, sagte er der F.A.S. Abgeordnete sollten Vorträge kostenlos halten oder ihr Honorar spenden, „anstatt damit ein Geschäftsmodell aufzubauen wie Herr Steinbrück“.
Liz Mohn und Friede Springer haben die Daumen gesenkt.
Lange Zeit war es sein Markenzeichen und ein Garant für gute Umfragewerte: Peer Steinbrück ist einer der wenigen Politiker, der sagt, was er denkt. "Klare Kante" nennt man diese Eigenschaft, und man findet sie selten bei deutschen Politikern, die sich nur allzu gerne diplomatisch äußern und im Ungefähren bleiben.

Peer Steinbrück ist da anders - doch seit er Kanzlerkandidat ist, muss er feststellen, dass zu viel Ehrlichkeit auch nach hinten losgehen kann. Die Debatte über das Kanzlergehalt - eigentlich hat Steinbrück nur das gesagt, was seit Jahren viele Politiker sagen: In der freien Wirtschaft wird man besser bezahlt als in der Politik. Doch als Kanzlerkandidat, der gerade eine Diskussion über Nebenverdienste hinter sich hat, hätte man auf diese Äußerungen eigentlich verzichten müssen. Nicht so Steinbrück: Ehrlichkeit geht vor Diplomatie.
Somit blies der Niedersächsischen Opposition kräftiger Gegenwind ins Gesicht.

CDU und FDP im zweitgrößten Flächenland der Bundesrepublik haben sich taktisch sehr klug verhalten.
McAllister zog dauergrinsend durchs Land und imitierte die Mikado-Politik seiner adorierten Parteivorsitzenden. 
Bloß nicht festlegen, niemanden verärgern, keine Initiativen zeigen, nicht politisch handeln, keine Pflöcke einschlagen.
Dieses Verhaltensmuster ist das Grundübel der deutschen Politik. 
Damit haben wir mittlerweile ganz Europa in die Krise geritten: Nichthandeln. Die Märkte und Banker machen lassen, keine Grenzen aufzeigen, keine Führung.
Aber genau in dieser falschen Sicherheit will der Urnenpöbel leben.
Die FDP hat sogar noch ungenierter ihre Polit-Beliebigkeit inszeniert.
Sie inszenierte sich als völlig rückgratlose Stimmen-Hülle, die man bequem nutzen kann, um über „liberale“ Strohmänner im Landtag konservative Politik abzusegnen.
Die FDP hat ihren Erfolg in Hannover nicht Philipp Rösler zu verdanken; sie verdankt ihn Angela Merkel und der Tatsache, dass viele Wähler die CDU in Niedersachsen an der Regierung halten wollten. Zu diesem Zweck haben Wähler, die sonst Schwarz gewählt hätten, Gelb gewählt. Das macht die Stimmen nicht suspekt, das gehört zur Demokratie.

Wenn aber die FDP diejenigen, die für den Erfolg in Niedersachsen verantwortlich sind, an ihrer Spitze haben will, dann darf sie nicht Rösler, Brüderle oder Lindner benennen, dann muss sie Merkel zur FDP-Chefin und McAllister zum Vizechef machen; die haben die Liberalen in den Landtag von Hannover getragen.
Natürlich haben fast nur CDU-Stammwähler mit der Zweitstimme für die FDP gestimmt. 
Liberale Inhalte sind ihnen nicht nur egal, sie können sogar drauf vertrauen, daß FDP-Forderungen wie „steuerliche Gleichstellung der Homo-Ehe“ ohnehin nicht durchgesetzt werden, daß die FDP im Parlament tumb mit der CDU gegen Homorechte stimmt.
Die Taktik FDP zu wählen, scheint für CDU’ler zu funktionieren. 

Offensichtlich sind sie in der Lage nicht nur stumpf ihre CDU anzukreuzen, sondern auch 30 Sekunden darüber nachzudenken, wie man am besten einen CDU-Ministerpräsidenten ins Amt bekommt.
 
Das ist eine intellektuelle Leistung, die ungefähr der Denkfähigkeit eines Schimpansen entspricht.
Aber das soll man nicht geringschätzen. 
Denn mit dem Stimmensplitting haben sich diese CDU-via-FDP-Wähler immerhin noch erheblich klüger als die 2,0% Piratenwähler und die 3,4%-Linken-Wähler verhalten.
Man kann wohl unterstellen, daß diese insgesamt gut 5% auch keinesfalls McAllister im Amt behalten wollten, aber sie sind offenbar alle zu dumm, um zu erkennen, daß sie mit ihrem Wahlverhalten die fünfte Kolonne der Konservativen bilden! Danke Linke und Piraten für die FDP-CDU-Stütze.
Wir haben ein PATT!
Wenn nur ein paar Tausend Linke oder Piraten mehr das Wahlsystem begriffen hätten und mit zusammengebissenen Zähnen für Grüne oder SPD gestimmt hätten, wäre Schwarzgelb am Ende.
Aber diese Bis-zur-Nasenspitze-Denker sind die treuen Erfüllungsgehilfen von schwarzgelber Klientelpolitik.
Ein paar IQ-befreite Piraten und Linke in Niedersachsen haben der gesamten Bundesrepublik nun einen starken Spin in Richtung mehr Waffenexporte, weniger Bürgerrechte, Industriehörigkeit und Umverteilung von unten nach oben gegeben.

Was hat Frau Merkel nur für ein Glück, daß sie sich auf das kurzsichtige Sektierertum auf der linken politischen Seite verlassen kann.

Aber das ist eben unsere Demokratie. Die Herrschaft des unterbelichteten Urnenpöbels.



Es werden offensichtlich noch viele Jahre mit dieser unterirdisch debakulierenden Bundesregierung folgen. Die Schavans, Schröders, Röslers, Niebels, Westerwelles, Wulffs und Guttenbergs haben nicht ausgereicht, um dem deutschen Michel verständlich zu machen, daß diese Politik nicht richtig ist.

Samstag, 19. Januar 2013

Der Christ des Tages - Teil LXXII


Von Christlichen Politikern (lügen, Dr.-Arbeiten plagiieren), Christlichen Sängern (Pornosucht-Beichte) oder Christlichen Sportlern ist man allerhand Sünden gewöhnt.
Aber die Top-Schmutzeleien (frei nach dem Bayerischen Voll-Horst) findet man eher bei professionellen Christen. Den Geistlichen.
Gigantische Kinderpornographie-Sammlungen, systematischer Austausch von Missbrauchsopfern, weltweites Beschützen von Pädophilen und Drangsalieren der Opfer, Mafia-Geschäfte, Kungeleien mit Faschisten und Folterregimen.
 "Tutti perversi?" - "Alle pervers?" konstatierten Italienische Medien, als im Jahr 2010 mal wieder ein Vatikanischer Callboyring aufflog, der den Pfaffen systematisch männliche Prostituierte zuführte.
 
Ein „interessanter“ Priester ist auch der Monsignore Kevin Wallin, ehemaliger katholischer Priester der St. Augustine's Cathedral in Bridgeport in Connecticut, den ich aufgrund seiner Drogen- und Sex-Aktivitäten zum Christen des Tages Nr. 72 ernenne.

Wallin, 61 Jahre, war über zehn Jahre hochgeachteter Pfarrer in Bridgeport. 
Vor anderthalb Jahren wurde er entlassen, nachdem seine, nun ja, etwas unprüden Sexualpraktiken publik wurden. 
Im Pfarrhaus lagerte er eine große Sexspielzeugsammlung und wurde in flagranti erwischt, als er als Transe verkleidet mit einer anderen Transe kopulierte.
Msgr. Kevin resigned as pastor of St. Augustine's two years ago due to "health and personal problems." "Health and personal problems" is just Catholic priest talk for "getting caught with legal dick up your ass, " because the CTPost says that he was forced to resign after the church found out that he was fucking "odd-looking" cross dressers in the rectory while wearing women's clothes. (More like fucking in the rectumory.) Church officials also found sex toys in Msgr. Kevin's room. They suspended him and continued to pay him a stipend.
(Dlisted 19.01.13) 
Natürlich wurden die wahren Hintergründe der Kündigung verschleiert - es handelt sich ja schließlich um die katholische Kirche.
Transensexpartys im Pfarrhaus werden offiziell folgendermaßen beschrieben:
"We approached him and he admitted he was struggling a bit and shortly after that he resigned (July 2011) and the bishop granted him a sabbatical," [diocese Spokesman Brian] Wallace said. […] While pastor of St. Augustine's, sources said he often disappeared for days at a time; and rectory personnel became concerned and notified diocese officials when Wallin, sometimes dressed as a woman, would entertain odd-looking men, some who were also dressed in women's clothing and engaging in sex acts.

In addition, diocese officials found bizarre sex toys in Wallin's residence, the sources said.
Daß Wallin weiterhin finanziell abgesichert war, verdankte er auch einer besonderen Freundschaft. Kein Geringerer als der Top-Kleriker und New-Yorker Pädophilenschützer Edward Kardinal Egan, 80, hielt als Mentor seine Hand über dem Christen des Tages Nr. LXXII. 
Als früherer Bischof von Bridgeport kennt Egan ihn gut. Wallin konnte sich also auf eine ganz große Nummer der RKK verlassen.
2000 wurde er vom Kardinal-Großmeister des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem, Carlo Furno, zum Großprior der Statthalterei USA Eastern des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem mit Sitz in New York ernannt. Dem Kardinalskollegium gehört Edward Michael Egan seit dem 21. Februar 2001 als Kardinalpriester mit der Titelkirche Santi Giovanni e Paolo an. Im Oktober 2001 versah er die Aufgabe des Generalbevollmächtigten für die 10. Ordentliche Versammlung der Bischofssynode.

Er ist Mitglied im Päpstlichen Rat für die Familie.
(Wiki) 
Daß Wallin statt kleiner Jungs ausgewachsene Transen bumste, ist natürlich für Priester schon eher ungewöhnlich. 
Aber verhaftet wurde er vorgestern, weil er nebenbei auch noch einen Christal-Meth und Amphetamin-Drogenring leitete. 
Die chemischen Drogen bezog er aus Californien und versorgte damit ganz Connecticut, so daß er wöchentlich mindestens 9.000 Dollar Reingewinn machte.
Die Drogengelder wusch "Msgr. Meth" in seinem eigenen Sex-Shop.
In his post-priesthood, Wallin, 61, bought an adult specialty and video store in North Haven called Land of Oz that sells sex toys and X-rated DVDs. Investigators believe the shop helped him launder thousands of dollars in weekly profits.

Wallin's arrest sent shock waves through the Bridgeport and Danbury communities where he was known as a charismatic speaker who was involved in many charitable activities, and who enjoyed Broadway musicals and show tunes. He often attended musicals with his mentor, former N.Y. Cardinal Edward Egan and parishioners.


Es ist allerdings wieder einmal fraglich, ob die RKK sich einen Gefallen damit tut Wallin nicht weiterhin als Priester zu beschäftigen.
In Zeiten des massenhaften Kirchenaustritts, könnte er die RKK für neue Käuferschichten attraktiv machen.
So to recap: Msgr. Kevin is a meth-addicted, drug-dealing former Catholic priest who hollered out show tunes while getting butt banged by a cross dresser in the rectory. Walter White seriously has nothing on this bitch! If priests told stories like this during mass, I'd be in church every single night. Hell, I'd be in church right now. These are the kind of stories I want to hear.

When the CTPost asked one of St. Augustine's parishioners for a quote, she said, "There is an evil invading our world and it has come to our church."

Well, somebody's jealous that Msgr. Kevin looks sexier than she does in a pink négligée.
(Dlisted 19.01.13)

Freitag, 18. Januar 2013

Spaßpartei Adé



Wenn es in diesem Land auch nur einen Funken Gerechtigkeit gibt, wird Herr McAllister übermorgen auf die Oppositionsbank geschickt und die FDP wird auf unter ein Prozent pulverisiert.

Unglücklicherweise sind die Niederdachsen als Wähler nicht gerade verlässlich.
 Die machen schon eigenartige Dinge. Es gibt dort liberale Gegenden, Universitätsstädtchen mit linkem Gedankengut, aber eben auch die bundesweit schwärzesten Wahlkreise überhaupt.
 In Cloppenburg und Vechta holt die Niedersachsen-CDU jedes Mal locker über 70%. Auch wenn sie einen Hydranten als Landtagskandidaten aufstellt.

Nach übereinstimmender Meinung der Politauguren wird sich Fipsi Rösler nur noch wenige Tage als FDP-Chef halten können, wenn sein Lobbyverein in seinem Heimatbundesland nicht sensationell gut abschneidet. 
„Sensationell gut“ bedeutet auf FDPisch an die acht Prozent. Also die Marke, die Lindi in NRW und der Irre aus Kiel geknackt hatten. „Sensationell gut“ wäre aber auch jedes Ergebnis, welches die schwarz-gelbe K.O.alition in Niedersachsen erhält.
Beides ist nicht sehr wahrscheinlich, aber durchaus möglich.
Das alternative Szenario bedeutete einen totalen Abschied Röslers aus der Politik und eine Machtübernahme durch entweder Brüderle (wahrscheinlich) oder Lindner (unwahrscheinlich).

Ich bin diesbezüglich nicht ganz auf Linie der Politkommentatorenzunft. 
Aus mehreren Gründen.

Die Leidensfähigkeit des kleinen Fipsi wird oft unterschätzt. Sich vor allen zum Deppen zu machen und von niemand mehr ernst genommen zu werden, stört ihn überhaupt nicht.
Der Mann ist komplett Selbstachtungs-frei und bemerkt keinesfalls von selbst, daß die Rücktrittsschwelle längst überschritten ist.

Die zweite Überlegung, die gegen ein baldiges Rösler-Aus spricht, ist die Schwäche seiner Gegner. Alle fünf FDP-Bundesminister sind gleich schlecht; keiner wäre je durch sinnige Polittaktik aufgefallen. Sie alle stellen sich bevorzugt gegenseitig ein Bein, sind unfähig an einem Strang zu ziehen und haben die letzten drei Jahre nie eine Alternative zum Fiasko-Kurs der Parteiführung aufzeigen können. Sie alle „können es nicht.“ 
Eindrucksvoll konnte Christian Lindner sein Versagen als Parteistratege beweisen, indem er binnen zweier Jahre als Bundesgeneralsekretär den größten jemals dagewesenen demoskopischen Absturz verantwortete.
Birgit Homburger wurde schon längst wegen Unfähigkeit entlassen (zuletzt auch als Landeschefin). Da bleibt nur noch der weinselige Dampfplauderer Brüderle, der aber erstens auf die 70 zugeht und zweitens außerhalb der FDP höchstens als kongeniale Witzfigur für Satiriker der „Heute-Show“ taugt.

Ein dritter Punkt „für“ Rösler ist das Parteikonto. Schmisse er hin, wäre ein Sonderparteitag erforderlich und sowas kostet!
Da sind einige Millionen fällig. Aber die FDP ist pleite und müßte sich das Geld leihen.

Lindner und Brüderle hatten bisher tumb abgewartet bis Rösler über seine eigenen Füße stolpert.
Immerhin schon seit Mai 2012 ist Lindi der neue starke Mann von NRW und führt den größten Landesverband. Was hatte man nicht alles von ihm erwartet. Wie er auftrumpfen würde und dem Bundeschef auf NRW-Ebene zeigen würde, wie Parteiführung geht.
Es kam allerdings NICHTS! Lindner ist politisch untergetaucht und fällt als Oppositionsführer nicht auf. Von 8,6% am 13. Mai 2012, ist die NRW-FDP aktuell auch wieder auf gerade mal 5% abgeschmolzen und liegt damit gleichauf mit dem Blassesten der Blassen, nämlich Stefan Birkner aus Niedersachsen.

Offenbar schwant inzwischen Lindner und Brüderle, daß man nicht mit schlanken Fuß abwarten kann bis der König an Altersschwäche stirbt. Einer muß ihm den Dolch in den Rücken jagen.

Es habe keinen Sinn, so FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle, die ohnehin anstehende Wahl der neuen Parteiführung länger hinauszuzögern. Daher rechne er mit einem vorgezogenen Parteitag, um die Spitze neu zu bestimmmen, sagte Brüderle dem ARD-"Morgenmagazin". Unterstützung erhält er vom nordrhein-westfälischen FDP-Landeschef Christian Lindner.

Bislang ist der FDP-Parteitag für Mai geplant. Brüderle hält dagegen einen Termin Ende Februar oder Anfang März für möglich. "Es spricht schon einiges dafür, die Wahlentscheidung vorzuziehen", sagte Brüderle mit Blick auf die Bundestagswahl im September. "Rainer Brüderle hat sehr bedenkenswerte Argumente geliefert. Wir würden seiner Empfehlung folgen", sagte Lindner der dpa.
 (SZ 18.01.13) 
Beide möglichen Nachfolger beweisen jetzt schon ihre politische Feigheit, indem sie lediglich sticheln, aber noch nicht mal die Kraft aufbringen die Witzfigur Rösler umzuhauen.

Eine derart schwache, rückgratlose und amoralische FDP hat aber auch Vorteile.
Die gelbe Polit-Amöbe läßt sich ideal für Partikularinteressen der obskursten Verbände einspannen.
Der Waffenfreunde-Verein "Prolegal" ruft zur Wahl der Liberalen auf. Er pflegt Kontakte zur umstrittenen US-Waffenlobby NRA und preist deren kompromisslose Haltung nach dem Schulmassaker von Newtown.

[…] Der Verein strebt danach, "den legalen Waffenbesitz der Bevölkerung positiv zu vermitteln, die Ausübung des legalen Waffenbesitzes zu pflegen und zu fördern." Eine Verschärfung der deutschen Waffengesetze müsse "mit allen zur Verfügung stehenden demokratischen Mitteln" verhindert werden. […]

 Vor der Landtagswahl in Niedersachsen am Sonntag trommeln die Waffenfreunde für die FDP. Die Liberalen könnten im Norden an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Prolegal will das verhindern und warnt "Jäger und Sportschützen" vor einem Wahlsieg von SPD und Grünen: "Gehen Sie zur Wahl, denn ein einziger Prozentpunkt Wählerstimmen kann Sie Ihre bürgerlichen Rechte und Freiheiten kosten!"

Im Falle eines Sieges von Rot-Grün drohten Waffenfreunden eine Vielzahl von Restriktionen, warnen Prolegal und Gunboard.de. […]

Die Waffenlobby empfiehlt dann auch lieber den Blick ins Wahlprogramm der FDP Niedersachsen. Dort ist auf Seite 39 zu lesen, dass die Liberalen "die Abschaffung der Jagdsteuer" planen und "den Abbau bürokratischer Hemmnisse zur Ausübung der Jagd" voranbringen wollen. […]

Der Verein wurde nicht nur von einem Schützen mitbegründet, der für die FDP 2009 in den Bundestag wollte. In der jüngeren Vergangenheit gab es vereinzelt gemeinsame Veranstaltungen. Auch Serkan Tören, der für die niedersächsischen Liberalen im Bundestag sitzt, bestätigt auf Anfrage von SZ.de, Kontakt zu Prolegal gehabt zu haben.

Mit der FDP kann man es machen, weil sie jeden Anstand fahren lassen hat.

Just stimmten die Hepatitisgelben wieder einmal gegen ihre ausdrückliche Forderung der rechtlichen Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Partnern.
Homo-Ehe wird nicht gleichgestellt. Liberale und Union stimmen gegen Ausweitung des Splittings

[…] Nun kann die Opposition zu Recht behaupten, seit Jahren für die Ausweitung des Ehegatten-Splittings auf die Lebenspartner einzutreten. […]  Die FDP entschied sich fürs Nein - und Döring hatte die undankbare Aufgabe, dies für seine Fraktion im Bundestag zu verteidigen.

Der Generalsekretär versuchte es nun seinerseits mit einem Kniff. Er behauptete einfach, das Nein seiner Fraktion liege nicht an der Gleichstellung der Homo-Ehe, sondern an einigen anderen Punkten im Jahressteuergesetz. Das war allerdings eine liberale Interpretation der Wahrheit. Schließlich hatten sich Koalition und Opposition im Vermittlungsausschuss über diese Punkte längst verständigt gehabt.

Und so musste sich Döring an diesem Nachmittag allerlei zeihen lassen. Der Generalsekretär habe 'geschwindelt', sagte SPD-Redner Johannes Kahrs anfangs noch vergleichsweise freundlich. Döring und seine FDP sollten zumindest 'den Anstand' haben, das Offenkundige zuzugegeben. Dann drehte Kahrs auf und warf dem Liberalen gleich mehrmals vor, zu 'lügen'. 'Einfach skandalös' sei das Verhalten der Liberalen, befand auch Barbara Höll von den Linken. Die FDP-Abgeordneten würden sich 'grundgesetzwidrig' verhalten, weil sie als freie Abgeordnete nicht entsprechend ihrer Überzeugung handelten. Und der Grüne Volker Beck machte sich nach allen Regeln der Kunst über Döring lustig. Am Ende rief er ihm zu: 'Sie brauchen sich bei den Schwulen und Lesben in diesem Land nicht mehr blicken lassen.'
(Robert Rossmann, Süddeutsche Zeitung,18. Januar 2013)
Das ist aber auch gemein von der Opposition von der FDP Dinge zu verlangen, die Röslers Truppe vollkommen fremd sind: Anstand, Überzeugungen, Ehrlichkeit,…

Dann warten wir doch mal auf Sonntag.
 Mal sehen wie die schwulenfeindlichen Waffenliebhaber von der FDP abschneiden.

Mein Traumergebnis wäre: Absolute Mehrheit für Rot-Grün, Linke im Landtag FDP raus, aber Rösler bleibt Parteivorsitzender, um die FDP bis zur Bundestagswahl weiter abzuwirtschaften.

Donnerstag, 17. Januar 2013

Heucheln wie ein Großer.


Wenn man sich den unglaublichen CDU-Höhenflug, die Begeisterung des Urnenpöbels für Merkel und Schäuble ansieht, muß man zu dem Schluß kommen, daß die Urteilskraft des Durchschnittsteutonen ungefähr so ausgeprägt ist, wie der Penis einer Bartagame.

Glaubt man aber einer aktuellen FORSA-Umfrage sind die Vertuschungsbemühungen der katholischen Kirche zum systematischen Kindesmissbrauch allerdings so dreist und offensichtlich, daß selbst der deutsche Urnenpöbel die richtigen Schlüsse zieht.
Die große Mehrheit der Bundesbürger wirft der katholischen Kirche mangelnden Aufklärungswillen beim Thema sexueller Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen vor. Dies geht aus einer neuen Forsa-Umfrage im Auftrag der ZEIT-Beilage Christ & Welt hervor. Danach meinen 75 Prozent der Befragten, die Kirche wolle eine vollständige Aufklärung verhindern. Nur 17 Prozent der Befragten glauben, dass die katholische Kirche die Fälle sexuellen Missbrauchs, an denen Geistliche beteiligt sind, wirklich aufarbeiten will. Christ & Welt veröffentlicht die Umfrageergebnisse erstmals in der am Donnerstag erscheinenden Ausgabe der ZEIT.
Die Forsa-Studie  belegt zudem einen wachsenden Imageverlust der Institution. 35 Prozent der Befragten erklären, dass sich nach dem Streit um die Missbrauchs-Studie in der vergangenen Woche ihr Bild von der katholischen Kirche verschlechtert habe. 16 Prozent der Kirchenmitglieder erwägen sogar einen Austritt. Besonders groß ist die Enttäuschung in der Altersgruppe  der 45- bis 59-Jährigen: Mit 26 Prozent fanden sich in diesem Segment die meisten Austrittswilligen.
Um wieder Vertrauen zu gewinnen, sollte die Kirche Missbrauchsopfern Einsicht in ihre Akten gewähren, fordern 66 Prozent der Befragten. 54 Prozent halten einen neuen Anlauf für eine wissenschaftliche Studie für sinnvoll.
(Zeit 17.01.13)
Einige Opfer sexueller Übergriffe durch perverse Pater bemühen sich schon seit einem halben Jahrhundert um ein Wort der Entschuldigung und werden bis heute von den Moralaposteln abgewiesen.
Die Kirchen haben ihre seit 2000 Jahren bestehende Werte schließlich eindrucksvoll mit ihrem Verhalten manifestiert.
8.500 Opfer meldeten sich bei den Missbrauchshotlines, die 2010 von den Diözesen geschaltet wurden, nachdem sie ERSTMALS davon gehört hatten, daß es so etwas überhaupt geben kann. Vorher hatten sie das Kinderficken immer nur mit geschlossenen Augen in ihre Akten genommen und sich anschließend immer geblitzdingsbumst, damit sie es sofort vergaßen.
Bischof Ackermann, der Missbrauchsbeauftragte, der auf Drängen der Bayerischen Bistümer die Aufklärung des systematischen Kindesmissbrauchs verhinderte, stellte heute seine Zwischenbilanz vor.
Statt wie jeder auch nur rudimentär mit Anstand versehene Mensch, der an seiner Stelle vor Scham über diesen Ausbund der Lüge, Perversion, Heuchelei, Brutalität und Perfidie Selbstmord begangen hätte, badete er in Selbstzufriedenheit. 
Die Kirche werde „weiterhin, „zeitnah und solide“ aufklären. Haha. 
Das sagt Ackermann eine Woche, nachdem er Studie Prof. Pfeiffers gestoppt hat, weil dieser sich keinen Maulkorb verpassen lassen wollte.
Priester haben ihre sexuellen Übergriffe auf Minderjährige zumeist vorsätzlich geplant - und sich Opfer sogar gegenseitig zugeschoben. […]

Der Missbrauchsbeauftragte der katholischen Kirche in Deutschland, der Trierer Bischof Stefan Ackermann, hat den Willen bekräftigt, die wissenschaftlichen Bemühungen um Aufarbeitung der sexuellen Gewalt im Raum der Kirche „zeitnah und solide“ fortzusetzen. „Wir werden das Versprechen einlösen, das wir den Opfern gegeben haben“, sagte Ackermann am Donnerstag aus Anlass der Vorstellung des Abschlussberichts der Telefonhotline für Betroffene sexuellen Missbrauchs.

[…]  Die sexuelle Gewalt der Kirche [trage] auch spezifisch „katholische“ Züge. Täter hätten gezielt die moralische Autorität des Priesteramtes zunutze gemacht, die psychische Wirkung von Riten wie Beichte oder Gebet benutzt, um Macht über Kinder zu gewinnen - bis dahin, dass Minderjährigen vorgetäuscht wurden, die Übergriffe seien Ausdruck „liebender Verbundenheit in Christus oder Auserwählung vor Gott.“
Da werden Entschädigungen verweigert, Opfer außen vor gelassen, Akten vernichtet, Aufklärer ausgebremst, die größten Vertuscher (Bischof Müller!) demonstrativ befördert und nach wie vor zeigt dieser Papst, der selbst als Chef der Inquisition 25 Jahre lang die Politik des Vertuschens und Verschweigens angeordnet hat, keine Reue; da vermeidet man peinlich eine Entschuldigung und Schuldbekenntnis und ist dennoch total zufrieden mit sich!
Für so eine Sichtweise muß man Religiot, vollkommen verblödet, Moraltheologe oder alles drei Zusammen sein.
 
[Bischof Ackermann] versicherte, dass die Bischöfe sich „weiterhin  mit gleichbleibender Intensität und Konsequenz um eine gründliche und transparente Aufarbeitung bemühen werden“. Dies sei man der Glaubwürdigkeit der Arbeit und des Engagements vieler Mitarbeiter sowie den Mitgliedern der katholischen Kirche schuldig, sagte Bischof Ackermann und hob hervor: „Wir sind es auch den Betroffenen schuldig, die darauf hoffen, dass die katholische Kirche sich auch in wissenschaftlich-systematischer Hinsicht der Aufarbeitung stellt“. Für Betroffene gäbe es selbstverständlich auch weiterhin umfangreiche kirchliche Beratungsangebote. Das wissenschaftliche Forschungsprojekt sei ein wichtiger Baustein im Maßnahmenpaket, aber eben nicht der einzige.
(dbk 17.01.13)
Wie praktisch es doch ist, wenn die Täter unter sich bleiben und allein entscheiden, wie und ob überhaupt man den Päderasten-Augiasstall ausmisten muß.

Die moralisch verkommenen Katholiken der Bundesregierung rücken nun in den Focus, weil sie drei Jahre lang demonstrativ die Opfer im Stich ließen, ihre Bitten ignorierten und sich mit den Tätern solidarisierten.
1. Nach dem Scheitern der Pläne für eine Aufarbeitung durch das

KRIMINOLOGISCHE FORSCHUNGSINSTITUT NIEDERSACHSEN stehen wir wieder am Anfang.

Auch drei Jahre nach den ersten Veröffentlichungen vom Januar 2010 liegen

noch immer keinerlei detaillierte Zahlen und Informationen über das Ausmaß

der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche in Deutschland vor.

Die Katholische Kirche als Institution ist offensichtlich mit der Aufarbeitung

überfordert. Das ist nicht wirklich überraschend. Denn Selbstaufklärung kann

nicht funktionieren, dazu braucht es eine unabhängige Instanz.

Jetzt ist die Öffentlichkeit gefragt: Der Deutsche Bundestag sollte eine Untersuchungskommission einrichten und die zahlreichen Fälle von sexuellem

Missbrauch sowie das dahinter liegende institutionelle Versagen untersuchen.

Als Vorbild können dabei die Erfahrungen in anderen Ländern dienen.

[…] Dass es auch anders geht, zeigt beispielhaft das Vorgehen in den Niederlanden.

[…] 2. Die 2011 von der katholischen Kirche einseitig festgelegte „Anerkennungsprämie“ für die Missbrauchstaten ihrer Priester von „bis zu 5.000 Euro“ ersetzt  keine echte Entschädigung, die auf der Grundlage der unabhängigen Untersuchung festgelegt werden sollte.

Auf Grundlage der unabhängigen Untersuchungsergebnisse muss über eine

angemessene Entschädigung für den zugefügten Schaden gesprochen werden. […]

3. Es gibt immer noch immer keine Clearingstelle für die Abwicklung von

Anträgen auf Hilfe. Die Missbrauchsbetroffenen aus katholischen Institutionen in Deutschland befinden sich daher auch weiterhin in einer fachlich und menschlich absolut inakzeptablen Situation: Da es keine unabhängige Anlaufstelle gibt, müssen sie sich an die Institution selbst also die katholische Kirche wenden, um Ihre Anliegen zu formulieren. Es handelt sich hierbei um dieselbe Institution, die bis zum Januar 2010 vorsätzlich jegliche Thematisierung, Aufdeckung, Aufarbeitung oder gar Hilfen für die Betroffenen verhindert hat.  […]
Einige Opfer, die von der Kirche nach wie vor ignoriert werden, sind im Hungerstreik - auch davon war heute bei den selbstzufriedenen Bischöfen keine Rede.
Warum HUNGERSTREIK-DEMO:

    Weil der Deutsche Bundestag das Thema sexualisierte Gewalt und andere Formen von Gewalt seit drei Jahren aussitzt, anstatt konkrete Entscheidungen zu treffen.

    Weil unsere Bundesregierung eine gerechtere Gesetzesreform, sowie die Aufhebung der Verjährungsfristen verhindert.

    Weil der scheinheilige Runde Tisch dieser Bundesregierung nichts gebracht hat.

    Weil de facto nichts passiert ist.
Zum Abschluß empfehle ich fünf Minuten Weihbischof Jaschke, der sich heute Morgen im MoMa zwar seltsam auf und ab-wippend gab, aber keineswegs daran dachte die ganz offenbar für den Missbrauch ursächlichen Strukturen - Frauenordinierungsverbot, Zölibat, mittelalterliche Sexualmoral - zu verändern.
Nein, dann schon lieber weitermachen mit dem Kinderficken!

Mittwoch, 16. Januar 2013

Praktische Nächstenliebe



 Die „Caritas-Lüge“ oder „Caritas-Legende“  - so muß man es nennen, wenn offiziöse Christen sich der sozialen Wohltaten ihres Vereins rühmen.
Der Staat finanziert diese Einrichtungen zu weit über 90 %, wobei der Staat alleine für die römisch-katholische Caritas und das evangelische Diakonische Werk pro Jahr knapp 50.000.000.000 (50 Milliarden Euro) aufbringen muss. "Die Kirche gibt 2 % dazu"

Für konfessionelle Kindertagesstätten gaben der Staat und damit alle Steuerzahler 2009 insgesamt 3,9 Milliarden Euro aus. Die Finanzierungsregeln sind Sache der Länder, die sie unterschiedlich handhaben. In Hamburg oder Bayern werden christliche Kitas ohne Geld der Kirchen betrieben, in Nordrhein-Westfalen steuern sie zwölf Prozent zu den Etats „ihrer“ Kitas bei. Mehr ist es nicht. Aber die Kirchen werden nicht müde zu beteuern, dass sie die Kirchensteuer für die kirchlichen Krankenhäuser, Kindertagesstätten und weitere soziale Einrichtungen brauchen. Das glauben dann auch die wohlmeinenden Christen.

Das ist das Spannungsfeld: Die Kirche, die Kinder erzieht, Alte pflegt oder Kliniken betreibt. Der Staat, der diese Aufgaben den Kirchen überträgt. Die Mitarbeiter, für die ein besonderes, religiös gefärbtes Arbeitsrecht gilt, anders als für andere Arbeitnehmer. Die Öffentlichkeit, die für dieses Arbeitsrecht im 21. Jahrhundert kaum noch Verständnis hat.

[…]  Lange war es so, dass die Kirchen in ihren Kindergärten auch einen Großteil der Kosten selbst übernahmen. In Nordrhein-Westfalen etwa lag der Eigenanteil bis 1990 noch bei 36 Prozent. Dann argumentierten die Kirchen mit dem Rückgang der Kirchensteuereinnahmen. Im Jahr 2000 zahlten sie daraufhin nur noch zwanzig, 2008 noch zwölf Prozent. Und selbst die hat die Stadt Königswinter, wie viele andere Kommunen auch, inzwischen freiwillig übernommen.

"Wenn die Kirchen im Durchschnitt noch fünf Prozent Eigenmittel beisteuern, muss man schon froh sein", sagt Ursula Krickl vom Deutschen Städte- und Gemeindebund zum Thema christliche Kindergärten. Bei Altenheimen, Krankenhäusern, Schulen ist das nicht anders. Sogar ihre Wohlfahrtsverbände, Caritas und Diakonie, betreiben die Kirchen zu achtundneunzig Prozent mit dem Geld aller.

[…]  Der Staat kauft so nicht nur Dienstleistungen der Kirche, die seine eigenen Aufgaben erledigt, er bekommt zwangsläufig das besondere Arbeitsrecht mit dazu, das in der heutigen Zeit an seine Grenzen stößt. Wer nicht getauft ist, nicht gläubig, nach einer Scheidung verheiratet oder homosexuell, hat besonders bei der katholischen Kirche schlechte Karten.
 Was ist nun schlecht daran, daß Kirchen-Organisationen Krankenhäuser, Altenheime und Kitas betreiben?

Kirchen diskriminieren. 
Obwohl der Staat die Löhne bezahlt, werden nur Christen als Mitarbeiter zugelassen.
Diakonie und Caritas bestehen also auf ein „Juden unerwünscht, Moslems unerwünscht, Konfessionslose unerwünscht, Homosexuelle unerwünscht, Geschiedene unerwünscht, in wilder Ehe Lebende unerwünscht“ in ihren Personalabteilungen.

Wenn man bedenkt wie laut die Zentralräte der Muslime und Juden aufjaulten, als einige Menschenrechtler bei der Genitalverstümmelung auf die Kinderrechte hinwiesen, ist es ein Wunder, daß sie zu dem „Juden raus!“ der Kirchen gar nichts zu sagen haben.

Kirchen behandeln ihre Mitarbeiter schlecht.
Die werden ausgebeutet, mieser bezahlt, dürfen keine Gewerkschaftsmitglieder sein, nicht streiken und genießen keinerlei Kündigungsschutz.

Für die Hamburger ein Tipp an Rande:

Im letzten Jahr „durfte“ ich wieder viele Krankenhäuser von innen kennenlernen. 
Wenn es zufällig nicht gerade um Minuten geht und man sich die Klinik aussuchen kann, sollte man die privat betriebenen Asklepios- und Schön-Häuser meiden.
Noch unangenehmer sieht es allerdings bei kirchlichen Trägern wie dem riesigen katholischen Marienkrankenhaus (1627 Angestellte und 567 Betten), dem evangelischen Agaplesion Diakonieklinikum (Ex-Elim, Ex-Bethanien & Ex-Alte Eichen, 360 Betten), oder dem freikirchlichen Albertinenhaus (1088 Angestellte und 613 Betten) aus.

Gehen Sie lieber ins hervorragende Israelitische Krankenhaus (spezialisiert auf Verdauungsorgane), welches von einem „Freundeskreis“, sowie einer Stiftung ohne religiösen und pekuniären Anspruch getragen wird.

Bei allen anderen Problemen empfehle ich das Hamburger Universitätskrankenhaus Eppendorf; das berühmte UKE mit 6000 Angestellten und 1500 Betten.
Ein gigantischer Apparat mit dem entsprechenden Organisationchaos, aber es gehört der Universität und ist nicht auf Profit oder Missionierung ausgerichtet. 
Daher ist der Schwesternschlüssel viel patientenfreundlicher als in den anderen Häusern.
Morgens stellt sich dem stationären Patienten eine Schwester vor, die den ganzen Tag für ihn da sein wird und sich bei Bedarf auch 75 Minuten Stück Zeit nimmt, um den Kranken in Ruhe zu duschen, zu frisieren und anzuziehen. Selbstverständlich im eigenen Bad.
Die gleiche Prozedur sieht im Albertinenhaus so aus, daß einmal die Woche eine Schwester in die Männerstation der Geriatrischen Kardio-Reha kommt, die in Vierbettzimmern (natürlich ohne Telefon oder Fernseher) liegenden herzkranken Alten auffordert sich „den Flur runter“ vorm Gemeinschaftsbad aufzustellen und einen großen Schlauch rausholt, mit dem die Leute quasi am Fließband abgespritzt werden. (Kein Witz! Habe ich mit eigenen Augen im März 2012 mehrmals gesehen!)

Vorsicht also bei kirchlichen Trägern.

Sie investieren sehr viel Zeit ihre christlichen Leitbild-Gedanken zu formulieren, hängen an jedem Bett Abreißkalender mit Bibelsprüchen auf, bieten Bibelkreise und Gebetsstunden an. 
Christliche Werte in Medizin und Pflege - Von der Tradition zur Zukunft tätiger Nächstenliebe

AGAPLESION macht christliche Nächstenliebe erfahrbar und steht für Exzellenz in Medizin, Pflege und Management. Die christliche Orientierung ist "Leitstern" und der Kern der Identität von AGAPLESION. Sie ist in unseren Leitsätzen verankert und wird in den Einrichtungen gelebt.

Der Auftrag unseres Unternehmens ist „tätige Nächstenliebe“. Die Mitarbeiter unserer Häuser haben sich auf gemeinsame Leitlinien festgelegt, deren konsequente Realisierung Bestandteil unseres Qualitätsmanagements ist.

Als Teil des christlichen Gesundheitskonzerns behandelt und betreut das AGAPLESION DIAKONIEKLINIKUM HAMBURG Menschen in allen Lebensphasen.
(d-k-h.de)
Für den Patienten, der Hilfe benötigt, ist das aber möglicherweise recht unangenehm.
 Der Hippokratische Eid wird den diskriminierenden mittelalterlichen Amoralvorstellungen gelegentlich untergeordnet. 
Frauen, die Opfer einer Vergewaltigung wurden, werden nach Recherchen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ in einigen katholischen Krankenhäusern des Erzbistums Köln nicht mehr behandelt.

[…] Eine vergewaltigte Frau ist von zwei Kölner Krankenhäusern in katholischer Trägerschaft abgewiesen worden. […]

Im Dezember war eine 25-Jährige in zwei Kölner Kliniken, die von der Stiftung der Cellitinnen zur hl. Maria geführt werden, abgewiesen worden. Die junge Frau war offenbar bei einer Party auf den Kölner Ringen mit K.O.-Tropfen betäubt worden und erst einen Tag später auf einer Parkbank in Stadtteil Kalk wieder zu sich gekommen.

Eine Notärztin, die eine Vergewaltigung nicht ausschließen konnte, hatte die Kliniken um eine Spurensicherung gebeten, um mögliche Tatspuren gerichtsverwertbar zu sichern. Sie wurde mit der Begründung abgewiesen, die gynäkologischen Untersuchungen zur Beweissicherung seien seit zwei Monaten untersagt, weil damit ein Beratungsgespräch über eine mögliche Schwangerschaft und deren Abbruch sowie das Verschreiben der Pille danach verbunden seien.

Ärzte, die sich dieser Regelung widersetzten, müssten mit fristloser Kündigung rechnen.
  Christliche Nächstenliebe, eben….
Bezahlt von uns allen.