Samstag, 12. Januar 2013

Unser Guido - Teil II




Wie lange ist Krätznet jetzt schon off? 
Sechs Wochen? Und schon vermisse ich es. 
Diese unbelehrbare schrille Doofheit, die ungeniert rausgehauen wurde, war doch ein zuverlässiger Lacher-Garant.
Wenn nicht die kontinuierliche Brechreizerregung dabei gewesen wäre, hätte sich Hakenkreuznet eine Menge Comedy-Awards redlich verdient.

Und ganz genauso ist es mit der FDP und insbesondere Guido Westerwelle.
 Natürlich will man ihn nicht tatsächlich als Politiker in Aktion sehen und seine Statements lösen bei jedem Menschen eine krötengrüne Gesichtsverfärbung, sowie zuverlässig Durchfall-Attacken aus.
Aber irgendwie ist es auch schade zu wissen, daß er ab September 2013 in der Versenkung verschwinden wird und dort nur noch ab und zu in Rückblicken gemeinsam mit Christian Wulff als total Gescheiterter ausgelacht werden wird.
Bis dahin sind wir noch in der glücklichen Position Westerwelles absolute Unfähigkeit täglich in den Medien bewundern zu können.

 Er warnt eben grundsätzlich.
Und wenn es anschließend schief geht, kann er darauf verweisen wenigstens gewarnt zu haben. Geht es gut, ist es umso besser, dann kann er behaupten man hätte sich nach seinen Warnungen gerichtet.
Eine Win-Win-Situation im politischen Paralleluniversum des kleinen Diplomaten-Azubis Guido.

Westerwelle warnt Iran: Zeit der Manöver ist vorbei
(ZEIT online, 20.2.2012)

Westerwelle warnt vor weiterer Gewalt in Ägypten
(ZEIT online, 7.12..2012)

Westerwelle warnt vor Kollaps in Syrien
(Kreiszeitung, 4.9.2012)

Westerwelle warnt vor Bürgerkrieg im Jemen
(Hannoversche Allgemeine, 29.5.2011)

Westerwelle warnt vor Kämpfen im Libanon
(Hamburger Abendblatt, 7.6.2012)

Westerwelle warnt vor chaotischem Machtvakuum in Afghanistan
(zeitong.de, 5.12.2012)
Westerwelle warnt vor Flugverbotszone über Libyen
(Welt online, 15.3.2011)
Westerwelle warnt vor Bürgerkrieg an der Elfenbeinküste
(Spiegel online, 7.3.2011)

Mali: Westerwelle warnt vor Militäreinsatz
(Mitteldeutsche Zeitung, 26.10.2012)

Afghanistan: Westerwelle warnt vor Wettrennen beim Truppenabzug
(Welt online, 4.11.2011)

Westerwelle warnt vor atomar bewaffnetem Iran
(Welt.de, 4.12.2012)

Westerwelle warnt vor Debatte über Angriff auf Iran
(Welt online, 24.3.2012)
Westerwelle warnt vor Flächenbrand im Nahen Osten
(Zeit online, 18.11.2012)

Westerwelle warnt vor “Grausamkeiten” durch Syriens Führung
(Zeit online, 5.12.2012)
Außenminister Westerwelle warnt Assad-Regime
(Focus online, 11.4.2012)

Westerwelle warnt Palästinenser vor einseitiger Staatsausrufung
(ZEIT online, 14.6.2011)

Westerwelle warnt Israel vor Iran-Angriff
(Handelsblatt, 10.9.2012)

Westerwelle warnt vor übereilter Schuldzuweisung
(tagesschau.de, 19.7.2012)

Westerwelle warnt vor Atomwaffen in Terroristenhand
(rp-online, 23.3.2010)

Nahost: Westerwelle warnt vor Sprachlosigkeit
(dw-de, 14.6.2011)
Konflikt zwischen Türkei und Syrien:
Westerwelle warnt vor Flächenbrand in der Region
(tagesspiegel, 13.10.2012)

Westerwelle warnt vor Jahrzehnt der Aufrüstung
(liberale.de, 17.10.2010)

Westerwelle warnt auf WDR Europaforum:
Europa nicht in Gut und Böse teilen
(Presseportal, 26.5.2011)

Westerwelle warnt vor rascher Hilfe für Griechenland
(ZEIT online, 26.4.2010)

Westerwelle warnt vor Mobbing Griechenlands
(Merkur online, 25.8.2012)

Westerwelle warnt Griechen vor Populisten
(wallstreet-online, 3.6.2012)

Westerwelle warnt vor neuer Gewalt im Kosovo
(wz-online, 11.8.2011)

Westerwelle warnt Ukraines Präsidenten Janukowitsch
(Focus online, 2.5.2012)
Westerwelle warnt Dänemark
(n-tv.de, 15.6.2011)

Westerwelle warnt vor Belastung von deutsch-russischem Verhältnis
(Zeit online, 16.11.2012)

Westerwelle warnt vor Belastung der Beziehungen zur Schweiz
(tagesanzeiger, 3.2.2010)

Westerwelle warnt vor Überforderung bei Euro-Rettung
(N24, 4.8..2012)

Westerwelle warnt vor „teutonischer Dominanz“
(Focus online, 12.5.2012)

Westerwelle warnt vor Ansehensverlust Deutschlands
(N24, 4.9.2012)

Westerwelle warnt bei Abkehr Italiens von Reformen vor “Turbulenzen”
(ZEIT online, 10.12..2012)

Westerwelle warnt Berlusconi vor Anti-Deutschland-Wahlkampf
(Focus online, 11.12.2012)

Westerwelle warnt vor „DDR light“
(Bild, 25.2.2009)

Westerwelle warnt vor “Dagegen-Republik”
(Merkur online, 15.9.2010)

Westerwelle warnt vor Vollversorgerstaat
(Spiegel online, 11.2.2010)

Westerwelle warnt vor Linksruck in NRW
(focus online, 25.4..2010)

Urheberrecht: Westerwelle warnt vor Piraten
(tagesspiegel, 16.4.2012)

Westerwelle warnt deutsche Unternehmen
(onvista.de, 23.9.2012)

Westerwelle warnt vor zu frühem Wahlkampf
(Spiegel online, 8.10.2012)

Westerwelle warnt vor Radikalen im eigenen Land
(Rheinische Post, 18.9..2012)

Westerwelle warnt vor “Titanic"-Heft
(Welt online, 21.9.2012)
(Zitiert nach Claudio Casula 13.12.12)
Zu lustig. Und vollkommen merkbefreit wie Guido ist, liefert er zuverlässig nach. 
Außenminister Westerwelle warnt London davor, den Zusammenhalt der Europäischen Union aufs Spiel zu setzen

[…] Man dürfe 'das, was errungen worden ist, nicht dadurch riskieren, dass man den Geist aus der Flasche lässt', warnte Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) am Freitag in Berlin. Wer den Geist herauslasse, laufe Gefahr, ihn vielleicht nicht wieder in die Flasche hineinzubekommen.
(Cerstin Gammelin, SZ, 12.01.13)
Nimmt man die bisherigen Erfolge dieser verbal-alarmistischen Politik Warnserwelles als Maßstab, ist davon auszugehen, daß alle Euroskeptiker Englands nun für immer verstummen werden, Cameron die Zahlungen nach Brüssel verdoppelt, die Londoner Banken verstaatlicht und sofort den Euro einführt.

Aber letztlich ist es ein Zeichen von Intelligenz und Stärke, daß das Mövenpick-U-Boot weiterhin seine Comedy-Ansprachen hält und ausgelacht wird.
Denn weise wie er ist, hat Westerwave wohl erkannt, daß er sich zu echter Außenpolitik besser nicht äußern sollte.
Denn davon versteht er leider gar nichts und erzählt den größten Unsinn.

Kostprobe Afghanistan-Rückzug.

Guido hat sich nach dem Totaldesaster mit der AtomABrüstung in Deutschland, die Guido so lange eifrig verkündete, bis er einer Atom-AUFrüstung zustimmte, ein weiteres Lügenprojekt erschlossen.
Afghanistan.
Dort verbessere sich die Sicherheitslage, die Zeichen wären positiv dank des Einsatzes der Bundesregierung und der deutschen Soldaten. Nun könne man abziehen.
Es geht voran in Afghanistan! Die Sicherheitslage, sagt der Außenminister, habe sich »weiter stabilisiert«. Kein deutscher Soldat hat im vergangenen Jahr sein Leben verloren, was »eine große Erleichterung« sei, sagt Westerwelle. In 23 von 34 Provinzen übernehmen demnächst die Afghanen die Verantwortung für die Sicherheit – »ein positives Zeichen«, wie der Außenminister findet. Es klingt, als könnten die Deutschen sich demnächst guten Gewissens verabschieden.
(Hauke Friedrichs, ZEIT, 10.01.13)
Klingt gut.
Daß weniger deutsche Soldaten umkommen ist zwar richtig, aber der Grund dafür liegt in der Destabilisierung der Sicherheitslage. Die Taliban haben ihre Angriffe so verstärkt, daß die Bundeswehr lieber in ihren befestigten Camps bleibt und sich nicht mehr raus wagt. 
Während in Kabul und Kundus Afghanen gegen den Mohammed- Film amerikanischer Islamhasser demonstrieren, langweilen sich drinnen im Lager die deutschen Soldaten. Darts, Kicker, Billard, RTL 2 und Boum Boum, ein Energy drink, den die Soldaten von einem afghanischen Händler im Camp beziehen. Seit Kurzem wird Golf angeboten.

[…] 500 Soldaten leben hier, Sanitäter, Pioniere, Panzergrenadiere und Infanteristen. Und hier bleiben sie, Tag um Tag. Wegen des Schmähfilms herrsche »eine höhere Sensibilisierung «, heißt es beim Einsatzführungskommando in Potsdam.
(Hauke Friedrichs, ZEIT, 10.01.13) 
Aus den Kämpfen halten sich die Deutschen komplett raus, sie verschanzen sich und überlassen das Sterben den amerikanischen und englischen Kollegen.
Den Aufständischen werden zunehmend nur noch afghanische Soldaten entgegen geschoben. 2012 starben weit über Eintausend Afghanen in Scharmützeln mit den Taliban - so viele wie nie zuvor. Die Deutschen helfen nicht mehr.
Stattdessen bemüht sich die Bundeswehr darum die selbstgebastelten Sprengfallen der Aufständischen zu entschärfen.
 Sehr ehrenwert, wie ich Ironie-frei zugebe.
Der Erfolg ist allerdings nicht eben über alle Maßen beeindruckend.
Die Deutschen haben spezialisierte Kampfmittelräumer im OP North. Seit Juli sind sie nun im Einsatz, wie viele Minen haben sie in dieser Zeit beseitigt? Nicht eine, sagen die Soldaten auf Nachfrage. Und ihre Vorgänger hätten in den vier Monaten ihres Einsatzes auch nicht mehr erreicht. Nach Einbruch der Dunkelheit trifft sich ein Zug der Minenräumer zur täglichen Besprechung. Rund 20 Männer drängen sich in einem Aufenthaltsraum des Camps. Der stellvertretende Zugführer zählt die wegen der »angespannten Sicherheitslage« abgesagten Missionen für die nächsten Tage auf: Eine Suche nach Sprengfallen wird verschoben. Eine Patrouille mit den Panzergrenadieren am Samstag fällt aus. »Vielleicht kommen wir nächste Woche wieder raus«, sagt der Stabsfeldwebel. »Mal sehen.« Dann bittet er um Anmeldungen für das nächste Skat-Turnier.
(Hauke Friedrichs, ZEIT, 10.01.13) 
Ja, beim Skat und RTL-II-Gucken kommen weniger Deutsche am Hindukusch ums Leben. 

Da hat Westerwelle Recht. 
Daraus aber abzuleiten, die Sicherheitslage sei stark verbessert, ist grober Unfug, wie ihn sich nur ein Debiler oder ein Lügner ausdenken kann.

Westerwelle eben.

Freitag, 11. Januar 2013

Peeeeeeeeeeer - Teil II



Der richtige Spin ist der Casus Knacktus.

Wenn die VERöffentlichte Meinung jemanden liebt, dann kollektiv.
Alle Zeitungen und Magazine bejubelten Karl-Theodor Baron von und zu Guttenberg. 
Alle jazzen Ursula von der Leyen zur möglichen Kanzlernachfolgerin hoch, jeder plappert dem anderen nach, daß Ratzinger ein hochintelligenter bedeutender Wissenschaftler wäre. Alle halten Vroni Ferres für eine der bedeutendsten Schauspielerinnen. Jeder schreibt von Schäubles unbestrittener Finanzkompetenz.
(Ich vertrete in allen Punkten die diametral entgegengesetzte Meinung, aber auf mich hört ja keiner)
Die einhelligen Charakterisierungen führen dazu, daß sich die öffentliche Meinung der veröffentlichten Meinung irgendwann anpasst. 
Die Öffentliche ist ein Tanker. Sie geht viel langsamer auf Kurs, behält aber die einmal eingeschlagene Richtung erstaunlich lange bei.
Als Guttenberg schon seit Wochen der massiven Lügen und Täuschungen überführt war, hielt die große Mehrheit der Deutschen ihn immer noch für gradlinig und grundehrlich.
Einhellig senkt die veröffentliche Meinung derzeit über Peer Steinbrück die Daumen.
Seine unbestrittene Fachkompetenz wird gar nicht mehr zur Kenntnis genommen.
Daß er Deutschland mit hoher Wahrscheinlichkeit aus der Mehltau-artigen Paralyse reißen könnte, die die Nichtpolitikerin und Lobbyisten-Wunscherfüllerin Merkel der Nation antut, interessiert nicht.

Stattdessen berauscht man sich an „echten Steinbrücks“ - also sprachliche Fauxpas, die dazu geeignet sind in dieser Neidkultur einen Popanz aufzubauen.
Der Urnenpöbel hat längst das Gespür für die wirklich wichtigen Punkte verloren.

Ob Merkel 40 Milliarden Euro oder 400 Milliarden Euro an die Banker verteilt, spielt für den Wähler gar keine Rolle, weil er sich den Unterschied ohnehin nicht vorstellen kann. 
Dabei ist genau das der alles überlagernde Megaskandal des frischen Jahrtausends: Sozialisierung der Verluste, Privatisierung der Gewinne. Gigantische Umverteilung von unten nach oben, Abkopplung einer superreichen Elite, die sich ihren Einfluß problemlos erkaufen kann und nicht den lästigen Umweg über Demokratie und Wahlen gehen muß. 
Das alles nimmt der Urnenpöbel klaglos hin. Aber wehe wenn Steinbrück seine Bundestags-Jahresbahncard einmal für eine private Zugfahrt benutzt.

Das ist so wie mit den Dienstwagen, die für eine Extratour ein paar Hundert Euro kosten. Darüber regen sie sich fürchterlich auf, weil das Größenordnungen sind, in denen sie selbst denken. 
Wenn aber Politiker ein paar Milliarden verschleudern oder wie CDU und FDP an Lobbyisten weiterreichen stört das demoskopisch gar nicht, weil das eh außerhalb des Horizonts des Urnenpöbels liegt.
Dass Steinbrück völlig Recht hat damit, daß Kanzler im Vergleich zu jedem Landeschef einer Kassenärztlichen Vereinigung unterbezahlt sind, spielt keine Rolle mehr.
 Ein Kandidat soll sich dem Neid-Pöbel anpassen.

Am schlimmsten finde ich, zu suggerieren er verlange nach mehr Geld, damit ER SELBST dann mehr verdiene!
Dabei ist bei kaum einem besser nachgewiesen als bei Steinbrück, daß er wesentlich mehr verdienen kann und zwar bei 1% des Aufwands, wenn er eben NICHT Kanzler würde. Ginge es ihm ums Geldverdienen, würde er sich ja nicht bewerben.

Kürzlich diskutierte ich in der Uniklinik mit einer Putzfrau. Sie setzte das Bundeskanzlergehalt auch sofort in Relation zu IHREM Gehalt und meinte es sei ja wohl unverschämt, daß Merkel 15 mal so viel wie sie im Monat verdiene.
Da mußte ICH (ausgerechnet!!!) Merkel verteidigen und antworten „bei aller Liebe, aber die Jobs - Putzfrau und Regierungschefin eines 82-Mio-Volks - sind eben NICHT vergleichbar“.
Daraufhin war sie natürlich beleidigt und meinte so schwer sei der Kanzler-Job ja nun auch nicht, schließlich hätte Merkel doch für alles ihre Leute!

Also, ich hasse Merkel nun wirklich wie die Pest, aber daß ein Regierungschef einen anstrengenden Job mit Dauerarbeit und wenig Schlaf hat, kann man ja nun nicht abstreiten. 
Wenn man nur eine ruhige Kugel schieben will, ist das jedenfalls nicht das Richtige.

Das Gespräch endete dann damit, daß ich sagte „Wenn sie der Ansicht sind Bundeskanzler ist so easy und man verdiene so viel, dann werden sie  doch selbst Bundeskanzlerin!“
Steht doch jedem frei.
Schröder hat gezeigt, daß das auch geht, wenn man aus allereinfachsten Verhältnissen kommt.
Aber daß man sich dafür 30 Jahre lang vorher buckeln und fleißig sein muss, jedes Wochenende auf dämlichen Parteiortsvereinssitzungen hocken muß, unendlich viele Hintern küssen muß, war ihr wohl nicht so gegenwärtig!

Es gibt tausende Leute, die ungerechtfertigt zu viel verdienen. 
Insbesondere solche Typen wie die Quandts, die GAR NICHTS tun und zufällig geerbt haben und dann bei einem 25%-Kapitalertragssteuersatz 600 Mio im Jahr verdienen dafür, daß sie zu Hause sitzen und Däumchen drehen.
Ich glaube auch, daß viele Verbands- und Sportfunktionäre sich nicht unbedingt todarbeiten für ihre hohen sechsstelligen Jahresgehälter.
 Man könnte sogar noch um die hohen Beamten in den Ministerien streiten.

Aber ausgerechnet BUNDESKANZLER wird man nicht wegen des Geldes. 
"Mega-schwierig" bis "total beschissen", so beschreiben viele Sozialdemokraten derzeit die Stimmung. Peer Steinbrück und sein schwer lädiertes öffentliches Image zieht die ganze Partei nach unten. Selbst hartgesottene Genossen fragen, wie man unter diesen Bedingungen einen halbwegs anständigen Bundestagswahlkampf überstehen soll.

Die SPD ist in ihrer wechselvollen Geschichte Unbill gewohnt. Die katastrophale Wahlniederlage 2009 war der vorläufige Tiefpunkt der jüngsten Zeit. Aber viel besser ist die Stimmung derzeit nicht. Eigentlich wollte sie im Sommer selbstbewusst ihren 150. Geburtstag feiern und im Herbst dann mit etwas Glück den Kanzler stellen.

Von Selbstbewusstsein ist dieser Tage aber wenig zu spüren, von Glück kann keine Rede sein. Namhafte und gemeinhin wohltemperierte Sozialdemokraten beschreiben den Zustand der Partei in überraschend drastischen Worten. "Mega-schwierig" ist der höflichere, "total beschissen" der gängigere Begriff.

Sollte Steinbrück gefürchtet haben, ihm schlügen in Berlin aus den eigenen Reihen Wogen der Entrüstung entgegen - er hätte nicht bangen müssen. Von Wut und Erregung ist nichts zu spüren, wer im vertraulichen Gespräch das Parteibefinden erkundet, spürt stattdessen Resignation, Ratlosigkeit und Anzeichen von Defätismus, Stimmungen also, die für eine Partei im Bundestagswahljahr gefährlicher sein können als Ärger und Zorn.

[…] Ein Kandidatenwechsel im Wahljahr wäre eine Katastrophe, sagen erfahrene Sozialdemokraten: "Das wäre Selbstmord aus Angst vor dem Tod." Stimmt.
 Sachlich ist aber schon längst nicht mehr.
Die Zeitungen überschlagen sich mit Horrormeldungen über den ungeschickten Peer.

Linke sitzen mit dampfenden, vollen Hosen wie paralysierte Kaninchen vor der Niedersachsenwahl und erklären Steinbrück a priori zum Sündenbock und falschen Kandidaten. 
Dabei hatte es gar keine Alternative gegeben.

Sie hatten ja nun mal de facto nur Steinmeier, Steinbrück und Gabriel zur Auswahl und von denen geht nur Steinbrück, weil Gabriels persönliche Sympathiewerte zu schlecht sind; Steinmeier wollte nicht und hat 2009 bewiesen, daß er Merkels Einlull-Wahlkampfstil absolut NICHTS entgegen zu setzen hat. ("Asymmetrische Demobilisierung")
Steinbrück hingegen ist klug, eloquent und kann auch im bürgerlichen Lager Stimmen holen.

Er ist aber beratungsresistent und haut gerne zur Unzeit Sprüche raus, die beim Wähler schlecht ankommen.

Daß er IN DER SACHE recht hat, interessiert dabei gar nicht mehr. 
Nun steht die ganze Journaille gleichgeschaltet gegen ihn. 
Und gegen so eine Kampagne hat man natürlich kaum Chancen. Insbesondere wenn die gesammelte Medienmacht in Form von Friede und Liz Merkel massiv hochschreiben läßt, obwohl sie NICHTS auf die Reihe bekommt und alle Versprechen gebrochen hat.
Klartext wollen die Wähler aber nicht mehr. Das erschreckt sie ganz fürchterlich.
Beliebt ist nur noch derjenige, der seichtes Geschwurbel ohne Inhalt absondert.
Wulff und Guttenberg sind so auf Platz 1 der Beliebtheitsskala aufgestiegen: Bloß keine politischen Positionen beziehen, niemanden verärgern, zu allem freundlich grinsen.
Der Urnenpöbel sehnt sich geradezu danach verarscht zu werden. ER will nur hören, daß es irgendwie weitergeht, ohne von der lästigen Realität aufgeschreckt zu werden. 16 Jahre Einlull von Kohl und acht Tranquilizer-Merkeljahre und der Verstand des Wahlvolkes ist erfolgreich ausgeschaltet
In der aktuellen ZEIT (von gestern) ist dazu ein interessanter Artikel - leider noch nicht online:

„Die Rhetorik  der Macht.

Über weniges regen sich die Medien derzeit mehr auf als über Peer Steinbrücks Interviews. Sollte er vielleicht lieber reden wie die Kanzlerin?“

Journalisten beklagen sowohl politische Nullaussagen als auch unkluge Antworten. Unkluge Antworten sind zumeist konkret

[…]   Steinbrück habe, wie der Spiegel in seiner aktuellen Titelgeschichte noch einmal herausstellt, »den Eindruck« erweckt, sich ein besseres Einkommen verschaffen zu wollen, da er in einem Interview darauf hingewiesen habe, dass das Kanzlergehalt verhältnismäßig niedrig sei. Nun hatte Peer Steinbrück keineswegs gesagt, dass er aufgrund eines finanziellen Vorteils Bundeskanzler werden möchte, er hatte vielmehr stets das Gegenteil behauptet, zum Beispiel im November in der Bild am Sonntag: »Meine Bewerbung um die Kanzlerkandidatur zeigt, dass mir dieses politische Engagement wichtiger ist als Geld. Denn sonst würde ich mehr verdienen, wie ja jetzt jedermann weiß.« Das weiß natürlich auch jeder politische Kommentator, genauso wie er allerdings auch weiß: Darauf kommt es gar nicht an. Es kommt nicht in erster Linie auf die Aussage selbst an, es kommt darauf an, ob sich aus der Aussage ein zweifelhafter Eindruck ableiten lässt, der zu einer öffentlichkeitswirksamen Erzählung taugt. Die Erzählung lautet: Ausgerechnet ein Kanzlerkandidat der SPD, der für seine Vorträge hohe Honorare kassierte, hinterlässt den Eindruck, sich über sein mögliches zukünftiges Gehalt zu beschweren. Nach Steinbrücks Vorgeschichte, so der Spiegel, »wirkte es seltsam«, dass Steinbrück auf das Kanzlergehalt zu sprechen gekommen sei. Seltsam ist allerdings auch, dass die seltsame Wirkung einer Aussage ein Politikum sein soll.

 Genau besehen, lässt sich aus den Steinbrückschen Interviewsätzen vor allem ableiten, dass er sich den Medienmechanismus nicht zu eigen machen möchte, wonach schon der mögliche Eindruck, den eine Aussage hinterlässt, diese sogleich zu einer kritikwürdigen macht. Eine kluge Antwort im Pingpongspiel eines journalistischen Inter views ist heute eine tautologische oder möglichst selbstverständliche, aus der sich, wenn überhaupt, nur indirekt etwas ableiten lässt. In diesem Sinne kluge Antworten kennt man gut von der Bundeskanzlerin. Nur einige allzu typische Beispiele aus den vergangenen Monaten: Am 2. Mai beantwortete Angela Merkel in der Welt die Frage, welche Bedeutung die Landtagswahl in Schleswig- Holstein für sie und die CDU habe, fol gen dermaßen: »Jede Landtagswahl ist wichtig, weil sie darüber entscheidet, welche Politik in einem Bundesland zum Tragen kommt (...).« Am 3. Mai wurde sie von der Hamburger Morgenpost gefragt, ob sie zur Fußballeuropameisterschaft in die  Ukraine fahre: »Ich habe noch keine Reisepläne zu Spielen der EM gemacht, weder nach Polen noch in die Ukraine, so etwas entscheide ich immer kurzfristig (...).« Am 2. Dezember wurde sie in der Bild am Sonntag gefragt, welche Position die Union zur steuerlichen Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare mit Eheleuten habe: »Der Parteitag ist der richtige Ort für eine solche Entscheidung (...).« Wie ernst nimmt sie ihren Herausforderer Peer Steinbrück? »Ich habe immer jeden meiner Konkurrenten und Herausforderer ernst genommen und respektiert (...).« In Angela Merkels Interviewantworten wird entweder auf ein zuständiges Gremium verwiesen (»Parteitag«), die Fragestellung bis zur Unkenntlichkeit ins Allgemeine verschoben (»Jede Landtagswahl ist wichtig ...«, »Ich habe immer jeden meiner Konkurrenten ...«), oder aber die Frage wird als noch gar nicht beantwortbar deklariert, da eine Entscheidung noch aussteht: »Ich habe noch keine Reisepläne ...« [….]
(ADAM SOBOCZYNSKI, DIE ZEIT 10.01.13)

Donnerstag, 10. Januar 2013

Quot erat expectandum Teil III




Anschließend an die Kinderschändereien von gestern, will ich den deutschen Bischöfen ausdrücklich meinen Dank aussprechen.
Wieder einmal tun sie der atheistischen Agenda den Gefallen sich von ihrer schmutzigsten Seite zu zeigen. Sie offenbaren in einem Maße Selbstzufriedenheit, Mitleidslosigkeit und moralische Verkommenheit, daß man einen großen Boom der Kirchenaustrittszahlen erwarten kann.
Das Episkopat nimmt sich ein Beispiel am Frommsten der Frommen unter den deutschen Parteiführern.
Wie Fipsi, Vizekanzler und Noch-FDP-Chef, der 150%ige Katholik und Mitglied im Zentralrat der Katholiken in Deutschland (ZdK) ist, geben sich die Paedophoben große Mühe ihren Verein auf eine Zustimmungsrate von Null Prozent zu drücken.
Aber auch die Glaubwürdigkeit von deutschen Bischöfen dürfte irgendwo zwischen Fußpilz und analen Furunkeln liegen.
Die RKK in Deutschland erlebt ein PR-Desaster als hätten sie Bettina Wulff als Medienberaterin eingestellt.
Das ist ja mal schlechte Presse, die sich heute über die Eminenzen und Exzellenzen ergießt.
Sogar der stets so ecclesiophile Kirchenmann Matthias Drobinski wird in der morgigen SZ-Druckausgabe unzufrieden mit seinem Münchner Kardinal sein. 
Als die Taten an die Öffentlichkeit kamen, gab Kardinal Marx den großen Aufklärer - doch einer unabhängigen Analyse hat er sich in den Weg gestellt.

[…] Über Jahrzehnte hatte die Kirche das Thema sexuelle Gewalt verdrängt, die Täter geschützt, die Opfer alleine gelassen. Viele Akten über auffällig gewordene Priester waren verschwunden oder unvollständig geführt, einige lagerten beim ehemaligen Personalchef zu Hause.

Trotzdem fanden sich Hinweise auf sexuelle Übergriffe bei 159 Priestern und 96 Religionslehrern. Verurteilt wurde kaum einer von ihnen. Die Vertuschung und Verharmlosung hatte System, bis dahin, dass höherrangige Personen im Ordinariat erpresst wurden, weil sie schwul waren. […]

Was allerdings genau bei der Aktensichtung herausgekommen ist, wissen bis heute nur wenige, vielleicht sogar nur drei Personen: Kardinal Marx, sein Generalvikar Peter Beer und eben Marion Westpfahl. Denn das Ergebnis der Untersuchung steht in einem 250 Seiten dicken, rot eingebundenen Buch, es hat die Auflage von genau einem Exemplar und liegt im Tresor des Generalvikars. Es heißt, nicht einmal der käme alleine an das rote Buch, es bräuchte einen zweiten Schlüssel, um die Tresortür zu öffnen - so brisant ist, was in dem roten Buch geschrieben steht.
(SZ 11.01.13) 
Das war die größte Missbrauchs-Aufklärung, die je in einem deutschen Bistum stattfand. Kein anderer Bischof ist so weit gegangen.
Aber auch Marx gab ein „bis hierher und nicht weiter" als Parole aus.
Konsequenzen wurden keine gezogen, kein Sextäter mit Priesterkragen hatte Sanktionen zu befürchten, ihre Namen hielt der Kardinal streng geheim.

Typisch RKK.

Matthias Katsch, ehemaliger Schüler des Berliner Canisius-Kollegs und Beirat des Unabhängigen Missbrauchsbeauftragten hatte nie etwas anderes erwartet. 
Mir und einem Kollegen von der Beratungsstelle Tauwetter war klar, dass die Kirche das Projekt nicht durchhalten würde, jedenfalls nicht so wie vereinbart.

[…] Es wäre, pardon, eine Offenbarung geworden, wenn man anhand der Personalakten herausgefunden hätte, wie viel sexuelle Gewalt es in der Kirche wirklich gibt. […]

Es muss eine unabhängige, von außen beauftragte Kommission geben, die die sexualisierte Gewalt in der Kirche aufklärt.

[…] Der Frosch legt den Teich nicht trocken, in dem er lebt. Mit anderen Worten: Es brauchen jene Menschen in der Institution, die aufklären wollen, unbedingt auch Hilfe von außen. […] Wir Betroffenen von sexueller Gewalt waren zu Recht immer skeptisch…..[..] Weil es für uns gar nicht auszuhalten ist, dass sich die Täterorganisation selbst den Persilschein ausstellt. Wir haben doch erlebt, oft über viele Jahre und Jahrzehnte hinweg, wie man uns hinhält, vertröstet und notfalls auch einfach niedermacht, wenn wir von unserem Leid erzählen wollen.
Es ist die handlungsunfähige, ecclesiophile und Opfer-ignorierende Bunderegierung, die es erst möglich macht, daß die Täter selbst darüber bestimmen dürfen, ob sie Konsequenzen zu befürchten haben.
In anderen Ländern waren die Regierungen moralisch nicht so degeneriert Myriaden Opfern extremer psychischer, körperlicher und sexueller Gewalt die kalte Schulter zu zeigen.
Die Regierung hätte längst aktiv werden können und eine Untersuchungskommission einrichten können. Sie hätte einen Bevollmächtigten oder Ermittler benennen können oder eine Enquetekommission des Bundestags einrichten können.
Andere Länder haben genau das getan. 
Dort handelten die Regierungen und ließen ermitteln - egal, ob es den Herren Bischöfen genehm war oder nicht.

Beispiel Holland:
[…] Der Report, veröffentlicht von einer unabhängigen Kommission unter Leitung des ehemaligen Bildungsministers Wim Deetman, kommt zu dem Ergebnis, dass von 1945 bis 1985 zwischen 10.000 und 20.000 Minderjährige Opfer sexuellen Missbrauchs wurden. Diese Fälle ereigneten sich in katholischen Internaten und Schulen, Kinder- und Waisenhäusern. Bei einigen tausend dieser Kinder soll es sich um schweren Missbrauch gehandelt haben.

Die Kirchenleitung hätte diese Problematik wissentlich verschwiegen. Interne Maßnahmen seien nicht ergriffen worden, um mögliche Skandale zu verhindern. Zudem habe es für die Betroffenen keine angemessene Hilfe gegeben. Trotz entsprechender Hinweise hatten Kirchenvertreter in den Niederlanden wiederholt beteuert, sie seien über diese Vorfälle nicht unterrichtet gewesen. Kardinal Ad Simonis, ehemaliger Erzbischof von Utrecht, erklärte letztes Jahr in einer TV- Sendung, er habe "von nichts gewusst". Später stellte sich heraus, dass er in seiner Amtszeit einen als pädophil bekannten Priester einstellen ließ. […]
Beispiel Belgien: 
Zahlreiche neue Missbrauchsfälle in der Kirche kamen ans Licht - zumeist schon lange verjährt. Die belgische Justiz ermittelte mit teils brachialen Methoden, ob es seitens der kirchlich Verantwortlichen Vertuschung gegeben habe. Ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss arbeitete monatelang die Vorgänge auf; erst vor wenigen Wochen legte er seinen Abschlussbericht vor.

Verhalten übten Bischöfe Kritik am Vatikan, der sich lange Zeit ließ, um Konsequenzen aus dem Missbrauchsfall Vangheluwe zu ziehen. Antwerpens Bischof Johan Bonny ließ öffentlich wissen, er vermisse in der Mitteilung zu den ersten gegen den Ex-Bischof ergriffenen Maßnahmen ein Wort zur Schwere der Tat und eine Entschuldigung an die Opfer. Bischof Guy Harpigny von Tournai äußerte jetzt die Hoffnung, der Vatikan werde reagieren, "wie es sich gehört".
Beispiel Irland:
Die katholische Kirche in Irland vertuschte jahrzehntelang Kindesmissbrauchsvorwürfe gegen Priester. Zu diesem Ergebnis kommt der Untersuchungsbericht einer Regierungskommission, der am Donnerstag in Dublin veröffentlicht wurde.

Vier frühere Erzbischöfe von Dublin schützten demnach routinemäßig katholische Geistliche, die sich des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht hatten. Die irische Regierung entschuldigte sich bei den Opfern.

In dem in dreijähriger Arbeit zusammengestellten Bericht geht es konkret um den mutmaßlichen sexuellen Missbrauch Hunderter Kinder in Dublin, der größten Erzdiözese des Landes. Die Kommission um die Juristin Yvonne Murphy förderte unter anderem zutage, dass die vier früheren Erzbischöfe mindestens bis in die neunziger Jahre Priester schützten und diese nicht der Polizei meldeten.

In dem Bericht heißt es, der Erzdiözese sei es beim Umgang mit den Fällen um Geheimhaltung gegangen und darum, einen Skandal zu verhindern und den Ruf der Kirche zu schützen. "Alle anderen Erwägungen, darunter das Wohl von Kindern und Gerechtigkeit für Opfer, wurden diesen Prioritäten untergeordnet." Wenn sich Kinder beklagten, hätten Kirchenvertreter die Taten oft geleugnet und vertuscht.

Für viele wurde das letzte Stückchen Vertrauen in die Kirche zerstört, als im Juli jener Untersuchungsbericht erschien, den das Justizministerium über die ländliche Diözese Cloyne im Süden der Insel erstellen ließ. Fast zwei Jahre lang hatte eine staatliche Kommission überprüft, ob diese Diözese, wie sie immerzu beteuerte, ausreichend Maßnahmen ergriff, um Kinder vor pädophilen Priestern zu schützen.

Das Ergebnis: Bis ins Jahr 2008 taten die Kirchenoberen "wenig bis nichts". Bischof John Magee ließ zu, dass verdächtige Priester weiterhin Kontakt mit Heranwachsenden hatten, 9 von 15 Beschwerden leitete die Diözese nicht weiter an die Polizei.

Der Bericht stellte zudem fest, dass der Vatikan nicht willens war, bei der Aufarbeitung der Geschehnisse mitzuwirken - so wenig wie bei den drei großen früheren staatlichen Untersuchungen.

Geradezu explosiv aber war, was die Ermittler über die Geheimkorrespondenz des Vatikans zutage förderten. Der Nuntius, Roms Vertreter in Dublin, hatte die Richtlinien der irischen Kirche zum Schutz von Kindern gegenüber den Bischöfen als "nicht bindenden Entwurf" bezeichnet - er stehe im Widerspruch zum Kirchenrecht. Damit gab er ihnen freie Hand, alles zu ignorieren, was von der eigenen Kirche beschlossen worden war.

[…] Auch Premierminister Enda Kenny, 60, verdammt den Vatikan inzwischen in Grund und Boden. Das will viel heißen auf der gottgefälligen Insel, auf der sich Politiker früher vor allem als Katholiken und erst danach als Iren verstanden. Jahrzehntelang gehörte es zum politischen Alltag, dass Bischöfe das Parlament zurechtwiesen, wenn ihnen ein Gesetzentwurf nicht gefiel.

In ebendiesem Parlament geißelte Kenny nun "die kaputte, weltfremde, elitäre Kultur" des Vatikans. Die Kirchenzentrale schwelge im "Narzissmus", sie spiele "die Vergewaltigung und Folter von Kindern" herunter und sei in all ihrem Tun einzig bemüht, den schönen Schein aufrechtzuerhalten. Die Mehrheit der Iren bejubelte ihren Premier für diese Worte. Und der Vatikan zog erschrocken seinen Nuntius ab - wohl auch, um einer formellen Ausweisung zu entgehen.

Justizminister Alan Shatter arbeitet bereits an einem Gesetz, das den Schutz von Kindern "über interne Regeln von religiösen Gruppierungen" stellen soll: Wer von Kindesmissbrauch erfährt, muss die Polizei einschalten. Tut er das nicht, drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft. Die Kirche läuft Sturm gegen dieses Projekt, denn dieses Gesetz würde auch das Beichtgeheimnis beschneiden.
In Deutschland kriechen die Minister immer noch vor der Kirche und lassen die Pädophilen gewähren.

Die Grenzen zwischen Satire und Realität verschwimmen wieder einmal.

Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Missbrauchsfälle ist vorerst gescheitert, da sich die katholische Kirche missbraucht fühlte. Anfangs habe der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN), Christian Pfeiffer, die Bischofskonferenz damit gelockt, dass die Erstellung einer solchen Studie etwas ganz Natürliches sei und überhaupt nicht weh täte – ein folgenschwerer Irrtum.
(Postillon 10.01.13)
Die Opfer werden im Stich gelassen, die Bundesregierung trampelt damit noch einmal auf ihren Seelen herum. 
Wenn die deutschen Justizminister ein wenig Mumm in den Knochen hätten, dann würden sie jetzt ihre Ermittlungsbeamten losschicken. Sie würden in den Kirchenämtern der Republik die Personalakten jener Pfarrer konfiszieren, die sexuelle Gewalt gegen Kinder begangen haben.

Die Justiz müsste das tun, um die Strafvereitelung zu unterbinden, welche die Täterorganisation Kirche gerade im großen Stil plant. Denn die Bischöfe haben bei diesem drängenden Thema erneut auf stur geschaltet – wiewohl sie umfassende Kooperation zur Aufklärung der Macht-Missbräuche an Kindern und Schutzbefohlenen in ihren Reihen versprochen hatten. Ja, sie hatten es sogar vertraglich vereinbart mit einem Forscher. Aus, vorbei, die Kirche macht, was sie will.
Es ist allerdings nicht sicher, ob die Katholo-Fanatiker in Parlamenten und Regierungen - Thierse, Nahles, Schavan, Rösler, Lammert, Maria Böhmer, Maria Flachsbarth, Julia Klöckner, Ministerpräsident Reiner Haseloff, Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer, Ministerpräsident Winfried Kretschmann den kinderbefummelnden Klerikern überhaupt einen Gefallen tun, indem sie ihnen jegliche Strafverfolgung ersparen und den Opfern täglich weiter in den Hintern treten.

Die RKK bekommt dadurch die Gelegenheit sich jeden Tag mehr in den Abgrund zu reiten.
Sie sitzt zwar schon im tiefsten Loch, gräbt aber unablässig weiter.
Offensichtlich sind die Demokratie-, Rechtsstaat- und Menschenrechts-antagonistischen Katholiken nicht lernfähig.
 Man denke an die Peinlichkeit der Papst-Klage gegen die Titanic.
In ähnlicher Weise zerren die deutschen Bischöfe nun den Kriminologen Prof Christian Pfeiffer vor Gericht, um ihn zum Schweigen zu bringen.
Zu BLÖD, daß es keine Scheiterhaufen mehr gibt. Früher war alles besser. 
Nachdem die wissenschaftliche Aufarbeitung des Missbrauchsskandals vorerst gescheitert ist, geht die katholische Kirche nun juristisch gegen den Kriminologen Christian Pfeiffer vor. Er habe von der Kirche eine Unterlassungserklärung erhalten, sagte der Direktor des ursprünglich mit der Studie beauftragten Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) in Hannover.
(TS 10.01.13)