Montag, 12. November 2012

Sehr tief gesunken!

Früher war alles besser!
Habe ich das schon mal gesagt?



Zurück beamen lassen würde ich mich aber trotzdem nicht, da ich damals zwar schöner und fitter war, aber noch nicht so schlau.
Das ist das Elend - wenn man jung ist, ist man auch noch zu verblödet, um zu begreifen welches Privileg es ist, gut gucken zu können, den Haarwuchs an den richtigen Körperpartien konzentriert zu finden, über elastische Gelenke zu verfügen, sowie Alkohol, Schlafmangel und nervende Geräuschkulissen locker wegzustecken.
Jugend ist eine wunderbare Sache - nur schade, daß sie an Kinder verschwendet wird!
(frei nach Peter Ustinov)
 Cool war auch mal mein SPIEGEL-Abo, das ich schon als Teenager bekam, weil es schon zu lange immer am Montag Streit gab, wer als erstes das Heft zu fassen bekam.

SPIEGEL zu lesen war erstens ungeheuer spannend, zweitens lehrreich und drittens auch noch von praktischem Nutzen. In der Schule bekam ich in den Fächern Gemeinschaftskunde und Politik schon automatisch mindestens 13 Punkte, weil ich immer bestens up to date war.

Später an der Uni war es eher ein gegenteiliger Effekt, weil ich meine Vorbereitungen für Seminare und Kolloquien immer so getimed hatte, daß ich noch vorher im Bus schnell die wichtigsten Dinge nachlas. Das kam mir dann aber immer so langweilig vor; verglichen zum SPIEGEL, den ich sattdessen regelrecht aufsaugte.

Besonders heiß war man im Familien-internen Wettstreit immer darauf als erster den Lach-Artikel zu finden. 
In jeder Ausgabe war damals eine völlig normale Geschichte zu einem auf den ersten Blick unauffälligen Thema, bei dem der Autor aber solche Formulierungskünste losließ, daß man laut lachen mußte.
Im prädigitalen Zeitalter erforderte dies natürlich auch regelmäßig zum Copy-shop zu gehen, um die besten SPIEGEL-Artikel mehrfach zu kopieren und weiter zu geben. 
Noch heute habe ich zwei dicke Leitz-Ordner mit SPIEGEL-Kuriosa.

Erich Böhme war allerdings ein bißchen sehr lang Chefredakteur; 1973-1989.
Seine Nachfolger Hans Werner Kilz und Wolfgang Kaden transformierten das Blatt gruseligerweise bis zum Beginn der Ära Aust (1994-2008) immer mehr in Richtung Boulevard.
Der Start von Burdas Konkurrenzblatt „Focus“ (Januar 1993) verstärkte den SPIEGEL-Trend zu immer kürzeren und bunteren Artikeln. 
Die Sprachkunst wurde langsam, aber kontinuierlich aus dem Blatt gedrängt.

Das Internet spielte noch keine Rolle, aber die Vormachtstellung als einziges investigatives Blatt bröckelte. Tatsächlich hatten außer ein paar TV-Politmagazinen und in Abstrichen der STERN ganz allein SPIEGEL-Redakteure sämtliche Politskandale aufgedeckt.
Langsam aber wurden die Tageszeitungen besser, bissiger und aktiver. 
Heute koordiniert das beste Politmagazin Deutschlands, PANORAMA, große und aufwändige Recherchen eher mit der „Süddeutschen Zeitung“, während sich der SPIEGEL auf bizarre Allianzen mit Springer oder der FAZ einläßt.
 Der 2002 verstorbene Rudolf Augstein, mit Sicherheit einer der intelligentesten und gebildetsten Bürger Nachkriegsdeutschlands, hat zum Glück nicht mehr mitbekommen, wie sehr der vollkommen auf neoliberal getrimmte Gabor-Steingart-SPIEGEL ab ca 2001 begann, massiv Rot/Grün zu demontieren und in Allianz mit Westerwelle-Fan Hans Ulrich Jörges vom STERN ihre schwarzgelbe Wunschkoalition herbei zu schreiben. 
Seit an Seit mit der BILD und Springer focht der SPIEGEL später wider die Rechtschreibreform.

Ein Elend.

Stefan Aust, ebenfalls einer der intelligenteren Journalisten, erkannte immerhin, daß mit Anbiederung an die Leser der BUNTEn kein Blumentopf zu gewinnen sei, entbuntete das Blatt wieder und setzte auf gut recherchierte Geschichten. 
Die Ressourcen hatte der SPIEGEL. Man war reich, personell gut besetzt und verfügte über das legendäre SPIEGEL-Archiv mit einer Hundertschaft professioneller Dokumententare, die jede Information akribisch checkten.
Vermutlich wollte Augstein genau das von Aust, der in der Redaktion zwar unbeliebt, aber anerkannt war. 
Außerdem hatte er das Plazet Augsteins, den jeder SPIEGEL-Redakteur wie einen Gott verehrte.

Allerdings driftete Stefan Aust inhaltlich mehr und mehr auf Abwege. 
Er ließ beispielsweise lange Geschichten wider sie Windkraft schreiben, weil er sich persönlich von einem Windrad neben seinem Gestüt genervt fühlte. 
Und er verbiss sich in persönliche Animositäten. Gefühlte 37.000 mal mußte man im SPIEGEL Spekulationen lesen, ob nicht Manfred Stolpe doch vor 30 Jahren einmal fünf Minuten mit der Stati gesprochen habe. Ähnliches galt für Gregor Gysi, den Aust hasst.
Und er ließ Steingarts Merkel-Westerwelle-Jubelarien geschehen, obwohl dies nicht nur zu Empörung der Alt-Abonnenten, sondern auch zu einem Redakteurs-Exodus führte.

Neben Steingart und Aust war der größte SPIEGEL-interne Problemfall eindeutig Matthias Matussek, 58. 
Der Leiter verschiedener Korrespondentenbüros des SPIEGEL übernahm 2005 den Chefsessel des Kulturressorts und machte sich dort so viele Feinde, daß gestandene Redakteure, die seit Jahrzehnten beim SPIEGEL dienten, wutentbrannt oder gar weinend kündigten.
Es wird von diversen Vorfällen gemunkelt, bei denen Matussek gegenüber seinen Mitarbeitern sogar handgreiflich geworden sein soll.
Jähzorn und Brüllattacken waren ohnehin an der Tagesordnung. 
Das wird niemanden überraschen, der MM schon in TV-Diskussionen erlebt hat.
 Es endet so gut wie immer mit einem laut brüllenden Matussek, der andere Diskutanten auf Übelste beschimpft. Der Mann hat sich absolut nicht unter Kontrolle; wird von Größenwahn und Religiotie gesteuert.

Um 2008 kam es zu einem reinigenden Gewitter.
 Die SPIEGEL-Mitarbeiter, die über eine Mehrheit der Anteile verfügen, sorgten nach erheblichen Intrigen und Kabeln im Verein mit den Augstein-Erben dafür, daß Steingart, Aust und Matussek ihre Posten verloren.
Tabula rasa. 
Endlich. 
War ich erleichtert!

Rückblick:
 
Nach der Aust-Demission zittere ich zwar immer noch, daß uns demnächst Gabor Steingart als Chefredakteur droht und damit ein offizielles Merkel-Zäpfchen und stramm Neoliberaler das Ruder übernimmt, aber immerhin ist sieht es nicht gerade rosig aus für den augenblicklichen New Yorker.
Heute ist nämlich auch Matthias Matussek gegangen worden, der rabiate Kulturchef des SPIEGELs. Der Neokonservative und neonationale Haudegen, der spätestens mit seinem Buch „Wir Deutschen. Warum die anderen uns gern haben können“ (S. Fischer, Frankfurt a.M. 2006) nach ganz rechts gerutscht war und sich zudem auch noch benahm wie die Axt im Walde, entfremdelte sich den SPIEGEL-Mitarbeitern.
Daß er als der meistgehasste Redakteur innerhalb des Blattes galt, amüsierte ihn, aber ohne Papa Stefan A. fehlte ihm wohl doch das Rückgrat, um seinen stramm teutonischen Kurs durchzustehen. Matussek gibt in seinem Buch den Linken und politisch Korrekten Schuld, dass es immer wieder ums Dritte Reich geht, wenn von deutscher Geschichte die Rede ist. Auf Seite 14 schreibt er: „(…) keiner wagte auch nur den Gedanken, dass Hitler ein Freak-Unfall der Deutschen war (…)“.
Politisch verwirrt sind zwar noch andere Redakteure, aber ich erinnere mich mit Schaudern daran, daß er zudem auch noch furchtbar schlecht schreibt.
Ich stimme auch kaum jemals mit Henryk Broder überein – aber seine Beiträge sind immer lesenswert und geistreich.
Matussek kriegt es aber hin eine ganze Titelstory (wie die über Romy Schneider – eine immerhin interessante Schauspielerin) vollkommen lahm zu verhunzen – das hätte jeder Redakteur des Käseblattes Buxtehude flüssiger geschrieben.

Seine Auftritte im TV sind dementsprechend gewürzt, um seine mangelnden Schreiberfähigkeiten überzukompensieren.
So z.B. im Mai 2006 bei Beckmann, als Matthias Matussek fragte: „Was sollen wir machen: Sollen wir die erste Strophe wieder singen?“
Wenn dem Mann, der mit seinem großkotzig-restaurativen Schlichtnationalismus immer mehr der Realität entschwebt, nicht einer seiner Kumpels von FAZ oder WamS aufnehmen sollte (sein letztes Buch erschien dort in Auszügen), würde ich empfehlen eine Wrestling-Karriere ins Auge zu fassen.
Hatte er doch kurz nach seinem Beckmann-Auftritt im Juni 2006 im Presseclub auch handgreiflich argumentiert und versucht Handelsblatt-Vize-Chef Tichy zu würgen, während er zappelnd und zornend zeterte: „Sie sind ein ganz linker Finger! Sie mache ich fertig! Sie merke ich mir!".
Eine Szene, die der zuständige WDR-Redakteur in einem Parade-Euphemismus zusammen fasste:
"Das war eher eine Frage der Kinderstube. Herr Matussek hat ein sehr hohes Erregungspotential." Künftig werde man mit temperamentvollen Gästen vor der Sendung ein Gespräch über das "erforderliche Mindestmaß an bürgerlichen Umgangsformen" führen, so WDR-Mann Hirz.


 Bis 2008 war Matussek aber „nur“ ein aggressiver Rechter, der schlecht schreibt, schlicht denkt und schwach argumentiert. 
Dann aber folgte sein Gang in die Religiotie, seinen Ratzinger-Fanatismus, der in immer wüsteren Hassausbrüchen gegen Andersdenkende mündete.
MM schaffte dabei das Kunststück nicht nur alle klar denkenden und liberalen Geister zu schockieren, sondern gleichzeitig auch noch konservative Katholiken vor den Kopf zu stoßen, weil seine Papst-und-Kirche-Jubelarien von derartig mangelhaften Hintergrundwissen zeugten, daß er noch nicht einmal die einfachsten Grundlagen der katholischen Lehre richtig widergeben konnte; wiewohl er aber im Brustton der Empörung andere belehrte.

Ein Alptraum.
 MM spielt in einer Liga mit den radikalen Eiferern Andreas Englisch, Gabriele Kuby, Martin Mosebach, Martin Lohmann und Alexander Kissler.
Sogar Hakenkreuznet liebt Matussek.
 Sage und schreibe 44 Artikel des Hassblattes preisen ihn ob seiner Bischofs-Kritik von ganz rechts:
„Wie mißtrauisch muß die deutsche Katholische Kirche sein, die Sakramente an Mitgliedsbeiträge zu binden?“
Diese Frage stellte der Journalist Matthias Matussek gestern in dem von einem ehemaligen NS-Journalisten mit Hilfe seiner SS-Freunde gegründeten deutschen Kirchenhaß-Magazins ‘Spiegel’.   […] Der Journalist prophezeit: „So wird die Kirche in sich zusammensinken: Alte sterben, Junge bleiben weg. Die Kirche sollte auf Freiwilligkeit bauen.“  […]
Matussek sieht in Sachen Kirchensteuer eine „haarsträubende, aber bislang offenbar haltbare Allianz, an der alle partizipieren.“    […] Zugleich ist die deutsche Amtskirche nach Matussek „außen prächtig, innen aber leer“.
  […] Für Matussek geben die deutschen Bischöfe mit der Erklärung, die Steuerrebellion sei eine „schwere Verfehlung“ gegen die Kirchliche Gemeinschaft ein „klägliches Bild“.
  […] Matussek vergleicht die Situation mit einer „mittlerweilen skandalösen Form des Ablaßhandels in einer Welt, in der alles nur noch käuflich ist“
 (Hakenkreuznet 28.09.12)
 Man versteht sich.

Was ich NICHT verstehe ist, wieso auch heute noch, vier Jahre nach seinem Abgang als Kulturchef, dieser Wahnsinnige für den SPIEGEL schreibt.
In der Ausgabe von heute ist Matthias Matussek gar alleiniger Autor der Titelstory.
Das Lodern von innen
Barack Obama hat es wiedergefunden, Angela Merkel wird es wohl nie besitzen: Charisma, die Kraft, andere zu bewegen, unsere Welt zu gestalten und nicht nur zu verwalten. Ist der Zauber erlernbar?
 Ich kann auf Details nicht genauer eingehen, weil ich dann einem Herzinfarkt erliege.
Erwähnt sei nur, daß der SPIEGEL wie immer, wenn die Titelgeschichte allzu dünn ist, versucht dieses Manko mit bunten Spielchen zu übertünchen. 
So erscheint die heutige Druckausgabe mit sieben verschiedenen Titelbildern, die jeweils eine angeblich besonders charismatische Person zeigen.
(Ich hatte Glück, mein Exemplar ziert Helmut Schmidt)
Man kann aber auch einen strahlenden Laberer Gauck oder das verblödete Naivchen Lady Diana erwischen.

Die eigentliche Matussek-Story ist mit den "charismatischen" Typen Mutter Teresa, Hitler und Johannes-Paul II. bebildert.

Auszüge:
Sicherlich nicht wie die Rechnerin Angela Merkel, der man vorwirft, sie habe "keine Vision", sie könne "nicht kommunizieren", sie habe "keine große Erzählung" - alles Code-Namen für das, was ihr fehlt: Charisma. Der Einzige, der in diesen Monaten eine Erzählung hat und ein Thema, nämlich die "Freiheit", ist Bundespräsident Joachim Gauck. Er hat Charisma, aber keine Macht. […]Um Charisma zu verstehen, müssen wir an die Wurzel, an jene Urszene, die sich am Pfingsttag vor knapp 2000 Jahren in Jerusalem zugetragen hat, am fünfzigsten Tag nach dem Osterfest, und wir müssen es schon deshalb, weil 76 Prozent der Deutschen nicht mehr wissen, was Pfingsten ist. Geschweige denn Charisma. Wir sind entwöhnt, nicht ohne Grund.
So soll sich das damals angekündigt haben, dem Evangelisten Lukas zufolge: mit einem Brausen in der Luft, dem Sturm, dem Geist.
Die Jünger haben sich versammelt, sie denken an ihren Herrn, der ihnen erschienen war nach Ostern und dann vor ihren Augen in den Himmel auffuhr, was für ein Abschied, was für ein Versprechen auf baldige Wiederkehr!
Und plötzlich kommt dieser Sturm auf, sie fürchten sich, ihr Beten schwillt an, und dann tanzen Feuerzungen im Raum, über den Köpfen der zwölf!
Was für eine großartige Halluzination, um mal kurz von der Sprache der Apostelgeschichte in die der Psychologie zu wechseln, und gleichzeitig schwindet die Angst und macht einer Verwunderung Platz, plötzlich ist da ein antikes Woodstock, ein Fest der Entgrenzungen und des Glücks, ja der Ekstase, einige fallen um wie in Trance, und die anderen sprechen in Zungen, sie lallen in allen bekannten Sprachen, sie wirken auf die Umstehenden wie betrunken, und sie werden keinen Moment zögern, sich steinigen zu lassen für ihre Botschaft.
Und der Heilige Geist, so wird er genannt, ergießt sich über alle Jünger, sie werden ausgestattet mit Gnadengaben, sie können plötzlich prophezeien und heilen und den Geist durch Handauflegen weiterreichen. Sie sagen: "Yes, we can."
(Matthias Matussek 12.11.12)
Mehr hält man nicht aus.

Ich frage mich nur eins:

Was hat MM wohl in der Hand gegen die SPIEGEL-Chefredaktion?

 Womit erpresst er wohl Georg Mascolo?

Ich fordere alle SPIEGEL-Abonnenten auf sich schriftlich bei Mascolo zu beschweren!

Sonntag, 11. November 2012

Sehnsucht



Jetzt geht das auf einmal so schnell.
Obwohl Willard Mitt Romney mich so genervt hat, vermisse ich ihn jetzt irgendwie ein bißchen.
Bis zum 07.11.12 konnte ich mir das gar nicht vorstellen, aber bis dahin schwebte auch dieses grauenvolle Damoklesschwert über mir, daß Mitt, the Twit mit seinen GOP-Fanatikern tatsächlich ins Oval Office einziehen könnte. Das war kein Spaß.
A posteriori, wenn man weiß, daß er gescheitert und für immer aussortiert ist, stellt sich die Situation ganz anders dar.

Er war ja eigentlich schon ein lustiges Kerlchen.

Beschwerte sich, daß sich in Flugzeugen nie die Fenster öffnen lassen.
Erklärte der Öffentlichkeit Iran brauche Syrien als Zugang zum Meer.
Stellte klar, daß 47 % der Amerikaner ohnehin „Opfer“ wären, um die er sich nicht kümmern müsse.
Glaubte seinem Gott auf den Planeten Kolob zu folgen.
Führte als Mormonen-Bischof posthume Taufen von in Auschwitz ermordeten Juden durch.
Empfahl Geschäftsgründern sich das Startkapital bei ihren Eltern zu leihen.
Brachte in Rekordzeit die Bürger Polens, Israels und England gegen sich auf.

Ja, doch als Comedian hatte Mitt eindeutig Potential und ich lache gerne und herzlich über ihn, solange ich nicht befürchten muß, daß er bald mit dem Atomkoffer umher läuft.

Nun ist es Zeit für die GOPer eine Menge böse Tatsachen zur Kenntnis zu nehmen, die sie nie glauben wollten:


Nun kann ich auch beherzt über Fixed Noise lachen, jenen GOP-Haussender, der es geschafft hat, daß seine Zuschauer in Umfragen noch wesentlich ungebildeter erscheinen, als Menschen, die gar keine Nachrichten sehen.
Als Wahlexperten hatten sie sich den ultrakonservativen Spindoctor Karl Rove ins Studio geholt, also den Mann, der acht Jahre lang die Sockenpuppe George W. Bush gesteuert hatte. Als in der Wahlnacht der Sieg Obamas unausweichlich wurde, sperrte sich Rove hartnäckig gegen die Realität.



Der mächtige konservative Stratege Karl Rove widerspricht dort den Fox-Statistikern, die Obamas Wiederwahl verkünden, und löst im Studio Chaos aus. Es wird deutlich: Das konservative Amerika ist schockiert, am Boden.
[…] Vor der Wahl hatten konservative Blogger und das Leitmedium Fox News ihrem Publikum eingehämmert, dass Mitt Romney siegen werde und die Umfragen von den verhassten Mainstream-Medien gefälscht würden, um Obama zu helfen.  […] Als die Statistiker des Lieblingssenders der Konservativen vorhersagen, dass Barack Obama in Ohio gewinnen wird, fragt Moderatorin Megyn Kelly besorgt in die Runde, was dies bedeute. "Das heißt, Obama bleibt Präsident", sagt ein Experte. Ko-Moderator Chris Wallace sagt, er habe mit den Romney-Leuten telefoniert und die glaubten nicht an ihre Niederlage. Ganz ähnlicher Meinung ist der sichtbar schlecht gelaunte Karl Rove: "Es ist viel zu früh, jemanden zum Sieger auszurufen."
Nach diesen Worten ist in allen Gesichtern Verunsicherung zu sehen: Rove ist kein normaler TV-Analyst, sondern kennt sich als Ex-Chefberater von Präsident George W. Bush mit knappen Wahlausgängen aus. Zudem hat der 61-Jährige diverse Super-Pacs gegründet und als konservatives Mastermind entschieden, wie mindestens 300 Millionen Dollar ausgegeben wurden, um Obama zu besiegen. Dass jemand mit diesem Hintergrund als Experte in einer Wahlsendung sitzt, zeigt sehr deutlich, wie unzutreffend der Fox-News-Slogan "fair und ausgewogen" ist.

 Blöd auch, daß die Transition-Website für den „President elect Mitt Romney“ noch in der Nacht online gestellt wurde.
on the political wire the romney's campaign would have could have should have transition website today. surely, this was not supposed to go live until mr. romney actually won the election. the campaign did not wait. they presumably accidentally put it up, a transition website for president-elect romney, how to apply for a job with the new romney administration. looks like because they screen shot it before they finally did take it down, looks like the romney folks had a transition motto all ready to go, a slogan, repeated slogan on the website is smaller, simpler, smarter. when republican speaker of the house john boehner gave his first post election press conference what he thought should happen in this country given the results of the election almost like he thought he was speaking in the context of president-elect romney and smaller simpler smaller branded transition.

 Ja, Rachel hatte wirklich was zu lachen.
 

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Samstag, 10. November 2012

Tiefschlag




 In meinem Facebook-Profil verwende ich bei den persönlichen Angaben fast keine korrekten Angaben. Ich wüßte nicht weshalb ich Mulitimilliardär Zuckerberg bei seinem Adressenhandel helfen sollte.
Wahr ist aber meine Angabe bei „politische Einstellung“, dort steht:
Politische Einstellung
  Das Kleinste Übel liegt irgendwo zwischen Linken, Grünen und SPD
    Dagegen sein ist sehr einfach und ich bin gegen sehr viel.
    Schwieriger ist es Alternativen aufzuzeigen, die auch noch im einigermaßen realistischen Bereich liegen. Zufällig lebe ich in einem Land, welches eine Parteiendemokratie ist. Die politische Willensbildung erfolgt über die Parteien.
    Solange man mehr als 51% Übereinstimmung mit einer Partei hat, kann man ihr Mitglied sein. Und das bin ich in der SPD. Wiewohl die Religioten Nahles, Thierse und Co beharrlich daran arbeiten die Schnittmenge von meiner Partei und mir zu verkleinern.
Bei allen drei linken Parteien (die Piraten zähle ich ausdrücklich nicht dazu; das ist gar keine Partei, sondern ein Ein-Themen-Chaoshaufen) gelangen erstaunlicherweise recht kompetente Leute in den Bundestag. 
Die jeweiligen Delegiertenversammlungen offenbaren stets ein solches Maß an Doofheit, daß man eigentlich das Schlimmste befürchten müßte. So wie bei den schwarzgelben Kollegen, die mit Vorliebe inkompetente Charakterfieslinge in die höchsten Gremien schicken.
Schlimmer als Entscheidungen der Freizeitpolitiker in den Parteitagen ist es nur, wenn man das Volk direkt befragt.
Bei Personalien bevorzugen sie die, die sie schon kennen. 
Oder aber sie zerlegen sich in Fraktionen, so daß, wie bei der Parteivorsitzenden-Urwahl der SPD von 1993 der offensichtlich ungeeignete Rudolf Laaangsaaaaaam Scharping eine schwache relative Mehrheit gegen Gerhard Schröder und Heidemarie Wieczorek-Zeul erreicht.
Die folgende Bundestagswahl von 1994 ging krachend verloren. Oskar Lafontaine zeigte auf dem inzwischen legendären Mannheimer Parteitag von 1995 wie man es macht, schubste den überforderten Scharping mühelos aus dem Amt und führte die SPD zur Regierungsübernahme 1998.

Nun haben es die Grünen mit einer Urwahl versucht und scheinen heute dermaßen begeistert von sich selbst zu sein, daß sie ernsthaft behaupten als einzige Partei Demokratie zu praktizieren. 

Als habe es noch nie Urwahlen gegeben. 
Fast alle Profi-Schreiberlinge erzählen dieselbe Legende.
Es gibt aber Erfahrungen mit Urwahlen und die waren stets schlecht.
1995 gab es eine FDP-Urwahl, bei der sich eine Mehrheit von 63,6 % für den „Großen Lauschangriff” aussprach. Die damals noch mit rechtsstaatlichen Überzeugungen behaftete Sabine Leutheusser-Schnarrenberger trat daraufhin als Justizministerin zurück.

Vor einem Jahr ließen 44,2 Prozent der FDP-Mitglieder bei der „Rettungsschirm-Urwahl“ beinahe die europäische Wirtschaft kollabieren.

Die grüne Kanzlerkandidaten-Entscheidung erinnert in äußerst unangenehmer Weise an Guido Westerwelles Spaßpartei-Performance von 2002, als er sich mit einer „18“ unter den Schuhsohlen als Kanzlerkandidat der FDP ausrufen ließ und damit den endgültigen intellektuellen Abstieg der einstmals Liberalen einläutete.
Weswegen die Grünen nun ausgerechnet diese FDP-Methoden kopiert ist mir fast so unklar, wie das allgemeine Lob, welches ihnen dafür entgegen gebracht wird.

Gesetzt war Jürgen Trittin, der zu den wenigen Politikern gehört, denen ich schon ausdrückliche Lobpreisungs-Postings gewidmet habe.
 Er ist wirklich ein Guter und ich würde es sehr begrüßen ihn tatsächlich als Kanzler zu erleben. Allein, das wird nie passieren. 
Daß Trittin der einzig in Frage kommende Kandidat der augenblicklichen Grünen-Konstellation ist, mag Zufall sein. 
Blöderweise verlangt der elende linke Proporz ihm eine Frau zur Seite zu stellen. Ganz so, als ob man befürchten müsse, ein allein mächtiger Trittin könnte womöglich das Frauenwahlrecht abschaffen und die Macho-Gesellschaft des 19. Jahrhunderts anstreben.
Schwachsinn. 

Die zur Wahl stehenden Co-kandidierenden Frauen Künast, Roth und Kathrin Göring-Kirchentag sind allesamt ebenfalls seit Jahrzehnten an vorderster Front aktive Größen. 
Ihre Chancen wurden vorab allgemein so eingeschätzt, daß eigentlich Künast gewinnen müßte - WENN sie sich nicht mit ihrer Berliner Bürgermeisterkandidatur so ungeschickt angestellt hätte. Daher könne womöglich die als etwas zu schrill empfundene Claudia Roth zum Zug kommen. Keine Chance hätte hingegen die konservative EKD-Chefin, die niemand möge.
Bei einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Forschung im Auftrag von SPIEGEL ONLINE hatten 23 Prozent der befragten Grünen-Wähler gesagt, dass sie sich die Bundestagsvizepräsidentin als Spitzenkandidatin wünschten. Sie lag damit klar hinter Trittin (60 Prozent), Künast (50 Prozent) und Roth (47 Prozent).
 Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt.
Kathrin Göring-Kirchentag hängte die Geschlechtsgenossinnen deutlich ab und wieder jubelt alles.
 Eine erstaunliche Unkenntnis befällt die Profikommentatoren.
 So fabuliert der ehemalige SZ- und SPIEGEL-Mann und heutige Chef des konservativen „Cicero“ Christoph Schwennicke auf SPON von einer klaren Richtungsentscheidung zu Gunsten von Schwarz-Grün.
Dabei hatte die Oberchristin aus Thüringen in einem schweren Ausschließeritis-Anfall genau das kategorisch ausgeschlossen.
 Göring-Eckardt wollte nicht mal "irgendeine Hintertür offen lassen", sagte sie bei einer Urwahlveranstaltung in Hamburg.
 Der Cicero-Mann, der offensichtlich auch nicht mitbekommen hat, daß Kathrin Göring-Kirchentag seit über 20 Jahren Top-Grüne Spitzenämter innehat (Bundestagsfraktionsvorsitzende, Bundestagsvizepräsidentin, Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), "Bündnis 90"-Gründerin, parlamentarische Geschäftsführerin ihrer Bundestagsfraktion und Pizza-Connection-Initiatorin) erklärt, nun beginne ein personeller Neuanfang.
Die Urwahl der Spitzenkandidaten Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin ist die dritte große Zäsur in der Geschichte der Grünen. […] Eine Koalition mit der Merkel-CDU wird immer wahrscheinlicher.
[…] Nach einem knappen halben Jahrhundert [??? Die Grünen wurden vor 32 Jahren geründet - T.] der Existenz ist dies der dritte Markstein am Lebensweg der Grünen. Der erste markiert die Zeit, als aus dem Fluidum der Anti-Atom- und Anti-Kriegs-Bewegung eine handfeste Partei wurde. Das war die Geburt der Grünen. Die zweite Zäsur stand an, als sich Joschka Fischer in Turnschuhen als Umweltminister im Kabinett von Holger Börner vereidigen ließ. Das war der Anfang der Regierungsgrünen, hervorgegangen aus den strukturell oppositionellen Dagegen-Grünen.  Und dieses Wochenende markiert die Wende der linken Grünen zu den bürgerlichen Grünen. Das ist die tiefere Erkenntnis hinter den Personen, die gewählt und vor allem jenen, die nicht gewählt wurden.
[…] Joschka Fischer hat Katrin Göring-Eckardt stets als zu bequem verhöhnt, weil sie nicht aktiv für ihre Grundeinstellung und damit für eine schwarz-grüne Option gekämpft hat.   Jetzt ist sie da, KGE - und die Option auch. Wer das nicht sehen will, der immunisiert sich gegen das Offensichtliche aus ideologischen Gründen. Mit dem Ergebnis der Urwahl sind die Grünen einem Bündnis mit der Union auf Bundesebene einen ganz großen Schritt näher gekommen. […] Und Katrin Göring-Eckardt? Die sowieso. Mit der SPD konnte die Kirchenfrau in Wahrheit noch nie viel anfangen. […]
Zwei Erkenntnisse jedenfalls werden von diesem Wochenende bleiben. Erstens: Die Grünen sind eine bürgerliche Partei. Zweitens: Schwarz-Grün ist in den Top Five der möglichen Koalitionen nach der nächsten Bundestagswahl auf einen sicheren zweiten Platz gestiegen.
 Ich staune.
Zwar stimmt es, daß viele Grüne der alten Tante SPD sehr skeptisch gegenüber stehen, aber eine Kanzlerwahl Merkels 2013 mit grünen Stimmen erscheint mir selbstmörderisch nachdem die Frau ihre beiden vorherigen K.O.alitionspartner zermalmt und marginalisiert hatte. 
Das wäre politischer Suizid. 
Warum sollten die Grünen das angezettelte schwarzgelbe Chaos mit den katastrophalen Entscheidungen wider des Allgemeinwohls fortführen?

Immerhin veröffentlich SPON einen zweiten Kommentar zum Thema, der ganz im Gegenteil eine rot-grüne Vorliebe der Kirchenfrau diagnostiziert:
[KGE] half ein atemberaubender persönlicher Politikwechsel an die Macht: Aus der Frontfrau der neoliberalen Agenda-Politik mit einer Schwäche für Schwarz-Grün wurde die engagierte Sozialpolitikerin, die sich brennend auf ein Bündnis mit den Sozis freut. Das irritierte zwar ihre eigenen Anhänger, die sich von Göring-Eckardt eine Öffnung der Partei zu den Konservativen erhofften und von einer Art Winfried Kretschmann in weiblich träumten.
Bei der Basis dagegen half ihr der beherzte Linksschwenk ganz offenbar - und ließ die Gegnerinnen einfach nur älter aussehen.
(Ralf Beste 10.11.12)
 Problematisch ist die Personalie der frommen Kathrin Göring-Kirchentag, weil der gesellschaftspolitische Rollback der schwarzgelben Jahre zementiert wird.

Die EKD-Frau vertritt so radikal menschenrechtsantagonistische Positionen, daß ich nur BETEN kann, daß sie nicht noch mehr Einfluß bekommt.

Sie schlss sich der notorischen Lügen-Argumentationen Bischof Hubers bei der Pro-Reli-Frage an, sie votierte wider PID und Patientenverfügung, stimmte für die Genitalverstümmelung und vertritt massiv die arbeitsrechtliche Diskriminierung von Juden und Atheisten. 
Mit dieser Top-Religiotin ist die dringend erforderliche und verfassungsrechtlich gebotene Entflechtung von Kirche und Staat nicht zu machen.
Schockierend.
Die 46-jährige Ostdeutsche ist tief in der evangelischen Kirche verwurzelt.
Selbst wenn es nicht geklappt hätte: Katrin Göring-Eckardt konnte nicht tief fallen bei dieser Urabstimmung. Sie hatte ein Netz, das unter ihr gespannt war, ein Netz der evangelischen Kirche. Vielleicht war es das, was der Überraschungs-Siegerin die Extraportion Kraft und Souveränität gab. […] Schon früh verbindet Göring-Eckardt, die im Mai 1966 in Friedrichroda in Thüringen geboren wird, ihre beiden Hauptinteressen: die Kirche und die Politik. […] Die junge Frau engagiert sich in der kirchlichen Opposition, ist Mitglied in der Bewegung "Solidarische Kirche und Frauen für den Frieden". Nach ihrem Abitur 1984 beginnt sie ein Theologiestudium, das sie allerdings nach fünf Jahren ohne einen Abschluss wieder aufgibt. […]  
Ihr Handeln ist seit je geprägt von christlichen Werten, die ihr vor allem im linken Flügel der Partei nicht nur Freunde verschaffen. Mit Anfang 20 heiratet sie den Pfarrer Michael Göring, als eine der ersten Frauen in der DDR pocht sie auf ihr Recht, einen Doppelnamen tragen zu dürfen. Die beiden bekommen zwei Kinder, Göring-Eckardt veröffentlicht unter dem Titel "Gott gibt die Fischstäbchen" ein Buch über Erfahrungen mit religiöser Erziehung.
2009 wird die heute 46-Jährige zum Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland gewählt, 2011 leitet sie als Präsidentin den Evangelischen Kirchentag 2011 in Dresden.
Nun bin ich im Bundestag 2013 endlich Schwerkatholiban Thierse los und die Grünen schicken mit Kathrin Göring-Kirchentag gleich die nächste Vollblutreligiotin hinterher.