Mittwoch, 24. Oktober 2012

Hybris.




Meine Generation erinnert sich für alle Zeiten an Mathilde Berghofer-Weichner. 
Die Bayerische Wuchtbrumme kam 1986 (sic!) als erste Frau in das Bayerische Kabinett und zerrte als Justizministerin 1988 den Gynäkologen Alois Theisen vor Gericht.
 Beim sogenannten „Memminger Abtreibungsprozess“ ließ mad Matilda 156 (sic!) Patientinnen Theißens öffentlich vorführen und an den Pranger stellen. 
Die antihumanistischen Richter zerpflückten die weinenden Frauen, die in den wenigstens Fällen ihren Familien offenbart hatten schwanger gewesen zu sein.
Dieses extrem brutale Vorgehen wurde damit gerechtfertigt, daß Bayern sich mit den niedrigsten Abtreibungsraten brüsten könne.
Logisch, denn Bayerinnen, die in den 80ern ihre Schwangerschaft abbrachen, taten dies tunlichst außerhalb der Landesgrenzen. Die Heuchelei war grenzenlos.
Getoppt wurde das abartige Schauspiel nur noch davon, als DER SPIEGEL im Mai 1989 enthüllte, daß der brutalste Jurist des Verfahrens, der beisitzende Richter Detlev Ott 1980 seine Freundin geschwängert hatte und diese nach Hessen zur Abtreibung geschickt hatte.

Bayerische Juristen im Kampf gegen die Abtreibung - außer bei ihrer Freundin.

Das ist geradezu ein Charakteristikum der politischen Konservativen:
 Je mehr sie sich moralisch echauffieren, desto wahrscheinlicher treten sie selbst die von ihnen propagierten Werte mit Füßen.

Es hat mich nicht eine Millisekunde lang überrascht zu hören, daß die ultrakonservativen Kämpfer gegen die Homosexualität Senator Larry Craig und  Ted Haggard selbst Tunten sind.

Rückblick:

Die Alttestamentarische Bibelauslegung mit den harten Strafen und der Verdammung kommt immer dann zum Vorscheinen, wenn es um ANDERE geht.

Megapfarrer Haggard, einer der einflussreichsten Hardcore-Christen ist ein ultrarechter Mann, der sich seiner völligen Übereinstimmung mit der Bush-Politik rühmt.
Ted Haggard, der ehemalige Kopf der Nationalen Vereinigung der Evangelikalen mit 30 Millionen Mitgliedern, scherzt, dass die einzige Unstimmigkeit zwischen ihm und dem Führer der westlichen Welt das Auto betrifft: Mr. Bush fährt einen Ford Pickup während er einen Chevy bevorzugt.
In gesellschaftspolitischen Dingen ist der Christ unerbittlich.
Er zettelte einen regelrechten Kulturkampf an, der in dem Dokument „For the Health of the Nation: An Evangelical Call to Civic Responsibility“ Homosexualität, Abtreibung, Einwanderung und ähnliche „liberale Auswüchse“ scharf verurteilte.
Haggard gilt als einer der glühendsten Verfechter einer Verfassungsänderung, die das Verbot der Homo-Ehe festschreiben soll.
Keine Gnade mit den Tunten!

In der Praxis halten sich die stramm rechten Prediger und US-Politiker nicht immer so ganz an diese Linie. Rechter Sex eben.

Da gab es den Abgeordneten Mark Foley, der männlichen Pagen schlüpfrige Pimmel-E-Mails sandte, Bob Allen, republikanischer Abgeordneter in Florida, der bei der Bitte nach Oralsex versehentlich an einen Polizisten geriet und James Guckert alias Jeff Gannon, der einen "Begleit-Service" für Männer betrieb und vom Weißen Haus einen Presseausweis bekam, weil er immer so nette Fragen an George W. Bush stellte. Glenn Murphy Jr., der Vorsitzende der GOP-Jugendorganisation Young Republicans, trat von allen Ämtern zurück, nachdem er einen 22-jährigen Mann sexuell genötigt hatte. Senator David Vitter aus Louisiana steht auf der Kundenliste der Washington Madam, des bekanntesten Bordells in Washington. In South Carolina musste der Staatspolitiker Thomas Ravenel als Wahlkampfleiter des republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain zurücktreten, nachdem er offenbar Kokain geschnupft hatte. In North Carolina erwischte die Polizei im Juni den republikanischen Kirchenmann und Sittenwächter Coy Privette einer Prostituierten.
"Als die Nachricht von Senator Craig die Runde machte, forderten manche Republikaner seinen Rücktritt — andere wollten seine Telefonummer haben", spottete der Late-Night-Talker Dave Letterman.
Der einzige Republikaner, der wenigstens bloß gegenüber Frauen anzüglich wird, ist Arnold Schwarzenegger.

Und es gab Ted Haggard, der Vorstand der National Association of Evangelicals:
Der "wiedergeborene" Christ, Vorzeige-Familienvater von fünf Kindern und seine Ehefrau verehrende Ideal-Amerikaner poppte nebenher mindestens drei Jahre lang mit männlichen Strichern, die er immer wieder bei Escort-Servicen bestellte.
Begeistert nötigte er seine Sex-Diener zum Konsum harter Drogen wie Crystal Meth.
Der Führer der New Life Church mochte sich allerdings nicht mit Mietmännern begnügen.
Wenn er fertig mit der Homohetze von der Kanzel war, begann er junge Männer seiner Gemeinde sexuell zu belästigen.
Der jetzt 25 Jahre alte Grant erklärte gegenüber "KRDO News Channel 13", dass sich Haggard 2006 bei einem Kirchenausflug an ihn herangemacht habe. "Er fragte mich, ob wir gottesfürchtig oder unartig sein sollen", erklärte Grant. "Er wollte wissen, ob wir nur Freunde bleiben sollen oder ob ich Pornos für ihn kaufen, mit ihm onanieren oder mit ihm Crystal Meth nehmen soll. Er wollte mir all die Dinge zeigen, die er selbst gerne tut". Eigentlich lehnte der damals 22-Jährige entsetzt ab. Haggard habe sich dann aber entblößt – was den jungen Christen offenbar völlig aus der Bahn warf. Er habe sich daraufhin isoliert, Alkohol und Medikamente missbraucht und insgesamt vier Selbstmordversuche begangen.

So wie mit der Moral, ist es auch mit der Demokratie.

CSU’ler und GOPer fordern sie lautstark von den anderen ein, empfinden sie aber für sich selbst eher als störend.

Bayerns Staatspartei, die mit einem 20-Millionen-Euro-Etat in den Wahlkampf geht (SPD-Bayern verfügt über gerade mal zwei Millionen), setzt für ein gutes CSU-Ergebnis demokratische Regeln außer Kraft.
Keine Berichterstattung über den Parteitag der Bayern-SPD: Mit dieser Forderung soll CSU-Sprecher Hans Michael Strepp die "Heute"-Redaktion des ZDF unter Druck gesetzt haben. […]
Noch am Vormittag hält der CSU-Chef den Eröffnungsvortrag bei den Münchner Medientagen - ausgerechnet über Medienfreiheit.
[…] Chefredakteur Peter Frey verlangt Aufklärung: Strepp müsse die Frage beantworten, warum und mit welcher Intention er direkt in der Heute-Redaktion angerufen habe. […]
Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks hat Strepp am Sonntag auch zum ARD-Hauptstadstudio Kontakt gesucht. Strepp schickte laut "Bayern 5" dem BR-Korrespondenten Oliver Mayer-Rüth eine SMS und fragte, ob die ARD einen Bericht über die SPD-Kandidaten-Kür in Nürnberg plane. […]  Strepp ist mehr für Seehofer als nur ein Sprecher. Er ist einer seiner Strategen. Strepp sitzt in den wichtigen Runden dabei. Im Vergleich zu vielen anderen Sprechern weiß er wirklich, was gerade Sache ist.
Wie die SZ aus übereinstimmenden Quellen erfuhr, rief Parteisprecher Strepp am Sonntagnachmittag in der heute-Redaktion an. Seine Forderung: Die Sendung um 19 Uhr möge bitte nicht über den Landesparteitag der SPD berichten. Die ARD tue dies auch nicht. Berichte das ZDF dennoch, werde dies "Diskussionen nach sich ziehen". […] Für "skandalös" hält der Deutsche Journalistenverband den Vorgang. "Der Versuch der CSU-Pressestelle, beim ZDF einen Informationsboykott des politischen Gegners zu erwirken, ist mit dem Gebot der Staatsferne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nicht vereinbar", sagte der Bundesvorsitzende Michael Konken.
Dabei ist das Kind längst im Brunnen. 
Sogar die Aufregung über die politische Einflußnahme ist geheuchelt.

Schließlich sitzen in den Rundfunkverwaltungsräten überall konservative Politikermehrheiten. 
Wir erinnern und wie Roland Koch und Angela Merkel durchdrückten, daß der ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender gefeuert wurde, weil sie ihn als „ZU UNABHÄNGIG“ und damit zu wenig CDU-hörig einschätzten.

Nicht zu vergessen in diesem Zusammenhang:
Angela Merkels Sprecher Ulrich Wilhelm (CSU) wurde im Februar 2011 Intendant des Bayerischen Rundfunks (auch CSU). Im fliegenden Wechsel wurde der Merkel-Mann Senderchef.
 Seinen Nachfolger als Regierungssprecher rekrutierte die Kanzlerin direkt aus der ZDF-Heute-Redaktion. Steffen Seibert wurde im fliegenden Wechsel CDU-Regierungssprecher.

Welch bahnbrechende Erkenntnis also, daß sich die Schwarzgelben die ihnen genehme Berichterstattung organisieren.

Und der Staatssender ZDF, einst vom CDU-Urvater Adenauer als konservativer Haussender gegründet, bekleckert sich auch in dieser Affäre nicht mit Ruhm. Daß sie von der Union eingenorded werden, ist ihnen offensichtlich vertraut.
Anders ist nicht zu erklären, dass auf dem Lerchenberg nicht alle Alarmsirenen schrillten, als CSU-Sprecher Strepp versuchte, der Informationsfreiheit den Segen zu entziehen. Das ZDF zuckte nach außen erst mal nur mit den Schultern, obwohl intern die Redakteure laut SZ „baff“ gewesen sein sollen ob der Dreistigkeit des CSU-Mannes.
So wird sich das ZDF nie aus der Umklammerung der Parteien lösen können. Vielleicht will es das aber auch gar nicht. Auch wenn Seehofer sich am Rande der Medientage von jeder Einflussnahme distanzierte und ZDF-Chefredakteur Peter Frey eine Stellungnahme Strepps forderte, ist der gewonnene Eindruck fatal: Beim ZDF kann jeder Politiker einfach mal anrufen und versuchen, sich ein Programm nach seinen Wünschen zu bestellen. Wenn er Glück hat, kommt das nicht einmal raus.


Dienstag, 23. Oktober 2012

Herzog Widukinds Problem-Erben



Also so ganz optimal läuft es nicht für Angie.
Zwar kann sie sich immer noch damit in Szene setzen die absolute Euro-Koryphäe zu sein (was zwar nicht stimmt, aber ohnehin niemand überblickt), aber gänzlich irrelevant ist die Innenpolitik doch nicht.

Die Gurkentruppler und Wildsäue erinnern immer noch an ihr Dasein, indem die albernsten Dinge wie Praxisgebühr, Herdprämie, Großelterngeld, Frauenquote, und Wahlrecht auch nach drei Jahren unerledigt auf dem Tisch liegen. 
Merkel ist einfach zu schwach und unfähig, um ihre Kabinettskasper zum Regieren zu treiben.
Selbstredend liegen die richtig großen Brocken, die einer Reform bedürfen - Pflege, Steuer, Bildung,..- ohnehin unbeachtet umher und setzen Patina an.

Normalerweise kann sich eine CDU-Bundesregierung aus drei Gründen allerlei Kabale leisten.
  • CDU-Anhänger sind eher unkritisch und generell schon zufrieden, wenn überhaupt CDU’ler die Staatsspitzen besetzen. SPD-Basisleute sind erheblich anspruchsvoller und wollen, daß Minister und Bundeskanzler ihrer Partei auch noch GUT und in ihrem Sinne regieren.
  • Unionsregierungen wirken schon deswegen relativ stabil, weil sich die Opposition in der Regel selbst zerfleischt, in Grabenkämpfe ausbricht und pro Dekade eine neue Partei hervor bringt, die es noch schwerer macht eine oppositionelle Mehrheit zusammen zu bringen.
  • CDU-Kanzler können sich im konservativen Deutschland auf ein starkes Rückgrat in den Ländern stützen. Ministerpräsidenten stehen zudem stets als natürliche Führungsreserve zur Verfügung.
Punkt 1 und 2 gelten mit einigen Einschränkungen immer noch.

Problematisch ist für die Kanzlerin aber Punkt 3.

Bei Landtags- und Kommunalwahlen steht die CDU seit 2009 immer mit einem dicken Minus da.

Traditionell sind die Landesverbände BW und NRW die mit Abstand stärksten Truppen, dominieren die Parteitage und stellen auch eine ewig sprudelnde Personalquelle dar.

Nun befinden sich allerdings ausgerechnet die beiden Großen in Lyse.
Mappus, Rüttgers und Röttgen haben ihren Landesverbänden zugesetzt wie Attila der Hunne.
Als Merkel vor zehn Tagen im Stuttgarter Wahlkampf auftrat, schallte ihr ein gellendes Pfeifkonzert entgegen. Amtierende Landes-CDU-Größen, die Merkel zur Unterstützung gebraucht hätte, existieren leider nicht mehr.

Daß Merkel so ungeheuer schlau ist, wie die Presseleute immer wieder gegenseitig von einander abschreiben, würde ich nicht behaupten. 
Allerdings dürfte sie klug genug sein, um zu wissen, daß die Luschen Laschet und Strobel, Laschi und Strubbel, oder wie auch immer sie heißen, höchstens Kreisliga-Format haben und ihr kaum helfen können.
Dann gibt es die Landesverbände, die entweder auch demoralisiert und ausgeblutet sind (Hamburg, Brandenburg, Bremen), oder aber Führungs-Flitzpiepen haben, die absolut nicht gewillt und geeignet sind in der Bundespolitik mitzumischen (Saarland, Hessen, Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt).

Stattdessen setzt sie auf Frau Klöckner und Herrn McAllister.
Beide sind beliebt, beide fühlen sich zu Höherem berufen, beide sind jung.
Obwohl McAllister schon regiert, haben beide aber selbst noch nie eine Wahl gewonnen.
Aber genau den Reifetest benötigte es, um in Merkels Obergurkentruppe von Berlin mitspielen zu dürfen.
Die Mainzerin wollte sich eigentlich durch schlichtes Abwarten in Kurt Becks Staatskanzlei substituieren.
Aber das ist eine Konjunktiv-Formulierung.
Die neue Klöcker-Gegnerin heißt nun Malu Dreyer und ist ebenfalls jung, Frau und beliebt. 
Wenn sie bei der nächsten Landtagswahl auch noch ihren Amtsbonus und eine funktionierende Landespartei (Die RP-CDU ist eine korrupte Schlangengrube, bei der immer mal wieder einer wegen Untreue vorm Kadi steht) in die Waagschale wirft, wird das vermutlich nichts mit einer Ministerpräsidentin Julia Klöckner.

Und dann Niedersachen.
 Im Januar geht es für David McAllister um die Wurst.

Wir sind die Niedersachsen,
Trinkfest und verwachsen,
Heil Herzog Widukinds Stamm!

Der FDP-Heimatverband Röslers und Dörings kann natürlich nur unter der 5%-Hürde eintrudeln und allein wird die CDU keine Mehrheit bekommen.
Falls es dabei bleiben sollte, daß auch die schwer debakulierenden Piraten und die Linken-Loser nicht ins Parlament kommen, winkt eine satte rotgrüne Mehrheit.

Die einzige Hoffnung der Hannoveraner Union ist der Regierungschef. 
Auf ihn kommt es an, er steht nun mehr denn je im Scheinwerferlicht. 

Und das ist, gelinde ausgedrückt, nicht gut für ihn.

Seine Wahlkampfmethoden fallen unter die Kategorie peinlich und peinlicher.
Zunächst ließ seine Staatskanzlei ein McAllister-Interview mit McAllister-Fragen und McAllister-Antworten verschicken.
Die CDU Niedersachsen hat Anzeigenblättern ein Interview mit Ministerpräsident und CDU-Landeschef David McAllister zum kostenlosen Abdruck angeboten – fertig ausformuliert samt Bildmaterial.
"Das sogenannte Angebot eines Interviews mit dem Ministerpräsidenten ist der plumpe Versuch, die Anzeigenblätter in den CDU-Wahlkampf einzuspannen", hatte der Sprecher des Deutschen Journalistenverbandes (DJV), Hendrik Zörner, dem Hamburger Abendblatt gesagt. ZEIT ONLINE sagte Zörner, McAllisters Parteisprecher Torben Stephan habe sich in der Folge beim DJV entschuldigt und die Schuld auf seine Kappe genommen.
Der nächste Coup war ein sogenannter Wahlkampfsong, der ebenfalls nur als Comedy rezipiert wurde.
Wahlkampfsongs sind so eine Sache, manches Lied hat sogar schon die eigenen Anhänger verschreckt, nicht immer trifft es den Geschmack. Bei den Christdemokraten hat man damit Erfahrungen gemacht: Jürgen Rüttgers, Ex-Ministerpräsident, ging mit "NRW in guten Händen" 2010 in die Landtagswahl an Rhein und Ruhr - und verlor. Das scheint seinen Parteikollegen, den Ministerpräsidenten David McAllister, nicht abzuschrecken. Er will am 20. Januar 2013 die Landtagswahlen in Niedersachsen für sich entscheiden.
McAllister hat sich nun auch einen Song produzieren lassen - um sich und sein Land in Stimmung zu bringen. Titel: "So machen wir das. Für Niedersachsen", 3.39 Minuten ist das Werk lang. Es preist Land und Leute - und natürlich besonders einen, nämlich ihn. Der 41-jährige Landeschef setzt im Wahlkampf auf sich (Slogan: "I'm a Mac") und seine schottischen Wurzeln. Der Sohn einer Deutschen und eines Schotten hat seine Werbematerialien deshalb mit blau-orangefarbenem Karomuster hinterlegen lassen, in dem CDU-Lied erklingt ein Dudelsack. […] Da heißt es dann zu einer Sequenz mit einem Fisch, der in ein Flugblatt des SPD-Organs "Vorwärts" gewickelt wird: "Bist du eine linke Sprotte, leg dich niemals mit uns an." McAllister erscheint im Bild - mit Shanty-Sängern, einem Nachwuchsgitarristen oder im Hubschrauber -, und die Stimme im Hintergrund trällert: "Unser Häuptling ist ein Schotte, und wir sind ein starker Clan. Niedersachsen ist uns wichtig."



Die Verweise auf den Jade-Weserport, das niedersächsische Milliardengrab, sind auch nicht eben hilfreich.


Und schließlich, man glaubt es kaum, existiert auch noch Realpolitik in Niedersachsen. 
Ein Politikum ist zum Beispiel die Wulff-Affäre, ist doch McAllister sein direkter Nachfolger in der Staatskanzlei. 
Will er, der  Kronprinz denn gar nichts mitbekommen haben?
Wieder eine dieser NoWin-Situationen. 
Hat er nichts von den Wulff-Glaeseker-Machenschaften gemerkt, ist er offensichtlich leicht dämlich und nicht geeignet für seinen Job. 
Hat er es nicht gemerkt und geschwiegen, ist es sogar noch schlimmer.
Die Fragen der Opposition versucht die Niedersächsische Landesregierung mit größtmöglicher Arroganz auszusitzen.

Auch ein Glaeseker-Gutachten, welches den Wulff’schen Ministern offensichtlich bescheinigt unfähig zu sein, ließ McAllister unter dubiosen Umständen verschwinden.
Als Christian Wulff in Hannover regierte, schrieb sein Sprecher ein vernichtendes Dossier über das eigene Kabinett. Nachfolger McAllister wäre das Machwerk gern los.  [….] Seine Staatskanzlei musste sich mit einer brisanten Hinterlassenschaft aus der Ära seines Vorgängers Christian Wulff befassen. Auf dem Computer von dessen ehemals engstem Mitarbeiter Olaf Glaeseker befand sich nämlich ein Dossier. Der Inhalt ist strafrechtlich wahrscheinlich eher nicht relevant, politisch dafür umso mehr. Denn in dem mehrseitigen Schriftstück zog der Autor, vermutlich Glaeseker, über die Leute aus dem eigenen Kabinett her.
Etliche von Wulffs Ministern und Staatssekretären dienen inzwischen in der Regierung McAllister. Es braucht wenig Phantasie, um sich vorzustellen, welche Sprengkraft die schonungslose Selbsteinschätzung im Wahlkampf entwickeln könnte. Die Opposition könnte sich kaum ein schöneres Geschenk erträumen als eine CDU, die über die eigenen Leute herfällt. Einige von Glaesekers Urteilen fielen offenbar vernichtend aus.
Das Papier sei "unflätig" und eines Regierungssprechers unwürdig, sagt jemand, der es gelesen hat. "So darf man einfach nicht über Mitglieder einer Regierung schreiben." Da werde schon einmal ein Minister als "fauler Hund" bezeichnet.
(SPIEGEL 42/2012)

Die CDU-Mandate des gegenwärtigen Niedersächsischen Landtages hat Wulff errungen. So zu tun, als ob es ihn nie gegeben hätte, fällt dem Deutsch-Schotten verständlicherweise schwer.

Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring hatte so richtig Spaß an jenem Tag im Januar. Eigentlich standen er und sein Regierungschef David McAllister gewaltig unter Druck. Die Affäre um den damaligen Bundespräsidenten Wulff hatte ihren Höhepunkt erreicht. Die Opposition stellte Dutzende berechtigte Fragen, sie attackierte mit gutem Recht. Die Christdemokraten hätten sich selbstkritisch prüfen können. Stattdessen wollte Möllring die Opposition vorführen. Überheblich schmetterte er ihre Fragen ab, als wäre nix gewesen, es war ein tollkühner Auftritt.
Nun hat Möllring und mit ihm Regierungschef McAllister von höchster Stelle eine schmerzhafte Rüge erhalten. Das Landesverfassungsgericht hat auf eine Klage der SPD festgestellt, dass die Regierung deren Recht auf Antworten nach bestem Wissen verletzt und so gegen die Verfassung verstoßen hat. Das Urteil zeigt auf, wohin Arroganz Politiker führen kann. Es ist ein Fiasko für McAllister.

Montag, 22. Oktober 2012

Alles wird immer merkwürdiger



 Die Zeiten sind verwirrend.
O diese Zeit hat fürchterliche Zeichen:
Das Niedre schwillt, das Hohe senkt sich nieder,
Als könnte jeder nur am Platz des andern
Befriedigung verworrner Wünsche finden,
Nur dann sich glücklich fühlen, wenn nichts mehr
Zu unterscheiden wäre, wenn wir alle,
Von einem Strom vermischt dahingerissen,
Im Ozean uns unbemerkt verlören.
O laßt uns widerstehen, laßt uns tapfer,
Was uns und unser Volk erhalten kann,
Mit doppelt neuvereinter Kraft erhalten.
(Der König in „Die natürliche Tochter“ von Johann Wolfgang von Goethe)

Die SPD bringt mit Wolfgang Thierse einen schwereren Religioten hervor, als es die CDU je schaffte.

Im konservativsten Bundesland dieser Republik marschieren die Grünen durch, übernehmen die Landesregierung (zuvor fast 60 Jahre CDU-regiert) und Landeshauptstadt (zuvor fast 40 Jahre CDU-regiert).

In der Mormonen-Hauptstadt von Utah, dem Mekka der konservativen US-Republikaner gibt die „Salt Lake Tribune“ eine offensive Obama-Wahlempfehlung raus und rechnet mit Mitt Romney ab.
In considering which candidate to endorse, The Salt Lake Tribune editorial board had hoped that Romney would exhibit the same talents for organization, pragmatic problem solving and inspired leadership that he displayed here more than a decade ago. Instead, we have watched him morph into a friend of the far right, then tack toward the center with breathtaking aplomb. Through a pair of presidential debates, Romney’s domestic agenda remains bereft of detail and worthy of mistrust.
Therefore, our endorsement must go to the incumbent, a competent leader who, against tough odds, has guided the country through catastrophe and set a course that, while rocky, is pointing toward a brighter day. The president has earned a second term. Romney, in whatever guise, does not deserve a first.
Die Partei der Bürgerlichen und der konservativen Werte, die CSU setzt auf einen Mann, der durch hartnäckiges Lügen, Verfälschen, Nicht-Einsehen und arrogantes Auftreten so debakuliert hatte, daß er vom Hof gejagt wurde. 
Genau den will der CSU-Chef nun zurück und steigt in Umfragen auf die absolute Mehrheit.
Der Freiherr ist unberechenbar. Das hat sein erratischer Politikstil vor dem Scheitern gezeigt, das konnte man während der Affäre um seinen kopierten Doktortitel erkennen und das stellte er auch in seinem verpatzten Comeback unter Beweis, das er mit dem Buch "Vorerst gescheitert" nur wenige Monate nach dem Rücktritt versucht hatte. Die Wochenzeitung "Die Zeit" hatte da im Herbst 2011 versucht, Guttenberg den Steigbügel zu halten, damit er wieder aufs Pferd kommt. Aber die Sache war so stümperhaft angelegt, dass der Herrenreiter auf der anderen Seite gleich wieder herunterfiel.
Guttenberg, das ist Chuzpe als politisches Prinzip: Erst täuschen, dann leugnen, dann zurücktreten - und sich am Ende für den eigenen Anstand loben. Er war der erste echte berlusconische Politiker in Deutschland. "Scheiß auf den Doktor", hatte die "Bild"-Zeitung damals geschrieben. Solcher Anti-Intellektualismus sollte Guttenberg schützen. Zu einer bürgerlichen Partei passte das nicht gut. Aber die Leute liebten ihn einfach, sie wollten gar nicht so genau wissen, was er getan hatte, als Doktorand oder als Politiker. Die eine Bilanz fiel verheerend aus, die andere katastrophal.
"Zeit"-Chef Giovanni di Lorenzo schrieb über Guttenberg, er zähle "zu den größten politischen Talenten des Landes". Da muss es sich dann aber um ein schlummerndes Talent handeln. Mit Blick auf die verpatzte Bundeswehrreform mault jetzt ein Unionspolitiker: "Wir sind doch immer noch dabei, die Scherben seiner Amtszeit aufzukehren."
Guttenberg war einfach nur ein Wortheld erster Güte, der über ein schlichtes und zugleich zynisches Gemüt verfügt. Ein Felix Krull der Politik, oder besser: ein Dieter Bohlen.
Die „Physikerin der Macht“, die angeblich so nüchterne Realpolitikerin Merkel hat unterdessen erkannt, daß Waffen den Frieden fördern!
Merkel rechtfertigt Rüstungsexporte als Friedensmittel.
[…] Kanzlerin Merkel will in der Sicherheitspolitik verstärkt auf Rüstungsexporte und militärische Ausbildungshilfe für "vertrauenswürdige Partner" setzen. "Es liegt in unserem Interesse, wenn wir Partner dazu befähigen, sich für die Bewahrung oder Wiederherstellung von Sicherheit und Frieden in ihren Regionen wirksam einzusetzen", sagte die CDU-Chefin am Montag auf einer Bundeswehrtagung in Strausberg bei Berlin.
Die Bundesregierung war in den vergangenen Monaten immer wieder wegen angeblich geplanter Exporte von Kriegswaffen in Länder außerhalb der Nato wie Saudi-Arabien, Indonesien oder Katar in die Kritik geraten. […]
Merkel zählte Ausrüstungsgüter ausdrücklich zu den möglichen Unterstützungsmaßnahmen für aufstrebende Regionalmächte oder regionale Staatenbünde.“
Was kommt als Nächstes?
Poppen als Verhütungsmittel?

Sahnetorten als Schlankheitsmittel?
RTL-II gucken zur Hochschulreife?

Naja, zum Glück gibt es wenigstens eine Konstante:
Bischöfe sind eine peinliche, versoffene Gefährdung der Allgemeinheit. Überall.
Polnischer Bischof fährt gegen Strommast.
Ihm drohen bis zu zwei Jahre Haft: Der polnische Bischof Piotr Jarecki hat sich betrunken ans Steuer seines Autos gesetzt - und einen Strommast gerammt. […]
 Mit mehr als 2,5 Promille im Blut hat Piotr Jarecki einen Autounfall gebaut. Der polnische Bischof sei festgenommen worden, nachdem er mit seinem kleinen Toyota einen Strommast an einer Kreuzung in Warschau umgefahren hatte, teilte die Polizei mit.
Und auch das bleibt immer gleich:

Hakenkreuznet findet einen Dreh die Meldung mit Analverkehr und dem zweiten Vatikanischen Konzil in Verbindung zu bringen.
 Einer muß ja Schuld haben.
Stockbesoffener Konzilsbischof!
Im Vergleich zum Lesen der Alten Messe, Aufzeigen kirchlicher Mißstände oder Kritisieren der satanischen Kotstecher ist das nur ein Kavaliersdelikt.
Am Samstag verursachte der Warschauer Weihbischof Piotr Jarecki (57) mit seinem Toyota einen Selbstunfall. Er war stockbesoffen.
Der Konzilsprälat fuhr in Warschau bei einer Kreuzung gegen einen Laternenpfahl.
Die Ordnungshüter stellten im Blut des Weihbischofs gegen 3 Promille Alkohol fest.
Mons. Jarecki wurde 1994 vom Konzilsseligen Johannes Paul II. zum neokonservativen Weihbischof ernannt.

(Hetznet 22.10.12)