Samstag, 6. Oktober 2012

Pay-Politik Teil II


N
ein, daß die Paralyse-Koalition bei Bildung, Pflege, Mehrwertsteuer, etc, etc nicht handelt, ist keine Faulheit.



Es hat nur noch keiner bezahlt. 
Und ohne Vorab-Überweisung werden in der Bezahl-Politik Merkels und Röslers ungern Leistungen erbracht. 
In den 60er und 70er Jahren galt es noch als skandalös, wenn sich Milliardäre ihre passenden Gesetze erkauften. Spätestens ab 2009 ist es der Normalfall unter der beliebtesten Kanzlerin aller Zeiten.

Rückblick ins Jahr 1975:
Der Flick-Konzern verkaufte Aktien der Daimler-Benz AG im Wert von 1,9 Milliarden D-Mark an die Deutsche Bank.
Die zu zahlenden Steuern hätten knapp 986 Millionen Mark betragen.

Diese Steuern mochte Herr Flick aber gar nicht gerne bezahlen und im Gegensatz zu normalen Angestellten, deren Steuern einfach vom Finanzamt abgezogen werden, hatte der Milliardär Möglichkeiten sich um die Zahlung zu drücken.

Dazu „spendete“ er ein paar Bargeldköfferchen an die entsprechenden FDP-Personen - unter anderem mehrmals 30.000 D-Mark an Otto Graf Lambsdorff (FDP), einmal 100.000 D-Mark an Walter Scheel (FDP) und mehrmals 70.000 D-Mark an Hans Friedrichs (FDP).

Nachdem die Landschaft genügend „gepflegt“ worden war, beantragte der Konzern beim FDP-geführten Wirtschaftsministerium für das 1,9-Milliarden DM-Geschäft die Steuerbefreiung nach Paragraph 6b des Einkommensteuergesetzes für volkswirtschaftlich förderungswürdige Reinvestitionen.
Sowohl Minister Hans Friderichs als auch sein Nachfolger Otto Graf Lambsdorff erteilten diese Genehmigungen.

Das ist mal eine Rendite!
Ein oder zwei Millionen DM „gespendet“ und fast eine Milliarde DM gespart.

Den Übergang vom einst am Gemeinwohl orientierten Vollprogramm zum reinen Pay-Programm, das nur noch Partikularinteressen bedient, haben FDP, CDU und CSU inzwischen abgeschlossen.

Gegen eine kleine Aufwendung vom Hotelbesitzer Baron Finck („rechts vom Gustl steht nur noch Dschingis Khan“) an die FDP, genehmigte man großzügig Milliardensteuervorteile für Hoteliers.

Milliardär Finck, der auch ein großer Immobilienmogul ist - ihm gehören unter anderem die Clair Immobilien Deutschland GmbH und die Mercantor Verwaltungs GmbH - hatte sich mit Spenden an die CSU (2,4 Millionen Euro seit 2000) auch Freundlichkeiten für die Immobilienwirtschaft erkauft.


Thorsten Denkler:
Ganz im Sinne des Immobilienmoguls dürfte sein, dass die Koalition etwa so genannte Real Estate Investment Trusts (REITs) stärken will. Im Koalitionsvertrag heißt es dazu, hier seien "überflüssige Hemmschwellen für den deutschen Markt abzubauen". Das entspricht ziemlich genau einer Forderung des Immobilien Verbandes Deutschland (IVB). "Schnellstmöglich sollten Reits eingeführt werden, damit den Anlegern eine international konkurrenzfähige Form der indirekten Immobilienanlage auch in Deutschland zur Verfügung steht", heißt es in einem Verbandspapier. Reits sollen dabei "möglichst wenig reguliert werden".
Im Klartext: Geldgeber sollen leichter als bisher auch mit Wohnimmobilien zocken dürfen.
Und es gab noch mehr Grund zu jubeln für die Immobilienwirtschaft.
"Im Bereich des Mietrechts greift der Koalitionsvertrag alle Forderungen von Haus & Grund Deutschland auf und übernimmt sie", frohlockte der Hauseigentümerverband in einer Stellungnahme zum Koalitionsvertrag.
Wichtigster Punkt: das Ende der "asymmetrischen Kündigungsfristen". In Zukunft sollen für Mieter und Vermieter gleich lange Kündigungsfristen gelten. So können ungewollte Mieter schneller vor die Tür gesetzt werden. Ausgehebelt werden soll auch das Recht auf Mietminderung, etwa während einer Gebäudesanierung.

12 weitere Lobbyforderungen - 1:1 umgesetzt von den Pay-Policy-Parteien der schwarzgelben Regierung - listet allein die SZ auf.

Die Pharmalobby machte sich ihren Hauptverband FDP so gefügig,
daß drei Monate nach Regierungsantritt tatsächlich Deutschlands oberster Pharmakontrolleur Sawicki geschasst wurde.
Seine am Patientenwohl orientierte Position war zu wenig Pharma-freundlich.

Der private Krankenversicherung DKV räumt FDP-Mitgliedern Sonderrabatte ein und schon bekommt einer der wichtigsten PKV-Lobbyisten, Christian Weber, einen Job in zentraler Stelle des FDP-geführten Gesundheitsministeriums.

Großzügige Spenden der Energiekonzerne an die CDU und FDP und was zu erwarten war, passierte umgehend:

Es ist das vorläufige Ende des Atomausstiegs: Bei einem Treffen mit den Energiekonzernen im Kanzleramt hat sich die Bundesregierung nach SPIEGEL-Informationen darauf festgelegt, vorerst alle 17 deutschen Atommeiler am Netz zu halten. Auch die Uraltmeiler Neckarwestheim 1 und Biblis A, die nach dem rot-grünen Atomkonsens bald abgeschaltet werden müssten, sollen so lange weiterbetrieben werden, bis sich die schwarz-gelbe Regierung auf ein neues Energiekonzept verständigt hat.
(SPON)

Die Atommafia kann DANK FDP und CDU und CSU mit einem gigantischen Geldberg rechnen:
Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) rechnet damit, dass die vier großen Energieversorger bei einer Laufzeitverlängerung um 25 Jahre und einem Strompreis von 80 Euro pro Megawattstunde gut 233 Milliarden Euro einstreichen würden. ..... Das Bremer Energie-Institut kommt auf ähnliche Summen: Je nachdem, wie viele Jahre die Meiler zusätzlich laufen und wie hoch der Strompreis steht, wären Gewinne von bis zu 339 Milliarden Euro möglich.


Die 200 - 300 Milliarden Euro werden übrigens nicht frisch gedruckt, sondern aus den Portemonnaies der Steuerzahler von Schwarz-Gelb in die Konzernkassen gelenkt.
Noch nicht eingerechnet sind die anfallenden Unsummen durch Atommüll, die ebenfalls der Steuerzahler trägt - Dank Merkel.

Etwas eleganter hat es die Solarindustrie gemacht, indem sie schon vor der Regierungsbeteiligung der FDP einen Solar-feindlichen Passus aus dem Parteiprogramm heraus kauften.
Die notorisch zukunftsfeindlichen „Liberalen“ hatten eine Reduzierung der Fördermittel für Photovoltaikanlagen um 30 Prozent gefordert.
Das passte der Firma Solarworld natürlich gar nicht und so veranstaltete sie im September 2009 unmittelbar vor der Bundestagswahl eine FDP-Spendengala, an der auch Voodoo-Economic Hermann Otto Prinz Solms, sowie Mövenpick-Parteichef Westerwelle teilnahmen. Solms, im Nebenjob auch FDP-Schatzmeister konnte frohlockend eine "Rekordsumme" verbuchen.
Die Ausgaben von Solarworld haben sich gelohnt - im K.O.alitionsvertrag verschwand die unerfreuliche Kürzung der Fördermittel für Photovoltaikanlagen; plötzlich strich die FDP den Passus und setzte stattdessen die Formulierung "Dialog mit der Solarbranche" durch.

Wahlkampfversprechen à la FDP - nach der Wahl sind sie sofort vergessen und es wird das Gegenteil getan - insbesondere, wenn jemand dafür bezahlt.
SPON nennt ein weiteres Beispiel:
Nur wenige Tage nach der Bundestagswahl haben außerdem die BMW-Großaktionäre Johanna Quandt und ihre Kinder Stefan Quandt und Susanne Klatten der CDU am 1. Oktober je 150.000 Euro gespendet. Bevor die Zahlungen am 17. November 2009 vom Bundestag veröffentlicht wurden, hatten Union und FDP einen neuen Rabatt bei der Besteuerung von Jahreswagen für Mitarbeiter und einen weiteren Steuerrabatt für die Privatnutzung von Firmenwagen vereinbart.

Wie schön es doch ist, wenn man das nötige Kleingeld hat, um selbst für die politischen Gefälligkeiten zu sorgen.

Die Kehrseite der Medaille erleben derzeit die Hartz-IV-Empfänger, die eher selten sechs- und siebenstellige Summen an FDP, CSU oder CDU spenden.
Ohne Geld gibt es statt Wohlwollen aber nur Arschtritte.
Auf Arbeitslose wird nun Roland Koch losgelassen, der androht sie „sollten als Gegenleistung arbeiten und "auch niederwertige Arbeiten" verrichten, damit nur ja kein einziger Bezieher staatlicher Leistungen sein Leben als angenehm empfinde.“


Ich gebe zu, daß ich ernsthaft beeindruckt davon bin, wie die bürgerlichen Parteien es vermocht haben das Wahlvolk so an die Lobbyismus-Politik zu gewöhnen, daß es gar nicht mehr als irgendwie störend wahrgenommen wird, wenn Schwarzgelb nach ordentlicher Bezahlung die von den Reichen gewünschten Gesetze umsetzen.

Jüngster Fall ist der Kauf einer für die Glücksspielmafia günstigen Regelung bei Wirtschaftsminister Rösler.


Die FDP ist in den letzten Jahren immer wieder willig und massiv für die Automatenspiel-Industrie eingetreten.
 Insbesondere in Schleswig-Holstein durch Wolfgang Kubicki. Im Dezember 2011 stellte sich die schwarzgelbe Regierung in Kiel sogar als einzige von 16 Landesregierungen gegen den neuen Glücksspielstaatsvertrag, weil Kubicki der Wettmafia zu Diensten sein wollte. 
Im Mai 2012 gab es dafür bei der Landtagswahl sensationelle 8,2% für die FDP. 
Dumm für die Automatenlobby, daß Schwarzgelb dennoch knapp abgewählt wurde. 
Aber zum Glück (noch) nicht im Bund.

Die Westfälische Familie Gauselmann von der Gauselmann-Gruppe,  Deutschlands größter Herstellerin von Geldspielautomaten ließ über verschlungene Wege der FDP mindestens 1,9 Millionen Euro zukommen.

Das war bitter nötig, denn immer wieder gibt es Versuche der Wett- und Glückspielmafia Fesseln anzulegen. Dank der Gauselmann-Zuwendung an die FDP ist damit aber erst mal Schluß.

"Und jetzt kommt’s. Im Entwurf für ein neues Geldwäschegesetz sollten eigentlich auch die Spielhallen stärker kontrolliert werden. Dagegen hatte die Automatenlobby Protest eingelegt. Mit Erfolg, der entsprechende Paragraph flog einfach raus aus dem Entwurf. An den Verhandlungen beteiligt: Das Wirtschaftsministerium von FDP-Chef Philip Rösler."
(Georg Restle, Monitor Nr. 639 vom 27.09.2012)

Freitag, 5. Oktober 2012

Der Wert des Lebens.

Christliches Menschenbild Teil I


Angela Merkel ist so populär wie nie. 
Die CDU kratzt an der 40%-Marke und erklimmt damit seit 20 Jahren nicht mehr erreichte Zustimmungswerte.
Innerhalb der Partei ist Angie unumstritten, ihr Wort ist Gesetz, niemand wagt es zu widersprechen.
Wer diese Frau ist und was sie eigentlich will ist bis heute ein Rätsel. Tagtäglich beißen sich Journalisten an der Sphinx die Zähne aus. Erklären kann sie niemand.
Vermutlich ist genau das der Grund für ihre Popularität. Jeder kann in sie hinein interpretieren, was er gerne möchte. 

Wer es genauer wissen möchte kann auf ihre Website gehen und dort „MEINE ÜBERZEUGUNGEN“ anklicken. Dort offenbart sie sich.
Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit - das sind die Grundwerte der CDU, die sich aus dem christlichen Menschenbild ableiten. Sie sind auch Richtschnur meines Handelns. Der Mensch mit seiner unveräußerlichen Würde und Einzigartigkeit muss im Mittelpunkt der Politik stehen.
Nun wüßte ich nur noch gerne, was dieses ominöse „christliche Menschenbild“ eigentlich ist, von dem die Frau da spricht.
Die Ansichten der bedeutendsten christlichen Kirchenlehrer sprechen eigentlich nicht dafür, daß sie eine Führungsrolle übernehmen sollte.
"Die Frau ist ein Mißgriff der Natur... mit ihrem Feuchtigkeits-Überschuß und ihrer Untertemperatur körperlich und geistig minderwertiger...eine Art verstümmelter, verfehlter, mißlungener Mann...die volle Verwirklichung der menschlichen Art ist nur der Mann."
(Thomas von Aquin, hl., Kirchenlehrer, 1225-1274)
"...der Gang, wie sich die göttliche Lehre verbreitet: Von Gott zu Christus, von Christus in den Mann und von diesem in das Weib hinab. Umgekehrt verbreitet sich die teuflische Lehre: Sie kommt zuerst in das Weib, denn dies besitzt weniger Unterscheidungsvermögen."
(Alexander von Hales, 1185-1245, Lehrer des Thomas von Aquin)

"Das Weib ist ein minderwertiges Wesen, das von Gott nicht nach seinem Ebenbilde geschaffen wurde. Es entspricht der natürlichen Ordnung, daß die Frauen den Männern dienen."

(Kirchenvater Augustinus, hl., 354-430)
"...wer mag alle leichtfertigen und abergläubischen Dinge erzählen, welche die Weiber treiben...es ist ihnen von der Mutter Eva angeboren, daß sie sich äffen und trügen lassen."
(Martin Luther)
Offensichtlich meint die Vorsitzende der CHRISTLICH-demokratischen Union nicht das mit CHRISTLICHEM Menschenbild, was die prominenten CHRISTENlehrer definieren.

So führte mich meine Suche zur CDU-Parteistiftung. 
Die werden es ja wissen und kaum etwas ihrer Chefin widersprechendes  schreiben.
Das christl. Verständnis des Menschen nimmt die jüdische Tradition in sich auf, so daß von einem jüdisch-christl. M. zu sprechen ist. Der Mensch erscheint einerseits in seiner Kreatürlichkeit, das heißt als einer, der sich in seiner Herkunft dem schöpferischen Handeln Gottes verdankt und in seiner Vergänglichkeit den übrigen Geschöpfen gleicht. Andererseits erscheint er kraft seiner Begabung mit Freiheit und Vernunft in seiner Kreativität, die ihn über die übrige Schöpfung erhebt und an der schöpferischen Kraft Gottes teilhaben läßt. Befähigt zur Selbstreflexion, Selbstüberschreitung und planender Vorausschau, ist er zur Gestaltung der natürlichen Umwelt und der sozialen Mitwelt berufen, zugleich erfährt er sich selbst in seiner Entwurfsoffenheit und Selbstaufgegebenheit und weiß um seine stete Gefährdung, hinter dem Anspruch dieser seiner Berufung zurückzubleiben. Der Mensch ist sittliches Subjekt, weil er in freier Entscheidung selbstbestimmt zu handeln und die Unterscheidung zwischen Gut und Böse zu treffen vermag. Sein Tun und Lassen ist ihm zuzurechnen. Er trägt dafür vor sich selbst, vor seinen Mitmenschen und vor Gott Verantwortung.
[….] Das jüdisch-christl. Verständnis des Menschen steht also in einem dialektischen Spannungsverhältnis: auf der einen Seite die kreatürliche Begrenztheit des Menschen und die geforderte Selbstbescheidung des Nicht-wie-Gott-sein-Wollens, auf der anderen Seite die besondere Erwählung, die schöpfungstheologisch in seiner Kreativität und heilsgeschichtlich im Handeln Gottes mit dem Menschen und, für den Christen, in der Menschwerdung des Gottessohnes hervortritt. […Die Menschen-] Rechte in einem optimierenden Gleichgewicht für alle Menschen innerhalb der nationalen und internationalen Rechtsgemeinschaften konkret durchzusetzen, ist Aufgabe einer am christl. M. orientierten Politik.
Als Literaturverweis taucht in Merkels Parteistiftung ausgerechnet der Blasphemiebestrafungsfetischt und Genitalverstümmlungspropagandist Spaemann auf.

E.-W. BÖCKENFÖRDE/R. SPAEMANN (Hg.): Menschenrechte und Menschenwürde (1987)

Sehr schön, immerhin weiß ich jetzt schon mal, daß ich nicht Merkels Menschenbild teile.

Ich verstehe mich als evolutionärer Humanist, wie es MSS definiert hat.
"Wir sind nicht die Krone der Schöpfung, sondern die Neandertaler von morgen". Die Giordano-Bruno-Stiftung vertritt die Position des „Evolutionären Humanismus“, die Mitte des letzten Jahrhunderts von dem bedeutenden Evolutionsbiologen und ersten Generaldirektor der UNESCO, Julian Huxley, formuliert wurde. […] Wie jeder konsequente Humanismus geht auch der Evolutionäre Humanismus von der Notwendigkeit und Möglichkeit der Verbesserung der menschlichen Lebensverhältnisse aus. Evolutionäre Humanisten treten entschieden für die Werte der Aufklärung, für kritische Rationalität, Selbstbestimmung, Freiheit und soziale Gerechtigkeit ein. Allerdings begreifen sie den Menschen nicht mehr als „Krone der Schöpfung“, sondern als unbeabsichtigtes Produkt der natürlichen Evolution, das sich nur graduell, nicht prinzipiell, von den anderen Lebensformen auf diesem „Staubkorn im Weltall“ unterscheidet.
 Als Kinder der Evolution sind auch wir bloß „Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will“ (Albert Schweitzer), was sich in einem verantwortungsvolleren Umgang mit der nichtmenschlichen Tierwelt niederschlagen sollte.
 Ethische Grundlage des evolutionären Humanismus ist das "Prinzip der gleichen Berücksichtigung gleichrangiger Interessen". Daher sind diskriminierende Ideologien wie Rassismus, Sexismus, Ethnozentrismus oder Speziesismus sowie sozialdarwinistische oder eugenische Konzepte [….] mit dem evolutionären Humanismus unvereinbar.
(gbs)
Als Humanist halte ich es nicht für vertretbar den Tod anderer Menschen zu verursachen.

Ich lehne die Todesstrafe ab. So wie es der Vatikan neuerdings auch tut. Über viele Jahrhunderte haben Päpste selbst begeistert auf ihr christliches Menschenbild gestützt Todestrafen angeordnet.

Ich bin kein Jurist und weiß nicht wie man es rechtlich organisieren könnte gefährliche Dinge, die unweigerlich den Tod von Menschen verursachen, politisch aus dem Weg zu räumen.

Wir haben in Deutschland jedes Jahr zehntausende durch Alkohol verursachte Todesfälle. 
Wieso ist also der Konsum und Verkauf von Alkohol erlaubt?


Auf den Straßen sterben jedes Jahr ein paar Tausend Verkehrsteilnehmer.
 Ein einfaches Tempolimit könnte die vielen Toten vermeiden. Z.B. Tempo 20 km/h in den Städten, 40 km/h auf Landstraßen und maximal 55 km/h auf Autobahnen.


Es sterben viele Hundert Menschen bei Sportunfällen. Dringend müßte also das Verbot von Reitsport, Skifahren und Formel1 ausgesprochen werden.


Die Bundeswehr müßte aufgelöst werden. 


Man ahnt schon, wo das Problem liegt: Zu viel Menschenfreundlichkeit wäre extrem unpopulär und würde garantiert die Wiederwahl kosten. 
Da nimmt man doch lieber ein paar Tausend Tote in Kauf, wenn man ein Christliches Menschenbild hat.

Es gibt aber auch Handlungen, welche direkt zum Tod von Menschen führen, die NICHT populär wie rasen oder saufen sind.

Da sollte Politik unbedingt anders handeln.
Drei Beispiele:

Papst Benedikt XVI. behauptet allen Ernstes Kondome verschlimmerten das Aids-Problem und läßt seine Afrikanischen Bischöfe in den HIV-verseuchtesten Gebieten des Planeten gegen Kondome wettern.

Das ist eine Art fahrlässige Massentötung und sollte zumindest mit einem scharfen Einreiseverbot für Apologeten dieses Wahns belegt werden. 
Man lädt ihn aber nicht ein und jubelt ihm im Bundestag zu.

Als die CDU im Jahr 2001 die Regierung in Hamburg stellte, wurden als erstes auf Betreiben des engen persönlichen Freundes des Bürgermeisters, Justizsenators und späteren Sterbeapparat-Verkäufers Roger Kusch in allen Hamburger Gefängnissen die zuvor von Rot/Grün eingeführten Spritzenautomaten demontiert.
Die CDU/FDP/Schill-Regierung war somit direkt dafür verantwortlich, daß drogensüchtige Gefangene keine hygienischen Spritzen mehr bekommen konnten und sich durch gemeinsames Benutzen selbstgebastelter Spritzen mit hepatitis oder dem tödlichen HI-Virus ansteckten.

Seit vielen Jahren wissen wir durch unzählige TV-Dokumentationen und Zeitungsberichte, daß in deutschen Krankenhäusern fleischfressende Antibiotika-resistente Superbakterien wie MRSA regelrecht herangezüchtet werden.
 Das führt pro Jahr zu mindestens 40.000 Toten in Deutschland. 
Über hundert Menschen sterben an diesen Krankenhauskeimen JEDEN TAG!
Auch „Tammoxsche Gedanken hat seit Jahren immer wieder über MRSA geschrieben.)

Das ist kein unabwendbares Schicksal. 
Man kann durch Hygiene und Quarantäne die Neuinfektionen auf Null herunterfahren. In Holland beispielsweise wird das seit Jahren konsequent betrieben.

Dazu bedarf es nur des politischen Willens und einiger finanzieller Anstrengungen.

Die Merkel-Regierung läßt aber konsequent die Hände davon; will den Milliardengewinnen der Klinikbetreiber nicht im Wege stehen.
 Merkel und insbesondere ihre Gesundheitsminister Rösler und Bahr nehmen billigend den Tod Hunderter Menschen am Tag in Kauf.

Wer starke Nerven hat, möge sich den gestrigen KONTRASTE-Bericht zum Thema ansehen.


Knapp 500.000 Menschen erkranken jedes Jahr in Deutschland durch Infektionen mit multi-resistenten Krankenhauskeimen, etwa 40.000 sterben. Schlampige Hygiene in den Krankenhäusern sei oft die Ursache, kritisieren Experten. Um kostengünstiger zu arbeiten, sparen die Einrichtungen bei der Reinigung der Stationen und Operationssäle. Die Leistungen werden an externe Firmen vergeben. Doch deren Reinigungskräfte können wegen schlechter Arbeitsbedingungen die Vorgaben der Krankenhaushygiene nicht mehr erfüllen - mit verheerenden gesundheitlichen Folgen.
Gefährliche Keime in Krankenhäusern sind in Deutschland vermutlich für mehr Tote verantwortlich als Verkehrsunfälle, Verletzungen und Vergiftungen zusammen! Immer wieder alarmieren uns solche Meldungen. Deshalb sollte man eigentlich davon ausgehen, dass die Kliniken alles dran setzen, um für größtmögliche Hygiene zu sorgen. Doch tun sie das tatsächlich? Wir haben in über 200 Klinken nachgefragt und mussten feststellen: Viele Krankenhäuser sind heutzutage profitable Wirtschaftsunternehmen, bei denen das hochsensible Thema Reinigung einfach outgesourced wird.  [….] Wir wollen es genau wissen, schreiben Kliniken in ganz Deutschland an und fragen sie, wie sie es mit ihrer Reinigung halten. 26 Kliniken und Klinikkonzerne antworten, insgesamt repräsentieren sie 265 Krankenhäuser in Deutschland.
Nur zwei von ihnen geben an, ausschließlich eigenes Personal zur Reinigung einzusetzen, der Rest beauftragt Tochter- oder Fremdfirmen. Und: Mit Ausnahme von vier Kliniken und einem Konzern geben alle Häuser Abstriche bei der Reinigung am Wochenende zu.
Gerade sonntags ist es weit verbreitet, nur sichtbaren Schmutz zu entfernen. Professor Heike Martiny, Hygieneexpertin, kritisiert diese Praxis scharf.
(Kontraste 04.10.12)


Ist das Politik, die sich am „christlichen Menschenbild“ orientiert?

Vermutlich.

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Dirk Bach ist tot.




Das Leben ist eine durch Geschlechtsverkehr 
übertragene Krankheit mit 100% Mortalität.


Das mit dem Tod ist eine erstaunliche Sache. 
Er ist die einzige absolute Gewissheit unseres Seins und gleichzeitig geben wir kleinen Homo Sapiens-Ameisen uns solche Mühe das Thema zu verdrängen.
Ich finde es immer wieder faszinierend die Reaktionen zu erleben, wenn ich von meinen vertraglich fixierten Vorbereitungen für den Fall meines Todes erzähle.
90% der Leute sind entsetzt und begreifen nicht, wie man sich damit beschäftigen kann. 

Wie ich unpraktischerweise in den letzten Jahren unmittelbar erfahren habe, kann der Sterbeprozess sehr unerfreulich und unerquicklich verlaufen. 
Selten ist das keineswegs. Der weit überwiegende Teil der Deutschen stirbt im Krankenhaus an Strippen hängend - also genauso so, wie es ebenfalls die meisten ablehnen.

Mit dem Tod hat der Sterbende es hinter sich.
 Für die Hinterbliebenen wird es dann noch mal richtig beschissen. 
So ist der Mensch: Auch wenn man es vorher wußte, den Tod erwartete oder gar herbeisehnte, ist es doch ein Schocker, wenn es so weit ist.

Für den Toten ist es nach meiner tiefsten Überzeugung ein echtes Glück, wenn es plötzlich kommt. Ohne Vorwarnung.
Und zwar möglichst lange bevor man in die malade Phase des Lebens eintritt.
Wer tot ist, hat es hinter sich.
 Glückwunsch.

Unglücklicherweise kollidiert die Idealvorstellung eines frühen überraschenden Todes mit den Interessen derjenigen, die emotional mit dem Toten verbunden waren.
Sie können schwer getroffen werden und sich unter Umständen nie mehr erholen.

Nun ist Dirk Bach tot und mir scheint die Trauer um ihn ehrlich zu sein. 
Abgesehen von den üblich-dümmlichen Kommentaren à la Oliver Pocher („ mein herzliches Beileid“) gibt es eine große Menge Stellungnahmen von Personen, die ganz offensichtlich mehr als das übliche Blabla ablassen, weil sie ernsthaft emotional angegriffen sind. 

Viele scheinen Bach persönlich gemocht zu haben.
Das kann ich nicht beurteilen, weil ich ihn natürlich nicht persönlich kannte.

Darüber hinaus wird er als „Komiker“, bzw „Comedian“  geschätzt.
Das kann ich schon gar nicht beurteilen, weil ich das Genre generell ablehne und niemals (deutsche) Comedy-Sendungen sehe.

Ich habe lediglich am Rande mitbekommen, daß Bach politisch aktiv war, für die Grünen arbeitete und sich für allerlei bürgerrechtliche Belange einsetzte.
 Dabei war Bach im Gegensatz zur übergroßen Mehrheit seiner Kollegen recht gut informiert und hielt sich mit seinen Meinungen nicht zurück.
Das finde ich gut.

Aber, er hat es hinter sich.

Was anlässlich des überraschenden Todes eines sehr prominenten Schwulen zu erwarten war, passierte natürlich auch:
Im Internet gibt es Häme und unappetitliches Nachtreten auf Seiten der Ultrareligiösen verschiedener Religionen. 
Also genau den Leuten, vor denen weite Teile des Bundestagsparteienspektrums nun beim Beschneidungsgesetz mit einem „kläglichen Gesetzentwurf“ (Prof. Reinhard Merkel) einen Kotau machen.

Bei den strammen Islamisten freut man sich („die fette Schwuchtel ist verreckt!“) und so sicher wie das Amen in der Kirche feuerte auch Hakenkreuznet seine homophobe Hetze ab.

Stilistisch greifen die Ultrakatholiken erwartungsgemäß in so tiefe Kellergeschosse, daß dagegen noch die Salafisten höflich wirken. 


„Bach ist am 1. Oktober zur Hölle gefahren.“


Was ich an  Kreuznet so schätze:

1.)      Die absolut wertneutrale, sachliche Ausdrucksweise:
(„seine niederträchtige Kotstecherei“)

2.)      Die fundierte Recherche, welche nur die seriösesten Quellen berücksichtig:
(„geht aus einem Artikel hervor, der gestern in der deutschen Dreckzeitung ‘bild.de’ publiziert wurde“)

3.)      Das scharfsinnige Herstellen von Zusammenhängen:
(„Um seine Gewissenlosigkeit zu vertuschen wurde er Tierschützer.“)

4.)      Die von Liebe erfüllte Achtung, die den Nächsten gegenüber praktiziert wird.
(„Dirk Bach (51) war in vieler Hinsicht verkommen.  Bach starb am 1. Oktober den einsamen Tod eines reuelosen und deshalb gottverlassenen Homo-Gestörten.“)

5.)    Die medizinische Aufklärung.
(„Beobachter gehen davon aus, daß Bachs Gesundheit durch die Einnahme sogenannter Poppers gelitten hat.  Es handelt sich um flüssige und kurzzeitig wirksame Drogen, die fast immer von Homo-Gestörten genommen werden, um ihr entartetes Verhalten erträglich zu machen.   Diesen Rauschgiften werden schmerzhemmende Wirkungen zugeschrieben, weshalb sie Homos vor der Sodomisierung verwenden.    In Zusammenhang mit der gleichzeitigen Verwendung blutdrucksenkender Mittel können Poppers einen lebensgefährlichen Abfall des Blutdrucks bewirken.  Es ist bekannt, daß der schwer übergewichtige Bach an Bluthochdruck litt.“)

[Anmerkung: Inzwischen sind drei Bach-verhetzende Artikel auf Kreuznet erschienen. 
Ich verlinke die absichtlich nicht. Wer das selbst lesen will, wird keine Mühe haben sie zu finden. Hakenkreuznetseite aufrufen und dann "Dirk Bach" ins Suchfenster eingeben.]

Für Kreuznet-Kenner ist das bestenfalls das Übliche. 
Die Katholiban hetzen und lügen schließlich jeden Tag in so abartiger Weise, daß dagegen Fred Phelps von der Westboro Baptist Church wie ein echter Philanthrop wirkt.

Das Erstaunliche ist nun, daß ausgerechnet der Tod eines Comedians scheinbar das Fass zum Überlaufen bringt.

Was die Kreuznet-Hetze gegen Frauen, Atheisten, Protestanten, Juden, Israel, Grüne, Linke, SPD, CDU, Freimaurer, Homosexuelle generell, David Berger, Volker Beck, Claudia Roth, Stoiber, Merkel und Obama nicht bewirkt hat, gelingt bei Dirk Bach.

Die Menschen werden offenbar so wütend, daß sie massiv wie nie gegen Kreuznet vorgehen. 
Der Druck auf die Deutsche Bischofskonferenz war so enorm, daß die mit zwei Millionen Euro finanzierte Seite „Katholisch.de“ nach acht Jahren Kreuznet-Rassismus endlich eine scharfe Distanzierung veröffentlicht.


Die Deutsche Bischofskonferenz stellt sich gegen das Internetportal kreuz.net. […] "Der Begriff des Katholischen wird von dieser Internetseite grob missbraucht", sagte der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Matthias Kopp, gegenüber katholisch.de. Die Deutsche Bischofskonferenz habe sich schon immer deutlich von kreuz.net distanziert, so Kopp weiter.
[…] Vor allem in den sozialen Netzwerken hatte der Artikel über Dirk Bach zahlreiche und teils heftige Reaktionen hervorgerufen. Viele Menschen brachten beispielsweise über Facebook und Twitter ihre Verachtung für die Macher von kreuz.net zum Ausdruck. Zugleich forderten andere die katholische Kirche in Deutschland auf, gegen die Seite und die dort verbreiteten Aussagen vorzugehen.
[…] Dem Verfassungsschutz zufolge zeichnet sich kreuz.net "durch homophobe, muslimfeindliche und antisemitische Äußerungen" aus. Etliche Beiträge seien nicht vom Grundrecht der Meinungsfreiheit gedeckt und überschritten "die Grenzen zur Strafbarkeit".
Jenseits eines möglichen juristischen Vorgehens gegen die Seite stellt DBK-Pressesprecher Matthias Kopp fest: "Die Seite hat mit der katholischen Kirche in Deutschland nichts zu tun."


In der Tat, als Administrator einer gar frommen „Kreuznet-Fanseite“ auf Facebook, kann ich bestätigen, daß uns heute plötzlich die Leute die Tür einrennen. 
So viel Interesse an Hakenkreuznet war nie. An keinem anderen Tag bekamen wir so viele neue Anträge auf Gruppenmitgliedschaft.
Allein drei „Neue“ haben den Satirischen Charakter gar nicht erst verstanden und in ihrer Wut auf Kreuz.net die Administratoren denunziert.

Das klingt dann zum Beispiel so:
……dabei ist mir aufgefallen, dass ihre ideologische Verblendung derart ausgeartet zu sein scheint, dass Ihnen nicht mehr bewusst ist, dass Sie sich strafbar machen, mit dem, was Sie hier posten und kommentieren.
Sie machen sich gemäß §§ 130, 166, 185, 186 StGB strafbar!
Ich verlange nun von Ihnen, dass Sie sich öffentlich bei allen Sozialgruppierungen, die Sie auf Facebook beleidigt haben, entschuldigen. Sollte dies nicht der Fall sein, werde ich Sie umgehend anzeigen…..

Das monierte Marcel Reich-Ranicki schon vor 20 Jahren im „Literarischen Quartett“: 
Ironie wird in Deutschland in der geschriebenen Form nicht verstanden...
Er hatte sogar angeregt "Ironiezeichen; ähnlich wie Gänsefüßchen" einzuführen.

Inzwischen ziehen auch die großen „herkömmlichen“ Medien nach.

In einem Beitrag auf der Website kreuz.net wird der verstorbene Komiker Dirk Bach als "pervers" und "gestört" beschimpft. Das Portal sorgt seit Jahren mit antisemitischen und homophoben Beiträgen für Aufregung - jetzt könnte das Maß allerdings voll sein.   […] Jetzt sorgt ein Schmäh-Beitrag auf der Internetseite kreuz.net, die sich einen katholischen Anstrich gibt, für Empörung. Darin wird der bekennende Homosexuelle postum als "pervers" und "gestört" beschimpft. "Es ist davon auszugehen, daß [sic!] seine Unzucht ihn so früh ins Grab bracht", heißt es in dem anonymen Artikel weiter.
"Es ist empörend, dass die Hetzer von kreuz.net selbst angesichts des Todes jeglichen menschlichen Respekt vermissen lassen", teilt Günter Dworek, Bundesvorstand des Lesben- und Schwulenverbandes dazu mit. Auch auf Twitter zeigen sich viele Nutzer angesichts des Beitrags entsetzt. "Wie kann der Verfasser dieses Textes eigentlich noch ruhig schlafen?", fragt ein User. Mehrere geben an, bereits Strafanzeige gegen kreuz.net gestellt zu haben. Die Betreiber der Seite haben auf Nachfrage von Süddeutsche.de bislang nicht reagiert.
  […] Die erneute Entgleisung könnte jetzt ein juristisches Nachspiel für die Betreiber haben. Diese "Schmährede auf einen gerade Verstorbenen" sei "selten heftig", sagt Rechtsanwalt Udo Vetter. Damit seien die Kriterien der "Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener" erfüllt, eine Verurteilung kann bis zu zwei Jahren Gefängnis nach sich ziehen. Die Tatsache, dass der Server nicht in Deutschland steht, sollte die Ermittlungen seiner Meinung nach nicht hindern: "Das ist normale Polizeiarbeit, den Betreiber eines Servers ausfindig zu machen", sagt Vetter. "Da gibt es Experten, die knacken das."

Das wäre ein Treppenwitz der Geschichte, wenn ausgerechnet Dirk Bach mit seinem Tod Kreuznet zu Fall brächte.

Mit der Schmähung Bachs solle „das Maß voll sein“?

So, so - und die bisherigen täglichen schwer rechtsextremen, revisionistischen, holocaustleugnenden, rassistischen, antisemitischen, homophoben, misogynen Attacken gingen wohl gerade noch so, oder wie?