Donnerstag, 10. September 2026

Polen ist verloren

Italien, Polen, Irland, Malta sind die katholischsten Länder Europas. Mein polnisch-stämmiger Vater sagte immer ‚alle Polen sind Katholiken, auch die Ungläubigen‘.

In einem, in der Tat so kulturkatholisch geprägten Land, wie Polen, ist es gar nicht so leicht festzustellen, wie hoch der Katholikenanteil tatsächlich noch ist und wie viele von ihnen den Glauben auch praktizieren.

Sicher sagen kann man aber, daß Polen seit 1978 und der spektakulären Wahl Karol Józef Wojtyłas zum Papst, als 99,9% der Polen vor Stolz platzten, enorm viel passiert ist.

Polens Wirtschaft wächst seit zwei Jahrzehnten stärker als die Deutsche. Die Polen sind all das, was Deutsche nicht sind: Jung, gut gebildet, optimistisch und digital. Polen boomt.

Für Andrzej Domański (*1981), Tusks Superminister für Finanzen und Wirtschaft,  sind das goldene Zeiten. Für die Katholische Kirche gilt das Gegenteil. Gebildete, selbstbewußte, optimistische Menschen sind Gift für Religionen, die muffige patriarchalische Vorschriften einer primitiven Hirtenkultur verkaufen.

Von nahezu 100%, sank der Katholikenanteil auf gegenwärtig rund zwei Drittel. Die Polen gucken genauer hin, was ihre Pfaffen treiben, sind weniger eingeschüchtert, lassen sich nicht mehr für dumm verkaufen. Schlechte Zeiten für barocke Kleriker, die Wasser predigen, während sie bei Wein, Mann und Gesang bacchanalisieren. 

Da es in Polen besonders viele Pfarreien und besonders viele Geistliche gibt, sind auch die pädosexuellen Übergriffe auf Messdiener und schwulen Sexpartys unter Priestern häufig Thema in den Medien.

[….] Für die katholische Kirche ist die Angelegenheit maximal peinlich. Eigentlich sollen ihre Priester enthaltsam leben und sich ganz auf Gott konzentrieren, deshalb verbietet das sogenannte Zölibat katholischen Geistlichen die Ehe. Nicht weniger rigoros verhält sich der Vatikan zur gleichgeschlechtlichen Liebe: Homosexualität widerspreche dem Willen Gottes, so die Linie Roms, auch wenn es ein offenes Geheimnis ist, dass auch Männer der Kirche Sex miteinander haben. Doch in Polen wird ein Fall jetzt zum Aufreger – und das nur wenige Wochen vor der Parlamentswahl.

Anlass für die öffentliche Debatte ist eine Sexparty unter katholischen Priestern, die mit einem medizinischen Notfall endete. Das berichtet die Zeitung "Gazeta Wyborcza" unter Berufung auf einen der Partygäste. Demnach feierten die Geistlichen ihre Orgie in Dąbrowa Górnicza im Süden des Landes in einer kirchlichen Dienstwohnung. Auch ein Sexarbeiter sei angeheuert worden. "Die ganze Veranstaltung war rein sexueller Natur, die Teilnehmer nahmen alle Potenzmittel", zitiert die Zeitung ihre anonyme Quelle. "Dann geriet alles außer Kontrolle und der Sexarbeiter verlor das Bewusstsein." [….]. Fest steht nur, dass ein herbeigerufenes Rettungsteam zunächst nicht zu ihm durchkam: Wohl aus Furcht vor dem Skandal ließen die Priester die Sanitäter nicht ins Gebäude. Diese mussten erst die Polizei rufen, die den Helfern den Weg frei machte zu dem ohnmächtigen Sexarbeiter. [….]

Er bete dafür, dass Pfarrer Tomasz Z. von seiner sexuellen Orientierung geheilt werde, schreibt Bischof Kaszak weiter. Allein dieser Satz zeigt das extrem konservative Weltbild der katholischen Kirche in Polen. In Deutschland sind sogenannte Konversionstherapien zur "Behandlung" von Homosexualität seit 2020 verboten. Heikel ist die außer Kontrolle geratene Priesterorgie aber nicht nur für die polnische Kirche, die sich nach außen gerne als Hüterin einer strengen Sexualmoral darstellt. [….]

(T-online, 25.09.2023)

Das Suffraganbistum Sosnowiec wurde erst 1992 von Wojtyła gegründet, der es aus Teilen Erzbistümer Częstochowa und Krakau sowie des Bistums Kielce zusammenschusterte und es neben dem Bistum Radom dem Metropoliten von Tschenstochau unterstellte.

[….] Schwulenclubs und Leichenfunde

Es ist nicht der erste Skandal, der Sosnowiec, eine mittelgrosse Diözese im Südwesten des Landes, erschüttert. Im Jahr 2010 war der Interimsrektor des Priesterseminars von Sosnowiec in eine Auseinandersetzung in einem Schwulenclub verwickelt, blieb jedoch über ein Jahr lang in seinem Amt, auch nachdem der Fall in den polnischen Medien bekannt wurde.

Im März 2023 wurde die Leiche eines 26-jährigen Diakons mit Wunden entdeckt, die ein Verbrechen implizierten. Laut der örtlichen Staatsanwaltschaft soll ein 40-jähriger Priester für den Mord an dem Diakon verantwortlich gewesen sein – der Mann nahm sich daraufhin das Leben. Laut der Staatsanwaltschaft hätten die beiden seit einiger Zeit eine turbulente Beziehung geführt, wobei der Priester dem Diakon Drohbotschaften geschickt habe.  […]

(20 Minuten, 26.10.2023)

Wacław Tomasz Depo, der gegenwärtige Erzbischof von Częstochowa, empfand aber wenig Freude an den Skandalnudeln seiner schwul-fidelen Suffragandiözese Diecezja sosnowiecka, deren Bischof Kaszak seine Karriere Ende 2023 unrühmlich gegen die Wand steuerte.

[….] Mit nur 59 Jahren ist Bischof Grzegorz Kaszak zurückgetreten – zuvor sorgte eine angebliche Sexparty für Schlagzeilen. Ein Priester berichtet nun von einem moralischen Verfall der Diözese "seit vielen Jahren".

Das südpolnische Bistum Sosnowiec (Sosnowitz) steckt laut dem Warschauer Philosophieprofessor und katholischen Priester Andrzej Kobylinski in einer schweren Krise. [….] Papst Franziskus hatte am Dienstag den Amtsverzicht Kaszaks akzeptiert. [….] "Der moralische Verfall der Diözese dauere seit vielen Jahren an", so Kobylinski. "Man kann nur Mitleid mit den Gläubigen in Sosnowiec haben, dass sie in den vergangenen Jahren mit solch ungeheuren Sittenskandalen des Klerus im Bistum zu kämpfen hatten." Es müsse geklärt werden, warum sich Kaszak so lange im Amt habe halten können, so der Professor der Warschauer Kardinal-Wyszynski-Universität. [….]

(Katholisch, 25.10.2023)

Die ersten 30 Jahre der Diözese mochte das Prälaten-Rudelbumsen, Priesterseminaristen-Vergewaltigen und K1nderf1ck€n noch ungestört möglich gewesen sein für die südpolnische Geistlichkeit. Aber im Social Media-Zeitalter mit einer immer selbstbewußteren Bevölkerung, konnten Kaszak und Co ihren gut 600.000 Schäfchen (Katholikenanteil 94%) immer weniger Begeisterung entlocken.

2024 ernannte Bergoglio Artur Ważny zum neuen Bischof von Sosnowiec.

Als langjähriger bischöflich beauftragter Exorzist hätte Ważny eigentlich subtilere Methoden wählen können, um den Pädosexsumpf seiner 162 Pfarreien auszutrocknen. Stattdessen setzte er aber sehr profan eine Kommission ein. 

[….] Der neue Bischof des kriselnden polnischen Bistums Sosnowiec, Artur Wazny, hat noch vor seinem Amtsantritt am vergangenen Wochenende eine unabhängige diözesane Kommission eingerichtet, die den Missbrauch durch Kleriker in dem südpolnischen Bistum untersuchen soll. Laut einem Bericht des Internetportals ucanews.com von Dienstag soll es sich um die erste derartige Untersuchungskommission in der katholischen Kirche Polens handeln. Zur Begründung für seinen Schritt erklärte Wazny, dass es ihm "um die Wahrheit" gehe. Ohne Wahrheit seien die Liebe und die Mission der Kirche nicht möglich. Ziel müsse es sein, die Wahrheit zu erlangen, "auch wenn es sehr schmerzhaft ist, denn wir werden mit der Tatsache konfrontiert, dass bestimmte Dinge geklärt, bereinigt, gesühnt, bereut und neu begonnen werden müssen".

Laut dem Bericht ernannte Wazny eine pensionierte Staatsanwältin aus Kattowitz zur Vorsitzenden der Untersuchungskommission, auch dies sei für die Kirche in Polen eine Premiere. Zudem sollten dem Gremium auch Experten für weltliches und kirchliches Recht, für Geschichte und Archivwissenschaften, für Psychologie und Psychotherapie sowie für Kommunikation angehören.  [….]

(Katholisch, 27.06.2024)

Das hatte aber schon seine Gründe, die priesterlichen Perversionen lieber zu verschweigen, zu vertuschen und zu verleugnen. Findet zumindest ein heute 64-Jähriger Priester aus Sosnowitz, der nun die nächsten 14 Jahre im Knast sitzen wird.

Dabei hatte er „Glück“, denn die Staatsanwaltschaft hätte ihn gern für länger weggesperrt.

[….] Wegen sexuellen Missbrauchs von sieben Minderjährigen und Besitzes von Kinderpornografie ist ein Priester in Polen zu 14 Jahren Haft verurteilt worden. Die am Mittwoch vom Bezirksgericht im südpolnischen Sosnowiec verhängte Strafe ist nach Angaben der örtlichen Staatsanwaltschaft eine der härtesten, die in dem Land je in Sexualstrafverfahren gegen einen Geistlichen erging. Das Gericht sah insgesamt neun Übergriffe zwischen 2008 und 2024 als erwiesen an, berichtet die Nachrichtenagentur KNA.

Der Richter untersagte dem Priester zudem lebenslang jede berufliche oder sonstige Tätigkeit, bei der er mit Kindern zu tun hätte. Der 64-jährige Verurteilte muss den Opfern laut dem noch nicht rechtskräftigen Urteil insgesamt rund 90.000 Euro Entschädigung zahlen. Er hatte als Gemeindepfarrer gearbeitet und an Schulen Religion unterrichtet. [….] Die Staatsanwaltschaft hatte in dem Prozess nach eigenen Angaben eine noch härtere Strafe gefordert. Einzelheiten nannte sie aber nicht, weil das Gericht die Öffentlichkeit vom gesamten Verfahren ausschloss.  [….]

(Kathpress, 10.09.2026)

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