Donnerstag, 4. Februar 2021

Offener Brief an meinen Helden

Oh Sanctae Romanae Ecclesiae, Eure Eminenz Rainer Maria Kardinal Woelki, Kardinalpriester von San Giovanni Maria Vianney, Metropolit der Kirchenprovinz Köln, Erzbischof von Köln, Mitglied des „Ständigen Rats“ der Deutschen Bischofskonferenz, Vorsitzender der Kommission für Wissenschaft und Kultur, stellvertretender Vorsitzender der Kommission IV „Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste“, Mitglied der Gemeinsamen Konferenz der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, römisches Kurien-Mitglied des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, der Kongregation für den Klerus, der Güterverwaltung des Apostolischen Stuhls, der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Träger der Ehrendoktorwürde der Sophia-Universität in Tokio!

Heute sende ich Ihnen die aufrichtigsten Grüße, Glückwünsche und Gratulationen aus der katholischen Diaspora des ärmlichen Erzbistums Hamburg.

Bestürzt nehme ich immer dramatischere Presseberichte zu Kenntnis, in denen Neben den frommen Kölner Laien, aufmüpfigen Geistlichen Ihrer Erzdiözese auch undankbare Atheisten Ihren Rücktritt fordern.

Ich bin empört und bestürzt, ob dieser kurzsichtigen und anmaßenden Anliegen.

Verehrter Kardinal, Euro Eminenz, Rainer, diese Forderungen will ich hiermit empört und entsetzt zurück weisen!
Lassen Sie sich nicht beugen, hören Sie nicht auf die irrlichternden Konfessionsfreien, die sich eine weiblich-liberale scheinkatholische Welt wünschen, in der die ehernen römisch-katholischen Werte nur noch auf dem Papier existieren.

Bleiben Sie stark, geben Sie nichts auf die weltlichen Ansinnen, die von Frauenpriestertum, Schwulenehe und Abschaffung des Zölibats reden.

In Ihren 36 Jahren als Priester haben Sie sich nie verbiegen lassen. Eure Eminenz zogen eine klare Linie zwischen sexuell übergriffigen Priestern und ihren minderjährigen Opfern, Sie schützten die Ihrigen vor Polizei, Staatsanwaltschaft und finanziellen Schadensansprüchen der Opfer.

Klar, unnachgiebig und konsequent zeigen sie Haltung gegenüber der lästigen Kanzlei Westpfahl, Spilker, Wastl aus München, deren Ergebnisse bei Veröffentlichung so ein schlechtes Licht auf die Heilige Kirche werfen könnte.

Indem Sie über Wochen und Monate die Gläubigen Ihrer Kirchenprovinz durch eisernes Schweigen in die Verzweiflung trieben, drastisch gegen aufmüpfige Geistliche vorgingen, haben Sie dem Anliegen des Atheismus einen unschätzbaren Dienst erwiesen.

Wir Humanisten, Säkularen und Atheisten sind so schwach organisiert, daß unsere Interessenvertreter von IBKA, gbs, bfG oder HU in den klassischen Medien so gut wie gar nicht stattfinden. Sie werden nur alle paar Jahre einmal in Talkshows geladen und verkaufen ihre Bücher in homöopathischen Auflagen, während jedes deutsche Massenmedium über christlich engagierte Journalisten verfügt, die im Sinne der Kirche berichten.

Ihre Kirchenvertreter sitzen in Ethikräten und Rundfunkkommissionen, sie betreiben soziale Einrichtungen und werden auf Kosten des Steuerzahlers ausgebildet. Wir sind weniger als finanzielle Zwerge gegenüber der katholischen Finanzpower. Jedes deutsche Bistum verfügt über Milliarden, wir Humanisten müssen um Briefmarken betteln, dürfen noch nicht einmal einen Arbeitskreis in der SPD bilden.

Umso dankbarer sind wir für die freundliche und solidarische Unterstützung führender Kirchenvertreter.

Seit Jahrzehnten erwärmen sich Bischöfe, Erzbischöfe und Kardinäle für unsere Sache des Kirchenaustritts und geben sich viel Mühe die zahlenden Mitglieder zu vertreiben.

An dieser Stelle möchte ich Ihre heldenhaften Brüder im Amte Dyba, Krenn, Mixa, Müller, Meisner, Ratzinger, Groer, Overbeck und den völlig zu Unrecht vergessenen großen Bischof Tebartz-van Elst loben.

Insbesondere Ihr Suffraganbistum, die römisch-katholische Diözese Limburg bereitete mir als Anhänger der evolutionärem Humanismus und der radikalen Trennung zwischen Kirche und Staat in den Jahren 1982-2007 große Sorgen, da Bischof Franz Kamphaus (*1932) derartig bescheiden, ehrlich, engagiert, sozial und mutig war, daß es mir unmöglich war ihn nicht zu mögen.

Er lebte in einer kleinen Zelle des Priesterseminars, ließ eine tamilische Flüchtlingsfamilie im Bischofspalast wohnen, spendete sein gesamtes Gehalt, hatte nahezu keinen persönlichen Besitz, verzichtete auf Dienstlimousine und Fahrer, saß selbst am Steuer seines kleinen grünen Golfs I. Sein Engagement galt den Armen, den Frauen in Not.

Wer fände so einen katholischen Hirten nicht sympathisch? Als Atheist hatte man einen schweren Stand mit Kamphaus.

In seiner ganzen Weisheit ersetzte Pomp-Papst Ratzinger den bescheidenen Mann durch den legendären Franz-Peter Tebartz-van Elst, der von 2008 bis 2014 in jeder Hinsicht das diametrale Gegenteil seines Vorgängers war. Er bestand darauf nur Erster Klasse zu fliegen, ließ sich im 7ner BMW kutschieren, kleidete sich in teuerste Gewänder, führte Jahrhunderte alte hierarchische Titel wieder ein, handelte sich durch seine öffentlichen Lügen ein Strafverfahren ein, kümmerte sich keine Sekunden um seine Schäfchen, setzte eisern eine erzkonservative Linie durch und ließ sich für 35 Millionen Euro die bekannte neue Bischofsresidenz bauen, während er den Pfarreien einen harten Sparkurs aufzwang, so daß sie ihr soziales Engagement aussetzen musste.

Es war ein überwältigender Erfolg für uns Atheisten.

Im Jahr 2013 sorgte er fast im Alleingang in einigen Gegenden für eine Verdreifachung der Kirchenaustritte.

[….] Im Bistum Limburg stiegen die Austritte sogar um 80 Prozent. In Zahlen sind das 7980 ausgetretene Christen, 3527 Personen mehr als 2012. [….]

(DW, 18.07.20214)

Was für ein Erfolg!

In nur vier Jahren drängte TVE 25.000 von 600.000 Katholiken aus seinem Bistum.

[….] Insgesamt haben seit seinem Amtsantritt zum Jahresbeginn 2008 bis Ende vergangenen Jahres rund 25.000 Katholiken die Limburger Kirche verlassen. [….]

(SPON, 29.09.2013)

Sie, Sanctae Romanae Ecclesiae, Eure werte Eminenz Rainer Maria Kardinal Woelki, Kardinalpriester von San Giovanni Maria Vianney, schicken sich an uns Atheisten ein noch hilfreicherer Geist als TVE zu sein.

Ihre konsequente Eiseskälte gegenüber den Gläubigen, das verbohrte Schweigen zu den sexuellen Übergriffen und die eisenharte Weigerung persönliche Konsequenzen zu ziehen, ist das größte Geschenk, das man den Konfessionslosen machen kann.

Wir Gottlosen sind heute (Zahlen von 2019) eine relative Mehrheit in Deutschland und stellen mit 39% die größte Gruppe vor Katholiken (27%) und Evangelen (25%).

Mit Ihrer Hilfe werden wir von der relativen bald zur absoluten Mehrheit in Deutschland werden und die Christen endgültig zur Minderheit degradieren.

Sie, Woelki, leisten großartige Lobbyarbeit.

Die Katholiken fliehen nun schneller aus Ihrer Kirche, als die Gesuche bearbeitet werden können.

[….. ] In Köln gibt es vorläufig keine Termine mehr für Kirchenaustritte. Bis Ende April ist alles ausgebucht, und die Termine für Mai werden erst am 1. März wieder freigeschaltet. Pro Monat gibt es, abhängig von der Zahl der Werktage, rund tausend Onlinetermine für einen Austritt aus der katholischen oder evangelischen Kirche. […..]

(SPON, 03.02.2021)

Oh, woelkiger Oberkölner, ich bin Ihnen so dankbar. Machen Sie weiter so, lassen Sie sich nicht von ihrem eingeschlagenen Pfad abbringen!

[….] Pro Monat gibt es, abhängig von der Zahl der Werktage, rund 1000 Online-Termine für einen Austritt aus der katholischen oder evangelischen Kirche. [….] Das Erzbistum Köln befindet sich derzeit massiv in der Kritik. Kardinal Rainer Maria Woelki hält ein Gutachten zurück, das den Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs gegen katholische Priester untersucht. [….] Dieses Vorgehen Woelkis hat eine beispiellose Vertrauenskrise im größten deutschen Bistum ausgelöst. Der Kölner Stadtdechant Robert Kleine - der oberste Repräsentant der katholischen Kirche in der Stadt Köln - sagte, er könne derzeit niemandem einen Austritt aus der Kirche verdenken. [….]

(NTV, 03.02.2021)

Bitte, Eure Eminenz, räumen Sie niemals Fehler ein. Das wollen diese liberalen Scheinchristen doch nur. Sie dürfen jetzt keinen Millimeter nachgeben, sonst haben Sie am Ende Frauen auf den Kanzeln, Kondomautomaten am Dom und womöglich gar schwule Priester.

So verbleibe ich alleruntertänigst, allergehorsamst, demütig, dienstwillig, dienstergeben übrigens bis in die Grube zu dero allerhöchsten erzbischöflichen Füßen, in dero kardinalen Hulden zu ersterben erseufze.

Mittwoch, 3. Februar 2021

Die Russen!

Als Wladimir Putin 2001 im Bundestag auf Deutsch sprach, war das angesichts auch seines persönlichen Schicksals eine ganz große, bewegende Geste.

Die Chirac-Putin-Schröder-Entente war vielversprechend und weltpolitisch effektiv. Es ist ein Jammer, wie nach 2005 russophobe Vorurteile überhandnahmen, wie Merkel (und noch viel extremer Gauck) ihre persönlichen Abneigungen auf Putin projizierten, wie kurzsichtig und unerbittliche sich Nato und EU als Sieger aufführten, Putins ausgestreckte Hand ausschlugen und Russland immer weiter auf die Pelle rückten. Es ist ein Elend, wie plump „Russland, Putin und Moskau“ gleichgesetzt werden und jeder, der die Beweggründe russischer Politik abschätzig als „Russlandversteher“ beschimpft wird.

Ich habe die Gründe für Gerd Schröders Nordstream-Engagement immer wieder dargelegt. Ich verstehe, wieso sich Moskau von Europa abwendete, wieso man der Nato misstraute und weshalb Putin seinen innenpolitischen Kurs sehr stark veränderte; immer autoritärer wurde.

Deswegen finde ich es umso richtiger, daß ein ehemaliger deutscher Kanzler Kontakt hält und abseits der glühenden diplomatischen Kanäle eingebunden ist.

Und ja, er konnte als Kanzler auf Beckmanns berühmte LUPENREIN-Frage gar nicht anders antworten.

So nachvollziehbar ich Putins Wandlungen seit Schröder Abwahl 2005 auch finde; inzwischen kann ich seine autokratischen Verhaltensweisen gegenüber der Presse und Opposition natürlich längst nicht mehr rechtfertigen und ärgere mich die Pest darüber, daß der Mann, auf den ich vor 20 Jahren mal große Hoffnungen setzte, inzwischen zum Idol von Trump und AfD geworden ist und als Finanzier europäischer Rechtsradikaler auftrumpft.

Ich denke, Putin ist kein in der Wolle gefärbter Rechtsradikaler. Er unterstützt den französischen Front National, den Brexit und Trumps Wahl, weil er weiß, daß damit Frankreich, England und die USA geschwächt werden. Das hilft Russland außenpolitisch. Der Mann ist Stratege und kein Ideologe.

Ein weiterer großer Nachteil der Putin-Metamorphose vom Hoffnungsträger der Post-Besoffski-Jelzin-Zeit, als Oligarchen raubend Russlands Ökonomie an sich rafften, zur Masturbationsvorlage Donald Trumps, liegt in der Image-Katastrophe.

Alles was aus Russland kommt, gilt in Europa inzwischen als schlecht.

Russische Sportler dopen, russische Politiker lügen, russische Künstler haben keinen Geschmack, russische Wissenschaftler sind rückständig.

Es ist wieder wie zu Sowjetzeiten: Wir fürchten die Russen und trauen ihnen nicht.

Diese Borniertheit schadet uns gelegentlich selbst am meisten.

(….) Bevor man sich über die radikal verblödeten Amerikaner echauffiert sollte man kurz innehalten und an die grandiose Amtszeit des Verteidigungsministers Scharping von 1998 bis 2002 denken.

 Die Panavia 200 Tornado waren nun ein Viertel Jahrhundert alt, fielen immer öfter vom Himmel und es war ob der zunehmenden internationalen Rolle der Bundeswehr wahrscheinlicher denn je, daß man funktionierende Kampfjets benötigen wird.

Da tauchte ein verrückter Gedanke auf: Die Beziehungen zu Russland waren so gut wie nie, Putin rückte so nah an westeuropäische Werte und die EU heran wie nie, hatte aber mit enormen ökonomischen Problemen zu kämpfen.

Und Russland verfügte über eine Wunderwaffe, die Mig 29, Mikojan-Gurewitsch 29, die vermutlich genialste Kampfjet-Konstruktion aller Zeiten. Ein absolut zuverlässiger Flieger, der den ollen Tornados haushoch überlegen war.

[….] Von diesem wendigen und in dieser Hinsicht vielen westlichen Kampfflugzeugen überlegenen Flugzeug – so kann die MiG-29 kurzzeitig auf ihrem eigenen Schubstrahl stehen (so genanntes Kobramanöver) – wurde eine große Anzahl von Varianten gebaut und erprobt. Die Tragflächenkonstruktion mit breiter Flügelwurzel bringt einen großen Teil des Auftriebs durch den Rumpfansatz, was die Langsamflugeigenschaften verbessert. Typisch für die MiG-29 sind die großen Klappen, die die Luftansaugschächte der Triebwerke am Boden abdecken, um ein Eindringen von Fremdkörpern zu vermeiden. Beim Start saugen die Triebwerke Luft über Lamellenschächte auf der Rumpfoberseite an. Am Heck befinden sich die Luftbremse sowie ein Bremsschirm.   Die Maschine besitzt einen 16-Bit-Bordcomputer, einen Frontscheibenprojektor (HUD) zuzüglich eines Monitors, eine bordeigene Fehlererkennung (Aekran) und zwei Sensorsysteme. Mit dem Radar können Luftziele (Reichweite 70 km) erfasst werden und mit dem Infrarotzielsystem/Laserentfernungsmesser (Reichweite 7 km, Laserklasse 3 in Deutschland) die Infrarotziele. Bemerkenswert ist auch eine Helmvisieranlage, die es dem Piloten erlaubt, per Kopfbewegung ein Ziel anzuvisieren. Die Zielsuchköpfe der Raketen erhalten dann automatisch die Zielparameter. Dieses Gerät sollte sie gegenüber der sehr wendigen F-16 im Luftnahkampf überlegen machen. [….]

(Wikipedia Mikojan-Gurewitsch)

Und Russland war bereit nagelneue Migs an die Bundeswehr zu liefern.

Die hätte es für einen Spotpreis gegeben.  Neun Millionen D-Mark Stückpreis waren im Gespräch. Das hätte nur Vorteile gehabt. Eine radikale Kostenersparnis, das technische Knowhow war bereits vorhanden, da die NVA mit Migs trainiert hatte, die Maschine war technisch ausgereift und hätte in Rekordzeit geliefert werden können, so daß die Bundeswehr sehr schnell international führend gewesen wäre. Noch wichtiger wäre aber die politische Bedeutung gewesen. Eine Europäische-Russische Militärzusammenarbeit hätte womöglich für immer die gegenseitigen Vorbehalte beseitigt und zu einem versöhnlichen Miteinander der ehemaligen NATO und der ehemaligen Warschauer Pakt-Staaten geführt.

Außerdem hätte es ein sehr starkes Signal an die übernommenen Soldaten der Nationalen Volksarmee bedeutet und das Zusammenwachsen von Ost- und Westdeutschen gefördert, wenn in so einer wichtigen Angelegenheit einmal zu Gunsten eines „Ost-Produkts“ der Westen zurück gesteckt hätte.

 Die Anschaffung von Migs für die Bundeswehr wäre eine Win-win-wi-win-win-win-win-Angelegenheit gewesen, ein so genialer Schachzug, daß Scharping nur eins tun konnte: Er entschied sich dagegen, setzte lieber auf die Entwicklung eines europäisches Ersatzes.

Eurofighter sollte das neue Gemeinschaftsprodukt heißen.

Die Dinger kosten etwa 100 Millionen Euro pro Stück – dafür bekäme man 22 Mig29 – sind aber leistungsschwächer und dafür extra unzuverlässig.

Die Bundeswehr schaffte 140 Eurofighter Typhoon an, die aber so unfassbar teuer im Unterhalt und technisch so anfällig sind, daß gegenwärtig genau vier Stück einsatzfähig sind.

[….] Die Bundeswehr hat nach einem Bericht massive Probleme mit der Einsatzbereitschaft ihrer Kampfjets vom Typ „Eurofighter“. Wegen technischer Schwierigkeiten beim Selbstschutzsystem seien nur rund zehn Flugzeuge von 182 für echte Einsätze startklar. Weil die Luftwaffe nur über einen sehr kleinen Vorrat an Luftkampfraketen für den „Eurofighter“ verfüge, könnten derzeit sogar nur vier Eurofighter für reale Missionen eingesetzt werden, berichtet die Zeitschrift „Spiegel“ unter Berufung auf interne Berechnungen der Luftwaffe. Außerdem sei die Bewaffnung nicht schnell nach kaufbar. [….]

(FAZ, 02.05.2018)

Man kann nur staunen zu welchem Irrsinn Nationalstolz führt. (…..)

(Wir sind doch keine Komikernation! 31.01.2019)

In der Pandemie, als es um Leben und Tod ging, handelten EU und Deutschland genauso überheblich wie damals Rudolf Scharping.

Als der russische Präsident stolz lange vor allen anderen Nationen, nämlich im August 2020 erklärte, mit Sputnik V einen wirksamen Impfstoff gegen Corona entwickelt zu haben, nahm ihn kein einziger westlicher Journalist und kein einziger Regierungschef ernst. Russen lügen bekanntlich und schon allein die Tatsache, daß Sputnik ein halbes Jahr vor den größten und mächtigsten westlichen Pharmakonzernen entwickelt worden sein sollte, war Beweis genug: Das Zeug taugt nichts. Damit impfen wir keinen Europäer.

Wir waren dann umso stolzer, als mit Biontech am 21. Dezember 2020 ausgerechnet ein deutsches Unternehmen die erste Zulassung für ein Covid-Vakzin erhielt.

Daß ein Dosis 20 bis 40 Dollar kostet, schert uns nicht. Ebenso wenig wie die Hunderttausenden Covid-Toten seit August 2020.

Inzwischen wissen wir, daß Wladimir Putin nicht gelogen hatte.

[……] Der russische Impfstoff Sputnik V hat laut einer Studie im Fachblatt "The Lancet" eine Wirksamkeit von 91,6 Prozent. Das ergaben Testergebnisse mit 20.000 Freiwilligen. Der Wert wäre ein ähnlicher, wie ihn die Vakzine von Moderna und BioNTech/Pfizer aufweisen. […..]

(Tagesschau, 02.02.2021)

Wer hätte das gedacht, die Nation, die als erste im Weltraum war, die besten Flugzeuge der Welt konstruiert, besteht doch nicht nur aus Idioten?

Ohne unsere verdammten russophoben Vorurteile, hätten wir längst mit Putin zusammen Impfpläne entwickelt.

Dann hätten wir schon vor Monaten einen potenten Impfstoff bekommen, der auch noch billiger als die von Moderne und Biontech sind.

Dienstag, 2. Februar 2021

Jammerige Kirchisten

Vielleicht ist es nur ein subjektiver Eindruck, aber meines Erachtens melden sich seit einigen Wochen deutlich mehr Berufskatholiken mit grundsätzlicher Kritik an ihrer eigenen Führung zu Wort.

In den letzten drei Jahrzehnten waren es hingegen nur vereinzelte Laiengruppen – die HUK, Kirchenvolksbegehren, Donum Vitae, Wir sind Kirche – die zwar offensichtlich mit einigen RKK-Strukturen haderten, aber letztlich immer ihren Bischöfen gehorchten.

Katholische Theologieprofessoren und/oder Geistliche, die sich kritisch zu ihren Kirchenfürsten äußerten gab es weltweit nur in homöopathischen Dosen.

Die Toptheologen Eugen Drewermann, Hans Küng, Uta Ranke-Heinemann und Gotthold Hasenhüttl wurden alle radikal entfernt, als sie es wagten leise zu widersprechen.

Wie sich der Vatikan gegen Wissenschaftler durchsetzt, wissen wir seit der Inquisition. Besonders rabiat ging in den 1980er Jahren der heilige und hochverehrte Papst JP-II vor.

(…..) Innerkirchlich wußte Johannes Paul II. sich durchzusetzen.  Er liebte die ganz politisch ganz konservative Linie. Seine Bischöfe hatten vorzugsweise an der Seite von rechtsgerichteten faschistischen Diktatoren zu stehen, deren Todesschwadronen Arme und Widerständler myriadenfach umbrachten.   Theologen, Priester, Ordensleute und Bischöfe, die sich auf die Seite der Schwachen, Hungernden und Verfolgten stellten, ahndete der bald Heilige Papst mit inquisitorischer Konsequenz.

Tissa Balasuriya (Sri Lanka), Oscar Romero, Leonardo Boff (Brasilien), György Bulányi (Ungarn), Edward Schillebeeckx (Belgien), Bischof Jacques Gaillot (Frankreich) und Erzbischof Raymond Hunthausen (USA) erlebten es mundtot gemacht zu werden, weil sie sich für soziale Schwache und Kranke eingesetzt hatten.

Sehr herzlich begegnete der Papst allerdings 1987 in Chile General Augusto Pinochet, der massenhaft Menschen foltern, umbringen oder einfach „verschwinden“ ließ.   Die gesamte „Befreiungstheologie“ Südamerikas, die sich gegen die mordlüsternen Militärregime auflehnte; zerschlug Wojtyła. (….)

(Hat Papst Franz das Format NEIN zu sagen? 13.06.2013)

Es war die Kirchenbasis selbst, die den ausgesprochenen Kinderfi**er- und Faschistenfreund Wojtyła schon in der Stunde seines Todes mit „Santo Subito“-Chören in absoluter Rekordgeschwindigkeit selig- und heiligsprechen ließ.

Der Vatikan muss sich also nicht vor innerkirchlichen Kritikern fürchten.

Die Lauten sind wenige, die Laien ohnehin machtlos.

Problematisch sind noch nicht einmal die leisten Kirchenkritiker, die ohne großes Spektakel austreten.

Es gibt nur in den westlichen Industriestaaten signifikante Austrittszahlen, die aber durch die Eintritte in Asien, Afrika und Südamerika deutlich überkompensiert werden.

Afrikanische Katholiken sind ähnlich wie Diaspora-Gläubige in Indien oder Korea ohnehin angenehmer für Rom, weil sie konservativer und obrigkeitshöriger sind.

Aus Nigeria und Ghana bekommt Papst Franz keine Forderungen nach Frauenpriestertum und Homoehe.

Italien, Deutschland, Frankreich und die USA fungieren für den Vatikan nicht als Mitgliederreservoir, sondern als Gelddruckmaschinen.

Kirchenfreundliche Journalisten beklagen wie sehr die Kirche unter Priesternachwuchs leide. Immer mehr Pfarren verwaisen, weil in einer säkularisierten und aufgeklärten Gesellschaft kaum noch einer ins Priesterseminar geht.

Ich bezweifele, daß der Schmerz über den Priestermangel wirklich so groß ist. Wenn es so wäre, könnte Rom es den Angelikanern gleich tun und an den Schrauben Zölibat, Frauenpriestertum oder Schwulenverbot drehen.

Aber so sehr brennt es scheinbar noch nicht unter den Nägeln.

Über die Jahrhunderte vermochte es die europäische RKK sich so erfolgreich mit den Reichsten und Mächtigsten zu verbandeln, daß trotz der Rekord-Austrittszahlen auch die Kirchensteuer und Staatsdotationen in Rekordhöhe fließen.

Nachdem Notre Dame abbrannte dauerte es nur Tage, bis Laien und der Staat Zusagen in Höhe von 500 Millionen Euro zum Wiederaufbau gaben. Nie kam die Billionärin RKK in die Verlegenheit von ihren eigenen Milliarden und Millionen Geld auszugeben.

Was kümmern einen Kurialen schon 200.000 Kirchenaustritte in Deutschland, solange er in seiner 800-Quadratmeter Palastwohnung logiert und 70% der römischen Immobilien der Kirche gehören?

Die Strukturen werden auch die Geistlichen des Großbistums Köln nicht ändern, auch wenn sie derzeit deutlich vernehmbar über ihren Chef Woelki motzen.

[…..] Der Rückhalt für den in die Kritik geratenen Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki schwindet weiter. Nachdem sich zuletzt der Diözesanrat, der die praktizierenden Katholiken in den Gemeinden des Bistums vertritt, gegen Woelki gestellt hatte, geht nun erstmals ein ranghoher Geistlicher auf Distanz zum Kardinal. Die Gläubigen würden »mürbe gemacht« und ein Stück weit in Mithaftung für das Verhalten der Bistumsleitung im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal genommen, sagte Stadtdechant Robert Kleine dem »Kölner Stadt-Anzeiger«. Einen Kirchenaustritt könne er derzeit niemandem verdenken. Kleine vertritt die katholische Kirche in der Stadt Köln. […..]

(SPON, 02.02.2021)

Empathisch und wohlwollend berichtet die SZ heute über das Thema Nonnen, die sich als Frauen in der RKK diskriminiert fühlen.

Küche und Kinder reichen doch – wissen die Kardinäle – was wollen die Weiber denn noch alles?

 […..] Mit einem Schwerpunktjahr zu Ehe und Familie will der Kölner Kardinal Joachim Meisner Paare zum Heiraten und Kinderkriegen ermutigen. «Es gibt für Kirche und Gesellschaft im Augenblick kein wichtigeres Thema als Ehe und Familie», sagte Meisner. […..]   In einem dpa-Gespräch regte der 73-Jährige die Anerkennung von Müttern als Berufstätige an. «Das müsste in der Gesellschaft ein anerkannter Beruf sein, der sich auch in der Alters- und Krankenversicherung niederschlägt. Dann bekommt es auch in der Öffentlichkeit eine ganz andere Akzeptanz, Mutter zu sein.» […..] Dabei gibt es seiner Ansicht nach keine größere Form von Selbstverwirklichung, als Kinder zu haben. «Da sieht eine Mutter dann: "Ach, der hat meine Nase."» Neulich habe er einmal 76 Kinder aus sieben Ehen bei sich zu Gast gehabt - das sei ein tolles Erlebnis gewesen. […..]

(MoPo, 04.01.2007)

Eine Nonne sollte sich nicht wundern über Herrn Meisner.

Die minderwertige Rolle der Frau gehört zur DNA des Katholizismus.

(…..) Die Ansichten der bedeutendsten christlichen Kirchenlehrer sprechen eindeutig nicht dafür, daß Weibsbilder Führungsrollen übernehmen sollten.

"...der Gang, wie sich die göttliche Lehre verbreitet: Von Gott zu Christus, von Christus in den Mann und von diesem in das Weib hinab. Umgekehrt verbreitet sich die teuflische Lehre: Sie kommt zuerst in das Weib, denn dies besitzt weniger Unterscheidungsvermögen."
(Alexander von Hales, 1185-1245, Lehrer des Thomas von Aquin)

"Das Weib ist ein minderwertiges Wesen, das von Gott nicht nach seinem Ebenbilde geschaffen wurde. Es entspricht der natürlichen Ordnung, daß die Frauen den Männern dienen."

(Kirchenvater Augustinus, hl., 354-430)

"...wer mag alle leichtfertigen und abergläubischen Dinge erzählen, welche die Weiber treiben...es ist ihnen von der Mutter Eva angeboren, daß sie sich äffen und trügen lassen."
(Martin Luther)

"Der wesentliche Wert der Frau liegt in ihrer Gebärfähigkeit und in ihrem hauswirtschaftlichen Nutzen. Die Frau ist ein Mißgriff der Natur... mit ihrem Feuchtigkeits-Überschuß und ihrer Untertemperatur körperlich und geistig minderwertiger...eine Art verstümmelter, verfehlter, mißlungener Mann...die volle Verwirklichung der menschlichen Art ist nur der Mann."
(Thomas von Aquin, hl., Kirchenlehrer, 1225-1274)

Offensichtlich ist das „Christliche Menschenbild“ soweit eindeutig.

Jesus preist die Sklaverei, fordert von den Sklaven sich unterzuordnen und die RKK lässt bis heute Frauen wegen ihrer Minderwertigkeit nicht das geringste geistliche Amt übernehmen. (….)

(Warum man Weihnachte nicht in die Kirche gehen sollte, 18.12.2017)

Über die Überschrift „Hadern mit der Männerkirche“, die ich heute in der Süddeutschen Zeitung fand, kann ich nur lachen.

Schwester Philippa Rath, die nach 29 Jahren als Benediktinerin der Abtei Sankt Hildegard in Rüdesheim am Rhein, 2019 vom Bundespräsidenten das Bundesverdienstkreuz verliehen bekam, ist also im Jahr 2020 aufgegangen, daß Frauen irgendwie in der RKK nicht ganz so wichtig sind wie Männer?

Was für eine Blitzmerkerin!
Ich schlage sie ob dieser Erkenntnis für das Große Verdienstkreuz
 mit Stern und Schulterband in besonderer Ausführung mit Adler handgestickt am Schulterband und Bruststern links vor.

[…..] Es begann mit einem Satz, achtlos hingeworfen in der Kaffeepause. "Es gibt doch eigentlich kaum Frauen, die zum Priestertum berufen sind." Es war ein katholischer Bischof, der das gesagt haben soll, am Rande der ersten Versammlung des katholischen Reformprozesses "Synodaler Weg" im Januar 2020 in Frankfurt. Welcher, das verrät Schwester Philippa Rath nicht, als sie von der Begegnung erzählt. "Ich wollte nicht in der Kaffeepause einen Konflikt mit einem der Bischöfe beginnen", berichtet die Benediktinerin der Abtei Sankt Hildegard in Rüdesheim am Rhein. "Aber mich hat das innerlich sehr bewegt."    So sehr, dass sich die Ordensfrau danach an ihren Computer setzte und eine Mail verfasste. […..] Die Resonanz war überwältigend. Die Mail verbreitete sich von den zwölf Angeschriebenen weiter und weiter, immer mehr Frauen meldeten sich, das Postfach quoll über. Eigentlich wollte Schwester Philippa nur einige persönliche Berichte sammeln, um sie im Synodalforum "Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche" vorzutragen, in dem sie Mitglied ist. Doch binnen fünf Wochen hatte die 65-jährige Benediktinerin mehr als 150 Antworten erhalten, von Frauen aus vier Generationen, zwischen 19 und 94, aus ganz Deutschland. Ihre Stimmen sind in einem Buch versammelt, "Weil Gott es so will", heißt es trotzig, es ist an diesem Montag im Herder-Verlag erschienen.   […..] Monika Berwanger erinnert sich bis heute an ihre Erstkommunion. "Schade, dass Du ein Mädchen bist. Ich könnte Dich so nötig zum Ministrieren brauchen", sagt der Priester nach der Feier zu ihr. " Als Mädchen kannst Du halt nur die Kirche putzen." […..]

(Annette Zoch, 01.02.2021)

Philippa Rath hat 30 Jahre ihres Berufslebens damit verbracht die frauenfeindlichste Organisation der Welt zu stärken.

Nun plötzlich zu entdecken, daß Frauenpriestertum in Rom nicht gern gesehen wird, ist ähnlich schlau wie der Versuch sich in einer Schlachterei vegetarisch zu ernähren.

Wenn sie ihren Feminismus ernst meint, sollte sie ganz schnell das katholische Kloster verlassen.

Montag, 1. Februar 2021

Impudenz des Monats Januar 2021

Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren.

Gekürt werden dieses mal die Herdenimmunitäts-Lockerer, die nach 2,3 Millionen Covid19-Toten, 454.000 Toten in den USA, 107.000 Toten in England, 59.000 Toten in Deutschland und 12.000 Toten in Schweden, immer noch meinen, man solle diese Pandemie lieber wie eine Grippe geschehen lassen.

 

Der Frust über das offensichtliche Versagen im deutschen Corona-Management tut sein Übriges.

Es sollten sich nur möglichst bald alle Kinder und gesunden Erwachsenen anstecken, um zu einer Herdenimmunität zu kommen.

Covid19 ist aber keine Grippe.

Bei einer Grippe liegt man nicht über viele Monate auf Intensivstationen an der Beatmungsmaschine, leidet an schweren langfristigen Folgen, weil alle Organe anfangen zu versagen.

Die 59.000 deutschen Covid19-Toten lassen sich auch deswegen nicht mit Grippe-Toten vergleichen, weil die umhergeisternden Todeszahlen für Grippe – 20.000 im Jahr? 25.000 im Jahr? – reine Schätzungen. Sie beruhen auf Hochrechnungen und sind nicht verifizierbar.

Die politischen Protagonisten des Herdenimmunitäts-Konzepts gehen ganz selbstverständlich davon aus, daß einmal Infizierte anschließend immun sind, niemand mehr anstecken, nicht erneut erkranken und daß Sars CoV2 immer gleich bleibt. All das ist aber fraglich und letzteres definitiv falsch.

Das Wunderkonzept „Herdenimmunität“ wurde bis vor wenigen Monaten in London und Stockholm probiert – mit fatalen Folgen.

Schweden ist kein guter Vergleich zu den Hauptbetroffenen, daß die Bevölkerungsdichte dort so gering ist und sich die Menschen automatisch weniger begegnen.

In England leben 274 Menschen pro Quadratkilometer, in den Niederlanden 504, Deutschland 235, Italien 203 und in Schweden sind es 25.

Betrachtet man die Todesfälle in Relation mit der Bevölkerung ist England mit 1.565 Toten pro eine Million auf Platz Drei der Flächenstaaten in der Welt, USA liegt auf Platz 8, Schweden auf Platz 21, Niederlande Platz 37, Deutschland Platz 41.

Wir alle haben schon so viel über Corona, die Infektionsverläufe und die verschiedenen Schutzstrategien gelernt, aber dennoch bleiben einige Unklarheiten. Gibt es bei Corona eine „sterilisierende Immunität“, kommt es zu Re-Infektionen, kann man Sars CoV2 wie Sars CoV1 vor 15 Jahren ausrotten? Werden wir jemals ohne Masken und Anstandsregeln leben können?

Dr. rer. nat. Mai Thi Nguyen-Kim, aka maiLab, erklärt diese Fragen viel besser als ich, daher empfehle ich dringend dieses Video anzusehen.

So viel kann ich verraten: Es wird nicht so kommen, daß durch die Impfungen bald alle immun sind und wir das Thema Pandemie hinter uns lassen können.

Die herdenimmunitäts-Gläubigen müssen ganz tapfer sein, wenn sie einen Blick nach Brasilien richten. In der brasilianischen Zweimillionenstadt Manaus wütete das Virus besonders stark. Über 100 Menschen starben pro Tag, vor den Krankenhäusern mussten Kühlcontainer für all die Leichen aufgestellt werden. Sieben Monate ging das so, bis sich das Infektionsgeschehen abflachte. Eine Studie mit Blutspendern hatte ergeben, daß sich mindestens 76% der Menschen in Manaus mit Sars CoV2 angesteckt hatte, ergo: Herdenimmunität. Zu einem sehr hohen Preis. Aber nun hätte man es wenigstens hinter sich, frohlockte man.

Im Dezember 2020 kam die Zweite Welle.

[….] Seit Wochen diskutieren Expertinnen und Experten über mögliche Gründe, warum es nun doch zu einem neuen, heftigen Ausbruch kommen konnte. Vergangene Woche hat eine Forschergruppe aus Brasilien, England und den USA einen Kommentar mit vier Erklärungsansätzen im Fachmagazin »The Lancet« veröffentlicht.

Ihre Überlegungen im Überblick:

1. Es wurde doch keine Herdenimmunität erreicht [….]

2. Die Immunität durch die erste Welle schwindet bereits   [….] Klar ist, dass sich Menschen schon wenige Wochen nach einer durchgemachten Infektion noch mal mit Sars-CoV-2 anstecken können. [….]

3. Das Virus hat sich so stark verändert, dass die Immunität leidet  [….]

4. Die neue Virusvariante ist deutlich ansteckender. [….]

(Irene Berres, SPON, 01.02.2021)

Sonntag, 31. Januar 2021

Im Wahljahr

Baden Württemberg und Rheinland-Pfalz wählen am 14.03.21 einen neuen Landtag. Sachsen-Anhalt wählt im Juni 2021, es folgen Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Berlin, sowie der Bund im September 2021.

Es ist ein echtes Superwahljahr, das nach 16 Jahren Dauer-Merkelherrschaft mutmaßlich auch mit einem neuen Kanzler endet.

Die SPD weiß immerhin genau wie man es schafft gegen diese CDU Wahlen zu verlieren.

1)   Nach dem spektakulären schwarzgelben Chaos 2009-2013, als sich Union und FDP auf der Regierungsbank gegenseitig als „Gurkentruppe“ und „Wildsäue“ anpöbelten, der SPIEGEL verzweifelt „AUFHÖREN!“ titelte, kein einziges Wahlversprechen umgesetzt und dafür die konservativen Essentials Wehrpflicht und Atomkraft geschliffen wurde, setzte die SPD von 2013 bis 2017 mit geräuschloser Effektivität dagegen. Vorbildlich effektiv wurde nicht nur ein sozialdemokratisch dominierender Koalitionsvertrag geschlossen, sondern die SPD-Minister setzen in der Merkel-GroKo-II auch alle Punkte mustergültig um. Immer wieder konnte man die beeindruckenden „Versprochen-Gehalten“-Listen nachsehen, während die Unionsminister gar nichts vorweisen konnten. Am Ende verlor die SPD die Wahl haushoch.

2)   Nachdem mit Schröder 2005, Steinmeier 2009 und Steinbrück 2013 jeweils die beliebtesten, bekanntesten und erfahrensten Bundespolitiker gegen Merkel verloren, setzte man 2017 auf den Außenseiter Schulz aus Brüssel. Jeder mochte „den Martin“, der noch nicht einmal Abitur hatte, konnte sich mit ihm identifizieren. Die perfekte Wahl für einen Kanzlerkandidaten, wenn die Groko historisch unbeliebt ist, der rechte Rand immer stärker wird und ein Groll auf alle Bundespolitiker herrscht. Schulz kam aus kleinen Verhältnissen und hatte meine Regierungsaltlasten. Die Basis war Feuer und Flamme; er wurde mit noch nie dagewesenen 100% zum Kanzlerkandidaten geweiht. Ein Ergebnis, das auch Honecker oder Breschnew nie erreichten. Am Ende verlor die SPD die Wahl haushoch.

3)   2017/2018 war aus voller Überzeugung klar: Raus aus der Groko. Tabula Rasa beim SPD-Personal. Erst als sich Habeck, Seehofer und Lindner spektakulär verkrachten, einen großen Gridlock produzierten, Deutschland unregierbar erschien, ließ sich die SPD bei ihrer staatspolitischen Verantwortung packen. Es gab keine andere Möglichkeit der Regierungsbildung mehr. Dennoch ließ sich die SPD, um bloß nicht den Eindruck zu erwecken auf Posten zu schielen, jeden Schritt von der Basis bestätigen. Die SPD-Mitglieder sagten mehrheitlich Ja zur Merkel-GroKo-III und suchten ebenfalls per Mitgliederentscheid ihr Außenseiter-Vorsitzenden-Paar aus, welches über jeden Verdacht erhaben ist, zum Parteiestablishment zu gehören oder auf Seeheimer-Kurs zu liegen. Wieder sind es die SPD-Minister, die nahezu allein die Bundesregierung stützen. Olaf Scholz ist derjenige, der in der Pandemie-Megakrise die Dinge am Laufen hält, während auf Unionsseite radikale Arbeitsverweigerung (Seehofer, Karliczek), totale Überforderung (Klöckner, AKK, Altmaier) oder absolutes Chaos (Scheuer, Spahn) herrschen. (Ja, es gibt noch die Staatsministerin Bär, sowie die Minister Müller und Braun, aber die finden ohnehin nicht statt.) Im Wahljahr liegen CDU und CSU wie zementiert haushoch vor der SPD.

 Es ist grotesk; während im linken, liberalen und seriösen Lager allgemein befürchtet wird, die SPD habe ihre staatspolitische Verantwortung derartig übertrieben, wäre so staatstragend und seriös, daß man dahinter gar keine Arbeiterpartei mehr erkennen könne, wagen es freche Unions-Wadenbeißer ausgerechnet dem dreifachen Merkel-Juniorpartner SPD, der 2/3 seiner Mitglieder und Wähler für funktionierende Regierungen geopfert hat, vorzuwerfen nicht verantwortungsvoll genug zu sein. SPD-Politiker hatten es nämlich gewagt die Corona-Politik zu kritisieren.

[…..] Zuletzt setzte Paul Ziemiak zum Konter an. Wer »billige Wahlkampfmanöver und Stimmungsmache betreibt«, ließ der CDU-Generalsekretär den Koalitionspartner wissen, »zeigt ja selbst zuallererst, dass ihm das ­Verantwortungsbewusstsein und die Haltung fehlen, um dieses Land gut regieren zu können«. […..]

(Kevin Hagen und Christian Teevs, 31.01.2021)

Bekanntlich scheißt die SPD in jede Hose, die man ihr hinhält (Hildebrandt) und läßt sich genau wie die US-Demokraten immer wieder von der Rechten ins Bockshorn jagen, wenn man andeutet, sie wäre nicht ausreichend nationalistisch oder Militär-freundlich. Sie wäre zu unseriös für die „harten Themen“ wie Finanzen oder Wirtschaft.

Keiner versteht wieso Linksliberale hüben wie drüben immer noch brav über dieses Stöckchen springen, obwohl es zweifellos immer wieder die konservativen Regierungen sind, die Schulden anhäufen und ökonomische Krisen auslösen.

Dabei ist auch der Pandemie-Befund klar: Deutschland ist zum Schlußlicht der Corona-Politik geworden, weist Rekordtodesraten wie in den USA auf.

Deutschland impft viel weniger als die anderen europäischen Nationen.

Deutschland bekommt weniger Impfstoff.

Deutschlands Gesundheitsminister hat bei der FFP-Maskenbeschaffung vollkommen versagt.

Deutschlands Wirtschaftsminister hat es im Februar 21 noch nicht geschafft die von Scholz bereitgestellten Novemberhilfen auszuzahlen.

Die deutsche EU-Kommissionschefin hat katastrophal schlecht bei der Impfstoffbestellung verhandelt.

[…..] Die Langsamkeit mit der in der EU, aber eben auch in Deutschland geimpft wird, der augenblickliche Mangel an Impfstoff, das alles wächst sich für EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen, aber auch für Gesundheitsminister Jens Spahn zur veritablen politischen Pleite aus. Sie werden vor allem angeguckt und gelten schon jetzt als die Hauptverantwortlichen für das Durcheinander. Frei nach Schiller: »Da rast der See und will sein Opfer.« […..]

(Roland Nelles, 29.01.2021)

Deutschlands Regierungschefin ist das Corona-Management völlig entglitten.

Deutschlands Gesundheitsminister hat es geschafft den ohnehin knappen Biontech-Impfstoff noch weiter zu verknappen, indem jetzt weniger Einheiten geliefert werden, weil theoretisch sechs statt fünf Impfdosen aus einer Einheit gewonnen werden könnten, aber er vergaß dafür die entsprechenden Spritzen zu bestellen, so daß nun 20% des Impfstoffs verloren gehen.

Das Lowy Institute Sydney verfasste eine internationale Studie zur „Covid-Performance“ von 98 Regierungen und verglich verschiedenste Aspekte.

 

Weit abgeschlagen hinter Kenia, Madagaskar, dem Kongo, Griechenland, Tunesien, Schweden, Dänemark, ...., Togo, Lettland und Uruguay, findet man Deutschland auf Platz 55.

 


Es ist mehr als offensichtlich; die von den SPD-Ministern verantworteten sozialen und finanziellen Maßnahmen funktionieren. Die Hauptverantwortlichen des deutschen Corona-Desasters haben allesamt ein C-Parteibuch:
Von der Leyen, Merkel, Altmaier, Seehofer, Spahn.

Wir erleben nicht nur ein deutsches Corona-Versagen, sondern insbesondere ein CDUCSU-Versagen. Die C-Minister debakulieren im Bund, in der EU, aber auch in den C-regierten Bundesländern gibt es die schlimmsten Corona-Todeszahlen: Sachsen, Bayern, NRW.

Die SPD wäre mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn sie angesichts dieser Trennung zwischen guter und schlechter Corona-Performance so klar entlang der Parteilinien, im Superwahljahr nicht die CDUCSU angriffe.

Insbesondere nach dem Erfahrungen wie kontraproduktiv sich Zahmheit und Seriosität bei den letzten Bundestagswahlen für die Sozialdemokraten auswirkten.

Also, immer feste druff.

Berlins SPD-Bürgermeister schrieb einen geharnischten Brief wegen des offensichtlichen Spahnschen Impfchaos‘ in Deutschland; andere SPD-Größen legen nach.

[…..]   Frontalattacke der SPD

Nun stehen Müller und seine Sozialdemokraten mit dem Ruf nach einem besseren Überblick im Impfchaos gar nicht allein da. Auch beim Koalitionspartner im Bund, der Union, sieht man durchaus die Notwendigkeit.    Doch in Müllers Brief geht es natürlich zuvorderst um etwas anderes. Das Schreiben an die Kanzlerin ist eine Kampfansage.  Der Mangel an Impfstoff überlagert seit Wochen schon die Debatten in Berlin. Am Montag will Merkel mit mehreren Fachministern, den Regierungschefs der Länder, Vertretern der Impfstoffhersteller und der EU-Kommission beraten, wie es weitergehen soll. […..]

(Kevin Hagen und Christian Teevs, 31.01.2021)

Samstag, 30. Januar 2021

Komplizenschaft

Die meisten Wahlbezirke für den US-Kongress sind durch Gerrymandering so zugeschnitten, daß die Amtsinhaber ohnehin immer wiedergewählt werden.

Eine der vielen Schwachstellen im US-Wahlsystem. Wenn das Ergebnis vor Ort ohnehin feststeht, hat man gar nicht erst Lust sich ins Wahllokal zu schleppen. Das Mehrheitswahlrecht sorgt außerdem dafür, daß anders als in Deutschland die Stimmen für den unterlegenen Kandidaten gleich in den Müll geworfen werden.

Der 14. Congressional district in Georgia ist so ein Fall. Der eigentliche Wahltag für das US-House of Representives ist irrelevant, weil ohnehin automatisch der republikanischen Kandidat gewinnt.

Die spannende Frage wurde schon Monate vorher geklärt: Wer setzt sich bei den parteiinternen Vorwahlen durch? Tritt der Amtsinhaber wieder an? Wird er einfach wieder gesetzt, oder gibt es Partei-interne Konkurrenz?

Von den rechtsradikalen Hetzsendern und Social Media angestachelt, tickt die Basis immer extremer und neigt mehr und mehr dazu gemäßigte, kompromissfähige Angeordnete abzustrafen.

Zur Blütezeit der Teebeutel vor gut zehn Jahren, blockierte sich die GOP damit gelegentlich selbst.  

Tea Party-Aktivisten ließen sich massenhaft für die GOP-Vorwahlen eintragen, kegelten die halbwegs vernünftigen Konservativen aus dem Rennen, erhoben eine batshit-crazy-Person zum Kandidaten.

Ein berühmter Fall war die damals neben Michele Bachmann und Sarah Palin prominenteste Teebeutlerin Christine Therese O'Donnell.

Die wollte konservative US-Senatorin von Delaware werden und fuhr damit Michael Castle, dem früheren Gouverneur des Staates in die Parade. Er hatte 2010 beste Chancen den Senatoren-Sitz von den Demokraten zurückzuerobern.

Christine O'Donnell zeichnete sich durch drei Dinge aus: Hass auf Barack Obama, Kampf gegen die Todsünde der Onanie und gewaltige Unkenntnis des politischen Systems.

(……) Die von den Republikanern in Delaware auserkorene Kandidaten für den US-Senat, Chrissi O’Donnell staunte nicht schlecht, als sie kürzlich auf einer Podiumsdiskussion von der US-Verfassung hörte.
Als klassische Teebeutlerin agiert sie stets im Intellekt-freien Räumen, lügt ungeniert das Blaue vom Himmel runter und hat keinerlei Scheu ihre Bildungslücken stolz jedermann zu präsentieren.
Wozu sollte auch eine US-Senatorin von Petitessen wie der US-Verfassung gehört haben?
Ihren Hauptanliegen (Ächtung von Masturbation, Anti-Obama Pogrome, fundamental asoziale Politik zugunsten der Evangelikalen und Reichen) werden von der lästigen Bill Of Rights ohnehin nur behindert.

“Congress shall make no law respecting an establishment of religion, or prohibiting the free exercise thereof; or abridging the freedom of speech, or of the press; or the right of the people peaceably to assemble, and to petition the Government for a redress of grievances.”
(1. Zusatzes zur Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika)

Deutsche missverstehen diese Teebeutler und Christen-Fundis, wenn sie annehmen, daß derart extremistische und realitätsferne Positionen den Kandidaten diskreditieren müßten.

Für eine Mehrheit der amerikanischen Wähler sind drastische Wissenslücken und intellektuelle Blamagen keine Gründe, die einen Politiker für Top-Ämter disqualifizieren. (….)

(Gott schütze Deutschland. 24.10.2010)

2010 machten ihre Auftritte weltweit Furore. Man staunte, wie es eine derart bornierte Person, die nicht nur mit abenteuerlichen Wissenslücken und Fantasie-Ansichten auftrat, sondern deswegen auch keinerlei Scham empfand, zu einer Kandidatin für die GRAND OLD PARTY Reagans und Bushs werden konnte.

Sie wurde Millionen Dollar aus dem Teebeutel-FOX-Universum unterstützt, erhielt enthusiastische Lobpreisungen vom Family Research Council, der National Rifle Association, Sarah Palin, Rush Limbaugh, Sean Hannity und Mark Levin.

O’Donnell griff zu jeder Schmutzigkeit, indem sie beispielsweise ihrem konservativen Gegenkandidaten Castle während der GOP-Vorwahlen schwule Affären andichtete. Sie gewann die Vorwahl mit sechs Prozent Vorsprung.

Ein Vorwahlsieg zur großen Freude der Demokraten, denn 2010 war das gesamte Land noch nicht derarti in Schieflage geraten, um so eine Irre tatsächlich in den Kongress zu schicken. Bei den eigentlichen Wahlen verlor sie haushoch mit 40 zu 57 Prozent gegen den Demokraten Chris Coons.

Eine feine Sache für die Dems, die den Sieg geschenkt bekamen und unter den Umständen auch farblose Kandidaten durchsetzen konnten. Ein böses taktisches Versagen für die GOP, die nicht rechtzeitig einschritt, um die Teebeutel aus den Kandidatenlisten zu streichen.

Mit Trump wurde der absolute Wahnsinn, die demonstrative Borniertheit, der offensive Hass allerdings innerhalb der GOP mehrheitsfähig.

Heute sitzen 150 Republikaner im Kapitol, die noch radikaler und wahnsinniger als O’Donnell sind.

Eine der prominentesten Vertreterinnen ist die zutiefst bösartige Marjorie Taylor Greene, die sich im am 03.11.2020 spielend im oben genannten 14. Wahlkreis durchsetzte.

Die Frau ist nicht nur eine QAnon-Verschwörungstheoretikerin, sondern in einem Maße gewalttätig, daß sich demokratische Abgeordnete vor der bewaffneten Wahnsinnigen fürchten.

[….]  Die Republikanerin Marjorie Taylor Greene hat mit ihrer bedingungslosen Loyalität zum ehemaligen Präsidenten Donald Trump und ihren Verschwörungserzählungen in den USA bereits Aufsehen erregt. [….]  Nun hat offenbar eine demokratische Abgeordnete aus St. Louis ihr Büro »wegen Sicherheitsbedenken« verlassen. Cori Bushs Amtszimmer ist ihr zufolge ganz in der Nähe von Greenes Räumlichkeiten. Doch Greene und ihre Mitarbeiter würden sich weigern, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. [….]  Nach ihrem wiederholten Hinweis, das Gesicht mit einer Maske zu bedecken, sei Bush von Greene beschimpft worden, und einer von Greenes Mitarbeitern habe ihr zugerufen: »Hört auf, mit Black Lives Matter Gewalt anzustiften.« [….]  Auch Nancy Pelosi, Sprecherin des Repräsentantenhauses, hatte bei einer Pressekonferenz die Republikaner dafür kritisiert, dass diese Greenes Aussagen ignorierten. [….]  Greene hatte gemeinsam mit einigen anderen Republikanern auch damit für Aufsehen gesorgt, dass sie im Parlamentsgebäude eine Waffe tragen will. »Der Feind ist im Repräsentantenhaus«, warnte Pelosi. »Wir haben Mitglieder des Kongresses, die ihre Schusswaffen mit in den Sitzungssaal bringen wollen und die anderen Mitgliedern Gewalt angedroht haben.« […..]

(SPON, 30.01.2021)

Die GOP, die längst vor Donald Trump kapituliert hat und auch drastische Gewaltverbrechen mit Toten nicht ahnden will, schreitet noch nicht einmal gegen solche Extremisten und Verfassungsfeinde des Schlages Greene ein.

(…..)  Morris „Mo“ Brooks, Lauren Boebert, Paul Gosar, Marjorie Taylor Greene, Roger Stone, Julio Gonzalez, Rudy Giuliani, der hochgradig wahnsinnige Senator Tommy Tuberville, „stop the steel“-Gründer Ali Alexander, Trump adviser Peter Navarro und Co wirken politisch genauso irre wie die zuvor Beschriebenen, aber sie tun dies nicht wider besseres Wissens, sondern sie sind wirklich so extrem verblödet, den Schwachsinn zu glauben, den sie verzapfen.

Sie sind radikal ungebildet und stolz darauf. Sie sind borniert wir Trump und vollständig in der verschwörungstheoretischen Sphäre gefangen. Sie fühlen sich als Widerständler im „Endkampf gegen die Weiße Rasse“, orientieren sich an QAnon. (…..)

(Irre Irre und nicht-irre Irre, 25.01.2021)

Der Sachpolitik wurde auf GOP-Seite schon vor Jahren gekündigt. Typen wie Senator Hawley sagen ohnehin grundsätzlich zu allem Nein, das vernünftig klingt.

Es geht nicht mehr um Geld, Steuern, Wirtschaft, Umwelt oder Außenpolitik, sondern nur noch darum, im dunklen Verschwörungstheoretiker-Kosmos zu mäandern.

[….]  Wie viel Irrsinn duldet die Partei in den eigenen Reihen? Und, damit verbunden: Wie groß soll die Loyalität zu Donald Trump sein? [….]  Marjorie Taylor Greene [….]  tat das als Anhängerin der Verschwörungsmystik QAnon, nach der Politik und Medien von einem satanistischen Ring von Kinderschändern kontrolliert werden und nach der nur Trump die Nation von diesem Übel befreien kann. Greene schimpfte auch über Muslime und Schwarze, und sie stellte im Wahlkampf ein Bild von sich ins Netz, das sie mit einem Sturmgewehr neben den Fotos von drei demokratischen Politikerinnen zeigte. [….]  Der konservative Kommentator Erick Erickson nannte Greene im Herbst "bat-shit crazy", komplett durchgeknallt. "Aber sie ist nun auf dem Weg in den Kongress." Dort kam sie im Januar an, mit einer Maske, auf der stand: "Trump hat gewonnen."   In den vergangenen Tagen haben verschiedene Medien die Spuren der Abgeordneten im Netz nachgezeichnet. Sie stießen dabei auf Facebook-Kommentare von 2018 und 2019, in denen Greene ihren Gewaltfantasien freien Lauf ließ. Sie gab ihre Zustimmung zu Beiträgen, die nach einer Hinrichtung von Nancy Pelosi riefen, der Sprecherin des Repräsentantenhauses. Sie schrieb fieberhaft darüber, dass die Bühne für die Erhängung von Barack Obama vorbereitet werde. Und sie gab ihren Zuspruch zu der in rechtsextremen Kreisen verbreiteten Wahnvorstellung, wonach es ein Video gebe, dass Hillary Clinton dabei zeige, wie sie ein Mädchen getötet und verstümmelt habe. All dies tat Greene in sozialen Medien, öffentlich. Dort filmte sie sich auch dabei, wie sie einen Überlebenden des Amoklaufs an der Schule von Parkland konfrontierte und ihn als bezahlten Schauspieler bezeichnete.  Kein Zweifel: Von einer gesunden Partei wäre jemand wie Marjorie Taylor Greene längst diszipliniert worden. Doch der Chef der Republikaner im Repräsentantenhaus, Kevin McCarthy, hat nichts dergleichen getan.[….]  An der Basis der Partei sind Leute wie Greene populär. Nach einer Pew-Umfrage halten 40 Prozent der republikanischen Anhänger die Verschwörungsmystik QAnon für eine "gute Sache für das Land". Bei republikanischen Vorwahlen für Ämter aller Art melden sich zunehmend Kandidaten, die im Minimum mit einer Zustimmung zu QAnon kokettieren. Als das Repräsentantenhaus im Herbst eine Resolution verabschiedete, in der QAnon für gefährlich erklärt wurde, stimmte nur eine Handvoll von Republikanern dafür - wohl auch aus Angst, Wähler zu vergraulen. [….]  (Alan Cassidy, 29.01.2021)

Was sollen also die armen letzten verbliebenen GOP-Republikaner mit Gehirn tun?

Anders als Cassidy meine ich, die Frage stellt sich gar nicht mehr.

Wer in dem toxischen Umfeld bleibt, hat sich genau schuldig gemacht, wie die RKK-Unterstützer.

Die GOP kann man nur noch verlassen.

(…..) Wer das Kölner RKK-System durch seine Mitgliedschaft und die finanziellen Zuwendungen unterstützt, ist Komplize.

Komplize der Kinderficker.

[….]  Als Demokrat und Humanist halte ich aber die rechtliche Gleichstellung von Frauen und Schwulen, genau wie die Ächtung von Sklaverei, Antisemitismus und Pädosexualität für Essentials und empfinde für Vereinsmitglieder, die dabei ein Auge zudrücken und es hinnehmen von Kinderfickern angeführt zu werden, nur Verachtung. (…..)

(Danke Köln, 29.01.2021)

Freitag, 29. Januar 2021

Danke Köln!

Nichts ist so antidemokratisch und absolutistisch organisiert wie die römisch-katholische Kirche.

Das zentralistische Papsttum, das eben gerade keine Basismitbestimmung zulässt, ist der signature-move des Vereins, der weltweit aber auch für Homophobie, Misogynie und Kindesmissbrauch bekannt ist.

Möglich sind diese zutiefst antihumanistischen Machstrukturen, weil sich der oberste Chef, Vizegott und Beschützer aller Päderasten in Soutane auf ein Heer von 1,3 freiwilligen Mitgliedern und unermesslichen Reichtum stützen kann.

Jedes einzelne Mitglied stützt den Pädosex-affinen Apparat moralisch und finanziell.

Es gibt kein richtiges Leben im Falschen.

Man kann nicht zahlendes Mitglied der NPD sein und gelichzeitig den Rechtsextremismus ablehnen.

Man kann nicht MAGA-Rallys besuchen und behaupten sich gegen Rassismus zu engagieren.

Man kann nicht praktizierender Katholik sein und sich als Feminist bezeichnen oder behaupten sich um das Wohl von Kindern zu sorgen.

Ich weiß, Menschen wie Andrea Nahles glauben  von sich selbst für Frauen- und Kinderrechte einzustehen und gleichzeitig engagierte Katholiken zu sein.

Aber das ist faktisch falsch. Als finanzieller Förderer des Klerikersystems und prominentes Gesicht der RKK unterstützt man die Kindesmissbrauchsstrukturen und die rechtliche Benachteiligung von Frauen und Schwulen.

Nahles, Thierse, Biden oder AKK erkennen das entweder nicht selbst, weil die Religioten sind und somit an einer partiellen Hirnverarmung leiden oder sie sind Heuchler.

Niemand kann nach den letzten 1.700 Jahren, in denen das Bistum Köln existiert noch behaupten, er wäre überrascht davon, daß es sich dabei um ein rein männerbündnerisches, absolutistisches System zur Unterdrückung von Minderheiten, Andersgläubigen, Ungläubigen, Andersliebenden und Menschen ohne Penis handelt.

Niemand, der sich im Erzbistum Köln engagiert, kann behaupten, er wisse gar nicht, daß er damit einem Herrn dient, der aktiv und energisch für widerliche Kinderficker eintritt. Kardinal Woelki war, ist und bleibt der Antidemokrat, der den vergewaltigten und gequälten Kinder a priori immer wieder ein Messer in den Rücken rammt und mit den Vergewaltigern kungelt.

Wer wie der Solinger Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) schließlich im Jahr 2021 auf die Idee kommt, als Vorsitzender des Diözesanrates und damit mächtige Woelki-Stütze nun doch nicht mehr dem erzkonservativen Soutanen-Sadisten zuarbeiten zu wollen, hat schon längst jede Glaubwürdigkeit verloren.

Wer das Kölner RKK-System durch seine Mitgliedschaft und die finanziellen Zuwendungen unterstützt, ist Komplize.

Komplize der Kinderficker.

Große Vereine wie Parteien oder eine Religionsgemeinschaft sind sinnvolle Interessenvertretungen, in denen so viele Menschen unter einen Hut gebracht werden, daß nicht jeder einzelne für jedes einzelne Vereinsziel steht. Man hat aber gemeinsame Grundüberzeugungen, die man kollektiv besser vorantreiben kann. Als SPD-Mitglied unterstütze ich grundsätzlich sozialdemokratische Grundüberzeugungen wie Solidarität und Gerechtigkeit. Die meisten Programmpunkte finde ich richtig. Es ist völlig normal, daß ich einige einzelne SPD-Ziele ablehne. Wir sind schließlich keine homogene Masse, sondern eine heterogene Versammlung von Individuen.

Natürlich mag ich einige dieser Individuen gar nicht.

Aber wir haben gemeinsame Nenner und gemeinsame Ausschlusskriterien.

Homophobie, Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Antisemitismus, Sexismus und selbstverständlich auch sexueller Kindesmissbrauch haben in der SPD nichts zu suchen. Wer sich so äußert, fliegt raus.

Die Ausschlusskriterien in der RKK sind andere. Antisemitismus und Sklaverei werden vom Lieben Gott für gut befunden. Bis heute gelten Frauen als so minderwertig, daß sie nicht das geringste geistliche Amt übernehmen können, Schwule dürfen grundsätzlich keine Priester werden und nach Jahrzehnten in der Öffentlichkeit weigern sich Kirchenfürsten den sexuellen Kindesmissbrauch aufzuklären und zu ahnden. 2021 steht der Papst immer noch kategorisch für all die Strukturen ein, die Pädosexuelle gezielt in die Priesterseminare locken.

Sicherlich kann man einen Verein unterstützen, auch wenn man einzelne Vereinsziele ablehnt.

Als Demokrat und Humanist halte ich aber die rechtliche Gleichstellung von Frauen und Schwulen, genau wie die Ächtung von Sklaverei, Antisemitismus und Pädosexualität für Essentials und empfinde für Vereinsmitglieder, die dabei ein Auge zudrücken und es hinnehmen von Kinderfickern angeführt zu werden, nur Verachtung.

[…..][Es] brennt […..] lichterloh im Haus von Kardinal Rainer Maria Woelki. Spätestens seit Donnerstagabend: Denn da beschloss der Diözesanrat, das Gremium katholischer Laien im Bistum, dem Bischof bis auf weiteres die Zusammenarbeit aufzukündigen. "Aufgrund der ungeklärten Missbrauchsaufarbeitung", so der Beschluss der Vollversammlung, existiere derzeit "keine hinreichende Akzeptanz", um mit Woelki und der Kirchenleitung gemeinsam über Reformen zu beraten. […..] Über Woelki schlägt seit Herbst eine Woge der Kritik zusammen, nachdem der Kardinal ein - ursprünglich von ihm selbst initiiertes - Gutachten über jahrzehntelange Versäumnisse der Kirchenleitung bei der Aufarbeitung und Verfolgung von Fällen sexuellen Missbrauchs zur Verschlusssache erklärt hatte. […..] Zudem sah sich Woelki persönlich Vorwürfen der Vertuschung ausgesetzt. […..]  Die katholischen Laien verlangen nun, Woelki solle das WSW-Gutachten unverzüglich veröffentlichen: […..]    Zudem legte der Diözesanrat den Kirchenoberen eine Reihe von Fragen vor, die sich wie eine Anleitung zur Beichte lesen: "Bin ich allen Verdachtsmomenten nachgegangen, vor allem auch, um weiteres Leid zu verhindern?", heißt es da, und weiter: "Wo habe ich geschwiegen, weggesehen, verharmlost und damit - direkt oder indirekt - zur Vertuschung von Missbrauch beigetragen?" […..]

(Christian Wernicke, SZ, 29.01.2021)

Als Kölner Katholik gibt es nur einen Weg: Austritt sofort. Keinen Cent mehr für Woelki. Immerhin wird das angesichts der Widerlichkeit dieses klerikalen Hochadeligen auch verstanden. Immer mehr zahlende Mitglieder werden verjagt.

[….] Das Amtsgericht Köln verzeichnet eine Welle von Kirchenaustritten in noch nie da gewesenem Ausmaß: Mehr als 1000 im Monat – das sind 70 Prozent mehr als sonst. Außerdem haben 34 Kölner Pfarrer einen Brandbrief an Kardinal Rainer Maria Woelki gerichtet. [….]

(RP, 29.01.2021)

Die extrem mächtige Erzdiözese Köln, die Archidioecesis Coloniensis mit seinen Suffraganbistümern Aachen, Essen, Limburg, Münster und Trier unter der Oberherrschaft des Metropoliten Kardinal Woelki und seinen erzkonservativen Speichellecker-Weihbischöfen Puff und Schwaderlapp gibt die ultimative Entscheidungshilfe: Wollt ihr die kungelnden Kinderficker-Kleriker unterstützen oder steht ihr für Menschenrechte?

[…..] Einen solchen Schritt dürfte es in der katholischen Kirche noch nicht so oft gegeben haben: Die Gläubigen im größten deutschen Bistum kündigen dem Kölner Erzbischof offiziell das Vertrauen und die Zusammenarbeit auf. […..] Damit erreicht eine seit Monaten schwelende Krise ihren bisherigen Höhepunkt. »Es ist schier unglaublich, wie sich die Leitung des Erzbistums verhält«, kritisierte der Vorsitzende des Diözesanrats, der Solinger Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD). »Wir befinden uns in der größten Kirchenkrise, die wir alle je erlebt haben. Der Erzbischof von Köln hat als moralische Instanz versagt und zeigt bis heute keine Haltung.« […..] Auch der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, kritisiert Woelki. »Dieses Verhalten diskreditiert den Aufarbeitungsprozess in der katholischen Kirche insgesamt und zerstört Vertrauen, das eigentlich zurückgewonnen werden müsste«, sagte Rörig dem SPIEGEL. »Das erschüttert mich.«    All die, die zur Vertuschung von sexualisierter Gewalt in der Kirche beigetragen haben, »müssen benannt werden, auch was sie getan haben«, so Rörig. »Das ist der einzige Weg für die Kirche, Vertrauen und Glaubwürdigkeit zurückzuerlangen.« […..]  Als Konsequenz aus Woelkis Verhalten setzt der Diözesanrat seine Mitarbeit am sogenannten Pastoralen Zukunftsweg aus. […..]   Woelki hat das Vertrauen nicht nur durch die Zurückhaltung des Gutachtens verspielt, er sorgt auch sonst für Negativschlagzeilen in Serie. […..]  Ein ehemaliger Mitarbeiter Woelkis sagt, der Kardinal sei sich keines Fehlverhaltens bewusst, sondern glaube an eine Verschwörung der Medien: »Es sind die Journalisten, die ihm Böses wollen, weil er innerkirchlich so konservativ ist.« […..]

(SPON, 29.01.2021)

Donnerstag, 28. Januar 2021

Pest oder Cholera Teil II

Die Beweislage wurde inzwischen überwältigend. Die Insurrection-Schlinge um Trumps Hals zieht sich dramatisch zu. Immer mehr Videobeweise zeigen wie der Ex-Präsident direkt seine Anhänger anfeuerte gewaltsam das Kapitol zu stürmen. Immer mehr der Gewalttäter erklären, auf Befehl Trumps gehandelt zu haben.

Trump verfolgte gebannt das Geschehen am Bildschirm und weigerte sich als es schon Tote gab und „Hang Mike Pence“ gegrölt wurde, die Hilferufe seiner eigenen Parteifreunde nach dem Einsatz der Nationalgarde zu erfüllen.

Wenn das nicht impeachable ist, was dann?

Es entscheiden aber keine ausgebildeten Richter über Trumps Schuldspruch, sondern einhundert Senatoren, von denen 67 „Ja“ sagen müssen, also neben 48 Demokraten und zwei Demokraten-freundlichen Unabhängigen auch 17 Republikaner.

Die auch sechs Jahre gewählten Senatoren gelten, anders als die nur für zwei Jahre gewählten Kongressabgeordneten als etwas weniger parteihörig. Sie sind sehr mächtig und als Vertreter ihres Heimatstaats selbstbewußt.

Nach vier Jahren völliger Trump-Hörigkeit erwartet niemand mehr von GOPern im Kongress sich von Anstand oder Moral leiten zu lassen.

Zweifellos handeln sie eben nicht zum Wohle des Landes und halten auch die US-Verfassung für nachrangig, wenn es um ihre persönlichen Interessen geht.

Das Jahr 1974, als republikanischen Senatoren zum republikanischen Präsidenten Nixon gingen, um ihm zu sagen, daß sie ihn wegen „Watergate“ rausschmeißen werden, wenn er nicht sofort freiwillig seine Dachen packt, liegt politisch 1.000 Jahre zurück. Verglichen mit Trumps Lügen und Verbrechen, ist Nixon ein zarter völlig unschuldiger Waisenknabe.

Verglichen mit den 50 GOPer im US-Senat von 2021 waren die republikanischen Senatoren der 1970er allesamt linksgrünversiffte Moralapostel.

Cruz, Hawley, Tuberville, Rubio, Paul, Graham werden niemals das Richtige tun, weil es objektiv das Richtige ist. Sie sind amoralische Hassfanatiker und Serienlügner.


Allerdings gibt es durchaus strategische Gründe gegen Trump zu stimmen. So gewichtige Gründe, daß sich viele europäische und US-amerikanische Analysten durchaus 17 republikanische Abweichler vorstellen konnten. Zumal der Zeitpunkt direkt nach seinem Amtsausscheiden parteitaktisch äußerst günstig, nämlich maximal weit entfernt von den nächsten Wahlen liegt.

[…..]  Einerseits müssten die Republikaner Trump dringend loswerden. Der  Altpräsident ist für sie zur toxischen Altlast geworden. Trump war zwar  erfolgreich darin, Wähler für sich und die Republikaner zu mobilisieren.  Aber er war noch erfolgreicher darin, Wähler gegen sich und für die  Demokraten zu mobilisieren. 2018 haben die Republikaner deswegen ihre  Mehrheit im Repräsentantenhaus verloren, 2020 das Weiße Haus und den  Senat.   Es gibt sehr viele amerikanische Wähler, die Trump geradezu  verfallen sind. Das wird so bleiben. Aber es gibt nicht genügend von  diesen Wählern, um der Republikanischen Partei in künftigen Wahlen  Mehrheiten zu sichern. Wenn im Wahlkampf der Name Donald Trump fällt,  schreckt das inzwischen mehr Menschen ab, als es Menschen anzieht.  […..]

(Süddeutsche Zeitung, 26. Januar 2021)

Der trotz eines eher schwachen und sehr alten demokratischem Gegenkandidaten totale Machtverlust der GOP ist nur Trump zuzuschreiben.

House-Mehrheit, Senats-Mehrheit, Weißes Haus und zudem auch noch die meisten Geldgeber – alle weg.

Der Obersenator der Republikaner Moscow-Mitch McConnell schien zudem das OK zu geben.

Für die meisten Beobachter ging es nun aber doch überraschend schnell und eindeutig: Die GOPer halten eisern zu dem zweifach impeachten 30.573-fachen Lügner Trump.

Wie beim ersten Impeachment, schließen die Republikaner die Reihen, schließen ihre Augen und Ohren. Sie werden Trump auch freisprechen, wenn er persönlich republikanischen US-Senatoren in den Kopf schießt.

[…..] Das geht aus einer ersten Abstimmung in dieser Sache vom Dienstag hervor: Nachdem die 100 Senatoren den Eid abgelegt hatten, als unparteiische Geschworene zu walten, berieten sie über einen Antrag von Rand Paul. Der republikanische Senator aus Kentucky forderte, das Impeachment-Verfahren für verfassungswidrig zu erklären.   Das Abstimmungsergebnis sagt viel darüber aus, wie sich die Stimmung bei den Republikanern gegenüber Trump verändert hat - oder wie eben nicht. Der Antrag wurde zwar mit 55 zu 45 Stimmen abgelehnt. Das heißt aber auch, dass nur gerade fünf Republikaner mit den geschlossenen Demokraten dafür stimmten, überhaupt ein Verfahren durchzuführen. […..]

(Alan Cassidy, 27.01.2021)

Unglaublich, aber wahr: Nach all den Jahren unterschätzen wir immer noch wie verkommen Republikaner sind.

Wir vergessen immer noch, daß alle 50 Senatoren der GOP ohne Rückgrat existieren.

Trump musste im fernen Mar A Lago nur einmal vage die Idee ventilieren eine eigene Partei zu gründen; sie sollte "Patriot Party" heißen; und sofort nässten sich alle GOPer angesichts dieser möglichen Konkurrenz ein.

[…..] Schon in der Ukraine-Affäre wollten zu viele Republikaner Trump nicht bestrafen - aus Loyalität, Opportunismus, Angst vor ihm und seinen Anhängern. Diese Kräfte sind immer noch am Werk. Das ist die erste Lehre aus der Trump-Ära: Man sollte nie unterschätzen, wie verdorben die Republikanische Partei ist.

Die zweite Lehre: Nach dem Freispruch vor einem Jahr stiegen Trumps Beliebtheitswerte. Sein Fehlverhalten, das der Prozess gut dokumentiert hatte, verlor im parteipolitischen Fleischwolf von Washington seine Konturen. Nun steuert der Senat auf eine traurige Wiederholung zu. Darüber freuen kann sich nur einer: Trump. [……]

(SZ, 27.01.2021)

Es wird also kaum zu einer Verurteilung kommen.

Damit bleibt Trump ein politischer Player und kann sich 2024 wieder zur Präsidentschaftswahl stellen.

Ein Alptraum für alle anständigen und rechtschaffenden Menschen.

Mutmaßlich wird dann der 82-Jährige Joe Biden nicht mehr antreten, seine Vizepräsidentin wird zur Präsidentschaftskandidatin aufrücken.

Ein aus Sicht der weißen alten rassistischen Männer ideales Szenario: Der White Supremacist in Chief gegen eine Frau, eine dunkelhäutige Frau, eine Frau, deren Eltern eingewandert sind.

Trump könnte die ganze Klaviatur der menschenverachtenden minderheitenfeindlichen Gefühle bedienen.

Ich meine aber, die Demokraten sollten sich nicht davor fürchten. Im Gegenteil, Trump hat schon zweimal bewiesen, wie er deutlich die popular votes verlor.

Er würde in vier Jahren ohne Amtsbonus und mit einem großen Ballast von Prozessen antreten.

Kamala Harris hingegen träte mit der Autorität einer erfahrenen Vizepräsidentin an.

Die Demographie entwickelt sich ohnehin kontinuierlich gegen die weißen alten Rassisten-Männer.

Ohne die abscheulichen demokratieverachtenden Lügen und den drastischen Rassismus des noch amtierenden Trumps, hätten die Republikaner sicher nicht im erzkonservativen Georgia beide Senatssitze auf einmal verloren.

Ohne die abstoßende Sprache und das feindselige Auftreten Trumps, hätten sich nicht Millionen weiße wohlhabende Vorstadt-Frauen für Joe Biden gestimmt.

Ob sich die Republikaner mit ihrem erneuten demütigenden Kotau vor dem orangen Ex-Präsidenten einen Gefallen tun, wage ich zu bezweifeln.