So lange ich mich zurück erinnern kann, bzw seit ich in
den 1980ern die Begriffe „Uni“ und „Studieren“ mit einer Vorstellung erfüllte,
hörte ich immer von Fächern, mit denen man unweigerlich als Taxifahrer, bestenfalls
als Lehrer endete. Philosophie, Germanistik, Geschichte und natürlich die
Exotenfächer wie Ägyptologie oder Slawistik. Dummerweise waren alle Fächer, die
mich am meisten interessierten, „brotlose Künste“ und ich war mit 17 so brav,
darauf zu hören, lieber etwas „Anständiges“ zu studieren.
(Nachdem ich die Uni verlassen hatte, riet ich jungen
Leuten immer das Gegenteil: Stellt die Berufsaussichten auch mal hintan und
sucht euch lieber etwas aus, das euch wirklich interessiert und Spaß macht).
Das Anständigste waren damals Ingenieure und
Informatiker. Die würden nämlich dringend gesucht in Deutschland. (So anständig
konnte ich leider nicht studieren, weil ich in den beiden Bereichen unfähig
bin.)
Die nächsten 20 Jahre wurde der Mangel immer schlimmer.
Es fehlten MINT-Absolventen und Naturwissenschaften waren ein Problem, weil die
Studiengänge wegen der umfangreichen Laborausstattung teuer waren. Deutschland
sparte also an den Unis, so daß ich nach meinen persönlichen Erfahrungen auch
abriet, Chemie oder Physik zu studieren. Dafür sind die deutschen Universitäten
einfach zu schlecht. Man erhält dort eine Ausbildung, die gegenüber anderen
Ländern 20 Jahre zurückhängt. Weltklasse-Chemiker aus Deutschland gibt es nur,
wenn die sich schon in den ersten Semestern in eine bessere Uni außerhalb
Deutschlands abgesetzt haben.
In der Rotgrünen Zeit 1998-2005 war der IT/Ingenieurs-Mangel
eklatanter denn je. Der Bund ist nicht wirklich zuständig für Bildungspolitik,
aber wenigstens war die Schröder/Fischer-Regierung nicht so xenophob borniert,
wie die vorangegangene Kohl/Merkel-Regierung. Es gab Versuche, das
Staatsbürgerschaftsrecht zu modernisieren und unkomplizierter die dringend
benötigten hochqualifizierten Arbeitsmigranten nach Deutschland zu holen.
Beides scheiterte an der CDUCSU. Die neue CDU-Generalin, eine gewisse Angela
Merkel, zettelte 1999 erfolgreich mit Roland Koch einen Antiausländer-Wahlkampf
an, ließ Listen auslegen, um „gegen Ausländer zu unterschreiben“. Merkels
rechtsextremer Kurs, der dann von „deutsche Leitkultur“-Getöse untermalt wurde,
funktionierte. Koch gewann gegen RotGrün in Hessen, die Sozi-Bundesratsmehrheit
war weg. Fortan blockierte Merkel über den Bundesrat jeden Fortschritt.
Die anderen Unions-Größen kopierten natürlich den so
erfolgreichen Merkel/Koch-Rechtskurs.
[…] "Kinder statt Inder" Rüttgers
verteidigt verbalen Ausrutscher
Wie einst Roland Koch hat
Jürgen Rüttgers die Ausländerpolitik im Wahlkampf entdeckt. In einem
Rundumschlag sagte der CDU-Politiker, es sei "schlichtweg
unmoralisch", sogar "ausländerfeindlich", die Computer-Elite aus
Indien abzuziehen. Außerdem kündigte er an, im Falle seines Wahlsieges in NRW
den muttersprachlichen Unterricht abzuschaffen.
Setzt auf Angst vor
Ausländern: Wahlkämpfer Jürgen Rüttgers. […] Rüttgers bekräftigte am
Donnerstag seine umstrittenen Äußerungen zur geplanten Anwerbung ausländischer
Computer-Experten. Der von Ministerpräsident Wolfgang Clement erhobene Vorwurf
der Ausländerfeindlichkeit sei "schlichtweg abartig", sagte der
CDU-Spitzenkandidat für die NRW-Landtagswahl am Donnerstag in Düsseldorf. Rüttgers hatte zur Green-Card-Initiative von
Bundeskanzler Gerhard Schröder erklärt: "Statt Inder an die Computer
müssen unsere Kinder an die Computer." In der Sprache des deutschen
Stammtisches empörte er sich: "Statt sich um die Integration der hier
lebenden Ausländer zu kümmern, sollen jetzt noch Hindus hinzukommen". [….]
(SPIEGEL, 09.03.2000)
Das Ende ist bekannt; 2005 wurde Rüttgers tatsächlich
NRW-Ministerpräsident und Merkel für 16 Jahre Bundeskanzlerin. Bildungspolitik
und moderne Techniken interessierten sie nie. Bundesbildungsministern wurde ihre
Freundin Annette Schavan, die extrem fromme Abiturientin aus BW, die zwar keine
akademische Expertise besaß (alle höheren Grade als das Abitur hatte sie
erschummelt und wurden ihr entzogen), dafür aber täglich das katholische
Stundengebet praktizierte.
Diese Peinlichkeit übertraf dann noch die hoffnungslos desinteressierte und unterqualifizierte
CDU-Bundesbildungsministerin Anja Karliczek, die verkündete,
Forschung habe sich der Religion unterzuordnen.
(…..) Was nicht der Bibel entspricht,
hat laut der Forschungsministerin nichts in der Forschung zu suchen. Dieses IT-
und KI-Zeug sollen doch China oder die USA machen, Deutschland ist ein
christliches Land und braucht den neumodischen Kram nicht.
[….] Wir sind nicht in
China. Totale Kontrolle durch den Staat werden wir niemals akzeptieren. Wir
sind aber auch nicht in den USA. Wir gehen einen anderen, einen eigenen Weg. Wir lassen uns von unserem christlichen
Menschenbild leiten. Jeder technologische Fortschritt hat sich dahinter einzureihen.
Wir sind überzeugt: Künstliche Intelligenz muss dem Menschen dienen.
Menschenwürde, Persönlichkeitsrechte und individuelle Freiheit sind die
Grundlagen unseres Zusammenlebens. [….]
(Ministerin Karliczek vor dem Bundestag am 15.02.2019)
Immerhin, eins weiß die Bildungsministerin:
Schwule sind schlecht. Und deswegen dürfen die keine Kinder haben.
[…..] Bundesbildungsministerin Anja Karliczek will in einer Langzeitstudie
klären lassen, welche Auswirkungen es für Kinder hat, in einer
gleichgeschlechtlichen Partnerschaft aufzuwachsen. In der n-tv Sendung
"Klamroths Konter" sagte die CDU-Politikerin, es sei "eine
spannende Forschungsfrage", dieses Thema "wirklich langfristig zu
erörtern". Auf die Frage von Moderator Louis Klamroth, ob sie im Jahr 2018
wirklich noch Studien brauche, um sich bestätigen zu lassen, dass Kinder von
homosexuellen Paaren genauso glücklich und gut erzogen seien, antwortete
Karliczek: "Es geht nicht um 'glücklich' und um 'gut erzogen'. Es geht um
etwas grundsätzlich anderes. […..] Karliczek
hatte im Juni 2017 im Bundestag gegen das "Gesetz zur Einführung des
Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts" gestimmt. Bei
"Klamroths Konter" sagte sie, es sei ein Fehler gewesen,
gesellschaftliche Strukturen "mal eben so im Federstrich" zu
verändern. [….]
(NTV, 20.11.2018)
Diese ostentativ und stolz
vorgetragene bornierte Ahnungslosigkeit macht auch Hartgesottene fassungslos. (…..)
(Müssen die Deutschen, den Amis alles nachmachen?, 23.02.2019)
Gute 20 Jahre nach Rüttgers ist das der Stand der Dinge:
[….] Überall fehlen
Fachkräfte. Die Klagen der Unternehmen und ihrer Lobbyisten werden immer
lauter. Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht ein Verband oder ein Institut
eine neue Studie über das Ausmaß des Mangels veröffentlicht. Der Arbeitsmarkt
für Ingenieure erreicht im zweiten Quartal 2022 mit 171 300 offenen Stellen
einen neuen Rekordwert, meldet der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) am
Freitag. Dies sei ein Zuwachs um 46,2 Prozent im Vergleich zum
Vorjahresquartal, heißt es im Ingenieurmonitor, den der VDI gemeinsam mit dem
Institut der deutschen Wirtschaft herausgibt. [….]
(Elisabeth Dostert, 09.09.2022)
Christian Lindner schoss immer gegen die von Grünen und
Sozis und FFF geforderten Klimaschutzmaßnahmen. Das wären „Verbotsorgien“, die
FDP setze statt dessen auf intelligenten technische Lösungen.
Das war immer eine billige Lüge, um sich als Großspendenempfänger
der Industrielobby zu empfehlen. Selbstverständlich sind klare Grenzwerte,
Verbote und Verzicht notwendig, wenn der Klimawandel wenigstens ein bißchen
verlangsamt werden soll. Aber selbst wenn Lindner nicht ganz falsch liegen
sollte: Wer soll denn den Ausweg aus der carbonbasierten Energiewirtschaft
Deutschlands erfinden, wenn wir gar keine Ingenieure und Naturwissenschaftler
haben?
Woher sollten die auch kommen, wenn unsere Schulen so
verrottet sind, daß Myriaden Kinder jedes Jahr von deutschen Schulen völlig
ohne Abschluss in die Hoffnungslosigkeit entlassen werden? Immerhin, die Ampel
sieht im Gegensatz zu Merkel das Thema und müht sich. Aber die gelbe Bildungsministerin Stark-Watzinger ist wieder ein
Totalausfall.
[….] Die Bundesregierung
hat einiges zusammengetragen, um zu zeigen: Wir kümmern uns, wir gehen gegen
den Fachkräftemangel vor. Und zwar umfassend, von mehr Azubis für Klimatechnik
bis hin zum Servicepaket für bürokratiegeplagte Einwanderer. Wen man aber
vergeblich sucht in der Fachkräftestrategie, die am Mittwoch vorgestellt wurde:
die Schulabbrecher in Deutschland. Schon klar, Schulen sind Ländersache,
deshalb ist das Themengebiet vermint mit föderalen Empfindlichkeiten. Fehlen
darf es trotzdem nicht. [….] Jedes Jahr verlassen etwa 45 000
Jugendliche die Schule, ohne irgendeinen Abschluss erreicht zu haben, das sind
an die sieben Prozent eines Jahrgangs und deutlich mehr als vor zehn Jahren.
Dies gehört zu den stillen Skandalen des Bildungssystems, denn ohne Abschluss
verbauen sich viele dieser Jugendlichen die Aussicht auf einen Ausbildungsplatz,
auf qualifizierte Jobs und auf ein Studium ohnehin. [….]
(Roland Preuß, SZ, 07.09.2022)
Nach so viel Unions-Blockade auf Kommunal-, Landes- und
Bundesebene, steht Deutschland vor kaum lösbaren Problemgebirgen.
SPD-Bundeskanzler Helmut Schmidt plante in den 1970er
Jahren den flächendeckenden Glasfaserausbau in Deutschland, brachte vor 41 Jahren (sic!) einen Kabinettsbeschluss dazu
auf den Weg. 16 Jahre Kohl plus 16 Jahre Merkel begruben
die Pläne, so daß man heute froh sein kann, wenn man in Deutschland ein funktionierendes
Kupferkabel vorfindet.
Klimaschutz/Energiewende, Beispiel E-Mobilität: Natürlich
hängt Deutschland auch bei Elektro-Autos anderen Nationen hoffnungslos
hinterher, verfügt über kein flächendeckendes Ladenetz.
Ein Ausweg sind die geförderten „Wallboxen“. Wer ein
Privathaus oder einen Garagenplatz besitzt, sollte staatlich gefördert seine
eigene „Auto-Steckdose“ bekommen. Das Geld dafür, ist allerdings schon
aufgebraucht.
[….] Im Herbst 2020 startete der Bund eine
Förderprogramm, um Mieterinnen und Mieter, Eigenheimbesitzerinnen und -besitzer
und Vermieterinnen und Vermieter finanziell beim Einbau privater Ladestationen
zu unterstützen. Seit Ende Oktober 2021 sind die zur Verfügung stehenden Mittel
allerdings ausgeschöpft, eine Förderung ist derzeit deshalb nicht möglich. Nach Auskunft der KfW sind laufende Anträge
vom Antragsstopp nicht betroffen: Sofern alle Voraussetzungen für die Förderung
erfüllt sind, werde man eine Antragsbestätigung erhalten. [….]
(ADAC, 20.06.2022)
Als stolzer Besitzer eines Garagenplatzes in einer
Tiefgarage mit 30 Stellplätzen wurde auch ich mit dem Thema konfrontiert. Auch
wenn es keine Förderungen mehr gibt, wäre zu überlegen, ob man nicht auf eigene
Kosten diese privaten Ladestationen einbaut, um Stellplatzmieter mit E-Autos zu
gewinnen.
In diesem konkreten Fall wehrten 29 von 30 Stellplatzbesitzern
sofort jede Investition ab. Aber immerhin einer wollte für seinen Platz eine
Wallbox.
Wir reden hier von der Hamburger Innenstadt, also einem
absolut urbanen Ort in Deutschlands reichster Stadt. Die Haustechnik-Firma
musste die Gegebenheiten prüfen und gab folgende Stellungnahme ab:
[…] Vorhanden ist ein stark
veralteter Hausanschluss mit einer Absicherung von 3 mal 160A. Bei einer zu
beachtenden Reserve von ca 20% kommen wir auf einen maximal möglichen Spitzenstrom
von 3 mal 128A. Es wird bereits jetzt ein Spitzenstrom von 116A erreicht.
Daraus folgt, dass maximal eine Wallbox mit 11kW über die bestehende Anlage
betrieben werden könnte. Davon ist dringend abzuraten. Für die Umsetzung wäre
eine Erneuerung des Hausanschlusses und der Zähleranlage notwendig. Allein
hierfür werden Kosten von mindestens 50.000 Euro netto entstehen“ [….]
(Hamburg, August 2022)
Also mindestens 60.000 Euro um eine einzige Wallbox in
einer Garage mit 30 Stellplätzen zu installieren. Überraschung; für diesen Plan
gab es keine Mehrheit auf der Eigentümerversammlung.
E-Mobilität ist gut. Private Wallboxen sind eine feine
Idee, liebe rotgrüne Politiker. Aber der Fördertopf ist leer und selbst, wenn
man so reich ist, die Dinger selbst zu finanzieren, scheitert es oft an der
total veralteten deutschen Infrastruktur.
Anderes Beispiel, wieder aus Hamburg: Um bis 2050 (sic!)
klimaneutral zu werden, sollen Solaranlagen auf die Dächer gesetzt werden, um
erneuerbaren, saubreren Strom zu erzeugen. Da trifft es sich doch gut, daß wir
seit 2015 einen Grünen zuständigen Senator haben.
[….] Jens Hinrich Kerstan
(* 18. Februar 1966 in Hamburg) ist ein deutscher Politiker (Bündnis 90/Die
Grünen) und seit April 2015 Hamburger Umweltsenator, zunächst im Senat Scholz
II[1], im Senat Tschentscher I und seit 10. Juni 2020 im Senat Tschentscher II.
Von 2015 bis 2020 führte er als Präses eine Behörde für Umwelt und Energie,
seit 2020 eine um den Bereich der Landwirtschaft erweiterte Behörde für Umwelt,
Klima, Energie und Agrarwirtschaft. […]
(Wikipedia)
Außer seinem großen Hobby Straßenbäume fällen und nicht
wieder aufforsten, hat der Klima- und Energie-Senator noch ein anderes
Steckenpferd: Klimawandel ignorieren und alle Maßnahmen dagegen verschlafen.
[….] Solardächer: So versagt Hamburg im
Vergleich zu anderen Großstädten. Hamburg liegt beim Bau von
Solardächern im Großstädtevergleich schon wieder auf dem letzten Platz. Dabei
ist Solarenergie einer der Bausteine, die Hamburg bis 2050 klimaneutral machen
sollen. [….]
(Mopo, 09.09.2022)
Gerade einmal 10,3% der neu gebauten geeigneten
Dachflächen Hamburgs werden mit Solarpaneelen ausgestattet.
Das wird nichts mit der Bekämpfung des Klimawandels in
Deutschland. Wir sind einfach zu rückständig. Zu unfähig und zu bräsig.