Dienstag, 5. Januar 2021

Männer und Männlichkeit.

Ein wirklich guter Freund von mir, der in Pennsylvania lebt und seine Trump-wählenden Landleute noch viel mehr als ich hasst, tickt in politischen und religiösen Fragen weitgehend genau wie ich.

Wir sind gleich alt, haben beide eine ähnliche Bildung, lesen viel, blicken fatalistisch in die Welt und sind Antinatalisten.

Es klingt nach Klischee, aber ich habe manchmal den Eindruck bestimmte Fragen besser „unter Männern“ besprechen zu können, obwohl ich das selbst nicht verstehe, da ich ganz sicher kein Chauvinist bin.

Wir lachen über genau die gleichen Dinge und es gibt doch manchmal einen grenzwertigen Witz, oder drastische Memes, die ich lieber ihm nach PA schicke und nicht an eine FreundIN whatsappen würde.

Die Sozialisation in einer liberalen europäischen Stadt und einen kleinen Ort irgendwo mitten in den USA unterscheiden sich aber doch.

Es gibt eindeutige geschmackliche Unterschiede zwischen uns. Ich höre ganz andere Musik und staune immer, wenn ich Bilder von ihm geschickt bekomme, wie uneitel diese Amerikaner auf dem Land rumschlurfen. Immer nur „baggy shorts“, irgendwelche bunten bedruckten Shirts oder Sweater und dazu seine geliebten  superbequemen Trecking-Sandalen.

So etwas zieht ein Hamburger einfach nicht an und es stört mein ästhetisches Empfinden! Wir ziehen uns gegenseitig damit auf. Ich mache mich über sein lotteriges Outfit lustig und er preist die Bequemlichkeit, kann nicht verstehen wieso ich mir die Mühe mache Oberhemden zu bügeln.

Und er liebt FART-PRANKS. Mir ist die Komik, die offenbar beim gegenseitigen Anfurzen empfunden wird, nicht zugänglich.

Im Laufe der letzten 20 Jahre bekomme ich immer wieder farting-Youtube-clips geschickt; immer mit der stillen Hoffnung, ich möge irgendwann doch endlich einmal eins davon lustig finden.

Er beißt dabei auf Granit bei mir, aber immerhin habe ich im Laufe der Dekaden herausbekommen, daß es eine USA-weite Begeisterung für das Furzen gibt. Das übt eine generelle Faszination auf dem gemeinen Amerikaner aus.

So wie erigierte Penisse auf Bewohner des Vatikanstaates.

Von jedem denkbaren Ereignis gibt es „fart-compilations“ und natürlich wurde es zu einem riesigen Medienthema als Trumps Chef-Jurist Rudy Giuliani Anfang Dezember bei einer gerichtlichen Anhörung in Michigan flatulierte.

Das war Stoff für alle Comedians der Nation. Rudy farts on Camera!

Ich sah mir das an, weil ich über den Fortgang der fatalen Trumpschen Wahlanfechtungen unterrichtet werden wollte, wurde aber dank des Youtube-Algorithmus immer wieder zu Fart-Compilations geschickt, in denen nicht nur Amerikaner, wie ich lange vermutete, sondern auch viele andere Männergruppen aus Frankreich, England oder Australien beim begeisterten gemeinsamen Rülpsen und Furzen unter großem Gejohle und Gelächter gezeigt werden.

Vielleicht ist es das, was Männer in ihren „MAN-CAVES“ tun?

Zu dem Begriff kenne ich kein deutsches Äquivalent, aber in den USA scheint es der ultimative und allgemeine Traum eines jeden Mannes zu sein, ein Haus mit Man-Cave zu besitzen.

Dabei handelt es sich um einen abgeschlossenen Raum, vorzugsweise im Souterrain, zu dem Frauen und Kinder keinen Zutritt haben, in dem der Hausherr mit seinen männlichen erwachsenen Kumpels sitzen kann, um vorzugsweise Football zu gucken.

Enthalten sein müssen außer dem großen Flachbildschirm-TV unbedingt die obligatorischen riesigen braunen Sessel aus Lederimitat, in denen man sich gehen lassen kann.

Je nach den finanziellen Möglichkeiten, können diese Man-Caves aber auch eine eigene Bar, eine Zapfanlage, Billardtische und Pinball-Machines beinhalten.

Wieso der gemeine (heterosexuelle) Mann so viel Wert darauf legt, Pool, Bier und TV in einer frauenfreien Zone zu praktizieren, erschließt sich mir nicht.

Aber ich vermute, es hängt mit dem archaischen Drang zusammen sich gehen zu lassen und ohne strafende weibliche Blicke nach Herzenslust nicht nur rülpsen und furzen zu können, sondern darüber auch schallend zu lachen.

Das ist aber nur eine nicht verifizierte These, die voraussetzt, daß Männer grundsätzlich deutlich ordinärer und schlampiger als Frauen sind. Ob das stimmt?

Bei gelegentlichen Einblicken in das männliche Man-Cave-Verhalten, also möglichst phonstarke Flatulenz, Prahlerei mit den eigenen sexuellen Erfahrungen („grab’em by the pussy“ – Trump, harharhar), auf der Jagd Tiere abknallen, breitbeinig sitzen, sich zwischen den Beinen kratzen, Frauen mit großen Oberweiten hinterher zu grölen; frage ich mich, warum ich so gar nicht in diesem Sinne männlich bin.

Oder bin ich einfach zu urban-metrosexuell-verweichlicht?

Andererseits gibt es Situationen, in denen ich auch von Männerklischees „übermannt“ werde. Ich bin beispielsweise kein großer Handwerker, setze aber leidenschaftlich gern IKEA-Möbel zusammen. Wenn ich irgendetwas aus dem Baumarkt brauche, komme ich immer mit Dutzenden zusätzlichen Artikeln heraus, weil ich plötzlich von dem Drang befallen wurde Werkzeug zu kaufen.

Ich hänge in meiner Wohnung höchstens mal ein Bild auf, habe aber eine Kollektion von verschiedenen Stahlnägeln, Schrauben und Dübeln, daß ich damit Bilder in allen Wohnungen dieser Stadt fixieren könnte..

Ich glaube, diesen Wahn, Werkzeug zu horten, haben Frauen nicht.

Beim Nachdenken über typisch weibliches Verhalten und typische Männlichkeitsgebaren, fällt auf, daß Frauen eher über einen Kamm zu scheren sind.

Es gibt mehr Eigenschaften, die scheinbar auf alle Frauen zutreffen. Männlichkeit scheint hingegen heterogener definiert zu werden.

Strenge und sich gehen lassen sind gleichermaßen männlich. Fürsorge und Rücksichtlosigkeit. Es ist typisch männlich sich bekochen zu lassen und die Wäsche den Frauen zu überlassen. Gleichzeitig sind aber die bekanntesten Köche und Modeschöpfer auch Männer.

Unendlich viele Witze ranken sich um die Dummheit und Primitivität von Männern, die aber andererseits auch klar für die Klügsten Köpfe der Welt stehen.

Wir y-Chromosomenträger sind gleichzeitig härter und stärker als Frauen, als auch wehleidiger und wir sterben früher. Tatsächlich wird diese größere Varianz unter Männern von Wissenschaftlern bestätigt. Turboegoisten und vor Selbstbewußtsein strotzende Typen sind Männer, aber eben auch hilfsbereite Altruisten.

[……] Gerade haben Wissenschaftler um Christian Thöni von der Universität Lausanne im Fachmagazin Psychological Science eine Studie publiziert, welche das beschriebene Phänomen stützt. Eine Meta-Analyse zahlreicher Einzelarbeiten mit insgesamt mehr 22 000 Probanden legt nahe, dass Männer auch in der Sphäre kooperativen Verhaltens eher als Frauen auf den Extrempositionen zu finden sind - sehr egoistisch oder sehr altruistisch. Im Mittelwert hingegen, also im Durchschnitt, fänden sich keine relevanten Geschlechtsunterschiede, schreiben die Forscher um Thöni. Die Varianz unter Männern sei jedoch größer als unter Frauen, was eine Betrachtung mithilfe des Mittelwertes verdecke.   Um es mithilfe moderner Modebegriffe auszudrücken: Die Diversität oder Vielfalt von Eigenschaften ist unter Männern ausgeprägter als unter Frauen, sie unterscheiden sich deutlicher voneinander. Das Phänomen ist als "Greater Male Variability Hypothesis" bekannt und wird teils kontrovers diskutiert, seit es Charles Darwin im 19. Jahrhundert erstmals formulierte. [……]  Zum Beispiel berichteten Forscher um Anne-Catherine Lehre von der Universität Oslo 2009 im Fachmagazin Developmental Psychobiology, dass schon das Geburtsgewicht unter männlichen Babys weiter gestreut ist als unter weiblichen. Auch die Körpergröße, die Leistung in manchen sportlichen Disziplinen oder gar verschiedene Blutmarker wie etwa Cholesterin seien unter Männer in einer breiteren Spanne zu finden. Andere Studien berichten, dass das Phänomen auch für Attribute wie mathematische sowie sprachliche Begabung, für räumliches Vorstellungsvermögen, physische Aggressivität und Intelligenz gelte. Mit anderen Worten: Unter Männern finden sich mehr Volldeppen und zugleich mehr Genies als unter Frauen. Sie sind an den extremen Rändern der Verteilung überrepräsentiert. [……] Männer, so ließe sich das alles vorsichtig zusammenfassen, unterscheiden sich deshalb stärker voneinander als Frauen, weil auf diese Weise auch eine besondere Vielfalt in den menschlichen Genpool findet, so die evolutionäre Perspektive. [……]

(Sebastian Herrmann, SZ, 05.01.2021)

Die Forschungen beruhigen mich. Meine Männlichkeit fällt also unter die breite Varianz des Männlichen.

Ich muss mich also nicht zwangsweise übermäßig für das gemeinsame Furzen begeistern, um ein echter Mann zu sein.



Montag, 4. Januar 2021

Und wann werde ich geimpft?

Es ist immer leichter zu kritisieren und zu erklären was man alles für falsch hält.

Die großen politischen Bewegungen entstehen heutzutage auch weniger, weil man gemeinsam etwas liebt, verbessern will.

Die große Klammer ist jetzt der Hass. Man versammelt sich hinter Trump, Farage, der AfD, Hildmann, weil man gemeinsam etwas abgrundtief hasst.

Die Trumpisten halten nicht zusammen, weil sie ihren Cult-Leader so sehr lieben, sondern weil sie alle gemeinsam die gleichen Personen und Ideen wie die Pest hassen.

Daher ist es wichtig und sinnvoll sich immer mal wieder Zeit zu nehmen, um sich darüber bewußt zu werden, was im politischen Bereich funktioniert, was richtig läuft, wer einen guten Job macht und dies auch auszusprechen.

In diesem Zusammenhang möchte ich dringend die SPIEGEL-Titelgeschichte über das Mainzer Biontech-Gründer-Ehepaar Özlem Türeci und Uğur Şahin empfehlen.

Die beiden habilitierten Spitzenforscher haben nicht nur quasi in Eigenregie den weltweit erste hochwirksamen Corona-Impfstoff entwickelt – und zwar schneller als die internationalen Pharmariesen, die mit Milliardenaufwand ebenfalls mit Hochdruck daran forschten, sondern sie sind persönlich auch noch die sympathischsten Menschen, die man sich vorstellen kann.

Völlig zu Recht feiert sie der SPIEGEL-Leitartikel als „Helden der Moderne“ und empfiehlt dem US-Nach­rich­ten­ma­ga­zin »Time« die beiden als Nachfolger von Joe Biden und Kamala Harris zur „Person des Jahres“ zu küren.

[….] Bi­ontech macht aber noch in an­de­rer Hin­sicht Mut: Şahin und Tü­re­ci sind nicht nur ex­zel­len­te For­scher, wie be­ses­sen da­von, die Mensch­heit von Gei­ßeln wie Krebs und töd­li­chen Vi­ren zu be­frei­en; das Paar tür­ki­scher Her­kunft ist auch der bes­te Be­leg da­für, wel­chen Nut­zen Mi­gra­ti­on für eine Volks­wirt­schaft stif­tet. So wie in den USA, wo zahl­rei­che der Tech-En­tre­pre­neu­re eben­falls aus Zu­wan­de­rer­fa­mi­li­en stam­men.

Die Fir­ma aus Mainz legt in­des noch mal ei­nen drauf: Der Kopf der For­scher­trup­pe ist eine Frau. Ohne Tü­re­ci, Şahins Ehe­part­ne­rin seit 18 Jah­ren, wäre Bi­ontech wohl nicht halb so viel wert. Die bei­den sind ein gleich­be­rech­tig­tes Team. Und bei al­lem Er­folg sind sie de­mü­tig ge­blie­ben. Der plötz­li­che Welt­ruhm spornt sie an, der da­mit ver­bun­de­ne Reich­tum be­deu­tet ih­nen per­sön­lich of­fen­kun­dig: gar nichts. Un­ter­neh­mer, wie man sie nicht bes­ser hät­te cas­ten kön­nen. […..]

(Steffen Klusmann, 02.01.2020)

Vor einem Monat war ich verärgert darüber, daß ausgerechnet die drei Länder, die von rechtspopulistischen Lügnern angeführt werden – also Israel, England und die USA – mit dem in Deutschland entwickelten Vakzin Massenimpfungen begannen, während die Bundesregierung geschlafen zu haben schien und in deutschen Pflegeheimen immer noch auf die ersten Biontech-Serumlieferungen gewartet wurde.

In diesem Punkt möchte ich mich korrigieren.

Es gilt zwei verschiedenen Interessen abzuwägen:

Einerseits die eigene Bevölkerung so schnell wie möglich durchzuimpfen, damit das große Sterben zu beenden und Lockdowns überflüssig zu machen.

Andererseits sind wir als steinreiche Industrienationen verpflichtet an die armen Menschen in Entwicklungsländern zu denken, die ohnehin nur eine rudimentäre Gesundheitsversorgung haben und sich das Vakzin nicht leisten können.

[…..] Schamlos und unter Aufbietung ihrer enormen finanziellen und machtpolitischen Ressourcen haben sich die reichen Nationen der Welt den Großteil der globalen Impfvorräte gesichert. Und tatsächlich gibt es jetzt viel Empörung in der westlichen Öffentlichkeit über die Impfstrategie. Doch leider nur darüber, dass europäische Regierungen in ihrem Bestreben, wenigstens im EU-Verbund zu versuchen, eine gleichmäßige Verteilung des wertvollen Stoffes zu gewährleisten, „wichtige Tage“ verschenkt hätten, verglichen mit den noch größeren Impfstoffegoisten USA, Großbritannien oder Israel.  Die Tatsache, dass sich die Regierungen der wohlhabender Staaten, die lediglich 14 Prozent der Weltbevölkerung repräsentieren, bereits jetzt über die Hälfte aller Impfstoffdosen gesichert haben, scheint indes kaum jemanden zu stören.    Wie muss das in den Ohren der Menschen in Brasilien, Indien, Südafrika klingen?   Die Hilfsorganisation Caritas rechnet damit, dass 2021 in 70 ärmeren Ländern nur zehn Prozent der Bevölkerung geimpft werden könnten. […..]

(Harald Stutte, RND, 03.01.2021)

Es war richtig, in Deutschland nicht dem nationalistisch-egoistischen, rücksichtlosen Vorbildern Jerusalem, London und Washington zu folgen.

[…..] Manche Kritiker der deutschen Impfstrategie merken gar nicht, dass die Bundesregierung bei der Beschaffung des Impfstoffs genau das getan hat, was sie von Angela Merkel immer wieder gefordert haben. Als die Kanzlerin nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima den rot-grünen Atomausstieg reaktivierte, wurde ihr vorgeworfen, die europäischen Partner mit der Entscheidung überfallen zu haben. Als Merkel 2015 die Flüchtlinge ins Land ließ, lautete der Vorwurf wieder, sie habe sich nicht mit den europäischen Partnern abgestimmt und spalte damit die EU. Als die Bundesregierung in der ersten Welle der Corona-Pandemie einen Exportstopp für wichtige medizinische Güter verhängte, wurde sie des hartherzigen Nationalismus bezichtigt.   Nun haben Merkel und ihr Gesundheitsminister Jens Spahn im Sommer die Beschaffung des Impfstoffs an die Europäische Union delegiert, und in Deutschland ist jetzt der Aufschrei groß, weil angeblich zu wenig Vakzin geordert wurde. Die Kommission hat offenkundig suboptimal verhandelt, der Geschäftsführer der Firma Biontech hat diesen Verdacht nun in einem Spiegel-Interview verstärkt. Aber ist das wirklich ein Argument gegen die Europäisierung der Beschaffung an sich? Die Alternative wäre ein ruinöser Überbietungswettbewerb der einzelnen EU-Staaten gewesen. Deutschland hätte dieses Rennen dank seiner finanziellen Möglichkeiten wahrscheinlich sogar gewonnen, aber politisch und moralisch wäre es - noch dazu in den Monaten der EU-Ratspräsidentschaft - ein Desaster geworden. […..]

(Nico Fried, SZ, 02.01.2021)

Wir wissen noch nicht genau, ob Geimpfte möglicherweise trotzdem das Sars-CoV2 übertragen können und wie lange der Impfschutz anhält.

Das Biontech-Gründer-Ehepaar Özlem Türeci und Uğur Şahin erwartet dazu aber schon im Laufe dieses Monats erste Antworten.

Wenn es sich bestätigen sollte, daß Menschen nach der doppelten Verabreichung des Biontech-Vakzins nicht nur selbst gegen Covid19 geschützt sind, sondern auch keine Überträger mehr sein können, stellt sich die Frage, ob diese „sicheren Bürger“ Sonderrechte erhalten.

Bekämen sie ein behördliches Zertifikat „Corona-frei“ auf die Stirn tätowiert, könnte man sie theoretisch vom Lockdown befreien und den um ihr Überleben kämpfenden Branchen der Gastronomie, des Kulturwesens und stationären Handels endlich wieder Kunden zu verschaffen. Dieser Post-Corona-Status wäre zudem ein wunderbares Druckmittel auf Covidioten und Aluhüte, die weiterhin zum Lockdown verdammt wären.

Eigentlich ein reizvoller Gedanke.

Bundesregierung und Bundesländer lehnen aber diese Privilegien für Geimpfte kategorisch ab und zwar MIT RECHT!

[…..] Bundesjustizministerin Lambrecht hält Privilegien für Menschen mit Corona-Impfung zum jetzigen Zeitpunkt für falsch.   Es sei nicht einmal klar, ob das Virus möglicherweise trotz einer Impfung weiterhin übertragen werden könne, sagte Lambrecht der Deutschen Presse-Agentur. Allein deshalb verböten sich gegenwärtig Privilegien für Geimpfte. Solange es nicht genügend Impfstoff für alle gebe, sei es zudem ein Gebot der Fairness, Sonderrechte weder einzufordern noch anzubieten, erklärte die SPD-Politikerin. Parteichef Walter-Borjans meinte dazu ebenfalls: „Wie sollten Privilegien für Geimpfte denn denen erklärt werden, die noch gar keine Chance hatten, sich impfen zu lassen?“   Rechtspolitiker von Union und SPD hatten ein gesetzliches Verbot von Sonderrechten für Geimpfte in die Diskussion eingebracht. Der rechtspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Fechner, sagte der Zeitung „Die Welt“, es sei nicht hinnehmbar, wenn Fluggesellschaften nur Geimpfte mitnehmen oder Restaurants Nicht-Geimpften den Zutritt verwehren wollten. Eine solche Sonderregelung würde zu Spaltungen in der Gesellschaft führen. Ähnlich äußerten sich die Unionsparteien. […..]

(Deutschlandfunk, 29.12.2020)

Es wäre zutiefst amoralisch solche Sonderrechte zuzulassen, während die allermeisten Menschen sich gar nicht impfen lassen konnten.

Die Vorstellung, daß reiche Geimpfte aus den Industrienationen als Kreuzfahrtouristen immun durch Jamaika oder Marokko spazieren, wo sich niemand in der einheimischen Bevölkerung das Vakzin leisten kann, ist abartig.

Die Richtigkeit eines Verbots von Impfprivilegien zeigt sich schon daran, daß AfD und FDP sich diese Privilegien für sich selbst durchaus vorstellen. Sowohl Lindner als auch Christine Aschenberg-Dugnus, die gesundheitspolitische Sprecherin der Partei der Besserverdienenden haben sich so geäußert.

Es ist richtig keine Sonderrechte zuzulassen, es ist richtig auf eine europäische Lösung bei der Vakzin-Beschaffung gesetzt zu haben und nicht mit deutschen Milliarden Ärmeren und Bedürftigeren das lebenswichtige Biontech-Eloxier wegzuschnappen.

Es ist auch richtig bei der Verteilung des Impfstoffs stringent die vulnerablen Gruppen zu bevorzugen.

Erst müssen die >80-Jährigen in Pflegeheimen mit Corona-Fällen geimpft werden, dann die anderen Pflegeheimbewohner, das medizinische Personal und schließlich die anderen über 80-Jährigen. Dann folgen all die systemrelevanten Menschen, diejenigen, die sehr viele Kontakte haben.

Ich werde mich sehr weit hinten anstellen müssen.

Und auch das ist richtig so.

Sonntag, 3. Januar 2021

Die letzten Amtswochen.

Noch drei Wochen; dann ist der Alptraum zwar noch lange nicht vorbei, weil die Trump-Familie, die vollkommen verfassungswidrig agitierenden Faschistoiden GOP-Senatoren um Ted Cruz, sowie 74 Millionen fanatisierte Cult-Anhänger weiter existieren, um Unheil und Tod zu verbreiten.

Aber immerhin fungiert IQ45 dann nicht mehr Oberbefehlshaber der mächtigsten Armee der Welt und wird weit entfernt vom Atomkoffer mit seinen miesen kleinen Wurstfingern auf sein Smartphone eintippen.

Vielleicht werden wir sogar das Glück haben, daß Jack Dorsey Trumps Twitteraccount ganz löscht. Zumindest wird er nicht mehr die Sonderrechte des Staatsoberhauptes genießen, so daß die schlimmsten Lügentweets gelöscht werden.

Die Bilanz ist so verheerend, daß man sich kaum vorstellen kann, wie die letzten paar Tage noch irgendwas ändern könnten.


Aber, unfassbar, aber wahr; auf den letzten Metern dreht der psychopathische Parasit noch mal richtig auf.

[…..] Obwohl immer mehr Amerikaner die Todesstrafe ablehnen, nahm die Trump-Regierung Hinrichtungen auf Bundesebene im Sommer wieder auf. In den fünf Monaten seither wurden zehn Delinquenten exekutiert. Das sind so viele wie in den vorherigen sieben Jahrzehnten zusammen.   Exekutionen auf Bundesebene waren selten, auch vor dem Moratorium. Die meisten Verfahren, die zu Todesstrafen führen, sind Sache der einzelnen Staaten, nur in besonderen Fällen greift das US-Justizministerium ein. Unter Trump hat sich das geändert: Er hat die ausstehenden Vollstreckungen sogar noch beschleunigt.   Allein in den Wochen seit der Wahlniederlage fanden vier Hinrichtungen statt. Es war das erste Mal seit 1889, dass ein Präsident die Phase des Machtwechsels zwischen der Wahl und der Amtseinführung des Nachfolgers derart nutzt. Es scheint, als wolle Trump so viele Urteile wie möglich vollstrecken, bevor Joe Biden, ein Gegner der Todesstrafe, antritt.

Es seien »moderne Lynchmorde«, empörten sich der Theologe James Keenan und der Menschenrechtsanwalt William Montross in der Zeitung »National Catholic Reporter«: Der Nochpräsident sei im »Blutrausch«. Selbst die EU verurteilte die Hinrichtungswelle als »grausam und unmenschlich«.[…..] Trump macht keinen Hehl aus seiner makabren Haltung. »Ich war immer für die Todesstrafe«, sagte er 2016. Er avisierte sie für Landesverräter, Deserteure, Drogendealer, Whisteblower und, in ganzseitigen Zeitungsanzeigen, für die »Central Park Five«, fünf Teenager, die 1990 wegen Vergewaltigung verurteilt und mehr als zehn Jahre lang inhaftiert wurden – zu Unrecht, wie sich herausstellte.  Doch nicht nur Trump zeichnet verantwortlich für die Wiederaufnahme der Hinrichtungen auf Bundesebene, mit der sich die USA in der westlichen Welt isoliert haben. Ex-Justizminister Bill Barr, der zu Weihnachten zurücktrat, und sein Vize und kommissarischer Nachfolger Jeff Rosen haben diesen Entscheidungsprozess maßgeblich mit vorangetrieben. […..]

(Marc Pitzke, 03.01.2021)

Trumps Attacken auf die US-Verfassung, seine Versuche die Wahl zu manipulieren sind offen und offensichtlich.


Ted Cruz, den ich bis zu Trumps Kandidatur von 2015/16 für den allerübelsten Republikaner aller Zeiten hielt, wird seiner alten Rolle gerecht und führt eine garstige Truppe aus 11 radikalen rechtsextrem-verblödeten Verfassungsfeinden an. Sie wollen eine autokratische faschistische Diktatur und den demokratischen Willen von 81 Millionen Biden-Wählern aushebeln.

 

 

Trump hatte Cruz konsequent als „Lyin‘ Ted“ bezeichnet, seine Frau Heidi übel beleidigt und seinen Vater Raffael mit dem Kennedy-Mord in Verbindung gebracht.  Zum Dank kriecht Cruz ihm nun sogar noch tiefer in den Hintern als Lindsey Graham.

Ihr Cult-leader übertrifft aber selbst diese elf Peinlichkeiten, indem er direkt die Verantwortlichen für die Durchführung der Wahlen bedroht, wenn sie nicht das Ergebnis in seinem Sinne fälschen.

[……] Noch-US-Präsident Donald Trump hat einem Bericht zufolge in einem ungewöhnlichen Telefonat auf eine nachträgliche Änderung des Wahlergebnisses im Bundesstaat Georgia gedrungen. In dem etwa einstündigen Gespräch hat Trump den für die Durchführung der Wahl verantwortlichen Innenminister Georgias, Brad Raffensperger, unverblümt aufgefordert, genügend Stimmen für ihn "zu finden" und das Ergebnis "nachzuberechnen".  […..] Trump bezeichnete Raffensperger nach dem


Telefonat auf Twitter als "ahnungslos". Der Republikaner Trump drohte seinem Parteikollegen Raffensperger in dem Gespräch, dass er ein "großes Risiko" eingehe und sich womöglich einer Straftat schuldig mache, wenn er nicht gegen den Wahlbetrug vorgehe.
[…..] Die Ergebnisse wurden zwei Mal nachgezählt; es fanden sich dabei trotz Trumps Behauptungen keine Hinweise auf Wahlbetrug.

In dem Telefonat klagte Trump über das "falsche" Ergebnis und beteuerte, er habe die Wahl gewonnen. "Ich will nur 11 780 Stimmen finden... weil wir den Bundesstaat gewonnen haben", sagte er dem Mitschnitt zufolge. "Wir haben die Wahl gewonnen, und es ist nicht fair, uns den Sieg so zu nehmen", sagte Trump. Raffensperger solle die Ergebnisse nochmals prüfen, forderte der scheidende US-Präsident. "Aber prüfen Sie es mit Leuten, die Antworten finden wollen", sagte Trump. […..]

(SZ, 03.01.2021)

Trump begeht Hochverrat und gehört dafür lebenslänglich in den Knast. Das ist schon ungeheuerlich genug.

Aber fast die gesamte republikanische Partei unterstützt diese „Insane Reality Show“ und agiert dadurch wesentlich zerstörerischer für die USA als es Al Kaida, Taliban, IS oder Kim Jong UN je könnten.


 

Samstag, 2. Januar 2021

Wieso Friedrich Merz geliebt wird.

Es gibt so wenige Gewissheiten. Vieles, das meine Gerontengeneration über Dekaden als in Stein gemeißelt betrachtete, verrutscht nicht nur, sondern verkehrt sich vor unsere Augen in das diametrale Gegenteil.

·        Das kommunistische China, dessen kommunistische Partei absolut unangefochten und allmächtig regiert, steht nun für die reinste Form des Turbokapitalismus. Es ist so radikal kapitalistisch, daß das FDP-Parteiprogramm dagegen sozialistisch wirkt.

·        In Russland, dem Mutterland des Kommunismus regiert immer noch zentralistisch der Kreml, aber der Kreml-Führer ist nun der Held, Finanzier und beste Freund der deutschen Faschisten von der AfD.

·        Der US-Präsident bekämpft die US-Verfassung und agitiert gegen freie Wahlen. Dafür wird er von 74 Millionen Amerikanern frenetisch bejubelt.

·        Prominente Politiker der deutschen Partei „Die Linke“ betreiben völkische und nationalistische Politik, agitieren gegen den Internationalismus und loben den weit rechts außen stehenden US-Präsidenten.

·        Die CDU-Mitglieder wünschen sich mehrheitlich einen jungen Schwulen als Parteichef, nachdem sie endlos lange von Frauen geführt wurden.

·        Die Grünen plädieren nun für mehr Militäreinsätze und bemühen sich als Establishment angesehen zu werden, weil sie nicht nur die wohlhabendsten Wähler aller Parteien haben, sondern auch die weißeste Partei sind. Migranten machen einen Bogen um die Grünen. Die Grünen möchten lieber Schwarz-Grün als Grün-Rot regieren, weil sie in den CSU-Chef verliebt sind, der Jahrzehntelang mit besonders ausländerfeindlichen, nationalistischen Parolen, sowie als größter Verfechter der Atomkraft Karriere machte. Die Grünen lassen als Minister der Landesregierungen höchst selbst die Wälder abholzen, für deren Erhalt sie vor 40 Jahren in die Schlacht zogen.

·        Die urbanen und liberaleren Wähler Deutschlands begeistern sich hingegen für die im 16 Jahr regierende CDU-Kanzlerin.

·        Deutschlands Ingenieurswesen wird dafür international als rückständig betrachtet. Deutsche können keine Großprojekte mehr durchführen, keine modernen Autos bauen und die Infrastruktur, insbesondere die Digitale, hinkt weit hinter Rumänien oder ehemaliger baltischer Sowjetrepubliken hinterher.

Vor knapp 20 Jahren machte Chris Rock noch Witze über die Wandlungen der Stereotype.

[…..]  “You know the world is going crazy when the best rapper is a white guy, the best golfer is a black guy, the tallest guy in the NBA is Chinese, the Swiss hold the America's Cup, France is accusing the U.S. of arrogance, Germany doesn't want to go to war, and the three most powerful men in America are named "Bush", "Dick", and "Colin." Need I say more?” [….]

(Chris Rock)

Heute mäandern die gesellschaftlichen und ökonomischen Kräfte so virtuos durch das politische Koordinatensystem, daß man sich gar nicht mehr wundert, wenn wieder einmal Berichte über das rege Treiben schwuler Callboys im Vatikan berichtet wird, oder der langjährige SPD-Chef für die Deutsche Bank Kapitalismus betreibt.

Als Wolfgang Menges Geschöpf Alfred Tetzlaff in den 1970er Jahren gelegentlich die Nachrichten einschaltete oder in die Zeitungen sah, fand er stets sein Weltbild bestätigt. Die CDU war rechts, die SPD links, die Amerikaner die Guten und der Warschauer Pakt kommunistisch-aggressiv.

Auch wenn man ein Jahr die Zeitungslektüre ausließ, fand man sich anschließend sofort wieder zu Recht. Die Koordinaten der großen Player blieben an ihrem Platz.

Ein halbes Jahrhundert später muss man ununterbrochen am Nachrichtenfluss hängen, um bei den immer irrsinnigeren Wendungen noch mitzukommen.

Nicht jeder mag immer „up to date“ sein, sehnt sich nach den alten Gewissheiten und wendet sich entnervt ab.

Da kommt Friedrich Merz ins Spiel.

Bei ihm gab es seit Jahrzehnten keine politische Weiterentwicklung.

Ihm kann man keine Uneitelkeit wie der Kanzlerin nachsagen.

Der Mann hält immer die Hand offen, wenn es etwas zu holen gibt.

Wirecard-Skandal. Während Ex-Großzampano Jan Marsalek noch international gesucht wird und CEO Markus Braun im Knast sitzt, lernen wir, daß Merz sich mehrfach mit Braun traf.

Merz bemühte sich immer erst einmal um sein eigenes finanzielles Wohl, wurde so zum Multimillionär. Für Geringverdiener und Rentner in Armut kennt Merz nur Spott und Verachtung.

Eine Frau als CDU-Generalsekretärin will er nicht mehr. Auch in der Schwulenfrage hat er sich in 50 Jahren nicht bewegt; die mag er nicht und hält sie offenbar alle für Pädophile. Auch der gute alte tumbe Sexismus gegen Frauen lebt in Merz munter weiter.

(……) Wie halten sie es eigentlich mit ihrem Chef und Vorsitzenden Roland Tichy, der im Namen der Stiftung gegen Klimaschutz wettert und in seinem Blatt über den „G-Punkt“ von SPD-Politikerinnen mit Migrationshintergrund orakeln lässt.

Selbstverständlich gehört auch Multifunktionär Friedrich Merz, der selbst mit multiplen Shitstorms kämpft  zur Ludwig-Erhard-Stiftung.

Es wäre eine Gelegenheit von seinen eigenen schwulenfeindlichen Sprüchen abzulenken. Aber der Mann ist nicht lernfähig.

Einer der Merzschen Helden, Donald Rumsfeld, dem damals die CDU-Größen Merkel, Schäuble, Merz und Pflüger begeistert in den Irak-Krieg folgen wollten, sagte im Jahr 2002 an die Adresse der Kriegsgegner „Wenn du in einem Loch sitzt, solltest du aufhören zu graben“.

Friedrich Merz nimmt sich den Ratschlag allerdings nicht zu Herzen und gräbt sich nach seiner schwulenfeindlichen Attacke tiefer in sein Loch der Uneinsichtigkeit.

Obwohl man ihm bundesweit erklärte, wie diskriminierend, missachtend, falsch und ungehörig seine gedankliche Verknüpfung von Homosexualität und Pädophilie ist, gibt sich der renitente Multimillionär absolut beratungsresistent und unterstreicht tags darauf noch einmal explizit diesen angeblichen Zusammenhang.

[…..] Merz sagte der “Welt” weiter: “Die Toleranzgrenze ist immer überschritten, wenn Kinder betroffen sind, und da haben wir nun genug abscheuliche Dinge gesehen in letzter Zeit.” Das werde er auch in Zukunft so sagen, “selbst wenn es offenbar dem einen oder anderen nicht gefällt”. [….]

(RND, 22.09.2020)

Das ist schon interessant; der Mann, der so gern Kanzler werden will ist nicht nur ganz offensichtlich intellektuell nicht in der Lage seinen Irrtum zu bemerken, sondern ihn verlassen auch alle politischen Instinkte. Selbst wenn er anderer Meinung ist, sollte er doch erkennen sich total verrannt zu haben, weil ihm niemand, auch nicht aus seinem engsten Umkreis beispringt. Kein CDUler will ihn noch verteidigen.

[…..] Friedrich Merz hat sich „verplappert“. Okay, das kann passieren. Zumal, wenn man zu verbaler Inkontinenz neigt, die Worte einem mitunter unkontrolliert entgleiten. Doch statt sich zu entschuldigen, behauptet er jetzt in der „Welt“, da sei etwas „bösartig konstruiert“worden. Um dann nochmals sein eigentliches Motiv zu unterstreichen: „Die Toleranzgrenze ist immer überschritten, wenn Kinder betroffen sind, und da haben wir nun genug abscheuliche Dinge gesehen in letzter Zeit.“ Was es fast noch schlimmer macht. Denn wieder konstruiert er diese merkwürdige Assoziation zwischen Homosexualität und Pädophilie. Und profiliert sich darüber hinaus als selbstloser Tugendwächter, dem es doch nur um das Wohl der Kinder geht. Damit begibt sich Merz in schlechteste Gesellschaft: Donald Trump hatte Hillary Clinton unterstellt, als Mitglied einer „Pizza-Connection“einem Pädophilenring anzugehören. […..][…..]

(H. Stutte, Mopo.de, 23.09.2020)

Von diesem Merz kann man nicht erwarten, daß er den Tichy-Affront begreift und sich aus Solidarität mit Chebli ebenfalls aus der LES zurückzieht.

Gut so; dann erkennt auch der Begriffsstutzige woran er bei Merz ist. (…..)

(Und noch einmal CDU-Sexismus in Reinkultur, 23.09.2020)

Bei Merz muss man nie befürchten, er könne auf einmal wie Markus Söder einen Baum umarmen oder sich mit Hundewelpen abbilden lassen.

Merz bleibt immer der weit rechts stehende Kapitalist, der seinem multiplen Vorurteilen; seinem Hass auf Minderheiten und Schwache freien Lauf lässt.

Für von der Gegenwart überforderte Konservative ist Friedrich Merz in die Inkarnation alter Gewissheiten.

Während uns grausige Bilder des EU-Versagens im bosnischen Elendslager Lipa erreichen, wir Kinder barfuß im Schnee kauern sehen, 900 Menschen im tiefsten Winter mitten in Europa erfrieren und hungern, ist auf Merz Verlass. Er kennt kein Mitleid. Wer arm und womöglich noch nicht mal weiß ist, soll ruhig krepieren.

[….] Nach dem Brand in einem Flüchtlingslager in Bosnien harren Migranten in Eis und Kälte aus, während Soldaten provisorische Zelte aufstellen. Aus der CDU kommen warnende Stimmen: Auf keinen Fall dürften die Menschen dort nach Deutschland geholt werden, meint der Kandidat für den Unionsvorsitz Merz.    CDU-Vorsitzkandidat Friedrich Merz hat sich prinzipiell gegen die Aufnahme von Flüchtlingen aus Lagern in Griechenland oder Bosnien ausgesprochen. [….] "Diese humanitäre Katastrophe lässt sich allerdings nicht dadurch lösen, dass wir sagen: Kommt alle nach Deutschland. Dieser Weg ist nicht mehr geöffnet."   [….] Europa müsse Verabredungen mit den Herkunfts- beziehungsweise Transitländern treffen, um die illegale und lebensbedrohliche Migration über das Mittelmeer noch in den Ausgangsländern zu unterbinden. "Die klare Botschaft an die Flüchtlinge wie an die Schlepperorganisationen muss sein: Es ist lebensgefährlich, und es wird keinen Erfolg haben", erklärte Merz. [….]

(NTV, 02.01.2021)

Die völlig herzlose, eiskalte kapitalistische Sicht, kennen wir nur noch von AfD, Werteunion und Seehofer so deutlich.

Natürlich unterstützen die meisten politischen Kräfte Europas diesen zutiefst amoralischen Kurs, der Tausende Flüchtlinge ersaufen oder in der Kälte krepieren lässt. Aber die meisten schweigen, weil sie noch einen Rest von Schamgefühl haben.

(…..) In den europäischen Elendslagern herrschen nun teilweise Temperaturen unter dem Gefrierpunkt.

Kinder, Frauen, Alte erfrieren und verhungern unter freiem Himmel.

[…..] Die Menschen sitzen im Dreck, es gibt kein warmes Wasser und keine Heizung. Im Lager Kara Tepe auf Lesbos werde die Situation immer schlimmer, sagt Katrin Glatz-Brubakk von Ärzte ohne Grenzen. Es gebe Kinder, die an Selbstmord denken.   In dieser Woche haben 7.000 Flüchtlinge auf die Not in ihrem Zeltlager Kara Tepe auf der griechischen Insel Lesbos aufmerksam gemacht – mit einem Brief an die EU-Kommission und an alle Europäer. Sie haben dabei nicht um Spenden gebeten, sondern um professionelle Hilfe von Experten, damit sie unter deren Anleitung das Lager selbst instand setzen könnten. Sie sagen, die Zustände seien dort zum Teil schlimmer als im alten Lager Moria, und selbst Tiere hätten mehr Rechte als sie. […..]

(Deutschlandfunk, 27.12.2020)

Der überzeugte Christ, Papst-Freund und regelmäßige Petersdom-Besucher Seehofer lehnt Nächstenliebe prinzipiell ab.

[….]  Seehofers Abschiebe-Populismus

Obwohl die Situation in Syrien die Hölle ist, will Innenminister Seehofer Geflüchtete dorthin abschieben. Es ist ein aussichtsloses Vorhaben – zulasten des Rechtsstaats. [….] Syrien ist kein Staat, sondern die Hölle. Diktator Baschar al-Assad ringt zehn Jahre nach Ausbruch des Bürgerkriegs mit Rebell*innen, Milizen, Söldner*innen um die Macht. Nach wie vor lässt sein Regime Kritiker*innen verhaften, foltern, ermorden. Die Wirtschaft ist vollkommen kollabiert. Selbst in Städten wie Damaskus haben Bürger*innen Schwierigkeiten an Brot zu kommen.    Trotzdem will Bundesinnenminister Horst Seehofer Menschen in diese Hölle zurückschicken. Der Abschiebestopp für Syrien läuft zum Jahresende aus. Seehofer hat am Wochenende angekündigt, unmittelbar im neuen Jahr Gefährder*innen und Straftäter*innen nach Syrien überstellen zu wollen.  Die Rechtslage ist eindeutig: Wenn Menschen in ihrer Heimat Unheil droht, Verfolgung, Folter, Hinrichtung, dann dürfen sie nicht dorthin zurückgebracht werden. Genau das aber ist in Syrien der Fall. Das Vorhaben der Bundesregierung ist deshalb eine Farce. [….]

(Maximilian Popp, 29.12.2020)

Menschenleben retten?
Pfui Teufel, da stemmt sich die fromme christliche CSU mit aller Macht dagegen!

[….]  2021 in Europa: Schutzsuchende leben im Schlamm, Kinder werden von Ratten gebissen, weil EU-Regierungen das für richtig halten.   Deutschland könnte dieses Lager 10x evakuieren und wäre immer noch unter Seehofers Obergrenze. [….]

(Erik Marquardt, MEP, Die Grünen, 23.12.2020)

Die Bundesregierung sollte sich für den Bayern und die Bayern in ihren Reihen schämen. (….)

(Die Schande Bayerns und Deutschlands, 29.12.2020)

Friedrich Merz kennt keinerlei Scham; er sagt offen, daß er all diese Menschen in ihrer ausweglos scheinenden Situation zur Abschreckung sterben lassen will.

Das ist eben ein wahrer Christ, der sich dafür prädestiniert fühlt die C-Partei anzuführen und auch als der Kandidat mit den besten Chancen auf CDU-Parteivorsitz und Kanzlerschaft gehandelt wird.

Bei Friedrich Merz weiß man immer woran man ist.

Freitag, 1. Januar 2021

Impudenz des Jahres 2020

Und schon wieder einmal zeigt der Kalender einen „1.1.“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Jahres zu küren.

Mit großem Abstand und hochverdient bekommen die Covidioten der westlichen Demokratien diese Auszeichnung.

Sie haben freien Zugang zu allen Medien und werden nicht wie in die autokratischen Ländern über das Ausmaß der Pandemie im Dunkeln gehalten, können mit jedem diskutieren und werden von den besten Experten der Welt informiert.

Aber völlig freiwillig wählen sie den Weg in Richtung Krankheit und Massensterben.

59% der Franzosen wollen sich nicht gegen Corona impfen lassen. Bei einem Stand von 2,6 Millionen Infizierten und  65.000 Toten in Frankreich.

Das Robert Koch-Institut meldet für den sächsischen Vogtlandkreis eine Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 818 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner.

In den Corona-Übersichtskarten ist Sachsen stets tiefrot gefärbt; die Leichen stapeln sich derartig, daß die Krematorien nicht mehr hinterher kommen.

Dennoch verweigern nach wie vor sächsische Verschwurbelungstheoretiker in großer Zahl alle Schutzmaßnahmen, weil sie lieber auf Aluhüte des Schlages Xavier Naidoo und Attila Hildmann hören.  

Daß Reptiloide vom Aldebaran-Nebel die Bundesregierung unterwandert haben, erscheint ihnen also glaubwürdiger als die geballte Fachkompetenz der Infektionsspezialisten in den Universitäten und Krankenhäusern. Im Schwabenland ist es nicht viel besser.

Die geballte Erkenntnisresistenz im Angesicht des Offensichtlichen, ist aber leider nicht nur ihr eigenes tödliches Risiko.

Millionen Covidioten sind wie Millionen volltrunkene Autofahrer. Sie gefährden nicht nur sich selbst – das wäre zu verschmerzen – sondern auch alle Menschen um sich herum.

Die meisten Corona-Leugner, „Anti-Maskers“ und aggressiven Realitäts-Gegner laufen in den USA frei rum.

Das ist wenig verwunderlich, da ihre Aluhütigkeit aus einem gewaltigen Resonanzraum rechtsextremer Desinformationsmedien gespeist wird.

74 Millionen Amerikaner verehren den größten Corona-Leugner Donald Trump. Der Mann, der lügt, wenn er den Mund aufmacht.

Der schon 21.000 mal offiziell im Amt die Unwahrheit sagte und sich inzwischen vollständig in eine Phantasie-Parallelwelt zurückgezogen hat.

Einer Echokammer des Irrsinns, in der er immer Recht hat, von allen geliebt wird und alle anderen LOSER sind.

Die Folgen sind wenig überraschend. Die USA ist zu einem einzigen großen konzentrierten Sachsen mutiert.

Am heutigen Neujahrstag melden die USA fast 21 Millionen infizierte Menschen und 356.000 Corona-Tote.

Moralisch betrachtet sind die rechtsextremen ungebildeten Trumpmerikaner, die fanatische MAGAts, noch nicht mal die unterste Kategorie der Gattung Homo Demens. Sie sind so verblendet, verblödet und verloren, daß sie mental gar nicht in der Lage sind ihr katastrophales destruktives Dasein zu begreifen.

Noch niederträchtiger sind hingegen die rechts-fanatischen GOP-Politiker, die selbst klug genug sind, um zu wissen, daß der Sars-CoV-II existiert und man mit Hygiene, Masken, social Distancing und Impfungen dagegen vorgehen muss.

Die aber wider besseres Wissens für die Anti-Maskers trommeln, da sie deren Stimmen brauchen, um ihre Pfründe und Posten zu sichern.

Zu dieser abscheulichsten Gattung Mensch gehören beispielsweise die mächtigen GOP-Senatoren Ted Cruz, Marco Rubio, Moscow-Mitch McConnell und Lindsey Graham.

Sie haben Trumps massenmörderische und Pandemie-fördernde Politik stets mit voller Emphase unterstützt, die Demokraten für ihre Faktentreue gescholten, sind öffentlich mit Trump ohne Masken aufgetreten und haben die Superspreader-Events unterstützt.

Noch bevor aber der in Mainz entwickelte Biontech-Impfstoff in Deutschland zur Verfügung stand, ließen eben diese Senatoren sich selbst schnell impfen.

Rubio ist die unterste und widerlichste Form des Covidioten 2020!

Donnerstag, 31. Dezember 2020

Bücherkunde

Das Schöne an den Schriftreligionen Judentum, Christentum, Islam, Bahaitum, Orphismus, Hinduismus, Buddhismus, Nationalsozialismus, Sikhismus, Zoroastrismus, Jainismus, Taoismus, Mormonentum, Maoismus, Homöopathie und Juristerei ist, daß sich deren Anhänger noch viele Jahrhunderte nach deren Niederschrift ausführlich mit der Text-Exegese beschäftigen können.

Im Laufe der Zeit und durch bewußt vage gehaltene Bilder, lässt sich von den Mächtigsten der jeweiligen Anhänger alles und auch das Gegenteil in die Texte hineininterpretieren.

Gleichzeitig muss sich der Exeget nicht als jemand ansehen lassen, der bloß eine Meinung vertritt, die vielleicht hauptsächlich seinen eigenen Interessen dienen.

Nein, der Ayatollah, der Richter, der Bischof, der Rabbiner hält ja schließlich das eine gedruckte Heiligtum in der Hand, das über jeden Zweifel erhaben ist.

Er muss also Recht haben, da Jesus, Mao, Hahnemann, Joseph Smith, die Väter des Grundgesetzes, Gott schließlich persönlich die Regeln aufschrieben, auf die sich alle Anhänger berufen.

Die jeweiligen Schriften haben derart kultischen Charakter, daß wir buchstäblich auf sie schwören, um über jeden Zweifel erhaben zu sein.

Wir tun das, obwohl es sich dabei ganz offensichtlich um ein Paradoxon handelt.

Bei jeder einzelnen Gerichtsverhandlung stehen sich zwei Anwälte gegenüber, die sich auf das gleiche Gesetzbuch stützen, für das beide als Experten fungieren, Dennoch verlieren aber 50% der Anwälte (gerichtliche Vergleiche ausgeklammert). Statistisch irren sie also in jedem zweiten Fall.

Die Bibel ist ein besonders eklatanter Fall von einem für eine Welt-Ideologie ungeeignetem Text. Schließlich sind die Anhänger eben dieses einen Buchs seit 2.000 Jahren damit beschäftigt sich die Köpfe einzuschlagen, weil sie grundverschiedene Aussagen aus dem Text interpretieren.

Ein Text, der ausdrücklich den Anspruch erhebt für alle Ewigkeit zu gelten – EXTRA ECCLESIAM NULLA SALUS - und gleichzeitig so viele zeittypische Anordnungen enthält, die wie das Preisen der Sklaverei, Todesstrafe, das Zinsverbot, Antisemitismus und Frauenunterdrückung, eben gerade heute nicht mehr gültig sein können. Das Grundgesetz der BRD ist gerade mal 71 Jahre alt und schon sind viele Ansichten völlig veraltet. Wir definieren Ehe anders, haben Kinderrechte entdeckt, haben davon Anstand genommen, daß Ehemänner ihre Frauen vergewaltigen dürfen und diese erst mit seiner Erlaubnis einen Job annehmen dürfen. Wir kennen nun die Begriffe Umweltschutz und Klima. Die Majestätsbeleidigung fiel erst nach der Causa Böhmermann, bald dürften der Blasphemie-Paragraf oder der Tierschutz überdacht werden. Gentechnik und Reproduktionsgesetze, sowie Datenschutz gibt es noch gar nicht.

Bei älteren Texten; das Buch Mormon von 1827, Samuel Hahnemanns Organon der rationellen Heilkunde von 1810, die Evangelien vermutlich um 125, die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika von 1787.

Der Text mit dem Anspruch auf Unfehlbarkeit steckt voller Fehler. Die Autoren bauten zahlreiche Widersprüche ein.

Daß all diese Gesetzbücher Widersprüchlichkeiten enthalten und in Wahrheit sehr schnell altern – die heilige US-Verfassung kennt kein Frauenwahlrecht, aber dafür Sklavenhaltung; der zweiten Naturalization Act von 1795 garantiert, daß nur Weiße US-Staatsbürger sein dürfen – ist in Wahrheit ein Vorteil.

So kann der gemeine Gläubige/Staatsbürger/Anhänger die Angelegenheit den Fachleuten überlassen und stolz bei jeder Gelegenheit die Bibel o.ä. hochhalten, schwören sich danach zu richten, um sich moralisch überlegen zu erklären, ohne im Detail zu wissen was darin steht.

Millionen Homöopathie-Gläubige zeigen es jeden Tag.

Sie prahlen damit sich als „Gegner der Chemie“ zu betrachten, nichtahnend, daß selbstverständlich alle Stoffe Chemie sind, auch ihre HÖ-Tropfen und Globuli.

Sie prahlen damit nicht von der bösen Pharmaindustrie gesteuert zu sein; nichtahnend, daß selbstverständlich Pharmaunternehmen all ihre Lactose-Kügelchen herstellen.

Sie berufen sich auf Samuel Hahnemann (* 10. April 1755 in Meißen; † 2. Juli 1843 in Paris), den berühmten und kultisch verehrten Begründer der Homöopathie und dessen vollkommen unsinnige Verdünnungsregeln, die dazu führen, daß die Deutschen für 700 Millionen Euro im Jahr homöopathische Placebos bar jeden Wirkstoffs kaufen.

Es ist schlicht und ergreifend ein einziger Betrug, der auch deswegen so gut funktioniert, weil die Homöopathie-Gläubigen – darunter viele Grünen-Politiker und offenbar auch Ministerpräsidentin Schwesig – gar nicht wissen welch gewaltigen Unsinn ihr Held Hahnemann bei seiner Erfindung der Homöopathie verzapfte.

An dieser Stelle mein Dank an Elke vom Ratgeber-News-Blog, die mich darauf hinwies, daß Homöopathika laut Hahnemanns Organon nur unter Einhaltung strenger Regeln wirken können. Wer masturbiert oder womöglich im Liegen liest, hat schon verloren! Aber für Homöopathie-Gläubige ist noch viel mehr verboten.

Kaffee, feiner chinesischer und anderer Kräuterthee; Biere mit arzneilichen, für den Zustand des Kranken unangemessenen Gewächssubstanzen angemacht, sogenannte feine, mit arzneilichen Gewürzen bereitete Liqueure, alle Arten Punsch, gewürzte Schokolade, Riechwasser und Parfümerieen mancher Art, stark duftende Blumen im Zimmer, aus Arzneien zusammengesetzte Zahnpulver und Zahnspiritus. Riechkißchen, hochgewürzte Speisen und Saucen, gewürztes Backwerk und Gefrornes mit arzneilichen Stoffen, z.B. Kaffee, Vanille u.s.w. bereitet, rohe, arzneiliche Kräuter auf Suppen, Gemüße von Kräutern, Wurzeln und Keim-Stengeln (wie Spargel mit langen, grünen Spitzen), Hopfenkeime und alle Vegetabilien, welche Arzneikraft besitzen, Selerie, Petersilie, Sauerampfer, Dragun, alle Zwiebel-Arten, u.s.w.; alter Käse und Thierspeisen, welche faulicht sind, (Fleisch und Fett von Schweinen, Enten und Gänsen, oder allzu junges Kalbfleisch und saure Speisen; Salate aller Art), welche arzneiliche Nebenwirkungen haben, sind eben so sehr von Kranken dieser Art zu entfernen als jedes Uebermaß, selbst das des Zuckers und Kochsalzes, so wie geistige, nicht mit viel Wasser verdünnte Getränke; Stubenhitze, schafwollene Haut-Bekleidung, sitzende Lebensart in eingesperrter Stuben-Luft, oder öftere, bloß negative Bewegung (durch Reiten, Fahren, Schaukeln), übermäßiges Kind-Säugen, langer Mittagsschlaf im Liegen (in Betten), Lesen in wagerechter Lage, Nachtleben, Unreinlichkeit, unnatürliche Wohllust, Entnervung durch Lesen schlüpfriger Schriften, Onanism oder, sei es aus Aberglauben, sei es um Kinder-Erzeugung in der Ehe zu verhüten, unvollkommner, oder ganz unterdrückter Beischlaf; Gegenstände des Zornes, des Grames, des Aergernisses, leidenschaftliches Spiel, übertriebene Anstrengung des Geistes und Körpers, vorzüglich gleich nach der Mahlzeit; sumpfige Wohngegend und dumpfige Zimmer; karges Darben~ u.s.w. Alle diese Dinge müssen möglichst vermieden oder entfernt werden, wenn die Heilung nicht gehindert oder gar unmöglich gemacht werden soll. Einige meiner Nachahmer scheinen durch Verbieten noch weit mehrer, ziemlich gleichgültiger Dinge die Diät des Kranken unnöthig zu erschweren, was nicht zu billigen ist. …

(Hahnemanns Organon der Heilkunst, 6. Auflage, 1842, § 260)

Wir sehen, diese Ideologie funktioniert nur durch die blanke Unkenntnis ihrer Gläubigen.

Mittwoch, 30. Dezember 2020

Borniertheit und Erkenntnisresistenz

Zu den Sachsen fällt mir nichts mehr ein.

Wie kann man nur so fest die Augen vor der Realität verschließend und so selbstbewußt-zufrieden alle Fakten leugnen?

[……] In Zittau sterben so viele, dass das Krematorium nicht mehr hinterherkommt. Und trotzdem streiten sie hier immer noch über die Gefahr der Seuche. Szenen aus einer Stadt an der Grenze. […..] Tote im Oktober, November, Dezember. Vergangenes Jahr: 45, 52, 45. Dieses Jahr: 73, 110, 115, die nach dem 22. Dezember beurkundeten Fälle sind noch gar nicht eingerechnet. […..] Es ist kurz nach zehn, draußen am Fahrbahnrand stehen auf den 45 Kilometern zwischen Zittau und Bautzen immer wieder Gruppen von Menschen mit Glühweintassen in den Händen und Atemwolken statt Masken vor Mündern und Nasen. Sie treffen sich hier jeden Sonntagvormittag, exakt eine Stunde lang, seit Mai. "Stiller Protest", so nennen sie das, gegen die Corona-Einschränkungen und überhaupt so vieles. Die Farben des Kaiserreichs sind oft zu sehen, auf Fahnen, Jacken, Autos.    In Eibau, einer lang gezogenen Ortschaft, weht vor einem Fachwerkbauernhaus die Wirmer-Flagge, schwarz-goldenes Kreuz auf rotem Grund. Ein Symbol der Widerstandskämpfer des 20. Juli, Ende der Neunziger von Neonazis umgedeutet und heute gern geschwenkt von Pegidaleuten und "Reichsbürgern". Auf den Stufen zum Hauseingang steht eine Laterne in Schwarz-Weiß-Rot, am Gartenzaun hängt ein Plakat: "Schnauze voll, Maske ab!" […..]

(Christoph Koopmann, SZ, 29.12.2020)

Das Massensterben, der Inzidenzwert von 700, die drastische Übersterblichkeit – all das führt immer noch nicht zur Einsicht bei den Covidioten.

Diese Menschen sind gefährlich, weil sie nicht nur sich selbst gefährden, sondern die Vulnerablen in der Nachbarschaft, in der Familie ins Grab bringen.

Diese sagenhafte Borniertheit ist aber keineswegs exklusiv sächsisch.

Dazu muss man nur einen Blick auf die 74 Millionen vollkommen ideologisierten Realitätsleugner in den USA werfen, die bis heute an wüste Verschwörungen von demokratischen reptiloiden Dunkelwesen glauben.

Ihr Held, IQ45, der sich jeden Tag vor der Welt lächerlich macht, kann nicht verloren haben. Da halten sich es für wahrscheinlicher, daß eine Clinton-Clique Kleinkinder raubt, um ihnen in Pizzaria-Kellern das Blut auszusaugen, wodurch sie Dank des infantilen „Adenochroms“ ewig jugendlich bleiben und aber eigenarttigerweise auch alle sterben, so daß sie millionenfach als Tote wählen gehen – aber nur nach der Wahl, um Trump zu schaden.

Ein erstaunlicher Fall aus Flensburg geht gerade durch die Boulevardpresse.

Die 52-Jährige Anja Hinze – der Name ist nicht geändert, sondern echt – möchte einen chirurgischen Eingriff in ihrem Gesicht durchführen lassen.

Sie will ihre Nasolabialfalte/Nasenlippenfurche (Sulcus nasolabialis) und auch die Glabella-Furche (Hautregion zwischen den Augenbrauen) „wegmachen“ lassen.

Ich will gar nicht über die Sinnhaftigkeit chirurgischer Faltenentfernung und die Ästhetik völlig glatt gespritzter Gesichter bar jeder Mimik sprechen.

Aber gerade von so eitlen Menschen, die bereit sind für ihre Schönheit chirurgische Methoden anzuwenden, hatte ich angenommen, daß sie so viel Wert auf ihr Äußeres legen, daß sie sich an Fachleute wenden.

Erst recht wenn es um Schnitte und Spritzungen körperfremder Materialen in das Gesicht handelt.

Nicht so Frau Hinze, die sich dachte, statt eines Mediziners, könnte das doch auch viel billiger eine Heilpraktikerin machen. Also eine Person, die gar keine medizinische Ausbildung vorweisen muss, sondern nach Hitlers dubiosem Heilpraktikergesetz auch ohne akademisches Wissen an Menschen rumschneiden.

[….] Oftmals sind es Heilpraktiker, die ihren Patienten von Impfungen oder anderen medizinisch sinnvollen Therapien abraten. Was jedoch die wenigsten wissen: Heilpraktiker ist nicht mal ein anerkannter Ausbildungsberuf wie Bäcker oder Kinderpfleger - und dies ist ein Erbe des Nationalsozialismus. Die einzige Legitimation ist das Heilpraktiker-Gesetz von 1939. Es regelt nicht etwa Ausbildung und Ausübung des Heilpraktiker-Berufes, sondern untersagt lediglich die Ausübung der Heilkunde ohne staatliche Zulassung und listet entsprechende Straftatbestände auf.   Auch die Bundesrepublik Deutschland hat es verpasst, diesen Beruf gesetzlich zu definieren. Daher gibt es bislang keine Rechtsverordnung und kein Standesrecht. Es existiert zwar eine Berufsordnung, die ist aber nicht rechtlich bindend. Ebenso fehlt eine Ausbildungsordnung, die Inhalt und Ziele der Ausbildung regeln würde. Heilpraktiker-Anwärter benötigen weder einen Eignungsnachweis noch ein absolviertes Praktikum. Man kann Heilpraktiker werden, ohne je einem Ausbilder, geschweige denn einem Patienten persönlich begegnet zu sein. Eine solch laxe Praxis wäre in anderen Gesundheitsberufen undenkbar. [….]

(Süddeutsche Zeitung 15.02.2015)

Heilpraktikerei und Homöopathie sind nicht nur unsinnige Geldschneidere, sondern gefährlich.

Die faltige Flensburgerin fing frohgemut den Eingriff an.

[…..] Über eine Freundin wurde ihr die Heilpraktikerin Hanna M. empfohlen. Nur 160 Euro sollte die Behandlung kosten. Doch das Angebot war zu gut, um wahr zu sein. „Ich sollte als Model für eine ihrer Schülerinnen zur Verfügung stehen, ging aber davon aus, dass Hanna M. dabei ist und notfalls einschreitet“, erzählt Hinze.   […..] Doch die Behandlung wird fehlerhaft ausgeführt. Weder wird Hinze über die Risiken aufgeklärt, noch werden Gesicht und Nadel desinfiziert. Die Folge: Hinzes Gesicht schwillt an und es bilden sich im ganzen Gesicht Pusteln. Innerhalb von fünf Wochen musste sie dreimal in Kliniken operiert werden. „Ich sah aus wie Frankensteins Gesellenstück“, sagt Hinze, „und habe jetzt mehr Falten als vorher.“ […..]

(Nicola Daumann, 30.12.20)

Nun würde man meinen, daß eine derart einfältige Falten-Frau, die nach der Mega-Eselei zum Fürchten aussieht, entweder Asche auf ihr Haupt streut, oder aber beschämt in ein Loch verschwindet.

Aber da ist die hinterwäldlerische Hinze hinterher noch ganz im Zittau-Modus und rennt zur Presse, um ihre Frankenstein-Freak-Fresse möglichst weit zu verbreiten.

Daß sie irgendetwas falsch gemacht haben könnte, als sie sich aufgrund einer dubiosen Empfehlung von der ängstlichen Azubine einer berufsfremden Botox-Behandlerin mit sparkigen Spritzen stechen ließ, kommt ihr immer noch nicht in den Sinn.

[…..] Und Hinze war nicht das einzige Opfer. 2020 wurde auch die Seca Atra (27) bei der Heilpraktikerin behandelt, es bildeten sich Bläschen und Knorpel an ihrer Lippe. […..] Hinze hat Anzeige erstattet. […..] Wie der Verteidiger der Heilpraktikerin bestätigte, liegen bereits zwei rechtskräftige Urteile gegen seine Mandantin wegen Steuerhinterziehung und Urkundenfälschung vor – sie hatte Botox-Rezepte gefälscht. Laut des Verteidigers wurde Hanna M. vom Gesundheitsamt Bielefeld ein Berufsverbot als Heilpraktikerin erteilt. Bei Testanrufen vor zwei Wochen war es jedoch noch möglich, Termine für Behandlungen in Berlin und Bielefeld zu buchen. […..]

(Nicola Daumann, 30.12.20)

Um Hanna M.s Finanzen mache ich mir keine Sorgen.

Es gibt ganz offensichtlich genügend vollkommen Blöde, die ihre Dienste gern in Anspruch nehmen.

Die Pharmahersteller erfreuen sich schließlich auch jedes Jahr über Einnahmen in dreistelliger Millionen-Höhe für gänzlich wirkungslose und Wirkstoff-lose Zuckerkügelchen.