Donnerstag, 10. September 2020

Der faule Sack

Nachdem er endgültig im Kampf mit Markus Söder um die CSU-Herrschaft verloren hatte, mehrfach mit Rücktritten und Rücktritten von Rücktritten drohte, mochte Horst Seehofer nicht aufs Altenteil wechseln.
Er sicherte sich das Superministerium für Verfassung, Heimat, Innen, Bau, Integration – also so ziemlich alle Themen, mit denen er die Jahre zuvor Deutschlands Politik talibanisierte.
Es handelt sich um einen der groteskesten Fälle von verpatztem Abgang in der Geschichte der Bundesrepublik. Offenbar hatte Seehofer in seinem irren Wahn unersetzlich zu sein jegliche Selbstachtung verloren und ordnete sich nun in die Kabinettsdisziplin von ausgerechnet der Frau unter, die er jahrelang bis auf’s Blut bekämpft hatte. Welchen Grund könnte es für ein derartiges sadistisches Alphatier wie den ehemals nahezu allmächtigen bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chef geben, sich nun ausgerechnet seiner Nemesis Merkel unterzuordnen.
Politologen und Journalisten staunten über Seehofers Kabinettseintritt im Jahr 2018.
Seine Zuständigkeiten erstrecken sich auf all die großen Problemfelder Sicherheit, Terrorismus, Flüchtlinge, Wohnungsnot, in denen es kaum einen Blumentopf zu gewinnen gibt. Das versprach enorm viel Arbeit und Stress. Es war absolut kein Amt, in dem man sich ausruhen und glänzen konnte, so wie sich das einst Guido Westerwelle in einer seiner kapitalsten Fehleinschätzungen von dem Außenamt vorstellte.
Die einzige Erklärung für Seehofers Superministeramt schienen seine abgrundtiefe Verachtung für Merkel und sein destruktiver Charakter zu sein.
Als Heimat-Horst konnte er zwar nicht Merkels Kurs bestimmen, aber ihr mit ständigem Störfeuer die vierte Amtszeit gründlich versauen.

Aber Seehofer überraschte uns alle erneut als er die Amtsgeschäfte übernahm, indem er einfach gar nichts mehr tat.
Konsequent verweigert er nun drei Jahre seine Arbeit.
Immerhin; während er zuvor als MP stets für grundgesetzwidrige Gesetzesinitiativen stritt, legt er nun nur noch die Hände in den Schoss.

(…..)(…..) Aber immerhin, am 08.08. stand das erste bilaterale Flüchtlings-Zurückschick-Programm, welches die CSU auch sofort begeistert bewarb.

Ja, die #CSUliefert!
Besonders genial ist die Idee der CSU das Abkommen auf Grenzübertritte von Österreich aus zu beschränken.
Denn bekanntlich reist man von Spanien aus kommend direkt über Österreich nach Deutschland ein.

[…..] Flüchtlinge, die bereits in Spanien Asyl beantragt haben, können damit binnen 48 Stunden dorthin zurückgeschickt werden. Die Regelung ist aber beschränkt auf Menschen, die an der deutsch-österreichischen Grenze aufgegriffen werden. Informationen des "Handelsblatts" zufolge gab es in den vergangenen zwei Monaten keinen einzigen solchen Fall. Die Zeitung beruft sich auf Zahlen des Innenministeriums. [….]

Naturgemäß sind auch die anderen flüchtlingskritischen Parteien begeistert von diesem smarten CSU-Move.

[….] Der FDP-Außenpolitiker Alexander Graf Lambsdorff hat das Flüchtlingsabkommen mit Spanien als „Witz“ bezeichnet. „Wer aus Spanien nach Deutschland will, reist doch nicht über Österreich, sondern über Frankreich“, sagte Lambsdorff der „Bild“-Zeitung. [….]

Deutschland hat Grenzen zu neun anderen Staaten; der Grenzlänge nach geordnet sind das: Österreich, Tschechische Republik, Niederlande, Polen, Frankreich, Schweiz, Belgien, Luxemburg und Dänemark.

Nur zwei Wochen nach der selbstgesetzten Frist, zu der Seehofer diese neun bilateralen Abkommen schließen wollte, hat er bereits das Abkommen mit Spanien fertig und damit die beeindruckende Zahl von Null Migranten erfasst. (….)

Als Satire funktioniert die CSU, aber wirklich komisch ist es nicht, wenn man bedenkt, daß Scheuer, Dobrindt und Seehofer diejenigen sind, die in Deutschland für Netzausbau, Infrastruktur, Wohnungsbauch, schnelles Internet etc zuständig sind.
Während Scheuer und Müller aber regelmäßig in den Medien auftauchen – wenn auch im Falle Scheuers fast ausschließlich als Witzfigur, taucht Seehofer komplett ab.

Horst Seehofers Faulheit ist so ausgeprägt, daß sie regelrechter Arbeitsverweigerung gleichkommt.
Vielleicht wäre das ein Hebel für die Kanzlerin?
Kann sie nicht der CSU erklären, liebe Schwesterparteifreunde, ich will euch nicht in die Personalien hineinreden, aber der Horst chillt immer nur in Ingolstadt und arbeitet einfach nicht?

Seit er Super-Bundesheimatminister wurde fällt Seehofer durch ostentatives Schwänzen auf.

(….) Seehofer ist nicht mit rationale Maßstäben zu bewerten, sondern eher neroesk-Trumpisch.
Ihm gelingt nichts. Er sät nur Zwietracht.
All seine CSU-Herzensprojekte wie die Herdprämie oder die Antiausländermaut sind verfassungswidrig und/oder gescheitert, seine CSU-Minister können einfachste Rechtsstaatsprinzipien nicht einhalten, mit Grausen werfen prominente Parteimitglieder ihre Parteibücher weg, er konnte nicht verhindern, daß der von ihm zutiefst gehasste Söder sein Nachfolger wird, er konnte KTG nicht zurückbringen und insbesondere ist er nicht in der Lage sein Amt in Berlin auszufüllen. Er ist so überfordert, daß er seit Wochen alle wichtigen Termine schwänzt. Seehofer erschien nicht zum Integrationsgipfel und stellte fürderhin seine Arbeit ein.

[….] In den vergangenen Tagen hat sich Seehofer nicht gerade konstruktiv verhalten. In der CDU ist man genervt von seinen ständigen Absenzen. Dass er die Unionsfraktionssitzung am Dienstag geschwänzt hat, habe nicht zur Befriedung beigetragen, sagt einer aus der Fraktionsspitze. Zur Aktuellen Stunde über das Flüchtlingsschiff Lifeline am Mittwoch habe er herbeizitiert werden müssen. Und bei der Regierungserklärung der Kanzlerin am Donnerstag habe er wieder gefehlt. Auch in der CDU-Zentrale haben sie keine Erklärung. Was treibt den CSU-Chef wirklich? [….]

Seehofer hat scheinbar noch nicht mal begriffen, daß er nun Bundesminister unter Merkels Anleitung ist und in Berlin arbeitet.

[…..] Horst Seehofer ist Bundesminister mit Dienstsitz in Berlin. Laut "Bild"-Zeitung ist er dennoch über das Gespräch mit Kanzlerin in der Hauptstadt unglücklich: „Ich fahre extra nach Berlin, und die Kanzlerin bewegt sich null Komma null“, zitiert ihn die Zeitung. [….]

Der arme Irre hält sich offenbar immer noch für den König von Bayern und glaubt Merkel müsse devot zu ihm kommen. (….)

Seine Linie, sich komplett von Politik fernzuhalten, hielt Seehofer auch durch als er am meisten gefragt wurde.

(…..)  Erfahrungsjurist Seehofer hat zwar kein Abitur, hält sich aber üblicherweise für so generalkompetent, daß er ganz Trumpisch alles kommentiert.
Im Nebenberuf ist er Bundesinnenminister, also derjenige, an dem es läge das oben genannte Öffnungschaos zwischen den Ländern zu vereinheitlichen und zu koordinieren.
Aber Crazy Horst ist seit Beginn der Corona-Maßnahmen untergetaucht.
Man weiß gar nicht, ob er noch amtiert. Sitz er womöglich in seinem Ingolstädter Keller und spielt manisch mit seiner Modeleisenbahn?
Es ist ein Rätsel; der Mann betreibt radikale Arbeitsverweigerung. (…..)

Der langjährige Bundesvorsitzende und heutige Ehrenvorsitzende der CSU behandelt auch seine Partei wie seinen Ministerjob.
Es ist ihm wurscht, er erscheint gar nicht erst.

[…..] Als Ehrenvorsitzender darf Horst Seehofer im CSU-Vorstand noch immer mitreden. Nur: Dort lässt er sich nie blicken. Auch die CSU-Landesgruppe besucht er fast nie. Das sorgt für Unmut in der Partei.
Es waren mal wieder schöne Bilder, das können sie ja in der CSU: Markus Söder und Alexander Dobrindt über den Dächern von Berlin - im Hintergrund der Fernsehturm. Sogar das Wetter spielte mit. Der Himmel war fast so blau wie das große CSU-Logo, das die Partei ins Bild gerückt hat. Vergangene Woche sind die CSU-Bundestagsabgeordneten im Berliner Ewerk zu ihrer Sommerklausur zusammengekommen. Und bevor das Treffen losging, stiegen Söder und Dobrindt für ein Statement auf die Dachterrasse des Veranstaltungszentrums. Es waren die ersten Bilder von vielen, die an diesem Tag gemacht wurden. Vom CSU-Vorsitzenden und dem Landesgruppenchef, von den Bundesministern Gerd Müller und Andreas Scheuer, von Staatsministerin Dorothee Bär. Einer ist jedoch auf keinem der Fotos zu sehen: Horst Seehofer. Denn der Bundesinnenminister hat mal wieder ein Treffen seiner Parteifreunde geschwänzt.
Seehofer ist seit Januar 2019 nicht mehr CSU-Chef. Seitdem hat er an keiner einzigen Vorstandssitzung seiner Partei teilgenommen - dabei ist er als Ehrenvorsitzender Mitglied des Vorstands. Die beiden anderen Ehrenvorsitzenden halten das anders: Edmund Stoiber kommt fast immer, Theo Waigel immer mal wieder. Auch an den Sitzungen der CSU-Landesgruppe im Bundestag hat Seehofer kein Interesse, er hat in der ganzen Zeit nur eine einzige besucht. Und bei den Treffen der Unionsfraktion fehlt er ebenfalls so gut wie immer. […..]

Während ich der CSU nicht nachweine, verhält es sich bei der lange angekündigten und erwarteten Katastrophe von Moria ganz anders.
Das erbärmliche Versagen Europas darf sich insbesondere der tatenlose Seehofer auf die Fahnen schreiben.

 […..] In einer angekündigten Katastrophe brennt es nun dahin, das Europa der feierlichen Reden, Absichtserklärungen und hohlen Worte: Die Vision von Menschlichkeit und Zusammenhalt geht in einem großen Feuer auf.
Und wenn man ganz genau hinschaut, sieht man, wie in dem Feuer auch der Friedensnobelpreis für Europa verglüht. Es war der Preis für "den Einsatz für Frieden, Versöhnung, Demokratie und Menschenrechte".
[….]

Die ministerielle Leerstelle Seehofer ist eine Schande für Deutschland und Europa.

[…..] Das von einem Brand verheerte Lager auf der griechischen Insel Lesbos ist Sinnbild des Versagens - auch des deutschen Innenministers Seehofer. […..] Ein Feuer hat das Flüchtlingslager Moria verwüstet und die europäische Migrationspolitik gleich mit. Sie hat es nicht besser verdient. Denn was sich seit fünf Jahren auf der griechischen Insel Lesbos abspielt, ohne dass irgendein Mitgliedstaat der EU eingegriffen hätte, ist das Ergebnis maximaler Gleichgültigkeit. Schlechter können demokratische Staaten die internationale Flüchtlingsnot nicht mehr managen. […..] 12 600 Menschen lebten bis zuletzt im Dreck von Moria, mit Mülltüten, Gestank und Perspektivlosigkeit.
Das Lager, das eigentlich nur für 2800 Migranten und als Übergangslösung konzipiert war, ist längst ein Ort der Verzweiflung und Gewalt. Sie richtet sich in hohem Maß gegen Frauen und Kinder. Gejuckt hat das kaum jemanden jenseits von Griechenland […..] Die Flammen von Moria leuchten aber auch Bundesinnenminister Horst Seehofer heim […..] (Constanze von Bullion, 10.09.20)

Mittwoch, 9. September 2020

Linkes Störfeuer.


Raus aus der NATO, keine Waffenexporte mehr, keine Kriegseinsätze, Distanz zur Trump-Administration – das sind zunächst einmal sympathische Forderungen, die im linken Lager breiten Anklang finden.
Je lauter man darauf pocht, desto zufriedener die Parteibasis.

In der Praxis, der „Realpolitik“ also wird es dazu aber nicht kommen, weil es für die kurzfristige Umsetzung eine absolute Mehrheit der Linken bräuchte, die auch nicht entfernt in Sicht ist.
Wer wie Grüne oder SPD schon in der Bundesregierung Verantwortung trägt oder trug, weiß daß der Austritt aus der NATO einerseits ein sehr langer, umständlicher und teurer Prozess wäre und daß man zudem auch noch jeden Einfluss auf die westliche Verteidigungspolitik verlöre.

Selbst Pazifisten in einer pazifistischen Partei wie den Grünen wissen nach den Genozid-Versuchen und Massakern an den 10.000 Bosniaken in Srebrenica 1995 und den rund 5000 Jesiden in Sindschar 2014, daß man in solchen Extrem-Situationen mit friedlichen Mitteln keine Leben retten kann.
Der IS vertrieb zwar 400.000 Menschen in einem „ethnic cleansing“ aus dem Sindschar-Gebirge, aber die schwer bewaffneten und kampferprobten Soldaten der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) konnten im August 2014 mindestens 10.000 vom Daesh eingekesselten Jesiden das Leben zu retten, indem sie einen Korridor freischossen und hielten.
Gelingen konnte das unter anderem auch durch die deutschen Waffenlieferungen an die YPG.
Natürlich ist der laxe Waffenexport wie ihn Merkel an alle Kriegsparteien gleichzeitig und insbesondere an menschenrechtsantagonistische Regime praktiziert ein moralisches Verbrechen.
Aber so kaputt und bestialisch wie die Welt nun einmal ist, kann es auch keine Option für reiche Nationen sein einfach wegzugucken, wenn die Rohingya in Myanmar, die Tutsi in Ruanda oder die Kurden in Syrien abgeschlachtet werden.

NATO-Austritt und totaler Waffenexportstopp sind also nicht nur ohnehin in keiner Koalition durchsetzbar, sondern auch nicht sinnvoll.
Sicher ist nur, daß eine Partei wie die Linke aus der Opposition gar keinen Einfluss auf die Waffenexportpolitik und militärische Auslandseinsätze nehmen kann.

Eine pazifistischere Politik lässt sich nur wirklich durchsetzen, wenn erstens das Kanzleramt nicht mehr von einem CDU/CSU-Amtsinhaber besetzt wird und wenn zweitens pazifistische Minister dem Bundessicherheitsrat angehören.

Unglücklicherweise arbeitet derzeit nur die SPD für einen RRG-Koalition.
Die Grünen setzten eindeutig auf einen CDU- oder CSU-Kanzler und die Linke macht eine Links-der-Mitte-Mehrheit mit Putin/Maduro-Freundlichkeit unwahrscheinlich.
Das Querfront-Ehepaar Lafontaine-Wagenknecht ist ein großes Problem. Nach ihrem Mann warf auch sie ihr ganzes Gewicht in die Waagschale, um  für Nord-Stream-II zu werden. Wieder einmal ziehen die beiden Linken lieber mit der AfD an einem argumentativen Strang, statt auch nur einen Zentimeter auf die SPD zuzugehen.

 [….] Die frühere Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht erklärte gegenüber der "Neuen Osnabrücker Zeitung", wer mit Verweis auf Nawalny ein Aus für die Erdgas-Pipeline Nord Stream 2 fordere, müsse alle anderen Rohstofflieferanten Deutschlands nach den gleichen Kriterien bewerten und auch da Konsequenzen verlangen. "Alles andere ist Heuchelei."
Wagenknecht betonte, einen Oppositionspolitiker mit dem Nervengift Nowitschok zu vergiften, sei ein abscheuliches Verbrechen. "Aber selbst wenn der Kreml dafür verantwortlich sein sollte (wofür es bisher keine Belege gibt), ist es auch nicht abscheulicher, als Oppositionelle zu köpfen oder zu Tode zu peitschen, wie es in Saudi-Arabien, von dem wir Öl beziehen, gängige Praxis ist. Es ist auch nicht abscheulicher, als unschuldige Zivilisten mit Drohnen zu zerfetzen, wie es die Vereinigten Staaten, die uns ihr Fracking-Gas liefern, in weit mehr als tausend Fällen getan haben." […..]

Lafo und Wagenknecht sind intelligent genug, um zu wissen, was nach diesen Äußerungen unweigerlich folgt:
Ihrer Partei wird wegen der außenpolitischen Ideologie die Regierungsfähigkeit abgesprochen. Wieso legen sie es immer wieder so darauf an das herauszustreichen?

Der ewige parteiinterne Widersacher und einzig noch prominentere Linke Gregor Gysi macht es leider nicht besser, indem auch er darauf herumreitet was seine Partei von Grünen und SPD trennt, welche unüberwindbaren Hindernisse es für RRG gäbe, statt seine Attacken auf CDU, CSU, FDP und AfD zu richten.

[…..] In den vergangenen Tagen […..] gelang Gregor Gysi das Kunststück, eine rot-rot-grüne Koalition nach der Bundestagswahl 2021 sowohl wahrscheinlicher als auch unwahrscheinlicher zu machen. Unwahrscheinlicher, weil er mit seinen Verschwörungsspekulationen all jenen eine Steilvorlage lieferte, die die Linke immer noch für eine unverbesserliche Partei der Putinfreunde und Autokratenversteher halten.
Gysi hatte nämlich behauptet, der russische Präsident Wladimir Putin könne überhaupt kein Interesse an einer Vergiftung des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny haben, stattdessen spekulierte er laut und deutlich über eine Verschwörung von Pipelinegegnern. Diese Haltung entspricht nicht der Linie der Führungsgremien in Partei und Fraktion, und einige Mitglieder haben sich auch schnell davon distanziert. Der kommunikative Schaden für das rot-rot-grüne Projekt war trotzdem immens. Zumal Gysi ja nicht mehr nur Gysi ist, sondern neuerdings auch außenpolitischer Sprecher. […..]  Eine deutsche Gerechtigkeitspartei für die moderne Arbeitswelt - das wäre eine Marktlücke, in der sich vielleicht auch Wahlen gewinnen ließen.
Solch eine Linke hätte Deutschland dringend nötig. Eine Partei, die aus falsch verstandener Solidarität Despoten unterstützt, braucht dagegen kein Mensch. […..]

So wie Oskar Lafontaine schon 1999-2005 als bezahlter Knecht der braunschwarzen perfiden, xenophoben, lügenden BILD mit aller Kraft gegen RotGrün kämpfte, um der CDU wieder an die Macht zu helfen, sind es heute Größen der LINKEn, die als Helfer der Konservativen die Chancen für RRG niedermachen, statt lieber Gemeinsamkeiten zu suchen.

Dienstag, 8. September 2020

Sittenlosigkeit.

Das Schlimme ist, daß man sich schleichend an die ungeheuerliche Amoral unserer engsten Partner in Washington und London gewöhnt.
In Ankara, Moskau, Manila, Peking, Budapest und Brasilia sitzen auch keine liebenswerten Altruisten in den Präsidentenpalästen, aber mit ihnen bildet Deutschland auch keine traditionelle enge Wertegemeinschaft.
Es schmerzt anders und untergräbt die eigene Glaubwürdigkeit umso mehr, wenn die diplomatischen Neandertaler im eigenen Boot sitzen.

Whatabaoutism ist immer eine erbärmliche Verteidigungsstrategie, weil sie den argumentativen Widersacher nur mundtot machen soll und die eigenen Verfehlungen nicht rechtfertigt.
Aber wenn man mit Boris Johnson und Donald Trump im Bett liegt, muss man sich nicht wundern, wenn in Teheran die Samthandschuhe ausgezogen werden und wenn Populist Lafontaine lautstark die Heuchelei der Moskau-Kritiker beklagt.
Der ehemalige SPD- und Linken-Chef, der inzwischen im angebräunten Querfront-Lager sitzt und zusammen mit seiner Ehefrau Sahra Wagenknecht mit allen Mitteln eine Rotrotgrüne Regierung bekämpft, also unbedingt die CDU im Kanzleramt behalten will, packt in seine antiamerikanischen prorussischen Suaden viele Fakten, die schwer von der Hand zu weisen sind.

[…..] Der russische Regime-Kritiker Nawalny wurde vergiftet. Unterstellen wir mal - was nicht bewiesen ist - eine wie auch immer geartete Mitverantwortung der russischen Regierung.
Kanzlerin Merkel hat im Namen der Bundesregierung das Verbrechen verurteilt. Der russische Botschafter wurde einbestellt. Die EU sucht nach einer gemeinsamen Antwort.
Ja, die Bundesregierung hat Recht. Eine den Menschenrechten verpflichtete Demokratie darf solche Verbrechen nicht widerspruchslos hinnehmen.
Aber ist die Bundesregierung moralisch berechtigt, solche Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu verurteilen? Eine Regierung, die sich selbst an völkerrechtswidrigen Kriegen beteiligt, in denen viele Tausende Menschen grausam ums Leben kommen?
Eine Regierung, die zulässt, dass der US-Drohnenkrieg von deutschem Boden aus geführt wird?
Ist der Tod eines Kindes, das von US-Drohnen zerfetzt wird, nicht auch ein Verbrechen?
Wird ab jetzt jeden Tag der US-Botschafter einbestellt? Wird die EU Sanktionen beschließen, um die täglichen Verbrechen der US-Oligarchie zu ahnden?
Die Vergiftung des Regime-Kritikers Nawalny ist ein verabscheuungswürdiges Verbrechen. Und viele Menschen werden dieses Verbrechen verurteilen. Aber die Empörung der US-Vasallen in den europäischen Metropolen ist feige, erbärmliche Heuchelei. […..]

Die Lafo-Whataboutism-Argumentationsliste wird täglich länger.

Trump manipuliert die eigenen Wahlen, ruft seine Wähler zu massenhaften Wahlbetrug auf, hebelt die US-Verfassung aus.

Der Mann leidet so offensichtlich an einer schweren narzisstischen Persönlichkeitsstörung (Narcissistic personality disorder, NPD), daß sich niemand mehr wundert, wenn er wie ein drittklassiger Gangster in Paris Kunstgegenstände aus der US-Botschaft stiehlt, um sie mit ins Weiße Haus zu schleppen.
Der Mann ist so geschmacklos und ungebildet, daß er gar nicht bemerkte, daß es sich um Repliken handelt.


Boris Johnson will seinem Idol Trump in nichts nachstehen und lügt inzwischen so dreist und bricht derartig perfide das Recht, daß Jonathan Jones, der Chefjustiziar der britischen Regierung heute aus Protest gegen die Brexit-Verhandlungen seines Premiers zurücktrat.

[…..] Um ökonomische Realitäten schert sich der Premierminister nicht - und Skrupel hat er kaum. […..] Wie es aussieht, hat Boris Johnson sein Drehbuch für das Drama entworfen. Der britische Premier baut eine Drohkulisse auf, um Brüssel unter Druck zu setzen. Johnson verknüpft dabei Deadline und Drohung: Sollte bis zum 15. Oktober keine Einigung gelingen, werde es keinen Freihandelsvertrag geben. Das Datum ist geschickt gewählt, denn da findet ein EU-Gipfel statt. Johnson will die Staats- und Regierungschefs in die Pflicht nehmen, die sich bislang hinter ihrem Chefverhandler und den EU-Spitzen versteckt haben. […..] Diese Unberechenbarkeit ist Johnsons größter Vorteil in den Verhandlungen. Die EU täte jedenfalls gut daran, die No-Deal-Drohung aus London ernst zu nehmen. Denn Johnson könnte durchaus versucht sein, die wirtschaftlichen Folgen eines harten Brexit mit den weitaus schwerwiegenderen Folgen der Corona-Pandemie zu kaschieren. Das wäre zwar zynisch, aber es ist möglich.
Was Boris Johnson noch alles zuzutrauen ist, das zeigt ein Bericht der Financial Times. Demnach soll er vorhaben, Teile des Austrittsvertrags mittels nationaler Gesetzgebung auszuschalten. Sollte dies tatsächlich wahr sein, was man bei Johnson nie wissen kann, würde der Premierminister nicht nur einen Vertrauensbruch gegenüber der EU riskieren, sondern auch einen Vertragsbruch. […..]

Die britische Regierung wird von einem verlogenen Windei ins Desaster geführt, während der Kollege in Washington Demokratie, Kultur und Anstand planiert.

Eine Freude für die Lafontaines dieser Welt.

[…..] Pharisäer und US-Marionetten
[…..] Ohne Anspruch auf Vollständigkeit fallen einem sofort die CDU-Politiker Röttgen, Merz und Wadephul ein, die als treue Vasallen den Stopp von Nordstream 2 fordern. Bei der SPD ist an vorderster Front Außenminister Maas zu nennen, der tapfer an Guaidó als venezolanischem Präsidenten festhält und heute in „Bild am Sonntag“ Putin mit dem Stopp der Gasleitung droht. Von der FDP ist immer Alexander Graf Lambsdorff zur Stelle, wenn es darum geht, in „Bild“ die Russen niederzumachen. Bei den Grünen, die im Bundestag seit Joschka Fischer den verlängerten Arm des US-Außenministeriums geben, sind neben vielen anderen Bütikofer, Baerbock, Özdemir und Nouripour immer mit von der Partie. Aber jetzt schießt Katrin Göring-Eckardt wieder den Vogel ab: Sie fordert das Ende des Baus von Nordstream 2 und ruft Ex-Bundeskanzler Schröder auf, seinen Posten als Präsident des Verwaltungsrates der Nord Stream 2 AG zu räumen und sich zu entscheiden, „ob er auf der Seite der Demokratie und der Menschenrechte steht“.
Da kann man nur bedauern, dass die Grünen zur gerade beendeten Klausurtagung ihrer Fraktion nicht Jimmy Carter eingeladen haben, der sie mit seinem Urteil „die USA sind eine Oligarchie mit grenzenloser politischer Bestechung" vielleicht aufklären könnte. Stattdessen haben sie Madeleine Albright als Ehrengast zugeschaltet, die mit ihrem berüchtigten Satz zum Tod von 500.000 Kindern im Irak durch die US-Sanktionen („Wir glauben, es ist den Preis wert“) die menschenverachtende Politik der US-Verbrecherclique aller Welt vor Augen geführt hat.
Natürlich kommt Göring-Eckardt mit ihren Freunden von der grünen Menschenrechtspartei nicht auf die Idee, den ehemaligen Außenminister Fischer aufzufordern, seine Zusammenarbeit mit der ehemaligen US-Außenministerin in der Albright-Group aufzugeben und sich zu entscheiden, „ob er auf der Seite der Demokratie und der Menschenrechte steht“. […..]

Montag, 7. September 2020

Corona in Relation


Niemand kann mir nachsagen auch nur einen Funken Sympathie für Gesundheitsminister Spahn zu empfinden, aber mit einer simplen Feststellung hat er natürlich Recht: Mit dem heutigen Wissen über den Sars-CoV-II hätten wir im März 2020 anders gehandelt.
Eigentlich eine Binsenweisheit, aber gegenüber den Covidioten muss man das nimmer mal wiederholen.

[…..] Spahn wurde sogar noch konkreter: Mit dem Wissen von heute hätte der Lockdown nicht so drastisch ausfallen müssen. Friseure und auch Einzelhandel müssten nicht mehr schließen, außerdem würde es auch keine Besuchsverbote in Pflegeeinrichtungen mehr geben.
„Wir können heute diese Abwägungsentscheidung zwischen Schutz und Alltag besser treffen, weil wir mehr wissen, weil wir mehr Erfahrung haben“, so Spahn. Er betonte, generell bleibe es richtig, dass Abstand, Hygiene und Alltagsmasken die „besten Waffen“ und vergleichsweise milde Maßnahmen im Kampf gegen das Virus seien. […..]

Am 22.03.2020 fragte ich mich auf diesem Blog, ob die positiven Aspekte des Lockdowns – keine Kreuzfahrten, kein Händeschütteln, weniger Flüge, Achtung für die Menschen in Pflegeberufen – wohl über die Pandemie hinaus anhalten würden.
Der Schock über die weltweite Einstellung des öffentlichen Lebens war so groß, daß man sich kaum vorstellen konnte wie alles wieder „normal“ werden würde.

Inzwischen kristallisiert sich eine Antwort heraus: Nein, die Menschheit ist unbelehrbar, verblödet und vergesslich.
Sie strebt schon wieder in die vollgepackten Billigflieger, die Kreuzfahrtschiffe und die Distanz zueinander wird weder in Supermarkt noch U-Bahn gewahrt.

Sicher, die Virologen wissen nach einem halben Jahr so viel mehr über den Virus, verstehen den Krankheitsverlauf besser und haben ein halbes Dutzend vielversprechender Impfstoff-Kandidaten am Wickel.
Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß viele Fragen über atypische Krankheitsverläufe noch ungeklärt sind. Wieso leiden einige Menschen noch Monate nach einer Covid19-Krankheit an schweren Langzeitfolgen, während andere vollständig genesen? Werden Genesene für immer immun? Wie lange ist man ansteckend?

Der Gewöhnungseffekt ist enorm, aber der Virus ist deswegen nicht ungefährlicher, sondern ein recht tödliches Biest.

Neben einem Trillionen-Schaden für die Wirtschaft, Millionen Betriebspleiten und einem 100-Millionen-Heer zusätzlicher Arbeitsloser, nimmt die Pandemie immer mehr Leben.

Am heutigen Tage haben wir weltweit 27,4 Millionen Infizierte und 895.000 Tote.
Eine zweite Welle rollt weltweit; Länder wie Neuseeland oder Südkorea, die zunächst die Pandemie vorbildlich meisterten, werden wieder zurück geworfen.
Über Tausend US-Amerikaner sterben jeden Tag an Covid19. Das mangelhafte Gesundheitssystem der Welt wird schonungslos offengelegt.
Erst die Alten; nun da diese besser isoliert sind, die Jungen.

193.000 Corona-Tote in den USA,
127.000 Toten in Brasilien,
73.000 in Indien,
68.000 in Mexiko,
42.000 in England,
36.000 in Italien,
31.000 in Frankreich,
30.000 in Peru,
29.000 in Spanien,
23.000 im Iran,
22.000 in Kolumbien,
18.000 in Russland und
15.000 in Südafrika,
12.000 in Chile,
11.000 in Equador,
10.000 in Argentinien,
10.000 in Belgien,
9.000 in Deutschland,
9.000 in Kanada,
8.000 in Indonesien,
8.000 im Irak,
7.000 in Bolivien,
7.000 in der Türkei,
6.000 in Pakistan und
6.000 in Holland.

Bald wird die Eine-Million-Tote-Grenze überschritten sein.

Nur einen kümmert es nicht so sehr; den Vizegott. Franziskus, unfehlbarer Stellvertreter Gottes auf Erden stört sich nicht so sehr an 900.000 Toten.
Er findet andere Dinge viel schlimmer: Tratsch wäre viel schlimmer als Covid19 erklärte der Papst am Wochenende ex cathedra.
Wie schon so oft während seines Pontifikats verurteilte Franzl Geschwätzigkeit, Gossip, Tratsch. Gestern erklärte er explizit:

Das Geschwätz ist eine schlimmere Seuche als Covid!


[…..] „Wenn wir einen Fehler, Mangel, eine Verfehlung bei jemandem sehen, ist das erste, was uns einfällt, es weiterzuerzählen. Der Tratsch verschließt das Herz der kirchlichen Gemeinschaft. Der große Schwätzer ist der Teufel, der immer die hässlichen Dinge der anderen erzählt, er ist der Lügner, der die Kirche spalten will, der Gemeinschaft zerstören und die Geschwister voneinander entfernen will. Bitte, strengen wir uns an, nicht zu schwätzen. Das Geschwätz ist eine schlimmere Seuche als Covid! Keine üble Nachrede, kein Geschwätz!“ […..]