Dienstag, 17. September 2019

Sprengstoff ins Feuer


Ein bißchen verwirrt sind die Öl-Prinzen der arabischen Halbinsel schon.
Hatten sie doch mit ihren nahezu unerschöpflichen finanziellen Mitteln auch Donald Trump eingewickelt und Waffendeals apokalyptischen Umfangs bei seinem Antrittsbesuch beschlossen.

[….] Bei einem Besuch in Saudi-Arabien im vergangenen Jahr hatte US-Präsident Donald Trump bereits verkündet, das Königreich werde von den USA Militärausrüstung im Wert von 110 Milliarden Dollar (90 Milliarden Euro) kaufen. Weitere Rüstungsdeals der Amerikaner mit den Saudis dürften also folgen. [….]

Aber dann kamen am letzten Samstag die vermeidlich auf Steinzeitniveau kämpfenden ausgemergelten und verarmten Huthis und legten mit einem Schlag die halbe saudische Ölproduktion lahm.

Zu blöd, da kauft man das beste, teuerste und modernste Raketenabwehrsystem der Erde und diese Patriots haben nicht den geringsten Effekt auf womöglich im Jemen in einem Hinterhof zusammengebastelte Drohnen.

Willkommen im Zeitalter der asymmetrischen Kriege.
Die Saudis sind blamiert, der mächtigste Mann der Welt sogar noch mehr als sonst, da er wie üblich seine eigenen Militärs und Geheimdienste ignorierend auf Twitter bekannte tief im Hintern der Golf-Monarchen zu stecken und gar nicht erst daran denke objektive Informationen einzuholen.


Ein voller Erfolg für die Davids im Jemen; der Westen reagiert wie beabsichtigt.
Aufgeschreckt hyperventilieren die Boulevardmedien von steigenden Benzinpreisen.
JETZT ginge es auch UNS etwas an.

  […..] Dieser Konflikt trifft uns
Nach der Bombardierung saudischer Ölanlagen stehen die Zeichen im Nahen Osten auf Krieg. Der Ölpreis steigt. […..] Kann die Krise am Golf auch für die deutschen Verbraucher gefährlich werden?
Welche unmittelbaren Folgen haben die Angriffe? Nach den Drohnenangriffen in SaudiArabien sind die Ölpreise so sprunghaft gestiegen wie seit Jahrzehnten nicht. Zu Handelsbeginn am Montag waren es bis zu 20 Prozent. An den Börsen kam es zu Turbulenzen[…..]
Wird Tanken jetzt teurer? […..]
(RND, 17.09.19)

Vorher, als nur ein paar hunderttausend Familien bombardiert, ausgehungert und massakriert wurden, als wir so schöne Profite mit unseren Waffenlieferungen machen konnten, ging es uns offenbar noch nichts an.

Die Saudis sind prozentual so hoch gerüstet wie kaum ein anderes Land der Erde, geben bei ihrem gewaltigen BSP seit 1997 durchschnittlich 10% ihres Etats für Waffen aus. (Wir streiten bekanntlich mit den USA darüber, ob Deutschland von 1,4% auf 2% erhöhen kann.)

[….] Der Angriff auf die Erdöl-Anlagen sei für Saudi-Arabien eine ungeheure Blamage, sagt der Nahost-Experte Michael Lüders im Gespräch mit der DW. "Saudi-Arabien ist der wichtigste Einkäufer amerikanischer Waffen, zehn Prozent aller US-Waffenexporte gehen nach Saudi-Arabien. Und mit gerade einmal zehn Drohnen, die relativ einfach herzustellen oder zu kaufen sind, gelingt es also nun den Huthi-Rebellen oder wem auch immer, das Herz der saudischen Erdölproduktion zu treffen."
Gewaltige Militärausgaben: Dabei hat Saudi-Arabien in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten enorme Summen in sein Militär investiert. Allein im Jahr 2018 kaufte es dem "Stockholm International Peace Research Institute" (SIPRI) zufolge militärische Ausrüstung im Wert von über 67 Milliarden US-Dollar - mehr als jeder andere Staat in der Region. Weltweit steht das Königreich in Sachen Waffenkäufe an dritter Stelle, direkt hinter den USA und China. Die Rüstungsausgaben nehmen einen erheblichen Teil des Bruttoinlandsprodukts ein: 2018 waren es 8,8 Prozent, im Spitzenjahr 2015 sogar 13 Prozent.
"Die umfassenden Investitionen Saudi-Arabiens haben dazu geführt, dass es unter den Staaten der Golfregion über den größten Bestand moderner Waffen verfügt", heißt es in der SIPRI-Studie aus dem Mai 2019. "Die Einfuhren umfassten Kampf- und Tankflugzeuge, durch die die saudische Luftwaffe eine größere Reichweite und Schlagkraft hat." Auch habe das Königreich seine Fähigkeit zur Verteidigung gegen Angriffe aus der Luft ausgebaut. [….]

Wie geht es nun weiter mit dem Scharia-Kopf-Ab-Regime in Riad, das von ihrem Ehemann betrogene Frauen genau wie vermeidlich Homosexuelle steinigen lässt und missliebige Journalisten totfoltert?
Bisher verfolgte die Bundesrepublik die Strategie die Killerprinzen massiv weiter aufzurüsten. Hunderte deutsche Leopard-Panzer gehören zum saudischen Waffenarsenal.
Oberste Killerwaffen-Lobbyistinnen waren dabei die beiden CDU-Frauen, die stets betonen nach „christlichen Werten Politik zu betreiben“: Angela Merkel und Ursula von der Leyen.

(….) […..] Deutsche Panzer für das Königreich
[…..] Ursula von der Leyen verlässt das Rednerpult und geht über den Exerzierplatz des königlichen Wachbataillons, gelegen auf dem Gelände des Raghadan-Palasts in der jordanischen Hauptstadt Amman. Ihr Ziel sind die drei sandfarben angestrichenen Schützenpanzer hinten auf dem Platz. Sie kommen aus Deutschland.
[…..] Im ersten Halbjahr wurden Ausfuhren für vier Milliarden Euro genehmigt. Die Opposition kritisiert vor allem Exporte nach Saudi-Arabien. […..] Insgesamt 50 Schützenpanzer des Typs Marder bekommt die jordanische Armee in diesem und dem nächsten Jahr, es ist die Ausrüstung für ein komplettes Bataillon, das bislang mit niederländischen Schützenpanzern unterwegs ist. Bislang sind 16 Marder angekommen, 34 weitere sollen folgen, von der Leyen übernimmt auf dem Exerzierplatz die offizielle Übergabe, symbolisiert durch die drei Fahrzeuge, die für die Zeremonie auf den Hof gefahren wurden. […..] Das Geld dafür stammt aus der sogenannten Ertüchtigungsinitiative der Bundesregierung: Im Haushalt 2016 wurden erstmals 100 Millionen Euro bereitgestellt, um ausgewählte Partnerstaaten zu unterstützen - was eben, wie im Fall Jordanien, übersetzt bedeuten kann: aufzurüsten. Neben Jordanien werden bislang Tunesien, Mali, Nigeria und Irak unterstützt, im nächsten Jahr soll Niger hinzukommen. […..]

Von der Leyen reist gerade durch die Scharia-Monarchien und schüttelt lächelnd den feisten Milliardären die Hand, die täglich Frauen steinigen und Schwule köpfen lassen.  (….)

Das amoralisch-schamlose und tödliche Verhalten Deutschlands hat Folgen. Saudi Arabien ist hochgerüstet wie nie. Heiße Kriege sind der feuchte Traum deutscher Rüstungsschmieden, denn nur wenn sie benutzt und die Munition verschossen werden, kann man immer mehr nachliefern.

[….] Die Länder des Nahen Ostens importierten 87 Prozent mehr Rüstungsgüter als zuvor. Als Gründe dafür nennt Sipri vor allem den Jemen-Krieg sowie das Misstrauen zwischen dem Iran auf der einen und Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten auf der anderen Seite. Waffen aus den USA, Großbritannien und Frankreich seien in der konflikt- und spannungsgeladenen Golfregion sehr gefragt, sagte Sipri-Spezialist Pieter Wezeman. Allein Saudi-Arabien hat seinen Import laut Sipri um 192 Prozent gesteigert, womit es Indien als größten Waffenimporteur ablöste. [….]

Und jetzt? Bewaffnet bis an die Zähne und doch von den Huthis verarscht?
Da haben CDU-Außenpolitik-Experten gleich eine geniale Idee, wie nun die deutsche Nahost-Politik aussehen müsse: MEHR DEUTSCHE WAFFENEXPORTE in die Killer- und Folter-Monarchie.

[…..]  Die CDU fordert als Konsequenz ein Ende des Rüstungsexportstopps nach Saudi-Arabien. Es zeige sich, „dass der Selbstschutz Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate auch in unserem eigenen Stabilitätsinteresse liegt“, so der außenpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Jürgen Hardt (CDU), zum RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Deshalb sollten wir unsere Rüstungskooperation einer neuerlichen Überprüfung unterziehen. Eine Aufhebung der Exportsperre für defensive Waffensysteme ist in unserem strategischen Interesse.“ [….]
(RND, 17.09.19)

(Manchmal versagt sogar mein Zynismus. Mir fehlen die Worte, Herr Hardt.)

Jürgen Hardt ist nicht allein, auch andere Unionspolitiker wollen mehr Kriegswaffen in den Krisenherd schicken.

[….] Ähnlich äußerte sich der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Johann Wadephul. Ein Fortschreiten des Konflikts "schadet nicht nur unseren wirtschaftlichen, sondern auch unseren sicherheitspolitischen Interessen, sagte er der Agentur Reuters. Deutschland brauche strategische Partner in der Region, und "dazu gehört bei allen Differenzen auch Saudi-Arbabien", betonte der CDU-Politiker und ergänzte. "Die SPD muss in der neuen Lage ankommen." […..]

Immerhin erleben wir hier wieder eine sehr gute Begründung dafür, weswegen die SPD unbedingt in der Groko bleiben muss. Denn nur als Teil der Bundesregierung kann sie diesen Irrsinn aufhalten.
Verließen die Sozis die Merkel-Regierung, würden sich die Schwarzen auf Gelbe und Braune stützen oder als Minderheitsregierung handeln und damit wären sie frei noch mehr Bomben in einen der blutigsten Kriege unserer Zeit zu schicken.

[…..] "Der Union scheint gerade etwas der außenpolitische Kompass abhanden zu kommen. Es hat sich seit der Entscheidung des Bundessicherheitsrats Ende März nichts an der Situation in Saudi-Arabien verbessert", sagte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende, Sören Bartol, dem RND.
Der Mord an Khashoggi sei immer noch nicht aufgeklärt. Die Bemühungen um Friedensverhandlungen kämen nicht vom Fleck. "Wo Krieg geführt wird, gehören keine deutschen Waffen hin." Der Exportstopp nach Saudi Arabien müsse
verlängert werden. [….]

[…..] Keine Waffen an Saudi-Arabien
„DIE LINKE lehnt Rüstungsexporte an die Kopf-ab-Diktatur Saudi-Arabien ab. Wer wie Teile der Union mit den saudischen Schlächtern kollaborieren will, macht sich für das Massaker an der jemenitischen Zivilbevölkerung mitverantwortlich“, erklärt Sevim Dagdelen, stellvertretende Vorsitzende und abrüstungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. Dagdelen weiter:
„DIE LINKE fordert ein dauerhaftes Waffenembargo gegen die Blutscheichs in Riad und eine Ausweitung des Rüstungsexportstopps auf alle Länder der Jemen-Kriegskoalition, allen voran die Vereinigten Arabischen Emirate. Dies muss auch Waffenexporte über Drittländer wie Frankreich oder Großbritannien einschließen. Die Kooperation der Bundeswehr bei der Ausbildung von Offizieren muss umgehend beendet werden.“ [….]

Rot und Rot passen besser zusammen; es bleibt das Geheimnis der Grünen, weswegen sie unbedingt mit der CDU koalieren wollen und entsprechend in Hamburg ihren Partner wechseln.

Montag, 16. September 2019

Stich ins Wespennest


Zigtausende Tote, Hunderttausende elend Hungernde sind das Werk des Journalisten-mordenden Mohammed bin Salman al-Saud (MBS).
Als großer Trump-Freund musste er keine Konsequenzen seines wichtigsten Handelspartners und Waffenlieferanten befürchten.
Seit Jahren bleiben Kriegsverbrechen und Massenmord ungesühnt. Wer reich genug ist und auf gewaltigen Ölreserven sitzt, darf das.

Die Jemeniten werden gerade von den Saudis massakriert.

Während also Merkel und Gabriel völlig skrupellos vorgehen und den Wunsch der EU ignorieren – während sie es natürlich empörend finden, wenn andere Länder in der Flüchtlingsfrage die Wünsche der EU ignorieren – gibt es in anderen Hauptstädten durchaus noch ein Gewissen.

Das niederländische Parlament hat ein Ende des Exports von Waffen an Saudi-Arabien beschlossen. Laut Reuters handelt es sich um einen Protest gegen die ständigen Menschenrechtsverletzungen des Königshauses.
Der Gesetzesentwurf sieht auch ein striktes Ausfuhrverbot für Dual-Use-Güter vor, also Produkte, die potentiell für Menschenrechtsverletzungen eingesetzt werden könnten, bei denen es sich aber nicht um klassische Waffen- oder Rüstungsgüter handelt.

Was macht Saudi-Arabien mit seinem gewaltigen Waffenarsenal?
Einerseits nutzt es deutsche Panzer, um nebenan in Bahrain die Demokratie niederzuschlagen.

Der größte Einsatz ist aber der Angriffskrieg gegen schiitische Gruppen im Nachbarland Jemen.
Militärisch läuft es dort bemerkenswert schlecht.

Jemen-Krieg: Saudi-Arabiens militärisches Debakel
[….] Seit einem Jahr ist Krieg im Jemen: zwischen der von Saudi-Arabien angeführten Koalition zur Unterstützung des vertriebenen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi und den Huthi-Rebellen. Der Ton der Vereinten Nationen wird immer schärfer. Die saudische Luftwaffe habe im Jemen "ein Gemetzel" angerichtet, sagte jüngst der Hohe Kommissar für Menschenrechte, Seid Raad al-Hussein. Für knapp zwei Drittel der zivilen Opfer und zivilen Zerstörungen sei die Kriegskoalition der Golfstaaten verantwortlich.
Allein bei dem Beschuss eines dicht belebten Marktes in der westlichen Provinz Hajja Anfang letzter Woche kamen 119 Menschen ums Leben, darunter 24 Kinder. "Trotz ständiger internationaler Proteste wiederholen sich solche Vorfälle mit absolut inakzeptabler Regelmäßigkeit", sagte al-Hussein und drohte, diese Kriegsverbrechen durch eine internationale Kommission untersuchen zu lassen. [….] Ein Jahr lang zerbomben modernste Kampfjets von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten nun schon das arme Land Jemen an der Südspitze der Arabischen Halbinsel – ein Krieg, der ein humanitäres, militärisches und strategisches Desaster angerichtet hat. [….] Allein in der Hauptstadt Sanaa wurden 250.000 Menschen ausgebombt. Denn die saudische Luftaufklärung ist schwach und ungenau, die Kampfpiloten unerfahren und skrupellos. Aus Angst vor Abwehrraketen fliegen sie extrem hoch, so dass sie ihre militärischen Ziele meist verfehlen und stattdessen Krankenhäuser und Schulen, Moscheen und Flughäfen, Fabriken und Marktplätze sowie Hochzeitsgesellschaften und Privathäuser in die Luft jagen. [….]

Blöd an den Kriegen sind für das Riader Königshaus weniger der internationale Ansehensverlust oder gar die Myriaden Toten und Verletzten.

Insgesamt versuchen sich nach UNHCR-Angaben rund 2,4 Millionen Flüchtlinge innerhalb der Landesgrenzen vor den Kriegswirren in Sicherheit zu bringen. Über 8000 Menschen sind durch den Krieg bereits gestorben.

Störend ist aber, daß es so verdammt teuer ist. (……..)

Wer die Hintergründe genauer verstehen möchte, sehe sich die ausgezeichnete ARTE-Dokumentation WÜSTE PRINZENSPIELE über die extrem gefährlichen drei jungen Golf-Prinzen und die verantwortungslos Öl ins Feuer gießende Trump-Administration an.


John Bolton, der seit vielen Jahren ein radikaler Verfechter neuer Golfkriege ist, geradezu fanatisch dafür wirbt Krieg im Iran zu entfachen, wurde zwar just von Trump gefeuert, aber es braucht ihn gar nicht.

Was Bolton aus Bosheit und Mordlust anfangen wollte, schafft Trump mit Hilfe seiner Ignoranz und Borniertheit.
Fern jedes historischen Wissens wirft er sich im Konflikt Iran versus Saudi-Arabien auf die Seite des Königreiches.
Dafür gibt es drei Gründe: Die geschäftlichen Interessen des Trump-Konzerns in Riad, die 100 Millionen Dollar, mit denen das Könighaus Saud Ivanka bestach und schließlich der durch FOX generierte diffuse Iran-Hass seiner Wähler.

Der Joint Comprehensive Plan of Action, aka Iran nuclear deal, aka Iran deal funktionierte, brachte alle an der Verhandlungstisch. Der Iran hielt alle Verpflichtungen ein, sah von atomarer Forschung ab.
Aus Trumps psychopathischer Sicht hatte er aber einen entscheidenden Nachteil: Er war ein Erfolg Präsident Obamas. Trump hasst Schwarze und insbesondere Obama. Manisch muss er alles zerschlagen was mit dem Namen seines Vorgängers verbunden ist.
So zertrümmerte Trump zum Entsetzen des Restes der Welt den einzigen international akzeptierten und funktionierenden Friedensplan im Nahen Osten.
Seit dem brennt es.
Teheran bat auf alle erdenklichen Weisen die anderen Vertragspartner weiterhin zum Iran Deal zu stehen, aber obwohl von Berlin, Paris über London, Moskau und die UN alle inhaltlich dem Iran zustimmten und Trumps Berserker-Aktion für falsch und kontraproduktiv hielten, knickten sie allesamt aus pekuniären Gründen vor Washington ein. Geld geht für Europa immer vor Moral.


In der Teheraner Regierung, die keineswegs ein homogenes Gebilde ist, bekamen dadurch selbstverständlich die Hardliner Oberwasser. Hatten sie nicht immer gewarnt man könne „dem großen Satan“ nicht trauen?
Nun tat ihnen Trump den Gefallen genau das Urteil zu bestätigen. Man kann aus Nahöstlicher Sicht offenbar dem Westen tatsächlich nicht trauen, schon gar nicht der USA!
Zwei Nachbarländer des Irans hatten erlebt was passiert, wenn man sich den Zorn Washingtons zuzieht und selbst keine Massenvernichtungswaffen besitzt; Afghanistan 2001 und der Irak 2003.
18 Jahre später herrscht dort immer noch die Hölle auf Erden.
Teheran wäre mit dem Klammerbeutel gepudert unter den aktuellen Umständen nicht zu versuchen so schnell wie möglich an Atomwaffen zu gelangen.
Ein Land aus dem bösen Trio, der „Achse des Bösen“ (GWB), nämlich Nordkorea, hat Atombomben und zeigt mustergültig wie man damit nicht nur die Bedrohung durch die USA los wird, sondern von Trump mit Liebe überschüttet wird.


Die massenhaft mit amerikanischen Waffen massakrierten Jemeniten haben nicht die Möglichkeit sich mit einer Atombombe zu schützen.
Auch sie erleben seit vielen Jahren das untätige Schulterzucken der Weltgemeinschaft, während sie ihre Kinder und Säuglinge begraben müssen.
Acht Jahre hatten sie dem hunderttausendfachen Mord in Syrien desinteressiert zugesehen und wurde erst aufgeschreckt, als es erste Überlebende bis nach Europa schafften und dort (überschaubare) Kosten verursachten.
Leben, menschliche Würde erwecken kein Interesse in Europa oder der USA.
Finanzielle Einbußen aber offenbar schon.

So wie es logisch und nachvollziehbar ist, daß der Iran seine Atomwaffenforschung wieder aufnimmt, ist es aus Sicht der hoffnungslos unterlegenen jemenitischen Huthi-Rebellen auch naheliegend die Saudischen Gelddruckmaschinen, aka Öl-Förderungsanlagen lahmzulegen.
So geschah es am Samstag, zwei Aramco-Ölanlagen in Abkaik und Churais wurden mit Marschflugkörpern oder Drohnen angegriffen und führten zu einer dramatischen Drosselung der saudischen Ölproduktion.

[…..]  Die Angriffe auf Ölanlagen in Saudi-Arabien wirken sich auch in Deutschland spürbar aus. An der Börse steigen die Preise für Rohöl und damit die Kosten für Heizöl. […..]   Am Handelsplatz London verteuerte sich der Preis am Vormittag um fast neun Prozent – auch die Benzinpreise könnten nun steigen. In den USA gab Präsident Donald Trump Öl aus den Reserven frei, um den Preis zu stabilisieren.  In Deutschland ging der Preis für Heizöl regional unterschiedlich um drei bis fünf Cent je Liter nach oben, wie der Messgerätehersteller Tecson mitteilte. Der bundesweite Durchschnittspreis für 100 Liter Heizöl erhöhte sich bei Abnahme von 3.000 Litern demnach um rund vier Euro von 66,60 auf 70,50 Euro. Das entspricht einem Anstieg von rund sechs Prozent.  [….]

Der deutsche Michl verhält sich genau wie ein Trumpmerikaner. Dass Myriaden Kleinkinder von deutschen, bzw amerikanischen Waffen zerfetzt werden, ist ihnen völlig egal. Aber wenn das Benzin ein paar Cent mehr kostet, werden sie garstig.
Mal sehen, vielleicht schafft Trump es doch noch schneller als gedacht die Welt in einem Atomkrieg zu zerstören.

Sonntag, 15. September 2019

Männerwelten.


Mal ehrlich, wir haben alle schon ziemlich eigenartige Sex-Praktiken im Internet gesehen, oder darüber gelesen und uns gefragt, ob man das auch tun würde, bzw. wer so etwas tut.

Abgesehen von dem, das man selbst erotisch findet, gibt es für mich drei Kategorien der Nicht-Erotik:

1.)
Ist garantiert nichts für mir mich, aber ich kann mir vorstellen weswegen das jemand anderes mögen könnte.

2.)
Schließe ich gegenwärtig für mich aus, aber immerhin sind extreme Umstände vorstellbar (unter Medikamenten, nach 20 Jahren im Knast,..), die es möglich machen könnten.

3.)
Für immer absolut ausgeschlossen und kein Verständnis dafür, daß das überhaupt jemand tut.

In Kategorie drei würde ich Vergewaltigungen einordnen; allerdings betrachten viele Experten Vergewaltigungen ohnehin nicht als Sex-Praktik, sondern ausschließlich als Gewalttat, bei der Minderwertigkeitskomplexe und Sadismus eine große Rolle spielen.

Als Misanthrop und Antinatalist sollte ich eigentlich nicht so sehr über die Häufigkeit von Vergewaltigungen überrascht sein.
Homo Sapiens ist eine widerliche Rasse.
Selbstverständlich gibt es genügend Psychopathen und Bestien, die sich in einer Gedankenwelt bewegen, die man absolut nicht nachfühlen kann.
Daher wundere ich mich auch weniger über Vergewaltiger, die Einzeltäter sind.

Aber Vergewaltigungen wurden in der Geschichte der Menschheit kontinuierlich auch als Kriegswaffe eingesetzt, also in Gruppen und systematisch durchgeführt. Männer können offenbar dazu animiert werden bei Vergewaltigungen mitzumachen, wenn sie ohnehin in einer abartigen Situation wie Abu Ghraib oder Camps kongolesischer Warlords miterleben wie andere Männer zur Bestien mutieren und vergewaltigen.

Massenvergewaltigungen sind in allen Erdteilen an der Tagesordnung, wenn der dünne Firnis der Zivilisation abgetragen wird. Koreanische „Trostfrauen“, deutsche KZs, sowjetische Kriegsgefangenenlager, dem Kalifat.

Massenvergewaltigungen sind dabei keineswegs ein Phänomen bestimmter Nationen, sondern in allen Kulturkreisen bekannt.

[….] Amerikaner, Franzosen und Briten vergewaltigten massenhaft Frauen
[….] Die Konstanzer Historikerin Miriam Gebhardt hat für eine bemerkenswerte Studie umfangreiches Material über sexuelle Gewalt am Ende des Zweiten Weltkriegs zusammengetragen:
„Was mir selbst auch unbekannt gewesen war, waren die Vergewaltigungen der GIs, die eigentlich nach dem gleichen Schema auch abgelaufen sind; also die meistens Hausdurchsuchungen gestartet haben, dann haben sie geplündert, Essensvorräte mitgenommen, Wertsachen, Souvenirs und dann eben sehr häufig auch gemeinschaftlich sich über die Frauen hergemacht. Und das konnte dann auch alle Frauen treffen.“
Bekannt ist zum Beispiel aus einer Studie des Historikers Marc Hillel über die französische Besetzung Deutschlands, dass französische Soldaten im Stuttgarter Raum 1.200 Frauen vergewaltigten, das jüngste Opfer war 14, das älteste 74. In Konstanz kam es zu 400 sexuellen Übergriffen, in Freudenstadt zu 500. [….]
„Es gibt tatsächlich für alle bundesdeutschen Länder Zahlen von Kindern, die durch Vergewaltigung gezeugt worden sind und auch mit der Nationalität der Väter. Und man weiß allgemein, dass ungefähr bei jeder hundertsten Vergewaltigung ein Kind zur Welt kommt.“
Aus diesen Angaben kommt die Autorin auf 190.000 sexuelle Übergriffe allein von GIs – also mehr als zehn Mal so viel wie Lilly – und auf 860.000 Vergewaltigungen insgesamt in Deutschland. [….]

Als nach dem zweiten Weltkrieg das erste mal eine Reise möglich wurde, half mein Opa einer Angestellten nach Wien zu kommen, um dort ihre Familie zu suchen, von der sie seit Monaten nichts mehr gehört hatte.
Als sie zurückkam, versammelte sich meine gesamte Familie um sie, begierig Nachrichten von außerhalb Hamburg zu hören.
Der entwaffnend ehrliche Bericht war noch Jahrzehnte später Gesprächsthema. Luisa sagte nämlich „ihnen geht es allen gut, nur meine Mutter wurde vergewaltigt!“
Meine Oma konnte es nicht fassen, aber tatsächlich wurde in dem Teil Wiens, in dem ihre Eltern lebten so viel und oft vergewaltigt, daß Luisas Mutter immer vorgeschoben wurde, wenn wieder Soldaten kamen, da sie keine Kinder mehr bekommen konnte, im Gegensatz zu Luisas jüngeren Schwestern. Daß „nur“ die Mutter vergewaltigt wurde, war unter den Umständen also eine positive Nachricht.
Menschen!

Noch nicht mal das Geschlecht spielt eine Rolle; auch Männer werden massenhaft von Männern vergewaltigt.

Die Brutalität und Bosheit wundert mich wenig, aber wieso ist das so vielen Männern überhaupt physisch möglich?
Mutmaßlich ist bei analem Geschlechtsverkehr gegen den Willen eine sehr stabile Erektion notwendig, für die „Mann“ sexuell erregt sein muss. Wieso sind so viele in diesen extrem gewalttätigen und demütigenden Situationen sexuell stimuliert?
Immerhin muss das Gehirn in einem komplizierten chemischen Zusammenspiel die entsprechenden Neurotransmitter aktivieren.

[….] Bei Berührung senden die hochsensiblen Penisnerven den sexuellen Reiz direkt ins Mark der Lendenwirbelsäule, wo er in einer Art Rückkopplungsschleife verstärkt und in die Geschlechtsorgane zurückgefunkt wird. Die Nervensignale lösen eine chemische Reaktionskette aus, in deren Verlauf zunächst Stickstoffoxid (NO), dann zyklisches Guanin-Monophosphat (cGMP) ausgeschüttet wird.
Dieser Botenstoff spielt eine Schlüsselrolle bei der Entstehung einer Erektion: Er aktiviert die sogenannte Proteinkinase G, die wiederum über eine Verminderung des Kalziumspiegels in den Muskelzellen in den Arterienwänden diese zum Erschlaffen bringen. Der zunehmende Bluteinstrom drückt die kleinen Venen im Schwellkörper ab, so dass der Blutabfluss vermindert wird. Auf diese Weise staut sich in den Schwellkörpern bis zu 40-mal mehr Blut als im schlaffen Zustand – die Schwellkörper werden drei- bis viermal so groß. Wie stark die Erektion ist, hängt vom cGMP-Spiegel ab. Je mehr davon zur Verfügung steht, desto dauerhafter und härter wird die Erektion. [….]

Wieso produziert das Gehirn eines „normalen Mannes“ in einer Situation von Terror, Tod und Folter augenblicklich zyklisches Guanin-Monophosphat, wenn die SS-Kameraden einen sowjetischen Soldaten aufspüren oder IS-Kämpfer ein jesidisches Mädchen aus dem Haus zerren und ihn/es gemeinsam vergewaltigen?

(….) In Afrika sind Männer-Vergewaltigungen durch Armee-Angehörige offenbar an der Tagesordnung.

[….] Im Gegensatz zu den Medienkampagnen über die Vergewaltigungen von Frauen in Kriegsgebieten wird die sexuelle Gewalt an Männern durch Soldatinnen und Soldaten explizit verschwiegen, obwohl das quantitative Ausmaß seriösen Schätzungen zufol­ge um ein Vielfaches höher ist. Während bei Frauen auch eindeutige Begriffe wie „Vergewaltigung“ verwendet werden, wird die sexuelle Gewalt gegen Männer durch Begriffe wie „Kulturelle Destabilisierung“ kaschiert und damit der bewußten Wahrneh­mung entzogen. Dabei sind Männer in kriegerischen Auseinandersetzungen immer schon bevorzugt an den Genitalien gefoltert, durch Verstümmelungen gedemütigt oder durch Vergewaltigung und sexuellen Mißbrauch beschämt und traumatisiert worden. Männer und die Integrität männlicher Sexualität scheint allerdings – wie immer – nicht einmal ansatzweise schützenswert zu sein.
Sexuelle Gewalt gegen Männer wird weltweit als Kriegswaffe eingesetzt – doch kaum jemand spricht über die grausamen Taten. Gerade den Opfern fällt es schwer, das Tabu zu brechen und ihre Erlebnisse in Worte zu fassen: Ein Mann, er heißt Job, hält seinen Kopf zwischen den Händen und blickt beschämt auf den Boden, als er leise und traurig zu sprechen beginnt: „Ich wurde von Soldaten festgenommen und ins Gefängnis gebracht. Dort fesselten zwei Soldaten meine Hände und Beine und vergewaltigten mich, einer nach dem anderen.“ [….]

Sexuelle Gewalt gegen Männer durch US-Soldaten kennen wir natürlich auch aus Abu Ghuraib, Bagram und Guantanamo.

Homo-Vergewaltigungen werden auch immer wieder aus der russischen Armee berichtet. Dort führt das berüchtigte und ultra-brutale Großvater-System unter den Wehrpflichtigen zu mehren Suiziden jeden Tag.

[Um] Andrej Sytschow […..das] Leben zu retten, mussten die Ärzte beide Beine und seine Genitalien amputierten.
Gewalt unter Kameraden gehört zur russischen Armee wie Gleichschritt und Schießübungen. Erpressung, Prügel, Folter und Vergewaltigung sind an der Tagesordnung. Die Soldaten sind sich selbst die größten Feinde.
Der Volksmund nennt die Misshandlungen von Rekruten durch ältere Soldaten "Djedowschtschina", "Herrschaft der Großväter". Wer Erniedrigung und Schmerz im ersten Dienstjahr übersteht, gibt diese Grausamkeiten an nachfolgende Rekruten weiter. [….] Das Komitee der Soldatenmütter, eine Menschenrechtsorganisation, die gegen die Missstände kämpft, registriert jedes Jahr etwa 2000 Todesfälle in der Armee - in Friedenszeiten. Ein großer Teil lasse sich auf Misshandlungen zurückführen. Im vergangenen Jahr haben nach Angaben der Militärstaatsanwaltschaft 341 Soldaten ihrem Leben freiwillig ein Ende gesetzt.
Auslöser soll nach Expertenmeinung auch hier in den meisten Fällen die brutale Quälerei gewesen sein. Die Dunkelziffer der Gewaltfälle dürfte noch weit höher liegen. [….]

In Deutschland gibt es "Djedowschtschina" vermutlich nicht in dieser extremen Form und in Amerika bringen sich die Soldaten statt während der Grundausbildung, überwiegend erst nach den Militäreinsätzen selbst um.

Innerhalb der US-Armee gibt es jährlich rund 20.000 Vergewaltigungen. Da allerdings auch Frauen „dienen“, stellen sie 90% der Opfer. […..]

Die zuletzt genannte Information von vor zweieinhalb Jahren ist offenbar überholt. Es gibt nicht nur viel mehr männliche GIs als Weibliche, sondern sie schweigen sich auch noch hartnäckiger über Vergewaltigungserfahrungen aus.
(14% der US-Soldaten und 5% der Offiziere sind Frauen.)
Bis 2006 waren vergewaltigte Männer in der US-Army dem Pentagon gar nicht bekannt, Erst seit gut zehn Jahren beginnt man die Fälle vorsichtig zu registrieren, Es sind viele.

[….] Bei den US-Streitkräften sind in den vergangenen zehn Jahren mindestens 100.000 Männer pro Jahr Opfer sexueller Übergriffe geworden. Wie die New York Times unter Berufung auf Zahlen des US-Verteidigungsministeriums berichtete, waren allein 2018 etwa 7.500 Männer von sexueller Belästigung, versuchter Nötigung bis hin zu Vergewaltigung betroffen. Die Opfer seien meist jünger als 24 Jahre und hätten einen niedrigen Dienstgrad.
Die Zahl der registrierten weiblichen Opfer ist dem Bericht zufolge mit 13.000 im Jahr 2018 höher als die der Männer. Jedoch sagt das nichts über das tatsächliche Verhältnis, da man nicht weiß, wie viele Opfer die Vorfälle nicht anzeigen. Nur einer von fünf betroffenen Männern meldete Übergriffe – bei den Frauen seien es dagegen 38 Prozent. Viele Betroffene müssten die Armee verlassen und hätten dann Schwierigkeiten, im Alltag wieder Fuß zu fassen, hieß es weiter. [….]

Ich nehme an, die US-Rekrutierungsbüros lassen den Hinweis auf 100.000 vergewaltigte Männer in der US-Armee in ihren Werbevideos und PR-Veranstaltungen der Highschools unter den Tisch fallen.