Donnerstag, 13. Juli 2017

Lügen hilft.



Nach dem albernen Motto “Wer ist hier der härteste Hund?” gab TV-Lügner Wolfgang Bosbach, häufigster Talkshowgast aller Zeiten und Deutschlands Liebling gestern die Nina Hagen und lief angesichts der Kombination Maischberger/Ditfurh zeternd aus der laufenden Sendung.

TV-Profi Bosbach weiß wie man sich billig Sympathien erschleicht und so holte sich der eitle Dauerfernseh-Gast mit minimalem Aufwand die größtmögliche Wirkung.

[…..] Besonders billig machen es die Politiker, die nun nach „Bestrafung der Täter“ rufen.

Ein Glück, daß Polizei und Staatsanwaltschaften diese Idee nahe gebracht wird. Vermutlich wären sie von sich aus gar nicht auf die Idee bekommen, daß es irgendwie strafbar sein könnte Autos anzuzünden oder Polizisten mit Zwillen niederzuschießen.

Wolfgang Bosbach ist so einer, der sich billig Applaus abholt.

[….] In einem Interview mit „n-tv“ stellte Bosbach gleich klar, wer für ihn die Schuld an den Ausschreitungen trägt – und wer nicht: „Schuld sind die Chaoten und Kriminellen, nicht die Mehrzahl der friedlichen Demonstranten. [….] „Greift die Polizei hart durch, wird am nächsten Tag Polizeigewalt kritisiert. Ist die Polizei nicht an allen Orten zur gleichen Zeit, was sie gar nicht sein kann, wird sofort kritisiert, dass die Polizei nicht konsequent durchgegriffen hat. Man muss der Polizei jetzt den Rücken stärken!“, so Bosbach. [….]

Danke Bosbach! Endlich mal einer.
Die anderen Politiker fordern ja alle, daß man mit Strafen für Gewalttäter möglichst inkonsequent sein sollte. Daß Polizisten gegen Steinewerfer und Randalierer sehr nachsichtig zu behandeln wären. Alle anderen Politiker sind ja der Meinung es wäre richtig und wichtig mal einen Renault Twingo abzufackeln, um den Weltfrieden zu bewirken.
Bosbach ist für mich einer der ekelhaftesten Politiker, weil er immer wieder mit dieser „Man wird doch wohl noch sagen dürfen“-Emphase die größten Banalitäten von sich gibt, um sich beim Publikum anzubiedern.
Damit vergiftet er das politische Klima, indem er latent anderen unterstellt, sie hätten Sympathien für Kriminelle. (……)

Es funktioniert so gut! Bosbach wird heute in den Kommentarspalten gefeiert. Facebook und Twitter sind voll mit Bosbach-Lobeshymnen.

Die Herzen der Journaille fliegen Bosbach wieder zu, für alle eindeutig, erscheint Jutta Ditfurth als die böse „Provokateurin“.
Sandra Maischberger in ihrer ganzen Erbärmlichkeit sank sogar so tief, nach Bosbachs jämmerlicher Inszenierung auch Ditfurth aus der Sendung werfen zu wollen.
Nur eine Kleinigkeit wird nie erwähnt:
Ditfurth war im Recht und stellte die richtigen Fragen, Bosbach war der Lügner.

Bosbach hatte die Schanzenkrawalle gemütlich vom heimischen Sofa aus verfolgt, während Ditfurth eine Woche lang mittendrin war und Tag und Nacht vor Ort dokumentierte.
Daß eine Augenzeugin die Situation vor Ort möglicherweise besser beurteilen kann als der heilige Bosbach, kommt aber keinem TV-Redakteur in den Sinn.

Mit der Masche kommen CDU-Hardliner immer durch.

König der Dampfplauderer ist und bleibt aber Wolfgang Bosbach, der sich immer als aufrechter Kämpfer gegen Bevormundung inszeniert, der als einziger ehrlich seine Meinung sage.
Ihm ist es fast egal um welches Thema es geht, Hauptsache er kann sein Gesicht vor die Kameras bringen. Bosbach ist omnipräsent. Was Bosbach sagt, wird sofort weiterverbreitet.

Wolfgang Bosbach hat seinen Titel verteidigt. Im dritten Jahr hintereinander gelang es ihm, die Talkshow-Studios der Republik häufiger zu bespielen als jeder andere.

Bosbach, der gelernte Einzelhandelskaufmann betätigt sich als Verwaltungsratsmitglied des Kölner Eishockeyclubs „Die Haie“ e.V., sitzt als
Mitglied im Fernsehrat des ZDF, seit 9. März 2010 als Vertreter der CDU und Mitglied im Programmausschuss Programmdirektion und fungiert zudem als Juror bei der Wahl der Miss Germany.

Regierungsverantwortung trug der Berufspolitiker nie.
Er ist eher der Meckerer aus der zweiten Reihe, der aber drei Mal am Tag zur Presse rennt, um sich ins Gespräch zu bringen.
Das klappt besonders gut, wenn er sich konservativer als der Rest seiner Partei gibt.

Den doofen Griechen gönnte er nicht das Schwarze unter den Fingernägeln und biederte sich in schleimigster Weise bei den AfD-Sympathisanten an, indem er dem Affen Zucker gab und natürlich nicht richtig stellte, wo all das Geld tatsächlich hinging.
Zuletzt inszenierte er sich als Märtyrer, der sogar seine Karriere seinen Überzeugungen opfere.

Der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach legt sein Amt als Vorsitzender des Bundestagsinnenausschusses nieder. Sein Bundestagsmandat werde er aber behalten. Das teilte der Abgeordnete für den Rheinisch-Bergischen Kreis in Nordrhein-Westfalen am Donnerstag in Bergisch Gladbach mit.
Der CDU-Politiker hatte zuletzt wegen möglicher neuer Griechenland-Milliardenhilfen massive Kritik an seiner eigenen Partei geübt. Er hält das Haftungsrisiko für die Steuerzahler für zu hoch - denn dass Griechenland die Kredite pünktlich und vollständig zurückzahlt, glaubt er nicht.

Der Innenausschuss hat zwar gar nichts mit den EU-Hilfen zu tun und natürlich behielt Bosbach den Job, der das Geld einbringt – das Abgeordnetenmandat.
Aber der Urnenpöbel war begeistert von diesem angeblich so konsequenten Schritt.
Man feierte ihn. Die Hamburger Morgenpost bejubelte ihn als „ehrlichsten Politiker Deutschlands“ und rief alle anderen auf sich ein Beispiel an ihm zu nehmen.

Kein zweiter Politiker ohne Spitzenamt ist so beliebt wie der Ex-Karnevalsprinz aus Bergisch-Gladbach. Seine Talkshow-Auftritte sorgen regelmäßig für Top-Einschaltquoten.
Der Grund: Keiner spricht Klartext wie er, kaum einem anderen Politiker wird so viel Aufrichtigkeit und Unabhängigkeit zugeschrieben wie ihm. Dank Sätzen wie diesem – einem Klassiker im „WoBo“-Repertoire, den er gestern wiederholte: „Früher warst Du ein Rebell, wenn Du eine revolutionäre Bewegung angeführt hast, heute bist Du es schon, wenn du bei Deiner Meinung bleibst.“

Ja, Bosbach redet Klartext.
Er ist klar xenophob, will klar Ausländer loswerden und tritt klar gegen ein solidarisches Europa ein.
Das darf aber eben nicht mit Aufrichtigkeit oder gar Ehrlichkeit verwechselt werden.
Bosbach ist schlicht und ergreifend ein Lügner, der rechte Stimmungen anheizt.

Faktencheck der SPIEGEL-Dokumentation […]
 Kaum ein anderer Politiker ist so häufig in Talkshows zu sehen wie CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach. […]  Derzeit äußert Bosbach gern seine Meinung zum Thema Flüchtlinge. Deutschland leiste in "beispielloser Weise" Hilfe und komme "an die Grenzen der Belastbarkeit", behauptet er zum Beispiel. Vergangene Woche gab Bosbach bei einer Veranstaltung in Mönchengladbach zu bedenken, dass wir "nicht alle sozialen Probleme dieser Welt" lösen könnten. […]
FÜR UND WIDER […] Der Großteil geht nicht in die westlichen Industriestaaten, sondern in angrenzende Nachbarländer. Die mit Abstand meisten internationalen Flüchtlinge zählte die Uno Ende 2014 in der Türkei und in Pakistan, jeweils über 1,5 Millionen Menschen.
Teilt man die Summe der Flüchtlinge und Asylbewerber durch das Pro-Kopf-Einkommen eines Landes, rangiert Deutschland weltweit nur noch auf Platz 36. Ganz oben stehen Äthiopien, Pakistan und Uganda. […]
Dem Eindruck, dass Deutschland in "beispielloser Weise" Flüchtlingen Hilfe leisten muss, steht ein weiterer Vergleich entgegen. Dividiert man das in einem Jahr erwirtschaftete Bruttoinlandsprodukt eines Landes durch die Anzahl der anerkannten Flüchtlinge und der Asylbewerber, dann ergibt dies den Betrag, aus dem ein Land seine Kosten pro Schutz- und Hilfesuchenden bestreiten muss. Je kleiner die Summe, desto höher dürfte die jeweilige "Belastung" sein. Gemessen an diesem Indikator steht Deutschland auf Platz 73 von 161 hier erfassten Staaten. […]
FAZIT Der deutsche Staat leistet weder Hilfe "in beispielloser Weise", noch agiert er an den "Grenzen der Belastbarkeit". Deutschland ist daher natürlich nicht das "Weltsozialamt".

Bosbach erzählt gern das was dem Volk gefällt, bestätigt zu gern xenophobe oder antilinke Vorurteile.
Nur mit der Wahrheit hat das oft nichts zu tun.

So log Bosbach beispielsweise im Juni 2017 man könne Asylsuchende ohne Pass an der Grenze zurück schicken. Das ist falsch.

Im April 2017, kurz vor der NRW-Wahl log Bosbach im WDR das Risiko Opfer einer Straftat zu werden, wäre in NRW 70% höher als in Bayern.

[….] Bosbach ist beliebt wie eigentlich nur noch Günther Jauch. Könnten die Deutschen sich einen Kanzler backen, käme wohl ein Bosbach aus dem Ofen. Dabei wird er nicht müde zu betonen, wie schwer das ist, seinem Gewissen zu folgen oder, um es in Bosbachisch zu sagen: „als Kuh quer im Stall zu stehen.“ [….]

Im Februar 2015 log Bosbach, die linke griechische Regierung verlange keine Steuern von reichen Griechen und griechische Reeder zahlten gar nicht.

Bosbach, der unisono für sein Rückgrat bewundert wird, weil er der letzte ehrliche Politiker Deutschlands sei, funktioniert, weil die Deutschen doof sind un nicht bemerken wie er lügt, um rechte Stimmungen zu schüren.

Das Renteneintrittsalter in Griechenland liegt bei 56 Jahren im Gegensatz zu 64 Jahren in Deutschland.
 (Wolfgang Bosbach, 14.06.2015)
Fakt: Laut OECD liegt das durchschnittliche Renteneintrittsalter in Griechenland bei 61,9 Jahre für Männer und 60,3 Jahre für Frauen. In Deutschland gehen Männer mit 62,1 und Frauen mit 61,6 Jahren in Ruhestand. Im öffentlichen Sektor ist das durchschnittliche Renteneintrittsalter in Griechenland niedriger, da Personalabbau in den vergangenen Jahren oft über Frühverrentung abgewickelt wurde.

Richtig populär wurde Bosbach mit seiner Ablehnung der finanziellen Hilfen für die griechischen Geldgeber.

[…..] Der CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach hat angekündigt, dem zweitem Rettungspaket für Griechenland nicht zuzustimmen. „Wir marschieren weiter mit großen Schritten in Richtung Haftungsunion und gehen dabei zu Lasten künftiger Generationen Risiken ein, die ich für unvertretbar halte“, sagte der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses der „Passauer Neuen Presse“. […..]

Auch in diesem Fall band der CDU-Rechtsaußen unter dem Jubel der Wähler dem Volk einen braunen Bären auf.

In Wirklichkeit ist es genau andersrum.
Deutschland verdient sich eine goldene Nase an der „Griechenland-Rettung“, die in Wahrheit ein Bereicherungsprogramm für Deutschland und internationale Spekulanten ist.

Kredite und Anleihekäufe zu Gunsten Griechenlands bringen Deutschland jedes Jahr einen hohen Gewinn ein.
Insgesamt beläuft sich der Profit auf 1,34 Milliarden Euro.
Viele sind allerdings der Meinung, dass diese Erträge im Sinne echter Solidarität Griechenland zugute kommen sollten. […..]

 […..] Von der griechischen Krise profitieren nach wie vor auch expansionswillige deutsche Firmen: Sie erhalten Zugriff auf die - zur Zeit wenigen - Filetstücke griechischen Staatsbesitzes, die Athen auf Druck Berlins und der EU zur Schuldentilgung veräußern muss. Jüngstes Beispiel ist der Verkauf der Betriebsgesellschaft des Hafens von Thessaloniki: Am 24. April hat ein deutscher Investor gemeinsam mit einem französischen und einem griechischen Unternehmen den Zuschlag für die Übernahme von 67 Prozent der Gesellschaft erhalten. An dem 67-Prozent-Paket hält die Deutsche Invest Equity Partners (DIEP) mit 47 Prozent die Mehrheit, während die französische Terminal Link SAS sich mit 33 Prozent und die griechische Belterra Investments sich mit 20 Prozent begnügen. […..]
 Der Hafenbetreiber arbeitet rentabel; er sicherte dem griechischen Staat allein im ersten Halbjahr 2016 bei einem Umsatz von rund 21,2 Millionen Euro einen Gewinn von 5,5 Millionen Euro. […..]
Während deutsche Unternehmen bei Übernahmen in Griechenland regelmäßig mit schwerreichen Oligarchen kooperieren, gehört zu den deutschen Krisenprofiteuren auch der Discounter Lidl, der von dem armutsbedingt zunehmenden Zwang zum Kauf preisgünstiger Lebensmittel profitiert. […..]
Die hohe Arbeitslosigkeit, die grassierende Armut und mangelnde Lebensperspektiven treiben vor allem jüngere Menschen in Scharen aus dem Land. Nach aktuellen Angaben haben seit 2008 gut 450.000 Menschen Griechenland verlassen; viele sind, wie die bundeseigene Außenwirtschaftsagentur Germany Trade and Invest (GTAI) schreibt, "jung und gut ausgebildet" gewesen. […..]
Laut einer Studie, die im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums erstellt worden ist, arbeiteten bereits 2014 mehr als 3.000 griechische Ärztinnen und Ärzte in der Bundesrepublik. […..]
Massenauswanderung bestens ausgebildeter Personen [ist] für den griechischen Staat mit dem Verlust "besonders wertvollen Humankapitals" verbunden. Die Ausbildung von Hochqualifizierten koste viel Geld, konstatiert Gkolfinópoulos; sie werde dabei gewöhnlich "aus öffentlichen Mitteln" finanziert. Wanderten Hochqualifizierte nun aus, dann habe Griechenland eine Investition getätigt, deren Nutzen nun andere Länder genössen - so unter anderem die Bundesrepublik. Dass "Griechenland besonders medizinisches Personal ins Ausland verliert", sei ein harter "Schlag für den öffentlichen Haushalt, da die medizinische Ausbildung als die teuerste gilt". […..]

Aber wen interessieren schon Fakten, wenn man mit Bosbachs Lügen viel besser den eigenen braunen Vorurteilen frönen kann?

Mittwoch, 12. Juli 2017

Draufhauen



Wenn es im Wahlkampf so richtig schlecht läuft für eine Partei, wird immer dieselbe Schallplatte aufgelegt. Da gibt es nur eine Standardantwort; raus aus den Parteibüros, raus aus den Parlamenten und rein ins Volk.

Pünktlich zum Wahlkampf wird die Bürgernähe entdeckt, man geht auf Tour, will die Wähler zu Hause besuchen, mit ihnen Grillfeste veranstalten und Give-aways verteilen.
Währenddessen sind die „klügsten“ Köpfe der Partei, gegenwärtig also beispielsweise Herr Altmaier und Frau Nahles, damit beschäftigt ein Wahlprogramm auszutüfteln, weil Journalisten und der Parteibasis die Programmatik so viel bedeutet.

Die Strategie der Hausbesuche wurde natürlich auch von der debakulierden Grünen-Spitze ausgegeben, als sie ihre Partei in Umfragen zielsicher gen 5% führten.

[….] Wenn das nächste Mal jemand unangemeldet an Ihrer Haustür klingelt, ist es vielleicht Katrin Göring-Eckardt. Oder ihr Wahlkampfpartner Cem Özdemir.
Seit März gehen die Grünen-Spitzenkandidaten gezielt auf Werbetour, überraschen Bürger und fragen: Was treibt Sie denn gerade politisch so um?
Die Parteibasis soll das nachmachen, "zieht mit uns von Tür zu Tür und begrünt das Land", rufen die Grünen per Video auf. Özdemir sagt im Clip: "Das ist echt immer lustig, man lernt interessante Leute kennen." [….]

Der Erfolg der Aktion war das Rausfliegen aus dem Landtag bei der Saarlandwahl am 26.03.2017, als es nur zu erbärmlichen 4% reichte und ein Minus fünf Prozentpunkten und 15 Sitzen bei der NRW-Landtagswahl am 14.05.2017. Lediglich bei der Schleswig-Holstein-Wahl am 07.05.2017, als man stark auf den Spitzenkandidaten Habeck setzte ging es mit einem Minus von 0,3 Prozentpunkten glimpflich aus.

Da Bürgerbegegnungen-Hausbesuche-Grillfest-Wahlkämpfe also so richtig schön schiefgehen, will der abgetauchte Martin Schulz das jetzt auch machen.

[…..] Weiter, immer weitermachen
Martin Schulz will mit seiner Sommertour entspannte Bilder für die SPD produzieren - stattdessen muss er immer wieder über die Randale beim G20-Gipfel reden. […..]

Diese simulierte Bürgernähe durch die Provinz sollte man sich grundsätzlich sparen.
Erstens erreicht man da am Tag nur ein paar Hundert Wähler – wenn es gut läuft – und zweitens kommen nur die Leute zu den Parteiveranstaltungen, die diese Partei ohnehin wählen.

Diese Touren durch die Provinz sind genauso irrelevant für den Wahlausgang wie die Wahlprogramme, die niemand interessieren und die auch nicht gelesen werden. Sonst wäre Merkel niemals ohne irgendeine Programmatik seit 12 Jahren Kanzlerin.


Ich bedauere diesen Zustand. Mir wäre es lieber, wenn alle Wähler rein rationale Wesen wären, die genau die Programme vergleichen und ernsthaft mit allen Kandidaten diskutieren wollen.
Es ist aber nun mal nicht so.

Die allermeisten Bürger wählen aus einem diffusen Bauchgefühl heraus, nach Sympathie, oder vielleicht auch aus Trotz.

Daher werden Grüne und SPD mit ihrem öden herkömmlichen Wahlkampf auch wieder einmal scheitern.
Und dann werden sie sich wundern, weil sie doch im Wahlkampf einen ganz anderen Eindruck hatten. Ihre Veranstaltungen waren doch immer so gut besucht und alle waren guter Stimmung.

Die langen Gesichter sehe ich jetzt schon vor mir.

Es wird aber nicht begriffen, daß nur wenige tausend Leute zu den Veranstaltungen gehen, während Politiker mit einem zugespitzten Satz auf einen Schlag viele Millionen per TV und Internet erreichen.

Ror und Grün scheinen nicht rechnen zu können.
Tumb tapern Olaf Scholz und die SPD in die Falle, indem sie mit offenen Ohren in die Hamburger Schanze gehen und sich dort demokratisch vorbildlich, zusammen mit Bundespräsident Steinmeier den Betroffenen stellen.

Merkel ist viel schlauer und die paar Hamburger, denen Autos und Geschäft abgefackelt wurden, sind ihr herzlich egal. Sie, die ja schließlich den Gipfelort Hamburg bestimmt hatte, die also die eigentlich Verantwortliche ist, lässt sich also nicht in den Tagen danach dort blicken, wo man nur schlechte Bilder produzieren kann.
Olaf Scholz darf sich den Ärger abholen und Merkel ist entschwebt.
Sie taucht ab, wenn die WORLD WIDE WUT tobt.

Merkel profitiert sogar noch, indem sie die negativen Eindrücke der SPD anlastet.

[……] Ausschreitungen in Hamburg - Scholz' Schuld?
[….] Scholz kommt zusammen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Hamburgs Regierungschef kann diese moralische Unterstützung brauchen, denn er steht nach dem Gewaltwochenende rund um den G20-Gipfel heftig in der Kritik. Scholz habe die Gefahr unterschätzt, Warnungen vor Ausschreitungen leichtfertig abgetan - so lauten die Vorwürfe von der Hamburger Opposition, von der Deutschen Polizeigewerkschaft und auch von Bürgern der Hansestadt selbst.
[….]   Er habe Merkel angesprochen - ein Halbsatz - der deutlich machen soll: Dass die Kanzlerin die schönen Gipfelbilder einheimst und sich dann noch als die große Kümmerin inszeniert und er jetzt der alleinige politische Verantwortliche sein soll, das darf so nicht stehen bleiben.
Denn die Lage ist so: Dass der Gipfel überhaupt in Hamburg stattfand, das hat die Bundesregierung, also Merkel entschieden. Aber anders als Scholz steht Merkel jetzt kaum unter Beschuss. Das empfindet nicht nur Scholz als ungerecht, führende Genossen springen ihm zur Seite. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz betont in seinem Statement zu den Ausschreitungen: Der G20-Gipfel habe auf Einladung der Bundeskanzlerin stattgefunden. SPD-Vize Ralf Stegner sagt dem SPIEGEL: "Die Sicherheitsentscheidung war eine der Bundeskanzlerin. Wer jetzt parteipolitisch die Verantwortung der SPD zuschieben will, der liegt falsch."
Damit ist Hamburg zum Wahlkampfthema zwischen Union und SPD geworden. Wer hat was falsch eingeschätzt? Wem gelingt auch nach den Ausschreitungen in der Hansestadt besser, das Vertrauen der Bürger in Bezug auf innere Sicherheit (wieder) zu gewinnen? [….]

Merkel versteht die Macht der Bilder und weiß wie man sich selbst ins beste Licht setzt. Insbesondere indem sie immer wieder abtaucht, wenn es unangenehm wird.

Martin Schulz und das Willy Brandt-Haus sind leider Wahlkampf-unfähig und so nähert sich die SPD auch wieder der 20%-Marke.

Sigmar Gabriel weiß schon eher wie es geht und poltert jetzt mal richtig gegen die Kanzlerin.
So muß es laufen.
Leider wird damit aber noch augenfälliger was für eine Pfeife Martin Schulz ist.

Dienstag, 11. Juli 2017

Self inflicted wounds



Als Lokalpatriot sieht man üblicherweise gern Bilder der eigenen Stadt im Fernsehen.
Aber genug ist genug. Es ist zu erbärmlich und deprimierend sich mit den Post-G20-Schlaumeiern zu befassen.
Da empfand ich es letzte Nacht sehr angenehm zu meiner gewohnten Routine zurück zu kehren, indem ich auf CNN den weiteren Untergang der USA in einen Lügen- und Korruptionssumpf betrachtete.
Don Lemon und all meine über die Monate und Jahre vertraut gewordenen TV-Lieblinge waren wieder da und beschrieben die neusten Umdrehungen der kleptokratischen Satansfamilie im Weißen Haus.
Moralisch völlig entleerte Hirne wie Conway und Lord behaupten zwar weiterhin, es gäbe kein „there there“, aber inzwischen smoked die gun mehr denn je.
Sonderermittler Mueller wird sich auf das neue Material stürzen.

[…..] Trump junior hetzt gegen die Presse und gegen die Linke, macht Stimmung gegen syrische Flüchtlinge - und wenn dem US-Präsidenten nahegelegt wird, ein Thema mal besser nicht auf Twitter zu kommentieren, übernimmt das eben sein Sohn.
Jetzt - nur wenige Tage nach der G20-Pressekonferenz - ist er es allerdings selbst, der seinen Vater in Schwierigkeiten bringt. Die "New York Times" hat aufgedeckt, dass Trump junior sich im Wahlkampf mit einer Abgesandten Russlands traf, die belastende Informationen zur Gegenkandidatin Hillary Clinton anbot. Mit dabei waren auch Jared Kushner und der damalige Wahlkampfmanager Paul Manafort. Die Russlandaffäre hätte damit die Trump-Familie direkt erreicht. [….]

Was also war geschehen? Und wie löse ich mich aus dem Dilemma möglicherweise nicht mehr Donald Trump mit den schwersten verbalen Geschützen zu beschießen, die ich habe? Gelegentlich erscheint mir seine Brut sogar noch unsympathischer zu sein. Auch Jeff Sessions gelang bereits das scheinbar Unmögliche.
Aber das ist eine Frage des aktuellen Reizes. Don, Eric, Jeff oder doch der alte Donald; man hält stets denjenigen für die worst person ever, der man am meisten ausgesetzt ist.
Es spricht aber einiges dafür, daß die drei Trump-Bratzen aus der Ivana-Linie sogar noch dümmer und unverschämter als ihr Daddy sind.
Melanias Gör ist noch zu klein, um ihn zu beurteilen und die Tochter, die Trump selbst immer vergisst, Tiffany heißt sie, schafft im Gegensatz zu ihren Halbgeschwistern immerhin räumlichen Abstand zu ihrem Vater, lebt meistens in Kalifornien.

Eric, wie alle erwachsenen Trumps in kriminelle Aktivitäten verstrickt, hält sich von den drei Geschwistern am ehesten zurück. Dadurch fällt seine Idiotie nicht ganz so sehr ins Gewicht wie die seines älteren Bruders Donald Jr. „Don“ Trump, der im Bemühen seinem Papi zu gefallen munter austeilt und dabei ob des Vakuums zwischen seinen Ohren gar nicht merkt, wenn er den Darstellungen seines Vaters diametral widerspricht.

Immer wieder wirft er seinen Vater unter den Bus, wie es im Amerikanischen heißt.
Kaum hatte sich Trump Sr. dazu bekannt Comey wegen der Russland-Untersuchungen gefeuert zu haben, trat der Junior vor die Presse und behauptete das Gegenteil.

Und erneut begreift Don Jr. offensichtlich nicht was er tut.
Er veröffentlicht Emails, die genau die russischen Kontakte zum Trump-Team bestätigen, die Papi eben noch in Hamburg vehement bestritten hatte.

[….] Don Jr Just Threw His Dad Under The Bus, Releases Emails That Prove Russia Wanted Trump In Office.
In a bombshell morning, Donald Trump Jr. decided to release emails between him and music publicist Rob Goldstone, but instead of making things better he might have unleashed prove that could impeach his father.
The emails were posted via Twitter on Tuesday morning and they seemed to contain explicit promises of support from “Russia and its government for Mr. Trump.” [….]

 Ist das sowas wie ausgleichende Gerechtigkeit, daß ein derart vom Schicksal Begünstigter wie Trump, der seinen unermesslichen Reichtum ererbt hatte, der so sehr von seinen „superior genes“ überzeugt ist, mit offensichtlich grenzdebilen Kindern geschlagen ist?

Schwer auf den Kopf gefallen, das Kind; das diagnostizierte auch die GOP-Strategin Ana Navarro.

[….] "When I read his statement where he was admitting that he had met with this Russian lawyer for the purpose of receiving information against Hillary Clinton, I thought, ‘My God, this kid was dropped on his head as a child!’ " Navarro exclaimed on "CNN Tonight with Don Lemon."
"How could he possibly be admitting this?” she asked before adding, “Because he knew there was an email out there.”
“The sheer amount of contacts and meetings that none of them remember between Trump World and Russians involved with the Kremlin is astounding,” Navarro, a GOP strategist who supported Jeb Bush in the Republican presidential primary, continued. [….]

Selbst der stramm rechte Trump-treue Sender FOX beklagt sich nun öffentlich, wie schwer Dummerle Don Jr. den Republikanern das Leben macht.

[….] Trump Jr. burns GOP defenders
[….] How much trust do you have that the Trump organization is being honest with you about Russia and the 2016 campaign?
After the revelation that Donald Trump Jr. met with a lawyer tied to Vladimir Putin in hopes to obtaining dirt on Hillary Clinton – as “part of Russia and its government’s support for Mr. Trump” – that question becomes quite significant.
[….] The Republicans who are tasked with defending and protecting the president through these various outrages – be they self-inflicted Twitter wounds or larger traumas like this one – cannot do their work if they don’t know the whole truth.    That’s why these revelations about the meeting are particularly damaging. The Trump campaign should have put this out long ago rather than letting 52 Republican senators read all about it in the NYT.
[….] Donald Trump Jr. getting caught out on this Russia omission doesn’t matter much for the story itself. Everyone seems to agree that the dirt that the young Trump in the campaign wanted was not available from their Russian contact.
What is material, however, is that the campaign and the White House both kept this story under wraps for so many months.
Everyone involved, including the president’s son, knows this is a big deal. This was not bumping in the Russian ambassador at the Republican National Convention in Cleveland. This was something you would have remembered. This is something you should have disclosed.
For weeks, Republicans have been able to say with increasing conviction that there was not a shred of evidence of any inappropriate contact between the Trump campaign and the Kremlin.  [….]

Presse, Opposition und Parlament sind zu schwach, um Trump ernsthaft zu schaden, aber glücklicherweise schießen sich die Trumps immer wieder selbst in den Fuß.

Ich sollte das nicht sagen, aber als CNN gestern das Jake Tapper-Interview mit Don Trump Jr. von vor einem Jahr wiederholte, in dem er wenige Wochen nach den nun eingeräumten Kontakten mit Russland, um Hillary Clinton zu schaden, voller Emphase und außer sich vor Empörung pöbelte, diese Anschuldigungen wären „disgusting and phony“ und zeigten how desperate die Demokraten wären, staunte ich wie frech diese Trumps lügen.


Absurd; ich könnte mich wundern, sollte ein Trump mal die Wahrheit sagen.