Mittwoch, 7. Juni 2017

Lutherdekade.



Bund und Länder geben zig Millionen als Zuschüsse für die große Selbstbeweihräucherung der Protestanten, die selbst so reich sind, daß sie mit mindestens 129 Milliarden Euro mehr Umsatz als die gesamte deutsche Autoindustrie machen.

Die ARD mit allen ihren Mitgliedsanstalten feiert eine Themenwoche „Woran glaubst du?“ mit frommen Sendungen rund um die Uhr in elf Sendern.

Der Höhepunkt der Lutherdekade war vermutlich der gewaltige evangelische Kirchentag 2017 zum 500. Jubiläum des Thesenanschlages; natürlich in der Hauptstadt Berlin.
Prominenter besetzt denn je. Das gesamte Bundeskabinett, die Kanzlerin, der Bundespräsident und sogar Barack Obama pilgerten zu Käßmann und Bedford-Strohm.

Das hätte Luther gefallen: Staat, Obrigkeit und das große Geld tun sich zusammen.
Aber wie schon vor 500 Jahren dachten die Großkopferten weniger an den normalen Menschen und die normalen Menschen interessierten sich daher auch nicht für den Mega-Aufwand, der in Berlin betrieben wurde.

[….] Wenn man manche Medien las oder die Hauptnachrichten im Fernsehen verfolgte, hätte der Eindruck entstehen können, dass die Berliner den Kirchentag in ihrer Stadt freudig begrüßt haben. Tatsache ist jedoch, dass sie ihn ignorierten oder sich über dessen Besucher lustig machten.
Erwartet wurden rund 140.000 Dauergäste für die rund 2.500 Veranstaltungen, die sich im Messezentrum am Rande der Stadt konzentrierten – gekommen waren rund 40.000 weniger. Abgesehen von der einen großen Werbeveranstaltung der CDU, bei der der ehemalige US-Präsident Obama sich neben Kanzlerin Merkel der Masse zeigte, waren in der Innenstadt eher wenige orange Schals zu sehen. Auch eine Beflaggung, wie sie am Messegelände einsam im Wind wehte, fehlte in der City vollständig.
Am Abend des Pokalendspiels war die Berliner Innenstadt schwarz-gelb und schwarz-weiß-rot; auf dem Alexanderplatz trafen sich am späten Abend mehr Frankfurt-Fans als es tagsüber Kirchentagsbesucher waren. Selbst bei Veranstaltungen mit den Größen aus Politik und Kirche verloren sich die wenigen Interessierten in der Menge der üblichen Berlin-Touristen. Als Frau Käßmann über – ja, worüber eigentlich? – über Urlaubserinnerungen sprach, strömten die Touristen durch die kaum besetzten Bankreihen; auf dem Weg vom Geldautomaten zum Billigkaufhaus auf der anderen Seite des Platzes. [….]

Zum Abschlussgottesdienst in Wittenberge hatte der Deutsche Evangelische Kirchentag (DEKT) ursprünglich mit 300.000 Besuchern gerechnet.
Zerknirscht sprach man anschließend angesichts der leeren Flächen von 120.000 Teilnehmern.
Aber auch das ist offensichtlich eine fromme Lüge.

Ungeachtet der schnöden Realität, die ein eklatantes Desinteresse an der Kirche zeigt, versuchen Medien und Politiker mit allen Mitteln für die Frommen zu werben.
In der Pfingstausgabe des Hamburger Abendblattes erschienen drei volle Zeitungsseiten unter dem Titel „Nicht ohne meine Kirche“.
Funke-Autor Peter Wenig hatte sich auch eine Reise zu den 44 Kirchen sowie rund 50 Gemeindehäusern und Pastoraten des Kirchenkreises Hamburg-Ost gemacht, die geschlossen werden.
Ein Drittel ihrer knapp 300 Gebäude muß die evangelische Kirche in Hamburg Ost innerhalb der nächsten acht Jahre aufgeben, weil sich einfach niemand mehr für ihre Gottesdienste interessiert.

[….] Jedes Jahr verliert der Kirchenkreis 5500 Mitglieder, binnen 25 Jahren ist ihre Zahl von rund 658.000 auf 433.000 gesunken. [….]
(Abendblatt, 03./04./05.06.2017)

Interessanterweise macht sich die Kirchenführung, die immer noch auf einem Milliardenvermögen sitzt, doppelt unbeliebt, indem sie systematisch die ärmsten und schwächsten Gemeinden streben läßt.

Kirchen in den reichen Stadtteilen stehen nicht zur Disposition.

[…..] Monatelang bewerteten Experten jedes kirchliche Gebäude, vom Michel bis zum kleinsten Pastorat in den Vier- und Marschlanden. Ausschlaggebend waren vor allem Lage, architektonische Qualität, Zustand des Gebäudes sowie Größe der Gemeinde. Wer dann das Prädikat "C" erhielt, wusste: Es gibt künftig kein Geld mehr vom Kirchenkreis, wenn die Heizung streiken sollte oder gar der Turm für einen sechsstelligen Betrag saniert werden muss. Und so verbirgt sich unter dem Stempel "nicht förderfähig" das wahrscheinliche Sterben auf Raten. [….]
(Abendblatt, 03./04./05.06.2017)

Abendblatt-Autor Wenig bringt viel Mitleid auf für die Pastoren, denen von ihrer Kirchenleitung der blaue Brief mit dem „Kategorie C“-Diktum ins Haus flattert.

Viele fromme Kirchen-affine Journalisten beklagen das Sterben der Kirchen, zählen die immer gleichen Gründe auf.
Immer herrscht ein larmoyanter Ton.

Nur das einzig Naheliegende liest man nie: „Die Kirchen schrumpfen – das ist ein Grund zur Freude!“

Die Kirche in Hamburg ist so gut wie tot – und das ist auch gut so.

In Hamburg ist die Kirche marginalisiert.
Katholiken finden traditionell ohnehin kaum statt.
Gut so, denn abgesehen davon, daß niemand mehr die Predigten der hanseatischen Pfaffen hören will, sind sie auch noch unangenehm. (….)
So viel Geld und so viel Werbung für die Kirchen und dennoch laufen die Mitglieder zu Hunderttausenden davon.

Zwei Kardinalfehler der evangelischen Kirche werden nie erwähnt; auch in Peter Wenigs endlosen Artikel kein Wort davon:

Der protestantische Held Martin Luther war ein besonders widerliches antisemitisches, frauenfeindliches, obrigkeitshöriges Arschloch.
Dieser mittelalterliche Hassprediger wird nun ausgerechnet von Typen wie Käßmann und Bedford-Strohm verteidigt, die selbst den kirchenfreundlichsten Journalisten auf die Nerven gehen mit ihrer grenzenlosen Naivität, ihrer stupiden Selbstbeweihräucherung und eklatanten Umgehung der Wahrheit.

Aber selbst wenn die EKD sich von Luther löste und halbwegs intelligente Führungsfiguren hätte, bliebe das Problem ihres Produktes, welches nun einmal Mist ist.

[…..] Ich glaube nicht, dass die wissenschaftlichen und philosophischen Erkenntnisse, die wir gewonnen haben, schwerer zu verstehen sind als die seltsamen Geschichten, die uns von religiöser Seite nahegebracht werden. Ich frage Sie: Was ist schwerer zu verstehen? Die wissenschaftliche Erkenntnis, dass wir Teil eines evolutionären Prozesses sind, der aus einfachen einzelligen Lebensformen allmählich komplexere Organismen hervorbrachte? Oder der Glaube an einen Gott mit multipler Persönlichkeitsstörung (Dreifaltigkeit), dessen erster Teil (Gottvater) sich mit seinen Geschöpfen verkrachte, worauf er den zweiten Teil seiner selbst (Heiliger Geist) aussandte, um eine Jungfrau auf nichtsexuelle Weise zu schwängern, wodurch der dritte Teil seiner selbst (Jesus Christus) als aufrechtgehender Trockennasenaffe geboren wurde, um von einer historischen Besatzungsmacht hingerichtet zu werden und – ätsch – am dritten Tag wieder von den Toten aufzuerstehen? Man muss sich doch mal überlegen, welche intellektuellen Verrenkungen solche Glaubensinhalte den Menschen abverlangen. [….]

Die Menschen, zumindest in den deutschen Großstädten, werden zu klug für den religiösen Unsinn.
Es gab in den letzten Dekaden weltweit Studien über den Einfluß von Religion auf die Menschen.
Die Wissenschaftler Jordan Silberman, Miron Zuckerman und Judith A. Hall von der University of Rochester werteten dieses Jahr 63 Studien aus und konnten klar zeigen, daß ungläubige Menschen tatsächlich intelligenter sind als Religiöse.
Das ist auch erwartbar und in sich logisch, da es Intelligenz erfordert nachzufragen und Zweifel anzustellen, statt einfach zu glauben was behauptet wird.

[…..] Realistischerweise sollten wir davon ausgehen, dass sich hinter dem Auf und Ab der Evolution kein göttlicher Heilsplan verbirgt, sondern nur das blinde Walten von Zufall und Notwendigkeit. Wenn der Mensch tatsächlich von Anfang an von Gott als “Krone der Schöpfung” geplant gewesen wäre, wie der Papst meint, so müsste man sich doch fragen, warum “Gott” zum Erreichen dieses Ziels einen so verrückten Weg eingeschlagen hat: Warum, bitteschön, erschuf er zunächst a.) eine unglaubliche Vielfalt an Dinosauriern, die über Jahrmillionen die Erde beherrschten, dann b.) einen Riesen-Asteroiden, den er vor 65 Millionen Jahren auf der Erde einschlagen ließ, damit c.) die Dinosaurier wieder aussterben, um so d.) einigen rattengroßen Säugetieren Platz zu machen, aus denen sich e.) einige Millionen Jahre später die aufrecht gehende Affenart Homo sapiens entwickeln konnte? Ein Gott, der sich so seltsam verhalten würde, würde eher einem intergalaktischen Mister Bean gleichen als einem allmächtigen, allwissenden, allgütigen Wesen. Kein Unternehmen dieser Welt würde einen Designer mit einer solch verheerenden Kosten-Nutzen-Bilanz einstellen. [….]

Es gibt eine einzige Kategorie-C-Kirche in meiner Umgebung und ich kann es gar nicht erwarten bis sie schließt. Ich gehöre nämlich einerseits zu den 99,5% der Hamburger, die nicht sonntags in einen Gottesdienst gehen und dennoch von dem unerträglichen Glockengeläut geweckt werden. Was für eine UNVERSCHÄMTHEIT der Kirchen immer wieder die Masse der Nichtgläubigen aus dem Bett zu jagen. So macht man sich unbeliebt.
Außerdem fehlt es mir an Doofheit, um mich über das Verschwinden der Kirchen zu grämen. Je mehr sich die Religionen zurückziehen, desto besser für die Gesellschaft.

Atheisten sind klüger als Christen, sie sind mitfühlender, lehnen Rache und Folter stärker ab. Kinder von nichtreligiösen Eltern teilen eher als Christen und erwärmen sich weniger für drakonische Strafen.
Religiöse Menschen schlagen ihre Kinder häufiger, während Atheisten generell friedlicher sind und auch niemals Terroranschläge verüben. Christen wählen weit überdurchschnittlich Trump.
Atheisten diskriminieren keine Schwulen und Frauen mit einem speziellen Arbeitsrecht, sie greifen keine dubiosen Staatsleistungen in Höhe von 600 Millionen Euro jährlich von den Bundesländern ab, sie belästigen ihre Nachbarn nicht mit Kirchenglocken oder Muezzin-Rufen. Atheisten sind aufgeschlossener gegenüber Minderheiten; sie verdienen mehr, sind besser gebildet.
Atheisten sind grundsätzlich toleranter als Christen; auch das ist in sich logisch, da Religionen prinzipiell exkludierende Ideologien sind. Jede Religion verhält sich zu anderen Religionen, Atheisten und Agnostikern nach dem Prinzip „Wir sind besser als die!“
Humanisten hingegen ist diese hierarchische und potentiell antagonistische Weltsicht fremd.
Humanisten würden die Aufnahme von Flüchtlingen nicht an Bedingungen knüpfen – wie es konservativen Christen leicht über die Lippen kommt: „Christliche Flüchtlinge sollten bevorzugt werden.“

Man muß also gar nicht die offensichtlichen kirchlichen Fehlleistungen – Sexskandale, Missbrauch, Prügel, Geldverschwendung, Protzsucht – in Betracht ziehen. Schon aus rein grundsätzlichen Überlegungen ist es absolut zu begrüßen, wenn die Kirchen schrumpfen; Mitglieder und Einfluss verlieren.


Dienstag, 6. Juni 2017

Neues aus dem Weißen Haus.

Im November 2008 lagen die Vereinigten Staaten von Amerika so am Boden wie kaum jemals zuvor.
Das Weiße Haus so unbeliebt wie nie zuvor, jede Woche gingen 100.000 Arbeitsplätze verloren, Myriaden Menschen verloren ihre Häuser, ausgehend von NY hatte die größte Weltfinanzkrise seit 1929 die Welt erfasst, Amerika war in zwei verlustreiche extrem teure Kriege verstrickt, das Haushaltsdefizit lag auf einem Rekordhoch und das internationale Ansehen der USA war im tiefsten Kellergeschoss.

Angesichts dieser Megakrise und eines extrem schwachen republikanischen Tickets war ein junger und unerfahrener schwarzer Prediger zum Präsidenten gewählt worden, der voller Elan die Transitionphase begann.

In vielen Chefetagen und Universitätsbüros blickte man voller Angst auf das Telefon. Man betete inständig, der bewußte Anruf möge nicht kommen.
Bitte, lass‘ es nicht Obama sein, hoffte man, wenn das Telefon klingelte.

Niemand wollte nach Washington um da Regierungsämter zu übernehmen, weil die Lage dort als aussichtslos verfahren galt, weil man sich halb totarbeiten würde, weil man nur Ärger bekäme und zu allem Übel auch noch sehr viel schlechter bezahlt würde als bisher in der Privatindustrie.
Jobs im Zentrum der Macht gelten als so auszehrend, daß selbst überzeugte und physisch topfitte Obama-Fans wie David Axelrod oder Rahm Emanuel die hohe Frequenz nur kurz aushielten. Ersterer war White House Senior Advisor von Januar 2009 bis Anfang 2011, letzterer Obamas Stabschef von Januar 2009 bis Oktober 2010.

Aber wenn der bewußte Anruf kam, konnte man auch nicht ablehnen. Man sagt nicht „Nein“ zum president-elect. Das US-Präsidentenamt war sagenumwoben und die Ehre vom Präsidenten gebeten zu werden so enorm, daß eine Ablehnung nicht in Frage kam.
Wollte Obama jemand in seiner Administration, blieb nur eine mögliche Antwort:
 „Yes Sir!“.
 Immerhin galt eine Tätigkeit im Weißen Haus als lebenslanger Karriereboost. Eine bessere Referenz als „ich habe für den Präsidenten gearbeitet“ konnte man sich nicht vorstellen.

In den folgenden acht Jahren gelang den rechten Medien, den ultrareichen Fanatikern wie den Koch-Brüdern und der Tea-Party das für unmöglich Gehaltene: Mit unterschwellig rassistischem Dauerfeuer wurde das Vertrauen in die US-Institutionen so unterminiert, wie es sich der KGB in seinen kühnsten Träumen nicht vorgestellt hätte.
Eine besonders widerliche Rolle spielte dabei ein gewisser Donald Trump, der fünf Jahre lang auf der white-supremacy-Welle ritt und Barack Obama grundsätzlich unterstellte gar kein Amerikaner zu sein. Trump machte die Birther-Bewegung groß, die dazu führte, daß zig Millionen Amerikaner bis heute davon überzeugt sind, Obama wäre ein schwuler, muslimischer Kenianer, der als kommunistischer Agent Amerika zerstören wolle.

Im November 2016 stand der nächste president-elect vor ganz anderen Aufgaben. Die Wirtschaftskrise war weitgehend behoben, das Ansehen Amerikas war wiederhergestellt, die Nation war deutlich moderner geworden (Stichworte „green energy“, „gay marriage“, „affordable care-act“, „cannabis“), aber der Aufschwung kam bei vielen Menschen nicht an. Die sicheren Industriejobs für wenig gebildete Arbeiter gab es nicht mehr. Die Infrastruktur bröckelte.

Ich weiß nicht, ob in den Chefetagen ein ähnliches Bangen vor dem Telefonklingeln wie acht Jahre zuvor herrschte.
Möglicherweise nicht; denn die Autorität des Neuen war bereits angeknackst.
Außerdem sprach sich schnell rum, wie unvorbereitet das Trump-Transition-Team war. Man hatte keinen Plan und tätigte daher auch nicht viele Anrufe. Bis heute sind tausende Stellen nicht besetzt.

Nun ist Trump vier Monate im Amt und hat es geschafft den letzten Respekt vor ihm wegzutweeten.
Das Weiße Haus ist immer noch kaum arbeitsfähig und niemand scheint es zu interessieren. Die Ignoranz des Trump-Kabinetts ist unheard of.
Viel wichtiger sind die in steter Eigenproduktion aufquellenden Skandale. Nun heißt es „lawyer up“ für Trump.

Der von ihm selbst eingeleitete Ansehensverfall zeigt aber erstaunliche Auswirkungen. Wenn die Top-Kanzleien ein Anruf aus dem Weißen Haus bekommen und hören „der Präsident der USA braucht sie“, antworten sie mit „Nö“. Für Trump will man nicht arbeiten.

[….] “The concerns were, ‘The guy won’t pay and he won’t listen,’” said one source who is described as a “lawyer close to the White House.”
Brendan Sullivan of Williams & Connolly, Ted Olson of Gibson, Dunn & Crutcher, Paul Clement and Mark Filip of Kirkland & Ellis and Robert Giuffra of Sullivan & Cromwell are reportedly among the firms who turned the White House down.
Some lawyers also refused to represent Trump citing possible damage to a firm’s reputation because of his toxic political image at the moment. [….]

Trump ist nicht nur dank seiner Ignoranz als sehr undankbarer Klient bekannt, sondern seine gesamte Regierung gilt inzwischen als derart schlecht, daß niemand damit in Verbindung gebracht werden will.

[….] The unwillingness of some of the country’s most prestigious attorneys and their law firms to represent Trump has complicated the administration’s efforts to mount a coherent defense strategy to deal with probes being conducted by four congressional committees as well as Justice Department special counsel Robert Mueller.
The president’s chief lawyer now in charge of the case is Marc E. Kasowitz, a tough New York civil litigator who for years has aggressively represented Trump in multiple business and public relations disputes — often with threats of countersuits and menacing public statements — but who has little experience dealing with complex congressional and Justice Department investigations that are inevitably influenced by media coverage and public opinion. [….]

Eine für Amerika noch nie da gewesene Situation. Das Weiße Haus gilt als „toxisch“ für die Karriere. Kein intelligenter Mensch will nach gerade mal vier Monaten Trump-Präsidentschaft das sinkende Schiff betreten.
Das ist bedauerlich für Trumps engsten Kreis, der es nun schwer hat juristisch vertreten zu werden.

Noch viel bedauerlicher ist das allerdings für die Regierung und das amerikanische Volk. Selbst wenn Trump alle Skandale überstehen sollte und bis 2021 im Amt bliebe, ist heute schon klar, daß seine Administration nicht funktionieren wird. Das Weiße Haus liegt lahm da und kann personell nicht aufgefrischt werden.
Trump wird nur noch zweit- und drittklassige Mitarbeiter finden.

[…..]  Administration Talent Vacuum
[…..]  [The] White Houses, like all organizations, run on talent, and the Trump White House has just become a Human Resources disaster area.
[…..]  We have seen White Houses engulfed by scandal before. But we have never seen a White House implode before it had the time to staff up. […..]  The Trump administration, […..] , has hundreds of senior and midlevel positions to fill, and few people of quality or experience are going to want to take them.
Few people of any quality or experience are going to want to join a team that is already toxic. Nobody is going to want to become the next H. R. McMaster, a formerly respected figure who is now permanently tainted because he threw his lot in with Donald Trump. Nobody is going to want to join a self-cannibalizing piranha squad whose main activity is lawyering up.
That means even if the Trump presidency survives, it will be staffed by the sort of C- and D-List flora and fauna who will make more mistakes, commit more scandals and lead to more dysfunction.
Running a White House is insanely hard. It requires a few thousand extremely smart and savvy people who are willing to work crazy hours and strain their family lives because they fundamentally believe in the mission and because they truly admire the president.
[…..]  Even on its best early days, the Trump White House never had that.
[…..]  Over the past 10 days the atmosphere has become extraordinary. Senior members of the White House staff have trained their sights on the man they serve. Every day now there are stories in The Times, The Washington Post and elsewhere in which unnamed White House officials express disdain, exasperation, anger and disrespect for their boss.
As the British say, the staff is jumping ship so fast they are leaving the rats gaping and applauding.
Trump, for his part, is resentfully returning fire, blaming his underlings for his own mistakes, complaining that McMaster is a pain, speculating about firing and demoting people. This is a White House in which the internal nickname for the chief of staff is Rancid. […..]

Montag, 5. Juni 2017

Trumps dummes Team



Donald Trump ist dumm und ungebildet.
Das ist schon mal schlecht, aber man könnte das Problem abmildern, indem er dazulernt und von wissenden Menschen umgeben wird.

Aber da Trump ein Trump ist, kann man die Probleme eben nicht in den Griff bekommen, weil er

 a) zutiefst ignorant ist, also gar nichts dazulernen will,
 b) über eine so winzige Aufmerksamkeitsspanne verfügt, daß er gar nichts dazu lernen könnte und
 c) auch noch von Deppen umzingelt ist.

Punkt c ist womöglich das größte Problem.

Es gibt republikanische Politologen, die wie Ana Navarro Trump extrem scharf kritisieren.

Navarro und Gleichgesinnte wie Tara Setmayer glauben aber immer noch an die GOP, halten also viel von Menschen wie Paul Ryan oder Reince Priebus, die als Vertreter des Partei-Establishments Trump einhegen und beraten würden.


In diesem Punkt irren aber die GOPphilen Trump-Gegner. Die republikanischen Abgeordneten winkten sämtliche vollkommen unqualifizierten Kleptokraten als Kabinettsmitglieder durch, debakulieren bei der Abschaffung von Obamacare und beeindrucken den Rest der Welt mit amerikanischer Stupidität, wie es sie nie zuvor gegeben hat.

Trump kann man nicht einhegen, weil sein Stab, sein Kabinett ebenfalls aus Totalausfällen besteht.


Inzwischen haben selbst die enthusiastischsten Amerikafans resigniert.

[….] Mer­kels Trump-Bild hat sich seit­her ge­än­dert, nicht zum Po­si­ti­ven. Die ersten Kon­tak­te mit der neu­en Re­gie­rung wa­ren er­nüch­ternd. Als Christoph Heusgen, ihr au­ßen­po­li­ti­scher Be­ra­ter, zum ers­ten Mal mit dem späte­ren Nationa­len Si­cher­heits­be­ra­ter Mi­cha­el Flynn zu­sam­men­traf, war er über des­sen au­ßen­po­li­ti­sche Un­kennt­nis scho­ckiert. Aber es gab auch Raum für Hoffnung.

Ge­ra­de we­gen der Nai­vi­tät der neu­en Re­gie­rung, glaub­te Mer­kel an­fangs, sei Trump mög­li­cher­wei­se be­ein­fluss­bar. Es war ein er­zie­he­ri­scher An­satz, der zunächst er­folg­reich zu sein schien. In ei­nem Te­le­fo­nat im Ja­nu­ar erklär­te Mer­kel Trump die Si­tua­ti­on in der Ukrai­ne. Sie hat­te den Ein­druck, dass er sich zu­vor nie ernst­haft mit dem The­ma be­schäf­tigt hat­te. […..]


Selbstverständlich ist Trump vollkommen verblödet und weiß rein gar nichts über die Welt und Politik.
Aber auf der Ebene der Amerikanischen Minister, der Staatssekretäre, der Abteilungsleiter und Sherpas herrscht ebenfalls blanke Doofheit.

Inzwischen lernen wir, daß nicht nur Trump eine wirtschaftspolitische Niete ist, sondern daß sein ganzes Team nicht nur auf protektionistischen Irrwegen wandelt, sondern auch schlicht und ergreifend die Fakten nicht kennt.

[….] Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zeigte sich die EU-Seite insgesamt entsetzt darüber, wie wenig Ahnung die Amerikaner von der Handelspolitik zu erkennen gaben. Offenbar war den Gästen unklar, dass die EU-Länder Handelsverträge nur gemeinsam abschließen. Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn soll demnach in dem Gespräch gesagt haben, zwischen den USA und Deutschland herrschten andere Zolltarife als zwischen den USA und Belgien. [….]

[…..] Am Donnerstagvormittag trifft Trump EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und Ratspräsident Donald Tusk. Zwischen Ankunft, Fototermin und Abreise bleibt für das Treffen allerdings nur eine Viertelstunde. Immerhin wird Trump die beiden Herren nun persönlich kennenlernen. Zwar hatte Tusk kurz nach Trumps Wahlsieg in Washington angerufen, um zu gratulieren. Der US-Präsident aber konnte sich später in einem Interview nicht einmal mehr an Tusks Namen erinnern, sondern verwechselte ihn mit Juncker, dem "Chef der EU". [……]

Die armen Deppen denken Amerika wäre unabhängig von anderen Ökonomien, man müsse nur die Verbindungen in die Welt kappen, um die USA erblühen zu lassen. (….)

Bizarrerweise scheint die allgemeine Verblödung des amerikanischen Regierungsapparates besonders beim ureigenen Trump-Thema „Wirtschaft“ extrem ausgeprägt zu sein.

[…..] Wie groß die Kluft dort in­zwi­schen ist, er­leb­ten Bundeswirtschaftsminis­te­rin Bri­git­te Zy­pries und ihr Staats­se­kre­tär Matthias Mach­nig in der ver­gan­ge­nen Wo­che in der ame­ri­ka­ni­schen Hauptstadt. Die bei­den So­zi­al­de­mo­kra­ten wa­ren nach ih­ren Ge­sprä­chen mit republikani­schen Ab­ge­ord­ne­ten und den Han­dels­ex­per­ten des Prä­si­den­ten geschockt.

„Ei­ni­ge un­se­rer ame­ri­ka­ni­schen Ge­sprächs­part­ner un­ter­lie­gen ei­ner gro­ben öko­no­mi­schen Fehl­ein­schät­zung. Sie glau­ben, die ho­hen Handelsbilanzdefi­zi­te der USA ge­gen­über an­de­ren Län­dern sei­en vor al­len Din­gen auf schlech­te Han­dels­ver­trä­ge zu­rück­zu­füh­ren“, be­rich­tet Staatssekre­tär Mach­nig. Sie be­haup­te­ten stän­dig vor den Ge­rich­ten der Welt­han­dels­or­ga­ni­sa­ti­on WTO zu un­ter­lie­gen. „Da­bei nutz­ten die USA das WTO-Sys­tem bei Han­dels­strei­tig­kei­ten wie alle an­de­ren Län­der. Und sie sind dar­in häu­fig er­folg­reich.“ Mit Trump sei­en die USA auf dem bes­ten Weg in die Selbst­iso­lie­rung. [….]

Die aberwitzige Ami-Verdummung erstreckt sich nicht nur in Bezug „Unkenntnis“ auf Trumps gesamten Apparat, sondern auch Faulheit und Ignoranz ziehen sich durch alle Ebenen. Der Fisch stinkt vom Kopfe her, ja. Aber der ganze Fisch mieft erbärmlich.

[….] „Ob wir un­se­re An­lie­gen als Eu­ro­pä­er laut ver­kün­den oder nicht, die Haupt­sa­che ist, tat­säch­lich hand­lungs­fä­hi­ger zu wer­den“, sagt ein französischer Di­plo­mat. Auch die Fran­zo­sen se­hen in Trumps Wa­shing­ton kei­nen zu­ver­läs­si­gen Ver­bün­de­ten mehr. Ma­crons Äuße­rung vor dem G-7-Gip­fel, er sehe Trump als „Part­ner“, war nichts als ein Lip­pen­be­kennt­nis. Fran­zö­si­sche Di­plo­ma­ten wa­ren scho­ckiert dar­über, wie un­vor­be­rei­tet die Ame­ri­ka­ner sich in Brüs­sel und Ta­or­mi­na zeig­ten. […]

Sonntag, 4. Juni 2017

Trump kritisieren



Hurra, ich habe mich mal wieder zum Außenseiter gemacht.
Die ganze Welt steht zusammen auf der Seite Donald und Melania Trumps – Kathy Griffin ist zu weit gegangen.

[….] Dieses Foto war dann doch zu viel. Eine rothaarige Frau hält einen blutverschmierten Kopf in der Hand. Sie hält ihn fest an seinem wattig-dünnen, gelbblonden Haar. Es ist der Kopf von Donald Trump. [….]  Griffin schrieb auf Twitter: "Es kam Blut aus seinen Augen, aus seinem ... was auch immer" - eine Variation der Menstruationsanspielung, die Trump im Wahlkampf über die Fox-Moderatorin Megyn Kelly gemacht hatte, nachdem diese ihn in einer Debatte hart angegangen war. […..] Sie brachte alle Amerikaner zusammen, egal ob Demokrat oder Republikanerin. Allerdings auf Trumps Seite. Die Reaktionen in den sozialen Medien waren einhellig: Das Foto sei ekelhaft, brutal, es gehe zu weit. [….]

Obwohl ich sonst etwas zimperlich bei Gewaltdarstellungen bin, finde ich Griffins Kunstaktion gerechtfertigt, weil sie ausdrucksstark ist und das von Trump völlig vergiftete Klima aufgreift.

Wozu führt denn die Vorsichtigkeit der Demokraten; die stets korrekte Ausdrucksweise? Sie ist mir zwar auch sympathischer als Trumps widerliches Beschimpfen seiner Gegner, aber die Demokraten verlieren und die Bullys gewinnen.


Das verbale Dilemma der öffentlichen Trump-Kritiker kenne ich aber auch.
Am 09.11.2016 hatte ich einen Termin beim Notar und dieser zutiefst seriöse distinguierte Herr im Dreiteiler sagte auf einmal im Vorgeplänkel er könne nicht fassen, daß das „orange Monster“ gewonnen habe.

So rast die Zeit. Was ich vor einem halben Jahr noch als recht derbe Ausdrucksweise empfand, ist heute viel zu mild.
Ich ringe täglich nach Worten für den Unmenschen im Oval Office. Vermutlich ist das Böseste, das man sagen kann das simple „Trump“, ohne ein „Mr.“ oder seine Amtsbezeichnung. Der Name selbst ist zum ultimativen Schimpfwort mutiert.

[….] Die Grenzen von Satire und Kritik haben sich verschoben unter Trump. Und das liegt nicht nur an bösartigen Satirikern, die nicht an die Gefühle kleiner Kinder denken, sondern auch daran, dass Trump selbst vor so wenig zurückschreckt. Daran, dass dieser Präsident so schamlos ist wie keiner vor ihm. Und dass trotzdem alle Kritik an ihm abzuperlen scheint wie an einer nagelneuen Teflonpfanne.
Schon im Wahlkampf hatte sich Trump krasse Fehltritte geleistet, und auch diese verhinderten nicht, dass er Präsident wurde. Trump hat auf seinen Wahlkampfveranstaltungen offen zu Gewalt gegen Protestierende aufgerufen. "Beat the crap out of them", rief er Tausenden seiner Anhänger zu, oder: "In der guten alten Zeit wären sie auf einer Trage rausgebracht worden." Er hat sich vor Kameras über einen behinderten Reporter lustig gemacht und über die Eltern eines gefallenen muslimischen US-Soldaten. Er hat gesagt, dass seine Freunde vom Waffenverband doch sicher etwas gegen Hillary Clinton tun könnten. Wie sehr muss man so einen Mann schonen?
[….] Kathy Griffins Aktion zeigt, wie hilflos sich Künstler, Comedians, Satiriker inzwischen gegenüber der Ungehobeltheit von Donald Trump fühlen. Sie wissen sich schon jetzt manchmal nicht anders als mit Ausfälligkeiten zu helfen. Trevor Noah hat ihn "Arschloch" genannt und hört nicht auf, Witze über seine angeblich kleinen Hände zu machen. [….]


Die ultimative Strafe für einen Gefallsüchtigen wie Trump ist es, wenn er uns nicht gefällt. Wenn wir nicht beeindruckt sind, ihn nicht ehren.
Wir brauchen keine Schimpfworte, um unsere Abscheu auszudrücken.
Es reicht aus kontinuierlich sein Scheitern als Präsident zu beschreiben.
Lasst ihn uns nicht als „den US-Präsidenten“ sehen, sondern lediglich als „Trump“ mit dem durch unaufhörliches Wiederholen der Begriff „erfolglos“ verbunden ist.
Lasst ihn zu dem „man without success“ werden.
Nur schade, daß der ungesund lebende Mann schon 70 ist.
Ich wünsche ihm noch 50 Lebensjahre als Ex-Präsident, in denen er darüber nachdenken kann wie er der unsuccessful Trump wurde, who made America small.