Freitag, 2. Juni 2017

Der Wendepunkt (?)

US-Botschaft Berlin

Die armen politischen Kommentatoren in den Vereinigten Staaten!
Seit zwei Jahren sind sie im verschärften Dauereinsatz. Die (heimlichen) Hoffnungen vieler, Trump werde, einmal im Amt, schon von den schrillen Wahlkampftönen ablassen und Vernunft walten lassen, atomisierte sich schnell.
All die political analysts müssen mehr Überstunden denn je machen.
Skandale, die vor zehn Jahren noch die Sendezeit von mehreren Wochen beansprucht hätten, müssen in wenigen Stunden abgearbeitet sein, da das Weiße Haus in immer schnellerer Frequenz neue welterschütternde Eruptionen verursacht.
Inzwischen kristallisieren sich drei Fraktionen um Trump heraus.

1.   Ivanka und Jared, die zwar über gar keine Qualifikation verfügen, aber vom Präsidenten geliebt werden und im Bestreben in ihre eigenen Taschen zu wirtschaften über Leichen gehen. Buchstäblich sogar, wenn man sich die sklavenartigen Bedingungen der Arbeiter in Ivankas chinesischen Schuhfabriken ansieht. Zwei Mitarbeiter bekannter NGOs, die Ivankas Treiben dokumentieren wollten, sind unter sehr mysteriösen Umständen verschwunden.
2.   Die allgemeine Witzfigur Sean Spicer und der völlig überforderte Stabschef Reince Priebus gelten bereits als entmachtet. Täglich wird mit einer Versetzung Spicers zu SLN gerechnet. Seine PKs dauern inzwischen nur noch wenige Minuten an, weil er seinen Job einfach nicht kann.
3.   Die beiden ultrarechten White Supremacist-Stephens, also Bannon und Miller, wähnte man ebenfalls schon auf dem absteigenden Ast, weil beide zum Antisemitismus neigen, während Jared und Ivanka Juden sind. Beim gestrigen Showdown wider die Erde siegten sie aber offensichtlich über Trumps Tochter und Schwiegersohn. Letztere waren bezeichnenderweise nicht im Rosengarten anwesend.

Dieses bizarre machtpolitische Dreieck zwischen dem Trump willkürlich mäandert, wäre schon an sich höchst problematisch für ein Weißes Haus und würde die Hauptstadtjournalisten schwer beschäftigen.
Hinzu kommen aber weitere Probleme.

A.) Viele Ministerien und Regierungsabteilungen sind nach wie vor nicht arbeitsfähig, weil Trump und Pence zwar alle Obama-Leute feuerten, aber während der Transitionphase so extrem stümperhaft vorgingen, daß ihnen immer noch tausende Mitarbeiter fehlen.
B.) Die Trumpleute, die da sind, sind zumindest völlig unerfahren, meistens aber grotesk unterqualifiziert, weil für Trump einzig zählt wie sehr er bewundert wird. So erklärte White House spokeswoman Hope Hicks vor zwei Tagen “President Trump has a magnetic personality and exudes positive energy, which is infectious to those around him. He has an unparalleled ability to communicate with people, whether he is speaking to a room of three or an arena of 30,000. He has built great relationships throughout his life and treats everyone with respect. He is brilliant with a great sense of humor and an amazing ability to make people feel special and aspire to be more than even they thought possible.” Offensichtlich sind Trumps Staffer also völlig von der Realität entkoppelt.

C.) Sonderermittler Robert Mueller und die verschiedenen Untersuchungsausschüsse des Kongresses beginnen jetzt das häßliche Verb „to subpoena“ zu verwenden.

Nicht nur für die Privatperson Donald Trump und Multimillionäre wie Jared Kushner oder Michael Flynn heißt es jetzt „lawyer up“, sondern auch hunderte Mitarbeiter aus dem Wahlkampf, die zum großen Teil unbezahlt für Trump arbeiteten müssen nun mit Vorladungen rechnen. Anwälte sind aber sehr teuer und schwer zu finden im Moment. Anders als in vergleichbaren Fällen – Bill Clinton übernahm die Anwaltskosten seiner Mitarbeiter, die im Zuge seines Impeachmentverfahrens verhört wurde – läßt Trump seine eigenen Leute dabei schnöde hängen und gibt ihnen keinen Cent dazu.
D.)  Die Stimmung ist dahin. War man im Wahlkampf noch fröhlich vereint, weil man gemeinsam die verhasste Hillary Clinton schlagen wollte, so kämpft in Trumps Umgebung mittlerweile jeder gegen jeden. WH-Correspondents berichten immer wieder von Schreiduellen und zuknallenden Türen, die man im Presseraum hören kann, nachdem Spicer wieder einmal die PK verlassen hat.

Der Ausstieg aus dem Pariser Klima-Abkommen eröffnete nun neue Fronten.
Jetzt hat Trump nicht nur Linke, Liberale, Bürgerrechtler, Wissenschaftler und Städter gegen sich.
Es passieren erstaunliche Absetzbewegungen.

1.) Fast die gesamte Welt steht nun zusammen gegen Amerika. Ganz neu für das amerikanische Selbstverständnis: Amerika ist nicht mehr die Führungsacht, sondern diejenige, die zusammen mit Nicaragua und Syrien hinterherhinkt. China, Europa, Kanada und Südamerika stellen sich eindeutig und massiv gegen Trump.
2.) Im großen Stil stellen sich US-Bundesstaaten gegen das Weiße Haus und den republikanischen Kongress. Die Gouverneure der Staaten Washington, New York und Kalifornien, die zusammen 100 Millionen Amerikaner repräsentieren, beeilten sich gestern klarzustellen, daß sie keineswegs Trumps Weg in Kohle und Öl mitmachen würden. Schon heute gibt es in Amerika doppelt so viele und besser bezahlte Jobs in der „Green Energy“ Sektor, wie in der Kohleindustrie. 


3.) Die amerikanische Wirtschaft opponiert ebenfalls massiv gegen den republikanischen Präsidenten. Mit Grauen denken sie daran wie China und Deutschland sich bei Techniken rund um Elektromobilität, Windenergie und Photovoltaik zu Weltmarktführern aufschwingen und dabei die ganz entscheidende Zukunftstechnologie zu beherrschen drohen, während die USA schmollend auf die stinkige Braunkohle setzt, die in einigen Jahren sowieso alle ist.
4.) Die Einzelpersonen, die Trump scharf angreifen, können inzwischen keinesfalls mehr von den GOPern als „Usual suspects“, als linke Spinner aus Hollywood abgekanzelt werden. Elon Musk und Robert Iger, die mächtigen Bosse von Tesla und Disney warfen gestern theatralisch ihre Mitgliedschaft in Trumps Wirtschaftsrat hin.

Ich habe schon zu oft gedacht, jetzt ist Trump endgültig erledigt, als daß ich mir diesen Gedanken noch einmal gestatten würde.

Aber während man bisher Trumps Chaos zur Not unter parteipolitischen Aspekten sehen konnte, geht es jetzt so sehr ans Eingemachte, daß der Präsident immer weniger Freude mit seinem eigenen Volk haben sollte.


Donnerstag, 1. Juni 2017

Impudenz des Monats Mai 2017



Und schon wieder einmal zeigt der Kalender eine „1“ - hohe Zeit für mich den Blödmann des Monats zu küren…..

Diese Rubrik hat sich eigentlich überlebt, denn seit Trump sein Amt im Weißen Haus antrat, ist er immer der größte Blödmann der ganzen Welt.
Niemand kommt auch nur ansatzweise an die psychogene Ignoranz und Widerlichkeit dieses ganz schlimmen Unfalls heran.
Kim Jong Un wirkt auf mich regelrecht sympathisch, wenn ich wie vor einer Stunde eine Trump-Live-Übertragung gesehen habe.
Nie, nie, nie hätte ich das geglaubt das folgende jemals zu sagen, weil ich George W. Bush abgrundtief verachtet habe: Aber GWB würde ich herzen und küssen, wenn er jetzt noch einmal US-Präsident werden könnte.
So ein kluger und sympathischer Mann!

Wie weit hat Trump es in wenigen Monaten gebracht! Selbst engste Verbündete wenden sich mit Entsetzen von der USA ab, Deutschland rückt mit China zusammen und das konservative ZDF, Hort der amerikafreundlichen Atlantiker wünscht den Ober-Ami zur Hölle.


[…..] Trump lügt, wenn es ihm passt, und nennt all seine Kritiker Lügner.
[…..] Dieser Präsident ist eine Schande für die amerikanische Demokratie und unsere Werte. Wer auf den mäßigenden Einfluss seiner Minister hofft, irrt gewaltig. Sie sind keine verlässlichen Gesprächspartner, weil Trump sie zu nützlichen Idioten degradiert. Den Sicherheitsberater ließ er bei Israels Premier vor der Türe sitzen, nahm stattdessen seine Familie mit ins vertrauliche Gespräch. […..] Nach der Psychologie ist der maligne Narzisst nur auf den eigenen Vorteil bedacht. Er ist rücksichtlos, sprunghaft, sucht zwanghaft nach Macht und Reichtum. Er folgt nur dem Recht des Stärkeren. Er ist ungeduldig und aggressiv, demütigt und entwürdigt andere Menschen, nennt sie böse und hinterhältig, wenn er um seine Macht fürchtet. […..] Dieser US-Präsident ist gefährlich. […..]

Und heute wird mal eben der Klimaschutz gekippt.

[….] Trump verkündet Ausstieg aus Pariser Klimaschutzabkommen
[…..]  Den USA droht mit dem Ausstieg aus dem Klima-Vertrag eine weltweite Isolierung.   Ex-Präsident Barack Obama wirft Trump vor, sich der Zukunft zu verweigern. [….]

Das kündigt Trump vor großer Kulisse im Rosengarten des Weißen Hauses an und lügt dabei so dreist, daß dabei fast die komödiantischen Aspekte vergessen werden. Der Klimaschutz ist natürlich nur eine blöde ausländische Verschwörung, um Amerika „billions and billions and billions, can you believe it!“ aus der Tasche zu ziehen.
Zu Unrecht. Denn Trump haut hier ein paar Klopfer raus, bei denen ich mich vor Lachen auf dem Boden rollte.

[….] "I will work to ensure America remains the world's leader on environmental issues but under a framework that is fair" […..]
(Donald Trump, am 01.06.2017 im Rosengarten)

Gut, oder?
Amerika setzt voll auf Erdöl und Kohle, schafft die Klimaschutzprogramme ab und will so der green-energy-Vorreiter bleiben.
Entweder man fängt an zu heulen, oder aber man löst sich aus seiner Fassungslosigkeit und lacht diese USA mit ihrem unterbelichteten Psycho-Präsidenten aus.
Aber da kam schon das nächste Ding:

[…..] “At what point does America get demeaned? At what point do they start laughing at us as a country? We want fair treatment for its citizens and we want fair treatment for its taxpayers. We don’t want other leaders and other countries laughing at us anymore — and they won’t be.” […..]
(Donald Trump, am 01.06.2017 im Rosengarten)

America in decline. Der totale ökonomische Absturz bleibt weiterhin meine Hoffnung für Amerika.
Es sieht weiter gut aus. Englands Brexiteers zeigen gerade wie gut konservative und isolationistische Wirtschaftspolitik nach Trumps Geschmack funktioniert.

[….] UK now the worst-performing advanced economy in the world after post-Brexit vote slump.
[…..] Just a year ago, prior to the Brexit vote, the UK economy was flying high, outgrowing Germany, Japan and the US EPA
The UK is now the worst-performing advanced economy in the world, with growth slumping to just 0.2 per cent in the first three months of the year.
It means Britain is bottom of the G7 group of advanced economies, while Canada has surged to the top, with an expansion of 0.9 per cent in the period. [….]

Seit heute muß man die ideologisch komplett verbohrten Trumpeteers und Repukelicans außerdem so viele klimatische Katastrophen an den Hals wünschen, bis selbst die letzten Rednecks in den red states begreifen, daß Klimawandel real ist.
Also her mit den Dürren, Feuersbrünsten, Hurrikans, Tornados, Hitzewellen, Schneekatstrophen und Überschwemmungen.

Dazu noch eine schrumpfende Wirtschaft mit rapide zunehmender Arbeitslosigkeit.
Die Trump wählenden Hillbillies lernen es offensichtlich nur auf die harte Tour.


Mittwoch, 31. Mai 2017

Reiche Hamburger



Doch, doch, ich lebe ja gern in dieser Stadt.
Natürlich ist deswegen nicht alles gut in Hamburg. Auch in der schönen reichen Elbmetropole drehen die Menschen gelegentlich durch.
Die 19%, die Ronald Schill am 23.September 2001 nach einer massiven Pro-Schill-Kampagne der SPRINGER-Zeitungen holte, kann ich auch 16 Jahre später diesen Bürgern nicht verzeihen.
Immerhin sahen die Hamburger im Gegensatz zu den Bürgern anderer Bundesländer ihren Fehler schon nach zwei Jahren ein und gaben dem Penis-Schwenker mit dem Hitler-Herpes bei den vorgezogenen Neuwahlen einen gewaltigen Tritt in den braunen Hintern.
Am 29. Februar 2004 erreichte die Pro DM, der Schill beigetreten war 3,1 % und seine ehemalige Partei „Rechtsstaatliche Offensive“ stolze 0,4 %.

Gelegentlich werden einige Hamburger immer noch ekelig.
2014 begannen einige Anwohner der Sophienterrasse, gelegen im allerfeinsten Stadtteil Harvestehude gegen eine geplante Flüchtlingsunterkunft zu stänkern.
Statt wie sonst üblich den Verfall der eigenen Grundstückspreise zu beklagen, wurden die Harvestehuder noch einen Schritt perfider und argumentierten scheinbar mit den armen Flüchtlingen mitfühlend, daß diese sich bei ihnen gar nicht ernähren könnten, weil alles viel zu teuer wäre.
Lieber sollten die Heimatvertriebenen in die randständigeren Stadtbezirke, wo es aufgrund der Armut auch mehr Lidls und Aldis gäbe.
Der Fall machte bundesweit Schlagzeilen und der Hamburger Senat bekam große Probleme sich durchzusetzen, weil die Anwohner der Sophienterrasse die besten und teuersten Anwälte in Marsch setzten.
Die vermögenden Xenophoben scheiterten allerdings gerade wegen ihrer Macht und Professionalität. Der relativ neue SPD-Senat konnte schon aus Prinzip nicht nachgeben und zudem begannen sich eine Reihe Harvestehuder für ihre klagenden Freunde zu schämen. Wer will schon gern das Image als fremdenfeindlicher Schnösel mit seiner Adresse verbunden wissen?
In der Folge setzten sich viele Anwohner ganz besonders intensiv für die zukünftigen Flüchtlinge in der Unterkunft Sophienterrasse ein.
Nun, nachdem die Nachbarn die Neu-Harvesterhuder kennengelernt haben, ist es auf einmal doch vorstellbar, daß eine afghanische Familie durch das edle Pöseldorf-Center spaziert. Die Integration ist zur Erfolgsgeschichte geworden. Man hilft und versteht sich.
Der Verein Flüchtlingshilfe Harvestehude ist besonders aktiv und effektiv.
190 Flüchtlinge wohnen nun in dem Nobelstadtteil und alle sind zufrieden.

[….] "Die Vorurteile nehmen automatisch ab"
Der Widerstand gegen ein Flüchtlingsheim im noblen Hamburg-Harvestehude war entschlossen. Eine Studie zeigt nun: Plötzlich sind die meisten Anwohner froh über die Nachbarn.
[….] Die Ansichten der Anwohner sind enorm positiv, die Zustimmung zu dem dortigen Flüchtlingsheim liegt bei mehr als 80 Prozent. Ein Viertel der Befragten findet es sogar gut, dass die Menschen hierherkommen, damit ihre Nachbarn mal mit der Realität konfrontiert werden. [….] Ein Großteil der Harvestehuder sieht schlichtweg die Verpflichtung, etwas für die Schutzsuchenden zu tun.[….]

Eine Erfolgsgeschichte zweifellos, aber auch eine Geschichte mit erstaunlich wenig Strahlkraft.

Das im äußersten Westen an der Elbe gelegene Blankenese produziert schon lange widerliche Schlagzeilen. Flüchtlinge? OK; irgendwie schon, aber bitte nicht in ihrem schönen reichen Blankenese, sondern beim armen Plebs in Billstedt und Jenfeld. Dabei gibt es in Blankenese ein geradezu ideales Stück Land, auf dem Flüchtlinge wirklich keinen Menschen stören könnten.

[….] Die Kampfzone haben sie inzwischen abgesperrt. "Gesichertes Objekt" steht an den Bauzäunen rund um den hügelig-kargen Sandplatz in Blankenese, als lagerten dort seltene Bodenschätze. Um Rohstoffe geht es am Björnsonweg im noblen Westen von Hamburg aber nicht. Es geht um Menschen.
Albrecht Hauter, ein weißhaariger Herr in rotem Rentnerjäckchen, spaziert an diesem Herbsttag den Zaun entlang, er macht ein düsteres Gesicht. "Hier könnten längst Häuser stehen", raunt er, "dann könnten die Flüchtlinge bald einziehen, Kinder würden auf der Straße spielen." Doch außer Sand und Gestrüpp ist hinter der Absperrung nichts zu sehen, dank einiger gewiefter Nachbarn: Erst verhinderten sie im April den Bau der Unterkünfte mit einer Straßenblockade, dann zog ein Anwohner vor Gericht. Seitdem liegen die Juristen im Dauerstreit.
In Blankenese verweigern wohlhabende Menschen Hilfsbedürftigen die Solidarität. [….]

Die juristischen Auseinandersetzungen dauern an.
Viel Geld, Vorurteile und Juristen machen es möglich.

Das Elend der stetig zunehmenden Bürgerbefragei, der Plebiszitwahn macht es möglich, daß einzelne Stinkstiefel immer mehr dem Gemeinwohl schaden können.

Im ebenfalls sehr reichen Eppendorf, dem Nachbarstadtteil Harvestehudes geht es auch gerade los.

Man sorgt sich um den Wegfall der benötigten Parkplätze.
In Eppendorf sind Parkplätze offensichtlich wichtiger als Menschen. Dabei hatte nicht etwa der rotgrüne Hamburger Senat per order di mufti über diesen Standort entschieden, sondern der Verteilungsschlüssel ergibt sich aus einer langen Diskussion mit flüchtlings-kritischen Bürger-Initiativen.

[…..] Rund 26.500 Flüchtlinge leben derzeit in 120 Folgeeinrichtungen, die über ganz Hamburg verteilt sind – zumindest fast. Denn in Eppendorf gibt es noch keine einzige Flüchtlingsunterkunft. Auch der dritte geplante Standort wird von massiver Kritik der Anwohner begleitet. Dabei reichen die Einwände von wegfallenden Parkplätzen bis hin zu einer allgemeinen Störung des feinen Stadtbildes.
Der schmale Grünstreifen grenzt an die U-Bahngleise und wird durch Parkplätze und die Loogestraße von den wenigen Wohnhäusern getrennt, die sich auf der gegenüberliegenden Seite befinden. Hier, so der „Zentrale Koordinierungsstab Flüchtlinge“ (ZKF), sollen Unterkünfte für 104 Flüchtlinge entstehen. Drei Container sollen aufgestellt werden. Es ist einer der wenigen Plätze in Eppendorf, die noch infrage kommen. Denn eigentlich müsste dieser wohlhabende Stadtteil insgesamt 415 Flüchtlinge aufnehmen. Das besagt der Verteilungsschlüssel, der nach mühsamen Verhandlungen mit der „Initiative für bessere Integration“ ausgehandelt wurde. Und während in Blankenese, Volksdorf oder Harvestehude nun endlich auch Flüchtlinge leben, ist Eppendorf offenbar immer noch weit entfernt davon. [….]

Das ständige Gejammer nach „Bürgerbeteiligung“ ist zu einer echten Geißel geworden.

Dienstag, 30. Mai 2017

Kann nur besser werden.



Gerade schäme ich mich ein bißchen, weil ich in letzter Zeit sehr viel auf die SPD, aber auch auf die anderen beiden Parteien aus der R2G-Gang eingedroschen habe.

Dabei ist die SPD keine Partei, in der ich nur zähneknirschend Mitglied bin.
Die haben auch gute Leute. Erwin Sellering, der aus dem Rheinland zugewanderte MeckPomm-Chef ist so einer.
Ein Netter, der genau richtig für seinen Job ist.
Lymphdrüsenkrebs ist natürlich scheiße. Verständlicherweise muß Sellering jetzt sein Amt als Ministerpräsident aufgeben.

Die Bundes-SPD reagiert auf diese Nachricht mit einer Rochade. Schwesig auf Sellerings Posten, Barley af Schwesigs Posten und Heil auf Barleys Posten.
Zwei Fliegen mit einer Klappe. Die dritte Fliege ist leider wieder entwischt.

Die SPD vollzieht damit einen Generationswechsel, bekommt eine junge Frau als Ministerpräsidentin und Landesvorsitzende. Das ist ein positives Signal, zumal Schwesig zweifellos qualifiziert ist und jedes Bundesland mal ein neues Gesicht an der Spitze benötigt.

[….] Der richtige Job zur falschen Zeit und unter höchst unerfreulichen Umständen - so könnte man aus Schwesigs Sicht den Sprung von Berlin nach Schwerin zusammenfassen. Die 43-Jährige, die sich als Bundesfamilienministerin den Ruf erworben hat, nie lockerzulassen in ihren Kämpfen um Chancengleichheit in Beruf und Familie, nie nachzugeben ohne Not und selbst über der Weihnachtgans im Restaurant noch ausdauernd über Lohngerechtigkeit zu referieren, war lange vorbereitet auf einen Stabwechsel in Schwerin - nur eben zu einem viel späteren Zeitpunkt. […]

Bei Katarina Barley plagen mich Beißhemmungen, weil ich sie wirklich sympathisch finde und ihre politischen Ansichten schätze.
Ich werde ihr ewig dankbar sein, daß sie sich als neue Generalsekretärin den Zorn von SPRINGER und Co zuzog, als sie sich zunächst mit der atheistischen Giordano-Bruno-Stiftung traf.

Die letzten drei Landtagswahlen und das das thematische Vakuum im Willy Brandt-Haus haben aber gezeigt, daß sie offensichtlich keine begnadete Wahlkampforganisatorin ist. Außerdem ist Barley eindeutig ein Gewächs Sigmar Gabriels. Eine nicht optimale Situation unter dem neuen Parteichef Schulz, da es traditionell die ureigene Aufgabe des Vorsitzenden ist, sich einen General auszusuchen.
Barley ins Kabinett  zu schicken stellt daher eine elegante Lösung dar, um sie nicht zu feuern und dennoch die SPD-Zentrale in eine kampfkräftige Wahlmaschine zu transformieren.
Bis hierhin also zwei von drei für die SPD.
Nun noch ein guter neuer Generalsekretär.
Hier verließ die Genossen leider das Händchen. Ausgerechnet während ihr „Schulzzug“ auf das Abstellgleis rattert, holt sich Herr Schulz dreieinhalb Monate vor der Bundestagswahl den denkbar ödesten Kandidaten, der zudem auch noch bewiesenermaßen Wahlkampf nicht kann.
Hubertus Heil, der niedersächsische Phlegmat, der schon für die trüben Bärtigen (Beck und Platzeck) Wahlen verlor, wird jetzt die neue Barely.

[….] Als Generalsekretär kehrt Heil zurück ins Willy-Brandt-Haus. In die Parteizentrale hatte ihn 2005 der SPD-Chef Matthias Platzeck schon einmal geholt. [….]  Die Aufregung war bis zum Parteitag nicht verflogen: Heil hielt eine denkwürdig schlechte Rede und fuhr mit 61,7 Prozent ein ebenso denkwürdig mieses Ergebnis ein.
[….] Nach Gabriels Wechsel ins Auswärtige Amt wäre Heil ein möglicher Nachfolger im Wirtschaftsministerium gewesen - und wurde wieder nichts.
[….] Immerhin ist jetzt überhaupt mal jemand an führender Stelle in der SPD, der Erfahrung mit einem Bundestagswahlkampf hat. Auch wenn es bei Heil der von 2009 war. An dessen Ende landete die SPD bei 23 Prozent. […]

23% also. Offensichtlich ist das die Zielmarke, die #Chulz anstrebt.
So ist das als SPD-Mitglied. Kaum macht die Partei mal etwas halbwegs Vernünftiges, haut irgendein Spitzengenosse was richtig Kontraproduktives raus.

Sogar Herr Schulz nimmt sich meine Kritik zu Herzen und entdeckt jetzt schon mal ein zweites Thema.

[….] Kanzlerin Angela Merkel und Vizekanzler Sigmar Gabriel hatten vorgelegt, nun hat auch Martin Schulz in die Kritik an US-Präsident Donald Trump eingestimmt. Europa sei der beste Schutz für die Demokratie, für die Wirtschaft und den sozialen Zusammenhalt: "Deshalb ist das Gebot der Stunde, sich diesem Mann mit allem, was wir vertreten, in den Weg zu stellen, übrigens auch seiner fatalen Aufrüstungslogik, die er uns aufzwingen will", sagte der SPD-Kanzlerkandidat bei einer Veranstaltung seiner Partei in Berlin. […]

Wenn er jetzt noch ein bißchen am Timing arbeitet, könnte das noch was werden.
Als Kanzlerkandidat sollte Schulz natürlich selbst die Themen setzt und der erste sein, statt gemächlich hinter Merkel und Gabriel hinterher zu trotten.
Merkel gibt so gut wie nie irgendwo die Richtung vor. Da sagt sie einmal einen Satz von inhaltlicher Substanz, aber ist immer noch schneller als Schulz.