Donnerstag, 21. Juli 2016

Deutschland und das Kinderficken



Recep und Donald drehen inzwischen mit Überschallgeschwindigkeit in ihren Hamsterräder des Wahnsinns.
Man kann sich gar nicht mehr adäquat aufregen, da sie zu schnell neue Ungeheuerlichkeiten in die Welt blasen.

Die deutschen Skandale wirken dadurch so deminuiert, daß man sie kaum registriert.

Daher möchte ich heute mal wieder einen fast in Vergessenheit geratenen deutschen Politioten würdigen.
Joachim Gauck, Noch-Bundespräsident, für den hinter den Kulissen eifrig nach einem Nachfolger gesucht wird.

Von den Grünen bis zur CSU verneigen sich alle vor dem selbstherrlichen schlichten Denker und auch 98% der Journalisten loben den egomanen Pfaff.

Nur ganz vereinzelt beweist die schreibende Zunft Rückgrat.

 [….]  Gaucks Abschied ist weniger ein Verlust als eine Chance. [….] Im ZDF erinnerte Gauck sich selbst einmal an die Grenzen seines Amtes: "Ich bin auch keine Ersatzregierung", sagt er: "Wenn es bei der Regierung schiefgeht, kann die Bevölkerung nicht vom Bundespräsidenten erwarten, dass er es dann richtet." Auf die Idee wäre außer ihm auch niemand gekommen.
Eitelkeit ist keine Eigenschaft, die man Leuten vorwerfen sollte, die in der Öffentlichkeit stehen. Schon gar nicht alternden Männern. Gauck aber setzte neue Maßstäbe. Dieser Bundespräsident kann reden - weil er sich selbst so gerne reden hört. Er kann die Leute mitreißen - weil er von sich selbst so hingerissen ist. Und er hat dem Amt wieder Respekt verschafft - weil er bei sich selbst grenzenlosen Respekt genießt.
Die Inhalte kamen dabei kürzer als es den Anschein hat, wenn man jetzt die Nachrufe zu Lebzeiten liest. Der große Redner Gauck war kein großer Denker. Freiheit zum Beispiel, sein Leib- und Magenthema, bedeutet ihm nicht mehr als Abwesenheit von DDR. Und Revolutionen sind nur gut, solange sie in der Vergangenheit liegen. Gauck konnte bis zum Schluss nicht verstehen, dass die Freiheit nicht nur in der Diktatur des Proletariats verkümmert, sondern auch in der Diktatur des Profits. Ihre soziale Dimension - gesellschaftliche Spaltung, Ungleichheit, Armut, prekäre Beschäftigungsverhältnisse - blieb ihm verschlossen. Die Occupy-Bewegung nannte er "unsäglich albern".
[….] Berthold Kohler schrieb in der "FAZ" einmal über Gauck in reaktionärer Deutlichkeit: "Mit dem linkslastigen Gutmenschentum, das im evangelischen Milieu anzutreffen ist, verbindet ihn wenig." Tatsächlich.
Stattdessen holte Pastor Gauck die unangenehmsten Seiten des Protestantismus in die Politik: Rigorismus und Rechthaberei. [….][….]

Für mich ist Gauck der Mann der Versäumnisse, der beim besten Willen nicht in der Lage ist zu abstrahieren. Er kann alles nur durch seinen persönlichen Blickwinkel betrachten. ER fühlte sich als Opfer der Sowjetunion, daher sind alle Russen schlecht.
Daß das Land, welches er repräsentiert 27 Millionen Russen abgeschlachtet hat, ist ihm hingegen keine Erwähnung wert.
Auch der vorherige große deutsche Völkermord, begangen an den Nama und Herero ist Gauck offensichtlich unbekannt.

Für Gauck, den Günstling des SED-Regimes, gibt es nur ein Opfer und das ist er selbst.
Daher machte der Pfarrer auf Kirchentagen auch ungeniert Propaganda für die Organisationen, die Hunderttausende Heimkinder in Deutschland über vier Dekaden gedemütigt, ausgebeutet und misshandelt haben.

Auch für die Opfer der sexuellen Misshandlungen durch katholische Priester empfindet Gauck keine Empathie.

Behinderte Kinder litten unter Gewalt in katholischen Heimen.
Gewalt und sexuelle Übergriffe haben das Leben von Kindern und Jugendlichen in katholischen Behinderten-Einrichtungen in der frühen Bundesrepublik einer Studie zufolge geprägt.
Der Caritasverband veröffentlichte am Mittwoch in Berlin erste Ergebnisse aus einer Studie, wonach 70 Prozent der Befragten körperliche Gewalt erlitten und 60 Prozent psychische Gewalt erfahren haben. Knapp ein Drittel der im Rahmen der Untersuchung Befragten berichteten von sexuellen Übergriffen. […..]

Während in anderen europäischen Ländern wie Holland oder Irland längst staatliche und parlamentarische Kommissionen den sexuellen Missbrauch an Kindern durch die Katholiban aufklärten, lässt Deutschland die Opfer bis heute im Stich. Es überlässt den Tätern die Aufklärung.
Der Bundespräsident schweigt generell zu dem massenhaften Kinderficken seiner christlichen Glaubensbrüder.

[….] Jetzt legte die Bischofskonferenz einen Zwischenbericht vor - eine Metaanalyse von Daten, die in neun Ländern, darunter den USA, Irland und natürlich auch Deutschland erhoben wurden.
Gegenstand der Analyse waren aber nicht etwa kircheninterne, lang verschlossene Informationen, sondern 40 allgemein zugängliche internationale Studien über Missbrauch in der katholischen Kirche sowie 13 weltlichen Institutionen.
Skepsis ist angebracht, denn: In vier von zehn Studien zu kircheninternem Missbrauch wurden Befragungsmethoden eingesetzt, die sozialwissenschaftlich nicht anerkannt sind. Auch die Zahl der strukturierten klinischen Interviews ist verschwindend gering. Psychiatrisch-psychologische Erhebungen wurden in nur zehn Prozent der Untersuchungen durchgeführt.
Schon die Entstehungsgeschichte des kirchlichen Forschungsprojekts ließ Zweifel am Willen zur Aufklärung laut werden. Die Bischofskonferenz hatte den Auftrag zunächst an das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen gegeben, es dem damaligen Leiter Christian Pfeiffer aber dann wieder entzogen.
Pfeiffer kritisierte die Arbeitsweise der Kirchenvertreter, sprach von Kontrolle, Zensur und mutwilliger Aktenvernichtung, um eine Aufklärung zu behindern. [….] Der Sexualstraftäter in der katholischen Kirche ist den Erhebungen zufolge Gemeindepfarrer oder Priester, im Durchschnitt 39 Jahre alt, und auf der Suche nach männlichen Opfern.
Er ist psychisch labil, wenn nicht gestört: 29,6 Prozent der Täter wurde eine emotionale oder sexuelle Unreife bescheinigt, 21,6 Prozent litten an einer Persönlichkeitsstörung. Mehr als 17 Prozent wurden von Psychiatern oder Psychologen als pädophil eingeordnet. [….] Der kirchliche Missbrauchstäter geht mehrheitlich planvoll vor - er macht dem Opfer Geschenke, verspricht Belohnungen (46,1 Prozent) oder droht ihm (35,9 Prozent). Und viel zu oft wendet er Gewalt an (6,5 Prozent).
[….] Der jüngste Täter war demnach gerade mal 15 Jahre alt, der älteste 90. Frauen werden ebenso zu Tätern wie Männer, allerdings in erheblich geringerem Umfang: Sie machen nur 7,2 Prozent der insgesamt 10.009 innerkirchlichen Täter aus. [….] Anders als bei Missbrauchsfällen in Schulen und anderen Institutionen vergehen sich Geistliche in erster Linie an Jungen. Von den erfassten 15.849 Opfern waren 78,6 Prozent Jungen und junge Männer zwischen 0 und 25 Jahren. Das Durchschnittsalter lag bei zwölf Jahren. [….][….]

Es ist Tradition in Deutschland auch Kinderfickereien im Ausland großzügig zu akzeptieren.

Das massenhafte Kinderficken der Deutschstämmigen in der berüchtigten chilenischen „Colonia Dignidad“ und ihrer Nachfolgeorganisation „Villa Baviera“ wurde von der deutschen Botschaft stets akzeptiert und sogar großzügig finanziell gefördert.

[….] Seit einem halben Jahrhundert sind deutsche Statthalter in Santiago immer wieder mit der ehemaligen Horrorsekte Colonia Dignidad alias Villa Baviera im südlichen Gebirge des Landes beschäftigt. Bonner Gesandte sahen jahrzehntelang weg oder beförderten den Terror aus Mord, Folter und Missbrauch sogar noch. Ein früherer deutscher Botschafter ließ sich mit Blasorchester vom Kolonie-Anführer Paul Schäfer empfangen, obwohl Schäfer hinter den Zäunen Hunderte Jungen vergewaltigte und für Chiles Diktator Augusto Pinochet Regimegegner massakrieren ließ. [….] Beim Botschaftsempfang für Bundespräsident Joachim Gauck fanden sich in Schulzes Residenz kürzlich auch Reinhard Zeitner und Hans Schreiber. Geschädigte der Colonia waren entsetzt. Zeitner wurde 2013 wegen Beihilfe zur Kindesentführung zu drei Jahren Haft verurteilt, ausgesetzt zu vier Jahren auf Bewährung. Schreiber ist gegenwärtig Wortführer der Villa Baviera, heute ein bizarrer Freizeitpark. Der Opferanwalt Hernán Fernández klagt gegen ihn und andere wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung. [….]

Vom 11.-14.07.2016 weilte nun Joachim Gauck zum offiziellen Staatsbesuch in Chile.
Am Mittwoch, den 13. Juli, besuchte Bundespräsident Gauck das Museum für Erinnerung und Menschenrechte.
Zum Staatsempfang in der Botschaft trat Gauck den Opfern der Horrorlager Colonia Dignidad und Villa Baviera ordentlich vor das Schienbein, indem er die Täter, die selbst hunderte Kinder missbraucht hatten einlud und freundlich umgarnte.
So kennen wir es von Gaucks Politik in Deutschland. Katzbuckeln vor den Bischöfen und Nichtachtung der Opfer.

[….] Opfer der Colonia Dignidad sind entrüstet. Auf dem Empfang des Bundespräsidenten in Chile waren auch verurteilte Mittäter der Sekte eingeladen.  Die deutsche Botschaft unterstützt immer noch den Nachfolgebetrieb der Colonia, die "Villa Baviera", mit Bundesmitteln.
[….]  Bei den Opfern bleibt nun vom Gauck-Besuch aber vor allem Entrüstung zurück.
[….] Beim Empfang des Bundespräsidenten in der deutschen Botschaft von Santiago [war] auch der wegen Mittäterschaft in Fällen von Kindesmissbrauch und Kindesentführung verurteilte Reinhard Zeitner unter den Gästen.
In einer Erklärung des Bundespräsidialamts hieß es dazu: "Wir haben großen Wert auf eine sorgsame Auswahl der Gäste gelegt - vor allem im Hinblick auf die Geschichte der Colonia Dignidad. [….]." [….] Opferanwalt Winfried Hempel bezeichnet die Erklärung als "bodenlosen Zynismus".
[….] Schreiber [gehört] wie Zeitner, zu den Wortführern der Täterriege, der Relativierer und Vertuscher. Er verteidigt die juristischen Interessen der alten Schergen und ist einer der Leiter des Nachfolgebetriebs der Colonia Dignidad. Auf dem Gelände befindet sich seit Jahren ein Freizeitpark mit deutscher Folklore und Oktoberfest. Er heißt "Villa Baviera" (Bayerisches Dorf) und wird von Nachfahren der einstigen Kinderschänder betrieben. [….]

Mittwoch, 20. Juli 2016

Mein Kopf tut weh



Eins sollte ich doch in den letzten zehn Jahren gelernt haben: Unterschätze niemals die Dummheit und Bösartigkeit amerikanischer GOPer.
GWB war so klar der „worst President ever“, daß man verführt wurde zu denken, es könne nur noch besser werden. Aber das wurde spätestens 2008 mit Sarah Palins VP-Kandidatur obsolet.
Erstaunlicherweise ging es anschließend sogar noch weiter bergab. Man erinnere sich nur an Herman Cain 2012.
In diesem amerikanischen Wahljahr haben die Republikaner zweifellos das Wunder vollbracht, das bisherige unterirdische Niveau noch einmal zu unterbieten. Trump, Fiorina, Carson, Cruz – da wurde gar nicht mehr versucht wenigstens ab und zu mal die Realität zu steifen, sondern eine frei schwebende Hass-Parallelwelt erschaffen, gegen die Schilda als Hort der Vernunft wirkt.

Letzte Nacht beging ich nun den schweren Fehler ein bißchen republican convention in Cleveland zu gucken, nachdem Donald Trump offiziell zum Präsidentschaftskandidaten gekürt wurde.

Nur folgerichtig, daß sich die größten rechtsradikalen Flitzpiepen Europas bei Trumps Fans einfanden.

Beim Parteitag der US-Republikaner geben sich führende Rechtspopulisten aus Europa ein Stelldichein. Der Niederländer Geert Wilders zog bei seinem Eintreffen bei der Versammlung am Dienstag Parallen zwischen der politischen Stimmung in Europa und den USA: «Was in Amerika passiert, passiert auch in Europa. Die Menschen fühlen sich nicht mehr vertreten.» Wilders äusserte unter Bezug auf Präsidentschaftsbewerber Donald Trump die Hoffung, dass sich in den USA wie Europa ein gleicher neuer Typus von Führungspolitiker etabliert. Damit die Entwicklung auf beiden Kontinenten in die gleiche Richtung gehe, «würde es sicherlich helfen, wenn Trump gewählt wird», sagte der niederländische Rechtspopulist.
Auch der frühere Chef der rechtspopulistischen britischen Ukip-Partei, Nigel Farage, wurde zu dem Parteitag in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio erwartet. Die Versammlung soll am Dienstag den rechtspopulistischen Immobilienmilliardär Trump als Präsidentschaftskandidaten nominieren.

Unglaublich, aber wahr: Ich bin immer noch zu überraschen.
Aus purem Irrsinn war die Convention bisher vor allem eine NRA-Bejubelungsveranstaltung und eine geradezu exorzistische Dauerverdammung Hillary Clintons.
Daß Amerika als ein völlig verkommenes Land am Abgrund gesehen wurde und die Redner logen, daß sich die Balken bogen, versteht sich von selbst.

[….] Donald Trumps Festival der Lügen
Selten wurde auf einem US-Parteitag so viel gelogen wie jetzt beim Treffen der Republikaner. Das ist ganz im Sinne des frisch gekürten Präsidentschaftskandidaten - Trumps gesamter Wahlkampf fußt auf Unwahrheiten.
Kerry Woolard ist wohl die erste Winzerin, die auf einem US-Wahlparteitag eine Ansprache zur besten Redezeit hält. Da steht sie, die Chefin der Trump Winery, in flammendem Republikaner-Rot. Vor ihr sprachen ein Gouverneur, nach ihr kommt eine Senatorin, alle reden von hoher Politik. Woolard redet von Wein.
Besser gesagt vom Weingeschäft: "Die Einnahmen sind eindrucksvoll", sagt sie. "Fast hundert Prozent Umsatzwachstum in fünf Jahren." Und das nur dank Donald Trump, der das Weingut 2011 gekauft und gerettet habe. Fazit: Trump sei "ein Visionär", der "das Leben der Menschen verbessern" werde.
Eine hübsche Geschichte. Sie hat nur einen Haken: Die Trump Winery ist weder "das größte Weingut an der Ostküste", wie Trump gerne prahlt - noch gehört sie ihm. Wie so oft leiht er nur seinen Namen. Die Kellerei selbst stellt auf ihrer Internetseite klar, sie habe "mit Donald J. Trump nichts zu tun".
[….] Ein Redner nach dem anderen tritt da ans Podium der Quicken Loans Arena, benannt nach einer unter Betrugsverdacht stehenden Hypothekenfirma, und beschwört eine bizarre Fantasiewelt, in der Amerika am Abgrund steht, Hillary Clinton eine Mörderin ist und Donald Trump ein ehrenwerter Geschäftsmann/Winzer. Und je schamloser die Lüge, desto lauter der Jubel der Delegierten.
[….] So ging es weiter. Unter Präsident Barack Obama seien Amerikas Städte viel unsicherer geworden (das Gegenteil ist der Fall), sei die Arbeitslosenquote gestiegen (das Gegenteil ist der Fall), seien die Löhne gesunken (das Gegenteil ist der Fall). [….][….]

Man ahnt gar nicht wie viele auf den ersten Blick harmlos wirkende Semi-Promis die krudesten Theorien verbreiten.
Der gebürtige Römer Antonio Sabàto junior, 44, in den 90ern als Unterwäschemodel und Seriendarsteller in Hollywood unterwegs, will nach siebeneinhalb Jahren unter muslimischer Präsidentschaft wieder einen christlichen US-Präsidenten.

“We had a Muslim president for seven and a half years. I don’t believe he is [a Christian] ... He’s with the bad guys,” Sabato told ABC News during an interview following his speech at the Republic National Convention podium. 
When pressed by ABC about whether his remarks and support for Trump will hurt his career in Hollywood, Sabato brushed it off.
“If Hollywood feels a certain way about me because I’m speaking about Trump, then so be it,” he said. “I don’t worry about it ... I’ll find a job.”

Relativ zum Schluß, noch eben vor der durchgeknallten Kimberlin Brown (eine rechtsradikale Soap-Darstellerin), holte man den ehemaligen GOP-frontrunner Ben Carson, also den König der Irren auf die Bühne.


Selbstverständlich sprach auch Carson kein einziges Wort über ökonomische Pläne oder überhaupt irgendwelche konkreten Programme Trumps.
Stattdessen überraschte er die Zuschauer außerhalb der Halle mit der Erkenntnis, Hillary Clinton stünde mit Saul Alinsky und Luzifer in Verbindung.
Für die GOP-Delegierten war das eine ganz übliche Erkenntnis.
Man applaudierte.
Carsen erklärte, so biete sich die einmalige Gelegenheit bei der Wahl zu entscheiden, ob man für Satan oder für Gott stünde.


Von der demokratischen Kandidatin wird in Cleveland mit einer Wut und einem Hass gesprochen, der selbst für das vergiftete politische Klima Amerikas außergewöhnlich ist. Als Chris Christie, Gouverneur von New Jersey und ehemaliger Staatsanwalt, am Dienstagabend eine "Anklageschrift" gegen Clinton vortrug, brüllten ihm die Delegierten wieder und wieder das Urteil zu: "Schuldig!" Weißhaarige Damen keiften verzückt: "Sperrt sie ein, sperrt sie ein!" Ihn habe die Szenerie eher an einen Hexenprozess als an einen Parteitag erinnert, sagte später ein indignierter CNN-Kommentator.[…]

Dienstag, 19. Juli 2016

Mein Islam-Problem.



Gelegentlich wird mir vorgeworfen viel zu mild dem Islam gegenüber zu schreiben.
Stattdessen wäre ich überproportional auf das Christentum fixiert.

Nun, da ist etwas Wahres dran.
Ich äußere mich in der Tat vergleichsweise selten kritisch über den Islam, weil es „den Islam“ nicht gibt.
Natürlich gibt es auch sehr unterschiedliche christliche Konfessionen, aber Bibel-Exegese ist eine homogene Angelegenheit wenn man sie mit Korandeutungen vergleicht.
Promiske, drogenkonsumierende Rapper, unauffällige Hausfrauen, Kalifatskämpfer und säkulare Karrierefrauen, die Jeans und Bikini tragen verstehen sich allesamt als Muslime.
Der Islam hat sich in den letzten 1000 Jahren extrem heterogen entwickelt. Es gab das weltoffene, tolerante, wissenschaftsfördernde und homofreundliche Kalifat, die tolerante, integrierende Mauren-Herrschaft genauso wie Wahabiten, die das diametrale Gegenteil davon predigten.
Insbesondere gibt es aber in dem Islam keine allseits respektierten Führerfiguren wie Franziskus oder Kyrill.

Mit Schrecken erinnere ich mich an den völlig verblödeten EKD-Chef Bedford-Strohm, der mit seiner Forderung nach „flächendeckenden Islamunterricht“ eindrucksvoll seine gewaltigen Bildungslücken offenbarte.

(….) Selbst wenn man diesen naiven Denkansatz folgte, kommt man allerdings nicht weiter als bis zu Nasenspitze, denn Bedford-Strohm wurde offensichtlich bisher noch nicht mitgeteilt, daß es „den Islam“ gar nicht gibt.
Es gibt keinen Muslimischen Papst oder einen Sunnitischen Zentralratsvorsitzenden, der für den Islam spräche.
96% der Muslime in Deutschlands gehören überhaupt keinem Verband an, der Staat hat eben keinen adäquaten Ansprechpartner.
Es gibt an die vier Millionen Muslime in Deutschland und die größten Verbände sind der Zentralrat der Muslime in Deutschland e.V. (ZMD) mit rund 10.000 Mitgliedern und die aus Ankara gesteuerte Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e. V. (DİTİB), die wiederum rund 900 selbstständige Moschee-Vereine locker betreut.

Der EKD-Chef fordert hier also eine Abmachung mit einem nicht existenten Vertragspartner, die dazu führen soll, daß ebenfalls nicht existente deutsche islamische Theologen flächendeckend in Schulen eingesetzt werden.
So weit, so doof. (…..)

Ich schließe mich also auch deshalb nie den pauschal Islam-verurteilenden Statements nach IS-Anschlägen an, weil „der Islam damit wirklich nichts zu tun hat“ – und zwar in dem Sinne, daß es keinen allgemeinen Islam gibt.
Die türkischstämmige Muslimin, die in Köln als Lehrerin oder Polizistin arbeiten, hat tatsächlich keine Gemeinsamkeiten mit Omar Mateen oder Mohammed Atta.

Ganz offensichtlich sind die Erscheinungsformen des Islam eine Frage der Kultur.
Je ärmer und je ungebildeter, desto archaischer und radikaler das eigene Islambild.

Das ist aber gerade kein Islam-typischer Zusammenhang, sondern bei allen Religioten der Fall.
Je ungebildeter und dümmer der Christ, desto bösartiger und gewalttätiger seine Handlungen gegenüber Gynäkologen, Schwulen oder Ungläubigen.

Man mag einwenden, daß unter den islamischen Terroristen erstaunlich viele Ingenieure und Studenten sind, aber auch das ist typisch für alle Religionen und andere extremistische Ideologien:
Das radikale Fußvolk wird gerne von einzelnen „Führern“ gekapert, um bestimmte politische oder gesellschaftliche Ziele durchzusetzen.
Der Anführer kann ebenfalls verblödet sein, wie Lutz und Michele Bachmann, wie Trump oder Palin.
Das muß aber nicht sein. Führungsfiguren, die Hass-Ideologien und Religionen für ihre Zwecke benutzen, können auch selbst gebildet sein, wie beispielsweise Boris Johnson oder David Berger.
Das fiese Furienquartett aus Birgit Kelle, Hedwig Beverfoerde, Gabriele Kuby und Beatrix Storch ist in Wahrheit auch gebildeter als es die verbal ausgerülpsten Fäkalien ahnen lassen.
Sie sind aber nicht in erster Linie so destruktiv und antihumanistisch, weil sie alle Christinnen sind, sondern weil sie zufällig Arschlöcher sind.
Sicher half das Christentum so eine hohe Arschlochquote unter seinen Anhängern zu generieren, aber man darf nicht so weit gehen jedem einzelnen der zwei Milliarden Christen Boshaftigkeit wie Mixa, Kuby oder Haas zu attestieren.

Wenn man nun im Westen dazu übergeht pauschal „de Islam“ für alles Schlechte in der Welt verantwortlich zu machen – und dazu neigen leider auch meine Komplizen aus der linke und atheistischen Ecke – geht man Trixi Storch auf den Leim, die schon lange frohlockt im Anti-Islamismus „ein Knallerthema“ gefunden zu haben, um die AfD stark zu machen.
Man geht sogar allgemein der religiotischen Maxime „Wir sind besser als die“ auf den Leim, indem man den christlich-islamischen Antagonismus betont.
So spalterisch und verlogen agieren (nicht nur) deutsche Konservative gern:
Die (guten) christlich-jüdischen Werte versus die (schlechten) muslimischen Ansichten.
Indem jeder gegen den Islam in Stellung gebracht wird, erhöht sich automatisch der moralische Wert der „christlich-jüdischen“ Seite.
Dabei ist das natürlich blanker Unsinn.
Die meisten bundesrepublikanischen gesellschaftliche „Werte“ sind in Wahrheit gerade nicht unser „christlich-jüdisches Erbe“, sondern wurden gegen den erbitterten Widerstand der christlichen Kirchen langwierig durchgesetzt.


Über viele Jahrhunderte lebten Islamische Herrscher die weitaus moderneren und liberaleren Werte als Christen.

Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß ich gegenwärtig natürlich lieber in einem christlich geprägten Land lebe als in Saudi-Arabien oder Pakistan.
Obwohl man nicht vergessen sollte, daß ultrahomophobe und ultrafrauenfeindliche Staaten wie Uganda oder das südliche Nigeria christlich sind.


Ich lasse mich ungern gegen den Islam einspannen, da ich nicht das Spiel der rechten AfDler und Dunkelkatholiken mitmachen will, die auf diese Weise das Christentum groß machen wollen.
Man sollte alle Religionen gleichermaßen zurückdrängen.
Vielleicht ist das Judentum etwas sympathischer, weil dort nicht missioniert wird, aber die ultraultraorthodoxen Juden sind genauso gefährlich wie ihre Fanatikerkollegen unter Christen und Muslimen.

Man wird wenig Erfolg im Kampf gegen die Religionen haben, wenn man immer nur die Finger ausstreckt und auf die anderen zeigt, die noch schlimmer wären.
Man sollte vor seiner eigenen Haustür kehren.
Ich lebe in einer christlich geprägten Gesellschaft, regiert von einem Bundeskabinett, das zu 100% aus überzeugten Christen besteht,
Die christlichen Kirchen verfügen in Deutschland über gewaltige Privilegien und werden jedes Jahr mit Milliarden aus dem Steuersäckel überhäuft.
Daher sind die christlichen Kirchen auch diejenigen, auf die ich zuerst zeige, wenn ich Religion kritisiere.

In den letzten Monaten fällt mir aber eine Eigenschaft an „den Muslimen“ türkischer Abstammung auf, die mich rätseln läßt.
Kann es sein, daß es religiös bedingt ist, daß gerade Menschen türkischer Abstammung dazu neigen sehr schnell persönlich beleidigt zu sein, sich angegriffen fühlen und um ihre Ehre fürchten?
Oder ist das ein psychologisches Phänomen aller Menschengruppen, die wie die ehemaligen türkischen Gastarbeiter seit 50 Jahren diskriminiert und nicht voll anerkannt werden?
Vielleicht muß man etwas durch besonderen Stolz und Pflege seiner angestammten Kultur überkompensieren, wenn man in Schule und Beruf immer abfällig behandelt wird.

Was auch immer die Ursachen sind: Es ist mir schon sehr fremd, daß sich offenbar sogar eine große Mehrheit der in Deutschland lebenden Türken persönlich verletzt fühlt durch die Armenien-Resolution oder das Böhmermanngedicht.
Wer Erdogan beleidigt, beleidigt damit alle Türken?
Wer die Massaker an den türkischen Armeniern im Jahre 1915 Völkermord nennt, beleidigt im Jahr 2016 in Deutschland lebende Türken?

Um das klar zu stellen: Als im Exil lebender Amerikaner habe ich nicht das allergeringste dagegen, wenn amerikanische Präsidenten geschmäht und beleidigt werden, es stört mich auch nicht im Geringsten, wenn amerikanische Massaker wie in Vietnam oder auf den Philippinen, wie der Landraub an den „Native Americans“ oder die rassistische Internierung aller Japanisch stämmigen Amerikaner im zweiten Weltkrieg, wenn die Sklaverei mit den härtesten Worten verurteilt wird.

Ich fühle mich sogar immer noch partiell verantwortlich für diese Verbrechen – und zwar in dem Sinne, daß man sie eben nicht vergessen sollte.
Aber nichts davon könnte mich persönlich beleidigen.

Muß ich etwa dem konservativen stellvertretenden Abendblatt-Chefredakteur Iken in dieser Sache Recht geben?

Viele Muslime haben ein Problem mit der Selbstkritik – die aber gehört zu Deutschland.
[…] Die Junge Islam Konferenz [ist] kein reines Muslimtreffen. Als bundesweites Forum bietet sie religiösen und nicht religiösen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund eine Plattform für die "Debatte über die Rolle des Islam in Deutschland". Da sollte man ein paar kritische Fragen erwarten dürfen – zumal die Junge Islam Konferenz ein Projekt der Stiftung Mercator und der Berliner Humboldt-Universität ist.
Aber wer die Verlautbarungen betrachtet, findet eine selbstkritikfreie Zone. […] Einer Studie des Wissenschaftszentrums Berlin zufolge lehnen 13 Prozent der Christen in Europa Schwule ab, aber fast 60 Prozent der Muslime. […]