Freitag, 5. Dezember 2014

Heute drehen alle durch.



In meinem Zeitungsladen hörte die Inhaberin chillige Paul-Horn-Musik, hatte die Heizung auf volle Pulle aufgedreht, trug eine dicke Angora-Pudelmütze, Strickhandschuhe und jammerte in einem fort, sie könne die Kälte nicht mehr länger aushalten (Außentemperatur in Hamburg heute +7°C; es ist Dezember wohlgemerkt).

Nachdem es dunkel und ein bißchen nebelig wurde, fuhren alle Radfahrer Hamburgs in dunkler Tarnkleidung und ohne Licht immer direkt vor mein Auto.
Ich meine, ich finde es ja richtig und lobenswert, wenn mehr Organe gespendet werden. Aber ich habe keine Lust mir meine Kühlerhaube damit zu versauen.
Und dann das unfassbare Geschehen in Thüringen!
Ramelow ist Ministerpräsident! Ein tiefgläubiger Christ und Gewerkschaftler aus Niedersachsen.
CDU und die meisten Medien sind außer sich vor Entsetzen.

Ob die thüringischen Wähler DAS erwartet haben, als sie bei der Landtagswahl ihr Kreuz bei den Linken machten? Bereits nach 15 Minuten unter Bodo Ramelow als Ministerpräsident ist Thüringen kaum wiederzuerkennen. So wurde der Freistaat umgehend zur marxistischen Räterepublik umstrukturiert; Bananen sind Mangelware; eine Mauer befindet sich bereits im Bau.
Bürgerliche Medien und Boulevardzeitungen hatten zuvor noch vor dem unausweichlichen Systemwechsel gewarnt – vergeblich: Unmittelbar nach Ablegen des Amtseids im Erfurter Landtag begann Bodo Ramelow zum Entsetzen der Anwesenden, diabolisch zu lachen. Seitdem erlässt der Vorsitzende der soeben wieder in SED rückbenannten Linken tiefgreifende Dekrete im Minutentakt. […]

Das war doch klar!
In Hamburg sieht man schon endlose Flüchtlingsströme mit völlig elenden Gestalten aus dem Osten kommen.
Teilweise liefen ausgemergelte Gestalten von Erfurt und Gera barfuß bis hierher um ihr Leben!
Hat Frau Merkel eigentlich schon den UN-Sicherheitsrat wegen der schockierenden Nachrichten aus Erfurt angerufen?
Jetzt können nur noch gezielte NATO-Luftschläge verhindern, daß sich der Stalinismus über ganz Europa ausbreitet!!

Hysterie auch im Süden der Republik.
 Selbst für CSU-Verhältnisse drehen Crazy Horsts Mannen heute richtig durch.
Migranten, Ausländer, Flüchtlinge, Gastarbeiter – wie auch immer man das Pack heute politisch korrekt nennt – sollen nach CSU-Vorstellungen dazu verpflichtet werden NUR deutsch zu sprechen. Auch wenn sie zu Hause unter sich sind.
Guter Plan! Herdprämie, Anti-Ausländermaut – aus München kommen immer neue Schildbürgerstreiche.

CSU fordert Deutsch-Pflicht für zu Hause
[…]  Was die Mehrsprachigkeit angeht, gibt sich die CSU traditionell mit wenig zufrieden. […] In diesen Tagen bereitet CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer den Parteitag vor, am nächsten Wochenende treffen sich die Christsozialen in Nürnberg. Und weil die CSU den Knalleffekt so liebt, steht im Leitantrag zum Thema Integration folgender Satz: "Wer dauerhaft hier leben will, soll dazu angehalten werden, im öffentlichen Raum und in der Familie Deutsch zu sprechen."
[…] Fünf Seiten umfasst das Integrations-Papier, über das der Vorstand am Montag in München auch noch beraten wird. Es ist alles andere als eine Willkommensschrift. Ein "Gewinn für Bayern" ist demnach nur, wer auf eigenen Füßen stehe, etwas leiste und sich ein gutes Auskommen erarbeite. "Nicht willkommen sind uns hingegen Menschen, die unsere Rechts- und Werteordnung missachten und die Toleranz unserer Gesellschaft ausnutzen wollen. Auch künftig gilt für uns: Keine Zuwanderung in die Sozialsysteme." In Bayern könne man nicht alle Krisen der Welt lösen, heißt es lapidar. Tausende Flüchtlinge konnten in den vergangenen Monaten die Erfahrung machen, was es bedeutet, in Bayern unerwünscht zu sein. Unter teilweise menschenunwürdigen Bedingungen wurden sie in Notunterkünften im Freistaat zusammengepfercht. […] Die CSU rühmt sich sogar damit, dass man in Bayern härter zu Ausländern ist als andernorts. […]

Das bringt mich gerade in Schwierigkeiten.
Ich muß heute unbedingt noch eine Tante in New York anrufen. Sie spricht allerdings überhaupt kein Deutsch. Nun frage ich mich, ob es wohl ausnahmsweise zulässig ist, daß ich in meiner Wohnung auf Englisch telefoniere.
Oder ob ich Seehofer überlisten kann, indem ein Pflaster auf die Laptop-Kamera klebe und mir einen Alu-Hut aufsetze?
Oder ich faxe ihr einfach. Kann der Verfassungsschutz englisch geschriebene Faxe detektieren?

Die armen Niederbayern und Oberschwaben. Wenn die auf einmal alle nur noch Deutsch sprechen dürfen, sind viele von denen völlig von jeder Kommunikation abgeschnitten.
Aber wie weise von Angela Merkel, daß sie Günter Oettinger schon vor Jahren nach Brüssel ausweisen ließ.
Der Mann könnte noch Jahre üben und würde dennoch nie richtig Deutsch lernen.

Der Fairness halber sei erwähnt, daß nicht nur die Schwarzen und Braunen verrücktspielen; nein auch die SPD beamt sich heute zurück in die 50er Jahre.

Eins der größten Hemmnisse für Kleinunternehmer, den mittelalterlichen Meisterzwang, der dringend ersatzlos abgeschafft gehört, will die SPD nun noch einmal festzurren. Das Zwangszunftwesen feiert seine ewige Wiederkehr.
So wird jeder Normalverdiener gezwungen in die Schwarz-Wirtschaft auszuweichen.
Handwerkerstunden kosten in Hamburg gut und gerne 80 Euro. Plus 50 Euro Anfahrt. Außer trickreichen Vermögenden, die solche Kosten abschreiben, kann sich das niemand leisten.
Gesellen mit Jahrzehnten Berufserfahrung werden in die Arbeitslosigkeit gezwungen, weil sie nicht selbstständig Leistungen anbieten dürfen. Jeder Wettbewerb wird zu Ungunsten der Verbraucher unmöglich gemacht.
Friseurinnen, die schon ihr halbes Leben Haare onduliert haben dürfen keinen noch so kleinen Nachbarschaftsladen aufmachen, wenn sie nicht die teure Meisterschule absolviert haben.
Und wozu die grandiose Meisterzwanghandwerkskunst in Deutschland führt, sehen wir ja an den vorbildlichen Bauvorhaben Stuttgart 21, BER und Elbphilharmonie, für die wir weltweit beneidet werden.
Diesen anachronistischen, antifreiheitlichen, antikundenorientierten Wahnsinn rühmt sich die Bundesregierung nun festzuschreiben.
Damit wird auch jede EU-Freizügigkeit ad absurdum geführt. Handwerksbetriebe aus grenznahen Gebieten in Polen, Holland oder Tschechien werden in die Illegalität gezwungen.

Klares Bekenntnis zum deutschen Meisterbrief […]
In der heutigen Plenarsitzung wurde der Koalitionsantrag „Der deutsche Meisterbrief – Erfolgreiche Unternehmerqualifizierung, Basis für handwerkliche Qualität und besondere Bedeutung für die duale Ausbildung“ eingebracht.
[…] Diesen Zustand wollen wir erhalten und festigen. Mit dem Antrag bekennen wir uns eindeutig zum Erhalt des Meisterbriefes und sprechen uns somit gegen eine fortschreitende Deregulierung durch die EU-Kommission aus.
Darüber hinaus wollen wir das deutsche Handwerk weiter stärken. Wir fordern die Bundesregierung unter anderem dazu auf, das Meister-BAföG weiterzuentwickeln, die Tarifbindung im Handwerk zu verfestigen und den Technologietransfer in das Handwerk hinein zu verbessern.

Irgendwas muß heute ins Grundwasser gelangt sein.
Deutschland dreht durch.

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Gute Aktion


Nachdem ich mich über Dekaden mit Profi-Katholiban beschäftigt habe, wundert mich eigentlich gar keine Perversion mehr.
Von den zeitgenössischen Bestien im Kleid, fällt mir immer als Erstes  der verstorbene Wiener Erzbischof Hans Hermann Groër (1919–2003) ein, wenn ich sagen sollte, wer der abscheulichste Kardinal war.

Auf geradezu übernatürliche Art treffen sich im Fall Groër auch kriminelle-sadistische Energie und abstoßende Physiognomie.


Wie man unschwer an seinen Lebensdaten erkennt, fiel die Zeit der Aufdeckung seiner brutalen sexuellen Übergriffe in die Amtszeit Jorol Ratzitilas und wurde somit nicht geahndet.
Es herrschte die Methode Opfer kriminalisieren, drangsalieren und marginalisieren vor, während die Täter unter allen Umständen geschützt wurden.

Ganz in den Hintergrund gedrängt wird derzeit eigenartigerweise ausgerechnet das Mutterland der perversen Kleriker: Österreich, das Alpenland des Staatskatholizismus, dessen habsburgischen Herrscher sich stets auch „katholische Majestät“ nannten.
In Wien war es über lange Jahre der Primas selbst, der ganz offen kleine Jungs sexuell bedrängte.
„S’Hosentüarl zu - wir ham Religion“ raunten sich die Schüler gegenseitig zu, wenn der spätere Kardinal Groer den Klassenraum betrat.
Geändert hat er sich nie - noch als Greis griff er beherzt sogar komatösen Jungs im Krankenhaus an den Schniedel.
Es wunderte wenig, daß Groers wortgewaltigster Verteidiger, Bischof Kurt Krenn, Jahre später selbst darüber stolperte, daß sein Priesterseminar in St Pölten offenbar nur ein getarnter Homo-Puff war.
Regens und Subregens stellten mit den jungen Seminaristen Sexszenen aus Pornos nach und sammelten nebenbei noch 40.000 Homoporno-Dateien auf den Rechnern des Priesterseminars.
Seine Exzellenz Kurt Krenn, der sich weit über die Grenzen seines Landes einen Namen als der unerbittliche Mr Homophob gemacht hatte, wurde auf einmal ganz weich und entschuldigte den Swinger-Sumpf in seinem Seminar mit dem legendären Ausspruch, das seien alles nur „Bubenstreiche“.
Genützt hat es freilich nichts - wie schon im Fall Kardinal Groer, der einen päpstlichen Coadjutor geschickt bekam und fürderhin nicht mehr allein handeln durfte, bekam auch Krenn einen Vatikanischen Visitator aufs Auge gedrückt und war bald Ex-Bischof Krenn. Am 11. August 2004 trat er "auf Bitten des Papstes" zurück.
In Österreich kochen diese Art Katholenskandale schon längere Zeit bis an die Oberfläche.
Kardinal Hans Hermann Groer trat 1995 als Vorsitzender der Bischofskonferenz und Erzbischof von Wien zurück.
Der aktuelle Wiener Kardinal Schönborn nannte die intensiven Recherchen der Medien Anfang der 1990er „Verfolgungsmethoden wie unter den Nazis“.

Auch wenn an der Spitze einige stolperten, heißt das nicht, dass niedere Kirchliche Chargen der Alpenrepublik nicht nach dem ewigen Muster der Omertà Catholica vertuscht hätten.

Auch Franzi, der schon anderthalb Jahre amtiert, denkt offenkundig gar nicht daran, die schlimmsten Kinderfickerfreunde im Höchstklerus juristisch zu behelligen.

Ich meine, daß die Organisation des Fischers vom Kopfe her stinkt.
Es ist schon auffällig, daß der Vatikan gerade pädosexfreundliche Männer in Spitzenpositionen hievt: 

Über den von mir auch schon mehrfach erwähnten Groër schrieb jüngst Tom Appleton:

Man denke nur an den Wiener Oberpäderasten, Kardinal Nuntius Hans Hermann Groer, der schon im halbsenilen Zustand krebskranken Kindern an die Schwänze fasste und dann eilends in eine geschlossene Abteilung im Vatikan entführt wurde, um nur ja keinen Wirbel entstehen zu lassen.


Nein, Groër, obschon tot, war wahrlich keiner, über den sich viel Gutes sagen ließe.
Das einzig „Gute“ an Groër ist, daß sich an seinem Fall mustergültig zeigen läßt wie ein servil-autoritärer Päderast ungehindert bis an die Spitze einer nationalen Kirche gelangen konnte, obwohl seine Taten nahezu allgemein bekannt waren.
Ratzinger und Woytila fanden ihn toll und beförderten ihn trotz seiner Kinderfickerei.

Groer, 1942 zum Priester geweiht, war mit 61 Jahren in den Benediktinerorden eingetreten. Als Wallfahrtsdirektor in Maria Roggendorf trat er für eine innere Erneuerung der Kirche ein - im Sinne der nicht unumstrittenen, kämpferischen Legion Mariens. 1986 berief der Papst den damals 67-jährigen zum Nachfolger des als liberal angefeindeten Wiener Erzbischofs Kardinal Franz König.
An Warnungen hatte es nicht gefehlt: Schon 1985 war von einem Benediktinerpater namens Udo Fischer Klage wegen der Neigungen Groers geführt worden. Doch Rom setzte seinen Kandidaten durch - Auftakt zu einer Reihe problematischer Bischofsernennungen, an deren Folgen die Kirche noch heute leidet. Das Fatale an der Causa Groer: Der Angeschuldigte äußerte sich nur kryptisch. Einem Eingeständnis der Verfehlungen wich er ebenso aus wie einem klaren Dementi.

Rücksicht auf Opfer wurde in der Nächstenliebe-Organisation nie genommen.
Noch heute zeigt man seinen Opfern den Stinkefinger, indem Rom sich nicht von Groër distanziert.
Im Gegenteil, der Kardinal wird in Oberösterreich wieder verehrt und mit Gedenktafeln gewürdigt.

Aktivisten der „Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt*“ wollten das nicht mehr länger hinnehmen und schritten zur Tat nachdem Groër ein Relief an der Fassade der Pfarrkirche von Hohenzell, Bezirk Ried (OÖ), gewidmet wurde.

Sepp Rothwangl, Obmann der Plattform Betroffener Kirchlicher Gewalt, ist über die "scheinheilige Tafel" empört: Sie leugne, dass der Kardinal mehrere Zöglinge sexuell missbraucht habe (die "Affäre Groër" führte im Jahr 1995 zu einem Kirchen-Volksbegehren und einer Austrittswelle).
Weil sich Dorfpfarrer Josef Bauer weigert, der Groër-Verehrung in Hohenzell ein Ende zu setzen, hat Rothwangl am Montag das Denkmal auf eigene Faust umgestaltet: Mit einer Eisenkette befestigte er unterhalb des Reliefs einen massiven Mühlstein, aus dem der Kopf des Kardinals ragt. "Es soll an die Verbrechern Groërs erinnern, die von seinen Anhängern nach wie vor abgestritten werden", sagt der Aktivist.


Pfarrer Bauer war not amused und riss den Mühlstein sofort wieder ab.

Er hatte vorige Woche die Gedenktafel zu Ehren des verstorbenen Kardinals mit einem Mühlstein ergänzt: Die Tafel an der Hohenzeller Kirchenmauer sollte ursprünglich an Groers Gebete für ungeborene Kinder erinnern. Seine eigene abartige Leidenschaft für die lebendigen Kinder wurde dabei elegant verschwiegen. Weswegen Rothwangl, das Matthäus-Evangelium zitierend, einen Mühlstein vor Ort angebracht hatte, aus dessen Mitte Groers Kopf ragt. (18:6-16 “Wer aber irgend eines dieser Kleinen, die an mich glauben, ärgern wird, dem wäre nütze, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt, und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde.“)
“Kein Wunder, dass diese scheinheilige Groer-Ehrungstafel an der Kirche von Pfarrer Bauer angebracht wurde, denn der gilt als ultra-fundamentalistisch“, ärgert sich Rothwangl. Der Pfarrer glaubt nämlich an Teufelsaustreibungen und lässt Mädchen nicht ministrieren. Seine letzte Messe am Sonntag hielt er wieder auf Latein, mit dem Rücken zur Gemeinde, danach wurde das Mahnmal – vermutlich von Groer Revisionisten – gestohlen.
Um nun der Wahrheit Genüge zu tun, ruft die Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt zur großen Mühlstein-Sammelaktion auf: “Wir möchten das Mahnmal neuerlich berichtigen, aber diesmal auf gewichtigerem Weg: Jeder, den diese Vorgänge ebenso empören wie uns, möge einen Mühlstein beisteuern, wir liefern ihn dann gerne in Hohenzell ab.“

Mittwoch, 3. Dezember 2014

Einige historische Fakten


Der Fundi-Flügel der GOPer, die immerhin vom amerikanischen Wahlvolk mit absoluten Mehrheiten in beide Parlamentskammern geschickt wurden, ist so doof, daß sie sogar Fakten und wissenschaftliche Tatsachen grundsätzlich ablehnen, weil sie nicht ihrem Glauben entsprechen.


Es ist wenig überraschend, daß diese Teebeutler-Generation durch Mangelbildung, geistige Schlichtheit und Fanatismus auf sich aufmerksam macht.
Der Zusammenhang „je doofer, desto religiöser“ ist schon lange nachgewiesen.

Religion spricht eher die Emotionen an als die Vernunft.
Je mehr Bildung ein Mensch erhält, umso wahrscheinlicher ist es, dass er Atheist wird. Nichtglaube steigt ebenfalls mit Intelligenz und Einkommen. Die Einwohner von gebildeteren Ländern empfinden Religion als weniger wichtig in ihrem täglichen Leben. […]





Während amerikanische Fundis wie Osteen, Palin oder Bachmann tatsächlich dumm wie Bohnenstroh sind, sind Europäische Religioten die bizarrere Lebensform. Sie können höflich, gebildet und umgänglich sein, aber dennoch an partiellem Schwachsinn leiden.

Unter „Religiotie“ (Kurzform für „religiöse Idiotie“) verstehe ich eine spezielle Form der geistigen Behinderung, die durch intensive Glaubensindoktrination vornehmlich im Kindesalter ausgelöst wird und die zu deutlich unterdurchschnittlichen kognitiven Leistungen sowie spezifischen Einschränkungen des affektiven Verhaltens führt, sobald es um glaubensrelevante Sachverhalte geht – etwa um das Anerkennen der empirischen Belege der Evolutionsbiologie. Im Unterschied zu anderen Formen der Intelligenzminderung muss sich Religiotie keineswegs in einem generell reduzierten Intelligenzquotienten niederschlagen. So wie wir – beispielsweise beim autistischen Syndrom – „Inselbegabungen“ feststellen können, gibt es allem Anschein nach auch „Inselverarmungen“. Religiotie sollte deshalb vornehmlich als „partielle Entwicklungsstörung“ verstanden werden – ein Begriff, den der Entwicklungspsychologe Franz Buggle schon vor einigen Jahren vorgeschlagen hat, um die spezifischen Denkhemmungen religiöser Fundamentalisten zu fassen.

Letzte Woche, auf Facebook, geriet ich wieder einmal an einen Herrn mittleren Alters, nennen wir ihn Joseph Schmitt, der nicht ungebildet und nicht unangenehm war.
Wie sich herausstellte war er aber ein klassischer Bildungsbügertums-Religiot, der eins wirklich nicht leiden konnte:
Als das bezeichnet zu werden was er ist, obwohl er es doch so eindeutig war: Ein Religiot.

MSS ist der letzte, den man als Quelle für angeblich seriöse, differenzierte Religionskritik zitieren sollte. "Religioten" ist ein pauschal diffamierender Begriff, der Religiöse allgemein als geistig zurückgeblieben bezeichnet. So wird er in der Mehrheit der Fälle eben auch gebraucht. Religiöse Fanatiker kann man mit anderem Vokabular beschreiben. [….]
Und diese Pathologisierung von religiösen Weltanschauungen ist schon widerlich. Ich muss nicht jeden Quatsch teilen oder gut finden, den Menschen glauben können. Nichtmal "respektieren". Aber wenn ich alles als für "krank" erklärbar halte, was Glaubensfrage ist, dann ist das nichts als totalitär und gegen die Menschenrechte.
Damit wären wir letztlich wieder bei der Gesinnungshaft angekommen. Und man könnte letztlich ebenso die Nicht-Einsicht in die Gefahr solcher Bezeichnungen als weltanschaulich bedingte ethische Urteilsschwäche einstufen. Es ist eigentlich ein Treppenwitz der Geschichte, daß organisierte Atheisten oder "Areligiöse" sich irgendwann selbst die arrogante Überlegenheitshaltung zu eigen gemacht haben, die man früher nur von religiösen Hetzern kannte.
Mit Humanismus oder gar "Aufklärung" hat all das nichts zu tun.
Letztlich ist die selbstherrliche Bedienung bei sozialdarwinistischen Denkmustern der "Sündenfall" der Religionskritik. Religiöse für krank zu erklären und damit diese Position als vermeintlich seriös und wissenschaftlich daherkommen zu lassen, spricht dem Geist der Aufklärung und dem Geist der Menschenrechte Hohn. Das ist postaufgeklärte Hetze.
Okay, wir halten fest: Der "Otto Normalchrist" im Jahre 2014 beißt sich im Allgemein eher auf die Lippen, bevor er böse Worte über Religionsferne oder Atheisten findet, hat nach langem Ringen in Folge des 2. Weltkriegs eine überdurchschnittlich zustimmende Haltung zu Demokratie und Menschenrechten und ist durch Kirchentage und dergleichen sensibilisiert für die Probleme der Welt, auch für Homophobie, überdurchschnittlich sozial engagiert und ist durch den Umgang mit der eigenen Geschichte, durch Workshops und Diskussionsveranstaltungen daran gewöhnt, die eigene Geschichte kritisch zu hinterfragen.
[….] Aber mit Persönlichkeiten anstatt systemischer Kritik - übrigens ein typisch deutsches Phänomen - schaffe ich keine Veränderung und ermögliche keine sachgerechte und letztlich aufgeklärte Kritik. Und diese Persönlichkeiten, Diffamierungen und Klischees sind nicht ohne Grund nicht mit den Menschenrechten vereinbar.
(J.S. 25.11.14)

Ein Musterreligiot gewissermaßen. Eloquent und larmoyant zugleich.
Sieht sich selbst fern von jedem Fanatismus, hält ganz selbstverständlich Christen für die besseren Menschen (überdurchschnittlich sozial engagiert) und sieht sich überall von den bösen Atheisten angefeindet.

Mit der Realität hat das alles herzlich wenig zu tun.
Christen sind in allen deutschen Gremien – vom Ethikrat der Bundesregierung über Talkshows, Rundfunkräte bis zu KITA-Betreibern – exorbitant überrepräsentiert.
Die Bundesregierung besteht aus 100% Christen und die beiden großen Deutschen Kirchen verfügen jeweils über ein hohes dreistelliges Milliardenvermögen und einen Immobilienbesitz, der die Größe des Bundeslandes Saarlands erreicht. Christen-Kirchen besitzen Verlagshäuser, Zeitungen, TV-Sender und bekommen zudem auch noch kostenlose Plattformen als Kolumnisten der größten Boulevardblätter der Welt. Man denke nur an Käßmanns wöchentliche BILD-Kolumne.
EKD und RKK zusammen haben 50 Millionen Mitglieder.
Caritas und Diakonie beschäftigen 1,5 Millionen Menschen, die arbeitsrechtlich diskriminiert nicht weltanschaulich frei sind und zu ~ 99% vom Staat bezahlt werden. Bischöfe und Theologieprofessoren werden ebenfalls vom Staat bezahlt.

Die entsprechenden Atheistischen Organisationen bestehen aus wenigen hundert Mitgliedern, werden überhaupt nicht staatlich gefördert und haben bundesweit zusammen ein Budget, mit dem nicht eine einzige kleine Pfarrei auskäme.
An Bischofspaläste wie das prachtvolle Rokoko-Palais Holnstein, in dem Kardinal Marx residiert können Atheisten noch nicht einmal denken.

Und „Ottonormalchrist“ fürchtet sich so sehr vor der geballten Macht der Atheisten, daß er sich noch nicht mal mehr traut seine Meinung zu sagen?
Es stimmt, daß Christen weniger und Atheisten mehr werden, aber gegenwärtig ist die „Macht“ noch so extrem ungleich zu Gunsten der Christen verteilt, daß wir noch sehr lange nicht auf Augenhöhe miteinander reden werden.

Aber keine Sorge, liebe Christen  Wir als Atheisten sind viel toleranter als Religiöse und würden diese niemals auch nur annähernd so bestialisch behandeln, wie Religiöse uns über Jahrhunderte verfolgt haben.
Im Gegenteil, Atheisten sind prinzipiell tolerant und lassen jeden so religiös bleiben wie er möchte.
Wir wehren und nur dagegen von Religiösen mitbestimmt zu werden.
Wenn Kirchisten Homoehe, Pilledanach, Sterbehilfe und PID verbieten wollen, dann sollen sie nur für sich sprechen.

Die Menschenrechte, die in 200 Jahren mühsamen Kampfes gegen den erheblichen Widerstand der Kirchen durchgekämpft wurden als christliches Argument ins Spiel zu bringen, schlägt doch dem Fass den Boden aus.

Das sieht man ja auch an dem widerlich perfiden Judenhasser Martin Luther, der tatsächlich in seinen Schriften Hitler nicht nachstand und ungerührt heute von der EKD gefeiert wird.
Wer als „Otto Normalchrist“ Mitglied in einem Verein ist, der das betreibt, hat sich eben nicht die Menschenrechte zu Eigen gemacht.

In der Süddeutschen Zeitung von gestern wurde ein Aufsatz des bekannten Kirchengeschichtlers Prof. Hubert Wolf aus Münster abgedruckt.
Es geht um den 150. Geburtstag des „Syllabus Errorums“, in dem der unfehlbare Papst Pio Nono achzig moderne Lehrsätze verwirft.
Und der ewige Papst Pius IX ist nicht nur ein bißchen dagegen, sondern absolut.

Das oberste Lehramt der katholischen Kirche hat Katholizismus und Moderne ein für alle Mal für unvereinbar erklärt und insbesondere die fundamentalen neuzeitlichen Werte wie Gewissens-, Religions- und Meinungsfreiheit, aber auch Toleranz und Demokratie feierlich verurteilt. Katholiken, die sich auf diese Werte beriefen, wurde die Strafe der Exkommunikation und damit der Verlust ihres ewigen Seelenheiles angedroht.
(Hubert Wolf 01.12.14)

Pio Nono war auch persönlich ein rasender Antisemit, der sogar in Rom Juden ihre Kinder wegnehmen ließ, um sie zwangsweise zu konvertieren und an katholische Eltern weiter zu reichen.
Ohne Zweifel war der Mann also ein echter Schwerverbrecher, der ausdrücklich die Freiheit der Menschen bekämpfte.
Zu den Sätzen des Syllabus, die P9 verbot gehörten unter anderem:

„Es steht jedem Menschen frei, diejenige Religion anzunehmen und zu bekennen, die man, vom Lichte der Vernunft geführt, für wahr erachtet.

Der Protestantismus ist nichts anderes, als eine eigenständige Form des gleichen wahren christlichen Glaubens. In diesem Glauben ist es ebenso möglich, Gott wohlgefällig zu dienen, wie in der katholischen Kirche.

Die Philosophie und die Sittenlehre, ebenso die bürgerlichen Gesetze, können und sollen von der göttlichen und kirchlichen Lehre abweichen.

Die Kirche hat nicht die Macht, trennende Ehehindernisse aufzustellen. Diese Macht steht der staatlichen Gewalt zu, durch welche die bestehenden Ehehindernisse aufzuheben sind.

In unserer Zeit ist es nicht mehr denkbar, daß die katholische Religion als einzige Staatsreligion anerkannt und alle anderen Arten der Gottesverehrung ausgeschlossen werden.“

Der am längsten regierende Papst aller Zeiten verkündete das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis Mariens, des päpstlichen Jurisdiktionsprimats und der päpstlichen Unfehlbarkeit. Im Jahr 2000 wurde Pius IX. von Johannes Paul II. seliggesprochen.

Pio Nonos Syllabus erschien am 08.12.1864 als Anhang zur Enzyklika „Quanta cura“, in der er zum Rundumschlag gegen die verhasste Moderne ausholte.
Natürlich war der Unfehlbare damit nicht etwa allein in der RKK. Auch seine Vorgänger und Nachfolger verurteilen Menschenrechte, Freiheit und Demokratie außerordentlich scharf.
Das ist wenig überraschend für eine Religion, in deren Bibel die Unterordnung der Frau unter den Mann festgeschrieben wird und in der Jesus die Sklaverei lobt.

Der eigentliche „Syllabus errorum“, die Liste mit achtzig irrigen Sätzen, bringt im Grunde nichts Neues, sondern fasst noch einmal die zahlreichen Verurteilungen zusammen, die Pius IX. in nicht weniger als 32 Verlautbarungen seit dem Beginn seines Pontifikats 1846 ausgesprochen hatte. Verworfen werden neben Pantheismus, Naturalismus, Rationalismus, Indifferentismus, Sozialismus und Kommunismus auch geheime Gesellschaften aller Art. […]  „Deshalb verwerfen, ächten und verurteilen wir kraft Unserer Apostolischen Autorität samt und sonders die verkehrten Meinungen“, schrieb Pius IX. […] Der Syllabus war kein „Ausrutscher“ des päpstlichen Lehramtes. Er fügt sich vielmehr bruchlos ein in eine Linie der Verurteilung der Werte der Moderne, die mit dem Breve „Quot aliquantum“ von 1791 begann. Mit diesem hatte Pius VI. nicht nur die Zivilkonstitution des Klerus verdammt, die Pfarrer und Bischöfe zu Beamten des revolutionären Staates machte, sondern zugleich die Freiheitsidee der Französischen Revolution und die Erklärung der Menschenrechte. Gregor XVI. verwarf 1833 in der Enzyklika „Mirari vos“ die Ideen des französischen Priesters und Publizisten Félicité de Lamennais, der einer Koalition von Kirche und Freiheit mit dem Papst als Garanten der Freiheit das Wort redete und die alte Verbindung von Thron und Altar ablehnte. Gregor XVI. verdammte insbesondere die Gewissensfreiheit als pestillentissimus error, als „pesthaften Irrtum“. Vom Syllabus sollte sich die Linie über die Enzyklika „Immortale Dei“ von 1885, in der Leo XIII. Religionsfreiheit entschieden ablehnte, bis zur „Toleranzrede“ von 1953 fortsetzen, in der Pius XII. das alleinige Recht der katholischen Wahrheit bekräftigte und deshalb jedes subjektive Recht auf Religions- und Gewissensfreiheit ausschloss: „Was nicht der Wahrheit und dem Sittengesetz entspricht, hat objektiv kein Recht auf Dasein.“   […]
 (SZ vom 01.12.2014)