Mittwoch, 25. Dezember 2013

Das Weihnachtswunder Teil II



Soso, Ex-NDP-Chef Holger Apfel, seines Zeichens dick, dumm und häßlich, ist also zudem auch noch schwul.




Im ersten Moment fragt man sich vielleicht, ob es so eine sinnvolle Idee ist als Schwuler bei den Nazis Karriere zu machen. Aber das ist ein sehr naiver Denkansatz.
Ich glaube zwar, daß unter Schwulen durch ihre persönliche Erfahrung mit Diskriminierung ein überdurchschnittliche Toleranz und Vorurteilsfreiheit herrscht, aber das bedeutet natürlich noch lange nicht, daß es nicht auch total Bekloppte unter ihnen gibt.

Wie wir ob der hinlänglich beschriebenen extrem hohen Schwulenquote unter katholischen Geistlichen wissen, gibt es auch unter Schwulen Homophobie.

Mitglied eines extrem homophoben Vereins zu sein, ist natürlich eine ideale Tarnung. Da kann man unter Männerbündischen Bedingungen fast frauenfrei agieren, ohne daß getuschelt wird.




Außerdem erfüllen die Dresscodes von Nazis und Pfaffen sicherlich einige Fetisch-Wunschträume, die unter Schwulen möglicherweise häufiger sind.





Rosa von Praunheims ausführlicher Dokumentationsfilm „Männer, Helden, schwule Nazis“ klärt auf.

Ähnlich wie bei den katholischen Priestern birgt die homosexuelle Lebensweise die Möglichkeit die Mitglieder „auf Linie“ zu halten, weil sie erpressbar sind.
Wer in Ungnade fällt, kann jederzeit mit den Homogerüchten ausgeschaltet werden.
Genau das scheint Holger Apfel passiert zu sein.
Das ging dann ganz schnell. Rücktritt vom Fraktionsvorsitz der Sächsischen Landtagsfraktion, Rücktritt vom NPD-Bundesvorsitz, Austritt aus der NDP.
Ein schwerer Verlust für die deutsche Parteienlandschaft. Mir kommen die Tränen.

Mit seinem Austritt kommt Apfel einem drohenden Parteiausschlussverfahren zuvor. Auf einer Krisensitzung am Sonntag hatte das NPD-Präsidium dem 42-Jährigen einen Austritt nahegelegt. In der Partei gab es Gerüchte, laut denen es im Sommer zu einem Vorfall gekommen sei, bei dem sich offenbar ein Anfang 20-jähriger NPD-Helfer von Apfel belästigt gefühlt habe. Bereits in der Vergangenheit hatte es in der Partei immer wieder Gerüchte über Apfels Privatleben gegeben, wie auch Sicherheitskreise bestätigen.
"Mit Befremden muss das Parteipräsidium zur Kenntnis nehmen, dass die zunächst von Apfel zur Begründung für seinen Rücktritt angeführten 'Krankheitsgründe' offenbar nur ein Teil der Wahrheit sind. Weitergehende Vorwürfe, die Verfehlungen in der Vergangenheit betreffen, hat Apfel bislang nicht entkräftet", hieß es am Wochenende in einer Erklärung des Parteivorstands. Auch Apfels Ehefrau soll am Dienstag aus der NPD ausgetreten sein.

Ein bißchen verblüfft war ich schon von der Homowendung um den Apfel-Rücktritt, denn die “gesundheitliche” Erklärung, die er zunächst verbreitet hatte, erschien sehr plausibel.

Die NPD gab heute bekannt, dass der bisherige Parteichef Holger Apfel von seinem Posten zurücktritt. Grund dafür ist eine schwere Erkrankung: Apfel hat offensichtlich mehrere hundert Gramm Fäkalien im Kopf.
Dass irgendwas mit Holger Apfel, bis heute Chef der Nationalsozialistischen Partei Deutschlands (NPD), nicht stimmt, war vielen schon lange klar: Komische Frisur, noch komischere Ansichten und krude Reden deuteten auf eine Erkrankung hin.  Nun hat Apfel Gewissheit: Bei einer Routineuntersuchung stellten Ärzte fest, dass Apfel mehrere hundert Gramm Fäkalien im Schädel hat. Erstaunlicherweise konnte Apfel trotzdem ein relativ normales Leben führen. Dabei liegt die Betonung auf relativ: Apfel umwehte stets ein Duft, der entfernt an ein Bahnhofs-WC erinnerte. Lange Zeit ging man davon aus, dass die ausgesprochenen Gedanken des dümmlich dreinschauenden Apfel den braunen Geruch manifestieren.

Soweit, so normal.

Das eigentliche Weihnachtswunder ist aber, daß ich heute aus der NPD das erste mal einen wirklich vernünftigen Vorschlag gehört habe. Ein Spitzenfunktionär entwickelte so überzeugende Strategien für NDP-Politiker, daß ich mich dessen Forderungen ausdrücklich anschließe-

[Apfel] beklagt, dass ein Funktionsträger ihn zuletzt bei Facebook sogar zum Selbstmord aufgefordert habe. Dabei soll es sich nach Angaben des Blogs Publikative.org um einen ehemaligen NPD-Bundestagskandidaten aus Sachsen-Anhalt halten. Dieser postete, wie ein Screenshot zeigt: "Der einzige Rat, den ich dem geschiedenen NPD-Parteivorsitzenden Holger Apfel auf den Tisch legen würde, besteht aus einer Pistole und exakt einer Patrone! M." Auch ein hochrangiger Spitzenfunktionär klickte "Gefällt mir".

Dienstag, 24. Dezember 2013

Geschlechterrollen




Es gibt einige Formen des Modus Vivendi, die mir sinniger als andere erscheinen.

In Gambia beispielsweise bedauere ich die christliche Landbevölkerung. Dort sind die Männer die Grundbesitzer (wie fast überall auf der Welt), aber die Feldarbeit ist reine Frauenarbeit.
Das Weib muß also morgens los ziehen, um den Familienacker umzugraben und möglichst viel schaffen, wEIL sie mittags zurück sein muß, um den Herrn der Schöpfung zu bekochen.
Mit Kindern wird es noch unpraktischer, weil sie die kleinen Bälger dann immer mit aufs Feld schleppen muß.
Sein Job ist es unterdessen vor seine  Hütte zu sitzen und zu relaxen.
Die Christinnen sind eindeutig die Verliererinnen dieses Arrangements, weil sie allein viel mehr Arbeit wuppen müsse, als eigentlich zu schaffen ist.
Der Vorteil ist, daß sie durch die enorme körperliche Anstrengung früh so ausgebrannt sind, daß sie tot umfallen. Man muß also keine Greisinnen durchfüttern und Papa kann sich dann eine jüngere Frau nehmen.

Die Moslems in Gambia praktizieren genau die gleiche Rollenverteilung – aber mit dem entscheidenden Unterschied, daß sie Polygynie betreiben; der Mann also in der Regel vier Ehefrauen hat.
So lassen sich die Aufgaben bestens verteilen; eine bleibt mit den Blagen zu Hause und kocht, eine sorgt für sein sexuelles Wohl und zwei erledigen die Feldarbeit.
Nur zu verständlich, daß die muslimischen Frauen ihre christlichen Nachbarinnen zutiefst bedauern, weil diese die ganze Arbeit allein schaffen müssen. Zu allem Übel auch noch während der meisten Zeit schwanger sind.

Ich weiß nicht sicher, ob in Gambia auch Polyandrie erlaubt ist; vermutlich nicht.
Eine Frau mit vier Ehemännern wäre bei der dortigen Aufgabenverteilung definitiv überfordert. Vier Häuser mit vier Mackern darin und vier Felder zu bewirtschaften, kann noch nicht einmal Wonderwoman schaffen.

Polyandrie hat unter anderen Bedingungen ihre Stärken. Fraternale Polyandrie gibt es beispielsweise in Tibet, wo unter chinesischem Einfluß die Einkindehe propagiert wird, oder in Nordindien, wo die indische Regierung größte Anstrengungen zur Geburtenkontrolle unternimmt. Wenn zudem Land und Arbeitsplätze knapp sind, ist es von großem Vorteil, wenn eine Frau, die mit ihrem Gör zu Hause sitzt, mehrere Ernährer hat. In der überwiegenden Zahl sind es zwei oder drei Brüder, von denen mindestens einer weiter weg einen Job übernehmen kann und alle gemeinsam zum Familieneinkommen beitragen.
Unter fraternalen Bedingungen wird auch die Frage nach der Weitergabe der eigenen Gene entschärft. Bei unklarer Vaterschaft, hat der Ehemann die Gewissheit zumindest der biologische Onkel zu sein und so indirekt seine Gene weiterzuvererben.

In letzter Zeit hörte ich wieder öfter vom Volk der Mosuo.
Zuletzt sah das RBB-TV-Team von der Roadmovie-Doku „Fernost“ (Sehr empfehlenswert!) bei den Mosuo im Südwesten der Volksrepublik China vorbei.

Die Provinz Yunnan liegt etwa 2.500 Meter über dem Meeresspiegel. Am höchstgelegenen See der Provinz lebt seit mehr als einem Jahrtausend das Volk der Mosuo - und genauso lange herrscht dort das Matriarchat. Nur die Mütter als Clanchefinnen bestimmen die Regeln des Alltagslebens.

Die 40.000-50.000 Mósuō sind ein chinesisches Volk mit tibetobirmanischer Sprache. Sie leben hauptsächlich am  Ufer des Lugu-Sees und gelten als relativ wohlhabend.
Das liegt möglicherweise an ihrer effektiven Form des Zusammenlebens.
Männer besitzen dort keinerlei Autorität und fügen sich der Autorität ihrer Mütter, die ihnen jeden Morgen die zu erledigenden Aufgaben zuweisen.

In der Regel bleiben Söhne, Neffen und Enkel im Haus der Clanchefin wohnen – dürfen aber über Nacht zu ihren diversen Liebhaberinnen gehen. Morgens haben sie aber wieder da zu sein und sich ihren Tagesbefehl abzuholen.
Gewalt ist unter den Mosuo unbekannt. Die Matriarchinnen üben ihre Autorität erheblich geschickter aus. Der Arzt und Journalist Ricardo Coler berichtet in einem Interview von seinen Erfahrungen bei den Mosuo.

Coler: Ich wollte wissen, was in einer Gesellschaft passiert, in der die Frauen bestimmen, wo es lang geht. Wie ticken Frauen, wenn sie bereits von Geburt an durch ihre gesellschaftliche Stellung alles bestimmen? […]  Ich hatte erwartet, auf ein umgekehrtes Patriarchat zu treffen. Aber damit hat das Leben der Mosuo absolut nichts zu tun. Frauen dominieren in einer anderen Art und Weise. Wenn Frauen herrschen, ist es Teil ihrer Arbeit. Ihnen gefällt es, wenn einfach alles läuft und es der Familie gut geht. Die Idee, Vermögen anzuhäufen oder viel Geld zu verdienen, kommt ihnen einfach nicht in den Sinn. Kapitalakkumulation scheint eine männliche Triebfeder zu haben. […]  

SPIEGEL ONLINE: Wie lebt es sich für einen Mann im Matriarchat?

Coler: Männer leben besser, wo die Frauen das Sagen haben: Du bist für fast nichts verantwortlich, du arbeitest viel weniger und du bist den ganzen Tag mit deinen Freunden zusammen. Jede Nacht bist du mit einer anderen Frau zusammen. Und obendrein kannst du für immer bei deiner Mutter leben. Die Frau bedient den Mann, und das in einer Gesellschaft, in der sie bestimmt und über das Geld verfügt. […]  

SPIEGEL ONLINE: Was hat Sie am meisten erstaunt?

Coler: Dass in der matriarchalen Gesellschaft keine Gewalt existiert. Ich weiß, das gleitet schnell in eine Idealisierung ab - jede menschliche Gesellschaft hat ihre Probleme. Aber den Mosuo-Frauen leuchtet einfach nicht ein, warum Konflikte mit Gewalt gelöst werden sollen. Da sie bestimmen, streitet niemand. Schuld- oder Rachegefühle kennen sie nicht, es ist einfach eine Schande, sich zu streiten. Sie schämen sich dafür, und es droht ihnen dann sogar der Verlust ihres sozialen Ansehens.

SPIEGEL ONLINE: Und wenn es für ein Problem keine Lösung gibt?

Coler: Dann wird jedenfalls nicht gestritten. Die Frauen bestimmen, wo es lang geht. Manche tun es etwas bestimmter, manche etwas freundlicher. Es sind starke Frauen, die klare Anweisungen erteilen. Von einem Mann wird erwartet, dass er es eingesteht, wenn er mit einer Sache nicht fertig geworden ist. Er wird nicht ausgeschimpft oder bestraft, sondern behandelt wie ein kleiner Junge, der seiner Aufgabe nicht gewachsen war.

[…]  SPIEGEL ONLINE: Was macht einen Mann für eine Mosuo-Frau attraktiv?

Coler: Wenn sie mit einem Mann reden können, Sex haben und ausgehen, dann sind sie verliebt. Für sie ist die Liebe wichtiger als die Partnerschaft. Sie wollen verliebt sein. Der einzige Grund, mit einer anderen Person zusammen zu sein, ist Liebe. Heiraten oder mit einem Mann eine Familie gründen, das interessiert sie nicht. Und wenn es vorbei ist, ist es vorbei. Sie bleiben nicht zusammen wegen der Kinder oder des Geldes oder sonst etwas.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es bei den Mosuo das Konzept der Heirat, der Ehe?

Coler: Ja, den Kindern wird sogar damit gedroht, 'Wenn du nicht brav bist, dann verheiraten wir dich'. Die Kinder kennen Verheiratetsein als Horrorgeschichte. Mich haben sie gefragt, wie wir das machen. Ich sagte: Mann trifft Frau, sie verlieben sich, haben Kinder und leben ihr ganzes Leben zusammen. Ah, sagten sie, das muss toll sein. Und du weißt, sie lachen sich darüber kaputt, dass wir ständig etwas wiederholen, von dem wir selbst wissen, dass es nicht funktioniert.[…]  

Das klingt alles sehr weise und einleuchtend.
Am liebsten möchte ich sofort das Matriarchat in Deutschland ausrufen.

Aber im Grunde haben wir ja mit von der Leyen und Merkel schon ein Matriarchat. Es funktioniert nur nicht.
Allerdings kann man den beiden auch beim besten Willen nicht diesen Satz zuschreiben:
„Es sind starke Frauen, die klare Anweisungen erteilen.“

Matriarchat funktioniert auch nur mit klugen Frauen.

Hoffentlich kommt niemand in Amerika auf solche Gedanken! Wenn Ann Coulter, Megyn Kelly, Sarah Palin und Michele Bachmann das Ruder übernehmen, kann Gott gleich für immer die Lichter über dem Planeten löschen!

Montag, 23. Dezember 2013

Realitätssuche…



Wenn ich „das Internet anmache“, klicke ich als erstes immer in der gleichen Reihenfolge diverse Nachrichtenwebsites an und rufe schon mal all die Meldungen in unterschiedlichen Tabs auf, die ich noch genauer studieren möchte.
Nach den News kommen dann Umfragen und zwei Satireseiten an die Reihe.
(Meine Lieblingssatireseite „Kreuz.net“ gibt es ja leider schon über ein Jahr nicht mehr.)

Ein Problem, das immer häufiger auftaucht ist, daß ich bei all den geöffneten Tabs am Ende nicht mehr weiß, welches eigentlich „echte“ Nachrichten sind und welche von einem Satire-Portal stammen.
Die Religioten in aller Welt geben sich die größte Mühe die absurdesten Phantasien der Satiriker zu übertreffen.
Man denke nur an den aktuellen amerikanischen Streit um die Hautfarbe des Weihnachtsmannes.

Megyn Kelly ist sich sicher: Der Weihnachtsmann ist weiß - genau wie Jesus Christus. Hätte die Fox-News-Moderatorin diese Erkenntnis für sich behalten, würde sie entspannt in die Feiertage gehen können. Weil sie aber vor laufender Kamera ihren kleinen Zuschauern vermittelte, der gute alte Santa sei "einfach weiß", muss sie sich jetzt mir jeder Menge Hass-Mails und Protesten herumschlagen.
[….]   Zu ihrer Behauptung hatte sich Kelly verstiegen, nachdem die schwarze Bloggerin Aisha Harris auf dem Portal Slate.com politisch korrekt dazu aufgerufen hatte, sich von einer einseitigen Vorstellung über das Aussehen des Weihnachtsmanns zu verabschieden. Harris hatte vorgeschlagen, die Figur etwa von einem Pinguin darstellen zu lassen: "Indem man den Weihnachtsmann als Tier darstellt und nicht als alten, weißen Mann, könnte man Millionen von nicht-weißen Kindern die Unsicherheit und Scham ersparen, die ich als Kind empfunden habe", begründet Harris ihre Forderung.
"Nur, weil sie sich irgendwie unwohl gefühlt hat, müssen wir deshalb gleich alles ändern?", fragte Kelly ihre zugeschalteten Studiogäste. "Jesus war doch auch ein weißer Mann, eine historische Figur." Und klärte - um 22 Uhr abends - alle Kinder, die gerade vor den Bildschirmen saßen, auf: "Santa ist natürlich weiß, aber es gibt da diese Person, die meint, wir sollten vielleicht auch einen schwarzen Weihnachtsmann haben." […]

Stammt die Geschichte vom Postillion oder Extra3?
Nein, die Fox-Frau hat das tatsächlich so gesagt.

Immer gut für geistesgestörte Äußerungen aller Art ist die ehemalige Präsidentschaftskandidatinkandidatin und US-Kongress-Abgeordnete Bachmann:

In an interview with Understanding the Times host Jan Markell on Saturday, Rep. Michele Bachmann accused President Obama of giving aid to Al Qaeda, which she said is proof that we are living in the Last Days.

"God loves America the most; that's why the Bible is written in English."


Was soll man von solchen Meldungen halten, wenn man sie zuerst hört?
Das erfordert tiefergehende Recherche.
Daß Obama Al Kaida unterstützt hat die GOPerin übrigens wirklich gesagt; der zweite Satz über die englische Bibel ist aber Satire.

Auch über deutsche Politik muß man gelegentlich rätseln, um sie als solche zu begreifen.
Nun ist endlich klar, warum Edward Snowden bislang noch kein Asylangebot seitens der Bundesregierung vorliegt. Offenbar ist der von den USA gejagte Whistleblower einfach nicht kriminell und reich genug, um Anspruch auf den Schutz der Bundesrepublik zu haben. Ganz anders Michail Chodorkowski: Der 50-jährige Oligarch, der durch Bestechung und illegale Geschäfte bis hin zum Auftragsmord zwischenzeitlich reichster Mann Russlands war, wurde von FDP-Urgestein Hans-Dietrich Genscher persönlich nach Deutschland geholt.
Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes erklärte heute: "Edward Snowden ist schlicht nicht korrupter Milliardär genug, um bei deutschen und insbesondere FDP-Politikern Mitgefühl zu wecken. Er hat überhaupt nur ein Verbrechen auf dem Kerbholz: Datendiebstahl. Und selbst da scheiden sich die Geister, ob das angesichts der Tatsache, dass er sich damit nicht selbst bereichert hat, überhaupt ein richtiges Verbrechen ist."
Chodorkowski hingegen sei nachgewiesenermaßen kriminell und sagenhaft reich, wodurch er nach Artikel 16a des Grundgesetzes ("(1) Politisch Verfolgte genießen Asylrecht, sofern sie korrupte Milliardäre sind.") Anspruch auf Asyl in Deutschland hat.[….]

Man fragt sich angesichts des Kollektivversagens der deutschen Presse, ob der Artikel 16a GG wirklich so lautet.
Es ist schon erstaunlich, wie sehr die russlandophobe Grundeinstellung der politischen Kleingeister Merkel und Gauck die globalen Realitäten negiert.
England und Amerika hören illegal hunderte Millionen Gespräche jeden Tag ab und haben das Mobiltelephon der Kanzlerin abgezapft. Russland tut das nicht.
Amerika unterhält mehrere illegale Folterlager im Ausland, um nach Herzenslust und völkerrechtswidrig Menschen zu quälen. Russland tut das nicht.


Amerika hat die letzten illegalen Angriffskriege durchgeführt. Russland tut das nicht.
Amerika verwendet weltweit geächtete Uranmunition. Russland tut das nicht.
Amerika läßt jeden Monat in seinen Gefängnissen Menschen hinrichten – darunter bewiesenermaßen auch gelegentlich Unschuldige. Russland tut das nicht.


Es gibt hier angesichts der neuesten homophoben Anwandlungen der Klerus-Kreml-Koalition in Moskau keinen Anlass die Menschenrechtssituation in Russland zu loben.
Aber andere Länder gehen da weitaus rabiater vor – China, Saudi Arabien und eben unser Hauptverbündeter USA.

Es stimmt, was der Postillon zwischen den Zeilen sagen will:
Deutschland hätte sehr viel mehr Anlass Edward Snowden Asyl zu verschaffen.
Wie erbärmlich ist es, daß sich Merkel und Westerwelle stattdessen für die höchst kriminellen Michail Chodorkowski und Julia Timoschenko einsetzen!!!
Die beiden sind so ziemlich die letzten eingesperrten Personen in den Knästen der Welt, die ein Eingreifen der Bundesregierung erforderlich machten.

Ihr Herz für Milliardäre ist allerdings lange bekannt.

Was triggert uns eigentlich alle so sehr am Schicksal der hungerstreikenden Julia Timoschenko?

Daß korrupte Regime der UdSSR-Nachfolgestaaten nicht zimperlich mit ihren politischen Gegnern umgehen, ist schließlich üblich.

 In Usbekistan gibt es übrigens wie in Russland einen Verfassungsparagraphen, nach dem die fünfjährige Amtszeit des Präsidenten nur einmal verlängert werden kann.
 Aber was kümmert Karimov, 74, der wegen erwiesener Korruption schon im Knast saß die Verfassung? 
Ab und an gibt es Referenden, die regelmäßig mit deutlichen 90%-Ergebnissen für Karimov enden und wenn Oppositionelle solche Ergebnisse bezweifeln, werden sie nicht wie Frau Timoschenko unter zweifelhaften Bedingungen eingesperrt, sondern gleich erschossen.

Mit den Usbeken, denen dieser Kurs nicht passt, macht Karimow kurzen Prozess.
Zuletzt ließ er im Jahr 2005 rund 600 „Aufständische“ von seinem Militär erschießen.

Die EU sprach nach dem Massaker Einreisverbote aus, kippte aber schon anderthalb Jahre später wieder um.

Der Usbekische Diktator Islom Karimow wird mit deutschen Steuergeldern verätschelt.

Kaum war Guido Westerwelle im Amt setzte die EU auf seinen Druck auch das Waffenembargo gegen Usbekistan aus:

Auf einem Gipfeltreffen in Luxemburg beschlossen die EU-Außenminister am Dienstag (27.10.2009), dieses Embargo wieder aufzuheben. Zur Begründung hieß es, die EU wolle die Verantwortlichen des Landes dazu ermutigen, weitere Schritte zur Verbesserung von Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten zu unternehmen.
[…] Die Außenminister betonten dabei ihre auch weiterhin bestehende Sorge über die Lage der Menschenrechte in Usbekistan. Alle politischen Gefangenen und alle Menschenrechtler müssten auf freien Fuß gesetzt, die Meinungs- und Pressefreiheit garantiert und Kinderarbeit verboten werden. Nach Einschätzung von Menschenrechtsorganisationen hat sich jedoch die Lage der Menschenrechte in Usbekistan eher verschlechtert. Zahlreiche Menschenrechtler und Journalisten wurden in den vergangenen Jahren festgenommen.
[…]"Damit stellt die EU der usbekischen Regierung einen Freibrief für weitere Menschenrechtsverletzungen aus", erklärte die deutsche Menschenrechtlerin Barbara Lochbihler, die für die Grünen im Europaparlament sitzt. Imke Dierßen, Zentralasien-Expertin bei amnesty international, wertete die jüngste Entscheidung als "Schlag ins Gesicht der Opfer und Überlebenden". Denn noch immer gebe es in Usbekistan Folter und Übergriffe gegen Menschenrechtler. Die EU sei regelrecht "eingeknickt" und lasse "diejenigen im Stich, die sich in Usbekistan für die Einhaltung der Menschenrechte engagieren und dabei ihre Sicherheit und ihre Freiheit aufs Spiel setzen". Auch Deutschland geriet in die Kritik. Die Bundesrepublik habe ihre "Rolle als Motor der europäisch-zentralasiatischen Beziehungen" nicht genutzt, um Usbekistan dazu zu bewegen, vier Jahre nach dem Massaker in Andischan eine unabhängige internationale Untersuchung der Ereignisse zuzulassen.
(Deutsche Welle 28.10.2009)

Westerwelle und Merkel päppeln das Karimow-Regime inzwischen ganz offiziell:

110 Angehörige der Bundeswehr tun hier ihren Dienst in einer Umgebung, die zwar friedlich, aber nicht unbedingt freundlich ist. Die deutschen Soldaten werden mürrisch geduldet, was sich der örtliche Diktator Islam Karimow freilich gut bezahlen lässt. Ein Vertrag sichert seinem Regime neuerdings eine üppige Pauschale.
Ursprünglich einmal ging es um den gemeinsamen Kampf gegen den Terror. Schon seit längerer Zeit aber raunen Insider, die Usbeken verlangten für den 2002 errichteten Stützpunkt immer ungenierter Bares. Im vergangenen Jahr bezifferte die Bundesregierung die Kosten für den Stützpunkt Termes in der Antwort auf eine Anfrage der Linksfraktion auf 12,2 Millionen Euro im Jahr 2009.
[…] Neuerdings aber kassieren die Usbeken jährlich eine 'Ausgleichszahlung' in Höhe von 15,95 Millionen Euro. Im Januar wurde sie das erste Mal ans usbekische Finanzministerium überwiesen - rückwirkend für 2010.
'Das Regime von Karimow ist eines der brutalsten nicht nur in Zentralasien, sondern weltweit', beklagt die Bundestagsabgeordnete Viola von Cramon von den Grünen. 'Wenn die Bundesregierung mit solchen Zahlungen dazu beiträgt, dieses Regime zu festigen, dann ist das ein Skandal', fügt sie hinzu.
(Süddeutsche Zeitung 21.04.2011)

Die politischen Gegner, die Karimov massakriert, kennt aber keiner und sie sind auch nicht reich und mächtig. 
Also muß man sich auch nicht um sie kümmern.

Frau Timoschenko hingegen ist blond, bekannt und hat auch noch diese unglaublich einprägsame PR-Frisur, die sie weltweit erkennbar gemacht hat.
Sie soll außerdem sehr gut mit Herrn Putin können. 

Und, last but not least: Sie ist eine Oligarchin, also eine von den richtig Reichen.

Aus einfachen Verhältnissen stammend gelang es ihr und ihrem Mann frühzeitig einen Fuß in die staatliche Ölindustrie zu bekommen. Bevor sie Politikerin wurde war ihr Privatkonto auf beinahe eine Milliarde Dollar angeschwollen.

(Nein, ich bin kein Experte in östlicher Ölindustrie, aber wenn ich vorsichtig mutmaßen sollte, würde ich annehmen, daß ein derart kometenhafter Aufstieg aus dem Nichts zur Öl-Milliardärin in den Ex-Sowjetrepubliken nicht funktioniert, wenn man immer Samthandschuhe trägt, altruistisch denkt und sich streng an jedes Gesetz hält.)

Zweimal war Timoschenko Ministerpräsidentin der Ukraine. 
Vorwürfe wegen Untreue und Mauscheleien gab es reichlich und nun sitzt sie im Knast, hat einen blauen Fleck am Bauch und klagt über Bandscheibenschmerzen.

Das macht Guido und Angie ganz fickerig.
 Selten hat man sie außenpolitisch so aktiv gesehen. Sie wollen sogar irgendein Ballspiel boykottieren und schickten Deutschlands beste Ärzte aus der Berliner Charité rüber, um nach Julia zu sehen.

Die Ukraine eignet sich eben sehr gut zum Hochhalten des Menschenrechtsfähnchens. 
Es ist ein großes Land, so daß man nicht zu sehr befürchten muß als nörgelnder Goliath da zu stehen. Andererseits ist die Ukraine weder militärstrategisch (so wie Usbekistan als Brückenkopf nach Afghanistan), noch ökonomisch-strategisch (wie Russland wegen der Rohstoffe) wirklich wichtig, so daß der diplomatische Druck billig und wohlfeil ist.

Die heuchlerische Machtpolitik Berlins ist wenig überraschend. Auch in der Innenpolitik haben Milliardäre stets die besondere Fürsorge der Kanzlerin.
Aber wieso macht die deutsche Presse so unkritisch den Anti-Putin-Kurs mit?
Sollte man nicht wenigstens auch erwähnen, daß Chodorowski ZU RECHT in Knast saß?
Dafür muß man aber etwas außerhalb der Mainstreampresse suchen.

Russlands Präsident Putin hat Chodorkowski begnadigt, der heute Morgen nach zehn Jahren Haft das Gefängnis verlassen durfte. Eigentlich sollte man meinen, dass Putin für diesen Gnadenakt hierzulande ausnahmsweise einmal positive Schlagzeilen bekommt, schließlich hat er ja die „Forderungen“ der westlichen Medien erfüllt. Doch weit gefehlt. Putin bleibt der Bösewicht und die Begnadigung wird gar als ultimativer Beweis dafür dargestellt. Chodorkowski hingegen wird einmal mehr als Opfer politischer Willkür dargestellt, das zu Unrecht im Gefängnis sitzt. Wer sich ein wenig mit dem Fall Chodorkowski/Jukos beschäftigt hat, konnte gestern Abend seinen Ohren nicht trauen, als der Nachrichtensprecher des ZDF-Heute-Journals in sonorem Ton sagte, Chodorkowski sei von den Behörden aufgrund des „beliebig dehnbaren Begriffs der Steuerhinterziehung“ inhaftiert wurden. Die Ansicht, dass der Begriff Steuerhinterziehung beliebig dehnbar sei, vertreten die Herren Hoeneß, Zumwinkel und diverse Schweizer Banker sicherlich auch. Mit dem Fall Chodorkowski hat dies jedoch relativ wenig zu tun. Die hohe Haftstrafe verbüßt der Oligarch nicht wegen Steuerhinterziehung, sondern wegen gewerbsmäßigen Betrugs, Unterschlagung und Geldwäsche – der Tatbestand der Steuerhinterziehung war „lediglich“ eine Folge der anderen Tatbestände, da Chodorkowski und sein Partner Platon Lebedew für das ergaunerte und unterschlagene Geld naturgemäß auch keine Steuern bezahlten. Auch Al Capone kam letzten Endes deshalb hinter Gitter, weil er die Einkünfte seiner kriminellen Tätigkeiten nicht versteuert hat.
[…] Michail Chodorkowski gehört zu jenen Oligarchen – präziser: Räuberbaronen -, die sich in der Transformationsphase nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion mit unlauteren und illegalen Methoden bei der Privatisierung ehemaliger Staatsbetriebe ein sagenhaftes Vermögen ergaunerten. […] Chodorkowski [konnte] mit dem eher bescheidenen Einsatz von 42 Mio. US$ das Unternehmen Jukos zusammenschmieden, dessen geschätzter Wert 42 Mrd. US$ – also das Tausendfache – betrug. Dass er dabei zahlreiche Gesetze gebrochen hat, bestreitet auch heute niemand ernsthaft. Damals interessierte dies in Russland jedoch niemanden. Chodorkowski schmierte den Jelzin-Clan mit Millionen und dafür ließ ihn die korrupte Staatsführung gewähren. […]  Chodorkowski [wollte] die Filetstücke von Jukos und anderen Ölfirmen an amerikanische Multis wie ExxonMobile und Chevron verscherbeln wollte. Zum Zeitpunkt seiner Verhaftung waren die Übernahmeverhandlungen mit diesen beiden Konzernen bereits im vollen Gange. [….]
Putins größtes Verdienst ist es wohl, dem Ausverkauf Russlands einen Riegel vorgeschoben zu haben. [….]