Mittwoch, 4. Dezember 2013

Schlimmere Vergangenheit


Gestern waren Gabriel und zwei die beiden Hamburger stellvertretenden Bundesvorsitzenden der SPD in Hamburg. Es lief gut für ihn.

Gabriel überzeugt Hamburgs SPD
[….] Die knapp 1000 Genossen [signalisieren] ihrem angereisten Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel Unterstützung auf dem Weg zu Schwarz-Rot. Der Vertrag mit der Union "ist ein großer Fortschritt für die Menschen in Deutschland" und biete die Chance, "das Leben für viele ein bisschen besser zu machen".
Gabriel nimmt in seiner Rede die grundsätzlichen Bedenken der Genossen auf: "Es gibt große Sorgen und Ängste vor der Große Koalition. Es wird schwierig, aber Regieren ist immer schwierig." So wirbt er mal besonnen, mal angriffslustig für das umstrittene Vertragswerk. [….] Und dann dieser Satz: "Angela Merkel ist nicht die schwarze Witwe im Netz, die darauf wartet, uns zu verspeisen." So sei die damals eingeführte Rente mit 67 Jahren nicht Merkels Idee gewesen. "Wir können unsere Fehler nur selbst machen", sagt Gabriel. Es liege nun ein Vertrag vor, der die schwersten Fehler von damals – etwa in der Rentenpolitik – ausschließe.

Scheinbar bin ich nicht ganz kongruent mit dem Durchschnittsparteimitglied.
Erst wehrte ich mich gegen die hämische Pauschalkritik der Linken und wollte dem Koalitionsvertrag zustimmen. Seit ich aber gestern zum „Nein“ rüber schwankte, sind auf einmal die restlichen SPD-Mitglieder ganz begeistert von der GroKo.

Da es politisch eigentlich immer so kommt, wie ich NICHT will, sollte ich mich also schon mal auf eine dritte Merkel-Regierung mit einem Sozi-Juniorpartner einstellen.

Da kann ich schon mal anfangen mir das Unausweichliche schönzureden.
Wenn sechs Sozis mit am Kabinettstisch sitzen, können die CDU’ler wenigstens nicht ganz ungeniert Mist bauen. Immerhin guckt ihnen dann jemand auf die Finger.
Ist doch schon mal viel besser als nichts.
Besser als bei Schwarzgelb, als jede Schweinerei durchs Kabinett rutschte wie ein mit heißer Vaseline behandeltes Zäpfchen.
Der Bundessicherheitsrat muß auch weiterhin Genehmigungen erteilen für jeden Rüstungsexport und da erwarte ich einige „Njets“ von den SPD-Ministern.

CDU-Minister in Aktion sollte man ohnehin nicht unbeaufsichtigt agieren lassen.

In Hamburg haben wir immer noch unter den Folgen der knapp zehn Jahre CDU –Landesregierung unter Ole von Beust zu leiden.
Die Hälfte der schwarzen Regierungsmitglieder hatte damals Besuch vom Staatsanwalt. Einer von ihnen wurde heute verknackt.

Der ehemalige Hamburger Finanzsenator Carsten Frigge, CDU, ist vom Landgericht Mainz wegen Beihilfe zur Untreue zu 30.000 Euro Strafe (150 Tagessätze zu je 200 Euro) verurteilt worden. Der 50-Jährige war über die Affäre gestürzt. Der frühere rheinland-pfälzische CDU-Chef Christoph Böhr, 59, wurde wegen Untreue zu 22 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.   Im Prozess ging es um illegale Parteienfinanzierung im rheinland-pfälzischen Landtagswahlkampf 2005/2006. Böhr hatte Frigge als damaligen Chef der Düsseldorfer Agentur C4 beauftragt, ihn zu beraten und die zerstrittene CDU-Landtagsfraktion in Mainz zu befrieden.
Da in der Parteikasse Ebbe herrschte, flossen dafür über verschleiernde Rechnungen 386.000 Euro der Fraktion – und somit illegalerweise Steuergelder. Die Partei zahlte 2011 fast 1,2 Millionen Euro Strafe an den Bundestag.
(Dpa via HH Abla 04.12.13)

Daß der Mann nun als vorbestraft gilt, kann dem Hamburger Bürger ja  a posteriori egal sein.
Schlimmer sind die finanzpolitischen Entscheidungen, die unter CDU-Ägide in Hamburg fielen. Das werden noch unsere Enkel ausbaden.

Was für ein Irrsinn: Die Stadt Hamburg verkaufte 2006 das Bezirksamt Wandsbek, mietete es danach wieder an. Kurzfristig wurde Geld in die klammen Kassen gespült, langfristig zahlt Hamburg so bald eine Million Euro jährlich drauf! Das zeigt eine Parlamentarische Anfrage der Linken.
[…]   Die Stadt – so viel ist klar – zahlt jährlich durchschnittlich 961.000 Euro an Mietkosten für das Bezirksamt. Ein Rückkaufsrecht wurde vertraglich nicht festgeschrieben.
Jetzt kommt heraus: Der Verkehrswert für das Bezirksamt wird laut Senatsantwort auf aktuell 11,9 Millionen Euro taxiert. Damit wird die Stadt rein rechnerisch im Jahr 2018 die Erlöse aus dem Verkauf als Miete an den neuen Eigentümer zurückgezahlt haben. Die Mietkosten von einer Million Euro laufen indes weiter.
[….]  "Hier wird der Irrsinn der Privatisierung besonders deutlich. Wir verschenken Geld an einen privaten Immobilienfonds", so Julian Georg, Fraktionschef der Linken in Wandsbek.

Die CDU und Geld. Das geht immer schief.

Bezirksamt Wandsbek: Anfrage der LINKEN offenbart "ganzen Unsinn der Privatisierung öffentlicher Gebäude"
Wie aus einer Anfrage der Wandsbeker Bürgerschaftsabgeordneten Dora Heyenn hervorgeht, zahlt die Stadt für die Gebäude des Bezirksamtes Schloßstraße 60 und Robert-Schumann-Brücke 8 monatlich knapp € 85.000.- (Nettomiete).
2006 wurden die Gebäude mit einer Bruttonutzfläche von knapp 12.000 qm durch den CDU-Senat an die Alstria Office AG verkauft. Inzwischen gehören die Grundstücke der Bayernfonds Immobilienverwaltung, München. Der Mietvertrag hat eine Laufzeit  bis zum 31.05.2031. Ein Rückkaufsrecht ist nicht vorgesehen. Für die Mietpreisentwicklung wurde eine Indexierung auf Basis des Verbraucherpreis-Indexes vereinbart.
Julian Georg, Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE in der Bezirksversammlung Wandsbek:
„Für die meisten Normalbürger ist es völlig unverständlich, eine Immobilie zu verkaufen und diese dann für den eigenen Gebrauch  zurück zu mieten. In Wandsbek kommt hinzu, dass die Stadt mit dem  Kundenzentrum Walddörfer und dem Sozialen Dienstleistungszentrum (SDZ) Bramfeld zwei angemietete Einrichtungen schließen will, um monatlich einen relativ geringen Betrag von weniger als 10.000.- Euro zu sparen. Der ganze Unsinn der Privatisierung öffentlicher Gebäude wird an diesem Beispiel deutlich.“
Neben der Schloßstraße 60 und der Robert-Schumann-Brücke 8 hat das Bezirksamt für die Aufgabenerledigung der öffentlichen Verwaltung eine ganze Reihe weiterer Gebäude angemietet, die z.T. vorher im Besitz der Stadt waren. Für die Gebäude Am Alten Posthaus 2/4, Schloßgarten 9 und Wandsbeker Allee 71/73 zahlt die Stadt gut 100.000.- Euro monatlich.  Insgesamt also rund 185.000.- oder -  2,22 Mio. Euro Miete im Jahr!
Dora Heyenn:
"Im Jahr 2006 wurden die Grundstücke mit dem Argument verkauft: Wir müssen Schulden abbauen und die Netto-Kreditaufnahme verringern. Heute werden angemietete Büroflächen aufgegeben, staatliche Leistungen eingeschränkt und dem Bürger weitere Wege zugemutet  mit dem Argument: Wir müssen sparen, um die Schuldenbremse einzuhalten. Öffentlich-private Partnerschaften bringen dabei nur Belastungen für die öffentlichen Haushalte mit sich, wirtschaftspolitisch sind sie kontraproduktiv. Eine seriöse, transparente und ehrliche Haushaltspolitik sieht anders aus. Die öffentlichen Haushalte brauchen stattdessen eine verbesserte Einnahmenbasis durch höhere Steuern auf Unternehmensgewinne, auf Finanztransaktionen, auf hohe Einkommen und Vermögen.“

Dienstag, 3. Dezember 2013

Überraschungen – Teil II



Ich will nicht den blöden „wir-sind-gegen-alles“-Linken nachgeben, die sich an ihrer eigenen Agenda-Gegnerschaft aufgeilen und bis heute nicht die geringste Alternative dazu nennen können.
Ich hasse diese „Nach-mir-die-Sintflut“-Attitüde von Randständigen, die sich herausnehmen die Realität ignorieren zu können.
Ich habe die Nase voll von den auf Maximalforderungen Beharrenden, die es nicht kümmert wie vielen Menschen gar nicht geholfen wird, wenn man sich verweigert.

Gregor Gysi wird im aktuellen SPIEGEL nach der (außenpolitischen)  Regierungsfähigkeit seiner Partei gefragt. Gysi will natürlich nur sympathische Dinge: Keinen Krieg, keine Bundeswehrauslandseinsätze und keine Waffenexporte.
Wer will so etwas auch schon? Dann kam aber die Ruanda-Gretchenfrage.
Würde eine Bundesregierung mit Beteiligung der Linken auch auf ihrer „keine Bundeswehreinsätze“-Haltung bestehen, wenn in einem Land eine Minderheit von 900.000 Menschen mit Macheten massakriert wird? Oder muss man da nicht eingreifen, wenn man die militärischen Möglichkeiten dazu hat? Wäre nicht gerade Deutschland dazu verpflichtet den ethnisch Verfolgten beizustehen und dem stattfindenden Genozid nicht achselzuckend zuzusehen?
Gysi wand sind wie ein Aal und beantwortete die Frage trotz intensiver Nachfragen nicht.
Das ist Salon-Links. Edel und rein. Für Sonntagsreden geeignet. Aber in der praktischen Politik moralisch untragbar.

Als größter RotRotGrün-Befürworter habe ich an dieser Stelle Verständnis dafür, daß altgediente Sozis zur Ausschließeritis neigen. Wie sollte man zusammen regieren, wenn diese Hardcore-Njets im Kabinett sitzen und einen bei außenpolitischen Krisen handlungsunfähig machen?
Dabei war Gysi selbst mal Regierungsmitglied und hat als Wirtschaftssenator in Berlin eigentlich eine gute Figur gemacht. Das kann man fast generell über die ostdeutschen Linken-Minister und Senatoren sagen.
Die sind noch Gold gegen die realitätsverleugnenden Piraten, die jetzt gerade einen angeblichen Parteitag hinlegten, bei dem sie nach Helmut Kohlschem Vorbild die strittigen Themen alle ausklammerten, sich in irrelevanten Interna verstrickten und konsequent die Analyse ihrer Wahlpleiten verweigerten. „Desillusioniert und ausgebrannt“ nennt das selbst die linke taz.

Da ich gerade bei linken Zeitungen bin: Jakob Augsteins „Freitag“ hat die Ergebnisse des ausgehandelten Koalitionsvertrages in den „Wahlomaten“ eingegeben und folgende graphische Darstellung der „deutlichen SPD-Handschrift“ bekommen.


Im Übrigen habe ich das Konvolut inzwischen auch in gedruckter Form ins Haus geliefert bekommen und staune wirklich darüber, daß sich die Sozen auf so ein vages Geschwätz eingelassen haben.

Die eklatanten inhaltlichen Mängel des Vertrages habe ich in der vergangenen Woche immer wieder thematisiert, so daß ich sie nun nicht erneut aufzählen muß.
Ich war nie ein Fan der Vereinbarung.

Hinzu kommt aber, daß ich mich nun auch noch akut über meine Parteiführung ärgere.

So befindet sich beispielsweise auf der Rückseite der 96-seitigen Vorwärts-Sonderausgabe eine Liste von 17 Punkten, die „verbindlich und ohne Finanzierungsvorbehalt oder andere Hintertürchen“ im Koalitionsvertrag stehen.
Offenbar ahnt die Parteiführung schon, daß man dem allgemeinen Gewabere des Textes nicht glauben kann.
Unter diesen Punkten befindet sich auch:

Die Abschaffung des „Optionszwangs“ für in Deutschland geborene und aufgewachsene Kinder.

Verbindlich und ohne Hintertürchen?
Was hier nach „doppelter Staatsbürgerschaft“ klingt, ist in Wahrheit etwas ganz anderes. Wer beispielsweise Zürich geboren wurde, direkt nach seiner Geburt nach Deutschland übersiedelte und nun 20 Jahre hier lebt, kann eben NICHT auch den deutschen Pass bekommen.
Genauso wenig wie ich, obwohl ich „ein in Deutschland geborenes und aufgewachsenes Kind“ bin. Nur leider zu alt. Doppelpass gibt es nur für unter 23-Jährige und nicht für mich.

So ein billiges Getrickse ist wenig hilfreich, wenn man der Parteiführung vertrauen soll.
Das ist MIST, Sigmar Gabriel.

Insbesondere fühle ich mich von der Partei vorgeführt, weil sie mich zu umwerben scheint, um mein Ja-Votum zu bekommen, mir aber gleichzeitig Sand in die Augen streut bezüglich der Ministerposten.
Gerade bei den extrem schwammigen Vorgaben des K.O.alitionsvertrages wäre es natürlich wichtig zu wissen welcher Person ein Ressort anvertraut wird.
Gabriel will seine Parteiuntergebenen aber lieber ahnungslos und dumm lassen.

Wohl zu Recht; denn das was man bisher weiß und noch nicht dementiert wurde, läßt wieder darauf schließen, daß KOMPETENZ kein relevantes Kriterium ist, um einen Ministerposten zu bekommen. Es geht nur um Proporz und Quote.
Bisher wissen wir, daß die Sozen sechs Minister stellen werden, von denen drei Frauen sind. Da Gabriel, Steinmeier und Oppermann gesetzt sind, wissen wir auch, daß derjenige, der vermutlich in ganz Deutschland über die größte Kompetenz in der Gesundheitspolitik verfügt und dazu auch noch unbestechlich ist – nämlich Prof Karl Lauterbach – keinen Kabinettsjob bekommen wird.
Dabei kommt er sogar aus dem richtigen Landesverband (NRW! Kraft muß ja berücksichtigt werden) – aber er hat leider einen Penis und das geht in diesem Fall nicht. Also bekommt das Gesundheitsministerium entweder die Lobby-affine Nichtstuerin von der Leyen oder eine SPD-Frau, die sich nicht auskennt.
Das ist MIST, Sigmar Gabriel.

Der Parteivorsitzende ist sehr nervös wie man an seiner Attacke auf Marietta Slomka ablesen konnte.
Einen heftigen Fehlgriff im Ton verzeihe ich dem gestressten Mann gerne. Viel schlimmer ist aber sein inhaltlicher Ausraster weniger Tage zuvor im TV-Gespräch mit Uli Deppendorf:

Er hat eine scharfe Zunge und ist stets bestens informiert. Am Nicht-Wissen wird es also nicht gelegen haben, dass der SPD-Chef im Brennpunkt vergangene Woche die Vorratsdatenspeicherung mit einem der fürchterlichsten Anschläge in Europa rechtfertigen wollte. Der anlasslosen Datenspeicherung für sechs Monate hatte die SPD gerade im Koalitionsvertrag zugestimmt. Allerdings will man auf europäischer Ebene auf eine Verkürzung der Frist auf drei Monate hinwirken.
[….]  Auf die Frage, warum es denn die anlasslose Speicherung aller Kommunikation brauche, erwiderte Gabriel, das Beispiel Norwegen habe gezeigt, wie wichtig sie sei. Der SPD-Chef spielte damit auf den Anschlag des Rechtsterroristen Andres Breivik in einem Jugendcamp auf der norwegischen Insel Utöya und in Oslo im Sommer 2011 an. Gabriel wörtlich: "Durch die dortige Vorratsdatenspeicherung wusste man sehr schnell, wer in Oslo der Mörder war (...) Das hat sehr geholfen."
Nun ist es aber so, dass in Norwegen die Vorratsdatenspeicherung zwar formell beschlossen wurde, sie ist aber bis heute nicht umgesetzt worden. Die Regierung plant derzeit deren Einführung für das Jahr 2015. Breivik wurde also nicht aufgrund der Vorratsdatenspeicherung so schnell gefasst. [….] Mit der von Gabriel ins Feld geführten Vorratsdatenspeicherung hatte die Festnahme nichts zu tun. [….] Im Netz wird seitdem heftig darüber diskutiert. Besonders pikant: Die schärfste Kritik muss der SPD-Chef in den eigenen Foren lesen. Von Lüge und Instrumentalisierung ist da die Rede, von Verschleierung der Tatsachen und Verdummungsversuchen.
So schreibt Phillipp Weis, Polizeikommissar und saarländischer Landesvorsitzender der SPD-Jugendorganisation Jusos Saar: "Wenn es etwas gibt, dass ich Gabriel echt übel nehme, dann die falsche Instrumentalisierung des Utöya-Anschlags". Und Userin "Fräulein Brünett", ebenfalls SPD- und Juso-Mitglied, schimpft: "Lieber Sigmar, Utöya zu instrumentalisieren ist selbst für deine Verhältnisse ziemlich perfide."
Bei den Sozialdemokraten von sozis-gegen-vds.de fällt die Schmäh gegen Gabriel nicht weniger hart aus. "Hier werden ermordete Kinder instrumentalisiert, um schlechte Politik besser aussehen zu lassen", twittern die Macher.
Auch Journalisten reagieren empört auf diese Falschaussage. BR-Moderator Richard Gutjahr twittert nach der Brennpunkt-Sendung: "Was ist infam? Tote Kinder zu instrumentalisieren, um seine Politik zu rechtfertigen". Der ZDF-Journalist Mario Sixtus schreibt: "Meine Achtung vor Sigmar Gabriel unterschreitet langsam die Nullinie". Und einer seiner Follower ergänzt: "einfach unsäglich unwählbar".
[….] Hatte der stets gut informierte SPD-Chef im Brennpunkt nicht die Umstände des Anschlags von Utöya parat? Wohl kaum. Viel wahrscheinlicher ist, dass er derzeit mit buchstäblich allen Mitteln für einen positiven Ausgang des Mitgliederentscheids kämpft. Auf Kosten der Wahrheit.

Das ist MIST, Sigmar Gabriel.

Schließlich erfahre ich auch noch, daß die Lobbyisten den Vertrag als Sternstunde ihres Einflusses feiern. Nicht, daß die Wünsche der Milliardenschweren Lobbygruppen teilweise wörtlich im K.O.alitionsvertrag stehen, wundert mich.
Aber daß die Herren jetzt noch nicht mal mehr den Hintereingang nehmen müssen, sondern ganz offiziell als ihre „Berater“ von veritablen SPD-Ministerpräsidenten mit in die Koalitionsverhandlungen gebracht wurden, ist schon mehr als erbärmlich. Zu den entscheidenden Sitzungen der Arbeitsgruppe „Energie“ brachte der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke den „wohl bissigsten Lobbyisten für die Braunkohle“ (Spiegel), Ulrich Freese, mit und stellte ihn als „meinen Berater“ vor.
Freese diktierte „die konventionellen Kraftwerke (Braunkohle, Steinkohle, Gas) als Teil des nationalen Energiemixes sind unverzichtbar“ in den Koalitionsvertrag und so wurde es verabschiedet. Ein SPD-Ministerpräsident als ökofeindlicher Erfüllungsgenosse der Vattenfall-Klimakiller. Greenpeace ist entsetzt.
Bestandschutz für die konventionellen CO2-Schleudern – so lautet offenbar das Ziel der Sozis in der Energiewende.

„Kaum einer ist besser verdrahtet in der fossilen Energieszene als der Bundestagsabgeordnete aus der Lausitz“, heißt es in einem aktuellen Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ über Freeses Rolle als Woidkes Adlatus. Und über die Koalitionsverhandlungen heißt es darin: „Spätestens in der Sitzung der Arbeitsgruppe Energie wurde den SPD-Teilnehmern klar, was Freese wollte. Woidke zückte einen Zettel mit einem vorgedruckten Satz.“ Der gehöre unbedingt in die Koalitionsvereinbarung. Konkret geht es um diese Formulierung: „Die konventionellen Kraftwerke (Braunkohle, Steinkohle, Gas) als Teil des nationalen Energiemixes sind auf absehbare Zeit unverzichtbar.“ Laut Spiegel soll auf Freeses Betreiben hin dieser entscheidende Satz in den Koalitionsvertrag gekommen sein.

Ähnlich erfolgreich brachten RWE, die BahnAG und die Sparkassen ihre Wünsche im K.O.alitionsvertrag unter.

Das ist MIST, Sigmar Gabriel.

Es gibt aber auch Positives zu berichten.
Ausgerechnet der SPIEGEL, der in letzter Zeit einzuschlafen drohte und immer mehr hinterherhinkte, bringt unter seinem umstrittenen neuen Chefredakteur Wolfgang Büchner eine hintergründige und wohl formulierte Entstehungsgeschichte zu dem Koalitionsvertrag. Darin heißt es unter anderem:

Sollte sich die SPD-Basis nicht noch querstellen, wird Deutschland demnächst von einer Regierung geführt, deren programmatische Grundlage die aktuellen Meinungsumfragen sind. Es ist eine Koalition, die sich nichts anderes traut. Ein Bündnis der Hasenherzen. [….] Merkels Antworten machen die Sache nicht besser. In Erfurt sind ihre stärksten Argumente auch die, die Seehofer und Gabriel leiten: die Umfragewerte. „Sie werden sich erinnern, wie populär die Große Koalition im Wahlkampf war“, sagt sie, oder zum Mindestlohn: „78 Prozent der Unionswähler finden den super.“ Es ist ein schwieriges Verständnis von Führungskraft und Richtlinienkompetenz. Hätte Gerhard Schröder immer so gedacht, hätte es die Agenda-Reformen nie gegeben. [….] Politik gehorcht da nicht mehr den Gesetzen der Logik, sondern den Regeln der Tauschwirtschaft. Die SPD gab ihren Widerstand gegen das Betreuungsgeld auf, dafür erhielt sie zwei Milliarden Euro für den Kita-Ausbau. Dass sich beide Maßnahmen widersprechen, interessiert auf dem Basar niemanden mehr. Die Union gewährt der SPD den Mindestlohn, dafür schlucken die Sozialdemokraten die Pkw-Maut. Die Union will eine höhere Rente für Mütter, im Gegenzug wird die Rente mit 67 aufgeweicht. [….] Hasenfüßigkeit war die leitende Kraft dieser Regierungsbildung, und Hasenfüßigkeit ist auch der Ghostwriter dieses Vertrags. Er wurde verfasst von Parteien, deren Wähler immer älter werden. Deshalb schließen sie Verträge zu Lasten jener, die in der Minderheit sind. Es ist die Übersetzung von demografischen Tabellen in politische Schecks.
(DER SPIEGEL 49/2013)

Außerdem gab der neue stellvertretende Chefredakteur Nikolaus Blome seinen Einstand als Kommentator.
Der Mann war direkt von der entsprechenden Position bei der BILD abgeworben worden und hatte eine Aufstand der SPIEGEL-Ressortleiter verursacht. Niemand wollte sich von einem BILD-Mann etwas sagen lassen und Augstein-Erbin Franziska schloß die Übernahme von BILD-Journalisten zum SPIEGEL gar grundsätzlich aus, weil die Kulturen nicht zusammenpassten.

Vielleicht ist Blome auch ein Hasenfuß und traut sich nicht vor seinen neuen liberaleren Mitarbeitern den gewohnten BILD-Ton anzuschlagen.
Vielleicht ist aber auch vernünftiger als gedacht:

Die Große Koalition will eine „für die kleinen Leute“ sein. Sagte Sigmar Gabriel, und neben ihm nickte Angela Merkel. Eine zufällige Floskel? Noch ein Zückerle für die zögernden SPD-Genossen? Nein, es war ein Moment der Wahrheit: Angela Merkel und Sigmar Gabriel haben das Bild sehen lassen, das sie sich von den Menschen in Deutschland gemacht haben. Das ihre Politik prägen soll. Wie entlarvend. Die „kleinen Leute“, das ist ein anmaßendes Wort, alt und prall von Paternalismus. Wer Bürger kleine Leute nennt, der macht sie klein. [….]   Schlimmer noch: Die Milliarden in der Rentenkasse hätten dem Arbeiter und der Supermarkt-Kassiererin gehört, aber ihre Beiträge werden nicht gesenkt. Sie bezahlen die neue Fürsorge zum großen Teil selbst. Heißt: Den kleinen Leuten wäre wohl besser gedient, wenn nicht so viel Politik gemacht würde, die für die kleinen Leute gut sein soll. [….] Das hätte nicht so kommen müssen, denn zu Beginn von Angela Merkels dritter Amtszeit gäbe es genug große Fragen: Ob Deutschland in Europa ungeliebte Führungsmacht sein will oder besser nicht. Warum 125 Milliarden Euro an „familienbezogenen“ Leistungen jedes Jahr ausgegeben werden, obwohl sie nicht zu mehr Geburten führen. Warum es in Deutschland nach 40 Jahren progressiver Bildungs- und Gesellschaftspolitik weiterhin ganz überwiegend am Geldbeutel der Eltern hängt, wie weit es ein Kind bringt. Wie es zusammen - passt, dass der Staat zuerst für Milliarden Kitas baut, um Frauen eine Erwerbstätigkeit zu erleichtern – und sie dann mit Steuersystem und der kalten Progression ausnimmt wie die Weihnachtsgans. Wer im Koalitionsvertrag nach solchen Fragen oder gar nach Antworten sucht, der findet: nichts.
(Nikolaus Blome, 02.12.13)

Meine Partei hat mir heute mitgeteilt, wie man beim Mitgliederentscheid mitmacht und alle erforderlichen Unterlagen geschickt.
Eine „Hilfsperson“ werde ich wohl nicht brauchen, sondern vermutlich eigenständig dazu in der Lage sein, meine Stimmkarte nach Berlin zurück zu schicken.


Aber ich kann mir gerade wirklich nicht vorstellen, wie mein Kreuz auf dem Ja-Kästchen landen soll.

Montag, 2. Dezember 2013

Politik, Regieren,..


Natürlich, die Generation Helmut Schmidt ist schwer davon genervt wie viel nichtpolitische Aktivitäten ein heute aktiver Politiker zu tun hat.

Das eigentliche Politgeschäft hat sich von den Basics – also Parlamentsdebatte, Parteitage, Reden, Konferieren, - zum Chichi drum herum verschoben.

„TV-Elefantenrunden“, wie es sie in den 1970ern gab, als die Parteiobermacker in ein dunkles Studio gesperrt wurden und ein paar Stunden bekamen, um gnadenlos die Konzepte der anderen zu zerpflücken, gibt es nicht mehr.
Die Aufmerksamkeitsspanne der Homo Electus 2013 ist durch die Privat-TV-Evolution auf ein bloßes Rudiment zurück geschrumpft.
Die Studios sind nun poppig-bunt, rasante Kamerafahrten, Zooms auf die Größe von maximal drei oder vier Nasenporen, es gibt von Animateuren in Stimmung gebrachten Studiournenpöbel. Statt einem Moderator, gönnt man sich ob ihrer politische Leichtgewichtigkeit auch mal vier Stück einmal – assistiert von diversen Außenreportern und weiteren Sub-Moderatoren, die sich für den Fall, daß eine Politdiskussion versehentlich spannend werden könnte, sofort selbstlos dazwischenwerfen, um Lieschen Müller im Publikum mit ihrer irrelevanten Meinung den Gesprächsfaden durchschneiden zu lassen.
60 Sekunden Redezeit am Stück müssen genügen und wenn ein Thema länger als sieben Minuten nicht gewechselt wird, fängt die Moderatorin an so nervös auf ihrem Stuhl umher zu rutschen, daß man denken könnte, sie hätte gerade zehn Liter Blasentee getrunken.
Sie will dann so dringend die Fachpolitiker verlassen und zur Betroffenheitscouch wechseln, daß ich vermute, es muß eine geheime Kloschüssel unter ihrem dortigen Sitz installiert sein.
Es muß ja auch was passieren, da nach zehn Minuten die maximale Aufmerksamkeitsspanne des Publikum-Plebses aufgebraucht ist. Der Turkey kommt unweigerlich, wenn man nicht schnell seinen extra sinnlosen Einspielfilm oder zumindest ein paar Zitate in bunten Lettern mit penetranten Jingles serviert bekommt.

Und dann erst die ganzen sogenannten „Neuen Medien“.
Jeden Abend sitzt SPD-Parteichef Gabriel zu Hause und twittert und postet und facebookt was das Zeug hält. Zig Seiten werden allein jeden Tag durch den SPD-Mitmachbrief elektronisch weiterverbreitet, um den Vertrag zur GroKo attraktiv wie Lottogewinn, ewige Gesundheit und Weltfrieden zusammen zu machen.
Der saturierte Urnenpöbel muß gelockt werden; er bringt kein eigenes Interesse mit.
Politik ist eben auch ein undankbares Geschäft geworden. Vom Kanzler bin hinunter zum einfachen Parteimitglied muß man Prügel einstecke – für jede Laus, die einem der 82 Millionen Bürger über die Leber gelaufen sein könnte!
In Hamburg gibt es die unselige Tradition einiger Linker die Häuser von SPD-Politikern entweder anzustecken, oder zumindest mit Farbbeuteln zu bewerfen.
Da ich nur 50 m entfernt vom ehemaligen Hamburger SPD-Innensenator Wrocklage lebe, habe ich genau mitbekommen, wie sein  - im Übrigen winziges und bescheidenes Häuschen – eines Tages in Brand gesetzt wurde.
Liebe Linke – Ihr seid SCHEISSE. Das ist ein NoGo und schadet darüber hinaus auch noch Eurer Sache.
Gestern erwischte es das Wohnhaus, in dem unauffällig der Hamburger Bürgermeister Scholz wohnt – drei Zimmer zur Miete.

Erst vor wenigen Tagen flogen Farbbeutel gegen die Häuser von drei SPD-Mitgliedern, nun traf es Bürgermeister Olaf Scholz. Sein Haus in Altona wurde am Sonntagabend mit Farbe attackiert.
[…]  Insgesamt neun Personalien stellt die Polizei fest. Ob auch der oder die Täter der Farb-Attacke darunter sind, konnte die Polizei am Abend noch nicht sagen. […]
Es ist nicht die erste Attacke auf Scholz im Zuge der Flüchtlings-Debatte. […]

Was die Täter außer Anstand und Intelligenz auch vermissen lassen, ist politischer Durchblick. Denn Scholz wird zwar „König von Hamburg“ genannt, aber er ist keineswegs autark. Er ist an Bundesgesetze gebunden und hat sich der Merkel-Truppe unterzuordnen.

Daß der Innensenator wenigstens einmal wissen wollte, wie viele Flüchtlinge sich eigentlich in Hamburg aufhalten, brachte die radikalen Unterstützer schon so in Rage, daß es zu massiven Gewaltausbrüchen kam.
Es wird nicht verstanden, daß die Regierung einer Stadt wie Hamburg in Wahrheit weniger regiert als verwaltet.
Die Spielräume sind gering. Ebenso wie in der Bundespolitik unterliegt man solchen Sparzwängen, das man mit dem möglichst effektiven Umsetzen der dringendst anstehende Probleme schon das Maximale rausholt.

Verwalten ist übrigens nicht so einfach. Das kann nicht jeder.
Unter Ole von Beust wurde Hamburg beispielsweise grottenschlecht verwaltet.
Nichts funktionierte mehr, die Infrastruktur verwahrloste, der Wohnungsbau wurde komplett eingestellt, Großprojekte wurden durch fehlende Planung und Aufsicht zum Desaster.

Nun ist Scholz am Ruder und – OH WUNDER: Plötzlich werden überall Straßen saniert, Radwege ausgebaut und den Wohnungsmangel geht man nicht nur mit kosmetischen Methoden (Maklerbestellungsprinzip, Mietpreisbremse,..) an den Kragen, sondern investiert als Stadt wieder ganz massiv in den sozialen Wohnungsbau.
So muß das sein!
OK; mit der Performance der Bundes-SPD bin ich bekanntlich weniger zufrieden, aber unser Scholz hier vor Ort weiß was er tut und das ist erheblich besser als alles andere, das Gelb, Schwarz, Schillbraun und Grün seit 2001 zustande bekommen hatten.

Steigerung des Wohnungsneubaus um 135%
Der Wohnungsbau in Hamburg hat nachhaltig an Fahrt aufgenommen. Dies bestätigen Zahlen des Statistikamtes Nord, die Dirk Kienscherf, Stadtentwicklungsexperte der SPD-Fraktion, anhand einer Kleinen Anfrage erfahren konnte.
Während sich Ende des letzten Regierungsjahrs des schwarz-grünen Vorgängersenats im Jahre 2010 nur 2.243 Wohnungen in Bau befanden, hat sich die Zahl nunmehr mehr als verdoppelt.
Nach den jetzt vorliegenden Zahlen waren Ende 2012 5.287 Wohnungen in Bau, eine Steigerung von 135 Prozent (+3.044 WE). Die Zahlen zeigen in beeindruckender Weise, wie stark die Wohnungsbautätigkeit in Hamburg real zugenommen hat. Damit ist die von der SPD angestrebte Zahl von 6.000 neuen Wohnungen im Jahr in greifbare Nähe gerückt. Und das dieser Trend anhalten wird zeigen die für 2012 ermittelten Baugenehmigungszahlen von rund 8.700 Wohneinheiten. In den letzten beiden Jahren wurden unter dem SPD-Senat dabei insgesamt Fördermittel für den Bau von 4.000 Sozialwohnungen bereitgestellt, die auch von der Wohnungswirtschaft abgerufen wurden. Insgesamt sind damit über 200 Mio. EUR Fördermittel bereitgestellt worden. Ergänzt wird dieses durch die neue Flächenpolitik des SPD-Senats: 43 Prozent der auf ehemals städtischen Flächen errichteten Wohnungen sind Sozialwohnungen.
Hamburg wird zur Wohnungsbauhauptstadt Hamburg
Dass diese positive Entwicklung anhält, belegen auch die aktuellen Neubauzahlen bis zum Oktober: In den ersten 10 Monaten dieses Jahres wurde bereits der Bau von 7.912 Neubauwohnungen genehmigt, SAGA GWG wird zudem in diesem Monat den Grundstein für die 1.000 SAGA GWG-Neubauwohnung alleine in diesem Jahr legen. Hamburg ist auch damit zur Hauptstadt des sozialen Wohnungsbaus in Deutschland geworden.
„Jetzt kommt es darauf an, diese Entwicklung zu verstetigen. In den nächsten 10 Jahren müssen in Hamburg mindestens 60.000 Wohnungen neu gebaut werden. Dazu ist eine enorme Kraftanstrengung und die Bereitschaft zu mehr Wohnungsbau von allen notwendig: Dem Senat, den Bezirken, der Wohnungswirtschat und den den Bürgerinnen und Bürgern. Nur so kann es zu einer Entlastung auf dem derzeitigen Wohnungsmarkt kommen.“

Sozis tun ihre Arbeit.