Donnerstag, 23. Mai 2013

Bekommen, was man verdient – Teil II



 Da ich gerade dabei war, möchte ich zu meiner gestrigen Suada, daß man keine Apple-Produkte oder VWs kaufen sollte noch etwas ergänzen.
Ja, daß man als Verbraucher eine Marktmacht ausübt, bemerkt man natürlich am ehesten, wenn man eine große Summe Geld ausgibt.
Wer nicht das Glück hat zum reichsten Viertel der Bevölkerung zu gehören, gibt vier- oder gar fünfstellige Beträge nicht sehr oft aus.
Dazu fallen mir auf Anhieb nur Computer und Autos ein.
In diesen Fällen überlege ich sehr gründlich, wem ich solche Summen überlasse.
Aber noch mehr Geld gibt man für die Alltäglichkeiten, wie Lebensmittel aus.
Auch dort hat man die Möglichkeit politische Statements abzugeben.
Statements, die durchaus mächtig sein können.
Anton Schlecker kann davon ein Lied singen.
Die Drogerieartikel, die jeder braucht – Seife, Waschmittel, Shampoo, Zahnbürste – bekommt man in vielen Geschäften. DM, Budnikowsky, Rossmann oder Schlecker – all die großen Ketten bieten ein reichhaltiges Grundsortiment an.
Daß Schlecker einging, lag tatsächlich an einem Kundenboykott.
In den letzten fünf Jahren haben angeblich bis zu vier Millionen Menschen weniger pro Jahr eine Schleckerfiliale betreten und sind stattdessen zur Konkurrenz gegangen.
Es war offenbar nicht so sehr ein viel besseres Angebot der anderen Anbieter, sondern eine aktive Flucht. 
Das Schlecker-Image war ins Bodenlose abgerutscht. Mit der Zeit wußte die Majorität der Kunden, daß die Angestellten dort miserabel bezahlt, ausgespäht und drangsaliert werden. Solche Methoden wollte man nicht länger unterstützen.

In Hamburg tobt gerade ein Tarifstreit bei den Lebensmitteleinzelhändlern.
Die Gewerkschaft ist richtig sauer, weil so viele Verkäuferinnen und Kassiererinnen mit Tricks untertariflich bezahlt werden.
Im Focus des Streits steht die Edeka-Kette.
Nun kaufe ich jede Woche mehrmals bei Edeka ein und darf dennoch zufrieden in den Spiegel gucken, denn die Edeka-Filialen, die ich besuche bilden ausdrücklich rumhreiche Ausnahmen.
Die meisten der rund 80 selbstständigen Edeka-Filialen in Hamburg bezahlen nach Angaben der Gewerkschaft Ver.di ihren Mitarbeitern weniger als den Tariflohn. Nur die Kette Niemerszein bilde eine Ausnahme, sagte Ver.di-Fachbereichsleiter Arno Peukes. "Eine langjährig tätige Verkäuferin bei Niemerszein verdient einen tariflichen Stundenlohn von rund 12,60 Euro, eine vergleichbare Beschäftigte in einem nicht tarifgebundenen Markt erhält lediglich 6,60 Euro", kritisierte Peukes. Edeka verwies darauf, dass allein die selbstständigen Partner für die Arbeitsbedingungen zuständig seien.
Ich kenne einige Niemerszein-Angestellte mittlerweile ganz gut und habe sie auch genau danach befragt.
Nach meinen Recherchen sind sie tatsächlich sehr zufrieden mit ihren Arbeitsbedingungen und das merkt man auch als Kunde!
Ich fing vor 10 oder 12 Jahren an hauptsächlich bei Niemerszein zu kaufen, als eine neue Filiale direkt in meiner Straße aufmachte und ich BEGEISTERT feststellte, daß Niermerszein grundsätzlich auf Musikberieselung verzichtet! 
Es gibt ja nichts, das ich noch mehr hasse, als die laute Radiobeschallung beim Einkaufen. Besonders grauenvoll ist es bei „Sky“, wo ein penetrant zu laut gestelltes „Kundenradio“ einen auch noch mit unterirdisch schlechten Werbesprüchen zudröhnt.
In meinem Auto lag aus diesem Grunde immer eine Packung „Maxx Earplugs“, weil ich solche Läden sonst nicht betreten kann.
Aber seit ich Niemerszein entdeckte bin ich das Problem los und kaufe nun gezielt dort ein, weil ich außerdem weiß, daß die Geschäftsleitung eine soziale Ader hat und ihre Mitarbeiter sehr gut behandelt.
Das Konzept „höhere Löhne“ und „keine akustische Kundenverarschung“ kommt offenbar an. Mittlerweile hat Dieter Niermerszein acht Filialen in ganz Hamburg, die nach meinem Eindruck sehr gut laufen. Dort ist es nie leer.
Gerade heute war ich auf dem Rückweg nach Hause noch schnell um 21.00 Uhr bei Niemerszein und dort klickerten noch all Kassen und es war voller Kunden.

Budnikowsky, die Drogeriekette, die auch hauptsächlich in Hamburg beheimatet ist, ist ein ähnliches Beispiel. Die rund 150 Filialen werden ebenfalls von einer Familie betrieben, die bekannt dafür ist soziale Standards groß zu schreiben. 
Die Wöhlkes haben ihr 100 Jahre altes Unternehmen so organisiert, daß jede einzelne Filiale eine Patenschaft für ein soziales Projekt übernommen hat, für das die Angestellten über ihre Arbeitszeit hinaus privat engagiert sind – sofern sie möchten. 
Als Kunde merkt man die Zufriedenheit der Belegschaft. Die Einkaufsatmosphäre ist viel besser als bei den anderen großen Ketten.

Ich bin sicher, daß es in jeder Stadt möglich ist solche Unternehmen zu finden, die die Artikel des täglichen Bedarfs anbieten und ihre Angestellten gut behandeln, mit ihnen zusammenarbeiten.

Es betrifft zwar nicht ganz den „täglichen Bedarf“, aber auch die Juwelierkette „Wempe“ ist so ein sozial geprägtes Familienunternehmen, welches seine Mitarbeiter übertariflich bezahlt, wo es einen persönlich haftenden Eigentümer gibt, der nicht an der Börse zockt und der deutlich überdurchschnittlichen Kundenservice bietet.
Wer sich mal eine schöne Uhr oder einen Trauring kaufen möchte, sollte zu Wempe gehen und nicht zum Schmuck-Multi „Christ“, der nur ein Teil der Douglas-Konzerns ist, welcher wiederum mit feindlichen Übernahmen zockt und die Mitarbeiter der Buchkette „Thalia“ (ebenfalls zum Douglas-Konzern gehörend) drangsaliert.

Ein schlechtes Beispiel ist auch die Café-Kette „Starbucks.“

Miese Masche: Starbucks zahlt keine Steuern.[…] Der US-Konzern macht in Europa Millionen mit den gerösteten Bohnen. In Deutschlands Steuerkasse landet davon aber nichts. Durch legale Tricksereien scheffelt die Kaffeekette am Fiskus vorbei.

[…] Mehr als zehn Jahre ist es her, dass hierzulande die ersten Filialen öffneten, inzwischen gibt es deutschlandweit rund 161 Stück – allein in der Hansestadt sind es 16.

[…] Trotz der hohen Umsätze, allein 2012 waren es in Deutschland 125 Millionen Euro, hat die Kaffee-Kette hierzulande noch keinen Cent Steuern auf Gewinne abgeführt – kurioser Weise gab es keine Gewinne. […] Grund für das Phänomen „Hoher-Umsatz-Null-Gewinn“ ist eine legale Trickserei, der sich auch andere US-Konzerne wie Apple bedienen: Gewinne werden über Staatsgrenzen hin und hergeschoben bis quasi keine Steuern mehr anfallen. So sitzt die Europa-Zentrale von Starbucks in den Niederlanden, Deutsche Filialen zahlen hohe Lizenzgebühren an die Niederländische „Mutter“.

[…] Laut „Handelsblatt“ erwirtschaftete der Kaffee-Riese übrigens allein im ersten Quartal 2012 einen Gesamtumsatz von 3,36 Milliarden Dollar.

Dazu kann ich nur sagen: Leute, kauft woanders Euren Kaffee!
Ich kaufe übrigens seit vielen Jahren nur bei Speicherstadtkaffee.
Das ist ein privater Röster, der  wie der der Name sagt im Hafen beheimatet ist, dort vor den Kunden röstet, ein großes Café betreibt und die allerbesten Café-Sorten, die ich kenne anbietet.
Wer dort einmal den „Australia Fancy“ oder den „Äthiopien Yirgacheffe“ von Speicherstadt-Kaffee probiert hat, wird sicher nicht mehr zu Tschibo zurückgehen können.

Solche Familienbetriebe gibt es überall und man sollte sie GEZIELT unterstützen.

Mittwoch, 22. Mai 2013

Bekommen, was man verdient.


Ach das Genörgel nervt mich!
Die deutschen Wähler sind genau solche Janus-köpfigen Jammerlappen wie die Journaille.
Pausenlos wird gestöhnt über „die da oben“, die das Geld sinnlos rausprassten und sich ständig neue Steuern ausdächten, um das Volk zu schröpfen.
Es gehe ungerecht zu; die Großen lebten in Saus und Braus und die Kleinen müssten dafür bezahlen.
Sogar mein Hamburger Finanzsenator ist auf 180 und verkündet er bekäme einen Tobsuchtsanfall.
Sorge bereitet dem Finanzsenator weiterhin der Rückgang bei den Erbschaftssteuern. Wegen einer Gesetzeslücke sind Hamburgs Einnahmen zuletzt um rund 50 Prozent eingebrochen. dabei geht es um die Regelungen bei der Vererbung von Betriebsvermögen. Danach kann privates Barvermögen in sogenannte Cash-GmbHs eingezahlt, im Zuge der Schenkung auf die nächste Generation übertragen und so dem Fiskus entzogen werden. Tschentscher hofft jedoch, dass das Gesetz noch im Sommer reformiert wird. "Man könnte einen Tobsuchtsanfall bekommen, dass die Cash-GmbH nach wie vor besteht, weil es der Gesetzgeber bisher nicht geschafft hat, diese Steueroase Mitten in Deutschland zu schließen", sagte Tschentscher.
Ein anderes Thema, das mehr und mehr Leute umtreibt und verstärkt auch in den Medien reflektiert wird, ist der Mietwucher.
Als Hamburger kann ich mich mittlerweile rühmen in dem Bundesland mit den höchsten Durchschnittsmieten zu leben.
Als ich nach dem Abi die erste eigene Wohnung bezog, sagte mir noch jeder, er gebe nur drei Kriterien für eine Wohnung: Location, location and location.
Diese Regeln kann man inzwischen vergessen, weil die guten Gegenden unbezahlbar geworden sind. Nun gibt es nur noch Preis, Preis, Preis.
Das ist mal ein großer Mist für die Masse der Menschen (und ein großes Glück für die Immobilien-Haie und Vermieter).
Nur sind das alles Entwicklungen, die alles andere als überraschend über uns herein brechen. Worüber sich Finanzsenator Tschentscher und der Mieterbund ärgern, ist immer auch ein Grund zur Freude bei den wenigen richtig Reichen. 
Reiche, deren Interessen von der Bundesregierung bedient werden. Von einer Bundesregierung, die aber Millionen Angestellte als Leiharbeiter, Aufstocker und Billigjobber zum Wohle der Konzerne in ihren prekären Verhältnissen beläßt.
Hinter diesen klassischen „linken Themen“ steckt ein politischer Wille und das ist der Wille von Schwarz/Gelb.
 Der Wille einer Kanzlerin, die sich in Rekordzustimmungswerten von 70% sonnt und deren Partei weit, weit vor allen anderen in der Wählergunst liegt.

Der Deutsche Mieterbund (DMB) geht angesichts der zunehmenden Wohnungsnot in deutschen Städten mit der Bundesregierung hart ins Gericht. „Die teuren Mieten sind nicht vom Himmel gefallen“, sagte DMB-Präsident Franz-Georg Rips am Mittwoch in München und warf der schwarz-gelben Koalition „Desinteresse und Passivität“ vor. Eine Empfehlung für die Bundestagswahl im Herbst wolle er nicht abgeben, aber „SPD, Grüne und Linke haben viele unserer Schwerpunkte in ihr Wahlprogramm aufgenommen. Wir hoffen, dass die CDU das ebenfalls tun wird.“ […] Die Gesamtzahl der Haushalte stieg zwischen 2002 und 2010 von 38,7 auf 40,3 Millionen. Nach Prognosen der Bundesregierung werden es im Jahr 2025 schon 41,1 Millionen sein.

[…] Die städtischen Mieten steigen laut Mieterbund unaufhaltsam - bei Neuvermietungen lägen sie zum Teil bis zu 40 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete. Der Mieterbund fordert eine Obergrenze für die Erhöhung bei Neuvermietungen von zehn Prozent des bisherigen Mietpreises. Bei bestehenden Mietverhältnissen soll die Miete nach dem Willen des DMB um höchstens 15 Prozent in vier Jahren steigen können.
Tja, lieber Urnenpöbel.
Man KANN ja auch was anderes außer CDU und FDP wählen.
Aber so lange alle so begeistert von Frau Merkel sind, ist es absurd sich über Steuerungerechtigkeiten und Mietpreisexplosionen zu ärgern.
WIR Wähler ermöglichen diese Zustände.

Ein anderes Beispiel; VW.
 Fast 22 Milliarden, also 22.000 Millionen Euro Gewinn hat der Autokonzern letztes Jahr erwirtschaftet.
Für Volkswagen war 2012 ein echtes Rekordjahr. Europas größter Autobauer hat so viele Fahrzeuge verkauft wie noch nie. Konzernchef Martin Winterkorns Gehalt würde ein neue Rekordmarke erreichen, wenn VW es nicht nachträglich gestutzt hätte, aus Angst vor ebenfalls nie dagewesener Empörung. Und jetzt meldet das Wolfsburger Unternehmen einen Rekordgewinn für das vergangene Jahr. Trotz Euro-Krise und Milliarden-Investitionen steht unterm Strich ein Plus von 21,9 Milliarden Euro - eine Steigerung von 38,5 Prozent. Damit stellt VW seinen eigenen Rekordgewinn vom vergangenen Jahr ein, damals verdiente der Konzern 15,8 Millionen Euro.
Während aber die sprichwörtliche Krankenschwester und der Nachtwächter ihre Steuern automatisch abgezogen bekommen, drücken sich die Multimilliardär-Familien Piech und Porsche, also die Haupteigentümer von VW, um Steuerzahlungen.
Deutsche Konzerne wie BASF, Bayer und Volkswagen nutzen Belgien in großem Stil als Steuerschlupfloch. Das geht aus Zahlen der belgischen Nationalbank hervor, die dem SPIEGEL vorliegen.

    Die belgische Konzerntochter Volkswagen Group Services kassierte demnach im vergangenen Jahr einen steuerfreien Gewinn von 153 Millionen Euro, im Vorjahr waren 141 Millionen Euro steuerfrei.
Steuerfrei.
Man kann nicht nur etwas anderes als CDU und FDP wählen, man muß auch nicht VW fahren.

Wieso allein vier Millionen der stark überteuerten VW Golfs auf deutschen Straßen umherkurven, wird mir ewig ein Rätsel sein.

Der Wähler ist nicht nur derjenige, der am Wahltag sein Kreuzchen macht, sondern er ist auch Verbraucher,
Als solcher sollte man klug handeln und von Produkten wie VW und Apple die Finger lassen.

Dienstag, 21. Mai 2013

Sauber, Herr Saubermann.



Die Sache mit der Fallhöhe ist immer das Problem.
Hat man ohnehin ein etwas angeschmutzeltes Image, fällt das „Skandaaal“-Gejohle auch deutlich leiser aus.
Daß es Roland Koch oder Franz-Josef Strauß mit der Wahrheit nicht so genau nahmen, war jedem bekannt. Also konnte man ihnen auch schwerlich einen Strick draus drehen, wenn sie – wieder einmal – beim Lügen erwischt wurden.
Wenn Roland Koch mit latent rassistischen Tönen Wahlkampf machte, war das ungefähr so überraschend wie Lothar Matthäus beim Fremdgehen oder Martin Semmelrogge beim Fahren ohne Führerschein.
Harald Juhnke volltrunken oder Nina Hagen ausgeflippt Stuss redend – das sind Auffälligkeiten, die ihnen nicht schaden, weil es ohnehin ins Bild passt(e).
Deswegen wurden auch FJS und Koch immer wieder gewählt.

Schlecht ist es hingegen, wenn man als Moralapostel bei amoralischen Aktionen ertappt wird.
Wenn ausgerechnet die Wissenschaftsministerin bei ihrer Doktorarbeit abgeschrieben hat, ist die Fallhöhe enorm.
Wenn ausgerechnet katholische Priester, die bei jeder Gelegenheit gegen Sex und Schwule wettern zu Hunderten und Tausenden als notgeile Messdiener-Befummler enttarnt sind, ist der gemeine Gläubige not amused.

Allerdings kann man auf einen gewissen Gewöhnungseffekt hoffen. 
Heute kann kein Comedien der ganzen Welt auf Kinderficker-Anspielungen verzichten, wenn er die katholische Kirche erwähnt. Hagen Rether mußte sogar schon beschwichtigen, indem er versicherte, daß wirklich NICHT ALLE Priester pädophile Holocaustleugner wären.
Und siehe da; inzwischen gehören ephebophile Übergriffe in der Sakristei zum festen Konnotationsschema der RKK.
Sie wächst dennoch weiter.
So gerne man auch in Deutschland „Rübe ab!“ ruft, wenn das Thema „Kinderschänder“ in der Yellow Press breitgetreten wird, so intensiv verdrängen dieselben Menschen ihre Ansichten, wenn es um die zölibatären alten Männer im Kleid geht. 24 Millionen Deutsche sind nach wie vor Mitglied der größten transnationalen Ephebophilen-Schutz-Organisation der Welt und akzeptieren offensichtlich, daß die Bischofskonferenz bis heute eifrig die Aufklärung der Missbrauchsfälle verhindert.

Eine besondere Fallhöhe hat auch der Bayerische Ministerpräsident Seehofer aufgebaut, der 2008 in Bayern nicht zur Wahl stand und kurz zuvor auf dem CSU-Parteitag abgestraft worden war.

Dann aber wurde er völlig überraschend in beide Ämter (Bayerischer MP und CSU-Vorsitzender) katapultiert und nutzte die Gunst der Stunde sich als Saubermann von außen zu positionieren. Seine Stellung war extrem stark, weil die Partei auf IHN zugegangen war und er als letzte Rettung galt.
Er führte die neue CSU ein und zögerte nie auch nur eine Sekunde verdiente Parteifreunde über die Klinge springen zu lassen, wenn es ihm helfen konnte.
Crazy Horst ist eine Borderlinerpersönlichkeit mit echten psychopathischen Zügen. Das konnte man schon vor drei Jahren deutlich sehen.

Seehofers psychischer Zustand ist mindestens genauso bedenklich, läutet Ulrich mit Hinweis auf ein SPIEGEL-Portrait ein.
Der CSU-Chef erschiene als „wankelmütiger Willkürherrscher, als einer, der gern mit Menschen spielt, unberechenbar und verantwortungslos. […] Zigfach ist belegt, dass Horst Seehofer mit seinen häufig wechselnden Positionen die Politik der Bundesregierung, ja sogar die seiner eigenen CSU-Landesgruppe, immer wieder chaotisiert."
(Zeit 20.08.2010)
Das Psychogramm des Oberbayern erinnert in der Tat weniger an einen deutschen Politiker, als an eine neroeske Persönlichkeit aus der Feder eines Stephen King.
In Berlin regiert demnach ein Mensch als einer der großen Drei mit, dessen innere Antriebskräfte zutiefst von Bosheit und Destruktivität bestimmt sind.
Einem Psychopathen, der sich längst komplett von der Sachpolitik verabschiedet hat und seine einzige Befriedigung nur noch in Sadismus und Manipulation findet.

Wie eine finstere Gestalt aus einem Psychokrimi hat er sich seine Politwelt im heimischen Keller als Miniaturwelt nachgebaut und dirigiert dort kleine Voodoo-Modelle seiner Politik-Kollegen, als ob er Gott wäre.
Es gibt den Nachbau des Bahnhofs von Bonn, der Stadt, in der Seehofers Karriere begann. Nach dem Jahr 2004, als er wegen des Streits um die Gesundheitspolitik sein wichtigstes Amt verlor, baute er einen "Schattenbahnhof", so nennt er ihn, ein Gleis, das hinab ins Dunkel führt.
Seit neuestem hat auch Angela Merkel einen Platz in Seehofers Keller. Er hat lange überlegt, wohin er die Kanzlerin stellen soll. Vor ein paar Monaten dann schnitt er ihr Porträtfoto aus und kopierte es klein, dann klebte er es auf eine Plastikfigur und setzte sie in eine Diesellok. Seither dreht auch die Kanzlerin auf Seehofers Eisenbahn ihre Runden.
(Spiegel 16.08.10)
Seehofer Wahn trug schon vor Jahren gar seltsame Blüten.
Während eines Karriereknicks im Jahr 2004 ging er mit einem selbstgeschriebenen Kabarettstück auf ein paar kleine Bühnen.
Er selbst spielte Walter Mixa (!!!), der die Beichte eines imaginären Seehofers anhört.
Sein alter ego Beichtvater Mixa fragt darin den Sünder Seehofer unter anderem, ob er unkeusche Gedanken habe, wenn er an Angela Merkel denke. Der antwortet: "Vater, ich habe schon vieles angestellt, aber Wunder kann ich nicht vollbringen."

Noch lieber als die CDU-Kollegen macht er allerdings seine eigenen CSU-Untertanen nieder.

Übel erging es beispielsweise seiner einstigen Politfreundin Christina Haderthauer, die wie er aus Ingolstadt kommt und die er einst als „größtes Talent der CSU“ lobte.
Dann entschied sie sich, Generalsekretärin unter Erwin Huber zu werden, Seehofers Erzfeind. Plötzlich fiel Seehofer nur Schlechtes zu Haderthauer ein. Die Christine könne das nicht, sagte er, wenn Journalisten um ihn herumstanden. Als Seehofer die Macht in der CSU übernahm, dachte Haderthauer, ihre letzte Stunde habe geschlagen. Die Ministerien wurden verteilt, und am Ende klingelte doch noch Haderthauers Handy. Seehofer bot ihr das Sozialministerium an, aber er fand kaum freundliche Worte. "Du warst schon unter der Erde, jetzt habe ich dich noch mal aus dem Sarg geholt", sagte er. Er lachte dabei, es war das Lachen eines Mannes, der weiß, dass er nun Karrieren mit einem Anruf beflügeln oder beenden kann.
(Spiegel 16.08.10)
Das Nachtreten und Rächen ist die Sache des Süd-Zampanos der Bundesregierung.
Das Interessante ist, wie Seehofer mit den Feinden von gestern umgeht. Er versucht nicht, sich mit ihnen zu versöhnen. Es wäre einfach, denn er hat jetzt die Macht, und sie liegen am Wegesrand. Aber Seehofer blickt auf sie wie ein siegreicher Feldherr, er nennt sie "mein Lazarett" und kichert. Man muss unwillkürlich an einen Saal mit Versehrten denken, die blutige Binden um den Kopf tragen.
(Spiegel 16.08.10)

Seehofer macht viel Show, aber sein Bundesland ist nach wie vor der Saustall, der es unter CSU-Ägide immer war.
Seehofer weist Schuld zu, donnert gegen die Presse, aber er kann sich langsam nicht mehr als moralischer Außenstehender inszenieren.
Denn die Zustände, die ihn nun öffentlichkeitswirksam so sehr überrascht haben, daß er seinen Ministern drakonische Maßnahmen verordnet, kennt er in Wahrheit schon lange.
Seehofer ist nach wie vor nur ein Lügner.

Das engste Umfeld von Bayerns Ministerpräsident Seehofer war über die zweifelhafte Job-Praxis früh informiert: Nach SZ-Informationen wusste die Regierungszentrale mindestens seit Sommer 2009 davon, dass CSU-Landtagsabgeordnete Familienangehörige beschäftigten. Das wirft kein gutes Licht auf Seehofer.
[…] Die Frage, seit wann Seehofer von den Familienjobs weiß, ist von großer politischer Bedeutung. In den vergangenen Tagen hat Seehofer wiederholt versichert, er selbst habe erst durch die Berichterstattung der vergangenen Wochen davon erfahren. Journalisten der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hatte er sogar vor einer Woche "Bösartigkeit" unterstellt und mit Konsequenzen gedroht, weil sie in einem Bericht die Frage aufgeworfen hatten, wie es sein könne, dass der Regierungschef und CSU-Vorsitzende keinerlei Kenntnis über die in seiner Partei weit verbreitete Praxis hatte, Familienangehörige zu beschäftigen.   Zu diesen Familienförderern gehören auch fünf heutige Kabinettsmitglieder: Helmut Brunner (Landwirtschaftsminister), Ludwig Spaenle (Kultusminister) sowie die Staatssekretäre Franz Pschierer (Finanzen), Gerhard Eck (Innen) und Bernd Sibler (Kultus). Justizministerin Beate Merk hatte ihre Schwester und damit eine Verwandte zweiten Grades für sich arbeiten lassen und aus ihrem Abgeordnetenetat bezahlt.  Dass immerhin der Chef der Staatskanzlei informiert war, wirft kein gutes Licht auf Seehofer, der sich in diesen Tagen als konsequenter Aufklärer in der Affäre zu profilieren versucht. Nun besteht mindestens Erklärungsbedarf, warum derartige Informationen, die in der Staatskanzlei auflaufen, offenbar nicht an den Regierungschef weitergegeben wurden. Der Chef der Staatskanzlei gehört zu Seehofers wichtigsten Mitarbeitern. […] Schneider war im Übrigen in besonderer Weise für das Thema Verwandtenjobs sensibilisiert. Er hatte selbst als Abgeordneter bis Ende 2005 seine Ehefrau bei sich beschäftigt.
(Mike Szymanski, SZ, 21.05.13)

Montag, 20. Mai 2013

Neues von TVE



Der schönste und bescheidenste Bischof Deutschlands ist natürlich mein Lieblingsbischof; der hier schon viel zitierte Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst.


Er liebt Prunk und Protz, er hat keine Skrupel zu lügen oder gar falsche Eidesstattliche Erklärungen abzugeben und ist zudem auch noch stramm konservativ.


Das Bistum Limburg, welches unter seinem äußerst beliebten Vorgänger Franz Kamphaus als liberal galt, brachte er wieder auf strammen Vatikankurs.
Der notorisch unprätentiöse Kamphaus, der so gar keine persönlichen Bedürfnisse hatte, sein Geld spendete, in einer kleinen Zelle des Priesterseminars wohnte, während er seinen Bischofssitz einer tamilischen Flüchtlingsfamilie überließ, ist in Vergessenheit geraten.
 Heute steht das kleine Limburg, welches Teile der Bundesländer Hessen und Rheinland-Pfalz beinhaltet mit seinen 650.000 Katholiken und gut 300 Pfarreien für das diametrale Gegenteil: Uralte kirchliche Titel, teuren Tand, Luxusverliebtheit und Karrieredenken.
Es ist kein Geheimnis, daß Franz-Peter Tebartz-van Elst auf den Job Meisners guckt. 
Limburg gehört zur Kirchenprovinz Köln und das dortige Bistum gilt nach Mailand und Rom als das reichste und bedeutendste in ganz Europa.
Der Kölner Kardinal herrscht nicht nur direkt über 2,1 Millionen Katholiken und gut 700 Pfarreien, sondern de facto auch über gleich fünf Suffraganbistümer, nämlich Aachen, Essen, Limburg, Münster und Trier, denen Kardinal Meisner als Metropolit vorsteht.
Die anderen deutschen Erzbistümer haben maximal drei Suffraganbistümer.
So ein Erzbistum ist eine feine Sache für Karrierekleriker, denn damit ist Mann schon halb Kardinal.
 Die Erzbischöfe von Köln, Berlin und München werden eigentlich immer zu Kardinälen erhoben. Als Kardinal steht man aber schon mit einem Bein im Vatikan.
Ein machtbewusster Bischof wie Tebartz van Elst will sich also möglichst schnell aus kleinen Provinzbistümern hocharbeiten.
Dazu nützt es gar nichts, wenn man wie Thissen oder Kamphaus bei den Gläubigen beliebt ist.
Im Gegenteil.
 Die deutschen und österreichischen Gläubigen gelten in Rom als notorische Querulanten. Nach Vatikanischem Zeitgefühl fand schließlich in Deutschland eben erst die Reformation statt. Es war ein deutschsprachiger Mönch, der so frech dem Papst den Gehorsam verweigerte.
Germanisch-austrisch-helvetische Untertanten müssen nach römischer Auffassung mit der Knute behandelt werden.
Der gebürtige Schlesier Joachim Meisner wurde 1975 Weihbischof des Bischöflichen Amtes Erfurt-Meiningen in der damaligen DDR, stieg 1980 zum Erzbischof des protestantischen Berlin auf, wo er sich durch seine ultrakonservativen Ansichten extrem unbeliebt machte.
Das wird im Vatikan wohlwollend als Steherqualität registriert und so folgte 1989 der Karrieresprung nach Köln. Meisner war dort so willkommen wie Fußpilz, aber in der absoluten Papstdiktatur Katholizismus sind die Ansichten der Gläubigen irrelevant.
 Es zählt nur Rom.
Auch Tebartz van Elst wird von den Limburgern für seine Selbstverliebtheit und Gnadenlosigkeit inzwischen regelrecht gehasst.
 Er macht also alles richtig, um nach Köln berufen zu werden. Zumal der 79-Jährige Meisner inzwischen bei jeder Gelegenheit laut nach Rom brüllt, amtsmüde zu sein und doch bitte möglichst schnell in den Ruhestand gehen zu können.

TVEs Karriere steht also eigentlich nichts im Weg.
Es STAND ihr jedenfalls nichts im Wege – bis zu Ratzinger Rücktritt.
Denn mit dem Expapst hatte der Limburger Bischof nicht nur seine stramm konservativen Überzeugungen, sondern auch seine Vorliebe für Gold, Edelsteine, Prunk, Hermelin und prächtige Roben gemeinsam.
Ratzi dürfte TVE sicher als Kardinalbili angesehen haben.
 Wie schon zuvor Rainer Maria Woelki, teilt nämlich auch TVE neben der reaktionären Grundeinstellung seine ausgesprochen abstoßende Physionomie mit Joseph Ratzinger. Das verbindet.
Nun aber regiert ein neuer Papst.
Natürlich ist Franzi auch stramm konservativ. Wie alle wahlberechtigten Kardinäle wurde auch Bergoglio von Ratzinger oder Woytila kreiert und die beiden haben nie einen Liberalen erhoben. (Selbst Lehmann, der als Vorsitzender der Bischofskonferenz hartnäckig zwei Dekaden bei den Kardinalserhebungen ignoriert wurde, ist nicht wirklich liberal.)

Papst Franz allerdings legt großen Wert auf sein bescheidenes Image.
Vermutlich ist das nur inszeniert, aber in dem Fall dürfte er erst Recht keine als prunksüchtig bekannten Bischöfe befördern. 
Will also TVE bald Erzbischof werden, muß er darauf hoffen, daß es schnell geht.
 Er müßte nach Köln gerufen werden, bevor sich Franz richtig eingearbeitet hat und stattdessen noch der ultrakonservative Ratzifreund Kurienerzbischof Müller die Fäden zieht.
Sollte aber TVE noch länger in Limburg festsitzen – und dafür spricht das Gerücht, daß Ratzis Kumpel Kurienerzbischof Gänswein sich einen prunkvollen Job in Deutschland wünscht – sollte er sich weniger durch Luxusgier, als durch reaktionäre Ansichten im Vatikan beliebt machen.
Und genau das versucht auch mein hessisch-pfälzer Lieblingsbischof.
 Massiv versucht er Aufmerksamkeit zu erringen, indem er mit schrillen Tönen zu aktuellen Themen wie Herdprämie oder Homoehe Stellung bezieht.
Zu Pfingsten versuchte er nichts weniger, als der Wissenschaft wie einst im Mittelalter, Grenzen zu ziehen. Ganz so, als ob ihn das irgendetwas anginge.
Der Bischof warnte davor, den Schöpfer-Geist Gottes zu vergessen. Der Mensch werde dann zum Macher. «Wo der werdende Mensch geklont wird, macht man ihn zum Produkt. Wo Embryonen gemacht und verworfen werden, wenn man sie nicht mehr braucht, erstickt der Atem des Schöpfer-Geistes», erklärte Tebartz-van Elst.

Der Geist Gottes sehe in jedem Menschen, ob gesund oder krank, ob behindert oder nicht behindert, ob stark oder schwach, jene unverwechselbaren Gaben, die alle unverzichtbar zum Leben gehörten.
Die Unterstellungen Wissenschaftler, die Mittel und Wege gegen Krankheiten suchten, kämpften auch gegen Kranke, ist kaum an Perfidie zu überbieten.
In bösartiger Weise versucht TVE hier wieder einmal Wissenschaftlern und Atheisten Euthanasie zu unterstellen, indem er so tut, als ob irgendjemand Behinderten oder Kranken das Lebensrecht abspräche oder ihren „Wert“ in irgendeiner Weise geringschätze.
Das ist aber eine Lüge.
1. Jeder Mensch hat ab der Geburt ein Lebensrecht, aber keine Lebenspflicht. (Manchmal ist das Leben leider mit solchen Qualen verbunden, dass es unethisch wäre, es unbedingt aufrechterhalten zu müssen.) 2. Kranke und Behinderte sollten mit allen Mitteln gefördert werden – Krankheit und Behinderung jedoch nicht! Ich halte diese Differenzierung nicht für „behindertenfeindlich“, sondern, ganz im Gegenteil, für „behindertenfreundlich“. Dies sage ich nicht nur als philosophischer Theoretiker, sondern auch ganz bewusst vor dem Hintergrund meiner eigenen praktischen Erfahrungen: Vor einigen Jahren arbeitete ich sehr intensiv mit einem „Förderverein für Familien mit chronisch kranken und schwerstbehinderten Kindern“ zusammen. Daher weiß ich, wie groß die Belastung dieser Familien ist. Die Gesellschaft lässt sie allzu häufig im Stich – ein Status quo, der auf keinen Fall hingenommen werden darf, worauf Peter Singer völlig zu Recht hingewiesen hat. (Auch wenn es exotisch klingen mag: Die Behindertenverbände wären m.E. gut beraten, Singer nicht als „Gegner“ wahrzunehmen, sondern vielmehr als „potentiellen Verbündeten“ im Kampf für menschenwürdigere Lebensverhältnisse.)
Der Prunkbischof beschwört den Wert jedes einzelnen Lebens, welches nur MIT Gott und GEGEN die Wissenschaft erhalten würde.

Wo der Schöpfer-Geist verdrängt werde, da werde das Leben einseitig und der Tod in Kauf genommen. Wo Gott aber im Blick bleibe, da wisse menschliche Forschung um ihre Grenzen.
Dabei vergisst TVE, daß täglich 30.000 GEBORENE Kinder unter den Augen seines Gottes elendig verhungern.
Es ist Gott.
Nach Berechnungen von Gregory Paul (THEODICY’S PROBLEM: A STATISTICAL LOOK AT THE HOLOCAUST OF THE CHILDREN, AND THE IMPLICATIONS OF NATURAL EVIL FOR THE FREE WILL AND BEST OF ALL WORLDS HYPOTHESES*) führen rund 75 % der Zeugungen nicht zu einer Einnistung im Uterus und von den wenigen, die es doch schaffen, erreichen wiederum viele niemals das Erwachsenenalter.
Früher Kindstod, Hunger, Fehlgeburten und andere Krankheiten, die der liebe Gott geschaffen hat, rotten einen großen Teil der Zellhäufchen, die den Klerikern so wichtig sind, aus.
Letztendlich werden weniger als 20% der befruchteten Eizellen zu Kindern.
Der Grund ist eine fatale Fehlkonstruktion der menschlichen Anatomie. Meiner Meinung nach eine Folge der Evolution, aber die Hardcore-Christen glauben bekanntlich nicht an Evolution.
The female body was not well-designed for childbirth, either, since the ratio of fetal skull size to female hip size doesn’t make for great odds for the mother. Every year, more than half a million women die in pregnancy or childbirth. Natural evolution, not religion, explains the tough compromises forced on the human body, and why few embryos make it to infancy and so many mothers die in the process.
(centerforinquiry.net)
Nur die moderne Medizin in säkularen Staaten kann etwas mehr Kindern das Überleben retten.
In religiösen Ländern, die sich auf Gott verlassen, überleben die wenigstens Föten:
And worship and prayer does nothing to help these terrible odds against life. Only in modern industrialized countries using secular scientific medicine do we see infant mortality rates dramatically reduced. However, it remains generally true that countries with higher rates of religious faith have higher rates of infant mortality. Is that part of God’s plan too?
(
centerforinquiry.net)
TVE ist mit seiner gestrigen Pfingstpredigt also völlig auf dem Holzweg. 
Bezüglich der Wahrheit. Und damit vermutlich auf bestem Wege in das Herz der Kurie.
Es gäbe verschiedene Gaben, verschiedene Dienste und verschiedene Kräfte, aber nur den einen Schöpfer, den der Mensch nicht aus dem Blick verlieren dürfe.

"Wo der Schöpfer-Geist verdrängt wird, da wird das Leben einseitig und der Tod in Kauf genommen. Wo der Schöpfer-Geist nicht mehr zu Wort kommen darf, da wird die Welt monoton und das menschlich Machbare zum Absoluten", erklärte Bischof Tebartz-van Elst. Wo Gott aber im Blick bleibe, da wisse menschliche Forschung um ihre Grenzen und um die Größe, im Dienst des Schöpfer-Geistes zu stehen. Weil Gott keinem alles und keinem nichts gab und weil jeder seinen unverwechselbaren Teil zum Ganzen einbringe, habe Gottes Schöpfung Vielfalt, die der Mensch letztlich nicht erklären, sondern nur bestaunen könne. "Auf Gott zu setzen, bedeutet, neu zu werden und beweglich zu bleiben. Die Charismen zu sehen, bedeutet, Vielfalt zu sehen und Einheit zu wahren", so der Bischof. Aus diesem Staunen und aus Ehrfurcht vor dem Schöpfer-Geist komme dann das Hören auf seine Stimme, eine Wachsamkeit für die Zeichen der Zeit und eine Offenheit für sein Wirken.

[…]  "Wo wir dem Schöpfer-Geist seinen Raum lassen, gewinnt die Kirche eine Vielfalt in Einheit, eine Weite ohne Beliebigkeit und eine Entschiedenheit ohne Enge", so der Bischof. Wo aber der Mensch meine, das ihm Mögliche machen zu müssen, werde schnell der eigene Teil zum Ganzen erklärt und Ideen zu Ideologien.
(BistumLimburg 19.05.13)