Samstag, 9. Februar 2013

Deutsch



Wenn zukünftige Politologie-Studenten einst ein Diktionär „Merkel-Deutsch, Deutsch-Merkel“ erstellen, wissen wir schon, was sich unter dem Stichwort „vollstes Vertrauen“ als Definition findet:
„Au Backe! Das Ende ist nah! Bald bin ich gefeuert.“
Franz Josef Jung, KT vuz Guttenberg, Christian Wulff und Annette Schavan durften das bereits am eigenen Leib erfahren!
Kanzlerin Merkel hat ihrer Bildungsministerin in der Plagiatsaffäre ihr "volles Vertrauen" ausgesprochen. Das hat noch keiner politisch überlebt. Mal sehen, wie lange Annette Schavan noch durchhält.

[…] Minister Franz Josef Jung war der Erste, den das "volle Vertrauen" der Kanzlerin getroffen hat. […] Etwas mehr Zeit bekam Karl-Theodor zu Guttenberg. Wegen der offensichtlichen Plagiate in seiner Dissertation kaum noch zu halten, brachte Merkel ihn am 17. Februar 2011 mit ihrem "vollen Vertrauen" zur Strecke. Er wand sich zwölf Tage. […] Am längsten kämpfte Bundespräsident Christian Wulff. Vorbei war es ja schon, als Merkel ihm am 19. Dezember ihr "volles Vertrauen" aussprach. Wulff aber zeigte sich erstaunlich zäh. Erst am 17. Februar 2012 gab er auf - 60 Tage nach "v. V.", ein einsamer Rekord.

[…] Als Röttgen vergangenes Jahr in Nordrhein-Westfalen die Wahl infolge seiner maßlosen Selbstüberschätzung verlor, da sprach die Kanzlerin am nächsten Tag nur von der nötigen "Kontinuität im Amt" des Bundesumweltministers. Das war natürlich ein Scherz. Gemeint war, der Norbert habe ihr "vollstes Vertrauen". Lustig fand Röttgen das nicht und wollte auch nicht freiwillig gehen. Zwei Tage später schmiss Merkel ihn einfach raus.

Annette Schavan hat am Mittwoch das "volle Vertrauen" der Kanzlerin abbekommen. Höchststrafe.
Großes Glück hat Annette Schavan, die heute dann doch zurückgetreten wurde, allerdings mit der deutschen Journaille, die ihre politische Passivität unkritisch als „Seriosität“ bewerten.
Man erkennt allgemein den großen Wert Schavans in ihrer Nähe zu Merkel. Oft ist es so, daß Schavan das ausspricht, was Merkel denkt. Sie hat das Zeug und die Zeit dazu, da sie die Arbeitsweise der Chefin plagiiert.
Tue nichts, lege dich nie fest, presche niemals voran und sie zu, daß dir dein Posten sicher ist!
Die Bundesforschungsministerin, die Theologie studierte, jeden Tag das Stundengebet durchführt, theologische Bücher schreibt*, im ZK der Katholiken sitzt (1994 bis 2005 Vizepräsidentin), dem ZDF-Fernsehrat angehört und nebenbei auch noch eine Honorarprofessur für Katholische Theologie an der Freien Universität Berlin innehat, ließ in ihrer Zeit als Ministerin - ab 19. Juli 1995 Kultusministerin in Baden Württemberg, also 17 ½ Jahre ununterbrochen Mitglied der Landes- bzw Bundesregierung – die Bildungspolitik seltsam unberührt.
*(Gott ist Licht, Aachen 1986, Impulse für eine zukunftsfähige Kirche, Kevelaer 1994, Der du die Zeit in Händen hältst. Reden über eine Zukunft mit Gott, München 2000, Der Geist weht, wo er will., Ostfildern 2002, Leben aus Gottes Kraft. Denkanstösse, Ostfildern 2004, Gott ist größer, als wir glauben. Visionen für Kirche und Welt, Leipzig 2010)
Dieses Stundengebet beschäftigt einen natürlich den ganzen Tag - logisch, daß man da kaum Zeit für andere Aktivitäten hat.
Wer das Stundengebet betet, vollzieht öffentliche Liturgie und tut dies in Stellvertretung für die ganze Kirche. Kraft ihres Standes zum Stundengebet verpflichtet sind Bischöfe, Priester, Diakone und die meisten der Ordensleute. Als eingeladene Beter sollen sich aber auch die getauften und gefirmten Laien in der Welt kraft ihres "allgemeinen Priestertums" am Stundengebet beteiligen (vgl. Sacrosanctum Concilium, 100). Das hat auch historische Gründe und Vorbilder: Zur Zeit der frühen Kirche war die Stundenliturgie eine Gemeindeliturgie. Daraus ergibt sich, dass jeder diese Liturgie feiern und eine solche Feier in der Öffentlichkeit leiten kann. So sollen die gläubigen Laien und alle Menschen guten Willens wissen, dass sie stets hineingenommen sind ins Gebet der ganzen Kirche. Da das Stundengebet auch in den protestantischen (insbesondere in den evangelischen Orden) kirchlichen Gemeinschaften verwurzelt ist, kann es ein Weg wahren ökumenischen Betens sein.

Das römische Stundengebet umfasst nach der Reform durch Papst Paul VI. die folgenden Teile:

    Invitatorium,
    Lesehore,
    Laudes,
    Terz,
    Sext,
    Non,
    Vesper und
    Komplet.

Durch das Stundengebet wird der Tag in etwa in einen 3-Stunden-Rhythmus strukturiert. Außerdem kann man eine Vigil vor einem Hochfest oder den Sonntagen beten. Terz, Sext und Non stellen die sogenannten "Kleinen Horen" dar, von denen für Priester nur eine verpflichtend ist. Diakone sind in Deutschland nur zu Laudes und Vesper verpflichtet.
(Kathpedia)
17 ½ Jahre Bildungspolitik à la Schavan blieben natürlich nicht folgenlos:
Die Universitäten sind finanziell ausgeblutet, die Schulen marode, Deutschland gilt als Land der PISA-Krüppel und leistet sich die mit Abstand höchsten Schulabbrecherzahlen aller Industriestaaten. 80.000 Jugendliche verlassen die verrottenden Schulen jedes Jahr ohne Abschluß. Das Land der Dichter und Denker verfügt inzwischen über zehn Millionen funktionelle Analphabeten, die einfach achselzuckend so hingenommen werden, weil die Bildungsministerin nicht eingreift.
Nirgendwo in Europa studiert so ein kleiner Prozentsatz der Jugendlichen und kein EU-Staat gibt weniger Geld für Bildung aus.
Der Facharbeitermangel ist typisch für die deutsche Wirtschaft geworden. Es fehlen nämlich nicht nur jedes Jahr bundesweit 40.000 bis 50.000 Lehrer, sondern nach wie vor Hunderttausende Ingenieure, IT-Techniker und Elektroniker.
Die Unternehmen müssen über 50% der Auszubildenden auf eigene Kosten nachschulen, weil sie als de facto nicht ausbildungsfähig von den Schulen kommen.
Um Englisch, Rechtschreibung und Mathematik können Realschüler und Hauptschüler einen großen Bogen machen und kommen ohne die geringsten Grundkenntnisse in Ausbildungsbetriebe.
Aus Notwehr importieren viele Handwerker ihre Azubis aus dem Ausland. Facharbeiter und Akademiker gibt es in Polen und Indien - wenn man sie noch bezahlen kann.
Nach fast zwei Dekaden Schavan’scher Indolenz sind wir eine Nation von 1€-Jobbern, Leiharbeitern und Aufstockern geworden.
Billige Arbeiter gibt es, Qualifizierte nicht.
Das passiert, wenn man eine entschlußlose uninspirierte verträumte Katholikin ins Amt beruft, die sich um ihren Job nicht kümmert und stattdessen religiöse Bücher am Fließband produziert.
Die Bildungskatastrophe Deutschland hat einen Namen:
Annette Schavan.

Oder wie es Angie Merkel ausdrückt:
„Sehr schweren Herzens nur habe ich den Rücktritt angenommen, weil mit Annette Schavan eine der anerkanntesten und profiliertesten Bildungs- und Forschungspolitikerinnen unseres Landes, im Grunde die anerkannteste und profilierteste Bildungspolitikerin unseres Landes, die Bundesregierung verlassen wird. Sieben Jahre Bundesbildungsministerin, zuvor zehn Jahres Landeskultusministerin, insgesamt also 17 Jahre im Dienste für den Bildungs- und Wissenschaftsstandort Deutschland. Das sucht seinesgleichen. Und man kann sagen, Annette Schavan lebt Bildungs-, Forschungs- und Wissenschaftspolitik.

Ihre Leistung als Ministerin in diesen wichtigen Ressorts ist außerordentlich. Bildung und Forschung in Deutschland, die Einrichtungen von Lehre und Wissenschaft verdanken ihr viel.“
Auch diese Beschreibung wird einst in „Merkel-deutsch, deutsch-Merkel“-Diktionär stehen.

Dramatisch ist das Abfärben der Merkel’schen Schönrederei auf die Journaille.
Man fasst es nicht, wie wohlwollend Kommentatoren von links bis rechts über die fromme Frau berichten.
Annette Schavan ist so, wie sich die meisten Menschen einen Politiker wünschen: seriös, unaufgeregt, uneitel. […] Sie hat ihr Haus ruhig und unaufgeregt geführt, man kann sie mit gutem Recht als seriös bezeichnen. Sie ist so, wie sich die meisten Bürger - zumindest in der Theorie - ihre Politiker wünschen. Sie macht kein Tamtam, sie hält sich von jeder Form von aufregenden Schlagzeilen fern, sie meidet Attacken gegen ihre Gegner und kontert selbst die härtesten Angriffe mit stoischer Ruhe. Dafür verdient sie Respekt.

Mit dem Rücktritt von Annette Schavan erleidet Bundeskanzlerin Angela Merkel einen doppelten Verlust. […] Schavan [hatte sich] ein erhebliches Ansehen in der deutschen Forschungs- und Bildungslandschaft erarbeitet. […]

Merkel und Schavan einte auch ein eher unprätentiöser und leiser Politikstil und eine Vorliebe für Forschungsthemen, was Schavan stetig steigende Etats sicherte.
Immerhin, der nicht namentlich gekennzeichnete Artikel der SZ weist auch auf die größten Bruchlandungen Schavans hin:
Mehrere andere Projekte, wie etwa das von ihr unter FDP-Druck auf den Weg gebrachte "Deutschland-Stipendium" für besonders leistungsstarke Studenten, kommen dagegen aus den Anlaufproblemen nicht hinaus. Die überfällige Bafög-Erhöhung zur Breitenförderung schiebt Schavan dagegen schon im zweiten Jahr vor sich her.

Kritiker vermissen eine Struktur in ihrer Bildungspolitik. Bevor Schavan 2005 den Ministerposten in Berlin übernahm, war sie zehn Jahre Kultusministerin in Baden-Württemberg - und obendrein Bildungssprecherin der unionsgeführten Bundesländer. In dieser Zeit stand sie für eine besonders konservative Bildungspolitik. Lange hielt Schavan an der Hauptschule fest, stemmte sich vehement gegen mehr Gymnasiasten, Abiturienten und Studenten.

Die vom Bund 2003 den Ländern angebotenen Milliarden zum Aufbau von Ganztagsschulen verspottete sie als "Suppenküchenprogramm". Das Bafög wollte die CDU-Politikerin komplett umwandeln in einen Mix aus Leistungsstipendien und Krediten - inklusive Studiengebühren. Mit dem neuen Amt in Berlin folgten auch schnell neue Einsichten.

Das mit der Föderalismusreform 2006 ins Grundgesetz eingefügte Kooperationsverbot von Bund und Ländern in der Bildung - an dem Schavan als Landesministerin maßgeblich mitgewerkelt hatte - engte nun ihren Spielraum stark ein. Schavan scheiterte mit ihrem Vorstoß, das Verbot mit einer Verfassungsänderung "light" wieder aufzulockern.
Einen journalistischen Tiefpunkt setzte hingegen wieder einmal das neukatholische Wochenblatt „ZEIT“, welches im ZEIT-Magazin Nr 6/13 vom 31.01.13 zu einer Lobhudelei auf Schavan ansetzte.
Ein volles Jahr begleitete Christoph Amend die katholischste aller Ministerinnen und setzte ihr ein siebenseitiges (!) Denkmal, in dem sich nicht ein einziger kritischer Satz über die Wissenschaftsministerin findet. Amend ist restlos begeistert von der frommen Ministerin.
[…] Die Politikerin Annette Schavan, 57, Bundesministerin für Bildung und Forschung, hat ihren Körper und ihren Geist immer im Griff, keine unnötige Bewegung, kein unbedachtes Wort, nie redet sie zu schnell, nie reagiert sie impulsiv, gerade jetzt nicht, in diesen schwierigen Zeiten, der größten Krise ihres Lebens, die seit neun Monaten anhält. Seit dem Mai vergangenen Jahres wird ihr vorgeworfen, bei ihrer Doktorarbeit plagiiert zu haben. Aus der angesehenen Ministerin im Kabinett von Angela Merkel ist eine Politikerin unter Verdacht geworden.

[…] Thea Schavan [Annettes Mutter – T.] – ihr Mann Ferdinand ist 1997 gestorben – ist in Neuss stadtbekannt, noch immer besucht sie sonntags die katholische Kirche, die Nachbarn grüßen sie. In den vergangenen Jahrzehnten ist sie oft auf die Karriere ihrer erfolgreichen Tochter angesprochen worden: nach dem Studium Referentin im bischöflichen Cusanuswerk in Bonn, dann Abteilungsleiterin im Generalvikariat in Aachen, 1987 Bundesgeschäftsführerin der Frauen-Union, später die Rückkehr zum Cusanuswerk, diesmal als Leiterin. Von 1995 bis 2005 Kultusministerin in Baden-Württemberg, seitdem Bundesministerin in Berlin.
Die Mutter hat Grund, stolz auf die Tochter zu sein. […] Die skandalfreie Musterpolitikerin Annette Schavan […] Annette Schavan beeindruckt ihre Umgebung mit ihrem Verstand, auch den jungen Hermann Gröhe, der sie als »intellektuell und doch nie arrogant« beschreibt. […]  Neben der CDU spielt die katholische Kirche früh eine große Rolle in ihrem Leben. »Ich glaube«, sagt einer aus der heutigen CDU-Spitze, »dass sich in der CDU niemand so gut in der katholischen Kirche auskennt wie Annette Schavan.« […] Die Politikerin Rita Süßmuth, in den achtziger Jahren Bundesministerin, hat Annette Schavan 1987 als Geschäftsführerin zur Frauen-Union geholt. Süßmuth war dort ihre Chefin. Sie sieht viele Ähnlichkeiten zwischen Merkel und Schavan: »Beide beobachten intensiv und handeln erst anschließend, beide machen nicht von morgens bis abends Öffentlichkeitsarbeit.« Und dann fügt sie etwas hinzu, einen Schlüsselsatz, um zu verstehen, was Annette Schavan antreibt. »Annette Schavan«, sagt Rita Süßmuth, »hat einen besonderen Blick für Ausgegrenzte. Und Frauen waren ausgegrenzt, auch in der CDU, wir haben das beide erlebt.« […] In den vergangenen Wochen hat sie einen Aufsatz geschrieben, der bald in der theologischen Zeitschrift Diakonia erscheinen wird. Die Überschrift: Eine andere Lebensmöglichkeit. Ausgehend von der Bibelstelle, die von der Begegnung zwischen Jesus und einem reichen Mann erzählt, denkt die Autorin Annette Schavan darüber nach, »woran wir uns im Leben gebunden fühlen, als Christen und als Kirche«. Es sei ihr wichtig, sagt sie, dass das Gespräch zwischen Jesus und dem reichen Mann nicht beim Geld stehen bleibe, sondern sich vor allem um die Fragen drehe: Was bewegt dein Herz, wovon lässt du dich provozieren? »Es geht darum, sich nicht an Vordergründiges zu binden, sich unabhängig zu machen von der Akzeptanz und Ablehnung anderer.« Sie hat den Text an diesem Mittwoch noch einmal Korrektur gelesen, das hat ihr geholfen. […] Wie soll man die Politikerin Annette Schavan in Erinnerung behalten, was wünscht sie sich? »Als eine Politikerin, die ihre Verantwortung wahrgenommen hat und der man vertrauen kann.« […] Bei unserem letzten Gespräch vergangene Woche sah sie, während sie redete, oft in Richtung Himmel. Sie hat in ihrem Büro ein Kreuz so dezent angebracht, dass Besucher es nicht bemerken, sie es aber jederzeit sehen kann, wenn sie will. Und manchmal ist ihr in den vergangenen Monaten ein Psalm durch den Kopf gegangen: »Als es mir eng war, hast du es weit gemacht.« Annette Schavan hofft, dass es nicht noch enger wird.
(ZEIT-Magazin 31.01.13)
Amend spricht auch schon merkelisch.
Die nächste Bildungsministerin, Frau Wanka, sollte sich um die Journalistenausbildung kümmern.

Bei SPON gibt es allerdings noch einen Journalisten, der deutsch schreiben kann:
An Annette Schavan wird man sich bald nur noch wegen ihres Plagiats erinnern. Daran ist die Politikerin selbst schuld. So wie sie ihr Amt ausfüllte, kann man es auch abschaffen. […] Ihr dürftiges politisches Erbe als Bundespolitikerin: […]

Beide Programme - Bologna und Exzellenzinitiative - waren Erbstücke ihrer umtriebigen Amtsvorgängerin Edelgard Bulmahn (SPD). Schavan hat die Projekte gelobt und begrüßt, nur gestaltet hat sie nicht. Sie beschränkte sich aufs Verwalten. Wie hätte sie auch gestalten sollen?

Tatsächlich gibt es seit Schavans Amtsantritt keinen machtloseren Posten in der Regierung als den des Bundesministers für Bildung und Forschung. […]

Die Föderalismusreform 2006 verbot dem Bund, Bildung zu finanzieren und Schavan stimmte damals dieser Entmachtung zu. Das Ende des "überflüssigen" (Schavan) Hochschulrahmengesetzes (HRG) führte die Ministerin 2008 sogar selbst herbei. […]  Hundertausende Abiturienten bewerben sich […]  jährlich an zehn oder mehr Hochschulen, Tausende Plätze bleiben dabei frei. Was Schavan dagegen tat? Sie sah drei Jahre zu und gab dann eine Software in Auftrag, die bis heute nicht funktioniert.

Als von sich selbst entmachtete Bundesministerin konnte Schavan wenig bewirken - aber umso mehr hätte sie die mahnende Stimme in der bildungspolitischen Kakophonie der Ministerpräsidenten, Landesminister und Hochschulen sein müssen. Sie hätte auch Anwältin der deutschen Studenten sein können, die in den vergangenen knapp zehn Jahre in die Mühlen der Bologna-Reform geraten sind.

Auf Solidarität der Ministerin aber warteten Deutschlands Studenten vergeblich. Als sie sich im großen Bildungsprotest 2009 gegen die anfangs verkorkste Bologna-Reform auflehnten, sagte Schavan den Demonstranten, ihre Proteste seien "gestrig". Die Reform sei nötig und - natürlich - Zuständigkeit der Länder und der Hochschulen. Basta.

[…] Für mehr Einfluss des Bundes in der Hochschulfinanzierung wollte sie außerdem das Kooperationsverbot aus dem Grundgesetz streichen lassen, was bislang jedoch misslang.

[…]  Dass von Schavan als zuständige Bundesministerin für die Merkelsche Bildungsrepublik nicht viel in Erinnerung bleiben wird, liegt an ihrem verhaltenen Politikstil der vergangenen sieben Jahre. Sie hat in ihrer Berliner Zeit einfach wenig gesagt und noch weniger bewegt.
 

Freitag, 8. Februar 2013

Meine besten Helfer.


Der Urnenpöbel läßt sich generell recht leicht einwickeln.
Es braucht nur einen halbwegs sympathischen Typen an der Spitze und schon wählen die urroten Hamburger CDU-Mann Ole von Beust mit absoluter Mehrheit.
So funktionieren auch Sekten – wenn der Obermacker charismatisch ist; es versteht seine Anhänger einzulullen machen sie bereitwillig den größten Schwachsinn mit – angefangen mit der Übertragung aller Vermögenswerte bis hin zum Kollektivselbstmord.
Wenn ich heute die Menschen dazu aufrufe sich alberne orange Pyjama anzuziehen und mir ihr ganzes Geld zu geben, weil ich unbedingt 50 goldene Rolls Royce haben möchte, würde diesem Ansinnen vermutlich niemand folgen.

Andere hatten durchaus Erfolg mit dieser Methode. Baghwan-Osho zum Beispiel.

Der Pöbel rennt nur zu gern irgendwelchen windigen Gestalten hinterher.
 Der arrogante Lügner und größenwahnsinnige Blender KT von und zu Guttenberg errang mit seinen inhaltsleeren Selbstinszenierungen am 27. September 2009 im Bundestagswahlkreis Kulmbach das bundesweit beste Erststimmen-Ergebnis (68,1 Prozent).

Man muß den ganzen Tag dafür dankbar sein, daß die deutschen Nachkriegs-Rechtsradikalen nie eine charismatische Führungsfigur wie in anderen Ländern hervorgebracht haben und sich stattdessen hinter verschiedenen kriminellen Opis mit abstoßender Physionomie sammelten (Schönhuber, Frey, Voigt,..)
Was für ein Glück, daß fiese Unions-Gestalten wie Stoiber, Koch, Kanther, Stoltenberg, Mappus oder Bouffier in Gesamtdeutschland unvermittelbar sind, weil sie durch und durch unsympathisch sind.
Da bleibt uns einiges erspart.
Was für eine alptraumartige Vorstellung, daß die Rechte sich einst hinter einem flotten, fitten, modernen Gewinnertypen versammeln könnte.

Gibt es am Ende doch ein Gott, der verhindert, daß rechtskonservativ-Klerikale zu stark werden, indem er ihnen stets Pappeimer an die Spitzenposition hievt?

Ich bin so dankbar, daß die katholische Kirche von durch und durch unsympathischen lügnerischen Heuchlern wie Ratzinger, Müller und Meisner, von grotesken Typen wie Tebartz-van-Elst und Schlägern wie Mixa repräsentiert wird!
Nicht auszudenken, welchen Einfluss die Kirchen erst ausüben würden, wenn Päpste lustige oder bescheidene Männer wie Gaillot, Kamphaus oder der Dalai Lama wären.

Angesichts ihrer eigenen Kampagnenunfähigkeit sollte die SPD jeden Tag Dankesschreiben an die CDU verschicken.
Kaum scheint Merkels Union im Höhenflug uneinholbar zu sein, bringt sie zuversichtlich solche Typen wie den Suff-Fahrer Busemann hervor, der ausgerechnet als Justizminister meint, er selbst brauche sich nicht um das Gesetz zu kümmern und sollte nun das höchste Amt, welches die (zukünftige ) Opposition vergeben habe, übernehmen.
Niedersachsens Justizminister Bernd Busemann (CDU) fordert seit Jahren schärfere Alkohol-Grenzwerte im Straßenverkehr. Bei Alkoholgenuss sollten Autofahrer ihren Wagen stehenlassen, forderte er nicht nur einmal. Am Dienstag verstieß er gegen seine eigenen Appelle. Busemann wurde angetrunken am Steuer erwischt.
Typinnen, wie Annette Schavan, die ausgerechnet als Wissenschaftsministerin wissenschaftliche Standards mit Füßen tritt und versucht eine Universität in eigener Sache unter Druck zu setzen.

Genial auch die Personalie des Plagiators und Internet-Zensur-Anhängers KTG als „EU-Beauftragter für Internetfreiheit“.
Der Multimillionär (Familienbesitz rund 600 Millionen Euro) bekam bisher rund 20.000 Euro als Spesen ausgezahlt, kann aber beim besten Willen nicht sagen, was er im letzten Jahr als Internetfreiheitsbeauftragter geleistet hat.
Der erste deutsche Minister, den das Internet zu Fall gebracht hat, berät die Europäische Kommission zu Fragen der Internetfreiheit. […]  Das ist auch Jens Geier, Abgeordneter im Europäischen Parlament, aufgefallen. Während einer Haushaltskontrollsitzung am 22. Januar fragt der 52-jährige SPD-Politiker deshalb die Generalsekretärin der EU-Kommission nach Ergebnissen und Kosten von Guttenbergs Job.  Doch die Irin Catherine Day mauert. […]   Guttenbergs Qualifikation als Berater für Internetfreiheit ist nicht nur im Netz umstritten. […] So begründete er auf dem Portal Abgeordnetenwatch.org beispielsweise seine Zustimmung zum Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung damit, dass die anlasslose Speicherung von Telekommunikationsdaten "verhältnismäßig und dem Bürger durchaus zumutbar" sei.  Das Bundesverfassungsgericht kassierte das Gesetz im Jahr 2010 unter Hinweis auf dessen Unverhältnismäßigkeit.
(SZ, Kai Thomas, 08.02.13)
Ein Dank auch an den Ultrakatholen Martin Lohmann, der vermutlich allein schon die Hälfte der 200 Kirchenaustritte in Köln nach dem Klinikskandal verantwortet hat. 
Er zeigt im Interview mit Europas größter Zeitung noch einmal einer 15-Mio-Leserschaft, wieso man dringend aus der Katholischen Kirche austreten muß.
B: Welche Bilanz ziehen Sie aus der letzten Woche?
Lohmann: […] Es macht sich etwas wie eine Kathophobie breit. Katholische Christen mit klarer Überzeugung sollen mundtot und lächerlich gemacht werden. […] Wir sind längst in der perfiden Diktatur des Relativismus und des plumpen Sexismus angekommen. Da stört Freiheit, die mit Verantwortung verbunden ist, einfach. Aber es ist halt eine Diktatur, wenn auch nicht für jeden einsehbar wie frühere und andere Diktaturen.
 (BILD, 07.02.13)

Donnerstag, 7. Februar 2013

Kirchenexitus



Vorbemerkung:

Vorgestern Nacht suchte mich das eine Unglück heim, das jeder kennt und das dennoch so schrecklich ist, daß man sich nicht vorstellen kann wie man diese Hölle überleben soll:
Mein Computer hat endgültig den Geist aufgegeben und mußte eingeschläfert werden.
Ohne geht es ja nun einmal schlecht, also habe ich sofort einen Neuen gekauft und plage mich nun seit 36 Stunden mit Windows8 rum. Ich verstehe immer noch nur Bahnhof. Überall sind diese Kacheln, die offensichtlich „Apps“ symbolisieren. Ohnehin landet man dauernd bei App-Empfehlungen und App-Listen. Ich weiß nicht wozu ich das benötigen sollte.
Vielleicht ist das ja mit irgendeinem geheimen Sinn behaftet, der sich mir bisher nicht erschließt. Vielleicht könnte ich das auch besser verstehen, wenn ich wüßte was überhaupt eine „App“ ist. Jedenfalls sind derzeit noch alle meine Daten futsch. Ich habe keine Emailadressen mehr und meine gespeicherten Dokumente sind unauffindbar. Das handicaped ein wenig beim Bloggen.


Zum Tagesthema:

In Hamburg sind viele Leute gerade absolut pissed.
Die CDU, die FDP und ganz besonders mein Lieblingsbischof Herr Jaschke.
Meine Lieblingszeitung, das Hamburger Abendblatt, titelt mit der Schlagzeile „Was wäre Hamburg ohne seine Kirchen?“ und weist in einer ganzseitigen Story (s.6.) auf die „weltweite Christenverfolgung“ hin.
„Hier Freiheit, woanders Verfolgung   Hilfsorganisationenklagen: Weltweit werden 100 Millionen Christen verfolgt wegen ihres Glaubens“
Oh Jesus Christus. Was ist passiert? Sind über Nacht die atheistischen Horden über Hamburg hergefallen und haben alle Kirchen gesprengt?

So ähnlich. Eine der 20 Kirchen, die in den letzten zehn Jahren „entwidmet“ wurden, ist inzwischen von dem ursprünglichen Käufer an einen (übrigens relativ liberalen) islamischen Verein, das „Al-Nour Zentrum“ verkauft worden und wird bald in eine Moschee umgewandelt.
(Bundesweit sind in den vergangenen 20 Jahren 277 von mehr als 20.000 EKD-Häusern verkauft oder abgerissen worden.) Die vollkommen unbekannte, 1961 gebaute Kapernaum-Kirche in Horn, die ohnehin seit zehn Jahren leer steht und vor sich hin rottet, wird wieder Gotteshaus?

Schock schwere Not.
Dabei ist der Verkauf von ehemaligen Kirchen an Nicht-Christen eigentlich verboten. Aber durch den Zwischenhändler-Trick ist es nun doch soweit.
„Keine Sorge, der Muezzin wird nicht vom Minarett rufen“, sagt der Vorsitzende des arabisch geprägten Al-Nour-Vereins, Daniel Abdin (49). Auch werde sich das Gebäude von außen nicht verändern, da es unter Denkmalschutz stehe. Nur das Kreuz, das müsse natürlich weg.

Abdin ist überglücklich über den Kauf des seit zehn Jahren leerstehenden Gotteshauses. Denn bisher betet seine Gemeinde in einer Tiefgarage in St. Georg: „Wir werden jetzt eine Million Euro in die Sanierung des maroden Gebäudes stecken.“
So kann es kommen, wenn das christliche Angebot so öde und abschreckend ist, daß die Gläubigen in Scharen davon laufen.
 Sie haben vermutlich auch keine Lust mehr die vom Steuerzahler mit Milliarden gepamperte Großorganisation noch zusätzlich mit Mitgliedsbeiträgen zu unterstützen.
Vielleicht ist den ehemaligen Gläubigen auch nicht recht geheuer, daß die Chefs einer diskriminierenden Organisation, die ihre Mitarbeiter mit Dumpinglöhnen abspeist und ihnen grundlegende Arbeitnehmerrechte verweigert, vom Steuerzahler monatlich mit üppigen fünfstelligen Gehältern gestopft werden.

Für Muslime fungiert der Staat jedenfalls nicht als williges Inkassounternehmen. Er schreibt den Vorbetern auch keine dicken Gehaltsschecks aus.
Und dennoch haben die Moscheen in Deutschland Zulauf.
Ihre Botschaft ist offensichtlich attraktiv, bzw attraktiVER als die christliche Konkurrenz.
Die Gläubigen bringen aus eigener Kraft, durch freiwillige Spenden die Mittel auf, die der Multimilliardenkonzern Kirche mit seinem 700-Milliarden-Euro-Vermögen nicht locker machen will.

Wenn gerade mal EINE der entwidmeten evangelischen Kirchen nun zur Moschee wird, zeigt sich die ganze Bandbreite des organisierten Christentums als extrem schlechter Verlierer.
Nachdem sie den Wettbewerb um Kunden verloren haben, weil die Bürger mit den Füßen abstimmten, kommen undemokratische Ideen zu Tage.
Die evangelische Kirche ist entsetzt – kann aber nichts dagegen tun. [….] Jetzt ist die Aufregung groß: Der Kirchenamtspräsident der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Hans Ulrich Anke, kritisiert, eine Kirche sei „der Ort, an dem das Evangelium von Jesus Christus gepredigt und gelebt wird“. Das könne man „nicht einfach abschalten und den Raum fürs Predigen anderer Gottesbilder zur Verfügung stellen“.

Doch rechtlich ist nichts mehr zu machen: „Wir haben die Verkaufs-Verträge erneut geprüft, aber uns sind die Hände gebunden“, sagt Remmer Koch, Sprecher des zuständigen Kirchenkreises Ost. Auch hier ist man zerknirscht: „Eine Kirche ist ja, selbst wenn sie entwidmet ist, immer noch ein christliches Symbol.“ Heute wäre die Umwidmung in eine Moschee auch nicht mehr möglich: Seit 2007 sind Verkäufe an nicht-christliche Gemeinschaften untersagt.

Auch Bischöfin Kirsten Fehrs zeigt sich „sehr bewegt“
Während den Anwohner die Causa Kirche -> Moschee relativ egal ist,….
Robert Meuchekühn (88), Rentner: „Ich wohne hier in Horn. Von meinem Fenster aus kann ich die Kirche sehen. Früher war ich auch Mitglied im Kirchenvorstand. Nun wird aus dem Gebäude eine Moschee. Na und? Das stört mich überhaupt nicht! Hauptsache, das Gebäude steht nicht leer.
…regen sich Rechte und Kirchisten ganz fürchterlich auf und verlangen nach dem Eingreifen des Staates.
Lange hat man die CDU nicht mehr so aufgeregt erlebt. Die geplante Umwandlung der ehemaligen Kapernaum-Kirche in Horn in eine Moschee sorgt für große Unruhe bei den Christdemokraten. Landeschef Marcus Weinberg fordert den Bezirk Mitte auf, „unverzüglich aktiv zu werden“.
Der CDU-Chef sieht die Planungen „sehr kritisch“.
[…]

Landeschef Marcus Weinberg ist entsetzt über die Umwandlung einer Kirche zu einer Moschee.
[…] Dass sie nun zu einer Moschee werden soll, ruft Kritiker auf den Plan. Auch der katholische Weihbischof Hans-Joachim Jaschke hat Bauchschmerzen: „Wir sind in einem guten Dialog mit den Muslimen. Trotzdem kann ich die Umwandlung einer Kirche in eine Moschee nicht gutheißen. Es ist kein gutes Zeichen.“   Der [SPD-] Bürgerschaftsabgeordnete Hansjörg Schmidt [zeigt sich verärgert] über die Aussagen von Jaschke und der CDU: „Die Kirche hat das Grundstück und das Gebäude aufgegeben und sich dann nicht weiter gekümmert. Dass jetzt Kritik hochkommt, finde ich sehr bemerkenswert.“
Auch die Grünen stoßen ins gleiche Horn: Die CDU schüre nur Ängste, „eine Willkommenskultur im Einwanderungsland Deutschland muss auch mit Leben gefüllt werden“, so Michael Osterburg, Fraktionschef in Mitte.
[…] Der Forderung der CDU, der Bezirk Mitte solle schleunigst eingreifen und Alternativen suchen, widerspricht Bezirksamtsleiter Andy Grote (SPD): „Das Bezirksamt ist neutral. Bei uns ist der Vorgang nicht anhängig.“ Zudem betont er: „Die Kirche hat selbst entschieden, die Nutzung aufzugeben.“
Tja dumm gelaufen. Euer ödes Evangelium wollte ja niemand mehr hören in Hamburg-Horn und Ihr habt Euch zehn Jahre lang darum gedrückt für die laufenden Kosten des Gebäudes aufzukommen.
Nun ist es zu spät, um empört zu sein.
Seit diese Nachricht vom Weiterverkauf bekannt ist, liegt ein erster Schatten über der multireligiösen Landschaft jener Metropole, die im Mai 100.000 Besucher zum Deutschen Evangelischen Kirchentag erwartet. Als einen "Dammbruch" bezeichnete der frühere Michel-Hauptpastor Helge Adolphsen den Verkauf. Höchst verwundert zeigt sich der katholische Weihbischof Hans-Jochen Jaschke. "Die Austauschbarkeit von Christentum und Islam ist nicht im Sinne eines guten interreligiösen Dialogs." Als "kontraproduktiv" und ein "Fanal" bewertet Pastor Ulrich Rüß, Vorsitzender der Kirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis in der evangelischen Nordkirche, den Schritt vom Kreuz zum Halbmond. Und CDU-Landeschef Marcus Weinberg erklärt, die Umwandlung einer ehemaligen Kirche verursache viel Unsicherheit in der Bevölkerung. Auf diese Weise werde kaum erreicht, das Miteinander der Religionen und Kulturen zu verbessern.
Heult doch….