Was haben Demokratie, SPD
und Süddeutsche Zeitung gemeinsam?
Alle drei sind in ihrem
jeweiligen Contest die Sieger, aber sie strahlen nicht.
In der Kunst oder der
Musik kommt es durchaus vor, daß ich von einer Performance restlos begeistert
bin und auf die Knie sinken möchte.
Urnenpöbel, der so
desinteressiert ist, daß bei Wahlen regelmäßig gleich die Hälfte der
Wahlberechtigten im Bett liegen bleibt und gar keine Stimme abgibt. Man läßt
eine verblödete Volksmasse bestimmen, die egoistisch-xenophob denkt und nach
dem St.-Florians-Prinzip entscheidet.
Durch diese systemimmanenten Fehl-Entscheider
bekommen wir dann viermal Berlusconi als Ministerpräsident, Cameron, mehrfach
Bibi-Netanjahu, zweimal George W. Bush, 16 Jahre Kohl, elf Jahre „Wo-kann-man-hier-gegen-Ausländer-unterschreiben?“-Roland
Koch in Hessen, Westerwelle als Außenminister.
Aber so sehr ich mir den
Kopf zermatere, außer einer absoluten Tammox-Diktatur fällt mir einfach keine
bessere Staatsform ein. Demokratie ist das kleinste Übel.
Und dann meine Partei, die
SPD.
Wieso bin ich mit diesen
Stümpern geschlagen, die jeden Tag von einer debakulierenden Regierung Vorlagen
geschenkt bekommen, um zu glänzen und es beharrlich schaffen sich immer selbst
ein Bein zu stellen?
Die Partei, die unter ihren Funktionären immer das schlimmste Wählergift
auswählt, wenn Führungspositionen besetzt werden müssen? Die Partei, die mich
immer wieder durch IQ-befreite, religiotisch fanatisierte Kanaillen wieThierse, Nahles und Matschie dazu bringt mir mit einem Holzhammer auf den Kopf
zu schlagen.
Die im Ausschließeritis-Wahn
lieber CDU-Kandidaten zur Wahl verhilft, statt die vorhandenen rot-rot-grünen
Mehrheiten zu nutzen.
Ich bin gewissermaßen ein
typischer Sozialdemokrat, weil ich unter meiner Partei leide.
Es ist eine Qual.
Das Parteibuch ein Menetekel.
Dennoch, unter den Bundestagsparteien ist die
SPD immer noch die beste. Man nenne mich altmodisch, aber ich bin nun einmal so
veranlagt, daß ich mich für die Schwachen einsetze.
Ich will lieber die Geringverdiener
und Arbeitslosen unterstützen, statt wie CDU, CSU und FDP Erfüllungsgehilfe der
Reichsten und Mächtigsten zu sein.
Ich finde nun einmal, daß man Verantwortung
übernehmen muß für Missstände und nicht pauschal alles ablehnen darf wie die
LINKE. Ich stehe für eine breite Programmatik, die für alle Hilfsbedürftigen substanzielle
Verbesserungen anstrebt, die solidarisch denkt und nicht immer nur Vorurteilen
frönt. Ich interessiere mich nicht für THEORETISCHE Parteien, die all das
vertreten, das ich will. Ich gucke auf die real existierenden Parteien, die
eine echte Chance haben in den Bundestag zu kommen; die mitregieren könnten.
Und unter diesen ist die
SPD nun einmal die erste Wahl, das kleinere Übel.
Ebenso sieht es mit den
Papier-Periodika aus.
Ich möchte TÄGLICH und
UMFASSEND informiert sein.
Also von einer überregionalen Tageszeitung mit
eigenem Korrespondentennetz und feuilletonistischer Kompetenz.
Zweifellos ist die „Süddeutsche
Zeitung“ die beste Qualitätszeitung in Deutschland.
Sympathisch ist auch die
taz, aber das ist verglichen eben eher ein Blättchen mit einer Miniredaktion.
Aus der SZ ziehe ich
hingegen massenweise Informationen. Zudem gibt es immer wieder längere Artikel
und Reportagen, die erahnen lassen, weswegen man die SZ-Autoren auch „Edelfedern“
nennt. Die können schon schreiben. Die SZ ist bei weitem nicht so dröge, wie
der konservative Konkurrent aus Frankfurt.
Die Meinungsseite, die s. 4,
ist eigentlich immer durchgehend spannend.
Beim Wirtschaftschef, Dr.
Marc Beise, 53, kann man aber durchaus graue Haare generieren. Der Mann ist ein
Neoliberaler, der nicht viel von moderneren Konzeptionen hält.
Die bekanntesten Autoren,
Kurt Kister und Heribert Prantl, sind zweifellos beide hochintelligente,
gebildete Köpfe. Der Chef, Kister, ist ein deutliches Stück konservativer als
Prantl, dafür aber noch unabhängiger. Er macht sich mit niemand gemein und
kritisiert an allen, das was zu kritisieren ist. Er weiß mit der Sprache
umzugehen, übertreibt es aber nicht.
Der ehemalige Staatsanwalt und Richter
Prantl gefällt sich hingegen als Schöngeist. Er beginnt jeden Kommentar und
jede Analyse mit einer Leitmetaphorik, um dann so richtig in seiner Bildung zu
schwelgen.
Das kann durchaus mal ein
bißchen sehr blumig geraten.
Außerdem verfolgt Prantl eine politische Agenda.
Das ist an sich nicht verkehrt, kann aber beim Lesen sehr unangenehm werden,
wenn er voller Emphase eine andere Überzeugung als die meine vertritt.
Das größte SZ-Ärgernis ist
aber der Mann für’s Religiöse, Matthias Drobinski.
Der 49-Jährige Katholik
studierte Germanistik und Theologie, ist seit 1997 bei der Süddeutschen
Zeitung.
So unterbelichtet wie
Keller ist der SZ-Mann nicht, aber es ist schon ziemlich schwer erträglich, wie
er in der zurückliegenden skandalgebeutelten Zeit der RKK seine hochverehrte
Kirche niemals in Frage stellt.
Er zeigt zwar durchaus
Schwachpunkte auf und moniert taktische Fehler, läßt aber seine katholische
Überzeugung immer durchblicken.
Heute ging es wieder los.
Ein Skandal erster Kategorie, der noch einmal
die ganze Verlogenheit und Menschenfeindlichkeit der RKK aufzeigt.
Warum ist
das so, wer will das so und was bedeutet das für die Patienten, wenn sie in weiten
Teilen Deutschlands vor einem kirchlichen Monopol stehen und gar keine
konfessionsfreien Einrichtungen mehr vorfinden?
Das sind Themen, die
durchaus in vielen Medien analysiert wurden.
Hochproblematische
Entwicklungen sind im Gange, weil man sich der Krake Kirche kaum noch entziehen
kann.
Kirchen, die aber eben
NICHT dem Patientenwohl, sondern in erster Linie ihrer mittelalterlichen Agenda
verpflichtet sind.
Man muß dazu nicht auf
Alice Schwarzer verweisen, kann es aber.
Meisner bezeichnet die
Vergewaltigung als ein „schlimmes Verbrechen“, was selbstverständlich ist, und
geht sodann ausführlich auf die ethische Diskussion ein: „Der Schutz eines
Menschenlebens gilt uneingeschränkt und von der Zeugung an. Der Lebensschutz
ist eine unüberschreitbare Grenze und jedem menschlichen Eingriff entzogen.“
Das ist reine Theorie,
Lichtjahre vom Leben entfernt. Denn die Abtreibung ist im realen Leben ja
keineswegs dem „menschlichen Eingriff“ entzogen. Frauen, auch katholische,
treiben ab, wenn sie ungewollt schwanger sind, unter allen Umständen. Egal, was
die Kardinäle verkünden: Gläubige Katholikinnen, das belegen Studien, treiben
nicht weniger ab als alle anderen Frauen.
[…] Es ist vor allem dem
Einfluss der katholischen Kirche und der Willfährigkeit der Politik zu
verdanken, dass wir in Deutschland auch 40 Jahre nach Beginn des Protestes
gegen den § 218 keine lebenswirklichen Gesetze haben, sondern Abtreibung selbst
in den ersten drei Monaten noch immer eher eine Gnade ist als ein Recht wie in
unseren Nachbarländern (inklusive Italien). Ungewollt Schwangere in Deutschland
müssen um Erlaubnis bitten und sich zwangsberaten lassen.
In katholisch beherrschten
Bundesländern, wie Bayern, gibt es schon heute einen Abtreibungs-Tourismus.
Denn ÄrztInnen an katholischen Krankenhäusern dürfen ungewollt schwangeren
Frauen nicht medizinisch beistehen, sonst riskieren sie ihren Job. Und in
katholisch dominierten Regionen wie Südamerika herrscht dank der ach so linken
„Befreiungstheologen“ inzwischen eine Terrorherrschaft über Frauen, die illegal
abtreiben müssen, unter Lebensgefahr. Weltweit ist vor allem die katholische
Kirche für die jährlich über 80.000 toten Frauen verantwortlich, krepiert bei
illegalen Abtreibungen. Das nennen Kirchenmänner wie Meisner „Lebensschutz“.
Nun hat der Kölner
Kardinal ausgerechnet die Gelegenheit seiner Entschuldigung genutzt, um seine
so unethische Ethik nicht nur noch einmal zu bekräftigen, sondern tatsächlich
noch weiter auszudehnen. So sprach er sich explizit gegen alle „Maßnahmen“ aus,
„welche die Tötung eines möglicherweise schon gezeugten Kindes bedeuten“. Damit
meint er die „Pille danach“, die direkt nach einem riskanten oder ungewollten
Geschlechtsverkehr verabreicht werden kann, um die Befruchtung bzw. die Einnistung
des Eis zu verhindern.
Selbst CDU-Parlamentarier,
wie Jens Spahn, kritisierten massiv das Verhalten der katholischen Krankenhäuser.
In „meiner“ SZ hingegen,
lebt der Kirchenredakteur gemütlich weiter hinter dem Mond und betreibt 100%
RKK-Agenda.
Ein Krankenhaus, das eine
mutmaßlich vergewaltigte Frau abweist, aus Angst, gegen die katholische Lehre
zu verstoßen, gehöre 'vom Netz genommen'. Das hat kein böser Kirchenfeind
gesagt, sondern der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn; es ist unsinnig […].
Zum Unsinn: Zu Recht gilt
in Deutschland das Subsidiaritätsprinzip. Wo es geht, überträgt der Staat
öffentliche Aufgaben dem Roten Kreuz, der Arbeiterwohlfahrt oder eben den
Kirchen. Das sichert im guten Fall Pluralität, und kirchliche Krankenhäuser
leisten gute Arbeit. Dass diese Einrichtungen ein eigenes Arbeitsrecht haben
und dass katholische Kliniken keine Abtreibungen vornehmen, ist - als Teil der
Religionsfreiheit - durch die Verfassung gedeckt. Mutwillig zerstören sollte
man dieses System nicht.
(Matthias Drobinski, 23.01.13)
Diese Sätze erschienen auf
der „Meinungsseite.“
Jeder ist frei seine
Meinung zu publizieren, selbstverständlich. Aber in der Top-Tageszeitung dieser
Republik, sollten Meinungen auch begründet werden und das möglichst wahrhaftig.
In diesem Fall ist das Subsidiaritätsprinzip
aber von Übel und daß die kirchlichen Krankenhäuser gute Arbeit leisten, kann
man eben NICHT pauschal sagen, nachdem tausende Kinder missbraucht wurden,
jedes Jahr Myriaden Menschen mit MRSA angesteckt werden, Mitarbeiter
ausgebeutet werden und Hilfesuchenden die Tür vor der Nase zugeschlagen wird.
Dieses System sollte unbedingt zerstört werden!
Entweder Drobinski weiß
das alles nicht und ist dann ein schlechter Journalist.
Oder er weiß es und
schreibt wissentlich die Unwahrheit.
Dann ist er ein Religiot und als solcher
ein noch schlechterer Journalist.
Eine No-Win-Situation.
Herr Kister, bitte bemühen
sie sich um Ersatz.
Drobinski könnte dann zur
ZEIT wechseln - dort ist man ohnehin schon zum rein katholischen Claqueur-Blatt
mutiert; da passt er hin.