Donnerstag, 6. Dezember 2012

Selbstbetrug




Man neigt dazu in der Rückschau Dinge zu idealisieren.
Das Essen früher bei Oma hat viel besser geschmeckt, die Schulzeit war so schön und die Freunde waren so ungeheuer interessant.
Ebenso verblassen a posteriori die unangenehmen Aspekte des Lebens.
Das wissen zum Beispiel diejenigen, die wie ich tief in den Kiefer eingewachsene Weisheitszähne ziehen lassen haben.
Man macht das wegen der zu erwartenden Schmerzen immer in zwei Sitzungen. Erst zwei auf einer Seite und zu einem anderen Termin die beiden auf der anderen Seite.
Beim ersten mal ist man noch gespannt, wundert sich über die Geräusche, die Hebelbewegungen und insbesondere darüber, wenn nach überstandener Prozedur eine nette Assistentin ein nasses, heißes Frotteetuch auf mein Gesicht legt und dies dann tiefrot ist, weil man offenbar wie ein abgestochenes Schwein Blut gespritzt hat.
Wenn die Betäubung nachläßt wird es richtig fies und man schwört sich die anderen beiden Weisheitszähne nie ziehen zu lassen.
Allerdings, nach einigen Wochen, kommt man ich albern vor. Soooo schlimm war es ja nun auch wieder nicht und hatte nicht die Betäubung auch so gewirkt wie es sein sollte?
 Also ruft man den Kieferchirurg für das zweite Paar Zähne an und stellt schließlich bei der Prozedur fest „verdammt noch mal, das war doch richtig schlimm!“ 
Man hatte die Schmerzen vergessen, erinnert sich aber plötzlich wieder bestens.

Mit die übelsten Schmerzen, die es gibt, sind die Gehirnschmerzen, die man erleiden muß während man lesend oder TV-glotzend konservativen Untermenschen wie Roland Koch, George W. Bush oder Matthias Matussek folgt.


Diese Typen sind pure Folter und aus gutem Grunde in den Genfer Konventionen geächtet.
Und es gibt viele Kanaillen dieser Kategorie. Franz Josef Strauß, Kanther, Dregger, Gerhard Löwenthal, Richard Cheney, …

Aber selbst diese inkarnierten Alpträume verlieren mit der Zeit ihren Schrecken. 
Je mehr Jahre vergehen, desto weniger versteht, man wieso man einst mit unmittelbarem Brechdurchfall auf diese Namen reagiert hatte.
Im Vergleich mit der aktuellen Riege der Fürchterlichen - ich will ja keine Namen nennen - wirken doch Kohl und Koch harmlos.






 Oder?

Vermutlich spielt einem aber wieder nur das Gedächtnis einen Streich.
Man hat das Ausmaß der Grässlichkeit eines George W. Bush einfach vergessen, weil man ihn nicht mehr jeden Tag sieht.

 

Aber es ist wie beim zweiten mal Weisheitszähne ziehen - wenn man einen dieser Schlimmen ob eines Jubiläums oder einer Retrospektive noch einmal ausführlich vor Augen geführt bekommt, fällt einem gleich wieder ein, was man früher erlitten hatte.

Ich glaube, die Widerlichkeit von erzkonservativen Politikern oder Popen ist begrenzt.
 Es gibt physikalischer Endpunkte. 
So wie es nicht kälter als der absolute Nullpunkt (Null Kelvin = −273,15 °C) werden kann, ist die Doofheit einer Sarah Palin nicht mehr unterschreitbar.
So wie sich nichts schneller als das Licht bewegen kann, ist die Niederträchtigkeit einer Michele Bachmann nicht zu überholen.
Gerade im Katholizismus und der GOP ist man immer wieder versucht Personen auszumachen, die übler als alles je Dagewesene zu sein scheinen.
Sind nicht Kurienerzbischof Müller und Limburgs Prunk- und Protz-Bischof Tebartz-van-Elst abstoßender als alle anderen? Das kann man wohl nur bejahen, weil man vergessen hat wie grauenvoll die Kardinäle Groer, Faulhaber und Innitzer waren. Weil Bischof Kurt Krenn schon lange von der Bildfläche verschwunden ist.

Auch die diesjährige US-Präsidentschaftswahl ließ in mir das Gefühl aufsteigen, daß mit Herman Cain, Rick Perry, Gingrich, dem Molch, Rick Santorum und Gaga-Bachmann ein nie mehr unterschreitbares Niveau-Minimum erreicht wäre.
ABER man hatte auch nicht mehr Palin, Cheney und Bush täglich vor Augen!

Die Post-Gingrich-Romney-Generation der US-Republikaner gibt sich allerdings redlich Mühe neue absolute Tiefpunkte zu definieren.
Da ist zum Beispiel Partei-Darling Rubio, der zum Quartett der Zukunft gehört.
Paul Ryan, Senator Marco Rubio (Fl), Senator Rand Paul (Kentucky) und Gouverneur Bobby Jindal (Louisiana). Sie alle sind jung, brennen darauf die Karriereleiter weiter hinauf zu steigen und sind komplett durchgedreht.

Rubio hat inzwischen klar gestellt, was er von diesen verrückten Wissenschaftlern hält, die behaupten die Erde sei nicht von Gott gemacht worden und sogar älter als 6000 Jahre.
Rubio was asked how old the planet was in an interview with GQ magazine published November 19. The senator, who's considered to be weighing a 2016 presidential bid, replied saying the Earth's age is "one of the great mysteries."

Emphasizing he "was not a scientist," Rubio said "whether the Earth was created in seven days, or seven actual eras, I'm not sure we'll ever be able to answer that."

[…] He emphasized it was a matter of "how do you reconcile what science has definitively established with what you may think your faith teaches" and further maintained his stance that parents should be able to teach their children whatever they believe.
Ebenfalls ganz frisch sind die Aussagen des US-Senators aus einem der wichtigsten Staaten zur Frage ob Homosexualität eine Sünde sei.
Well, I can tell you what faith teaches and faith teaches that it is. And that’s what the Bible teaches and that’s what faith teaches. But it also teaches that there area bunch of other sins that are no less. […] As a policy maker, I could just tell you that I’m informed by my faith. And my faith informs me in who I am as a person — but not as a way to pass judgment on people.
Für einen deutschen Konservativen wären solche Statements außerordentlich extrem. 

In Amerika liegt der absolute Nullpunkt des politischen Anstands allerdings viele Etagen unter dem Europäischen.

Im tiefsten Ethikkeller sitzt beispielsweise der Chairman des Political action committee „Government Is Not God“ (ging-pac) William Murray. 
Das Ging-Pac wurde 1994 zur Unterstützung von konservativen homophoben Republikanern gegründet und sammelt Geld und Ressourcen, um die demokratischen Gegenkandidaten unter Beschuss zu nehmen.

Der Wahlsieg Obamas war da natürlich nicht eingeplant. 

Dabei hatte das PAC mit der „Campaign to save America from Barack Hussein Obama“ doch noch im September 2012 so eindringlich gewarnt:
President Barack Hussein Obama is the most viciously anti-Christian and anti-Jewish person ever to occupy the White House.

[........] Keep in mind the following facts about Obama:  

  • Obama hates the military. He has sued in court to block a measure which extends early voting for members of the military!  This does away with the tradition for allowing special circumstances for military personnel in voting which dates back to the Civil War! And, he’s using the power of the Department of Justice to attack states that are trying to enforce voter ID laws – to ensure honest elections!
  • Obama hates the U.S. Constitution. He believes it is a “living document” that is outdated and needs to be reinterpreted by liberal judges. That’s why he ignores it whenever he wishes – and why he now has two anti-Constitution judges on the Supreme Court: Sonia Sotomayor and Elena Kagan. Both believe they have the right to decide what the Constitution means – not what the Founding Fathers meant when they wrote it!
  • Obama hates religious liberty. On August 1, the HHS Mandate went into effect requiring companies, including those religious organizations that have religious beliefs to the contrary, to provide abortion services to their employees.  Obama seems to forget the Constitution’s First Amendment: “Congress shall make no law respecting an establishment of religion, or prohibiting the free exercise thereof, or abridging the freedom of speech.”
  • Obama loves Islam. His key role in the “Arab Spring” has caused governments en masse to turn to Sharia Law in the Middle East.  And, he’s regularly betrayed Israel since he took office. His anti-Israel policies are worse than even Jimmy Carter.
  • Obama hates traditional marriage. He directed the Department of Justice to not defend the Defense of Marriage Act (DOMA) passed in 1996 and signed by then-President Clinton. Obama supports gay marriage – but during his 2008 campaign, he claimed he was against gay marriage.
  • Obama hates America as a force for freedom in the world. He intends on spending the next four years finishing off our nation. He’ll rule by executive order, regulations, lawsuits, and entangle us in international treaties that will destroy our national sovereignty. In short, he’ll rule America like his ideological buddy Hugo Chavez – the tyrant who runs Venezuela.
  • Obama hates capitalism – the economic system that made our nation the most prosperous in the history of mankind. He has a Marxist ideology that compels him to do everything in his power to destroy free enterprise and to remake America into a European welfare state.
Unverständlich, daß Obama dennoch gewählt wurde.

Ging-Chef Murray ist noch leicht angefressen und erklärt uns via WorldNetDaily ganz genau wofür Obama steht.
Obama Channeling Hitler and Creating 'Unholy Alliances with Evil'

After warning that government programs like Social Security turn people gay, Government Is Not God PAC head William Murray writes in WorldNetDaily today that President Obama is using Adolf Hitler as a model to pursue his “false Garden of Eden on Earth.” He says that just as Hitler used money stolen from Jews he sent to death camps to fund his war effort, Obama is trying to raise taxes on the rich to build a “culture of dependency.”

Murray also claims that Obama is targeting Jews and Christians because their faiths are getting in the way of his attempt to grow the size of government, while supposedly aiding Muslims, “radical environmentalists, Christian-hating atheists, homosexual radicals” and liberals. As Democrats put together “unholy alliances with evil,” Murray warns that if conservatives don’t embrace anti-choice and anti-gay positions then the U.S. will face God’s judgment.
Ich kann nur jedem empfehlen Murrays Worte HIER nachzulesen. 
Ein echtes „Vergnügen“.
Es wird nicht so leicht, das Niveau noch zu unterbieten. 
Aber bei der GOP bin ich zuversichtlich.
Ob wir in einigen Jahren dasitzen werden und finden, daß Murray doch eigentlich noch vergleichsweise harmlos war?

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Dukatenscheißer Jeremie.




 Wenn mich eins nervt, dann ist es das öffentlich-mitleidige Gejammer, welches in allen Medien anschwillt, wenn mal wieder „der kleine Kevin“ oder „die kleine Jaqueline“ verschwunden, geschlagen oder im Blumenkübel auf dem Balkon vergraben wurden.
 
Diese Betroffenheitsfratzen von all den Typen, die ansonsten Fröhlichkeit demonstrieren, während jeden Tag auf der Erde 30.000 Kinder an Hunger krepieren, sind unerträglich.
Menschen können nicht weiter als bis zu ihrer Nasenspitze denken.
 Da richten wir das größte Umwelt-Unheil an, indem wir Fleisch fressen und dauernd nach Mallorca fliegen, scheren uns aber einen Dreck um die Millionen Menschen, die unter Dürren, Überschwemmungen und Unwettern zu leiden haben.
Aber wenn ein Einzelblag traurig von der BILD-Titelseite glotzt, kommen wir schier um vor Mitgefühl.
Das ist eine Seite der menschlichen Natur, bei der ich an diese Sorte KZ-Kommandanten denken muß, die den ganzen Tag ohne mit der Wimper zu zucken mit Massenmord beschäftigt sind und dann abends bitterliche Tränen weinen, wenn ihr Dackel gestorben ist.

Die aktuelle Kindersau, die in Hamburg durchs Dorf getrieben wird, ist „der kleine Jeremie.“ 

Wie immer, wenn man sich so ein Einzelschicksal konkret vor Augen führt, ist es tatsächlich erschütternd und beweist einmal mehr, daß es entweder keinen Gott gibt, oder daß der Herr im Himmel ein Sadist ist.

Jeremie jedenfalls hat vom Schöpfer nur Arschkarten ausgeteilt bekommen.

Bereits drogensüchtig von einer Junkiemutter geboren, waren schon seine ersten Stunden auf dieser Erde von Qualen, Schmerzen, Krämpfen und Erbrechen gekennzeichnet. Aus dem Uterus ging es sofort in den klinischen Entzug. Seine leiblichen Eltern tauchten ab, stattdessen wuchs er bei den Großeltern (eine Sinti-Großfamilie in Hamburg-Billstedt) auf. Die Großeltern Bruno und Rositta Ansin quälen und misshandeln ihn von Anfang an. Mehrfach landet das Kleinkind mit schweren Verbrennungen im Universitätskrankenhaus. Er wird aggressiv, klaut, zündelt, prügelt sich, quält systematisch Tiere und verletzt sich selbst. In der Schule gilt er als unkontrollierbar. Der „extrem auffällige Jeremie“ gilt als „völlig unbeschulbar“ und so sucht das Jugendamt nach einem Heimplatz. Die Sinti-Sippe wehrt sich massiv gegen den Kindesentzug, aber im Alter von neun Jahren wird der Kleine im Jahr 2010 an den „Circus Monaco“ in Mecklenburg zu der neunköpfigen Familie Sperlich vermittelt. Sie sollen speziell geschult im Umgang mit sehr schwierigen Kindern sein und sich rund um die Uhr um ihn kümmern. Angeblich. Zusammen mit vielen Tieren hätte Jeremie ein Teil einer neuen friedlichen, sozialen Gemeinschaft werden sollen.
Geklappt hat es, oh große Überraschung, leider nicht. 
Auch die Zirkusfamilie hat Jeremie so schlecht behandelt, daß er immer wieder ausriß und nun seit dem 20. November 2012 endgültig verschwunden ist. Er ist 11 Jahre alt.
Wer es genauer wissen möchte, kann dies zum Beispiel in der Mopo oder dem Abla nachlesen.

Ich würde mal sagen: So ein Schicksal kann man getrost als „richtig beschissen“ bezeichnen. Das dürfte Konsens sein.

Konkreter auf das Kind eingehen will ich daher auch nicht und verkneife mir Mitleidsbekundungen, die ohnehin niemanden helfen.
Die usual suspects werden bei entsprechendem Anlass sicher wieder mit ihren Kerzen, großen „WARUM???“-Schildern und Gebeten Jeremie hinterher weinen.
Und dann wird es losgehen, daß man auf die Politik losschimpft, daß Köpfe im Jugendamt rollen sollen.

In der Schußlinie stehen vor allem der SPD-Sozialsenator Detlef Scheele und der SPD-Bezirkschef Andy Grote.
 Beide kamen allerdings erst ins Amt, als der Junge schon längst beim Zirkus Monaco abgegeben wurde.
Schon wieder gerät der Bezirk Mitte in die Schlagzeilen. Nach Jessica (7), Lara Mia (acht Monate) und Chantal (11) wirft nun der Fall Jeremie (11) die Frage auf, ob der Junge vom Jugendamt Mitte in gute Hände gegeben wurde. Oder geriet wieder ein schwer gebeuteltes Kind vom Regen in die Traufe? Die Opposition fordert Aufklärung.
 Die Schuldzuweisungen sind meiner Meinung nach ziemlich schwierig. 
Was zum Teufel soll denn ein Jugendamt tun, wenn eine Familie da ist, die den Jungen aber unbedingt behalten will? 
So ganz einfach sollte es nicht sein, jemand das Erziehungsrecht zu entziehen und das Kind wegzunehmen. 
Und wie soll man den Zeitpunkt erkennen, wann wirklich gehandelt werden muß, wenn man das Kind gegen seinen Willen mit Gewalt den Eltern entziehen muß? 
Wie soll man das definieren, wenn man nur auf Berichte und Stippvisiten angewiesen ist?
 Und wenn der Rubikon schließlich überschritten ist und die Entscheidung gefallen ist, das Kind „wegzunehmen“, eröffnet sich sofort das nächste Riesenproblem: 
Wohin mit dem Gör? 
Die Stadt verfügt zwar über Konzepte und Unterbringungsmöglichkeiten für derartige Problemkinder, die rund um die Uhr intensive Betreuung brauchen, aber bei Jeremie hatte sich das Jugendamt nur Absagen eingeholt.
 Niemand wollte ihn aufnehmen. Die Aussicht, daß ein Sinti-Großclan mit allen Mitteln versuchen würde den Jungen zurück zu bekommen und jeden Therapieerfolg zu vereiteln, dürfte wenig geholfen haben.

Für solche völlig hoffnungslosen Fälle gibt es immer noch die Kirche!

Und so kam es, daß das Jugendamt Hamburg-Mitte dem christlichen Träger „Neukirchener Erziehungsverein“ in NRW den Auftrag gab sich um den Jungen zu kümmern.
Seit über 166 Jahren hilft der Neukirchener Erziehungsverein vernachlässigten und missbrauchten Kindern sowie Familien mit Erziehungsschwierigkeiten. In zehn Bundesländern betreuen wir zusammen mit der Tochtergesellschaft Paul Gerhardt Werk über 2.500 junge Menschen. Auch in der Alten- und Behindertenhilfe sowie in der Aus-, Fort- und Weiterbildung ist der Erziehungsverein mit seinen etwa 1.600 Mitarbeitenden tätig. Im eigenen Verlag erscheint der Neukirchener Kalender, der bekannteste Andachts- und Meditationskalender im deutschen Sprachraum.

[…] Das Neukirchener Berufskolleg – Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik zur Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern – ist integraler Bestandteil des Erziehungsvereins, ebenso die berufsbegleitende Ausbildung zur Diakonin und zum Diakon.

Der Neukirchener Erziehungsverein ist als freier Träger Mitglied im Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche im Rheinland. […]  Dem Aufsichtsrat gehört unter anderem auch der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, an.
Wenn man das schon liest, sollte man skeptisch werden. 
Für meinen Geschmack christelt es da viel zu sehr:
Evangelischen Kirche im Rheinland, Präses der Evangelischen Kirche, Andachts- und Meditationskalender, Ausbildung zur Diakonin und zum Diakon.
Diese Vereine sind genau die sozialen Aktivitäten, auf die Kleriker immer eifrig hinweisen, wenn sie auf ihren enormen Finanzbedarf angesprochen werden.
 Sie nähmen schließlich soziale Aufgaben wahr.

In der echten Realität ist es allerdings so, daß die Kirche nicht nur nicht bezahlt für die Betreuung von „Fällen“ wie Jeremie, sondern damit sogar den großen Reibach macht.

Happige 7.400 Euro IM MONAT stellte der CHRISTLICHE „Neukirchener Erziehungsverein“ der Stadt Hamburg in Rechnung.
Nur von Luft und Nächstenliebe läuft gar nichts bei den Kirchlichen.

Was bieten die Chefevangelen eigentlich für knapp € 180.000 (= 24 X € 7.400) aus den Taschen der Hamburger Steuerzahler??
Den Amtsvormund des Bezirksamtes Hamburg-Mitte sah Jeremie in den zwei Jahren nur fünf Mal. Ansonsten wurde er ausschließlich von der Zirkusmutter betreut, die keine pädagogische Ausbildung besitzt. „Für 7400 Euro monatlich darf man eine enge pädagogische Versorgung erwarten“, so die Grünen-Abgeordnete Christiane Blömeke.
57 Millionen setzt der „Neukirchener Erziehungsverein“ im Jahr um.
 Eine Menge Geld kassieren die Christen.
 Man erfährt sogar wie sich die Summe aufschlüsselt.
Carmen Sperlich, die Zirkusmutter, die keinerlei pädagogische Ausbildung oder psychologische Qualifikation besitzt, bekommt €4.644 „Erziehergehalt“ plus € 680 „Lebensunterhaltkosten“ für Jeremie überwiesen.
 Die restlichen 2.076 Euro behält der Christliche Träger.
„Etwa 2000 Euro berechnet der Neukirchener Erziehungsverein für anteilige Personalkosten der psychologisch-pägagogischen Beratung der individualpädagogischen Projektstelle sowie für die Distanzbeschulung des betreuten Kindes, für Fortbildungen, Supervisionen, Rufbereitschaften, Krankheitsvertretungen, Beiträge zur Berufsgenossenschaft und allgemeine Verwaltungskosten.“
Dies sind Angaben des Vereins selbst.
Nach anderen Quellen schöpft die Kirche sogar noch viel mehr Geld ab.
Knapp 7.400 Euro kostet die Maßnahme, Jeremie in dem Zirkus unterzubringen. Davon bekommt die Pflegemutter 2.400 Euro, also fragt Blömeke, wo bleibt der Rest? Der zuständige Neukirchener Erziehungsverein erklärt dazu, der Betrag setzt sich aus Personalkosten, Fachaufsicht und pädagogischer Betreuung sowie Fortbildung und Verwaltungskosten zusammen.
 Nach dieser Rechnung hätte die Kirche sogar rund 5000 Euro pro Monat für sich behalten - also €120.000 in zwei Jahren. 
Dafür erbrachte sie die Leistung auf die Idee zu verfallen ein SINTI-Kind zum ZIRKUS zu schicken und sich dann nicht mehr darum zu kümmern, was aus ihm wurde.

Daß neben dem üblichen Politikerbashing auch ganz vereinzelt danach gefragt wird, wie der Kirchenverein eigentlich mit Geld umgeht, finden sie ganz fürchterlich unfair! 
Der Neukirchener Erziehungsverein fordert in der öffentlichen Debatte um den Fall Jeremie mehr Sachlichkeit und Fairness. "Wir können nicht nachvollziehen, dass die Qualität unserer Arbeit von der Hamburger Politik angezweifelt wird", sagt Dagmar Friehl, Geschäftsbereichsleiterin der Jugendhilfe des Neukirchener Erziehungsvereins.

Keiner der Kritiker habe sich jemals im Detail ein Bild von den intensiven sozialpädagogischen Einzelbetreuungen von Kindern und Jugendlichen gemacht, die der Erziehungsverein seit vielen Jahren erfolgreich leistet. Trotzdem würden jetzt voreilig Urteile gefällt.

Dienstag, 4. Dezember 2012

Demokratie, oh nööö



Parteitag des Kanzlerwahlvereins namens CDU.
Hier sollte man eigentlich lebendige Demokratie erleben. 
Aber wie Sie sehen, sehen Sie nichts.

Alle Streitpunkte wurden im Vorfeld des Parteitages von der linientreuen Regie so schwammig formuliert, daß in dem Wischiwaschi-Wortbrei nichts mehr zu finden ist, das irgendjemanden missfallen könnte.
Nachdem Merkel alle ihre innerparteilichen Konkurrenten enteiert und/oder kaltgestellt hat, sind nun auch die 1001 Parteitagsdelegierten zu alles abnickenden Hanswursten à la „späte DDR“ geschrumpft.
Die schlechteste Regierung Deutschlands seit 1945, die zwischen Lobbybeglückung, Arbeitsverweigerung und Chaostagen umher schwankt, jubelt die Frau aus Schilda zur wundertätigen Dynapower-Truppe hoch. 
Die lästigen Fesseln von Realität und Wahrheit hat die Kanzlerin und Parteichefin längst hinter sich gelassen.
Sie setzt zur Ermächtigungsabstimmung an.
Es ist ihre Lieblingsformulierung auf dem CDU-Bundesparteitag in Hannover, einmal, zweimal, dreimal, immer wieder fallen zum Auftakt von Angela Merkels Rede diese sechs Wörter: "die erfolgreichste Bundesregierung seit der Wiedervereinigung". Völlig klar, damit meint die Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende natürlich ihr eigenes Bündnis, die schwarz-gelbe Koalition.
 Die Kanzlerin kann man thematisch ungefähr genauso gut festlegen, wie man einen Pudding an die Wand nageln kann.
Hosianna schallt es ihr aus dem Auditorium entgegen. Nach den 90,4% mit denen sie zuletzt als Parteichefin gewählt wurde, holt sie nun ein Honnecker-artiges Ergebnis: 98%!
Ihre sinnentleerte Rede aus den immer wieder gleichen Satzbausteinen wird mit acht Minuten Standing Ovations beklatscht. 
60 Minuten lang den Phrasomat laufen lassen und Tausend Delegierte werden feucht im Schritt. So einfach kann Politik sein.

Sogar das lästige Homothema wurde entsorgt. Sie bekommen natürlich nicht die gleichen Rechte und alle Delegierten sind zufrieden.
Sachsens CDU-Fraktionschef Steffen Flath meinte: "Gott hat uns geschaffen als Frau und Mann und ich glaube, dass er sich dabei etwas gedacht hat."
(Spon 04.12.12)
 Nicht ein Problem ist gelöst, Bildungskatastrophe, Sozial-Kollaps, Energiefrage ungeklärt, Europa verärgert, die Welt mit Waffen überzogen - und doch sind alle zufrieden.

Man kann der Parteichefin noch nicht mal Vorwürfe machen; der Kanzlerin schon.
Aber in der CDU hat sich Merkel eine ungeheure Machtfülle erwirtschaftet. Sie sitzt sogar noch fester im Sattel als Helmut Kohl, der immerhin zwei oder drei bekanntere Parteimitglieder dulden mußte, die ihm kritisch gegenüberstanden.
 Merkel hat hingegen gar keine Konkurrenz. Mit ihrem „Ich sag nichts“-Kurs richtet sie zwar das Land zu Grunde, aber wen schert das schon? 
Wähler und Parteimitglieder sind begeistert.

Merkels SPD-Konkurrent Steinbrück hingegen erlebt wie sich die Daumen der Edelfedern senken.
Er habe alles verpatzt. Führe nicht.
Augstein Junior, der sich selbst als „links“ bezeichnet, ist schon so zitterig und aufgelöst, daß er der SPD aufgeregt dazu rät Steinbrück wieder abzusägen und einen weniger profilierten, aber sympathischeren Worthülsenautomaten zu inthronisieren.
Es gibt Kandidaten, die verlieren die Wahl. Das ist nicht schlimm. Und dann gibt es Kandidaten, die verlieren schon die Kandidatur. Das ist peinlich. In diese Kategorie fällt Peer Steinbrück. So wie der Mann durch das Dickicht seiner Nebeneinkünfte gestolpert ist, hat Steinbrück bislang vor allem bewiesen, dass er zwei linke Beine hat. Besser wäre für einen sozialdemokratischen Kanzlerkandidaten eine glückliche Hand für linke Politik. Steinbrück scheitert nicht an Neid oder Bigotterie der anderen. Sondern an der eigenen Gier und Ungeschicklichkeit.
 Kontroversen, Debatten, Diskussionen. Das ist hier unerwünscht.
Authentische Politiker RAUS!
Presse und Wähler verlangen nach perfekt rundgelutschten Sympathen mit Vorzeigefamilien, schicken Frisuren und inhaltlich völlig weißen Westen.

So stieg Maßanzug-Baron von und zu Guttenberg zum beliebtesten Politiker seit Joschka Fischer auf: Er hatte eine coole Gel-Frisur, ein blondes Eheweib, das sich alle drei Minuten vor einer TV-Kamera zeigte und war politisch ungreifbar.
Der fränkische Freiherr hatte zu keiner der aktuellen Polit-Großbaustellen je seine Meinung geäußert. Homoehe? Betreuungsgeld? Euros für Griechenland? Libyeneinsatz? Syrien? Studiengebühren? Hotelsteuersenkung? Ehegattensplitting? 
Nichts, niente, rien, nada.
 Guttenberg war zackig im Auftreten, hip in der Performance (AC!DC!) und inhaltlich völlig neutral.
So einer eckt nicht an. Er ist von Natur aus rundgelutscht und hätte tatsächlich Merkels Nachfolger werden können. 
Die Nichtpolitik des Durchwurstelns, Verschiebens und Ausweichens, hätte er nonstop fortsetzen können.
Sogar den äußerst flexiblen Umgang mit der Wahrheit hatte er schon perfekt von der Kanzlerin gelernt.
Eigentlich ein Treppenwitz, daß so ein arroganter Kleiderständer ohne Vision und Konzept von dreieinhalb Hobbyplagiatjägern niedergestreckt wurde.
Und auch das gelang nur durch Mithilfe des Zimmertemperatur-IQs des telegenen Barons.
Die Kanzlerin hatte schon öffentlich bekundet jegliche Moral beiseite zu schieben und den CSU-Star trotz aufgedeckter Lügen und Plagiaten im Amt zu belassen.
Er hätte nur ein bißchen die Füße stillhalten müssen. Dann würde er heute noch grinsend durch die Talkshows ziehen und sich von seinen aristokratiephilen Epigonen bejubeln lassen.

Zu seinem Unglück und meinem Glück, fehlte ihm aber der Durchblick und so verlor er die Bodenhaftung, log dermaßen dreist in die Kamera, daß sich selbst im Land der nicht ganz Dichten und Denkfaulen die Daumen senkten.

Ohne den Lügenbaron aber wird Merkel vermutlich bis 2033 durch regieren und spätestens in fünf Jahren anfangen die anderen Bundestagsparteien wegzufusionieren.

Die FDP löst sich schon freiwillig auf und die Grünen schicken der ostdeutschen Kanzlerin aus dem Pastorenhaushalt und dem ostdeutschen Präsidentenpastor eine ostdeutsche Pastorenehefrau und Theologin und EKD-Präsidentin als Gegenkandidatin auf die Bühne.

Kathrin Göring-Kirchentags Bischöfe eröffneten auch mit einem feierlichen Gottesdienst Merkels Ermächtigungsparteitag.
Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister und der Hildesheimer katholische Bischof Norbert Trelle gaben dem Parteitag der größten Waffenexporteuren und Todesbringerin der deutschen Nachkriegsgeschichte ihren Segen.
 Man erwähnte kurz pflichtschuldig das Wort „Frieden“ und grinste dann inmitten der CDU-Waffenlobbyisten um die Wette. 

"Ein Friede, der nicht auf gerechten ökonomischen, rechtlichen und politisch-strukturellen Verhältnissen beruht, ist eben kein gerechter, er ist ein brüchiger Friede", sagte Trelle mit Blick auf die Situation im Nahen Osten und die Lage in Mali. (evangelisch.de)
 
Warum sollte eine grüne Partei à la Göring-Kirchentag nicht beitreten wollen?
Ich sehe sie schon vor mir, wie sie nach der Wahl zu Merkels Stellvertreterin im Jahr 2022 debil grinsend ihr mit den Fingern geformtes Herzchen ins Publikum hält. 


 So wie es die unterbelichtesten DSDS-Fans tun, führte die Grüne Kanzlerkandidatin das Zeichen auch auf dem Grünen-Parteitag auf, wie zuvor auf dem Kirchentag.


Wir haben uns alle lieb.