Dienstag, 25. September 2012

Common Angst





 Die Erklärung des Kirchenaustritts […]   ist eine schwere Verfehlung gegenüber der kirchlichen  Gemeinschaft. […Es] kann Ihnen, falls Sie nicht vor dem Tod irgendein Zeichen der Reue gezeigt haben,  das kirchliche Begräbnis verweigert werden. […]


Die Verhaltensmuster sind oft sehr ähnlich, wenn sich ein Mitglied einer ideologischen Gemeinschaft absetzt, oder aber von außen Kritik geübt wird.

Drohungen, Pauschalisierungen, Polemik.

Ein ganz anderer Religiot, der säkulare und selbst gar nicht fromm lebende Jude Gil Bachrach verbreitete in der ZEIT vom 12.09.12 das was MSS als „eine partielle Denkschwäche, eine Inselverarmung, die zu unangemessenen emotionalen Reaktionen führt“ beschreibt.
 Daß einige Menschen sich um das Wohl beschnittener Kinder - allein 100 Säuglinge sterben jedes Jahr in den USA an der Prozedur - sorgen, passt dem deutschen TV-Produzenten (Switch, Lotto-Show,..) nicht.


Jetzt haben plötzlich ein paar selbstgefällige, mediengeile Urologen und Rechtsprofessoren in der unerschöpflichen nachkriegsdeutschen Harmonie- und Friedenssehnsucht den richtigen Resonanzboden für ihre spitzfindigen Argumentationen gegen eines unserer bedeutsamsten Rituale gefunden. Zusätzlich animiert von einer Handvoll gnadenlos polemisierender Damen und Herren aus der Politik, ausgestattet mit diesem urdeutschen Gerechtigkeitswahn, fühlt sich prompt eine Armada von Leserbriefschreibern berufen, ihr Unwissen zu vergessen und eine rechthaberische Gutmenschenethik zu verbreiten, die eine harmlose, friedliche, Jahrtausende währende Tradition an den Pranger stellt. Das kann ich nicht ernst nehmen. Nein, wegen solcher Leute verlasse ich ganz sicher nicht mein Heimatland.
Selbstverständlich kann ich all jene verstehen, die zutiefst erschrocken sind über so viel veröffentlichtes Vorhaut-Gebrabbel. Nur bitte: Überlasst den unwissenden Besserwissern nicht die Deutungshoheit. Im Übrigen, jedes Gerichtsurteil in Deutschland, auch das der Kölner Richter, die die Beschneidung eines muslimischen Jungen als strafbar erachteten, ist ein Einzelfall.
Um es ganz klarzumachen: Jüdische Eltern lassen ihre Jungen seit vielen Tausend Jahren beschneiden, und sie werden dies auch noch in vielen Tausend Jahren tun. Am achten Tag nach der Geburt, medizinisch bedenkenlos, hygienisch einwandfrei und ohne Risiko für Wohl, Wehe und Lust des Jungen.
[….]  Wir brauchen keine Maßregelung. Das Ritual der jüdischen Beschneidung ist Teil unseres jüdischen Selbstverständnisses.


Heute wird in der MoPo der neue Vorstand der Jüdischen Gemeinde Hamburgs vorgestellt. 
Der Chef, Bernhard Effertz sieht das Mohammed-Video zwar locker - „wer das gemacht hat, muss eine besonders große Bong geraucht haben“ - und empfiehlt den Moslems auf der Welt das Filmchen „mit Humor zu nehmen“, aber bei seinen eigenen Angelegenheiten ist er völlig humorlos:


Die Beschneidung „ist Teil unserer Religion und somit weder verhandelbar noch diskutierbar“.


Schön. Das ist sogar noch eine Umdrehung mehr als der Oberrabbiner Metzger in Berlin verkündete. Er war bereit zu diskutieren - wenn nur an der Jüdischen Position am Ende kein bißchen verändert würde. Ergebnisgeschlossene Gespräche also. 
Effertz hält das Thema sogar a priori für „undiskutierbar“.


Warum ist es so, daß die Vertreter der Nächstenliebe-Organisationen so aggressiv auf ihre nichtkonfessionellen Mitmenschen losgehen? 

Weswegen Juden und Christen so verkrampft reagieren, wenn man ihre Riten und Gebräuche hinterfragt, wird klar, wenn man sich den Misserfolg ihres Geschäfts ansieht.



Einen Mitgliederschwund hat die Jüdische Gemeinde Hamburg, die immer wieder mit internen Konflikten und personellen Querelen von sich reden machte, in den vergangenen Jahren verzeichnen müssen: Seit der Abkopplung Schleswig-Holsteins in eigene Gemeinden 2005 hat sich die Mitgliederzahl um ein Drittel auf derzeit 2850 reduziert.
 [...] Zum Mitgliederschwund kommt ein weiteres Problem: Nachwuchsmangel. "Die Altersstruktur hat sich in den vergangenen Jahren komplett verändert", sagt Effertz. Mehr als zwei Drittel der Mitglieder hätten bereits das 50. Lebensjahr überschritten. [...] Die Gemeinde sei dringend auf öffentliche Mittel angewiesen.

 Das ist eben ihr aller Problem.
Die deutschen Katholiken kehren in sechsstelliger Zahl jedes Jahr den Bischöfen den Rücken und den Jüdischen Gemeinden mit ihren Rabbinern im Vorhaut-Wahn ergeht es nicht besser.

Während sie bramarbasierend von der Unmöglichkeit Jüdischen Lebens in Deutschland sprechen und Ex-Vorsitzende erklären es sei nun wieder an der Zeit die Koffer zu packen, weil die Jüdische Identität nur von der Vorhaut bestimmt würde, passiert in der realen Welt genau das Gegenteil!

Es kommen glücklicherweise immer mehr Juden nach Deutschland.
 Beschnitten ist aber vermutlich nur die Hälfte und auf eins haben sie gar keine Lust:
Jüdische Gemeinden!

Darauf wies ausgerechnet der konservative (jüdische - man muß es in diesem Zusammenhang wohl erwähnen…) Historiker Michael Wolffsohn hin.


Mit Kofferpacken und Auswanderung drohen manche „meiner“ jüdischen Vertreter seit Jahrzehnten. Fakt ist, dass in der Alt-BRD 30 000 Juden lebten, heute etwa 250 000. Darüber hinaus wird die Zahl der allein in Berlin lebenden Israelis auf rund 50 000 geschätzt, Tendenz steigend. Juden kommen nach Deutschland, sie wandern nicht ab oder aus. Die jüdische Basis hat mit den Füßen zugunsten Deutschlands abstimmend, die wortreichen, zeitweise zurückgenommenen, dann doch wiederholten Drohungen ihrer Führung widerlegt.
[…]   Von den in Deutschland lebenden Juden sind weniger als die Hälfte Mitglieder der 108 jüdischen Gemeinden, deren Dachverband der Zentralrat ist. Stetig sinkt seit Jahren die Zahl der Gemeindemitglieder. Die mangelnde Attraktivität der jüdischen Gemeinden hat viele Gründe: Man denke an innergemeindliche Dauerfehden, die besonders Berliner bestens kennen. Jenseits der oberflächlichen, eher läppischen Gründe gibt es eine tiefe Ursache für die mangelnde Attraktivität jüdischer Gemeinden: Die allgemeine Verweltlichung und der „Gott ist tot“-Glaube haben zu einem Desinteresse an Religion und jeglicher Institution der Religion geführt. Diese fast totale Verweltlichung trifft jüdische wie christliche Gemeinden gleichermaßen.

Montag, 24. September 2012

Joseph Ratzingers geheime Vorliebe.




Benedikt, der Sechzehnte ist sehr für Ökumene.
Das hört man immer wieder von konservativen Katholiken.
 Zunächst wundert man sich so etwas zu hören. Zu offensichtlich erscheint Ratzis Protestantenverachtung. Die Lutheraner erkennt er noch nicht einmal als Kirche an. 


Extra eccelsiam nulla salus.
 (Ratzinger 2000 in „Dominus Iesus“)


Das größte Hindernis für die Vereinigung der Konfessionen ist der Papst selbst.
 Kein Protestant würde ihn als obersten und absoluten Herrscher anerkennen.
Deswegen wendet sich der konservative Mann im Kleidchen mit den bizarren Ansichten („Kondome verschlimmern das AIDS-Problem“) lieber den orthodoxen Christen, den Pius-Brüdern und den Anglikanern zu.
Das ist für Ratzinger Ökumene. 
Bevor er zum Wohle der Kirche ein Stück Allmacht abgibt, nimmt er lieber jedes Jahr Millionen Kirchenaustritte hin. 
Katholiken, die ihm nicht auf’s Wort gehorchen und immer wieder freche Häresien von sich geben (Frauen als gleichwertig akzeptieren, Geschiedenen die Hand reichen,..) können ihm gestohlen bleiben. Der Papst will Gehorsam.

Die größten Katholischen Länder sind dem Papst ebenfalls nicht sehr wichtig. Jedenfalls nicht, wenn sie weit weg sind, arm sind oder womöglich Katholiken mit dunkleren Hauttönen beherbergen.

Argentinien 36 Mio Katholiken, Brasilien 123 Mio Katholiken, Kolumbien 39 Mio Katholiken, Kongo 36 Mio Katholiken, Mexiko 98 Mio Katholiken, Polen 36 Mio Katholiken, Nigeria 39 Mio Katholiken, Philippinen 80 Mio Katholiken und Venezuela 25 Mio Katholiken.

Lieber mag er die arisch aussehenden Katholiken.
 Dies belegen auch seine Kardinalserhebungen, die fast nur Europäer berücksichtigen.

Ratzingers Kirche besteht hauptsächlich aus Frankreich 40 Mio Katholiken, Spanien 36 Mio Katholiken, USA 77 Mio Katholiken, Deutschland 25 Mio Katholiken und Italien 53 Mio Katholiken.

Von den großen Fünf liegen ihm die USA und Deutschland am meisten am Herzen, weil dort die großen Geldströme herkommen. 
Die Amis sind so reich, daß ihre katholischen Bistümer schon mehrere Milliarden US-Dollar Schmerzensgeld, Schadenersatz und Schweigegeld an die rund 50.000 Kinder, die von Priestern missbraucht wurden, zahlen konnten und immer noch nicht pleite sind.

Solange das Geld fließt, ist alles gut. Was will der Vatikan schon mehr?

Zum Glück gibt es die Kirchensteuer.

Hier agiert der Staat als Inkassounternehmen für den Verein Kirche, um dessen Mitgliedsbeiträge einzutreiben.

Dieses weltweit fast einmalige Verfahren ist bekanntlich aus staatlicher Sicht äußerst problematisch, da unser GG vorschreibt, daß Staat und Kirche getrennt zu sein haben.

Aus Kirchenrechtlicher Sicht ist dies aber auch mehr als kompliziert, wie Kirchenrechtler Hartmut Zapp, vorführte.

Er stieß auf den vertrackten Zustand, daß es einen Automatismus zwischen einem schlichten weltlichen Verwaltungsakt - nämlich dem Nichtbezahlen des „Mitgliedsbeitrages“ - und der höchsten kirchlichen Strafe - nämlich dem Bann, der Exkommunikation gibt.

Kann eine rein weltliche Aktion zwischen dem säkularen Staat und einem seiner Bürger zu so einer extremen kirchlichen Konsequenz führen, ohne daß überhaupt ein Geistlicher damit befasst ist?
Zapp klagte und wollte erreichen aus der Körperschaft öffentlichen Rechts RKK auszutreten, ohne die Glaubensgemeinschaft zu verlassen.

Glauben ohne dafür zu zahlen? 
Da herrschte Alarmstufe Rot bei den deutschen Bischöfen. 

Die Kirchenmitglieder konnten nörgeln, kritisieren und raummaulen so viel sie wollten. Dadurch bewegte sich das Episkopat keinen Millimeter. Aber die Drohung die Zahlungen einzustellen versetzten die deutschen organisierten Christen in blanke Panik.

Problematischerweise hat Herr Zapp den Papst auf seiner Seite, der ohne die finanziellen Konsequenzen zu bedacht zu haben im Jahr 2006 formuliert hatte, daß ein bloßer staatlicher Verwaltungsakt nicht für die Exkommunikation ausreiche. 
Zapp geht daher jetzt in die höchste Instanz. 
Die Kirche zittert so sehr vor dem Urteil, daß selbst der Unfehlbare in Rom seine Fehlbarkeit einräumte und nun ein seiner eigenen Regelung von 2006 widersprechendes Dekret aufsetzte.


Es geht um die Frage, ob man in der Kirche bleiben kann, ohne Kirchensteuer zu zahlen - oder eben nicht. Die katholische Kirche in Deutschland sagt Nein. In einem vom Vatikan abgesegneten Dekret der deutschen Bischöfe heißt es nun eindeutig: Entweder Kirchenmitglied mit allen Rechten und Pflichten – also auch der Steuer – oder gar nichts.
Vor Gericht in Leipzig geht es am kommenden Mittwoch um den Fall des emeritierten Freiburger Kirchenrechtlers Hartmut Zapp. Dieser hatte 2007 seinen Austritt aus der Kirche als Körperschaft des öffentlichen Rechts erklärt und keine Kirchensteuern mehr gezahlt. Er erklärte jedoch, er sei weiterhin gläubiges Mitglied der Kirche. Dagegen klagt das Erzbistum Freiburg.  […]
Bisher verfuhr die katholische Kirche in Deutschland nach der Regel, wer austritt, wird exkommuniziert. Damit lagen die deutschen Bischöfe aber nicht auf einer Linie mit dem Vatikan. Ein bloß formaler Kirchenaustritt stelle noch keinen Abfall vom Glauben dar, der mit Exkommunikation bestraft werden muss, betonte der Rat für Gesetzestexte in Rom bereits 2006. Dies gelte auch für Deutschland. Mit dem am Donnerstag veröffentlichten Dekret hat sich die Lage aber verändert.


Heureka! Und sie bewegt sich doch.
Wenn es ums Geld geht, scheißt der Papst auf seine Unfehlbarkeit.

Da muß gehandelt werden und zwar subito!

Daß jährlich 100.000 bis 150.000 Deutsche die RKK verlassen, war bisher keinerlei Anlass für die Kirche aktiv zu werden.
Aber die Angst, daß massenhaft Mitglieder ihre Zahlung einstellen könnten führte nun sogar dazu, daß sich die Deutsche Bischofskonferenz auf einen Standardbrief einigte, den alle Ausgetretenen bekommen sollen.
 Darin wird nicht etwa um eine Begründung gebeten oder das Bedauern ausgedrückt - so wie man es kennt, wenn man ein Abo oder eine Versicherung kündigt - nein, die RKK, die Organisation der Nächstenliebe, beschränkt sich auf ihre Kernkompetenz: 
Wüste Höllendrohungen und Nachtreten.


Wenn man bedenkt, dass jedes Jahr hunderttausend Menschen und mehr der Kirche den Rücken kehren, dann fragt man sich, warum auf die Idee nicht schon längst einer gekommen ist.
Und dann liest man diesen Brief und sieht: Er ist Teil des Problems. Er erklärt, warum diese Kirche ein Glaubwürdigkeitsproblem hat. […] Der Brief an die Ausgetretenen ist mehr Drohung als Werbung - oder gar Ausdruck ehrlicher Betroffenheit darüber, dass da einer der Institution den Rücken kehrt, die doch das Heil der Menschen will. 'Im Auftrag des Bischofs muss ich Sie mit diesem Brief auch über die Wertung des Kirchenaustritts unterrichten und über die Folgen, die dieser in kirchenrechtlicher Hinsicht nach sich zieht', heißt es da - und es folgt die Liste der Drohungen: kein Sakramentenempfang und kein Patenamt, die Hochzeit in Weiß nur noch mit Sondergenehmigung, und die kirchliche Beerdigung droht auch auszufallen.


Das ist ein feines „pastorales Schreiben“, das sich die 67 Eminenzen und Exzellenzen ausgedacht haben:


Wer in der katholischen Kirche getauft oder in sie aufgenommenen wurde, hat ja auf seine Weise Anteil an der Sendung des ganzen christlichen Volkes in Kirche und Welt (vgl. Lumen Gentium 31). Katholische Christen genießen alle Grundrechte zur aktiven Teilnahme am kirchlichen Leben, doch sind diese untrennbar mit der Erfüllung der Grundpflichten in der kirchlichen Gemeinschaft verbunden.
Im Auftrag des Bischofs muss ich Sie mit diesem Brief allerdings auch über die Wertung des Kirchenaustritts unterrichten und über die Folgen, die dieser in kirchenrechtlicher Hinsicht nach sich zieht.
Die Erklärung des Kirchenaustritts vor der zuständigen zivilen Behörde stellt als öffentlicher Akt eine willentliche und wissentliche Distanzierung von der Kirche dar und ist eine schwere Verfehlung gegenüber der kirchlichen Gemeinschaft. Wer vor der zuständigen Behörde seinen Kirchenaustritt erklärt, verstößt gegen die Pflicht, die Gemeinschaft mit der Kirche zu wahren (c. 209 § 1 CIC) und seinen finanziellen Beitrag zu leisten, dass die Kirche ihre Sendung erfüllen kann (c. 222 § 1 CIC i.V.m. 1263 CIC).
Die Erklärung des Kirchenaustritts zieht folgende Rechtsfolgen nach sich:

Als aus der Kirche ausgetretene Person
- dürfen Sie die Sakramente der Buße, Eucharistie, Firmung und
Krankensalbung – außer in Todesgefahr - nicht empfangen,
- können Sie keine kirchlichen Ämter bekleiden und keine Funktionen in der Kirche wahrnehmen,
- können Sie nicht Taufpate und nicht Firmpate sein,
- können Sie nicht Mitglied in pfarrlichen und in diözesanen Räten sein (z. B.
Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand bzw. Vermögensverwaltungsrat,
Diözesanpastoralrat etc.),
- verlieren Sie das aktive und passive Wahlrecht in der Kirche,
- können Sie nicht Mitglied in öffentlichen kirchlichen Vereinen sein.
Wenn Sie eine kirchliche Ehe schließen möchten, muss zuvor eine Erlaubnis zur
Eheschließungsassistenz beim Ortsordinarius eingeholt werden. Diese setzt Versprechen über die Bewahrung des Glaubens und die katholische Kindererziehung voraus. Ebenso kann Ihnen, falls Sie nicht vor dem Tod irgendein Zeichen der Reue gezeigt haben, das kirchliche Begräbnis verweigert werden.
Vielleicht haben Sie die Tragweite Ihrer Entscheidung nicht ermessen und möchten diesen Schritt rückgängig machen.
Mit freundlichen Grüßen
Pfarrer 
 (dbk 20.09.12)

Sonntag, 23. September 2012

Der Anti-Sarrazin.





Von der Leyen, die gewohnheitsmäßige Lügnerin und Schröder, zwei Ministerinnen, die sich gegenseitig hassen wie die Pest, haben eins gemeinsam. 
Beide wollen die Deutschen zum Poppen und Gebären animieren, indem sie sehr viel Geld an die falschen Leute austeilen.
 Kindergeld für Millionäre, Milliarden Ehegattensplitting für Kinderlose und Herdprämie, damit die Unterprivilegierten weiter verblöden und auch ganz sicher niemals aus der Unterschicht rauskommen.
Daß so eine Politik zum Scheitern verurteilt ist, versteht sich von selbst.


Im europäischen Vergleich steht Deutschland bei den Geburtenzahlen weiter schlecht da: Am statistischen Wert der Kinder pro Frau hat sich im vergangenen Jahr kaum etwas verändert. Die Geburtenrate sank leicht auf 1,36 Babys pro Frau, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Für das Jahr 2010 hatten die Statistiker eine Rate von 1,39 Kindern errechnet. […]  Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 662.685 Babys geboren, ermittelten die Statistiker des Bundes aus Daten der Standesämter. Deutschland geht der Nachwuchs aus, denn noch vor 20 Jahren kamen fast 170.000 Kinder mehr zur Welt.


Ich verstehe ja nicht so recht wozu wir so dringend mehr Babies brauchen - angesichts der Tatsache, daß wir noch nicht mal in der Lage sind die VORHANDENEN Kinder auch nur halbwegs adäquat zu betreuen.
Aber mit den Schlaftabletten-Ministerinnen und einer Regierung Merkel, die ihre Tätigkeit schon vor geraumer Zeit komplett eingestellt hat, wird natürlich nichts an den Strukturen geändert.


Buschkowsky: Wir verfolgen ein Prinzip des gesellschaftlichen Ablasshandels: Auf jedes Problem einen Geldschein, und gut ist. Wir sagen, hier hast du deinen Scheck, hol dir ein Sixpack, geh nach Hause, und halt den Mund. Wir erkaufen uns sozialen Frieden, wir fordern die Menschen aber nicht auf, zu zeigen, was sie können.
(Die Zeit 20.09.12)


Buschkowskys Buch „Neukölln ist überall“ erschien vorgestern und kaum ein Journalist bringt es fertig darüber zu berichten, ohne einen dümmlichen Sarrazin-Vergleich voranzustellen.


ZEIT: Sind Sie nicht eigentlich Sarrazin light – dieselben Thesen, nur ohne kruden Biologismus?


Während Sarrazin aus einer Industriellenfamilie stammt, niemals Kontakt zu prekären Verhältnissen hatte, aus der Entfernung doziert und seiner Xenophobie frönt, ist Buschkowsky in jeder Hinsicht das diametrale Gegenteil.
 Selbst in ärmsten Verhältnissen in Neukölln aufgewachsen, hockt er mittendrin in „seinem Kiez“ und hat keinerlei Berührungsängste.


Tammox 2009:
Hier der Oberschichtsprössling, der Vater Arzt aus alter Hugenottenfamilie, die Mutter Tochter eines westpreußischen Gutsbesitzers. Abitur am altsprachlichen Gymnasium, magna cum laude- promovierter Volkswirt, Karriere in diversen Finanzministerien und Managerposten bei der Treuhand und Bundesbahn.

Dort der Sohn eines Schlossers, der in einer Neuköllner Kellerwohnung (Ein Zimmer zu viert!) aufwuchs und sich in der Bezirksverwaltung herauf kämpfte.

Daß Berlin arm und unsexy ist, löst beim einen Naserümpfen, beim anderen Heimatgefühle aus.
 


Stolz bürgert er alle zwei Wochen Migranten aus allen Teilen der Welt ein und heißt genau die „Kopftuchmädchen“ willkommen, die Sarrazin verachtet und loswerden will.
 Er ist authentisch und wird dafür in seinem natürlichen Lebensraum Neukölln hochgeschätzt.


ZEIT: Sind Sie schon einmal bedroht worden? Buschkowsky: Von Einwanderern? Nein, noch nie. Von Linksradikalen öfter.
ZEIT: Nie von Migranten?
Buschkowsky: Null! Im Gegenteil. Sogar die Intensivtäter, die ich persönlich kenne, rufen über die Straße: Hallo, Bürgermeister, geht es dir gut? Was sie wollen, ist ein Foto machen. Die größte Zuneigung aus ihrer Sicht war die Ansprache: »Bürgermeister, hast du Feinde? Sag uns Bescheid, wir kämpfen für dich.«
(Die Zeit 20.09.12)


Buschkowsky ist im besten Sinne des Wortes ein Kümmerer, dem es auffällt wie sich der Anteil des Sozialetats in seinem Bezirk veränderte.
1975 wurden in Neukölln 20% „für Soziales“ ausgegeben, heute sind es 75%.

Daß es so nicht weitergehen kann und einfach immer weiter immer mehr Geld umgeleitet wird, obwohl sich die soziale Spaltung immer mehr verstärkt und die „Unterschicht“ zementierter denn je in ihrem Elend hockt, erkannte der umtriebige Bezirkspolitiker schon vor langer Zeit.

Als 2009 die schwarzgelben Gesellschaftszerstörer Merkel und Westerwelle die Bildungsfernhalterprämie verkündeten, konnte man dem Chef von Neukölln echte Verzweiflung ansehen. 


Tammox 2009:

Ich habe jedenfalls vollstes Verständnis für Buschkowsky, der ob so eines enormen Maßes an falscher Politik (Union und FDP wollen ab 2013 ein Betreuungsgeld in Höhe von 150 Euro monatlich für Eltern einführen, die ihre Kinder zu Hause erziehen) die verbale Keule schwingt.
TS: Was haben Sie gedacht, als Sie vom geplanten Betreuungsgeld erfuhren?

B: Dass es offensichtlich immer noch Menschen gibt, die gar nichts begriffen haben. Wenn man Bildungsferne der Eltern und Chancenlosigkeit von Kindern manifestieren und weiter ausbauen will, ist das zweifellos der beste Weg.

TS: Warum?

B: Weil das Leben von sozialen Transferleistungen für die sogenannten bildungsfernen Schichten komfortabler wird. Kinder werden noch mehr zu einem Einkommensfaktor. Mit anderen Worten: Schwarz-Gelb konserviert die Unterschicht und verschärft zugleich das Jugendstrafrecht. Das ist gesellschaftspolitischer Zynismus pur.

TS: Das hört sich sehr frustriert an.

B: Ich bin, gelinde gesagt, fassungslos. Prämien, damit Kinder im Milieu bleiben anstatt integriert zu werden? Das ist doch völlig rückwärts gewandt. Das Vorhaben ignoriert die Erfolge fast aller OECD-Staaten und sämtliche wissenschaftliche Studien. Unter Fachleuten herrscht Einigkeit darüber, dass wir in die Kinder investieren müssen und nicht in die Eltern. Das trampelt die neue Koalition jetzt alles mit Brachialgewalt nieder.  (T 2009)

Was hatte er nicht alles über Jahre erklärt und darüber berichtet, wie man es NICHT macht. Und zwar LAUT. 
Und dann kommen CDU und FDP daher und verschlimmern die Misere massiv. 

Die Profichristen mögen die Armen nämlich nicht, sie verachten „Multikulti“; sie bezahlen, um Ruhe vor ihnen zu haben.

Buschkowsky kann mit Religion gar nichts anfangen.


ZEIT: Der Islam ist Ihnen nicht so richtig ans Herz gewachsen?
Buschkowsky: Der Katholizismus auch nicht.
ZEIT: Für Sie sind alle Religionen ...
Buschkowsky: ... gleich fern. Ich führe ein re ligionsfreies Leben. Ob jemand fünfmal gen Mekka oder zweimal zur Jungfrau Maria betet, ist mir völlig egal. Mir gehen nur die Aggressivität von Heilsbringern und die Selbsterhöhung zu besseren Menschen auf den Zünder.
ZEIT: Ist der Islam eine aggressive Religion?
Buschkowsky: Zumindest hat er im Moment die aggressivsten Anhänger.
ZEIT: Nerven Sie die ständigen Forderungen, hier eine Moschee, da eine Moschee?
Buschkowsky: Die Muslime können so viele Moscheen bauen, wie sie für ihre Religionsausübung benötigen. Mein Anspruch ist nur, dass man meine Distanz respektiert. Auch die Gesellschaft muss zur Wahrung des sozialen Friedens Wert darauf legen, dass sie nicht durch Minderheiten tyrannisiert wird.
(Die Zeit 20.09.12)


Statt Göttern mag er die Menschen, um die er sich zu kümmern hat.


[Auch] die, die in Buschkowskys Worten am "gesellschaftlichen Schnuller" hängen.
Die Wendung sagt einiges über Buschkowsky, sein Neukölln – und über ein in Deutschland verbreitetes Verständnis von Sozialpolitik. […]  Buschkowskys Buch ist voller Beispiele von Aufstiegswillen, Interesse und Freude an Leistung, erbracht von Menschen und unter Umständen, die kein Mittelschichtskind so je erlebt haben dürfte. Buschkowsky mag sein Neukölln, das liest man aus jeder Zeile. Er mag das Gemisch von Leuten, er schwärmt von der Hindu-Community und seiner Lieblingschinesin, deren "Ente kross" ihn ganz offensichtlich oft und nachhaltig über erlittenen Frust im Dienst hinweggetröstet hat. Was er nicht mag, sind die Leute, die den Schnuller auf Lebenszeit im Mund behalten wollen.


Daß ihn dennoch so viele Journalisten als alarmistischen Provokateur darstellen, liegt daran, daß er das Augenmerk darauf richtet, was (noch) nicht richtig funktioniert in seinem Kiez.


ZEIT: Sie fokussieren sich auf die Probleme.
Buschkowsky: Das sehe ich anders. Aber wenn mir die Verkehrssicherheit an einer Kreuzung Sorgen macht, dann zähle ich ja auch nicht die Autos, die unfallfrei rübergefahren sind, ich zähle die Unfälle. Bei der Bildung haben wir Unfälle. 60 Prozent der migrantischen Schulabgänger haben hier keinen Schulabschluss oder nur den Hauptschulabschluss. Die interessieren mich!
ZEIT: Dass heute doppelt so viele Migranten Abitur machen wie noch vor zehn Jahren, das wischen Sie einfach weg.
Buschkowsky: [….] In dem Gebiet, in dem wir gerade sitzen, leben 75 Prozent aller Kinder unter 14 Jahren von Hartz IV – 75 Prozent! Alle diese Kinder werden sozialisiert, ohne dass sie je miterleben, dass Papa oder Mama morgens aufstehen und zur Arbeit gehen. Ich freue mich über die gut 300 Einwanderer-Abiturienten, die wir hier jedes Jahr hervorbringen, aber ihnen stehen auch über 700 Schulabgänger ohne Abschluss oder mit Hauptschulabschluss gegenüber. Die mit den schlechten Noten bleiben, die Abiturienten ziehen fort.
ZEIT: Wie wollen Sie die halten?
Buschkowsky: Wenn ich dafür ein Patentrezept hätte, müsste ich mein Geld nicht als Bezirksbürgermeiste verdienen. Ich weiß aber, Neukölln- Nord wird sich zu einer Einwandererstadt entwickeln, und zwar nicht, weil ich Hellseher bin, sondern weil die Bürger von morgen heute schon da sind. In 10 bis 15 Jahren wird Neukölln-Nord mit seinen 160 000 Einwohnern einen Einwandereranteil von etwa 80 Prozent haben.
ZEIT: Sie fordern Toleranz.
Buschkowsky: Ich fordere Toleranz und Akzeptanz. Toleranz der Gesellschaft für neue kulturelle Einflüsse. Aber auch Akzeptanz der Einwanderer gegenüber der Kultur, in die sie sich freiwillig begeben haben. Wer darauf besteht, dass seine Frau in der Burka herumläuft, der kann das gerne tun. Zum Beispiel in Afghanistan oder Pakistan.
(Die Zeit 20.09.12)


Buschkowsky ist laut und das ist auch gut so.
 Die Konzepte gegen das Abrutschen einer bildungsfernen Schicht (und das ist UNABHÄNGIG von der Nationalität!) sind bekannt, werden aber von der Bundesregierung und vielen Landesregierungen ignoriert oder gar konterkariert.
Da muß man dankbar sein, daß ein authentischer Bezirksbürgermeister es schafft sich Gehör zu verschaffen und immer wieder aufzuzählen, was Frau Schröder und Frau Schavan eigentlich tun sollten.


Buschkowsky: Wir müssen dort, wo alle Regeln für einen unverbindlichen Ulk gehalten werden, um den man sich nicht zu kümmern braucht, hin und wieder die Ohren lang ziehen. Auch Integrationspolitik kommt ohne Sanktionen nicht aus. Falschparken wiegt bei uns schwerer als Schulschwänzen. [….] Ich möchte, dass die Einwanderer die Kulturriten und die Regeln des Zusammenlebens dieses Landes respektieren. Dazu gehört, dass jeder die gleiche Chance erhält, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Darauf haben als Allererstes die Eltern hinzuwirken. Wenn sie selbst nicht über die Kompetenzen verfügen, erwarte ich, dass sie ihre Kinder so früh wie möglich in den Kindergarten bringen und dafür sorgen, dass sie regelmäßig zur Schule gehen und die Sprache des Landes lernen, in dem sie leben. Ich bin für Kindergartenpflicht und Ganztagsschulen als Regelangebot. Wo Staat dransteht, muss auch Staat drin sein. Kommt das Kind nicht in die Schule, kommt das Kindergeld nicht auf das Konto. Klarer Fall. Die Gesellschaft muss dafür die Infrastruktur bereitstellen. Aber auch die Einwanderer müssen sich bewegen. In der Stadtbücherei bekommen die Kinder die Bücher umsonst. Man braucht kein Geld, um zu lernen. Wer nicht vormachen kann, muss wenigstens motivieren.
(Die Zeit 20.09.12)