Samstag, 11. August 2012

In Sarah Palins Schuhen.



Amerikanische Wahlkämpfe funktionieren nach vielen ungeschriebenen Regeln, die peinlich eingehalten werden.
Das Publikum hechelt gespannt den immer gleichen Etappen hinterher.

Mit großen Aufwand wir der Nominierungsparteitag inszeniert - obwohl dabei schon längst fest steht, wer gewinnen wird.

Voller Spannung blickt alles auf die drei TV-Debatten. Hatte nicht ein frischer JFK einst Nixon auf diese Art die Präsidentschaft entrissen? Dabei spielen die Medien heute eine ganz andere Rolle. Die meisten Zuschauer sind ohnehin schon vorher entschieden. George W. Bush unterlag in allen drei TV-Debatten klar gegen seinen Herausforderer Kerry und wurde dennoch klar wiedergewählt.

Und schließlich die VP-Frage. Derjenige, der „nur einen Herzschlag“ vom Oval-Office entfernt sein wird, soll gemeinhin all das kompensieren, was dem Top-Mann fehlt. Dabei ergeben Untersuchungen, daß der Vize so gut wie keine Auswirkungen auf die Wahlentscheidungen hat. 

Al Gore, der selbst Vize eines der erfolgreichsten US-Präsidenten aller Zeiten war, wollte sich die jüdischen Sympathien sichern, indem er den konservativen Joe Liebermann zu seinem Vize erkor. Wie die Wahl Gore gegen Bush im Jahr 2000 ausging ist bekannt.

Vizepräsident George H. Bush hingegen stand so sehr im Schatten seines Chefs Reagan, daß er als der Mann, der niemals Spuren hinterließ verspottet wurde.
Er zeigte seine ganze Doofheit, als er den erst 41-Jährigen Dan Quayle aus Indiana zu seinem „VP“ erkor. 
Obwohl dieser Quayle als regelrechte Witzfigur galt und sowohl sprachlich als auch intellektuell konsequent von Fettnapf zu Fettnapf sprang, wurde Bush dennoch zum Präsidenten gewählt.
"Republicans understand the importance of bondage between a mother and child."

"The Holocaust was an obscene period in our nation's history. I mean in this century's history. But we all lived in this century. I didn't live in this century."

"We're going to have the best-educated American people in the world."

"We have a firm commitment to NATO, we are a part of NATO. We have a firm commitment to Europe. We are a part of Europe."
"I love California, I practically grew up in Phoenix."

"It's wonderful to be here in the great state of Chicago."

"When I have been asked during these last weeks who caused the riots and the killing in L.A., my answer has been direct and simple: Who is to blame for the riots? The rioters are to blame. Who is to blame for the killings? The killers are to blame."

"Illegitimacy is something we should talk about in terms of not having it."

"For NASA, space is still a high priority."

"Quite frankly, teachers are the only profession that teach our children."

"It isn't pollution that's harming the environment. It's the impurities in our air and water that are doing it."

Der „Seriöse“ unter der Republikanern, John McCain, checkte 2008 den Background von Mitt Romney und entschied sich dann doch lieber für Sarah Palin als Vize.

Obwohl die Wahl grandios verloren ging, erreichte die Einfaltspinselin schnell Kultstatus à la Quayle. 
Zurecht?

US-Korrespondent Klaus Scherer ist selbstkritisch.

In den USA jagt eine vermeintlich oder potenziell wichtige Nachricht die nächste. Hecheln Sie als Berichterstatter dort zwangsläufig auch ein Stück weit den Spin-Doktoren hinterher?

Scherer: Der Nachrichtentakt ist schon enorm schnell. Das ist durch das Internet und durch die polarisierenden Medien in den USA noch dichter geworden. Aber auch durch den Unfug, den keiner mehr stoppt. Stellen Sie sich vor, jemand würde hier jeden Tag behaupten, Frau Merkel sei gar keine Deutsche, sie wolle außerdem die Monarchie einführen und sei insgeheim Buddhistin. Das würde in deutschen Redaktionsstuben in die Papierkörbe wandern. In den USA wird es gesendet, alles, andauernd. Da wird, vor allem bei den rechten "Fox-News", auch nicht unterschieden zwischen Fakten, Gerüchten und Meinung. Die werfen Obama die absurdesten Dinge vor, schon weil er als Präsident keine großen Fehler gemacht hat, die müssen sich halt was ausdenken, um Angst zu schüren. Aber weil Zuschauer es gewohnt sind, dass etwas, das veröffentlicht wurde, eine Art Relevanzhürde genommen hat, wird es plötzlich zum Thema. Und man fragt sich unwillkürlich: Ist das die neue Medienwelt? Kriegen wir das auch?

Verändert das schon jetzt Ihre Arbeit?

Scherer: Natürlich. Man nimmt oft Kleinigkeiten zu wichtig. Wir haben alle auch die Tea-Party zu wichtig genommen. In der Bevölkerung hatte sie nie so viel Rückhalt, auch Sarah Palin nicht. Aber sie war auf allen Kanälen. Außerdem haben Sie im Internet, aber auch in den sogenannten Nachrichtenkanälen, zu allem den passenden Verschwörungstheoretiker. Wir würden hier kaum jemanden in eine Talkshow einladen, von dem man vorher weiß, dass er lügt. Da sind die Qualitätsstandards noch andere, ich bin hoffnungsvoll, dass das so bleibt.

Nun also Paul Ryan. 


 42 Jahre, ultrakonservativer Hardliner im Repräsentantenhaus seit seinem 27. Lebensjahr, Vorsitzende des Haushaltsausschusses, fanatischer Steuersenkungsapologet, Washington-Insider, Katholik, drei Kinder.

In der Ryan-Welt sind Staatsleistungen schlecht und gehören abgeschafft. 
Nur mit tax-cuts für die Reichsten käme die Wirtschaft wieder in Gang.
Die Methode also, die bei GWB schon so grandios wirkte.



Romney inszeniert seine VP-Choice wie die legendäre „Mission accomplished“-Show des GWB am 1.Mai 2003 auf dem Flugzeugträger  USS Abraham Lincoln.

Mitt Romney hat das Jackett abgelegt, läuft unter dem mächtigen Geschützturm des Schlachtschiffs entlang, dann die Gangway herunter nach Norfolk, Virginia. Seine Leute drehen die Musik auf, sie klingt wie der Abspann eines patriotischen Hollywood-Streifens à la "Top Gun".
Romney ruft "Ah!", die Leute vor der USS "Wisconsin" rufen "Mitt!". Es sieht aus, als kehre Romney von ausgedehnter Fahrt auf feindlichen Meeren heim. Doch das Schiff ist nur Fassade, nur noch Museum. Die "Wisconsin" kämpfte im Zweiten Weltkrieg, sie war vor Korea im Einsatz und während des zweiten Golf-Kriegs auch. Jetzt dient sie Romney als Kulisse, um die Präsentation seines Kandidaten für die Vizepräsidentschaft zu inszenieren.
[…] Ryan verstehe die Schuldenkrise der USA; er verfluche nicht die Dunkelheit, "sondern zündet eine Kerze an". So spricht Romney. Und dann guckt er zur USS "Wisconsin" und ruft: "Der nächste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Paul Ryan."
Präsident? Egal, die Musik geht wieder los, Ryan joggt unterm Geschützturm entlang, die Gangway runter, mit Jackett, ohne Krawatte. "Wow", ruft er und dreht sich zum Schiff um, das ganz zufällig den Namen seines Heimatstaates trägt: "Und das direkt vor der USS 'Wisconsin'."
Weiter gelangt er nicht, weil Romney sich von hinten nähert und ihn unterbricht: "Wart' mal." Er sei ja "hin und wieder" bekannt dafür, einen Fehler zu machen, sagt Romney. Der Kerl neben ihm werde natürlich "der nächste Vizepräsident der Vereinigten Staaten". Wäre das auch geklärt.

Wie Paul Ryan sich die Staaten vorstellt, haben die Demokraten schon 2011 filmisch dargestellt.

Mit dem Ryan-Plan hatte der 42-jährige Chef des Haushaltsausschusses bereits dargelegt, wie er das erreichen will – unter anderem durch Kürzungen in den Gesundheitsprogrammen für Alte und Arme. Das Programm war seinerzeit selbst vielen Republikanern zu radikal, doch es gefällt jenen konservativen Parteigängern, die den Staat auf ein Minimum reduziert haben wollen.
(Niels Rüdel 11.08.12)



Mit der „VeePee“-Personalie buckelt Romney erneut vor den strippenziehenden Milliardären, wie den Koch-Brüdern. Präsidentschaften lassen sich kaufen.
 Auch das für die 0,1% der reichsten der Reichen passende Personal läßt sich mit Geld bestimmen.



Romney kommt mit seinem Schachzug den Rufen konservativer Meinungsführer in den USA nach. Diese hatten zuletzt immer lauter Paul Ryan als republikanischen Vizekandidaten für die Präsidentschaftswahl im November gefordert.
Das einflussreiche Magazin Weekly Standard etwa trommelte für den Kongressabgeordneten aus Wisconsin, auch das wirtschaftsnahe Wall Street Journal (WJS) sprach eine Empfehlung für Ryan aus.  […] Der Budgetplan, den der Haushaltsexperte im März durch das Repräsentantenhaus brachte, sieht Kürzungen von mehr als fünf Billionen Dollar über das kommende Jahrzehnt vor - darunter bei Lebensmittelhilfen und der Krankenversicherung für Arme. Die Steuern sollen dagegen sinken, auch für Reiche. […]
Fakt ist: Mit der Wahl Ryans zum Mitstreiter wird Romney den Wahlkampf weiter polarisieren. […]  Dass die krisengebeutelnden Europäer nicht gerade wohl gelitten sind bei Ryan, ließ der republikanische Jungstar unlängst wissen. Diese Wahl sei "ein einmaliges Fenster" für einen Kurswechsel, verkündete. Werde dieses nicht genutzt und Obama wiedergewählt, dann drohe Amerika etwas sehr Schlimmes, warnte Ryan: Dann stehe das Land vor europäischen Zuständen.

Gott bewahre!
Krankenversicherung auch für Arme?
Soweit würde es der Katholik Ryan nie kommen lassen!





Freitag, 10. August 2012

Mitt, the twit - Teil II




Jeder, der Verwandte in Amerika hat, versuchte am 11.09.2001 sie zu erreichen.
Da ich Sippschaft in Washington UND New York habe, wurde ich entsprechend nervös als ich gemütlich vorm TV saß und mir ansah, wie Ulli Wickert das Zusammenfallen der WTC-Türme kommentierte.

Spät am Abend begann „Kabula Rasa“; die bekannten grünen Videospielartigen Bombardierungsbilder, die man schon aus dem Golfkrieg 1991 kannte.
Wer nicht emotional ausgeflippt war, fragte sich natürlich eins:
Was können eigentlich die Zivilisten in Kabul dafür, daß das WTC in Trümmern lag?
Die Kabuler sind doch ganz sicher unschuldig und was ist daran gerecht, wenn die jetzt gemeuchelt werden?

Die Mischpoke aus Washington wollte davon nichts wissen.
„Sind die Zehntausend Toten aus dem WTC etwa nicht unschuldig?????“
 schalt es zurück. 
(Zunächst ging man noch von viel mehr Opfern in NY aus.)

Die Unlogik war entwaffnend:
 Wenn hier Unschuldige sterben, hat Amerika das Recht anderswo auch jede Menge Unschuldige zu morden.

Und dann die Tränen. 
Wie sollte man mit jemanden diskutieren, der gerade etwas so Schockierendes und Schreckliches erlebt hatte, daß er während des Telefonats immer wieder von Heulkrämpfen erstickt wurde?

Das Fazit, welches ich am 12.09.01 aus Washington hörte war klar, eindeutig und fordernd zugleich:
 „DER TALIBAN MUSS WEG!“
 Ich Depp muß ja immer anfangen zu erklären und versuchte zu erläutern was es mit dem Begriff „Taliban“ auf sich hat. 
Daß es nicht DER Taliban ist, sondern DIE Taliban sind. 
Und wo dieses Kabul überhaupt liegt.
Wollte man in Washington nicht hören.* 

„DER TALIBAN MUSS WEG!“ Schluß, aus.

Auch in Deutschland gab es am Anfang wenig differenzierte Stimmen. 
In den Autos und Wohnungsfenstern hingen US-Fahnen, die Menschen pilgerten zu den US-Konsulaten und sammelten fleißig für die Hinterbliebenen der Opfer in NY und DC.
 (Natürlich nicht für die Opfer in Kabul)

Gerd Schröder sprach von der „uneingeschränkten Solidarität“ und alle fanden es großartig.

Meine Damen und Herren, ich habe dem amerikanischen Präsidenten das tief empfundene Beileid des gesamten deutschen Volkes ausgesprochen. Ich habe ihm auch die uneingeschränkte – ich betone: die uneingeschränkte – Solidarität Deutschlands zugesichert. Ich bin sicher, unser aller Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen. Ihnen gilt unser Mitgefühl, unsere ganze Anteilnahme.
Ich möchte hier in Anwesenheit des neuen amerikanischen Botschafters Dan Coats noch einmal ausdrücklich versichern: Die Menschen in Deutschland stehen in dieser schweren Stunde fest an der Seite der Vereinigten Staaten von Amerika.

(Beifall im ganzen Hause)

Kritik an der 100%-Solidarität gab es kaum.

Ausgerechnet der so belächelte Bundespräsident Johannes Rau war der einzige Politiker, der unmittelbar nach den Anschlägen schon vor militärischen Gegenmaßnahmen warnte. 
„Uneingeschränkte“ Solidarität könne man nicht versprechen.

Er stellte sich klar gegen Gerd Schröder und bekam dafür reichlich Kloppe aus CDU, CSU und FDP.

Es spricht für Schröder, daß er sich heute klar zu einem Irrtum bekennt und zugibt, es wäre besser gewesen damals auf Rau zu hören.

Der zweite Kritiker der ersten Stunde war ausgerechnet der Bellizist Peter Scholl-Latour.
Im Gegensatz zu den meisten anderen kannte er Afghanistan, wußte was es mit „dem Taliban“ auf sich hat, kannte Topographie und ethnisches Durcheinander des riesigen Landes am Hindukusch.

Scholl-Latour war damals Dauergast in deutschen Talkshows und Infosendungen. 

Immer wieder erzählte er empört davon, daß in den USA auf offener Straße ein Sikh erschlagen worden wäre, weil die aufgebrachten Amis nicht zwischen Moslems und Sikhs zu unterscheiden wußten. 

(Natürlich sind Vergeltungsmorde an Moslems genauso wenig zu rechtfertigen.)

Viele Gemeinsamkeiten haben die 23 Millionen Anhänger des Sikhismus allerdings nicht mit den rund eine Milliarde Moslems.
Praktizierende Sikhs, erkennt man an einem kunstvoll gebundenen Turban (Dastar).


Für den Ami des Jahres 2001 galt aber die einfache Regel:

Orientalische Hautfarbe + eigenartige Kopfbedeckung 
= fanatischer Amerikahasser.

In den meisten Ländern Europas setzte der Lernprozess relativ schnell ein.
 Man glaubte den Scholl-Latours im TV, die erklärten Kriege gegen Afghanistan und Irak müßten im Desaster enden.
Als es 2003 gegen Bagdad losging, hatte Amerika eine überwältigende Mehrheit der Öffentlichkeit gegen sich.
 Solidaritäts-US-Fahnen sah man schon lange nicht mehr in Deutschland.

In Amerika selbst dauerte die Lernphase erheblich länger.  
 Ende 2004 scharte man sich noch mal mehrheitlich hinter Präsident George W. Bush und seine Kriege. Seine Kompetenz beim „war on terror“ sicherte ihm die Wiederwahl.

 Ein echter Treppenwitz der Geschichte - denn wer könnte bei der Terrorismusbekämpfung inkompetenter als die Bush-Administration gewesen sein?

Erst 2008 dämmerte den Amerikanern, daß die Kriege gegen Afghanistan und den Irak die Lage noch verschlimmbessert hatten.

In einigen umnachteten Hirnen kam es allerdings nie zu einem Lernprozess. Dort ist die Doofheit so gewaltig, daß kein Informationszufluss etwas ändern kann.

Der Amerikaner Wade Michael Page, der am Sonntag in einem Sikh-Tempel in Oak Creek, einem Vorort von Milwaukee im (US-Bundesstaat Wisconsin) ein Massaker angerichtet hat, trug ein „Remember 9/11-Tattoo“

Warum richtet man Massaker unter Sikhs an?

Nach dem Amoklauf wurden Indizien bekannt, die auf Rassenhass und Rechtsextremismus des Amokläufers hindeuteten. Der 40-Jährige war demnach ein aus dem Militärdienst entlassener Soldat, der in rechtsextremen Bands mit Namen wie "Definite Hate" und "End Apathy" spielte. Außerdem postete er immer wieder in Internetforen für rechtsextreme Skinheads.

Die menschliche Doofheit ist unendlich.

Natürlich muß man immer damit rechnen, daß es extrem verdummten gewalttätigen Bodensatz in einer Gesellschaft gibt.

Atemberaubend ist es allerdings, wenn sich im Jahre 11 nach den WTC-Anschlägen einer der Topverblödeten, der ganz offensichtlich nicht die geringste Ahnung von anderen Kulturen und Religionen hat, dazu aufschwingt US-Präsident zu werden.



Mitt Romney, der gerade noch seine geistige Unterentwicklung eindrucksvoll in England, Israel und Polen zur Schau stellte, bedauerte nach dem Anschlag von Oak Creek die „Scheichs.“

Mitt Romney ist erneut in ein Fettnäpfchen getreten. Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Iowa wollte der designierte Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner eigentlich Anhängern der Sikh-Gemeinde sein Mitgefühl aussprechen. Ein Mann hatte im US-Bundesstaat Wisconsin einen Tempel der Religionsgruppe angegriffen und sechs Menschen erschossen.
Doch dann leistete sich Romney einen peinlichen Patzer. Statt "Sikh" sagte er "Scheich" - und das gleich mehrfach.

Der Unterschied zwischen Sikhs und Scheichs ist dem außenpolitisch Desinteressierten  ganz offensichtlich gar nicht bewußt.

Der Kandidat der Republikaner, dem schon der Besuch zur Eröffnung der Olympischen Spiele in London zu einer "Pleiten, Pech und Pannen"-Serie geriet, sprach nach dem tödlichen Amoklauf in einem Sikh-Tempel von diesen "Scheich-Leuten". Scheich heißt auf Englisch "sheik", hat aber wenig mit der Religion der Sikhs zu tun. Egal, sagt Romney, diese "Scheich-Menschen" sind die friedlichsten und liebenswürdigsten überhaupt.

So steht es in einer SPRINGER-Zeitung, also einem Blatt aus jenem Konzern, der seine Mitarbeiter per Unterschrift dazu verpflichtet Amerika-freundlich zu schreiben. 
Aber was soll man da noch beschönigen? 


Das Niveau der amerikanischen Politiker verfällt noch schneller als das der Minister in Deutschland.

Darf man sheik und sikh verwechseln, nur weil beide auf ein K enden und weil die Mitglieder beider Gruppen eine turbanartige Kopfbedeckung tragen? Nein, darf man nicht, vor allem nicht, wenn man Präsident der USA werden will.
Mitt Romney, der Kandidat der Republikaner, hat sich diesen Fehler geleistet und als Versprecher abgetan. Der Mann sei übermüdet gewesen, hieß es. Ehrlich gesagt: Das ist eine lausige Entschuldigung. Die Verwechslung zeugt im besten Fall von Ignoranz - Romney ist es einfach egal, um was für eine Gruppe es sich hier handelt, so wie es der Mehrheit seiner Wähler egal sein wird. Im schlechtesten Fall zeugt es von grandioser Unbildung und Klischeehuberei.
Der Kandidat steht freilich in bester Gesellschaft. Sarah Palins außenpolitische Tölpeleien waren geradezu Kult und trugen zur dauerhaften Beschädigung der Kandidatin vor vier Jahren bei. George Bush zeigte sich vor seiner ersten Wahl zum Präsidenten ebenfalls erschreckend unbeleckt. Wenn es um die Welt geht, ist Amerikas politische Klasse oft zutiefst provinziell.
(Süddeutsche Zeitung 10.08.12)

*(Die Person, die ich eben zitierte, mutierte später zum extremen GWB-Gegner und ist heute der größte Kritiker der US-Kriegseinsätze)

Donnerstag, 9. August 2012

Konservative Werte



Zu den wirklich unangenehmen Konservativen gehört die bayerische Justizministerin Beate Merk.
Wie Kollegin Kristina Schröder kann man sie unter „blond, blöd und böse“ abhaken.

Am 23. Oktober 2009 erklärte die bayerische Justizministerin Beate Merk voller Empörung, daß es auch Grenzen geben müsse!

"Es kann nicht sein, dass ein homosexuelles Paar ein Kind adoptiert. Da ist der Rubikon überschritten!"

Das bizarre Alpenvolk leistet sich nämlich eine Regierung, die noch im Jahr 2009 ein Normenkontrollverfahren beim Bundesverfassungsgericht anzettelte, um die böse Homoehe zu verhindern.

"Insbesondere eine Volladoption durch Lebenspartner wird es mit mir nicht geben", kündigte Merk an.

Homos sind nämlich bähbäh weiß die CSU.
In eine Koalition mit der FDP gezwungen, mußte Justizchefin Merk die in Karlsruhe anhängige Klage zwar widerstrebend zurückziehen, aber die Christsozialen vergaßen nicht klarzustellen, wie sie die Causa sehen:

“Ich glaube, dass die Ehe zwischen Vater und Mutter, dass die Familie mit Vater und Mutter die Zukunft ist, nicht etwas anderes, das ist die Moderne, und nicht eine Fehlentwicklung, die sich hoffentlich bald wieder legen wird.”
(Unions-Bundestags-Fraktionsjustizexperte Norbert Geis)

Schwule und Lesben sind eine „Fehlentwicklung“, also unnatürlich - soweit der K.O.alitionspartner von Guido Westerwelle.

Man möchte den Bayern einen in Blick in den Brockhaus empfehlen – das immerhin anerkannteste Lexikon-Werk der Welt – in dem es dazu heißt:

In der Sexualforschung geht man davon aus, dass die HOMOSEXUELLE ORIENTIERUNG EBENSO WIE DIE HETEROSEXUELLE tief und UNABÄNDERLICH mit der Persönlichkeit verknüpft ist. Die Homosexualität wird inzwischen VON ALLEN MIT IHR BEFASSTEN WISSENSCHAFTLICHEN DISZIPLINEN als ein häufig vorkommendes sexuelles NORMALPHÄNOMEN angesehen.

Zum Unglück für Geis und Merk hat sich die Homosexualität entgegen ihrer Prognosen aber drei Jahre später immer noch nicht „wieder gelegt“.

 Nein, es gibt sie immer noch, die Schwulen. 
Und es gibt immer noch Politiker, die das Thema auf die Agenda setzen.
 Bisher konnten CDU, CSU und FDP im Bundestag eine rechtliche Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften verhindern. 
Die FDP stimmte dabei ohne mit der Wimper zu zucken an der Seite der CSU’ler gegen ihre eigenen Überzeugungen, so daß beispielswiese letztes Wochenende die Organisatoren des CSD-Hamburg der FDP und der CDU dringend empfahlen nicht am CSD teilzunehmen. 

CDU- und FDP-Abordnungen auf einer Großdemo für Schwulenrechte, nachdem beide Parteien noch einen Monat zuvor im Bundestag gegen Schwulenrechte gestimmt hatten, erschienen den CSD-Machern etwas absurd.

Beate Merk, die Christin des Tages Nr. XVII und Koalitionspartnerin der FDP, machte noch Ende 2009 homophobe Stimmung:
"Ich werde Ehe und Familie weiterhin gegen eine schrittweise Gleichsetzung verteidigen. Wer aus vermeintlicher Political Correctness immer weitere Zugeständnisse an andere Lebensformen macht, beschädigt in Wahrheit das Institut der Ehe"

(Eigentlich hätte sich die Bayerische Hadcore-Ministerin schon damit für den Titel der Christin des Tages qualifiziert - aber sie legte noch ordentlich nach.

Als Walter Mixa Anfang Februar 2009 seinen Ruf als peinlichster und dümmster Bischof Deutschlands aufpolierte und tout Bundesrepublik entgeistert den Kopf über seine Gaga-Ansichten (Schuld am Kindesmißbrauch in katholischen Kirchen seien die 68er) schüttelte, sprang ihm Merk zur Seite.

Im diametralen Widerspruch zu ihrer pathetisch auf der eigenen Webseite verbreiteten Zielsetzung „Opferschutz vor Täterschutz“ stellte sie sich ohne zu zögern auf die Seite der klerikalen Täter.

Die CSU-Politikerin hatte sich hinter Mixa gestellt, der die sexuelle Revolution vergangener Jahrzehnte für den sexuellen Missbrauch an Kindern in katholischen Einrichtungen als mitursächlich bezeichnet hatte.
Merk hatte gesagt, sie sei Mixa sehr dankbar für diese klare Stellungnahme, weil es ein Tabu sei, über sexuellen Missbrauch zu sprechen und weil uns jede öffentliche Diskussion weiterbringt und den Opfern hilft. Sie sehe deshalb in Mixas Worten "keine unglückliche Formulierung, sondern den Versuch einer Erklärung".

Die Kirchlichen Missetäter zu ahnden kam der Bayerin nicht in den Sinn.
Tatsächlich fordert Merk gerne schwerere Strafen - gegen Jugendliche allerdings.
Das Jugendstrafrecht soll nach den Vorstellungen der CSU-Wuchtbrumme in Zukunft Höchststrafen von 15 Jahren, statt zehn Jahren ermöglichen.)

Daß nun, im Sommer 2012 ausgerechnet die bis ins Bräunliche konservative Bundesfamilienministerin der homophoben Linie Bayerns widerspricht, regt die CSU’ler mächtig auf.

Die bayerische Justizministerin Beate Merk wurmte vor allem das Timing der Debatte. Die stellvertretende CSU-Chefin kritisierte, dass die 13 Angeordneten ihr Anliegen in den Parlamentsferien öffentlich gemacht haben: "Ich bin der Meinung, dass die Sommerpause nicht der richtige Zeitpunkt für diese Debatte ist", sagte Merk zu Süddeutsche.de. Die Diskussion müsse "behutsam und mit viel Ruhe" in den Gremien der Parteien geführt werden.

Wie schon über 1000 Jahre lang, ist JETZT natürlich nicht der richtige Zeitpunkt Homos gleiche Rechte zuzuerkennen.
Merk würde damit lieber bis zum St. Nimmerleintag warten.

Aber was treibt eigentlich die Herdprämien-, Frauenquotenhasserin- und Nationalgesinnungs-TÜV-Frau Kristina Schröder dazu mit Fipsi Rösler gemeinsame schwule Sache gegen Schäuble zu machen?

Ganz einfach; die Frauenministerin hat erkannt, daß Schwule konservativ wären und „konservative Werte“ lebten.

Auch Bundesfamilienministerin Kristina Schröder unterstützt den Appell. Die CDU-Politikerin sagte der Süddeutschen Zeitung, der Vorstoß komme "zur rechten Zeit, denn in lesbischen und schwulen Lebenspartnerschaften übernehmen Menschen dauerhaft Verantwortung füreinander, sie leben damit konservative Werte".
Am 1. August hatte das Verfassungsgericht entschieden, dass verpartnerte Beamte, Richter und Soldaten im Besoldungs- und Versorgungsrecht mit Ehegatten gleichgestellt werden müssen und deshalb auch einen Anspruch auf den Familienzuschlag haben.
Bisher lehnt die Union eine steuerliche Gleichbehandlung von Ehen und homosexuellen Lebenspartnerschaften ab.

Eine ungewohnte Erfahrung für die Watschenfrau der Journaille und bestgehasste Politikerin: Plötzlich erntet sie Lob für ihren „Mut“ Schwule als Bewahrer „konservativer Werte“ zu charakterisieren.

Eigenartig.

Man könnte die Verquickung von „schwul“ und „konservativ“ auch als neuen Gipfelpunkt der Schröderschen Doofheit ansehen.

Das eine hat mit dem anderen nämlich nichts zu tun. 
Natürlich gibt es jede Menge stramm konservative Schwule - man denke nur an die Kurienkardinäle.
In der CDU, in der GOP - überall gibt es schwule Unter-Gruppen.

Dennoch spricht einiges dafür Homosexuelle als tendenziell etwas liberaler als den Durchschnitt anzusehen, da sie in eine Minderheit gezwungen werden und dadurch möglicherweise mehr Verständnis und Mitgefühl für andere Minderheiten entwickeln.

Die zweite Schrödersche Doofheit besteht darin zu unterstellen, es wäre „konservativ“, wenn Menschen „dauerhafte Verantwortung“ übernähmen.

Eine regelrechte Unverschämtheit ist das. 
Ich bin zwar kein Soziologe, aber ich kenne mich ein wenig in Pflegeheimen und Krankenhäusern aus. Dort erlebe ich genau das Gegenteil. 
Es sind eher Linke, Alternative, Soziale (oder wie auch immer man es nennen will), die für ihre Angehörigen, Eltern, kranken Kinder dauerhaft Verantwortung übernehmen.

Daß es nur Konservative wären, die sich jahrelang rührend um ihre Dementen Großeltern oder krebskranken Kinder oder gelähmten Ehepartnern kümmern, kann nur einer Kristina Schröder einfallen.

Möglicherweise zielte sie aber auch mit „dauerhafte Verantwortung“ auf eheliche Treue ab. 

Dabei sind die CSU’ler, die jetzt am lautesten das Credo der herkömmlichen Ehe beschwören mit Horst Seehofer und Markus Söder ausgerechnet zwei Männer, die während ihrer Ehe noch mit einer zweiten Frau uneheliche Kinder zeugten.

Der Sozi Helmut Schmidt lebte 68 mit derselben Frau zusammen.

Die konservativen Ministerpräsidenten Öttinger und Wulff hingegen setzten ihre angetrauten Eheweiber vor die Tür und verlustierten sich mit einer Kebse. 
Auch Merkel und Gauck leben in Scheidung. 
Von Beust ist schwul.

Aber selbst wenn ein Funken Wahrheit dran wäre, daß Schwule konservativ sind, taugt das nichts als Argument ihnen großzügig die Ehe zu erlauben.

Menschenrechte sind universell und es obliegt nicht einer latent verblödeten Familienministerin Rechte zuzugestehen oder abzulehnen.

Das Recht eine Partnerschaft einzugehen hängt schon gar nicht von politischen Wohlgefallen gegenüber der Agenda der augenblicklichen Regierung ab.

Auch wenn alle heiratswilligen Lesben Fans der Kommunistischen Plattform wären und ausschließlich Sahra Wagenknecht wählten, hätten sie dasselbe Recht zu heiraten, wie „konservative“ Lesben.

Der Ehebrecher Seehofer erklärt ex cathedra, daß Homosexuelle nicht die Rechte bekommen sollten, die selbstverständlich für ihn gelten.

CSU-Chef Horst Seehofer hat vor einer steuerlichen Gleichstellung homosexueller Paare mit der Ehe gewarnt. Ehe und Familie sollten privilegiert bleiben - daran solle man nicht rütteln, sagte Seehofer der Zeitung «Die Welt».

Zur Freude von Hakenkreuznet poltert auch Norbert Geis, der Rechtsexperte der Unions-Bundestagsfraktion, gegen das neuerliche Ansinnen der FDP-Minister + Schröder:
Der Vorschlag eines Splittings für Homo-Gestörte wurde von dreizehn CDU-Homoabgeordneten vorgebracht.   Das Grundgesetz wird für die Homos aufgehoben.  Geis belehrt das deutsche Bundesverfassungsgericht.    Dieses müsse bedenken, daß durch eine immer größere Annäherung der Ehe zu einer homogestörten Ehe-Parodie der Unterschied zwischen beiden nicht mehr erkennbar sei. […]   Der Abgeordnete erinnert an die Tatsache, daß die Homo-Verkuppelung verfassungswidrig ist. […]      Seine Frage: „Das soll man ändern, nur weil es ein paar Leuten einfällt?“   […]  Homos argumentieren nicht – sie beschimpfen.  Geis deckt auf, mit welchen dreckigen Mitteln die Homo-Mafia arbeitet: „Es gibt Kreise, die der Meinung, die ich vertrete, sehr intolerant gegenüber stehen. Ich bekomme massenhaft E-Mails, in denen ich beschimpft werde.“  Er glaubt, daß er das „ertragen“ müsse: „Aber es ist auch mein Recht, meine Meinung zu sagen, verdammt noch mal.“
(Kreuznet 08.08.12)

Während Geis schon immer Schwule, Frauen und vieles mehr hasste, kann Seehofer morgen schon Vorkämpfer der „Homo-Verkuppelung“ sein. 
ER, der Vorzeigekonservative mit der Freundin und dem unehelichen Kind neben seiner Hauptfrau und Hauptfamilie wechselt seine Ansichten deutlich häufiger als seine Unterwäsche.

Der bayerische Ministerpräsident ist ein Mann mit schier unendlich vielen Überzeugungen. Zu jeder hat er selbst gleich eine Gegenmeinung.  […] Horst Seehofer ist mit seinem Ego immer eng befreundet gewesen. Die beiden machten miteinander Karriere, erst außerhalb Bayerns, dann auch dort, stiegen zum CSU-Chef und Landesvater auf, was immer sich so ergab. Seehofer und sein Ego stehen ständig im Wettstreit miteinander, wollen sich gegenseitig übertrumpfen. Kaum bekundet Seehofer: Bayern kommt zuerst, das ist mein Auftrag, da beansprucht sein Ego gleich die Richtlinienkompetenz für Europa: Es wird auch künftig keine Hilfen ohne strikte Auflagen und Reformvorgaben geben. Kaum hat der eine der Neuregelung des Länderfinanzausgleichs zugestimmt, da legt der andere schon Klage beim Bundesverfassungsgericht ein. Und so schmelzen Seehofer und sein Ego zu einem Prototyp der deutschen Politik zusammen: dem Mann, der noch größer ist als seine Widersprüche.

Während sich die Minister der Bundesregierung mal wieder wie die Kesselflicker kloppen, wäre es interessant zu hören, was die Frau mit der Richtlinienkompetenz zur causa Homogattensplitting zu sagen hätte.
Aber, unnötig zu erwähnen, Merkel sagt nichts. 
Wie immer bei kontroversen Themen. Sie will beliebt sein und das ist alles.
 Mit einer Positionierung würde sie entweder der Konservativen oder die Normalen in ihrer Partei verschrecken. Das wagt sie nicht.
Sollen doch die Lesben und Schwulen für immer warten.

Der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter sagte am Mittwoch, es biete sich in den kommenden Wochen die Gelegenheit, die "zweifelsohne vorhandenen unterschiedlichen Meinungen auszutauschen und möglichst in Einklang zu bringen". Die Bundeskanzlerin sei zwar in ihrem Urlaub mit der Angelegenheit "befasst", sie werde sich von dort aus aber "jetzt nicht aktiv in den Ring" werfen. […] Zur persönlichen Haltung Merkels wollte Streiter nichts sagen.

Mittwoch, 8. August 2012

Wie man sich bettet, so liegt man





Nichts ist gut in Afghanistan!“ - so lautete der Slogan der Populistin Bizarra Käßmann.

Mit solchen Sprüchen macht man sich natürlich beliebt beim Volk - denn wer würde den Militäreinsatz am Hindukusch nicht lieber heute als morgen beenden?

Eine Menge Afghanistan-Experten und Vertreter von Hilfsorganisationen ärgerten sich gar sehr über die Talkshow-affine Ex-Oberbischöfin.
 Was sie denn stattdessen in Afghanistan tun würde, fragte man sie öffentlich.
Wenig überraschenderweise hatte Käßmann darauf aber keine Antwort und gab nur Allgemeinplätzchen ab. 
Sie würde mit den Taliban reden und gemeinsam mit ihnen beten.

Schade eigentlich, daß der damalige Superverteidigungsminister Guttenberg zu beschäftigt damit war für Sat1 mit J.B. Kerner eine Modenschau mit seiner Frau als Mannequin in Afghanistan zu inszenieren.
 Ich hätte es gern gesehen, wenn er Frau Käßmann am Hindukusch entsorgt hätte.
Eine Frau in kurzer Bluse mit der Bibel in der Hand wäre sicher gut angekommen bei den Taliban.

In Wahrheit ist es wohl eher so, daß Käßmann genauso wenig von Afghanistan versteht wie die meisten Politiker.
 Und wer sich intensiver mit den Zuständen rund um Kundus beschäftigt hat, wird nicht den Fehler begehen dem Urnenpöbel reinen Wein einzuschenken. Zu unerfreulich, zu kostspielig und zu deprimierend ist dieser Militäreinsatz.

Merkel möchte beliebt sein, weil das die Voraussetzung dafür ist wiedergewählt zu werden.
Dazu wäre es sicher nicht hilfreich, wenn das Wahlvolk genauer wüßte welcher Wahnsinn am Hindukusch tobt und daß dafür die Kanzlerin verantwortlich ist, die in sieben Jahren auf dem deutschen Chefsessel nicht eine einzige internationale Initiative gestartet hat den Schlamassel zu verbessern.

Wie kläglich die politische Führung im Dunkeln tappt, entlarvt eine aktuelle Studie.

Der Politologe Nils Wörmer von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin entzaubert die vermeintlich kluge Wahl des deutschen Solidarbeitrags im Kampf gegen den Terror jetzt als pure Ahnungslosigkeit. In einer umfangreichen Studie für das renommierte Afghanistan Analyst Network (AAN) hat der frühere Bundeswehrhauptmann das " Kundus-Netzwerk" aufgedeckt, das zwischen 1978 und 2001, also vor dem Afghanistan-Krieg, die Provinz beherrschte.
Die Arbeit ist ein wichtiger Beitrag, um zu verstehen, warum wenige Jahre nach Ankunft der deutschen Soldaten die Situation in einigen Gebieten der Provinz schleichend außer Kontrolle geraten war. Eigentlich sollte das deutsche Wiederaufbaulager (PRT) für Ruhe sorgen. Stattdessen wurde die Bundeswehr fast täglich von den Aufständischen in Kampfeinsätze verstrickt. Wörmer analysiert detailliert, welche verschiedenen politischen Fraktionen und welche Konflikte die Provinz beherrschten, und legt so offen, was später zu der unvorhergesehenen Gewalteskalation führte.
Die zentrale Schlussfolgerung des 48 Seiten starken Forschungspapiers lautet, dass die politischen Entscheidungsträger in Deutschland "weitgehend ahnungslos waren über das hochkomplexe Netz aus Konflikten und Machtstrukturen in der Region", als sie die Gründung des ersten PRT in Kundus beschlossen. "Eine deutsche Erkundungsmission beschrieb die Situation in Kundus als weitgehend ruhig und ziemlich stabil", heißt es. Doch die Kundschafter hätten dabei übersehen, dass Kundus "aufgeladen war mit alten Konflikten".

Interessanterweise hat die Bundesregierung seit dem Tanklaster-Desaster vom September 2009 keinerlei strategische Veränderungen vorgenommen.

Neu ist nur, daß der berüchtigte Oberst Klein, der den Befehl zur Bombardierung des Lasters gab, bei dem 140 Zivilisten starben, inzwischen befördert worden ist!
Deutschlands zweitbeliebtester Politiker, Verteidigungsminister Thomas de Maizière, machte Klein just zum General. 
Der Mann hat sich offenbar verdient gemacht. Noch Fragen?

Angeblich bemühen sich die deutschen Soldaten in Kundus nun darum die Afghanische Armee auszubilden. 
Damit soll dem deutschen Wähler suggeriert werden es könne bald möglich sein abzuziehen und dann die „Macht“ von der Bundeswehr auf die Afghanen übergehen zu lassen.
Was Westerwelle, Niebel und de Maizière dabei nicht erwähnen, ist das enorme Misstrauen zwischen Deutschen und Afghanen, das in zwischen entstanden ist. 
Mittlerweile überlassen die Bundeswehrausbilder ihren angeblichen „Verbündeten“ bei der Grundausbildung zum Polizisten oder Soldaten nur noch Holzgewehre (sic!), weil sie fürchten sie würden auf der Stelle erschossen, wenn sie echte Waffen verschenkten.

Die ökonomischen Rahmenbedingen werden unterdessen immer heikler, weil sich viele Afghanen in den letzten zehn Jahren mehr und mehr darauf verlassen haben von den ausländischen Truppen Jobs zu bekommen. 
Isaf und Bundeswehr kauften Lebensmittel, beschäftigen Handwerker, vergaben Bauaufträge richteten Krankenhäuser sein.
 Es entstand eine fatale Abhängigkeit der afghanischen Wirtschaft von den verhassten ausländischen Truppen.

Auch das ist ein Aspekt, den Käßmann offensichtlich nicht begriffen hatte.

Aufgrund der katastrophalen Sicherheitslage verschanzen sich die Bundeswehrsoldaten aber immer mehr und vertrauen den Einheimischen nicht. 
Dadurch steigt die Arbeitslosigkeit rapide an. Viele Familien, die wirtschaftlich völlig von den Besatzungstruppen abhängig geworden sind, stehen vor dem Nichts.
 Unter den Bundeswehrsoldaten steigen unterdessen wie bei den amerikanischen Kollegen die Selbstmordzahlen.

Kann es noch schlimmer kommen?

Ja, es kann.

Denn so ineffektiv die deutsche Regierung auch bei all den aufgeschobenen Projekten in Deutschland ist, so begeistert fördert sie den Waffenexport.
Inzwischen  schießen die Taliban daher mit deutschen Waffen auf die Bundeswehr! 
Glückwunsch an die Merkelregierung für diese Spitzenleistung.

Elf Jahre Krieg. Elf Jahre, in denen kaum ein Tag ohne schockierende Meldung vergeht.
Auch am Dienstag wieder: Mindestens 13 Menschen wurden in der Provinz Logar im Osten Afghanistans verletzt, nachdem radikal-islamische Aufständische einen auf einem Lkw versteckten Sprengsatz gezündet hatten.
Der scheinbar aussichtslose Kampf gegen die Taliban – jetzt kommt raus: Die Bundeswehr muss ihn sogar gegen deutsche Waffen führen. Nach unseren Informationen stellt die internationalen Schutztruppe ISAF immer wieder Munition und Waffen aus hiesiger Produktion sicher. Neben Tschechien ist Deutschland das einzige EU-Land, aus dem seit 2009 Waffen in Afghanistan erbeutet wurden.
Obwohl überhaupt erst seit drei Jahren Datenbanken geführt werden, deckt die Liste, die das Verteidigungsministerium auf Anfrage des Bundestagsabgeordneten Jan van Aken herausgegeben hat, fast die gesamte Bandbreite tödlicher Waffen ab: Maschinengewehre, Pistolen und Mörser sind genauso dabei wie Repetierwaffen (vermutlich aus dem 2. Weltkrieg) und G3-Sturmgewehre der Marke Heckler & Koch, die bis 1995 zur Standardwaffe der Bundeswehr zählten.

Die Linksfraktion im Bundestag, die zu dem Thema eine Anfrage an das Verteidigungsministerium gestellt hatte, beklagte mangelnde Kontrolle bei deutschen Waffenexporten. «Es wird deutlich, dass die deutsche Kontrolle nicht funktioniert. Wenn die Waffen einmal exportiert sind, werden sie in alle Kriege dieser Welt weitergereicht - bis dahin, dass heute deutsche Soldaten gegen deutsche Waffen kämpfen müssen», sagte der Linke-Rüstungsexperte und Vize-Parteichef Jan van Aken der Zeitung. «Länder mit vergleichbarer Rüstungsindustrie wie Frankreich und Großbritannien scheinen kein so großes Kontrollproblem zu haben, denn französische oder britische Waffen wurden nicht bei den Taliban gefunden.»

Ich bin bekanntlich kein richtiger Fan der Linkspartei, weil die einfach zu chaotisch und weltfremd agieren. 
Aber in der Bundestagsfraktion haben sie einige wirklich gute Leute. 
Dazu zählt absolut der ehemalige UN-Waffen-Inspekteur Jan von Aken, den ich schon zuvor lobend erwähnte.

 Alle anderen Parteien verschlafen die Angelegenheit.

Seit 2009 haben ISAF-Truppen bei Kämpfen mit den Aufständischen unter anderem Maschinenpistolen, ein Maschinengewehr, ein Sturmgewehr G3 und einen Mörser aus deutscher Produktion erbeutet. Genauere Daten wie z.B. die Seriennummer der Beutewaffen werden systematisch NICHT erfasst, sodass eine Rückverfolgung des Verbreitungsweges nicht mehr möglich ist.

Dies zeigt einmal mehr, dass die deutsche Kontrolle von Waffenexporten überhaupt nicht funktioniert. Wenn die Waffen einmal exportiert sind, wenn Lizenzen zum Nachbau einmal vergeben sind, ist die Verbreitung deutscher Waffentechnologie nicht mehr zu stoppen. Deshalb tauchen deutsche Waffen in nahezu allen Kriegsgebieten der Gegenwart auf: in Somalia, Darfur, Georgien oder in Libyen.

Die Folgen der deutschen Waffenexporte und der de facto nicht vorhandenen Endverbleibskontrolle treffen nun auch die Bundeswehrsoldaten in Afghanistan. Deutsche Waffenexporte werden für sie zum Bumerang.

Die Antworten der Bundesregierung im Detail:

Eine Liste der sichergestellten deutschen Waffen findet sich in der Antwort auf Frage 6, Angaben zu Munition aus deutscher Produktion bei Frage 20.

Erst seit 2009 werden Datenbanken über erbeutete Waffen geführt, für die Zeit davor gibt es gar keine Angaben. (Frage 18)

Neben deutschen Waffen wurde seit 2009 nur noch der Fund von Waffen aus Russland, China, Iran, USA, Tschechien und Ex-Jugoslawien dokumentiert. (Frage 6). Waffen z.B. aus Frankreich und Großbritannien wurden seit 2009 nicht gefunden.

Wichtige Daten wie Herstellername oder Seriennummer werden nicht systematisch erfasst (so wie z.B. von INTERPOL vorgesehen), sondern lediglich der Waffentyp notiert (Frage 9). Damit ist eine Rückverfolgung des Schmuggelweges nicht mehr möglich. Auch der Erstempfänger dieser Waffen, der offensichtlich die deutschen Waffen illegal weitergeleitet hat, ist nicht mehr ermittelbar.

Die Antworten der Bundesregierung im Einzelnen können Sie hier nachlesen
(Linksfraktion 08.08.2012, Zur Kleinen Anfrage zu Waffenfundenin Afghanistan)

Aken ist ein Guter - es lohnt sich ihm zuzuhören.

Dienstag, 7. August 2012

Israelis, Juden und Penisse.



Das ist schon eine ungute Erkenntnis, wenn man feststellt wie simpel gestrickt einige unserer Volksvertreter ticken, wie wenig sie durchblicken.

Immer wieder einmal schnappen sie irgendwelche von den richtigen Lobbyisten eingeflüsterten  Satzfetzen auf und wiederholen sie dann brav, ohne sich der Konsequenzen bewußt zu sein.

Man betrachte dazu nur die brandgefährlichen populistischen Sprüche, welche die Doyen der Doofheit, Alexander Dobrindt und Markus Söder regelmäßig absondern.


Aber schlimmer geht immer.

Melderecht, Transplantationsgesetz, Patientenverfügung, Homo-Adoption, Wahlrecht, Genitalverstümmelung, Waffenexportrichtlinien - in immer schnellerer Frequenz erleben wir es, wie überforderte Politiker-Darsteller irgendwelche Vorlagen nach den Anweisungen des Fraktionsgeschäftsführers abnicken, ohne sich selbst Gedanken über das Thema zu machen.


Wie jeder inzwischen weiß, ist es nicht ganz einfach den religiotischen Wunsch nach Blutritualen an den Geschlechtsorganen ihrer Söhne mit dem Grundgesetz in Einklang zu bringen.

In einer normalen Regierung würde so eine juristisch diffizile Angelegenheit den Justizminister auf den Plan rufen.

In Merkels Chaos-Trupp nimmt die zuständige Frau aber liebe eine Auszeit.
Wie das so ihre Art ist:
SSie wehre sich regelrecht dagegen initiativ zu werden diagnostiziert der Tagesspiegel:
„Wie bei der Regelung zur Straffreiheit für die Beschneidung minderjähriger Jungen. In einem Entschließungsantrag hat der Bundestag die Ministerin aufgefordert, nach der Sommerpause ein Gesetz vorzulegen. Die Angelegenheit ist zwar schwer zu regeln, weil mehrere Grundrechte betroffen sind. Doch von der Justizministerin hätte man sich eine klare Positionierung gewünscht. Stattdessen ließ sich Frau Leutheusser-Schnarrenberger zunächst von der Kanzlerin dazu drängen, überhaupt einen Gesetzentwurf vorzulegen. Dann gestand die oberste Juristin des Landes auch noch öffentlich ein, dass jedes Gesetz in dieser Sache wohl vor dem Verfassungsgericht landen werde. Für Justizexperten ist das ein seltsamer Anspruch für eine Justizministerin.“

Es ist offensichtlich, daß die Regierenden und die Majorität der Parlamentarier sich gar nicht in diese Angelegenheit hineindenken wollten.

 Sie hörten nur die hysterischen Reaktionen der Jüdischen und Muslimischen Geistlichen (NICHT zu verwechseln mit den Ansichten aller Juden und aller Muslims), die den Eindruck erweckten Jüdisches Leben mit bedeckter Eichel sei unmöglich und außerdem: „Hitler! Hitler! Hitler! Nicht schon wieder!“

Ja, es wurde von einigen wenigen Parlamentariern auch an Kinderrechte, Religionsfreiheit und medizinische Argumente gedacht. 
Aber was zählte das schon neben der großen Antisemitismuskeule?
 Außenminister und Kanzlerin verweisen folgerichtig auch auf die Wirkung im Ausland, wenn ausgerechnet Deutschland wieder „gegen die Juden“ vorginge.

Dabei könnte man genauso gut umgekehrt einen Schuh draus machen und freudig zur Kenntnis nehmen, daß sich deutsche Richter im Gegensatz zu so vielen Kollegen anderer Nationen um das körperliche Wohl jüdischer und muslimischer Kinder sorgen.

Daß von Volker Beck und Charlotte Knobloch aufgetischte Märchen die Genitalverstümmelung bei Jungs sei völlig ungefährlich, läßt sich schon lange nicht mehr halten.

Durch die Bank weg waren, bzw SIND unsere Politiker aber nicht auf dem aktuellen Wissensstand, haben keine Ahnung davon wie weit international die Debatte über Beschneidungen gediehen ist.

Über einhundert Tote jährlich gibt es allein in den USA durch Beschneidung von Penissen.

A new study published yesterday in Thymos: Journal of Boyhood Studies estimates that more than 100 baby boys die from circumcision complications each year, including from anesthesia reaction, stroke, hemorrhage, and infection. Because infant circumcision is elective, all of these deaths are avoidable.
The International Coalition for Genital Integrity applauds that, for the first time, a rational attempt has been made to estimate the scale of the problem, and is simultaneously appalled by how many baby boys needlessly die each year in the United States.
The study concluded: “These boys died because physicians have been either complicit or duplicitous, and because parents ignorantly said ‘Yes,’ or lacked the courage to say ‘No.’” And called the deaths “an unrecognized sacrifice of innocents.”
The study found that approximately 117 neonatal (first 28 days after birth) circumcision-related deaths occur annually in the United States, one out of every 77 male neonatal deaths. The study also identified reasons why accurate data on these deaths are not available, some of the obstacles to preventing these deaths, and some solutions to overcome them.
Previous studies estimated the death rate as low as two per year to as many as 230. The study collected data from hospital records and government sources to attempt to provide a more accurate magnitude of the problem.

Aber auch diese Zahlen, die Volker Beck und Co immer wieder präsentiert wurden, drangen nicht durch. 

Der Religionsknecht ignorierte diese Erkenntnisse und ist bis heute manisch auf zwei Prämissen fixiert:

1.) ALLE JUDEN sind beschnitten
2.) Auch der Umkehrschluss gilt: Ohne Beschneidung kein Judentum.

Beides ist aber Unsinn.

In Europäischen Ländern wie Schweden und Deutschland ist sogar nur eine Minderheit der Juden beschnitten. 
Kein Rabbiner, aber auch nicht Frau Knobloch und Herr Graumann stellen den Männern, die nicht ihre blanke Eichel vorzeigen können, deswegen den Stuhl vor die Tür und schließen sie aus den Jüdischen Gemeinden aus.

Jude ist das Kind einer jüdischen Mutter - simple as that.

Die Religions - oder gar Volkszugehörigkeit hängt nicht von anatomischen Details des Penis ab.

Man staunt doch immer wieder wie sehr sich die drei Abrahamitischen Großreligionen trotz aller Unterschiede darin gleichen geradezu manisch auf den Penis fixiert zu sein.

Wie er auszusehen hat, wie er benutzt werden darf, wer ihn anfassen darf, etc - dies sind offenbar die Kernfragen der Gottesgläubigen. 

Statt Stern oder Kreuz wäre es nur logisch, wenn die Religionen einen Dildo als Erkennungssymbol verwendeten.

Über das Volk der Juden, wie es oft genannt wird, obwohl es sich doch um eine Religion handelt, läßt sich eins übereinstimmend feststellen: 
Analphabetismus ist untypisch für Juden. Schon immer galten Juden als Volk der Schrift und der Gelehrten.

Da verwundert es nicht, daß im Staat der Juden, also der Nation Israel, in der auch so viele Muslims und Atheisten leben, die Penisverstümmelungsmanie diskutiert und zunehmend kritisch gesehen wird.

Profi-Lobbyisten wie Graumann, Seligmann und Knoblauch, nehmen diese Fakten genauso wenig zur Kenntnis wie Profi-Idioten (Merkel, Westerwelle und Beck).

In der Print-Ausgabe der SZ erschien heute unter dem Titel „Der Schrei“ eine ganzseitige Reportage von Thorsten Schmitz, in der er viele Bürger Israels vorstellt, die ihre Söhne nicht mehr beschneiden lassen haben und ihre Gründe für diese Entscheidung erläutert.

Ich wünsche mir, daß die deutschen Parlamentarier diese Berichte ebenfalls lesen und daraufhin ihre festgefahrene Meinung überdenken. 
(Ein Wunsch mit nahezu keiner Aussicht auf Erfüllung - ich weiß)

Tatsächlich ist es so, daß zunehmend auch Juden in Israel ihre Söhne nicht mehr beschneiden lassen

Sie begehren gegen eine jahrtausendealte Tradition auf, deren Sinn sich ihnen nicht erschließt. Sie legen sich mit ihren Ehemännern, Vätern, Müttern, Großeltern an und ersparen ihren Söhnen die Brit Mila, die Beschneidung. Israelische Medien schätzen, dass bereits mehrere tausend Familien auf eine Brit Mila verzichtet haben. Offizielle Zahlen gibt es nicht. Das Gesundheitsministerium schweigt, wenn man dort nachfragt.
(Thorsten Schmitz, 07.08.12)

Anders als Graumann und Co behaupten werden ihre Kinder deswegen auch nicht ganz fürchterlich ausgegrenzt und gemobbt, nur weil ihre Penis ein wenig anders aussieht. Was wäre das auch für ein Armutszeugnis, wenn es anders wäre.

Inon [10 Jahre]  hat keine Scheu, über seinen unbeschnittenen Penis zu reden. 'Beim Pipimachen und beim Duschen sehen die anderen, dass ich eine Vorhaut habe. Die haben mich gefragt, warum, und ich hab"s ihnen erklärt.' Und seitdem? 'Fragt keiner mehr.' Einmal habe einer gelacht. Und er? 'Habe einfach auch gelacht.' Wie er den anderen seine Vorhaut erklärt? 'Dass unsere Eltern uns nicht weh tun wollten und dass es überflüssig ist.'
 […] Sohn Roi, sechs Jahre alt, setzt sich zu ihr auf die Schaukel. Er sagt, ein Junge in seiner Klasse habe erzählt, Unbeschnittene seien keine Juden. Das habe er von seinem Opa. Galia Reiner führt viele Gespräche mit ihren Söhnen, auch mit den Kindergärtnerinnen, 'damit sie nicht schockiert sind, wenn sie unsere Jungs nackt sehen'. Ihre Jungs wissen: Jude ist, wer eine jüdische Mutter hat.
[…] Überzeugt hat [Itay]  dann ein 15-jähriger unbeschnittener Nachbarsjunge, der sagte: 'Ich hatte noch nie ein Problem. Niemand sagt was, wenn wir uns beim Pissen anschauen.' Heute denkt Itay Reiner genauso: 'Man hätte schon vor 500 Jahren mit der Brit Mila aufhören sollen. Wir essen Schweinefleisch, gehen samstags aus, aber wir verstümmeln unsere Söhne noch immer!'
(Thorsten Schmitz, 07.08.12)

Auch andere Zeitungen berichteten schon von den Juden, die sich prinzipiell gegen Beschneidungen engagieren. 

Im Bundestag ist diese Erkenntnis aber nie angekommen.

Vor sieben Jahren hatten die Sadehs einen Sohn bekommen. »Wie bei uns üblich hatte ich mit einem Mohel, einem Beschneider, einen Termin vereinbart«, erzählt der Jude. Zwei Tage vor der Feier habe er sich im Internet informiert, was bei dem Eingriff passiert. »Ich war entsetzt«, sagt der Israeli. Denn er habe erfahren, dass bei kleinen Kindern Vorhaut und Eichel von Natur aus fest verklebt seien, um die Eichel vor Urin zu schützen. Und dass es deshalb keineswegs einfach sei, die Vorhaut zu entfernen. Dass die Kinder große Schmerzen hätten, und dass es negative Auswirkungen auf die Sexualität geben könne.
»Zum Glück war meine Frau sofort einverstanden, die Beschneidung abzusagen. Der gesellschaftliche Druck, den Eingriff doch durchführen zu lassen, war allerdings enorm«, sagt der 42-Jährige. »Die Leute machen dir Angst. Sie werfen dir vor, dein Kind zum Außenseiter zu stempeln und es Repressalien auszusetzen. Das ist jetzt sieben Jahre her, und ich muss sagen: Das war alles nur leeres Gerede. Für unseren Sohn ist das alles kein Thema. Es geht ihm gut, und er hat seine Freunde. Und selbst wenn er gehänselt würde: Es werden auch Kinder mit roten Haaren gemobbt. Hänseln kann für uns kein Grund sein, unser Kind zu verstümmeln.«
Seit 2005 setzen sich Eran Sadeh und seine Frau gegen Beschneidungen ein. »Einmal im Monat gibt es ein Treffen, zu dem etwa zehn Elternpaare kommen, die Fragen haben«, erzählt der Computertechniker, der auch im Internet über medizinische und religiöse Aspekte aufklärt. »Es gibt viele Mütter und Väter, die das Barbarische in der Beschneidung erkennen, aber es aus Angst vor ihren Verwandten dann doch geschehen lassen.« Sadeh, der auch einen Abschluss in Rechtswissenschaften hat, sagt, es stimme zwar, dass in der Bibel die Beschneidung gefordert werde. »Dort wird aber auch die Steinigung von Menschen gefordert, die am Sabbat arbeiten. Und das will heute doch auch niemand mehr.« Es sei auch nicht so, dass man nur beschnitten zur jüdischen Gemeinschaft gehöre. »Sie können jeden Rabbi fragen: Wer eine jüdische Mutter hat, ist Jude – ganz gleich, ob er beschnitten ist oder nicht.«

Auch Aktivist Enosch wurde schon vor Wochen in der deutschen Presse vorgestellt.

Wir waren sehr froh, zu beobachten, dass ein deutsches Gericht das unmoralische Vorgehen der Beschneidung verurteilt, ausgerechnet ein deutsches Gericht.

Seine Initiative sollte bekannt sein.

Die Adresse des amerikanischen Pendants lautet

http://www.intactamerica.org/