Ein
religiöser Mensch relativiert nicht, er muß nicht abwägen.
Seine Welt ist
absolut. Sein Gott ist die Inkarnation des Superlativs. Allmächtig und
allwissend. Gott kann alles. Er läßt nichts ohne seinen Plan geschehen. Man
kann Gott nicht hintergehen, nicht seinem langen Arm entkommen.
Der
„Q“ des Universums.
Einzig die Interessen Gottes sind nicht universal. Er
kümmert sich zwar um viele, aber eben nicht um alles.
Wir
wissen, daß Gott ein Sportfreak ist. Schießt ein amerikanischer Basketballer
aus Boston ein Tor, hat ihm Gott den Fuß geführt.
Und auch bei den
Europameisterschaften im Damen-Brustschwimmen sitzt Gott im Publikum. Sie
Siegerin weiß es und dankt Gott anschließend für ihre Goldmedaille.
Medizin
ist ein Beispiel für die Dinge, welche Gott nicht interessieren.
Myriaden
Kinder verhungern jeden Tag, leiden an Infektionskrankheiten oder treten auf
Antipersonen-Minen.
Hier griff Gott noch nie ein. Kein einziges mal ließ er
einen amputierten Arm, ein abgerissenes Bein oder ausgestochene Augen
nachwachsen.
Das wissen die Milliarden Anhänger und beten daher
auch nicht dafür.
Beim Kauf der Fernsehzeitschrift am Freitag das richtige Rubbellos aus der Plexiglaskugel
zu klauben. Das ist Gottes Liga. Da lohnt es sich ihn um Hilfe anzuflehen.
Paradoxerweise
sind die überzeugtesten Anhänger Gottes, die Hardcore-Gläubigen, die am meisten
von Gottes Allmächtigkeit überzeugt sind, gleichzeitig auch die Kleingläubigsten.
Selbst
Gottes Stellvertreter auf Erden, Vizegott Ratzinger vertraut so wenig auf
seinen Chef, daß er sich den Gläubigen lieber nur hinter Panzerglas zeigt.
Sollte
nicht ein allmächtiger Gott in der Lage sein ein Pontifikat auch ohne irdisches
Panzerglas vor Attentätern zu schützen?
Und wer sollten diese Attentäter überhaupt
sein, wenn nicht auch Gottes Geschöpfe, die seinem Plan folgen?
Oder gibt es auf der Erde auch gottfreie Schöpfung, die Attentäter
hervorbringt, welche noch mächtiger als der Allmächtige sind?
Ein Blitzableiter auf einem Kirchturm ist das denkbar
stärkste Misstrauensvotum gegen den lieben Gott.
Karl Kraus, öst. Schriftsteller
„In letzter Zeit war die
Leistungsbilanz Gottes, was die Juden anbelangt nicht gerade
überwältigend."
Und was ist wenn es einen Gott gibt, der Ausschwitz verhindern wollte, aber
nicht konnte?
Auch dazu hat
Bauer eine einfache Antwort:
„Ein
armer Kerl, der Unterstützung braucht, der sich seine Stärke von uns holen muß
- einen solchen Gott brauche ich nicht!“
Die
Deutschen organisierten Christen halten ihren Gott im Gegensatz zu Atheisten
ebenfalls für so klein und schwach, daß sie es nachdem Gott 2000 Jahre lang
auch ohne gesetzlichen Schutz auskam, nun plötzlich für absolut notwendig
erachten den lieben Gott vor Lästerern zu schützen.
Der Mann wird ja auch nicht jünger.
Der
ewige, allmächtige und omnipotente Gott könnte offenbar in Depressionen
verfallen, wenn ein Frechdachs wie Tammox ihm sagte „Dich gibt es gar nicht!“
"Es
wird das soziale Klima fördern, wenn Blasphemie wieder gefährlich wird",
schrieb Mosebach in einem Essay. Er
kritisierte Christen, die sich die Schmähung ihres Glaubens gefallen ließen.
"Auch Bischöfe blicken verlegen zur Seite, wenn von Blasphemie die Rede
ist, sie wollen sie bloß nicht wahrnehmen, um nicht Stellung beziehen zu
müssen", schrieb Mosebach.
"Politisch
werden wir es nicht hinkriegen"
Der
berüchtigte Gaga-Paragraph, welcher Blasphemie unter Strafe stellt.
Ein
Homunculus unter den Paragraphen, denn er stellt eine abstrakte Sache nur in
Abhängigkeit von dem Aufschrei der Religioten unter Strafe.
Das
heißt; ein und dasselbe Vergehen ist mal strafbewehrt, mal nicht.
§
166 Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und
Weltanschauungsvereinigungen
(1)
Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) den Inhalt des
religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise
beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit
Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2)
Ebenso wird bestraft, wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11
Abs. 3) eine im Inland bestehende Kirche oder andere Religionsgesellschaft oder
Weltanschauungsvereinigung, ihre Einrichtungen oder Gebräuche in einer Weise
beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören.
Sage
ich „Gott hat Hühneraugen“ und keiner steht auf, um zu versichern Gott habe
wohlgeformte vollkommen Hühneraugen-freie Zehen, komme ich straffrei davon.
Je
mehr Vertreter der Gott-hat-makellose-Füße-Theorie sich aber empören und desto
lauter sie dies tun, desto höher die Chance, daß ich in den Knast komme.
Gute
Zeiten für Fundis, Irrationale und Krawallmacher - je hysterischer und
exzessiver sie reagieren, desto eher bekommen sie ihren Willen.
Hätten
Gott, Allah und Jahwe tatsächlich überzeugte Anhänger, wüßten diese, daß Gott
nicht weniger allmächtig wird, nur weil ein Atheist dies behauptet.
Indem
sie aber Gott zur potentiellen beleidigten Leberwurst herabstufen, demonstrieren
sie, wie wenig sie glauben.
Sie sind alle kleine Ratzingers, die sich lieber
hinter Panzerglas verstecken und kleine Pfarrer, die lieber einen Blitzableiter
gegen Gottes Blitze auf dem Kirchendach installieren.
Der
Bamberger Bischof prescht vor.
Der
Bamberger Erzbischof Ludwig Schick setzt sich für ein Gesetz gegen Blasphemie
ein. "Wer die Seele der Gläubigen mit Spott und Hohn verletzt, der muss in
die Schranken gewiesen und gegebenenfalls auch bestraft werden", erklärte
Schick am Mittwoch in Bamberg. […] Gegen "heilige Personen, heilige
Schriften, Gottesdienste und Gebete sowie heilige Gegenstände und Geräte aller
Religionen" dürfe kein Spott und Hohn zugelassen werden.
Satire
über religiöse Einstellungen und Gefühle stelle eine Verletzung der im
Grundgesetz garantierten Menschenwürde dar, betonte der Erzbischof. Eine
Gesellschaft, die das, was religiösen Menschen hoch und heilig sei, nicht
schütze, schade sich selbst. Sie dränge einen Teil ihrer Bürger an den Rand
oder sogar in den Untergrund, mahnte Schick. Christen müssten deshalb fordern,
dass die "Person Jesu Christi, Gott der Vater, Maria, die Heiligen, die
Hostie des Altarsakraments, die sakralen Gegenstände wie Kelche und
Monstranzen, auch die Kirchengebäude und Prozessionen von unserem Staat
geschützt werden".
Zugleich
rief Schick die Gläubigen auf, auch selbst das Heilige heilig zu halten.
Christen sollten deutlich machen, dass sie Verunglimpfungen ihrer Überzeugungen
und Werte in Medien und öffentlichen Organen nicht hinzunehmen bereit seien.
Lästern
verboten. Zurück ins Mittelalter.
Was
für eine dreiste Gotteslästerung! Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hält
seinen eigenen Gott für einen derartigen Schwächling, dass er nicht einmal
imstande sein soll, sich selbst gegen Blasphemie zu wehren. Dies geht aus einer
Pressemitteilung des Erzbistums hervor, derzufolge Schick "Hohn und
Spott" gegen "heilige Personen, heilige Schriften, Gottesdienste und
Gebete sowie heilige Gegenstände und Geräte aller Religionen" gesetzlich
verbieten lassen will.
Theologen
laufen seitdem Sturm gegen die blasphemische Forderung Schicks, der Gott fast
schon beiläufig seine Allmacht abspricht, und ihn als verweichlichten
Bittsteller karikiert, der auf die Gnade derer angewiesen ist, die er
geschaffen hat.
Professor
Theobald Kleinst von der katholisch-theologischen Fakultät der Universität
Münster ist außer sich: "Wenn sich Gott durch eine blasphemische Äußerung
gekränkt fühlt, dann stehen ihm mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, sie auf
seine Weise zu ahnden", erklärt der Theologe. "Er kann eine Sintflut
anzetteln oder direkt einen Blitz auf den Lästerer schleudern oder ihn dazu
verdammen, bis an sein Lebensende eine pinke Kappe tragen zu müssen. Oder Gott
wartet, bis der Gotteslästerer stirbt, und wirft ihn dann in die Hölle."
Obwohl
Theobald Kleinst überzeugend die Fakten darlegt, schmeißen sich die Usual
Religioten-Suspects auf Schicks Seite und geben ebenfalls zu Protokoll, Gott
für einen mickrigen Loser zu halten.
Unterstützung
kam dagegen aus der CSU: "Wer nicht so zu seinem Anstand findet, der
braucht ein Gesetz", sagte Thomas Goppel, der Sprecher der Christsozialen
Katholiken.
Goppel
spielte auf das Satire-Magazin Titanic an, das den Papst vor einigen Wochen mit
einem gelben Fleck auf der Soutane gezeigt hatte. […]
Goppel [...] nahm für Schick Partei: Mit der eigenen Religion werde leichtfertig
umgegangenen, während bei Vertretern des Islams größte Zurückhaltung an den Tag
gelegt werde. Notwendig sei eine Rückkehr "zu Maßstäben des Umgangs
miteinander".
Allerdings
beurteilte auch Goppel eine mögliche Verschärfung des Blasphemie-Paragrafen
skeptisch: "Politisch werden wir es nicht hinkriegen", sagte Goppel.
Zuletzt war Ministerpräsident Edmund Stoiber damit 2006 gescheitert.
Der
islamische Theologe und Imam der Gemeinde Penzberg, Benjamin Idriz, begrüßte
den Vorschlag. "Blasphemie ist der Beginn eines Hasses, der zu Kriegen und
Auseinandersetzungen führt." Er finde es richtig, wenn religiöse Werte und
Symbole vor Spott geschützt würden.
Das
Religiotenboot ist mit Goppel, Schick, Stoiber, Matussek, Mosebach, Spaemann
und Idriz zwar schon recht voll, aber der braune Abschaum von Hakenkreuznet
passt noch mit hinein.
Der
Sandkasten für feige Gottesbeschimpfer muß geschlossen werden. Erzbischof
Ludwig Schick appelliert an die durch das Pastoralkonzil windelweich gewordenen
Neugläubigen.
Amen.