Sonntag, 29. April 2012

Kamerageilheit.



Ein guter Politiker muß Eigenschaften haben, die ihn automatisch unsympathisch machen.
Das ist das Problem.
Ein bescheidener, rücksichtsvoller und hilfsbereiter Mensch hat eben nicht die „hoppla, jetzt komm ich“-Attitüde, um sich selbst immer in den Vordergrund zu schieben. 
Also wird er im Ortsverband hocken bleiben, nicht die Ellbogen ausfahren und sich auf der berüchtigten Partei-Ochsentour nicht nach oben kämpfen.
Und selbst die, die es bis ganz nach oben geschafft haben und beispielsweise einen Ministerjob ergattert haben, können den letzten Schritt an die Spitze nur durch massive Kamerageilheit erklimmen.
Geht man die Beliebtheitslisten der Top-Politiker durch, sind an der Spitze stets nur diejenigen, die eher unseriös arbeiten, durch die Talkshows tingeln, bei Wetten, daß auftreten, homestories für die BUNTE machen und die BILD mit privaten Sinnlosigkeiten füttern.
 Darauf stehen die Wähler und man kann nun mal nicht ohne das Wohlwollen der Wähler im Job bleiben.
Es gab schon sehr effektive Minister, die zweifellos Fachkompetenz hatten und fleißig arbeiteten, die aber stets ihr Privatleben aus den Medien raushielten und nicht jeden Schnickschnack in Unterhaltungsshows mitmachten. 
Sozialminister Scholz, Umweltminister Trittin oder der Hamburger Superminister Mirow waren solche Typen. Sie waren gute Minister - und deswegen fast automatisch auch nicht in den TopTen der Beliebtheitslisten zu finden.
 Sie hatten gar keine Zeit sich um ihre Beliebtheit zu kümmern, weil sie sattdessen ihren Job machten.
Gegenbeispiele sind die adeligen von und zu Guttenberg oder von der Leyen oder auch Christian Wulff, die sobald konkrete Politik gefragt ist, sofort in Deckung gehen, aber dafür zu gerne in Quizshows und bei Thomas Gottschalck Plattitüden absondern.
 Das mag das Volk. Die reinen Showminister, die nur Fassade sind und über keinerlei intellektuelle Tiefe verfügen.

Nicht anders ist es in der Kirche.
 Auch hier werden die Top-Jobs nicht an diejenigen vergeben, die sich uneitel und bescheiden in den Dienst der Sache oder gar für die „Nächstenliebe“ einsetzen. 
Ausnahmen, wie Bischof Franz Kamphaus bestätigen die Regel. 
Und die evangelische Kirche ist keinen Deut besser - auch hier schafften es mit Herrn Huber und Frau Käßmann die wohl selbstverliebtesten mediengeilsten und menschlich leichtgewichtigsten Typen an die EKD-Spitze.
Plappermäulchen Käßmann konnte es noch nicht mal unterdrücken die intimsten medizinischen Dinge, wie ihre einsetzende Menopause oder ihre Brustkrebserkrankungen sofort in der BILD auszuplaudern.

Ihre Mitteilungswut konterkariert notwendigerweise ihre geistige Schlichtheit.
 Ihr fortwährend erscheinenden Bücher (80 Stück bisher!) sind derart platt und inhaltsleer, daß professionelle Buchkritiker wie Denis Scheck vor echte Herausforderungen gestellt werden, wenn sie die neuesten Käßmannschen Plattitüden-Ansammlungen beschreiben müssen.

Aus groupiehafter Sehnsucht nach der medialen Wiederaufstehung einer wegen Trunkenheit am Steuer zurückgetretenen Landesbischöfin und Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland ein grauenhaftes Mischmasch aus Sermon, Erbauungsliteratur und moralisierenden Textautomatenbausteinen über Monate an die Spitze der deutschen Bestsellerlisten zu jubeln – für solch merkwürdige Heiligenverehrung kennt man meines Wissens im Norddeutschen das schöne Wort "katholisch!"


Margot Kässmann "In der Mitte des Lebens"
Changierend zwischen Predigtentwürfen und autobiographischen Notizen, geschrieben in jenem anbiedernden theologischen Kauderwelsch, das zum Niedergang der protestantischen Predigt beigetragen hat, ist dieses in seiner Konzeption nicht nachvollziehbare, in seinen Gedankengängen sprunghafte Büchlein eher eine Art Promigucken als wirklich etwas zum Lesen.


Margot Kässmann: "Sehnsucht nach Leben "
In zwölf besinnungsaufsatzähnlichen Texten denkt die Ex-Vorsitzende der EKD über Leben und Liebe, Kraft, Heimat, Stille und ja, auch über Gott nach. Dabei schreibt sie Sätze wie: "Ein Nein ohne jedes Ja – das wurde auf lila Tüchern beim Kirchentag 1983 in Hannover gegen den Willen von Kirchentagsleitung und Evangelischer Kirche in Deutschland zum Symbol." "Ein Nein ohne jedes Ja", auf diesen wirren Nenner könnte man auch meine Meinung zu diesem Mischmasch von einem Buch bringen.

Lustig ist es natürlich, wenn das Hannoveraner Hohlgeschoss auf andere überzeugte Meinungsführer trifft, die keine Ahnung haben - davon aber sehr viel. 

Fetzen sich Käßmann und Matussek, kann man sich entspannt zurück lehnen und abwarten wie sich zwei intellektuelle Blasen gegenseitig die Luft rauslassen.

Ein anderes Beispiel war Käßmanns inzwischen legendärer Populismus-Kniefall beim Thema Afghanistan, als sie in Günter-Grass’scher „man wird doch wohl mal kritisieren dürfen…“-Attitüde großspurig verkündete, nichts sei gut in Afghanistan.

Als ob es irgendeinen Menschen auf der Erde gäbe, der das Gegenteil behauptet hätte!
 Aber Käßmann stellt sich ins Fernsehen, verkündet, daß zwei und zwei vier sei und läßt sich dafür als neue Margot Ries feiern. 
Das geht so lange gut, bis ein Grundschüler vorbei kommt und sich mit der IQ-Nebelgranate über das kleine Einmaleins unterhalten will. 
Da schrumpft die Frau von der Kanzel dann in Windeseile auf das Niveau einer geistigen Zwergin.
 Von Afghanistan hat sie natürlich keine Ahnung. Es stört sie aber auch gar nicht und so hörte man sie schon in Talkshows auf die Frage was sie denn am Hindukusch besser machen wolle, daß die „mit den Taliban“ beten wolle.
Guter Plan. Ich schlage vor Frau Käßmann über der Afghanisch-Pakistanischen Grenze mit einem Fallschirm abzuwerfen. Dort soll sie sich auf die Suche nach Mullah Omar machen, ein paar Gebete mit ihm sprechen und schon wird sie Afghanistan in ein blühendes Land ohne Ungerechtigkeit und Gewalt transformieren.

Die Dümmlichkeiten der beliebtesten deutschen Geistlichen haben sogar den nicht eben als Kriegsfanatiker bekannten ehemaligen Bremer Grünen-Chef und heutigen Leiter der Heinrich-Böll-Stiftung Ralf Fücks die Füße über dem Kopf zusammen schlagen lassen. 
Er formulierte im Januar 2010 einen Offenen Brief „wider die Käßmannschen Afghanistan-Banalitäten“

„So rasch wie möglich“ sollen die deutschen Truppen abziehen (wer sollte da widersprechen?), aber „nicht völlig überhastet“, nein, vielmehr sollte über einen „ruhigen und geordneten Rückzug nachgedacht werden“. Irgendjemand soll freilich den „Waffen- und Drogenschmuggel“ unterbinden, alldieweil „religiös motivierte Vermittler“ zwischen den Fronten pendeln und eine friedliche Lösung stiften. So malt sich die Ratsvorsitzende der EKD den Weg zum Frieden aus.
[…] Dass „Afghanistan nicht allein mit Waffen zu befrieden ist“, ist eine Binsenweisheit. Aber wie soll der Rückfall in eine menschenverachtende Gewaltherrschaft verhindert werden, ohne jenen auch mit Waffengewalt entgegenzutreten, die ihre Ziele mit Bomben und Gewehren verfolgen?
[….]  Sie haben „große Mühe zu akzeptieren, dass deutsche Soldaten außerhalb des Landes, der Nato eingesetzt werden“, und stören sich daran, „dass Deutschland nach den USA und Großbritannien die drittstärkste Militärmacht im Rahmen der Eingreiftruppe Isaf ist“. Sehen wir davon ab, dass es sich bei der „International Security Assistance Force“ nicht um eine „Eingreiftruppe“ handelt, sondern um den Auftrag, ein sicheres Umfeld für den zivilen Aufbau zu schaffen: Sollen andere Nationen das Leben ihrer Soldaten riskieren, während die Deutschen aus ihrer Geschichte das Privileg ableiten, sich von Auslandseinsätzen im Rahmen der Vereinten Nationen fernzuhalten? Wie halten Sie es mit der „Responsibility to Protect“, der Verpflichtung zu internationalem Handeln, wenn Menschenrechtsverletzungen und Völkermord drohen?

Käßmann kann aber nicht ohne Amt und ohne Kamera und so drängelt sie sich immer noch vor jedes Rotlicht, um ihre Kindergarten-Niveau-Binsen von sich zu geben.

Ihr neustes Amt ist das der „Lutherbotschafterin“, genau gesagt: "Botschafterin des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das Reformationsjubiläum 2017". 
Ein schöner Titel. Ein Titel, der aber kaum interessiert und so stand die heilige Margot bei ihrer Amtseinführung in der Berliner Gedächtniskirche vor vielen leeren Reihen.

Bei deren Anblick sah die zurückgetretene Landesbischöfin und ehemalige EKD-Ratsvorsitzende, die sonst jeden Saal füllt und mit vielen ihrer gut 80 Bücher auf die Beststellerlisten kommt, einmal die christliche Normalität.
[…]  Zudem haben die leeren Stühle auch insofern etwas Gutes, als sie das Ende des Rummels um die Pastorin signalisieren könnten, die spätestens nach ihrem Rücktritt wegen der Trunkenheitsfahrt 2010 zum evangelischen Popstar wurde.
[…]  Käßmann zeigte, dass der jüdisch-christliche Gott ein redender, durchs Wort wirkender Gott ist: "Gott spricht, tut sich kund", sagte Käßmann und hob ihn damit klar ab von anderen Vorstellungen, nach denen Gott ein "unergründlicher Weltenherrscher" oder eine "diffuse Seinskraft" sei.
 Danach entfaltete sie, wie sehr die Reformatoren im Bezug aufs Wort das "Denken, Reflektieren, Nachdenken, Verstehen und Fragen-Dürfen" betont hätten. […Sie mokierte] sich über jene, "die der Intellektualität des Protestantismus nachtrauern". Sie feierte das Körper-Erleben beim Joggen und lobte die "Spiritualität" des Musizierens, als sei dieses nur eine Sache des Gefühls und nicht des Verstandes.   Ja, Käßmann verfiel sogar darauf, die derzeit in Berlin ausgestellten Bilder des Malers Gerhard Richter dem "Sinnlichen" in Abgrenzung vom "Kopflastigen" zuzuordnen. Als seien Worte nicht sinnlich und als seien Richters Bilder nicht auch intellektuell.

Wieder so ein Fall à la Käßmann versus Matussek, bei dem zwei Religioten aufeinander eindreschen.
 Matthias Kamann, Springers Mann für „Grüne, Bioethik und Evangelische Kirchepromovierte über das griffige ThemaEpigonalität als ästhetisches Vermögen2 und fällt stets mit besonders absurden Ansichten zur Religion auf.

Interessanter wäre es meiner Ansicht nach aber zu hinterfragen, ob sich Käßmann eigentlich gar nicht daran stört als Botschafterin für das sexistische Schwein, für den antisemitischen Großhetzer und Liebling Adolf Hitlers als Botschafterin zu wirken.

"Wenn ich einen Juden taufe, will ich ihn an die Elbbrücke führen, einen Stein an den Hals hängen und ihn hinabstoßen und sagen: Ich taufe dich im Namen Abrahams!"
(Martin Luther, Tischreden)

Daß sich Deutschlands beliebteste Bischöfin so für Luther (1483-1546), einen der übelsten Antisemiten der Weltgeschichte, dessen eleminatorischer Juden-Ausrottungswahn Hitler inspirierte, begeistert, sollte eigentlich verwundern, verwundert aber nicht.

So wenig wie sich Fleisch und Blut, Mark und Bein ändern können, so wenig können die Jüden sich ändern. Sie müssen bleiben und verderben.
(Martin Luther)

Im offiziellen Lebenslauf des Reformators, herausgegeben von der EKD, findet sich nicht ein einziger Hinweis auf sein Verhältnis zu den Juden, die er in zahlreichen Schriften zu vernichten trachtete.

Der Stammvater aller Protestanten, den die Käßmanns und Göring-Eckhardts dauernd loben und preisen, war einer der fanatischsten Antisemiten der Weltgeschichte.

Luthers 7-Punkte-Plan zur Judenverfolgung: Originaltext
1.
"Erstlich, das man jre Synagoga oder Schule mit feur anstecke und, was nicht verbrennen will, mit erden überheufe und beschütte, das kein Mensch ein stein oder schlacke davon sehe ewiglich Und solches sol man thun, unserm Herrn und der Christenheit zu ehren damit Gott sehe, das wir Christen seien"
2.
“Zum anderen, das man auch jre Heuser des gleichen zerbreche und zerstöre, Denn sie treiben eben dasselbige drinnen, das sie in jren Schülen treiben Dafur mag man sie etwa unter ein Dach oder Stall thun, wie die Zigeuner, auff das sie wissen, sie seien nicht Herren in unserem Lande“
3.
“Zum dritten, das man jnen nehme all jre Betbüchlein und Thalmudisten, darin solche Abgötterey, lügen, fluch und lesterung geleret wird“
4.
“Zum vierten, das man jren Rabinen bey leib und leben verbiete, hinfurt zu leren“
5.
“Zum fünften, das man die Jüden das Geleid und Straße gantz und gar auffhebe“
6.
“Zum sechsten, das man jnen den Wucher verbiete und neme jnen alle barschafft und kleinot an Silber und Gold, und lege es beiseit zu verwaren“
7.
“Zum siebenden, das man den jungen, starcken Jüden und Jüdin in die Hand gebe flegel, axt, karst, spaten, rocken, spindel und lasse sie jr brot verdienen im schweis der nasen“
(Martin Luther, Von den Juden und ihren Lügen)

Es ist und bleibt eine Schande ersten Ranges, daß sich die protestantischen Kirchen nicht entschieden von diesem Apologten des Hasses distanzieren und immer noch stolz an jeder dritten Kirche „Lutherkirche“ prangen haben.

Darum wisse Du lieber Christ und zweifle nicht daran, daß Du nähest dem Teufel keinen giftigeren, bittereren, heftigeren Feind hast, denn einen rechten Juden.
(Martin Luther)
"Am 10. November 1938, an Luthers Geburtstag, brennen in Deutschland die Synagogen. Vom deutschen Volk wird ... die Macht der Juden auf wirtschaftlichem Gebiet im neuen Deutschland endgültig gebrochen und damit der gottgesegnete Kampf des Führers zu völligen Befreiung unseres Volkes gekrönt. In dieser Stunde muss die Stimme des Mannes gehört werden, der als der Deutschen Prophet im 16. Jahrhundert einst als Freund der Juden begann, der getrieben von seinem Gewissen, getrieben von den Erfahrungen und der Wirklichkeit, der größte Antisemit seiner Zeit geworden ist, der Warner seines Volkes wider die Juden."
(Der evangelisch-lutherische Landesbischof Martin Sasse aus Eisenach im Vorwort zu seiner Schrift "Martin Luther und die Juden - Weg mit ihnen!", Freiburg 1938)

Als „Stürmer“-Herausgeber Julius Streicher sich kurz vor seiner Hinrichtung in Nürnberg 1946 rechtfertigte, bezog er sich ganz selbstverständlich auf Luther.
STREICHER: Antisemitische Presseerzeugnisse gab es in Deutschland durch Jahrhunderte. Es wurde bei mir zum Beispiel ein Buch beschlagnahmt von Dr. Martin Luther. Dr. Martin Luther säße heute sicher an meiner Stelle auf der Anklagebank, wenn dieses Buch von der Anklagevertretung in Betracht gezogen würde. In dem Buch »Die Juden und ihre Lügen« schreibt Dr. Martin Luther, die Juden seien ein Schlangengezücht, man solle ihre Synagogen niederbrennen, man soll sie vernichten...
(29.04.1946)

"So glaube ich heute im Sinne des allmächtigen Schöpfers zu handeln: Indem ich mich des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn."
(Der Katholik Adolf Hitler)

Es ist strenge Gewissenspflicht eines jeden Christen, das entartete Judentum zu bekämpfen.
(Bischof Gföllner von Linz)

Ich tue nur, was die Kirche seit fünfzehnhundert Jahren tut, allerdings gründlicher.
(Der Katholik Adolf Hitler)

Die heutige EKD kann an dem judenhassenden Mönch, der so gern vom fressen, furzen und ficken dozierte, nur Gutes finden.
"Die größte Ehre, die das Weib hat, ist allzumal, daß die Männer durch sie geboren werden."
(Martin Luther, dt. Theologe)

"Will die Frau nicht, so komm' die Magd!"
(Martin Luther, Frauenfreund)

"Darum hat das Maidlein ihr Punzlein, daß es dem Manne ein Heilmittel bringe."
(Martin Luther)

"...wer mag alle leichtfertigen und abergläubischen Dinge erzählen, welche die Weiber treiben...es ist ihnen von der Mutter Eva angeboren, daß sie sich äffen und trügen lassen."
(Martin Luther)

Ehe ist Arznei für Hurerei.
(Martin Luther)

"Ob sie sich aber auch müde und zuletzt todt tragen, das schadet nichts, laß' sie nur todt tragen, sie sind darumb da."
(Martin Luther, Schwangerschaftsberater)

Luther hatte aber nicht nur Fans unter Evangelischen:

"Luther war ein großer Mann, ein Riese. Mit einem Ruck durchbrach er die Dämmerung, sah den Juden, wie wir ihn erst heute zu sehen beginnen."
(Der Katholik Adolf Hitler)

Frau Käßmann scheint das alles nicht zu stören.

Die Offenen Briefe schreiben wieder einmal andere. 
Zum Beispiel Reinhold Schlotz.

Liebe Frau Käßmann,
heute treten Sie ihr Amt als „Lutherbotschafterin“ für das 500-jährige Reformationsjubiläum 2017 an, […]  Sie setzen sich aber auch ein für einen Mann, der die „Freyheith eines Christenmenschen“ eben nur als Freiheit eines Christenmenschen verstand und in den Anhängern des jüdischen Glaubens ein von Gott „verdammtes Volk“ erblickte. Es war Martin Luther, der in seinem Buch „Von den Jüden und iren Lügen“ (1543) seinen treuen Rat gab, wie mit den Juden umzugehen sei: er ruft u.a. auf zum Niederbrennen ihrer Synagogen, sie unter ein Dach oder Stall zu tun, ihnen ihre Religion zu verbieten, ihren Besitz abzunehmen und die jungen Juden und Jüdinnen zur Arbeit zu zwingen. Der heidelberger Philosoph Karl Jaspers schreibt 1962 hierzu (1): „Luthers … Ratschläge gegen die Juden (die Hitler genau ausgeführt hat)“ und weist darauf hin, dass Luthers „treuer Rat“ in der Zeit des Nationalsozialismus in seinem Sinne Punkt für Punkt umgesetzt wurde.
[…]  Es ist sicherlich schwer für Sie, ihren eigenen Kirchenvater als Judenhasser und geistigen Brandstifter zu erkennen und als solchen öffentlich zu benennen. Dennoch soll dies ein Appell an Sie sein, den ganzen, und nicht nur den zensierten Luther in der Öffentlichkeit darzustellen und ihre Einschätzung, Feierlichkeiten zu Ehren Martin Luthers seien eine „Erinnerung für die Zukunft“, zu überdenken. Sie sagen: „Martin Luther ist Vorbild für uns heute, aus dem Glauben heraus, Standpunkte zu finden“. Wenn Sie aus Luthers Lebenswerk eine Gesamtbilanz ziehen, dann gehört neben der Reformation und der Bibelübersetzung eben auch sein Verrat an den Bauern, seine Befürwortung der Hexenverfolgungen, seine menschenverachtende Einstellung zu Behinderten und, nicht zuletzt, sein abgrundtiefer und folgenschwerer Hass gegen die Juden mit hinein. Auch der Dreißigjährige Krieg als Folge der Reformation darf hier nicht vergessen werden. Martin Luther als ein Vorbild für uns heute darzustellen, wäre in der Tat ein fatales Signal für die Zukunft. In Luthers eigener Sprache kann das Gesamturteil über ihn nur lauten: Summa, wir haben einen rechten Teufel an ihm!
(Reinhold Schlotz 27.04.12)

Samstag, 28. April 2012

Überflüssige Studien - Teil VI




Der Glaube ist der Feind des Denkens. 
Die Erkenntnis ist uralt und führte schon vor 1000 Jahren dazu, daß Kleriker ihr Bibelstudium als Herrschaftswissen ansahen. Die gläubigen Schafe hatten IHNEN zuzuhören und sollten bitte nicht selbst anfangen Gott zu interpretieren. 
Daher wurde der Analphabetismus geschätzt und immerhin 1500 Jahre erfolgreich verhindert, daß die Bibel in Sprachen übersetzt wurde, die das gemeine Volk verstehen konnte.

Heute wissen wir auch aus der Hirnforschung, daß religiöse Menschen einen signifikant niedrigeren IQ als Atheisten haben.

Je höher die Bildung, desto größer die Neigung kritisch zu hinterfragen, selbst zu denken und nicht einfach blind den Vorgaben eines Predigers zu folgen.


Die Aufklärung versetzte den Kirchen den größten Schlag. 
Je schlauer das Volk, desto weniger Religion.

Insbesondere in Amerika ist diese Erkenntnis schon weit fortgeschritten. 
Die Gläubigen wehren sich, indem sie mit allen Mitteln versuchen ihre Kinder von Informationen fernzuhalten. Fakten sind nämlich brandgefährlich und könnten dazu führen, daß die lieben Kleinen Widersprüche in der christlichen Lehre hinterfragen. 
Daher home-schooling. Bloß kein Kontakt zu Inhalten, die an öffentlichen Schulen präsentiert werden.

Wissen führt auch zu religiösem Ungehorsam.
Ultraorthodoxe Juden haben genau das gleiche Problem und schotten ihre Brut massiv ab. 
Das Internet ist eine echte Bedrohung für sie, da Kinder im Netz ihre eigenen Recherchen anstellen könnten.

Nichts anderes steckt auch dahinter, daß Taliban ihren Töchtern Schulen verbieten. Aufgeklärte Mädchen lassen sich nicht so einfach in Burkas stecken und herumkommandieren.


Gerade sah ich auf „arte“ die wunderbare Reportage „Kinder der Glücklichen“ über die Bachtiari-Nomaden im Iran (ist noch online zu sehen!), die „zweimal im Jahr im Südwesten des Irans durch das bis zu 4.000 Meter hohe Zagrosgebirge [klettern], um die Winter- beziehungsweise Sommerweiden zu erreichen.
Die Wege über steinige und vereiste Pässe sind so gefährlich, daß ich noch nicht mal hinsehen konnte.
Jedes Jahr stürzen sich Menschen und Tiere dabei zu Tode. Hat es nur ein paar Esel, Ziegen und Hunde erwischt, kann man schon froh sein.
Die Bachtiari-Frauen müssen ihre Babies und Kleinkinder dabei auf dem Rücken und vor den Bauch gebunden mitschleppen. Sie tun was ihnen ihr Ehemann befiehlt.
 Inzwischen gefährdet aber ausgerechnet die Iranische Mullah-Regierung ihre Jahrtausende-alte Lebensweise, indem sie mobile Schulen für die Nomadenkinder einrichtete.
 Ein Alptraum für die patriarchisch-religiöse Bachtiari-Gesellschaft!
 Denn Frauen, die lesen und schreiben können und etwas über die Welt „da draußen“ erfahren, können sich auf einmal vorstellen ihre Männer allein auf den Bergen rumkraxeln zu lassen und wollen stattdessen lieber Lehrerinnen oder Ärztinnen werden.

Bildung, Wissen, Denken ist aber nicht nur der Todfeind der Religiösen, sondern auch der konservativen Politiker.

Wer Süddeutsche Zeitung, Spiegel und ZEIT liest, findet die CDU weniger toll, als derjenige, der die BILD liest.

Überspitzt formuliert:


Wer klug genug ist selbstständig zu promovieren, kann ja nicht gleichzeitig so doof sein und die CDU mögen.

Der Kreis „konservativ-religiös-doof“ schließt sich auch in den USA.

Je religiöser, desto Romney: Das ist das klare Ergebnis einer großen Gallup-Umfrage aus der letzten Woche.

Romney […] erhielt bei den „sehr religiösen“ Befragten 54 Prozent Zustimmung, Obama 37 Prozent. Hingegen votieren die gemäßigt religiösen mehrheitlich für Obama (54 Prozent), während Romney 40 Prozent erreicht. Noch deutlicher ist der Abstand bei den Nicht-Religiösen: 61 Prozent für Obama, 30 Prozent für Romney. […]   Bei den nicht konfessionell gebundenen Wählern hat Obama eine gute Zweidrittelmehrheit (67 Prozent); hinter Romney steht in dieser Gruppe nicht einmal jeder Vierte (23 Prozent). Jedoch führt der Mormone bei den „sehr religiösen“ Protestanten mit 54 Prozent vor Obama (35). […] Fast drei Viertel der weißen Evangelikalen (73 Prozent) votieren laut einer Umfrage des Pew-Forschungsinstituts (Washington) vom 17. April für Romney und jeder fünfte (20 Prozent) für Obama. Den rund 60 Millionen theologisch konservativen Protestanten wird etwa jeder vierte Wähler zugerechnet.

Um dem GOPer den Vorzug vor Obama zu geben, muß eben Dummheit im Spiel sein. Oder zumindest extremes Desinteresse und Faktenferne.

Genau damit können aber die Religiösen punkten.

Analytisches Denken hemmt religiöse Überzeugungen, sagen kanadische Wissenschaftler. Und wer sich intensiv auf die Lösung eines Problems konzentriert, wird empfänglicher für Zweifel und Skeptizismus.
Analytisches Denken hemmt den Glauben religiöser Menschen. Mehr noch: Wer sich konzentriert damit beschäftigt, die Lösung für ein Problem zu finden, erweckt in sich sogar Neigungen zu Zweifel und Skeptizismus - und Menschen mit schwachen religiösen Überzeugungen werden nochmals kritischer.
Das berichten die Psychologen Will Gervais und Ara Norenzayan von der Universität von British Columbia in Vancouver.
[…] Die aktuelle Studie lege nahe, dass die Aktivierung des analytischen kognitiven Systems im Gehirn die intuitive Unterstützung für religiösen Glauben zumindest vorübergehend hemme, argumentieren die Psychologen.

Quot erat expectandum.

Freitag, 27. April 2012

Auf der falschen Seite



Hach ja, das mit den Menschenrechten ist so eine Sache.

Wirklich eingehalten werden sie ja nicht so konsequent. In Deutschland übrigens auch nicht. Hier sperrt man völlig unschuldige Menschen in Abschiebehaft und traktiert sie so, daß immer wieder Menschen aus lauter Verzweiflung Selbstmord begehen.

Andere kümmern sich grundsätzlich nicht um Menschenrechte, unterschreiben entsprechende UN-Konventionen erst gar nicht und können sich das aber ungestört leisten, weil sie reich und/oder mächtig sind. 
Der Vatikan (Frauenrechte, Schwulendiskriminierung) und die USA (Todesstrafe, Guantanamo,..) sind solche Beispiele.
Oder Russland.
Moskaus Vize-Außenminister Sergej Rjabkow verweigert die Zustimmung zu einer Protokollerklärung der G8-Staaten zu den Menschenrechten sexueller Minderheiten.     Bei einem Arbeitstreffen der Außenminister der G8-Staaten in Washington am vergangenen Donnerstag wurde Symbolpolitik für die Menschenrechte zelebriert, die von allen fast mitgetragen wurde. Nur der russische Außenminister klammerte per Fußnote sexuelle Minderheiten aus einer Protokollerklärung aus und setzte damit ebenfalls ein deutliches Signal.
Menschenrechte werden immer nur dann offensiv von einem Land eingefordert, wenn es sich um ein kleines, strategisch nicht sehr wichtiges Land ohne mächtige Freunde handelt.

Russland und China sind aber ökonomisch zu stark, bzw wegen der Rohstoffe zu wichtig, um es sich mit ihnen zu verscherzen.

Deswegen können auch Winzländer wie Bahrain oder das fundamentalistische Steinzeit-Königreich Saudi-Arabien Schwule aufknüpfen, Frauen verbrennen oder auf Oppositionelle schießen lassen: Geld und Öl sind ihr Persilschein.

Da will niemand mit Sanktionen kommen, weil die eher ins eigene Fleisch schneiden würden.

Man könnte in solchen Fällen wenigstens im sportlichen oder kulturellen Bereich sein Unbehagen ausdrücken und Fußballweltmeisterschaften, Song-Contests, Olympiaden oder Formel1-Rennen nicht ausgerechnet dorthin vergeben, wo sich die miesesten Unterdrücker dann im Glanz der Weltöffentlichkeit sonnen.
Aber das ginge natürlich nur, wenn die beteiligten Sportler, bzw Musiker ansatzweise über ein Rückgrat verfügten und nicht nur geldgierig wären.
Solche Athleten oder Sängerknaben haben wir aber leider nicht.
Sebastian Vettel freute sich nach seinem Sieg von Bahrain, als sei ihm gar nicht bewusst gewesen, welche Farce da gerade abgelaufen war. Man muss schon ein Höchstmaß an Ignoranz aufbringen, um in diesen Zeiten überhaupt noch Formel-1-Rennen zu fahren. Erderwärmung, Energieverknappung und dann diese sinnlose Benzinverschwendung - es passt einfach nicht mehr zusammen. Mit dem Spektakel von Bahrain aber hat sich der Wanderzirkus der Ignoranten selbst übertroffen.
Seit Ausbruch des arabischen Frühlings herrscht auch in diesem Inselstaat mit seinen 800. 000 Bewohnern Aufruhr. […] Oppositionelle werden blutig unterdrückt, brutal verfolgt, verhaftet, gefoltert. Regimekritische Journalisten werden mundtot gemacht. In den vergangenen zwei Jahren gab es mindestens 50 Tote.
Mit dem Formel-1-Spektakel wollten Bahrains Herrscher sich vor der Welt aufwerten. […]   Formel-1-Legende Michael Schumacher freute sich, es werde in Bahrain alles dafür getan, "dass wir keine Probleme haben werden. Ich will den Sport nicht mit der Politik mischen."
[…]   Besonders dämlich hatte Weltmeister Sebastian Vettel in Bahrain daherfabuliert. "Unser Job ist der Sport, sonst nichts." Die Berichte über die Lage in Bahrein seien ein "großer Hype". Abwandlung einer altdeutschen Spruchweisheit: Was man nicht im Kopf hat, hat man im Gasfuß.
So finden auch die unfreundlichsten Regime immer willige Idioten, um sich gute PR zu verschaffen.
Und wenn doch mal außenpolitische Shitstorms losgehen sollten, können sich Horrorregime wie das Assadsche in Syrien immer noch auf die Christen im eigenen Land verlassen. 

Christen arrangieren sich traditionell gerne mit Diktatoren; je blutiger, desto besser.

Selbstverständlich stehen auch die US-Christen eher rechts und sind die eifrigsten Verfechter von Waffenwahn und Kriegseinsätzen. 

Der „lupenreine Demokrat“ Putin entdeckt in seiner dritten Präsidentschaft immer mehr die Freuden des Diktatorendaseins. 
Von Menschenrechten und Pressefreiheit, die man zu Beginn seiner ersten Amtszeit 1999/2000 noch im Aufwind sah, will er immer weniger wissen.
Hassgesetz jetzt auch in der russischen Duma.
Das öffentliche Sprechen über Homosexualität soll in Russland nun auch landesweit unter Strafe gestellt werden. Abgeordnete aus Nowosibirsk brachten einen entsprechenden Gesetzentwurf in das Parlament ein, berichtet die russische Presseagentur Interfax.
Ähnliche Gesetze, die "Propaganda für Homosexualität" verbieten, waren zuvor trotz internationaler Proteste in St. Petersburg und anderen Regionen Russlands verabschiedet worden  Wer in der Öffentlichkeit über Homosexualität spricht, muss beispielsweise in St. Petersburg bis zu 500.000 Rubel (ca. 12.800 Euro) Strafe zahlen - mehr als ein durchschnittliches Jahresgehalt.
Erst in der vergangenen Woche verteidigte der russische Außenminister Sergej Lawrow die regionalen Verbote mit der Begründung, dass Russland unabhängig von europäischen Werten das Recht haben müsse, die Gesellschaft vor "Homosexuellen-Propaganda" zu schützen. Auch die einflussreiche russisch-orthodoxe Kirche sowie prominente Vertreter der von Präsident Wladimir Putin geführten Regierungspartei "Einiges Russland" hatten sich zuvor in den Medien für eine landesweite Ausweitung des Gesetzes ausgesprochen.

Das Regionalparlament von Nowosibirsk hat heute nachgezogen und kann sich dabei auf einen besonders eifrigen Unterstützer der Homo-Hetze verlassen: Die russisch-Orthodoxe Kirche, welche umso mehr an Putin ranrobbt, desto diktatorischer er sich geriert.

Daß es überhaupt Protest gegen diskriminatorische Maßnahmen gibt, führt zum direkten Schulterschluß der kirchlichen Menschenhassern mit dem herrschenden Regime. 

Wenn Aktivisten und Freiheitskämpfer einen Kulturkampf gegen Unterdrückung und Unfreiheit anzetteln, wendet sich die Kirche scharf gegen diese Tendenzen.
Russischer Staat und orthodoxe Kirche stehen dabei fest zusammen gegen angebliche Angriffe eines 'aggressiven Liberalismus'. Auslöser war ein Ereignis, bei dem wieder Punk und Kirche aufeinandergetroffen sind - diesmal unter ganz anderen Vorzeichen: Auf dem Höhepunkt des Präsidentschaftswahlkampfs, als im ganzen Land Hunderttausende für faire Wahlen demonstrierten, drang am 21. Februar eine Gruppe junger Frauen in die Christ-Erlöser-Kathedrale im Zentrum Moskaus ein. Vermummt mit gehäkelten Skimasken in grellen Farben veranstalteten sie vor dem Altar eine 'Punk-Andacht'; der Refrain, gesungen im Stil eines orthodoxen Chores: 'Jungfrau und Gottesmutter, vertreibe Putin!*
[….]      Wenige Tage nach dem Auftritt wurden drei Frauen verhaftet, die Wachleute als Mitglieder der Gruppe identifiziert haben wollen. Sie müssen sich nun vor Gericht wegen 'Rowdytums' verantworten, das Gesetz sieht dafür eine Höchststrafe von sieben Jahren vor. Eben erst hat der Richter die Untersuchungshaft bis Juni verlängert, obwohl die Beschuldigten mit einem festen Wohnsitz in Moskau gemeldet sind, zwei von ihnen haben kleine Kinder. Bei der ersten Anhörung wurden die Beschuldigten im Käfig vorgeführt. Der Oberste Rat der Russisch Orthodoxen Kirche schrieb in einer Erklärung Anfang des Monats: 'Die kirchenfeindlichen Kräfte fürchten ein Erstarken der Orthodoxie im Land. Diesen Kräften schließen sich jene an, die die verlogenen Werte eines aggressiven Liberalismus vertreten.' Das seien nicht viele, aber einige von ihnen verfügten über Einfluss und seien bereit, ihre finanziellen Mittel und den Zugang zu Medien zu nutzen, um den Klerus zu diskreditieren und die Menschen von der Kirche abzuspalten. Dass die Attacken gegen die Kirche im Umfeld der Wahlen aufgetreten seien, belege ihren politischen Hintergrund, unter anderem seien sie antirussisch. […]     Die Spitzen des Staates zeigen sich regelmäßig zu den Feiertagen beim Gottesdienst, der Klerus wurde in politische Gremien eingebunden, Patriarch Kyrill macht vor Wahlen stets klar, wen die Kirche für den richtigen Kandidaten hält, und preist die Putin-Ära als 'ein Wunder Gottes'.  […] Besonders die Jungen und die Angehörigen der Intelligenzija, […] stoßen sich heute daran, dass Würdenträger in Staat und Kirche sich in ihrem zynischen Verhältnis zur Macht immer ähnlicher werden. Selbstverständlich werden die Straßen gesperrt, wenn der Patriarch in seinem Maybach mit Begleitkolonne durch Moskau fährt, genauso wie das für den russischen Präsidenten oder Premier geschieht. […]  
Der Hang hochgestellter Kirchenmänner zu Prunk und Luxusgütern weckt bisweilen den Eindruck, als würde der Klerus jetzt nachholen, was die Oligarchen in den wilden Zeiten des Banditenkapitalismus vorgelebt haben. Der Ärger darüber entlud sich jüngst im Skandal um die magische Uhr des Patriarchen. Journalisten hatten berichtet, er trage ein goldenes Modell der Schweizer Luxusmarke Breguet im Wert von 23000 Euro. Kyrill ließ das dementieren, aber einem aufmerksamen Blogger fiel ein Foto auf der offiziellen Website des Patriarchats auf. Es zeigte Kyrill im Gespräch mit dem Justizminister - ohne Uhr am Arm. Doch im polierten Holz des Konferenztisches spiegelte sich deutlich ein goldenes Ziffernblatt, das jemand bei der Retusche offenbar übersehen hatte.
 (Sueddeutsche Zeitung 27.04.12)
Der Prass- und Prunk-begeisterte Metropolit Kyrill rafft aber nicht nur Luxusgüter an sich und spannt den Staat für seine Geldgier ein, sondern er unterstützt auch euphorisch die diskriminierende Hetze gegen sexuelle Minderheiten in Russland. 
"Moral ist entweder absolut, oder es gibt sie nicht. Wenn Sie Homosexualität rechtfertigen, warum dann nicht gleich Pädophilie?", erklärte Kyrill vor einem Jahr im Interview mit dem Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel“.
 Der neue Chef der 135 Millionen Russisch-Orthodoxen Christen begründete seinen Vergleich mit der Heiligen Schrift: "Die Bibel nennt das Sünde", so Kyrill zur Homosexualität. Der CSD Moskau sei daher lediglich "eine aufdringliche Zurschaustellung von Unzucht".
(Queer.de 02.02.2009)
Kein Wunder, daß sich Rylli und Ratzi so gut verstehen.

 Diese Performance hätte er nicht gemocht:



Er steht mehr auf die Regensburger Drecksspatzen.

Donnerstag, 26. April 2012

Post!



Als Teenager liebte ich es in den Briefkasten zu sehen.
 Ich war ein eifriger Briefschreiber und bekam zu gerne Post. 

Die Quantität der Post ist nicht weniger geworden, aber die Freude hält sich erheblich in Grenzen, wenn ich heute den Briefkasten leere.
Heute zum Beispiel erhielt ich eine MAHNUNG aus dem Krankenhaus wegen einer Rechnung aus dem März. Sauerei. Auf die Rechnung hatte ich schon gewartet; die kam aber nie. Und nun hauen die gleich eine Mahnung mit Mahngebühren raus?

Außerdem waren gleich DREI offizielle Schreiben von Behörden dabei. 

Zunächst mal Post vom Finanzamt: „Erinnerung an die Abgabe der Steuererklärung Umsatzsteuer 2010“
Geht es noch? Das habe ich schon Ende letztes Jahres abgegeben. Vermutlich schläft mein Steuerberater, den ich natürlich auch schon vor Monaten bezahlt habe.

Dann ein Brief von der Innenbehörde. Auch lustig. Da habe ich innerhalb von 30 Minuten zwei Park-Tickets von demselben Polizisten bekommen.
Der hat mich beim Einkaufen erwischt und muß dann offenbar hinter mir her gefahren sein, weil das nächste Ticket genau vor der Wohnung meiner Mutter ausgestellt wurde, der ich an dem Tag etwas vorbei gebracht hatte.
Darüber könnte ich mich jetzt ärgern, weil ich mich grundsätzlich nie so hinstelle, daß jemand irgendwie behindert oder eingeklemmt wird. Ich halte nie in Einfahrten oder in zweiter Reihe.
 Aber andererseits muß ich mich auch nicht wirklich ärgern, weil das nun mal zu erwarten ist in der Innenstadt. Ein gefühlter Anteil von 99% der Polizisten ist ausschließlich auf der Jagd nach Parkplatzsündern. Wenn man auch nur 5 cm mit einem Reifen über einer Begrenzungslinie steht, ist man dran. Wußte ich ja auch vorher.

Der dritte „offizielle“ Brief heute kommt aus dem Bundestag.
 Und das ist auch der Lichtblick des Tages. 
Das ist vielleicht ein heißes Schreiben! Ich habe Tränen gelacht und kichere immer noch.

 Rainer Brüderle hat mir geschrieben, um mir zu erklären, daß sein Ziel der Schuldenabbau sei. 


Durch „unsere solide Haushalts- und Wirtschaftspolitik“ würde die Schuldenbremse eingehalten. 

Hahahaha, das schreibt mir die FDP! LOL.

Dazu gab es dann noch eine bunte Hochglanzbroschüre mit dem Titel „Freiheit bewegt“, die eine Rückantwort-Karte beinhaltet, mit der ich mich als FDP-„DialogPartner“ anmelden kann.

Die FDP stehe für „Geldwertstabilität“ und „Schuldenstopp“.

Die Werbe-Aktion, die es selbstverständlich auch online gibt, endet mit dem feinsten Comedy-Satz:

„Wir werden unsere erfolgreiche Politik aus Spardisziplin und der Förderung von Wachstum konsequent fortsetzen“

Ich schmeiß mich weg.

Nur mal kurz zur Erinnerung: Von alle Europäischen Ländern hat Deutschland den höchsten Schuldenberg aufgetürmt - nämlich derzeit 2.088 Milliarden Euro.

Pressesplitter:

Schwarz-Gelb erfindet neue „Besänftigungsprämien“: 
Gespart wird nicht mehr. […] Die Liste der schwarz-gelben  Wohltaten wird immer länger.
Betreuungsgeld, Kosten 1,5 - 2 Milliarden Euro.
Neue Rentenleistung für Eltern, Kosten 6 bis 7 Milliarden Euro.
Abbau „kalte Progression“ durch Steuererleichterungen, Kosten 6 Milliarden Euro.
Zuschußrente für alleinerziehende Mütter (Plan von Ursula von der Leyen), Kosten 1 Milliarde Euro.
Rentenerhöhung, Kosten 2 Milliarden Euro.
Mehr Leistungen für Pflegebedürftige (Vorschlag Minister Bahr), Kosten 1 Milliarde Euro.
Erhöhung der Pendlerpauschale, 1 Milliarde Euro.
(Hamburger Morgenpost 25.04.12)

Dabei wird die Herdprämie sogar noch viel teurer als die K.O.alition behauptet.

Der Spitzname 'Merkozy' für das Duo Angela Merkel und Nicolas Sarkozy ist im vergangenen Jahr entstanden. Damals übernahmen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy auf den Gipfeltreffen zur Euro-Krise eine Führungsrolle - und setzten auf einen strengen Sparkurs. Genau diese Politik verliert immer mehr Anhänger. Inzwischen mussten sieben Regierungen in der Euro-Zone wegen der selbst auferlegten Sparpolitik vorzeitig aus dem Amt scheiden, zuletzt in den Niederlanden. Die Deutschen stehen mit ihrem Ansatz zur Bewältigung der Finanzkrise zunehmend alleine da.
(SZ 25.04.12)

Die ausufernde Diskussion um immer neue soziale Wohltaten wirft die bedrückende Frage auf: 
Hat die Politik in unserem Lande eigentlich nichts dazugelernt?
 Wann, wenn nicht jetzt, in guter wirtschaftlicher Zeit mit konjunkturell bedingten Steuermehreinnahmen von 41 Milliarden Euro, soll denn das Staatsdefizit überhaupt abgebaut werden? […]
Bund, Länder und Kommunen liegen mit einer Schuldenstandsquote von insgesamt rund 82 Prozent des Bruttoinlandsprodukts weit über der Maastricht-Grenze von 60 Prozent. Somit ist es ein Rätsel, mit welcher Autorität Deutschland von den europäischen Partnern schmerzliche Sparanstrengungen verlangen will.   Der Wirtschaftsrat der CDU wendet sich entschieden gegen den Wettbewerb der Parteien, immer neue Sozialprogramme zu beschließen: Dazu gehören das Betreuungsgeld mit Kosten von 1,5 bis zwei Milliarden Euro; Zuschussrenten für alleinerziehende Mütter schlagen mit einer Milliarde zu Buche; Lohnsteigerungen für den öffentlichen Dienst mit zwei Milliarden; Rentenerhöhungen mit zwei Milliarden; mehr Leistungen für Pflegebedürftige mit einer Milliarde; diskutiert wird dazu noch eine Erhöhung der Pendlerpauschale von heute bereits vier Milliarden Euro um eine weitere Milliarde.
[…] Bei der offen ausgewiesenen Staatsverschuldung von rund zwei Billionen Euro sind die größten Belastungen durch die Alterung unserer Gesellschaft noch gar nicht berücksichtigt: Durch das Umlageverfahren in der Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung erwerben heutige Versicherte Ansprüche, die in der Zukunft bedient werden müssen. Diese verdeckte Verschuldung des Staates für kommende soziale Leistungen einer dann älteren und kränkeren Bevölkerung beläuft sich auf weitere rund sechs Billionen Euro! Sicherlich ist es für die handelnden Politiker immer schön und erfreulich, Wohltaten zu verteilen. Unverantwortlich ist es jedoch, wenn das auf Pump zulasten nächster Generationen gemacht wird.

Die Koalition gibt dem Druck der Kliniken nach und schenkt ihnen 350 Millionen Euro.
Wer sich dem politischen Geschäft als Zyniker nähert, darf befriedigt in den Sessel sinken. Die schwarz-gelbe Koalition will den Kliniken 350 Millionen Euro spendieren; angeblich, um die Kosten des jüngsten Tarifabschlusses auszugleichen. Damit lockert sie die Sparauflagen, die sie ihnen eigentlich auferlegt hat. Wieder einmal hat eine Koalition vor wichtigen Wahlen eine Politik über den Haufen geworfen, die sie wenige Wochen zuvor noch als richtig erkannt hatte. Wieder einmal wog die Furcht vor einem schlechten Wahlergebnis größer. Wieder einmal hat eine Interessengruppe einen Erfolg verbucht, weil sie zur richtigen Zeit den richtigen Zug machte.
(Guido Bohsem 24.04.12)

FDP-Chef Philipp Rösler hält an seinen Forderungen für eine höhere Pendlerpauschale als Ausgleich für die stark gestiegenen Benzin- und Dieselpreise fest.
(Welt online 15.04.12)


Der Bundesfinanzminister und die Regierungskoalition haben die Haushaltskonsolidierung aufgegeben. Nachdem diese Regierung bereits bei zahlreichen Projekten nicht mehr regiert, sondern nur noch verwaltet, wird mit dem Nachtragshaushalt erneut dokumentiert, dass fuer den Abbau des Haushaltsdefizits keinerlei Anstrengungen mehr unternommen werden.
Das vergangene Jahr konnte aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung mit einer Neuverschuldung von 17,3 Milliarden Euro abgeschlossen werden. In diesem Jahr soll die Neuverschuldung mit 34,8 Milliarden Euro nun mehr als doppelt so hoch sein. Und dies trotz stetig steigender Steuereinnahmen auf Rekordniveau.
Selbst wenn die Verpflichtungen aus der Einzahlung in den ESM unberuecksichtigt werden, bleibt es bei fast neun Milliarden Euro mehr Schulden als im vergangenen Jahr. Diesen Trend beabsichtigt die Regierung Merkel/Roesler fortzusetzen, denn in den Eckwerten 2013 sind immer noch mehr als zwei Milliarden Euro neue Schulden als im vergangenen Jahr geplant.
Trotz der anhaltenden Entwicklung bei den Einnahmen kommt der Abbau der Neuverschuldung nicht schneller voran. Stattdessen werden die konjunkturell bedingten Mehreinnahmen fuer dauerhafte Ausgaben verwendet. Die derzeit diskutierten Plaene fuer weitere Ausgabeprojekte wie die Erhoehung der Pendlerpauschale oder die Rentenplaene von Herrn Kauder sind dabei noch gar nicht beruecksichtigt. Auch das sozial und oekonomisch unsinnige Betreuungsgeld ist ein Haushaltsrisiko, weil die veranschlagten Mittel nach neueren Berechnungen nicht ausreichen werden. Zudem verstoesst die Regierung dabei im Jahr 2013 gegen ihre Goldenen Regeln aus dem Koalitionsvertrag, wonach neue Ausgaben nur gegen Einsparungen im gleichen Umfang finanziert werden.
Frau Merkel und Herr Schaeuble nutzen die zusaetzlichen Steuereinnahmen als Kitt fuer die gescheiterte Koalition. Die Forderungen der Bundeskanzlerin an die europaeischen Partner nach einer soliden Haushaltskonsolidierung werden dadurch unglaubwuerdig.
Vor diesem Hintergrund macht sich Norbert Roettgen als Kabinettsmitglied laecherlich, wenn er in seiner Wahlkampagne die Haushaltskonsolidierung als vordringliches Ziel ausgibt.

(Der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Carsten Schneider,26.04.12)

Damit wir uns nicht falsch verstehen: 
Natürlich sind die Herdprämie und die „Pendlerpauschale“ totaler Wahnsinn.
Grundsätzlich bin ich aber nicht gegen jede „soziale Wohltaten“, wenn sie tatsächlich sozial sind. 

Bezeichnenderweise versucht sich Schwarzgelb ja nur an Wohltaten, von der die ärmere Hälfte der Bevölkerung ohnehin nicht profitiert. 
Hartzler sollen keine Herdprämie bekommen und auch von der Pendlerpauschale profitiert nur, wer hohe Lohnsteuern zahlt. 

Daher ist die Ausgabenorgie von SchwarzGelb nicht nur finanzpolitisch gaga, sodnern auch noch sozial ungerecht.

Daß aber Brüderle ausgerechnet damit protzt die Koalition sei Sparweltmeister, bedeutet, daß er entweder endgültig den Bezug zur Realität verloren hat und phantasiert, oder aber er hält die FDP-Wähler für vollkommen geistig umnachtet.


Wird wohl beides stimmen…


Mittwoch, 25. April 2012

Nur das völlig Alltägliche....


Christen sind schon ein komisches Völkchen.

Komisch für den Betrachter von außerhalb jedenfalls. 
Wer direkt mit ihnen zu tun hat, wird weniger amüsiert sein über die Meldungen, welche von Profi-Gläubigen jeden Tag produziert werden.

Da ist zum Beispiel der Abschaum-Bischof Gerhard Ludwig Müller aus Regensburg, dessen Anwälte einen Jungen, der bei den Regensburger Domspatzen sexuell missbraucht wurde, mit interessanten Argumenten abwehrten.

Der Priester, der den Kopf des Jungen nachts zwischen seinen Beinen mit dem Mund an seinem erigierten Penis festhielt, stöhnte nicht etwa, weil er sexuell erregt gewesen wäre, sondern weil Verprügeln  - auch wenn die Prügel mit dem Penis ausgeführt wurden - eben sehr anstrengend wäre.
Logisch, oder?

Der Mann kam 1956 in die Grundschule der Regensburger Domspatzen in Etterzhausen. Dort habe ihn der damalige Präfekt nachts aus dem Schlafsaal geholt. Der Präfekt habe dann den Kopf des Knabens zwischen seine Schenkel geklemmt und diesen mit seinem angeblich erigiertes Glied geschlagen. Dabei, so der Mann, habe der Präfekt auch gestöhnt.    Der Mann habe jedoch vom Bistum Regensburg nur ein ablehnendes Schreiben erhalten: "Es tut uns sehr leid, aber wir können Ihre Aussage zur Frage eines sexuellen Missbrauchs nicht nachvollziehen. Eine Leistung in Anerkennung von erlittenem Leid erscheint vor diesem Hintergrund als nicht gerechtfertigt." Bei einem persönlichen Treffen des Opfers mit dem Anwalt des Bistums soll dieser erklärt haben, dass es sich bei dem geschilderten Handlungen 'zwar um die sexuelle Erregung des Täters, nicht jedoch um einen sexuellen Missbrauch im Sinne des Gesetzes' handle.    Das soll der Anwalt danach auch dem Bayrischen Rundfunk in einem 'informativen Gespräch' bestätigt haben: 'Objektiv liege kein sexueller Missbrauch vor. Er verstehe zwar, dass sich das Opfer missbraucht fühle, aber das reiche hier nicht aus.' Täter könne nämlich 'nicht nur aus sexueller Erregung stöhnen, sondern auch weil Verprügeln anstrengend sei'.

Welche Sitten allgemein bei den Regensburger Drecksspatzen herrschten dürfte im Vatikan nicht gerade unbekannt sein - schließlich führte der Prügel-Pater Georg Ratzinger dort lange das Kommando. Der ehemalige Schüler Alexander Probst, 51, versichert per eidesstattlicher Erklärung wie es ihm damals erging.

Er hat jahrelang geschwiegen. Er wollte nicht darüber reden, wie er von dem Präfekten regelmäßig befummelt und für dessen Lust missbraucht wurde. Und er hat keinem erzählt, dass er vom Domkapellmeister Georg Ratzinger immer wieder "verprügelt" wurde. "Ein cholerischer Sadist", sagt er heute über den Bruder von Papst Benedikt XVI. [….] Was der Bub erlebte, war "der blanke Horror". Prügel, sagt Probst, "gehörten zum Schulalltag".
 Doch damit nicht genug: "Im Zimmer des Präfekten musste man sich bis auf die Unterhose ausziehen. Er hat uns dann übers Knie oder den Stuhl gelegt und mit dem Geigenbogen das blanke Hinterteil verhauen. Es ging um Macht und diese Macht hat aus meiner heutigen Sicht auch eine sexuelle Komponente gehabt."  Als Probst nach der vierten Klasse nach Regensburg kam, ins Internat der weltbekannten Domspatzen, hoffte er auf Besserung. […] Doch es sollte noch viel schlimmer kommen.   Georg Ratzinger war zu dieser Zeit der Chef der Domspatzen. "Wir waren seiner Macht ausgeliefert. Der ist regelrecht explodiert und hat uns vermöbelt", so Probst. Wer in den Gesangsproben in den Probenräumen des altehrwürdigen Doms falsch gesungen oder auch nur kurz mit einem Kameraden geflüstert habe, sei mit Ohrfeigen bestraft worden.   Georg Ratzinger selbst hat nach Agenturberichten bereits eingeräumt, bis zum Ende der 1970er Jahre in den Chorproben hin und wieder Ohrfeigen verteilt zu haben. Doch habe er nie jemanden "grün und blau" geschlagen, erklärte er. Außerdem seien früher Ohrfeigen "einfach die Reaktionsweise auf Verfehlungen oder bewusste Leistungsverweigerung" gewesen, teilte er mit.   Von wegen "hin und wieder Ohrfeigen", sagt Probst. "Das war an der Tagesordnung. Mich hat er einmal an den Haaren gepackt und so lange geohrfeigt, bis das Büschel Haare ausgerissen ist." Alle Schüler, erzählt Probst, hatten Angst vor dem Domkapellmeister. "Wir hatten regelrechte Wachposten. Und wenn Ratzinger nahte, dann hat jeder geschaut, dass er wegkommt."

Der Sadist Ratzinger prügelte zwar derart brutal auf die Kleinen ein, daß ihm schon mal das Gebiss aus dem Maul flog, aber vergewaltigt wurde Alexander Probst abends vom Präfekten persönlich.

Natürlich ist Pater Ratzinger heute hochgeschätzt. 
Kinder zu quälen ist nun wirklich kein Grund, um die behäbige Kirche in Wallung zu bringen.

Es gibt aber erschreckende weltliche Vorgänge, die so verstörend sind, daß selbst der Dinosaurier RKK hektisch aktiv wird.

Zum Beispiel diese kirchenfeindliche gesetzliche Neuerung, die bereits in der Schweiz eingeführt wurde und nun auch in Deutschland diskutiert wird.

Schwere sexuelle Straftaten an bis zu 12-jährigen Kindern sollen nicht mehr verjähren. Das hat der Nationalrat als Erstrat in der Debatte zur Umsetzung der Unverjährbarkeitsinitiative entschieden. [….]  Seither steht in der Bundesverfassung, dass die Verfolgung sexueller oder pornografischer Straftaten an Kindern vor der Pubertät und die Strafe für solche Taten unverjährbar sind.

Solche Regelungen sind der RKK zu heikel:

Die katholische Kirche will auf die Einrede der Verjährung bei sexuellen Gewalttaten an Kindern und Jugendlichen nicht verzichten. Dies lässt sich aus einem Brief der Deutschen Bischofskonferenz schließen, der der Giordano-Bruno-Stiftung vorliegt.
Dem Schreiben war ein Offener Brief des Opferanwalts Christian Sailer vorangegangen, der die Bischöfe dazu aufgefordert hatte, auf die Verjährungseinrede zu verzichten, um die von kirchlicher Seite immer wieder versprochene „restlose Aufklärung und Entschädigung aller Missbrauchsfälle“ zu ermöglichen.
[…] Im Brief heißt es, dass der für Missbrauchsfälle zuständige Bischof Ackermann die Forderung nach einer Verlängerung der Verjährungsfrist für sexuellen Kindesmissbrauch ausdrücklich unterstütze. Solange allerdings die bisherige Rechtslage Bestand habe, sei die Regelung der Kirche, die Opfer freiwillig zu entschädigen, für die Betroffenen „fairer und unbürokratischer“ als der Gerichtsweg. „Das klingt menschenfreundlich, ist aber in puncto Heuchelei kaum zu übertreffen!“, meint dazu der Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung, Michael Schmidt-Salomon. „Denn die Kirche müsste keineswegs auf die Verjährung sexueller Straftaten bestehen, da dies bei Zivilgerichtsprozessen in ihrem eigenen Ermessen liegt.“
Umso ungeheuerlicher sei die Argumentation im vorliegenden Brief: „Im Kern behauptet die Deutsche Bischofskonferenz, dass sie sich deshalb auf die Verjährung beruft, um den Opfern der Straftaten den mühseligen Weg vor Gericht zu ersparen! Ein Akt der selbstlosen Fürsorge sozusagen! Sogar dafür, dass die Kirche die Opfer sexueller Gewalt mit Almosen abspeist, findet sich im Brief eine originelle Erklärung: Die Bischöfe meinen nämlich, dass das entstandene Leid ohnehin durch finanzielle Entschädigungen nicht auszugleichen sei, weshalb sie ihren Beitrag als ‚symbolische Leistung‘ verstanden wissen wollen. Man kann gut verstehen, dass vergewaltigten, missbrauchten Heimkindern wie Alexa Whiteman beim Lesen solch zynischer Zeilen speiübel wurde.“
Das Schreiben der Deutschen Bischofskonferenz sei ein „Dokument der Scheinheiligkeit, das das fehlende Unrechtsbewusstsein der Verantwortlichen in aller Klarheit zum Vorschein bringt“, sagt Schmidt-Salomon.

Eine tolle Sache, dieses katholische Christentum.

 Kein Wunder, daß der Bundestagsvizepräsident so begeistert davon ist.

Die frohe Botschaft des Evangeliums von der Gotteskindschaft, ja der Gottesebenbildlichkeit des Menschen, sie bietet den unhintergehbaren Maßstab, ist die tiefste Begründung für eine Gerechtigkeitspolitik, die sich aus der gleichenWürde jedes Menschen ableitet, denn jeder Mensch ist Kind Gottes. Diese frohe Botschaft ist der störrische und leidenschaftliche Einspruch gegen die Reduktion des Menschen auf seine beiden Rollen, die er auf dem Markt spielt: nämlich Arbeitskraft und Konsument zu sein.
Für das Evangelium bemißt sichWert undWürde von Menschen nicht an Leistung, Erfolg,  Geldbeutel, Schönheit, Cleverness. Das Evangelium handelt von derWürde der Leidenden, der Scheiternden, der Behinderten, der Kranken, der Sterbenden, der Armen. Es ist ein befreiender Einspruch gegen die Entmoralisierung der sozialen Beziehungen, weil es ein entschiedener Einspruch ist gegen die Dominanz des Ökonomischen wie auch gegen die Absolutsetzung des Politischen.