Dienstag, 24. März 2026

Trumps Clusterfuck

Das ist natürlich schon recht unangenehm: Wenn der mächtigste Mann der Welt und Oberbefehlshaber der mächtigsten Armee des Planeten, einem 48h-Ultimaten stellt und anderenfalls die komplette Energieversorgung eines 90-Millionen Volkes zerbomben will.

Andererseits handelt sich eben um Taco – Trump Always Chickens Out. Die ganze Welt weiß mittlerweile; auf das Wort dieses Vollidioten ist nur insofern Verlass, daß er es morgen wieder brechen wird.

[….] Wars, unlike illegal tariffs, cannot be switched on and off to meet a president’s whims or to permanently shore up free-falling markets.

So the key question following President Donald Trump’s suspension of threatened strikes against Iran’s power plants is not whether he’s had another TACO (“Trump always chickens out”) moment.  It’s whether Trump can get out of his war on Iran, even if he wants to.

After days of oscillating rhetoric, Trump signaled a first potential de-escalation in the conflict Monday, when he cited 15 points of agreement in what he said were productive talks with Iran. Tehran said there’d been no dialogue. [….]

(Stephen Collinson, 24.03.2026)

Unglücklicherweise stehen ihm seine Kabinettsmitglieder in Punkto Selbstüberschätzung und Borniertheit in nichts nach.

Und so stecken die christlichen Herren im Oval Office die Welt in Brand, während sie durch militärische Abenteuer irrlichtern.

[…..] Trump erlag in diesem Konflikt drei zentralen Irrtümern:

·        Er setzte darauf, dass mit Khamenei die gesamte Führung Irans fallen würde. Nach einem Bericht der »New York Times« sollen ihn die Israelis in dieser Annahme bestärkt haben. Demnach habe der israelische Auslandsgeheimdienst erfolglos einen Plan verfolgt, parallel zum Krieg einen Aufstand gegen das iranische Regime anzuzetteln. Inzwischen sind laut »New York Times« jedoch sowohl israelische als auch amerikanische Geheimdienste zu dem Schluss gekommen, dass die Führung in Teheran zwar militärisch geschwächt, jedoch politisch gefestigt ist.

·        Er hat unterschätzt, wie empfindlich Iran die Weltwirtschaft treffen kann, insbesondere durch die Blockade der Straße von Hormus. Nur wenige Tage vor Kriegsbeginn sagte Trumps Energieminister Chris Wright in einem Interview, er sei nicht besorgt, dass ein möglicher Krieg mit Iran die Ölversorgung beeinträchtigen könnte. Schließlich hätte sich auch der Zwölftagekrieg nicht negativ auf die Märkte ausgewirkt. Nun konstatiert die Internationale Energieagentur die »größte Versorgungsstörung in der Geschichte des globalen Ölmarktes«.

·        Er glaubte, weitgehend ohne Verbündete auskommen zu können. Trump plante für einen kurzen Einsatz. Jetzt sieht es so aus, als könnten über Wochen, wenn nicht über Monate, Kräfte gebraucht werden, die den Verkehr in der Straße von Hormus absichern. Eine Aufgabe, die die Amerikaner und Israelis wohl nicht allein schultern könnten.

  [….] Dass Trump inzwischen wohl selbst ahnt, dass er sich und sein Land in eine Sackgasse manövriert hat, erkennt man auch daran, dass seine Kommunikation immer erratischer wird. Erst am Wochenende drohte er damit, iranische Kraftwerke bombardieren zu lassen, sollte die Führung in Teheran die Straße von Hormus nicht innerhalb von 48 Stunden öffnen. Am Montag verlängerte er das Ultimatum um fünf Tage. Zugleich behauptete er, die USA und Iran verhandelten über eine »vollständige Beilegung« des Konflikts, was das iranische Regime umgehend dementierte.

Wie im Ukrainekonflikt, wo Trump den Kriegsparteien ebenfalls wiederholt Ultimaten stellte, nur um sie tatenlos verstreichen zu lassen, sind auch seine Adressen an die Führung in Teheran in erster Linie Ausdruck der eigenen Ratlosigkeit. [….]

(Maximilian Popp, 23.03.2024)

Die Rat- und Ahnungslosigkeit merkt sehr schön daran, wie hartnäckig falsch die GOP-Idioten den Begriff „The Ayatollah“ verwenden; nämlich als Synonym für den obersten Führer/Präsident/Kanzler. Sie begreifen ganz offensichtlich nach all der  Beschäftigung mit dem Iranischen Herrschersystem immer noch nicht, was ein Ayatollah ist.

Schon in Trumps erster Amtszeit blamierten sich die Top-Republikaner mit ihrem Unwissen.

(….)  Der arme Irre vergleicht wie viele andere Republikaner nun Trumps Rechte mit „Iran’s Ayatollah“. Die Talkingpoints verbreiten sich rasend schnell.

Twitter may ban me for this but I willingly accept that fate: Your decision to permanently ban President Trump is a serious mistake.    The Ayatollah can tweet, but Trump can’t. Says a lot about the people who run Twitter.

(Lindsey Graham @LindseyGrahamSC, 9. Jan. 2021)

So the ayatollah, and numerous other dictatorial regimes can have Twitter accounts with no issue despite threatening genocide to entire countries and killing homosexuals etc... but The President of the United States should be permanently suspended.

Mao would be proud.

(Donald Trump Jr. @DonaldJTrumpJr, 9. Jan. 2021)

Get this! If you want to follow Iran’s Ayatollah, he’s now got MULTIPLE Twitter feeds. In multiple languages. Italian has just been launched, so the message of hate can be fully understood! […..]

(Donald Trump Jr. @DonaldJTrumpJr, 9. Jan. 2021)

Das kleine Dummerle regt sich ganz fürchterlich auf.

Und bringt da allerhand Historisches durcheinander.      Aber es war ja noch nie das Hellste der Trump-Blagen. Und deren IQ liegt im Durchschnitt ohnehin nur kurz über Zimmertemperatur.

Bekanntlich hassen die Trumps den Iran, aber das liegt ausschließlich daran, daß sie Rassisten sind und das Iran-Abkommen bekämpfen, welche von dem schwarzen Präsidenten Obama mitbeschlossen wurde.

Sie wissen allerdings ganz offensichtlich gar nichts über den Iran.

Wen meinen sie eigentlich mit „The Ayatollah“? Es gibt über 5000 Ayatollahs.

Den Imam Ali Chamenei, den Oberbefehlshaber der iranischen Streitkräfte und das Quasi-Staatsoberhaupt des Iran?

Oder vielleicht den Hodschatoleslam Hassan Rouhani, den 7. Präsidenten der Islamischen Republik Iran?

Mal abgesehen davon, daß Chamenei und Rouhani, anders als Trump die amerikanischen Wahlergebnisse anerkennen, keine 30.000 Lügen verbreiteten und auch nicht zum Sturm auf das US-Kapitol anstifteten, sollten Graham und der kleine Trump sich erst mal mit der komplizierten Iranischen Verfassung beschäftigen und darüber hinaus einen Blick auf die geistlichen Ränge des schiitischen Glaubens, der „Zwölferschia“ werfen.

Ganz an der Spitze steht der Mardschaʿ-e Taghlid, quasi der schiitische Papst.  (Der letzte Mardschaʿ-e Taghlid Hossein Ali Borudscherdi starb 1961).

Knapp darunter steht die Großajatollahs oder Ajatollah al-Ozma. Sie entsprechen am ehesten katholischen Kardinälen; es gibt insgesamt 23 Stück, von denen die meisten sehr betagt sind.

 Iran  […..]

    Dschavad Gharavi Aliari (1935–)

    Kazem al-Haeri (1938–)

    Sadiq Hosseini Schirasi (1942–)

Irak

    Morteza Hosseini Fayaz (1928–)

    Ali as-Sistani (1930–)

Pakistan

    Muhammad Hussain Nadschafi (1932–)

Afghanistan

    Mohaqiq Kabuli (1928–)

    Muhammad Asif Muhsini (1935–)

Unter den Großayatollahs stehen die Ajatollahs, vergleichbar mit Bischöfen, die diesen Titel aber auch erst nach jahrzehntelangen theologischen Studien an einer schiitischen Universität erhalten.

Über 5000 Männer tragen diesen Titel im Iran, allein knapp 100 in offiziellen Staatsämtern.  Die klerikale Rangfolge fächert sich nach unten immer breiter aus.

[…..] Hodschatoleslam […..] ist ein islamischer Gelehrtentitel, der heute vor allem im Bereich der Zwölfer-Schia Verwendung findet.  […..] In der Titel-Rangordnung der modernen Zwölfer-Schia ist Hodschatoleslam oberhalb der Titel Fādil und ʿAllāma und unterhalb von Ajatollah angesiedelt. […..][…..]. […..]

(Wiki)

Aber das nur am Rande erwähnt.  Mit Sicherheit wissen Trump und Graham nichts darüber.

(Ausgetwittert, 10.01.2021)

Daß Menschen wie Trump oder Reiche wegen ihrer eigenen Blödheit die US-amerikanische, bzw deutsche Ökonomie zerstören, ist schon ärgerlich genug. Aber daß sie sehenden Auges in die Katastrophe schlittern, obwohl sie von allen Experten gewarnt wurden und Zusammenhänge nicht wahrnehmen können, die bereits jeder Schüler kennt, macht es unerträglich.

Aber es geht noch schlimmer:  Hier kommt der Urnenpöbel ins Spiel, der hartnäckig solche zukunftsfeindlichen Saurons in ihre Ämter wählt.

Der Souverän entscheidet sich freiwillig für eine Kakistokratie, wählt also die Dümmsten zu ihren obersten Anführern.

[…] Donald Trump ist ein Meister darin, mit Absicht oder durch Ignoranz und Dummheit schwere Krisen zu erzeugen, die er dann irgendwie gelöst bekommt, um schließlich einen Sieg zu verkünden, den „niemand für möglich gehalten“ habe.

Im Fall des Irankrieges ist es so weit noch nicht. Zunächst hat Trump mit der Androhung, die zivile Energie-Infrastruktur Irans zu zerbomben, eine Eskalationsstufe angedeutet, die nicht nur eine weitere eklatante Verletzung des Völkerrechts wäre, sondern die Weltwirtschaft noch tiefer ins Chaos stürzen würde. […] Als Trump am Montag auf dem Flugfeld von Palm Beach in Florida vor die TV-Kameras trat, war es, als sähe man sein Hirn auf der Suche nach irgendeinem Rettungsanker live dahinschmelzen. Niemand habe vorhersehen können, dass Iran einfach seine Nachbarländer beschießen werde, behauptete Trump – dabei war das so ziemlich das Erste, was absolut alle Analysten vorhergesagt hatten, genau wie die Blockade der Straße von Hormus. Die Meerenge wäre bald geöffnet und könne dann gemeinschaftlich kontrolliert werden, sagte Trump, und zwar vielleicht von ihm selbst und „dem Ajatollah“, wer auch immer das sein werde, man habe ja ganz viele umgebracht. Aber mit irgendwem werde sich ein Deal machen lassen, der dann für alle gut sei. […] Ein paar Stunden später dann befand sich Trump bereits im Schuldabwehrmodus für das gesamte Schlamassel des Irankrieges: Bei einem weiteren Presseauftritt, bei dem unter anderem Verteidigungsminister Pete Hegseth am Tisch saß, stichelte Trump, der sei es doch gewesen, der zuerst gesagt habe, dass „wir es tun“ sollten. Ein Kindergarten entscheidet über den dritten Weltkrieg. […] Trump will ja immer in die Geschichte eingehen, und er ist auf dem besten Wege dazu. Als dümmster Kriegsherr der modernen USA. [….]

(Bernd Pickert, 24.03.2026)

Was für ein Geschenk für die islamische Killer-Republik Iran! Das mächtigste Land des Planeten zum Kriegsgegner zu haben, sollte eigentlich ein Todesstoß sein. Aber der weltgrößte Polit-Idiot Trump offenbart Teheran höchstpersönlich, wie man ihm am meisten wehtun kann: Hormus sperren. Dazu hebt er die Ölimportsanktionen auf, so daß der Iran seinen Kriegskassen füllen kann und signalisiert Chamenei Jr. ‚mach dir keine Sorgen, falls ich mal wüste Drohungen ausstoße: Ich plappere nur sinnloses Zeug vor mich hin und setze das nie um!‘

Gegen Trump und Hegseth wirken die Schildbürger wie hochkompetente strategische Genies.

[…] Was erschwert für den Iran die Rückkehr an den Verhandlungstisch?

Zum einen tiefes Misstrauen. Das Duo Steve Witkoff/Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn, ist aus iranischer Sicht verbrannt. Beide Hobby-Diplomaten, ohne jede tiefe Expertise in der zentralen Atomfrage, waren mit ausschlaggebend dafür, dass Trump am 27. Februar grünes Licht für die Militär-Mission „Epischer Zorn“ gab. [….] Warum scheut Trump die Befreiung der Straße von Hormus mit militärischen Mitteln?

Weil sämtliche Experten sagen, dass dies ohne den Einsatz von US-Soldaten am Boden nicht funktionieren kann. Bevor Kriegsschiffe die Öl- und Frachtschiffe via Konvoi durch die Meerenge begleiten können, müssten zunächst die Küsten „gesäubert und gesichert“ werden. Wenn die aus Japan und anderen Regionen abkommandierten Spezialeinheiten der Marines (rund 7000 Soldaten) demnächst in iranischen Gewässern anlanden und – als Faustpfand – die für Teheran wichtige Öl-Export-Insel Kharg einnehmen würden, seien hohe Verluste auf US-Seite wahrscheinlich. Von Teheran angedrohte Vergeltungsmaßnahmen auf Energieeinrichtungen und Meerwasserentsalzungsanlagen der Anrainerstaaten würden den Energieschock weltweit erheblich verschlimmern und echtes Chaos über den Nahen Osten hinaus auslösen. Davon würde sich Trump politisch acht Monate vor den Zwischenwahlen im Kongress „nicht wieder erholen“, sagen parteiunabhängige Analysten in Washington. […..]

(Dirk Hautkapp, 25.03.2026)

Trumps Hybris und Borniertheit haben den vollständigen Nahost-Clusterfuck angerichtet, aus dem es nun keinen Ausweg mehr gibt.

[….] Der Krieg als Instant-Phänomen: Heute kalt anrühren, morgen genüsslich den Sieg verkünden. So führt Donald Trump seinen Iran-Krieg. Und wundert sich, wenn es in der vierten Woche nicht mehr so läuft, wie es in den ersten Tagen aussah. Deshalb mäandert der US-Präsident jetzt hilflos vor und zurück, macht sich international zum Gespött.

Erst sagt er, die feindliche Marine sei versenkt, die Luftwaffe zerstört, die Raketen vernichtet und der Krieg fast zu Ende. Dann wieder droht er mit der Zerstörung der Energie-Infrastruktur des Landes, weil der Gegner nicht einknickt. Er verkündet ein Ultimatum und verschiebt dann dessen Ende. Souveräne Kriegsführung sieht anders aus; wer sich an ihr versucht, sollte vorher wissen, was er erreichen will.

Dass die Teheraner Führer die Waffen nicht strecken würden, war zu erwarten – die Islamische Republik kämpft ums Überleben. Daher blockieren die Revolutionswächter die Straße von Hormus, lassen den Ölpreis nach oben schnellen, die Börsenkurse in den Keller sacken. Offensichtlich reichen zwei US-Flugzeugträger und das weitere Aufgebot nicht aus, eine Meerenge von 50 Kilometern Breite offen zu halten. Das hätte Trump wissen können; seine Generale und Admirale haben gewarnt.  […]

(Thomas Avenarius, 24.03.2026)

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