Es wird immer anstrengender und psychedelischer, täglich den vielen neuen News-Strängen hinterher zu scrollen, zu lesen, zu verifizieren und natürlich abzuwägen, welche Aspekte man gezielt ignoriert. So lieferte mir Annika Brockschmidt auf Bluesky in geschriebener Form eine sachliche Beschreibung der Morde an Rene Good und Alex Pretti.
Die Tatvideos, die seither meine Social-Media-Feeds fluten, gucke ich mir nicht an, weil ich bewußt entscheide, mich nicht damit zu quälen und auch nicht gegenüber Gewalt abstumpfen will. Es ist gut, daß die Videos existieren und trotz des massiven Shadowban bei Musk und Meta gesehen werden, weil sie damit das Narrativ der US-Regierung untergraben. Aber mir genügt die einmalige Informationen über den Hergang.
Die Trumpsche Methode, flood the zone with shit, um stets die Nachrichten zu dominieren und nach Belieben von unangenehmen Themen abzulenken, funktioniert leider nur zu gut. Die Factchecker kommen nicht hinterher. Die Bullshitter gewinnen immer gegen die Seriösen.
Das Schulterzucken der seriösen Medien und der politischen Klasse gegenüber den täglich neuen ungeheuerlichen Angriffen Trumps, ist ebenso fatal und gefährlich, wie verständlich. Nach zehn Jahren des Bullshits, abenteuerlichen Beleidigungen im Stundentakt und 100.000 Lügen des mächtigsten Mannes der Welt, stumpft man ab.
Es handelt sich dabei um kein neues Phänomen. Seit Jahrzehnten, wird analysiert, wie durch immer mehr Gewalt und S€x-Darstellungen die Jugend verdorben wird.
Erst war es das TV, dann Comics, das Privatfernsehen, Horrorfilme, Computerspiele, Internet, Social Media. Was macht das mit einem Pubertierenden, wenn der beim Erwachen seiner s€xuellen Triebe, bereits jede noch so spezielle Variante in epischer Breite auf seinem Klugtelefon gesehen hat? Welche Verhältnis zu Gewalt entwickeln Menschen, wenn sie täglich im Fernsehen 1.000 Morde sehen?
Einige statistische Daten passen nicht zu dem, das jemand meiner Generation, der offline und ohne Pornozugang aufwuchs, erwarten würde. So beginnen heutige Jugendliche sogar deutlich später mit dem Geschlechtsverkehr, als wir in den 1980ern. Sehr kontrovers wird auch der mögliche Zusammenhang zwischen Baller-Computerspielen und Amokläufen diskutiert. (Dazu traue ich mir keine Meinung zu.)
Das größte Erstaunen löst in mir immer noch die enorme Toleranz religiöser und konservativer Menschen gegenüber pädos€xueller Gewalt aus. Es scheint geradezu ein Signature Move von Priestern und Rechten GOPern zu sein, sich missbräuchlich an Kindern zu vergreifen.
Dabei war es doch mal das ultimative Tabu. So verachtenswert, daß die Kinderf**ker sogar im Gefängnis von Mördern und Vergewaltigern verachtet wurden. Aber das ist vorbei. In den letzten Jahren produzierten die beiden großen christlichen Konfessionen weltweit derartig viele Kindesmissbrauchsfälle, daß sie den Trumpschen Bullshit-Status erreichten.
Die Menschen nehmen es achselzuckend hin. So sind sie eben, die Geistlichen. So sind sie eben, die US-Republikaner. Deswegen tritt man nicht mehr aus der Kirche aus, deswegen verliert man keine politischen Ämter.
Solche Meldungen schaffen es kaum noch in die Zeitungen, geschweige denn auf die Titelseiten.
Ist halt so.
Oder sorgten diese Randnotizen aus der letzten Woche für irgendeine politische Reaktion?
[…] Studie: Hunderte Missbrauchsopfer bei deutschen Pfadfindern
Übergriffe gegen Jugendliche, Vergewaltigungen im Zeltlager: Hunderte Kinder und Jugendliche sind bei den christlichen Pfadfindern in Deutschland Opfer sexuellen Missbrauchs geworden, wie eine Studie aufzeigt.
Eine am Dienstag in der Zentrale des Verbandes Christlicher Pfadfinder*innen (VCP) in Kassel vorgestellte Studie zweier Forschungsinstitute listet 344 Betroffene sexueller Gewalt zwischen 1973 und 2024 und 161 mutmaßliche Täter auf.
Marlene Kowalski aus dem Beirat zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im VCP sprach von einem der „dunkelsten Kapitel“ in der Geschichte des Verbandes. Laut Johanna Hess vom Bildungs- und Forschungsinstitut Dissens waren zwei Drittel der Betroffenen zwischen 13 und 17 Jahren alt, 60 Prozent weiblich.
Viele Taten auf Fahrten und in Lagern
Rund die Hälfte der Taten habe sich bei Pfadfinderfahrten oder -lagern ereignet, und etwa jeder zweite Täter war den Angaben zufolge mit zwischen 18 und 24 Jahren selbst noch relativ jung – und der überwiegende Großteil männlich. Unter den mutmaßlichen Täterinnen und Tätern, die die Untersuchung auflistet, sind nur drei weiblich. In mehr als einem Drittel der Fälle gehen die Forscherinnen und Forscher von Vergewaltigungen aus.
Peter Caspari vom Münchner Forschungsinstitut IPP sprach von einem erheblichen Ausmaß des Missbrauchs im Verband des VCP. Die beiden Forschungsinstitute hatten seit 2023 rund 1.300 Seiten Akten gesichtet und 79 Interviews mit ehemaligen und aktiven Pfadfindern geführt. [….]
Macht doch nichts. Dazu gibt kein Bundesminister einen Mucks von sich. Christen eben.
[…] Evangelische Gemeinde arbeitet jahrzehntelanges „rigides Regime“ auf. Es geht um sexuellen Missbrauch, kalte Duschen, Essen trotz Würgereiz.
[…] Haben zwei Betreuerinnen einer Kirchengemeinde in Buxtehude ein fast 30-jähriges Regime von knallharten Strafen, Unterdrückung und Missbrauch geführt? Eine jetzt vorgelegte externe Untersuchung, für die 30 Gespräche mit wohl zunächst elf Betroffenen geführt wurden, zeichnet ein erschreckendes Bild. Eiskalte Duschen bei Heimweh, Essen trotz massiven Ekels herunterwürgen oder bis Mitternacht alleine im Speisesaal sitzenbleiben, um trotz Würgereizen ein Glas Milch und eine Scheibe Käse zu verzehren: Erfahrungen, die sechs- bis zwölfjährige Kinder ab den 1980er bis zu den 2010er Jahren demnach bei Freizeiten der Buxtehuder Kirchengemeinde St. Petri machen mussten. Weil den Berichten der Kinder lange nicht geglaubt wurde, werden die Vorfälle erst jetzt aufgearbeitet. […] Im Fokus der Anschuldigungen stehen zwei ehrenamtliche Betreuerinnen, die sich über Jahrzehnte sehr für die Jugendarbeit in der Gemeinde engagierten. Die Ältere der beiden – ihr werden die schwersten Vorwürfe gemacht – ist inzwischen gestorben. Die jüngere Betreuerin weist laut Groß die Vorwürfe zurück oder relativiert sie. […] Erste Beschwerden seien zurückgewiesen worden. Doch spätestens seit 2009 war Groß zufolge der ganze Kirchenvorstand über Vorfälle informiert gewesen. Die heutigen Reaktionen ließen sich aufteilen zwischen Personen, die vor 2013 Verantwortung trugen, und Personen, die später Verantwortung übernommen hätten. In der ersten Gruppe seien die Vorfälle überhaupt infrage gestellt worden. Sie hätten versucht, die Institutionen Kirche und Kirchengemeinde zu schützen. Personen aus der zweiten Gruppe forderten dagegen eine transparente und öffentliche Aufarbeitung. […]
Kirchenvorsteher Dr. Wolf-Dieter Syring ergänzt: „Dass die Kindeswohlgefährdungen über viele Jahre hinweg möglich waren und die Hinweise darauf bei den Verantwortlichen kaum Beachtung gefunden haben, hat uns als Kirchenvorstand sehr getroffen. […]
(Hamburger Abendblatt, 19.01.2026)
Nichts, das irgendein Spitzenpolitiker aufgreifen müsste, das in der Tagesschau gemeldet würde. Christinnen eben.
[….] Eine Studie legte vor zwei Jahren sexualisierte Gewalt in den evangelischen Kirchen offen – aber wirkliche Veränderungen lassen laut Betroffenensprecherin Nancy Janz auf sich warten. […] Immer wieder kommen in den vergangenen Jahren Vorwürfe der sexualisierten Gewalt ans Licht – so wie der Fall der Bremerin Nancy Janz, die vor zwei Jahren mit buten un binnen über ihre Erfahrungen mit einem Jugendpastor gesprochen hat.
Janz ist außerdem auch die Sprecherin der Betroffenenvertretung im Beteiligungsforum Sexualisierte Gewalt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Vor zwei Jahren wurde eine Studie zum Missbrauch in den evangelischen Kirchen in Deutschland vorgelegt. […] "Empfehlungen müssen einen ganzen Apparat von Gremien passieren, bevor sie umgesetzt werden", sagt Janz. Das gelte für jede einzelne der 20 Landeskirchen sowie die diakonischen Verbände – und diese handelten noch immer nicht einheitlich. […]
(Buten und Binnen, 22.01.2026)
Ist doch nicht der Rede wert. Christen eben. Konservative. Die sind nun mal Kinderquäler. Daran stört sich kein Mensch mehr. Die wählt man trotzdem.
Die Bundesregierung und die Landesregierungen erkennen keinerlei Handlungsbedarf. Sie schaufeln weiterhin Milliarden aus der Staatskasse in zu den Kirchen und übergeben ihnen die Trägerschaft für KITAs und Schulen.








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