Sonntag, 25. Oktober 2026

Peinlicher geht immer.

Das kann doch niemand mehr aushalten.

Ich habe es so satt, ich habe es so satt, ich habe es so satt: Sich täglich auf’s Neue für den Bundeskanzler schämen zu müssen, der immer wieder mit rassistischen und antisemitischen Entgleisungen, rüpelhaften Beleidigungen und entwaffnender Dummheit peinlich auffällt.

Ulrike Herrmann kann man in diesem Zusammenhang gar nicht oft genug zitieren.

[….] das darf man einfach nicht vergessen, er hat nie regiert. Er war noch nicht mal Oberbürgermeister (…) und dann will er aber Kanzler werden. (….) Vorher waren alle entweder Ministerpräsident oder Minister, alle hatten Regierungserfahrung. Merz ist der erste, der einfach denkt, ich kann Kanzler werden. Und da muss man auch sagen, dass in aller Härte, da hat die CDU als Volkspartei versagt. Die hat überhaupt nicht ernst genommen, was es heißt, Kanzler zu sein. Also, dass man da einen Profi hinschicken muss und nicht ein Laienschauspieler.

So, und das nächste ist das zweite große Problem von Merz.

Er hat die fatale Neigung, sich selber zu klonen. Also Merz kommt, das ist ja auch okay, aus Brilon, das ist katholische Provinz in Nordrein-Westfalen. So und Carsten Linnemann kommt aus Paderborn, war sein Generalsekretär, jetzt Gesundheitsminister, kommt aus der katholischen Provinz in Nordrein-Westwalen. Jens Spahn kam auch aus der katholischen Provinz in Nordrhein-Westwalen. Also nichts gegen die katholische Provinz in Nordrhein-Westfalen, aber es ist Quatsch zu denken, dass man ganz Deutschland aus dieser Perspektive regieren kann. Der einzige, der da noch so eine Ausnahme war, war dann Torsten Frei. Ja, der war aus der evangelischen Provinz von Baden-Württemberg, aber immer nur Männer, immer nur Provinz, das kann nicht klappen. […]

(Ulrike Herrmann, 11.08.2026)

Aber Merz ist eben nicht nur unerfahrener „Kanzler-Azubi“, denn Azubis lernen stetig hinzu, werden täglich besser. Merz ist das Gegenteil davon. Als Inkarnation der Borniertheit, glaubt er fest daran, bereits alles zu wissen. Er lernt weder dazu, noch lässt er sich beraten. Und so wiederholt er täglich dieselben Fehler.

Es gibt Menschen, die bis ins höchste Alter ihre Perspektiven erweitern, weiser werden. Auch das gelang Merz nie. Er ist ein katholisches Provinz-Gewächs mit einem neoliberalen Mindset aus dem vorherigen Jahrtausend. Klimaschutz, Nachhaltigkeit, erneuerbare Energien, gesellschaftliche Teilhabe gibt es in seinem Weltbild nicht. Frauen- oder Arbeitnehmerrechte, Umweltschutz sind bei ihm bloß den Gewinn schmälernde Störfaktoren, die es abzuschaffen gilt.

Daher holt er modernde Klischees aus der Mottenkiste, deren Gestank dem Publikum die Sinne raubt, während er selbst die olfaktorische Attacke gar nicht wahrnimmt.

[….] Merz nutzte den Gipfel in Berlin, um die Stärken von Deutschland als Standort hervorzuheben. Dazu nahm der Kanzler Klischees zur Hilfe: "Deutsche gelten als fleißig, gehen früh schlafen und stehen noch vor Sonnenaufgang auf." Der Berufsverkehr sei morgens zwischen 6 und 7 Uhr am stärksten. "Im Urlaub sind wir die Ersten am Strand und legen schon vor dem Frühstück unsere Handtücher aus. Und wenn wir Liefertermine vereinbaren, dann halten wir diese auch ein."

Deutsche seien zuverlässig, berechenbar, präzise und für keine Überraschungen gut, sagte Merz. "Kurz gesagt: Wir sind genau das, was Investoren am meisten schätzen." Das Gute an Klischees sei nämlich, dass sie oft voller Wahrheit steckten.   [….]

(Tagesschau, 20.10.2026)

Es gibt die bekannten drei Politdemenz-Stadien: Erst merken sie selbst, Unsinn von sich zu geben, dann merken es auch die anderen und schließlich merken es nur noch die anderen. Ganz offensichtlich hat die Briloner Bratpfanne längst Stadium Drei erreicht.

Jahr und Tag bepöbelt er sein deutsches Volk als faul, nicht leistungswillig, der Dreitagewoche frönend, sich nach Lifestylefreizeit zu sehnen, viel zu oft krank zu feiern, nur um dann für den milliardenschweren Heuschrecken, die 100 Jahre alten Klischees von den fleißigen unfehlbaren pünktlichen deutschen Arbeitsbienen auszupacken.

Der Fritzekanzler merkt gar nichts mehr.

[…] Friedrich Merz hatte in dieser Woche seine schönen Momente. Er war aber auch so richtig in seiner Welt: Die globalen Wirtschaftsgrößen waren bei ihm zu Gast, rund 200 CEOs und Unternehmenslenker aus dem In- und Ausland, die Entscheider, deren Daumen bei Investitionen hoch- oder runtergeht. [….] Wie peinlich: Der Kanzler wirbt mit Handtüchern auf Poolliegen

Ich war allerdings ein wenig irritiert, dass der Bundeskanzler unsere peinliche Charakterschwäche hervorhob: Die Deutschen, sagte er in seiner Begrüßungsrede, seien superfleißig, superpünktlich. Sogar im Urlaub stünden sie ganz früh auf, um die besten Poolliegen mit Handtüchern zu reservieren.

Mag sein, dass er es witzig meinte. Doch diese Unsitte gehört nicht als Kalauer auf dieses Forum. Es macht uns einfach unsympathisch. Mich hält die Handtuch-Reservierung sogar davon ab, Pauschalurlaube zu buchen, denn Beobachter sprechen von regelrechten Handtuchkriegen. Es ist genauso wie an der Tür zur U-Bahn, wenn sich Fahrgäste so schnell es geht die freien Plätze schnappen, obwohl sie im Büro ohnehin den ganzen Tag sitzen.  [….]

(Brigitta Stauber, Funke, 25.10.2026)

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