Samstag, 26. September 2026

Drastische Erkenntnisresistenz

Die kognitive Dissonanz der Gesamt-CDU macht fassungslos.

Seit über zehn Jahren wächst die AfD auf Kosten der CDU und radikalisiert sich dabei immer mehr. Inzwischen liegen die Nazis bei bundesweiten Umfragen zehn Prozentpunkte vor der CDU.
Merz hat seine Partei runter in die Zehner-Zone gewirtschaftet.

Die Partei verachtet ihren eigenen Vorsitzenden und fliegt in Mecklenburg-Vorpommern aus dem Landtag, weil das Plagiieren der Rechtsextremen, genau wie von allen Experten (inklusive der eigenen Konrad-Adenauer-Stiftung) analysiert, immer nur das Original stärker macht und die konservativen Demokraten überall in Europa in die Einstelligkeit drückt.

[…] Man hört bei Springer, anderen Medien und Politiker:innen von CSU&CDU (AfD sowieso) ernsthaft immer noch den Take, dass die CDU nicht hart genug beim Thema Migration ist. Und deswegen verliert.

Nach 10 Jahren gegenläufiger Evidenz und zig Studien frage ich mich langsam, ob da Esoteriker am Werk sind.  [….]

(Gilda Sahebi, 26.09.2026)

Doch das Gros der CDUCSU zweifelt immer noch nicht am eingeschlagenen kontrafaktischen Irrweg. Nach dem demütigenden ersten Rauswurf aus einem Landtag überhaupt, schwingen unverändert die fatalistischen Vibes ihrer konservativen Vorgänger aus den 1920ern und 1930ern: Harter Anti-Links-Kurs und gleichzeitiges Anbiedern an die Nazis.

[…] Das Auschwitz-Komitee mit deutlichen Worten zu #Heidenau:

"Dies ist ein durchsichtiger und verabscheuungswürdiger Versuch, die Nazi-Opfer in Heidenau erneut aus der Stadt zu vertreiben und sie dort zu entsorgen, wo nach Ansicht der AfD ihre Erinnerung schon lange hingehört – auf dem Friedhof."

Außerdem verurteilen sie die CDU scharf dafür, dass sie hierbei mitgemacht hat. Was für eine unfassbare Schande. [….]

(Robert Fietzke, 26.09.2026)

Kaspar Johannes Schlattenmeier, Baby-CDUler aus Osnabrück, ist unzufrieden mit dem Kurs des tumben Nachäffens von AfD-Positionen durch seine Bundesparteiführung. Er sorgt sich, weil seiner CDU keine Problemlösungskompetenz mehr zugeschrieben wird und, noch schlimmer, die Glaubwürdigkeit abhandengekommen ist. Aber niemand hört auf Schlattenmeier oder Polenz.

Die CDU marschiert weiter in ihren Untergang. Zwar durchaus mit mulmigen Gefühl in der Magengrube, aber unfähig und unwillens ihren Nazi-Appeasementkurs zu ändern.

[….] Verliert die CDU ihren Status als Volkspartei? Nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern sind auch andere Landesverbände hochnervös. Der Glaube an Kanzler Friedrich Merz wankt erheblich. [….]

Im Main-Tauber-Kreis im Norden von Baden-Württemberg ist die christdemokratische Welt noch in Ordnung – zumindest an der Wahlurne. [….] Trotzdem könnte die Stimmung im Kreisverband schlechter kaum sein. Am Dienstag, bei der ersten Sitzung der CDU-Landtagsfraktion in Stuttgart nach den Wahlen in Mecklenburg‑Vorpommern und Berlin, fasste Reinhart die Lage nach Angaben von Teilnehmern so zusammen: „Die Gefahr, dass die CDU ihren Status als Volkspartei verliert, war noch nie so groß.“ Eine derart kritische Stimmung wie derzeit habe er noch nicht erlebt. [….] Es gebe bei den Mitgliedern der Jungen Union „eine große Fassungslosigkeit über die Kommunikation der CDU auf Bundesebene und zunehmende Wut auf die SPD im Bund“, sagt der JU-Landeschef Florian Hummel. Der CDU-Landesvorsitzende Manuel Hagel warnte Anfang der Woche sogar davor, dass inzwischen mehr auf dem Spiel stehe als die nächste Wahl: nämlich „die Zukunft der Christdemokratie als gestaltende Kraft der Mitte“. [….] Auch in Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Bundesland, lösen die Wahlergebnisse bei Christdemokraten Entsetzen aus. [….] Wüst sagte, für ihn als stolzen Christdemokraten sei solch ein Wahlabend „schlimm“ und „furchtbar“. [….] [….]

(SZ, 26.09.2026)

Es ist hoffnungslos.

Die CDU begreift es einfach nicht. Sie hält sich inhaltlich an die Nichtdemokraten und Menschenhasser. Sie predigt, wider jede Evidenz, neoliberale Trickle Down-Politik. Sie verschließt fest die Augen vor den Erkenntnissen jedes mit der Materie beschäftigen seriösen Wissenschaftlers und setzt voll auf Fossil-Energie gegen die Erneuerbaren. Das ist wederseriös, noch bürgerlich, sondern nekrophil.

[….] Statt aufarbeiten, was zum Verlust der Wahrnehmung als Volkspartei führt, betreibt die CDU weiter Abgrenzung nach links. Das freut vor allem die AfD. [….] Das Verhältnis der CDU zum Antisemitismus ist ein instrumentelles. Dass Merz Antisemitismus kürzlich als eine Form von Ausländerfeindlichkeit bezeichnete, spricht für sich. Die CDU nutzt die Vorwürfe gegen die Linke als Hebel, um Grüne und SPD unter maximalen Druck zu setzen, eine Koalition mit ihrem Berliner Wahlverlierer einzugehen.

Dahinter steckt die noch größere Furcht, dass eine rot-grün-rote Koalition tatsächlich anfangen könnte, Teile des Wohnungsbestands in Berlin dem Profitstreben zu entziehen, sprich große Immobilienkonzerne gegen Entschädigung zu enteignen. [….] In ihrem Furor gegen die „extreme Linke“ verliert die CDU zudem völlig aus dem Blick, dass die extreme Rechte, die sich immer wieder positiv auf jene bezieht, die rund sechs Millionen Jüdinnen und Juden planmäßig ermordeten, gerade dabei ist, ein Bundesland tatsächlich umzukrempeln. In Sachsen-Anhalt gibt es erste Absprachen zwischen der AfD und dem Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW), man will zusammen den Landtagspräsidenten wählen und die Sitzordnung im Parlament so verändern, dass beide Parteien in der Mitte sitzen. [….] Das ist eine Kampfansage an die demokratische Mitte. Hier unternimmt die CDU noch nicht mal den Versuch, sich dieser Machtergreifung entgegenzustellen. Denn die Einladung der SPD zu Gesprächen, um eine Regierung ohne die AfD zu ermöglichen, schlug man diese Woche aus.

Bislang verhält sich die CDU leider genau so, wie es sich die AfD in einem Strategiepapier ausmalt: Sie polarisiert und treibt die Trennung vom linken Lager voran. [….] Es geht der AfD ums Ganze – und die CDU hat das offenbar immer noch nicht kapiert.  [….]

(Anna Lehmann, 26.09.2026)

Geschichte wiederholt sich. Wie 1933 wenden sich die C-Parteien gegen diejenigen, die auf der linken Seite für Demokratie und Menschenrechte eintreten.

Wie ihre Vorgänger-Parteien vor gut 90 Jahren, betätigen sich Christsoziale und Christdemokraten als Helferchen der Nazis, machen ihre Abscheulichkeiten salonfähig.

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