Auch die Merz-Fans wußten vorher; der Mann hat keinerlei Regierungserfahrung und wird daher mutmaßlich das ein oder andere mal anecken, die ausgetretenen Pfade im Kanzleramt verlassen.
Aber die Wirtschafts-Lobbyisten verachteten die Apparatschiks der Berliner Blase, die immer nur neue Regelungen ersinnen, es den Unternehmern unnötig kompliziert machen. Ein bißchen Destruktion könne da nur gut tun. Der Wirtschaftsfachmann, der angstfrei gegen den Bedenkenträger den Weg ebnet, sollte skrupellos sein, weniger Rücksicht nehmen und gerade auch wegen seines fortgeschrittenen Alters die Dinge voran treiben. Er würde keine Zeit verlieren.
So dachten sie. Die Freude war groß, als am Wahlabend der Wählerwunsch, den verhassten grünen Vizekanzler aus der Politik zu treiben, manifestiert wurde. Friedrich Merz würde als Bundeskanzler ganz andere Saiten aufziehen. Dachten sie. Sie hatten die 28,5% für die CDUCSU als absolute Merz-Majorität missverstanden, erwarteten durch die Namen Wildberger und Reiche „CDU pur“.
Dummerweise deuteten aber recht schnell die 1.000 Milliarden Euro zusätzlich Schulden, das Einkassieren der wesentlichen Unions-Wahlversprechen und die Koalitionsverhandlungen einen anderen Weg an: Der Merz-Durchmarsch zum Unternehmer-Traumland ohne lästiges soziales Gedöns, versprach steiniger, als gedacht zu werden.
Einmal vereidigt, begann Merz das große Reisen, statt wie erhofft mit der Axt durch den Dschungel der Unternehmer-Fesseln zu ziehen.
Zähneknirschend akzeptierte man aber das Primat der Außenpolitik. Schließlich war so einiges los in der Welt. Das Verhältnis zum großen Dealmakler Donald Trump sollte gekittet und die Kakophonie Brüssels beendet werden. Germany is back. Hurra, Merz würde der internationale Motor, auch das käme der deutschen Wirtschaft zu Gute. Geboren war nach dem „Wirtschaftsfachmann Merz“ die zweite Legende: „Der Außenkanzler“. Und wie toll er das machte. Er brachte sogar einen Nachmittag im Weißen Haus hinter sich, ohne vom orange geschminkten gewindelten Wüterich mit Fäkalien beworfen zu werden. Selbstbewußtsein hatte der Merz von vor einem Jahr tatsächlich und rauschte mit einem großen „Hoppla, jetzt komme ich“ in die Hauptstädte der Welt.
Ein bißchen blöd war allerdings sein Fettnapf-Tourette. Es ist ihm schlicht und ergreifend unmöglich, vor den Kameras der Welt aufzutreten, ohne irgendwas sagenhaft Dummes zu sagen und die Gastgeber zu beleidigen.
Der Sauerländer Simpel erwies sich als nicht bloß unerfahren und schlecht gebrieft, sondern als intellektuell hoffnungslos überfordert. In Brüssel stiftete er bloß Chaos, das festgesetzte russische Vermögen konnte er nicht für die Ukraine umwidmen und zu allem Übel hasst ihn jetzt auch noch sein großes Vorbild Donald Trump!
[….] Einen Tag, nachdem Bundeskanzler Friedrich Merz die Strategie der USA in Iran kritisiert hat, geht US-Präsident Donald Trump in die Offensive. Auf seiner Plattform »Truth Social« erklärte er, Merz sei einverstanden damit, dass Iran über Atomwaffen verfüge. »Er weiß nicht, wovon er redet!«.
»Falls Iran Atomwaffen hätte, würde die ganze Welt in Geiselhaft genommen werden«, so Trump. Er mache in Iran, was andere Länder und andere Präsidenten längst hätten machen sollen. Zum Abschluss schrieb er, es sei kein Wunder, »dass es Deutschland so schlecht geht, sowohl wirtschaftlich als auch in anderer Hinsicht!«. […..]
(SPON, 28.04.2026)
So viel Schleimerei und devotes Arschküssen für nichts!
Es konnte aber auch niemand ahnen, daß diese „Außenpolitik“ so kompliziert ist!
Wieso lösen sich nicht alle Weltprobleme nach ein paar zackigen Ansagen aus dem
Kanzleramt in Wohlgefallen auf?
[…] Die Lernkurve des Kanzlers ist bemerkenswert. Vor neun Monaten
bezeichnete Friedrich Merz die Angriffe Israels auf iranische Atomanlagen noch
als notwendige „Drecksarbeit“, die Israel für seine westlichen Verbündeten
erledige. Der völkerrechtswidrige Angriff auf Iran liege auch im deutschen
Interesse, behauptete er. Nun zeigt er sich „desillusioniert“: Die USA und
Israel hätten sich geirrt. Das „Problem“ mit Iran sei nicht innerhalb weniger
Tage gelöst worden, wie sie es versprochen hatten. Ach!
Welche Illusionen hatte der Mann? Hat Merz ernsthaft den Beteuerungen aus Washington und Tel Aviv geglaubt, die Probleme mit Iran ließen sich durch einen Krieg in kurzer Zeit „lösen“? Schon im Januar zeigte Merz sich ja zuversichtlich, „die letzten Tage und Wochen“ des Regimes seien angebrochen. Da hatte das Regime die Proteste auf den Straßen des Landes gerade blutig niedergeschlagen. Experten warnten, massives Bombardement werde das Regime eher noch festigen. Doch Israels Premier Netanjahu fand in Donald Trump einen Dummen, der ihm glaubte, dieses Rezept könne zum Erfolg führen. War Merz etwa auch so naiv?
Es waren leider keine humanitären, menschen- oder völkerrechtlichen Bedenken, die zum Sinneswandel des Bundeskanzlers geführt haben, sondern der Blick auf die Energiepreise, die weltweit in die Höhe schnellen. [….]
Merz erinnert das alles an seine Anfänge bei Blackrock, als diese Leute da mit dem unverständlich Akronym „ETF“ um sich warfen, als ob er das kennen sollte. Im Sauerland weiß man nichts davon. Wenigstens gaben sie ihm dann den legendären Soffin-Auftrag.
(….) Auch bei Blackrock wurde er kaltgestellt, nachdem seinen Chefs klar wurde, daß der Mann mit dem wertvollen politischen Adressbuch nicht einmal über Basis-Grundwissen („Was sind denn ETFs?“) in der Wirtschaft verfügte. Sein einziges großes eigenes Projekt, war 2010 die „Rettung“ (Verkauf) der WestLB an einen privaten Investor. Der selbst proklamierte Finanzjongleur Merz im Auftrag des staatliche Bankenrettungsfonds Soffin. Er ließ sich mit einem Tageshonorar von 5.000 Euro bezahlen und nahm insgesamt 1.980.000 Euro vom Staat ein. Unnötig zu erwähnen, daß er bei seinem Auftrag spektakulär scheiterte und die WestLB AG 2012 zerschlagen werden musste. (…)
(Schlimmste Erwartungen übertroffen, 17.03.2026)
Sehr ungerecht findet der Fritzekanzler die aktuellen Umfragen. Wieso mögen ihn die Deutschen denn nicht?
Na schön, er kann nichts und ihm gelingt auch nichts, außer Deutschland mit seinem fatalen antigrünen Fossillobby-Kurs immer weiter in die Scheiße zu reiten. Aber dafür findet Merz sich selbst nach wie vor einfach fabelhaft.
[….] Der Kanzler stürzt in Umfragen immer weiter ab. [….] Nicht einmal mehr die eigene Anhängerschaft steht geschlossen hinter Friedrich Merz: Bei Unionswählern reicht es für den Bundeskanzler im aktuellen INSA-Politikerranking nur noch für Platz 5. Insgesamt landet der CDU-Chef erstmals auf dem letzten Rang. Dabei ist der Absturz des Kanzlers kein plötzliches Ereignis, sondern das Ergebnis einer monatelangen Entwicklung, die nun in einem historischen Tiefstwert mündet. [….] Im aktuellen INSA-Politikerranking für die Bild rutschte Merz mit nur 28,9 Punkten von Rang 18 auf Position 20 ab. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Lediglich zehn Prozent der Befragten vergeben dem Regierungschef positive Bewertungen zwischen acht und zehn Punkten. [….]
Die konservativen Merz-Fans, wie der SPIEGEL-Rechtsaußen Nikolaus Blome, schlagen nun brutal hart in der Realität auf: Ihr Helden-Geront aus dem Sauerland enttäuscht jede denkbare Erwartung.
Die Außenpolitik ist ein Desaster.
Die Wirtschaft ist ein Desaster.
Und auch die dritte große Erwartung, nämlich den angeblich so wenig kommunizierenden Olaf Scholz durch Klartext-Politik abzulösen, erweist sich als Desaster.
"Was ist das Mr.
Burns-Syndrom?
Zu den Symptomen des Mr. Burns-Syndroms gehören: Ein Fehler, der einen anderen
Fehler maskiert, der einen weiteren Fehler maskiert. Unzugängliche Codepfade
und verschluckte Fehler.
Er ist vollkommen unfähig, sich klar auszudrücken, richtet stets verbales Chaos an, das anschließend umständlich wieder dementiert werden muss.
[….] Es ging um die Rente, da hören mehrere Dutzend Millionen Deutsche sehr aufmerksam zu. Wenn man wie der Bundeskanzler ohne Not, ohne Gefühl und zur Unzeit davon anfängt, redet man sich schnell um Kopf und Koalition.
Um einen spektakulär banalen Tatbestand, den niemand von Verstand leugnet, in Worte zu kleiden, hätte Friedrich Merz sagen können: »Neben der gesetzlichen Rentenversicherung müssen die anderen, bekannten Säulen der Altersversorgung in Zukunft an Stärke gewinnen, privat wie betrieblich, wir kümmern uns drum« (was ja stimmt). Er hätte auch sagen können: »Die fürs eigene Alter anderweitig zu mobilisierenden Summen werden – oder meinetwegen: müssen – schneller wachsen als die gesetzliche Rente.« Aber nein, der Kanzler befand es richtig, zu sagen: »Die gesetzliche Rentenversicherung allein wird allenfalls noch die Basisabsicherung sein für das Alter.« Ex negativo also, von oben herab zugespitzt, und, Entschuldigung, kalt wie ein Fisch. Als ich den Satz hörte, musste ich denken: Was machen die Berater, Sprecher oder Einflüsterer des Bundeskanzlers eigentlich tagsüber beruflich? Und wohnen die alle unter einem Stein? [….] Allein das Wort: »Basisabsicherung«, das klingt ganz wie »Grundsicherung« aka »Hartz IV für Rentner«. Was seit Jahren nur rund drei Prozent aller Bezieher von Kleinstrenten tatsächlich betrifft, staatliche Hilfe zum Leben, hat der Bundeskanzler also kurzerhand allen künftigen Rentnern in Aussicht gestellt. Daneben wird er allen 21 Millionen aktuellen Rentnern ebenfalls Angst gemacht haben. [….] [….] musste Friedrich Merz am Wochenende »Rentenkürzungen« ausdrücklich ausschließen. Tiefer in die Defensive, wenige Wochen vor einer großen Rentenreform, kann man kaum geraten: Rentenkürzungen ausschließen zu müssen, die weder gefordert, geplant, noch rechtlich möglich wären, das heißt: wieder ganz von vorn anzufangen, back to square one. [….]




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