Montag, 23. Februar 2026

Der Satire-Kanzler

Was war das für ein Streit mit der eigenen Partei, mit den treuesten Merz-Fans der JU, als im Dezember 2025 die junge Kanzler-Koalition bereits zu platzen drohte. Die „Junge Gruppe der Unionsfraktion“ hatte sich komplett mit ihrem Kanzler und Parteichef überworfen.

[….] Johannes Winkel, Kopf der Rentenrebellen, warnt vor einem Ausbleiben weiterer Rentenreformen. »Der Reformbedarf in Deutschland wird durch dieses Rentenpaket nicht kleiner, sondern noch größer«, sagte der Chef der Jungen Union dem SPIEGEL.

319 Abgeordnete hatten am Freitag für Kernpunkte des umstrittenen Rentenpakets gestimmt. Dabei wurde auch die von Bundeskanzler Friedrich Merz faktisch eingeforderte »Kanzlermehrheit« von mindestens 316 Stimmen erreicht. [….] Winkel sieht die Koalition nun in der Pflicht: »Die Bundesregierung hat um Vertrauen geworben, dass eine Rentenreform im nächsten Jahr kommt. Damit steht die Regierung im Wort.« [….] Seit dem Frühsommer haben Winkel und Pascal Reddig, Chef der Jungen Gruppe, intern auf ihr Problem mit der Haltelinie beim Rentenniveau und die Folgekosten nach 2031 aufmerksam gemacht. Dabei fühlten sie sich von der Führung in ihrem Widerstand gegen SPD-Arbeitsministerin Bärbel Bas lange bestärkt. Auch von Merz. Doch beim Deutschlandtag Mitte November kam es zum offenen Streit. [….]

(SPON, 05.12.2025)

Es war faszinierend, wie unvorbereitet und ahnungslos der Fritzekanzler in diese auf den letzten Zentimetern abgebogene Beinahe-Katastrophe, stolperte. Weder Partei (Linnemann), noch Kanzleramt (Frei), noch Fraktion (Spahn) hatten funktioniert. Und das ausgerechnet bei dem Giga-Problem Rente, das seit Jahrzehnten auf der Agenda steht und dessen Stellschrauben in unzähligen Gremien und Kommissionen bis ins kleinste Detail analysiert wurden. Jeder kennt die hochproblematischen Zahlen. Zumindest jeder im politischen Betrieb. Sollte man meinen. Natürlich muss man, um das System zu retten, a) auch bislang verschonte privilegierte Gruppen (Selbstständige, Beamte, Privatiers, Bundestagsabgeordnete) einzahlen lassen und braucht, b) Zuwanderung von rund einer halben Million Menschen nach Deutschland – jedes Jahr. Ausgerechnet den beiden Hebeln verweigert sich aber die Merz-Union aus ideologischen Gründen.

Wie soll denn sonst Altersarmut eingedämmt werden, wollten Bettina Schausten und Anke Gellinek wissen, als Merz anderthalb Wochen nach der Blamage in der ZDF-Sendung „Was nun…?“ auftrat.

Es folgte ein Doppelskandal. Erstens offenbarte der Bundeskanzler, nicht einmal über rudimentäres Basiswissen über das gesetzliche Rentensystem zu verfügen, indem er völlig falsch behauptete, das Rentenniveau von 48% bedeute, man bekäme als Rentner 48% seines letzten Gehalts.

»Jetzt sage ich das mal hier sehr offen: Wir drei hier wollen nicht mit 48 Prozent unseres letzten Gehalts in den Ruhestand gehen«

(Friedrich Merz im ZDF, 16.12.2025)

Zweitens wurde diese ungeheuerliche Selbst-Disqualifikation des Kanzler medial weitgehend totgeschwiegen.


Nicht auszudenken, wenn sich Habeck oder Reichinneck so eine dramatische Offenbarung ihres Unwissens geleistet hätten. Die gesamte Presse wäre über sie hergefallen, hätte es wochenlang höhnisch ventiliert. Aber Merz lässt man seine verstörende Inkompetenz achselzuckend durchgehen.  Ich musste ausgerechnet bis zum rechtslastigen Burda-Focus Online googeln, um eine zitierfähige Richtigstellung zu finden.

[….] Friedrich Merz war zu Gast im ZDF und sprach unter anderem über das Thema Rente. [….] Hat Merz überhaupt verstanden, wie die Rente funktioniert? Scheinbar nicht. Er hebt an: „Und jetzt sag ich das hier sehr offen: Wir drei hier, wir wollen nicht mit 48 Prozent unseres letzten Gehalts in den Ruhestand gehen.“

Lieber Herr Merz, liebe Leser, das ist falsch, aber ich kann mir vorstellen, woher der Irrtum kommt. Lassen Sie mich das erklären.

Das Rentenniveau liegt bei 48 Prozent, so weit, so richtig. Allerdings bekommt der typische Rentner nicht 48 Prozent seines letzten Gehalts. Das Rentenniveau bezieht sich auf den sogenannten Eckrentner, der 45 Jahre lang gearbeitet hat und in jedem dieser Beitragsjahre genau das deutsche Durchschnittseinkommen verdient hat. Der bekommt 48 Prozent seiner durchschnittlichen, lebenslangen Einkünfte.

Genau genommen hat das Rentenniveau mit der konkreten Rente also nichts zu tun und das zu verstehen, ist immens wichtig in der Rentendebatte. Drei Denkfehler führen dazu, dass man überschätzt, wie hoch die Rente sein wird:

    Fehler: Das deutsche Durchschnittseinkommen war vor 45 Jahren deutlich niedriger als heute. Im Jahr 2002 lag es bei 28.626 Euro. Heute steht es bei 50.493 Euro.

    Fehler: So gut wie niemand verdient von Anfang bis Ende seiner Karriere deutsches Durchschnittseinkommen. Es gibt sogar Berufe, in denen über 50.000 Euro im Jahr in so gut wie jeder Karrierestufe utopisch sind. Und selbst wer später gut verdient, hat in der Ausbildung oder zum Berufseinstieg ziemlich sicher ein geringeres Einkommen.

    Fehler: 45 Beitragsjahre schaffen sehr viele Deutsche nicht und das hat nichts mit Faulheit zu tun, sondern sehr viel mit dem Arbeitsmarkt, Krankheiten oder der Familienplanung. Nicht umsonst bekommen Mütter dank der Mütterrente Rentenpunkte für Kinder statt für Einkommen.

[….] Wenn man konkret sehen will, wie viel Rente man bekommt, muss man wissen, wie viele Rentenpunkte man hat, und diese multipliziert man mit dem geltenden Rentenwert, dem Zugangsfaktor (1 für die Rente ohne Abschläge) und dem Rentenfaktor (1 für Altersrente).

Einen Rentenpunkt bekommt man, wenn man in dem Jahr genau das Durchschnittseinkommen verdient hat. Wer mehr verdient, bekommt mehr Rentenpunkte, und wer weniger verdient, weniger. Der Rentenwert für das Jahr 2025 liegt bei knapp über 40 Euro. Wer also 45 Rentenpunkte gesammelt hat, bekommt im Jahr 2025 etwa 1800 Euro Rente.

Das ist Merz‘ Irrtum

Wie kommt Merz also darauf, das letzte Einkommen würde für die Rentenberechnung herangezogen? Vermutlich war er der Annahme, dass die gesetzliche Rente genauso funktioniert wie die Beamtenpension. Denn Beamte bekommen tatsächlich 70 Prozent ihres letzten Solds als Altersbezug.

Übrigens ist noch ein Irrtum von Merz, dass er Bettina Schausten und Anne Gellinek direkt adressiert. Genau können wir zwar nicht wissen, wie die beiden versichert sind. Allerdings zeigen die Klagen vieler anderer TV-Persönlichkeiten, dass die Rentenversorgung von Moderatoren und Stars längst nicht so gut ist, wie man meint. Sie wechseln oft vom Angestelltendasein in die Selbstständigkeit und fallen damit aus der Versicherungspflicht. Und wer nicht einzahlt, bekommt auch keine Rente. [….]

(Philine Lietzmann, 19.12.2025)

Dieser Kanzler ruiniert nicht nur wissentlich mit seiner kontrafaktischen Wirtschaftspolitik unser Land.


Dieser Kanzler ist darüber hinaus auch noch offenkundig blöd. Er kennt nicht einmal die Kernbegriffe der Politik.

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