Dienstag, 20. Januar 2026

Verschluckt vom Trumpismus

Es fällt mir derzeit unglaublich schwer, dem Thema Trump zu entkommen. 24/7 lese, scrolle, gucke, höre ich neuen gefährlichen Irrsinn. Es gibt immer noch mehr Experten, Journalisten, Politiker, die unsere Optionen abwägen; Analysten, die das unerträgliche Europäische Versagen der letzten Dekade darstellen. Ständig neues Staunen über die totale und toxische Unfähigkeit der Merz-Regierung.

Es nervt so ungeheuerlich, Trump auf den Leim zu gehen, von seiner Flood-the-zone-with-shit-Strategie aufgesaugt zu werden, sich täglich mit dem Psychogramm dieser elenden orangen Bestie auseinandersetzen zu müssen, sehenden Auges sein Spiel mitzumachen. Mitzuerleben, wie erfolgreich er seiner fanatischen rechtsradikalen Christenbasis „red meat“ zuwirft. Die Begeisterung des katholischen und evangelikalen Fußvolks mit Trumps Hass-Politik zu registrieren. Es frustriert mich so sehr, mit anzusehen, mit welcher Leichtigkeit es Trump gelingt, von den für ihn unangenehmen Themen abzulenken. Wer spricht schon noch über miese Wirtschaftsdaten, Epstein und gebrochene Wahlversprechen (Ukraine-Krieg beenden, replace Obamacare), wenn der Godzilla von Mar A Lago EU, NATO und UN zertrampelt?

 

Es ist so eine Pest, sich überhaupt mit diesem schäbigsten Exemplar des Homo Demens beschäftigen zu müssen. Ihn aber auch nicht ignorieren zu können, weil er nun einmal der mächtigste und gefährlichste Mann der Erde ist.

Angesichts dessen, was der westlichen Welt gerade droht, des September-1939-artigen Kipppunktes, staune ich, wie Business As Usual überhaupt noch möglich ist.

Wieso laufen im Free-TV weiterhin Quizshows, Krimis und Sport, als ob weiter nichts los wäre? Müßte es nicht rund um die Uhr Sondersendungen geben?

Ich wünsche mir, mit meinem gesamten politischen Wissen, nun den totalen Handelskrieg mit Trumpmeria, wohlwissend, wie sehr das auch Europa und Deutschland in den Abgrund zöge.

Wohlwissend, wie mickerig unsere Chancen sind, heil aus der Sache rauszukommen

Es ist so ein Elend, alle Folterinstrumente auspacken zu müssen.

[…] Europa, hol deine Folterinstrumente raus! […] Europa, bitte aufwachen! Das möchte man den EU-Politikern zurufen, die sich wie Schlafwandler durch die wilden 20er Jahre des 21. Jahrhunderts schleppen und immer noch keine Antwort auf die imperiale Politik von US-Präsident Donald Trump gefunden haben. Dabei ist Trumps Vorgehen keine Überraschung. Gleich nach Beginn seiner zweiten Amtszeit am 20. Januar 2025 hat der MAGA-Mann erklärt, dass er Grönland „haben muss“. Kurz darauf hat er aberwitzige Strafzölle gegen die EU und den Rest der Welt verhängt.

Das war ein Weckruf. Schon damals hätten die Europäer aufwachen müssen. Doch weil sie die Drohungen gegen Grönland nicht ernst nahmen und der Handel höchste Priorität hatte, haben sie sich erpressen lassen und einen schlechten Deal abgeschlossen. Das rächt sich nun. Trump greift nach Grönland und droht erneut mit Strafzöllen. Er legt sogar noch einen drauf und versucht, die EU zu spalten: Nur Westeuropäer sollen höhere Zölle zahlen, Osteuropa wird verschont. […] Man bekenne sich zu den Prinzipien des Völkerrechts, der territorialen Integrität und der nationalen Souveränität, schrieb EU-Ratspräsident António Costa zwei Tage nach Trumps Attacke. Gegenwehr? Keine! Die soll erst bei einem Sondergipfel folgen – vielleicht. […] Nein, von Davos ist kein Heil zu erwarten, mit großen Fensterreden und kleinen Hinterzimmer-Deals lässt sich dieser Machtkampf nicht lösen. Die Zeit des Dialogs ist vorbei, Europa muss die Folterwerkzeuge auf den Tisch legen. Alles andere würde Trump als Zeichen der Schwäche auslegen – und nachlegen. Als Nächstes könnte Island drankommen oder Kanada. […]

(Eric Bonse, 19.01.2026)

Es ist so desillusionierend zu sehen, wie meine linksgrünversiffte Bubble zwischen Fatalismus, weil wir viel zu abhängig von Trumpmerica sind und aufrichtigem Todesmut mäandert. Wie Spahn, Wadephul und Merz, weiter den Orangen Riesenhintern abzulecken, kann erst Recht keine Option sein. Denn im Reich des Trump-Chaos gibt es Konstanten: Er wird nie zufrieden sein, er wird immer mehr wollen, er wird immer lügen, er wird jeden Vertrag brechen, er wird jeden Tag seine Meinung ändern. Die großen Trump-Flüsterer Rutte, Merz, Starmer und Stubbe mussten/müssen es alle lernen: Sie können mit der Methode nicht gewinnen und werden sich in eine immer ausweglosere Situation manövrieren.

[…] Die Europäer sind wehrlos gegen den US-Präsidenten. Einen Handelskrieg mit Donald Trump würden sie verlieren. Nichtstun ist aber auch keine Option.

[…] Die USA befinden sich im Krieg mit Europa. Das hat noch nicht jede WählerIn in Europa verstanden, obwohl die Kriegserklärung des Weißen Hauses eindeutig war. Man muss nur Trumps neue „Nationale Sicherheitsstrategie“ lesen, um zu verstehen, dass Trump Europa unterwerfen und erniedrigen will. Es soll seinen Maximen gehorchen. Trump will auch Präsident von Europa sein.

Grönland ist dafür ein Symbol: Trump will die arktische Insel besitzen, also sollen Dänemark und Europa liefern. Punkt. Schon jetzt ist klar, dass es nicht bei Grönland bleiben wird. Trump wird immer wieder neue Forderungen an Europa stellen. Unter anderem ist er dagegen, dass die US-Konzerne eine europäische Digitalsteuer zahlen müssen. Auch wird Trump verlangen, dass der Kontinent schweigt, wenn er anderswo auf Eroberungstour geht. Schließlich will sich der US-Präsident auch noch den Panamakanal einverleiben. Danach vielleicht Kanada.

Trump kann Europa erniedrigen, weil der Kontinent tatsächlich schwach ist. Wir sind erpressbar, weil wir die USA als Exportmarkt benötigen, weil wir die Informationen der US-Geheimdienste brauchen und weil wir ohne den atomaren Schutzschild der USA ziemlich schutzlos wären. […] So zynisch es klingt: Vielleicht wäre es am besten, wenn die KI-Blase bald platzt. Dann wäre Trump in den USA auch bei vielen MAGA-Fans entzaubert – und die Welt hätte ihre Ruhe von diesem Möchtegernimperator. Die Wirtschaftskrise wäre allerdings heftig, auch in Europa. […]

(Ulrike Herrmann, 20.01.2026)

So zynisch finde ich Herrmann nicht. Ich halte einen totalen ökonomischen Zusammenbruch der USA (mit all den katastrophalen Folgen für die Weltwirtschaft) für den einzig verbliebenen realen Hoffnungsschimmer. Nur so könnte sich das MAGA-Fußvolk vom Trumpismus abwenden.

In den sozialen Medien häufen sich Videos, in denen US-Influencer sich eindringlich bezüglich der Fußball-WM an die Welt wenden: KOMMT NICHT HER! ES IST ZU GEFÄHRLICH. Bleibt weg von diesem Alptraum.

Gavin Newsom, der mächtigste der US-Gouverneure fordert Europa ausdrücklich dazu auf, den Handelskrieg gegen sein Land eskalieren zu lassen. So weit sind wir.

[….]»Es ist Zeit, sich aufzuraffen. Es ist Zeit, ernst zu werden und aufzuhören, sich mitschuldig zu machen. Es ist Zeit, aufrecht und standhaft zu sein, Rückgrat zu zeigen. Ich hätte ein paar Knieschoner für alle Staats- und Regierungschefs mitbringen sollen. Kronen verteilen? Das ist erbärmlich. Nobelpreise werden weitergegeben. Das ist einfach erbärmlich. Ich hoffe, die Leute verstehen, wie erbärmlich sie auf der Weltbühne dastehen, jedenfalls aus amerikanischer Sicht. Es ist peinlich.«

»Ist das Diplomatie mit Donald Trump? Er ist ein T-Rex. Entweder man paart sich mit ihm oder er verschlingt einen. Die Europäer könnten verschlungen werden, wenn sie bei diesem Kurs bleiben. Sie müssen aufrecht und standhaft bleiben und geeint auftreten.« [….]

(Gavin Newsom, Gouverneur von Kalifornien, 20.01.2026)

Es ist Krieg. Trump macht China und Russland stark. Wir müssen uns endlich wehren.

Stattdessen haben wir aber eine C-Bundesregierung, die uns täglich tiefer in die Grube fährt. Da wird Thielsche Software gekauft, auf mehr Abhängigkeit von Trumpscher Rüstungspolitik gesetzt und, ungeheuerlich: Bundeswirtschaftsministerin Reiche blockiert Deutschlands Weg in die Energieunabhängigkeit und setzt voll auf Trumpsches Fracking-Gas. LNG, um das Klima noch schneller kaputt zu bekommen und uns tiefer in den Hintern des rassistischen Verbrechers zu schieben.

[…] Bis zum Ukrainekrieg war es die Abhängigkeit von russischem Gas, nun hat sich Europa durch zu viel Flüssigerdgas (LNG) aus den USA erpressbar gemacht. Der Bezug von LNG aus den USA hat sich seit 2021 auf 57 Prozent vervierfacht und könnte bis 2030 bis zu 80 Prozent der gesamten LNG-Importe nach Europa ausmachen, warnt der US-Thinktank Institute for Energy Economic and Financial Analysis (IEEFA). Es sei „außenpolitisch riskant und sicherheitspolitisch gefährlich, dass dieser Bundeskanzler nicht versteht, dass in der Unabhängigkeit von fossiler Energie eine sicherheitspolitische Strategie für die Europäische Union liegt“, sagte auch Grünen-Kofraktionschefin Katharina Dröge in Richtung des deutschen Regierungschefs Friedrich Merz (CDU).

Vor dem Hintergrund der Grönland-Drohungen von US-Präsident Donald Trump müsse der zweite Teil des Zoll-Abkommens mit Washington „schrittweise rückabgewickelt werden“, forderte Dröge. Im vergangenen Sommer hatte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Trump den Kauf von fossilen Energieträgern wie LNG-Gas im Wert von 750 Milliarden US-Dollar bis 2028 zugesichert, wenn er geringen Zollsätzen auf EU-Importe zustimme. […] Wie fatal sich die neue Abhängigkeit auswirken könnte, zeigte sich bereits im vergangenen Oktober. Die USA und Katar drohten der EU-Kommission in einem gemeinsamen Brief mit einem Lieferstopp von LNG-Gas, sollten im Rahmen der Verhandlungen über die Abschwächungen des Lieferkettengesetzes die Nachhaltigkeitsstandards nicht reduziert werden. […]

(Kai Schöneberg, 20.01.2026)

Es ist nicht auszuhalten.

Ich habe zwei Staatsangehörigkeiten. Aber wieso müssen das ausgerechnet die beiden Peinlichsten der Welt sein?
Ich weiß gerade nicht, ob ich mehr für den deutschen, oder den US-amerikanischen Pass schäme.

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