Dschungel-Ariel nervt den IBES-Kosmos ganz gewaltig, weil sie es wagt, Mitcamper Gil Ofarim jeden Tag auf seinen Leipziger Prozess anzusprechen. Es müsse doch auch mal gut sein, finden alle anderen RTL-Kakerlakenfresser. Und überhaupt, was bilde die sich eigentlich ein mit ihren gerade mal 22 Jahren, über die höher gestellten reifen Männer zu urteilen?
[…] welch durch und durch unangenehmes Klima in der zwischen Dschungel und Raab gesandwichten »Stunde danach« inzwischen kultiviert wird.
Dort scheint die vollumfängliche Gil-Rehabilitierung seit Tagen vollzogen, die offensichtlichen Widersprüche in seiner Schweigeschwur-Erzählung etwa werden nicht angesprochen, stattdessen kürt man ihn zum »Camper des Tages«. Man müsse »diesen jungen Mann« – Gil ist 43 Jahre alt – »auch mal in Ruhe lassen« dröhnte etwa Talkgast Mario Basler sichtlich erregt, denn er performe doch so gut in den Prüfungen. […] Erschreckend ist vor allem, wie ungehemmt und -hindert die wechselnden Studiogäste Ariel fast schon dämonisieren dürfen. »Guck dir diesen Blick an, wie ein Teufel!«, sagt Claudia Effenberg. »Sie ist einfach abgrundtief böse«, sagt Lutz van der Horst. Basler bezeichnet Ariel wechselweise als »Waschpulver« und »die Kleine«, ausgerechnet Thorsten Legat fordert von ihr »Contenance und Niveau« sowie Ehrfurcht vor der »gehobenen Klasse von Leuten«, die mit ihr im Camp säßen, eine merkwürdige Aschenputtel-Fantasie. […]
Man muss „die Dinge auch mal gut sein lassen“ erscheint hier gleichermaßen als wohliger Allgemeinplatz, wie auch als Todschlagargument. Aber es ist schließlich Gil Ofarim, der gegen eine kolportierte Rekordgage die größtmögliche Öffentlichkeit sucht. Primetime, RTL, erfolgreichste Reality-Show.
Aber es ist keine Petitesse, die Ofarim in Leipzig unterlief, sondern eins der größten moralischen Tabus überhaupt, welches weltweit für Aufmerksamkeit sorgte. Um Aufmerksamkeit für sich zu generieren, andere Menschen fälschlich der Vergewaltigung, Homophobie, des Antisemitismus zu bezichtigen, verdient einen besonderen Platz in der Hölle, Nicolas Puschmann!
(….) Gestern kam es zum Prozess und es kam erheblich schlimmer als erwartet. Puschmann begab sich offenbar auf Ofarim-Smollett-Pfade!
Er war volltrunken, aggressiv und unangenehm. Den gesamten homophoben Aspekt dachte er sich aus. Als er einen Platzverweis kassierte, rastete er komplett aus, pochte auf seine Prominenz und schrie: „Das lasse ich mir von einer fetten Sau, die noch nie im Leben gefickt hat, nicht bieten!“
[….] Christian Lange ist der Verteidiger des Security-Chefs und sagt aus, dass sein Mandant am 03. Dezember 2021 zum Weihnachtsmarkt gerufen wurde, weil zwei Personen einen Wasserschlauch abgerissen hätten: Puschmann und sein Begleiter wurden dann dort angetroffen und passten auf die Beschreibung. Daraufhin habe er einen Platzverweis ausgesprochen. Es kam zum Streit und sein Mandant habe in Notwehr gehandelt: „Er hat ihn nicht mit der Faust geschlagen, sondern hat ihn lediglich mit der Hand von sich gestoßen und das in Notwehr, nachdem seitens des Anzeigenden nach ihm geschlagen worden ist.“ [….] Renata Behneke hat einen Stand auf dem Weihnachtsmarkt und wird hautnah Zeugin der Auseinandersetzung zwischen Nicolas Puschmann und dem Sicherheitsbeauftragten. Im RTL-Interview erinnert sie sich: „Der Herr Puschmann hat sich daneben benommen. Er war stark alkoholisiert und wollte den Platz nicht verlassen und hat den Security-Mann aufs übelste beleidigt.“
Außerdem erzählt Renata Behneke: „Herr Puschmann sagte immer wieder. ‘Du weißt nicht, wer ich bin’ und hat ihn als fette Wanze betitelt“. Der Angeklagte soll dabei sehr ruhig geblieben sein: „Der Security-Mann hat immer gesagt, mir egal wer du bist - wer sich nicht benimmt, verlässt den Platz“. Dann soll Nicolas Puschmann den Sicherheitsbeauftragten angegriffen haben. „Herr Puschmann hat seine letzte Kraft genommen und ist auf den Security los, der sich dann letztendlich gewehrt hat. Und Herr Puschmann ist dann gestürzt.“ [….]
Der Security-Mitarbeiter wurde selbstverständlich freigesprochen und erwägt zivilrechtliche Schritte, weil er als vermeidlich Homophober keine Job mehr in Hamburg bekam.
Ich hoffe, es gibt einen besonderen Platz in der Trash-TV-Hölle für Puschmann. Er hat es allen echten Opfern von homophober Gewalt schwerer gemacht, weil nun alle homophoben Blogs, Kirchen, AfD-Politiker den Fall Puschmann als Argumentations-Ass zu ziehen werden, damit man den Opfern nicht glaubt.
Schande über Puschmann! Pfui!
(…..) Einen ähnlichen Bärendienst leistete Gil Ofarim, der sich in Leipzig gekränkt fühlte, weil er am Check In des Westin Luxushotels nicht sofort als Superpromi erkannt wurde, darauf anfing rumzupöbeln, die Lobby verlies, draußen seinen David-Stern hervorkramte und über seine Social-Media-Kanäle jammerte, er sei antisemitisch beleidigt worden.
[….] Doch der Musiker lässt sich nicht beruhigen, im Gegenteil. Folgt man der Darstellung der beiden Hotelangestellten, wird er nun ausfallend und redet sich in Rage. Ein Zeuge in der Lobby beschreibt Ofarim später gegenüber der Polizei als »frech«. Der Künstler sei an diesem Abend der einzige Gast gewesen, der sich über den langsamen Check-in beschwert habe. Videoaufnahmen zeigen, wie Ofarim im Streit mit den Armen gestikuliert und sich beidhändig auf dem Schalter aufstützt. Laut Sophie G. spricht er von einer »Frechheit«. Schließlich droht Ofarim, den Vorgang online zu thematisieren, das werde dann viral gehen – so schildern es sowohl Markus W., als auch seine beiden Kolleginnen sowie zwei Gäste direkt hinter dem Musiker. Vermutlich ist es jener von den Kameras festgehaltener Moment, in dem Ofarim die Hände mit schwungvollen Bewegungen ineinanderklatscht, wohl begleitet von den Worten: »Dann geht das auf Facebook und Instagram, bamm, bamm, bamm.« [….]
Was für einen Bärendienst erweist Ofarim damit den Juden, die tatsächlich unter antisemitischen Anfeindungen leiden. Ihnen wird nun aber etwas weniger geglaubt werden.
[….] Als Gil Ofarim erklärte, er sei antisemitisch angegangen worden, glaubte auch ich ihm. Heute weiß ich es besser. Das bedeutet aber nicht, dass Menschen, die Diskriminierung beklagen, nicht geglaubt werden sollte – im Gegenteil. [….]
(Samira El Ouassil, 07.04.2022)
Ähnlich katastrophal verhielt sich der schwule, schwarze Schauspieler Jussie Smollett, der eine schwulenfeindliche Attacke auf sich inszenierte, um als Opfer Ruhm und Schlagzeilen zu bekommen.
[….] Schauspieler Jussie Smollett zu 150 Tagen Gefängnis verurteilt. Er soll eine homophobe Attacke auf sich selbst vorgetäuscht haben: Nun muss Schauspieler Jussie Smollett für knapp fünf Monate in Haft – und eine hohe Geldsumme zahlen. [….]
Erbärmlich! Was für einen Bärendienst erweist Smollett Myriaden Schwulen in den USA, die wirklich homophob angefeindet werden und deren Berichten man nun skeptischer gegenüberstehen wird.
Im Sexualstrafrecht ist die „Falschbeschuldigung als Vergewaltiger“ regelrecht zum Mythos geworden, auf den sich tatsächliche Vergewaltiger nur allzu gern beziehen. (…)
(Bärendienste, 12.04.2022) (….)
Als Schöffe am Amtsgericht bin ich immer derjenige, der für Verständnis plädiert und offen für mildernde Umstände ist.
Aber es gibt natürlich Grenzen, wenn es nicht um Drogenvergehen, oder Sachschäden geht, sondern menschliche Opfer zu beklagen sind. Der Mann, der von Ofarim in Leipzig fälschlich des Antisemitismus bezichtigt wurde, bekommt bis heute Morddrohungen, musste vor dem Mob aus seiner Wohnung fliehen, während der Täter nun „beim RTL“ seine Primetime-Heldenreise antritt und eine hohe sechsstellige Gage kassiert.
Mein Dank an Ariel, daß wenigstens eine Person das vor den Kameras kritisiert.
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| Der Spiegel, 31.01.2026 |
Gegenüber den christlichen Kirchen und konservativen Parteien fühle ich mich wie Ariel. Ich kann, will und werde nicht verstehen, wie man sexuelle Übergriffe auf Kinder so gelassen akzeptiert.
(….) Das größte Erstaunen löst in mir immer noch die enorme Toleranz religiöser und konservativer Menschen gegenüber pädos€xueller Gewalt aus. Es scheint geradezu ein Signature Move von Priestern und Rechten GOPern zu sein, sich missbräuchlich an Kindern zu vergreifen. Dabei war es doch mal das ultimative Tabu. So verachtenswert, daß die Kinderf**ker sogar im Gefängnis von Mördern und Vergewaltigern verachtet wurden. Aber das ist vorbei. In den letzten Jahren produzierten die beiden großen christlichen Konfessionen weltweit derartig viele Kindesmissbrauchsfälle, daß sie den Trumpschen Bullshit-Status erreichten.
Die Menschen nehmen es achselzuckend hin. So sind sie eben, die Geistlichen. So sind sie eben, die US-Republikaner. Deswegen tritt man nicht mehr aus der Kirche aus, deswegen verliert man keine politischen Ämter.
Solche Meldungen schaffen es kaum noch in die Zeitungen, geschweige denn auf die Titelseiten.
Ist halt so. [….]
(E*steinisierung der Nachrichtenmoral, 27.01.2026)
Die Ungeheuerlichkeiten, die aus dem neuesten Schwung der Epstein-Akten zu uns strömen, werden hier erstaunlich achselzuckend hingenommen. Der US-Präsident ein pädophiler Vergewaltiger? Macht ja nichts.
Diese enorme Kinderf!ck€r-Toleranz gegenüber den christlichen Kirchen, erlebt man schließlich auch jeden Tag in der deutschen Politik, in der deutschen Presse.
Massenhafter Kindesmissbrauch und die aktives Vertuschung, bleiben ohne Konsequenzen. Die Opfer werden im Stich gelassen, die Kirchenoberen weiter mit Steuergeld zugeschüttet.
[….] Wer sich durch den 950 Seiten schweren Abschlussbericht des interdisziplinären Verbunds „Forschung zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und anderen Missbrauchsformen in der Evangelischen Kirche und Diakonie in Deutschland“ (ForuM) kämpft, ist schockiert: Es gibt 2.225 Betroffene, 1.259 Beschuldigte und eine hohe Dunkelziffer.
Mehr als drei Jahre lang loteten WissenschaftlerInnen, koordiniert durch die Hochschule Hannover, die schwärzesten Abgründe aus. Was sie herausfanden und 2024 veröffentlichten, lässt keine Zweifel: Nicht nur die katholische Kirche hat tiefe Schuld auf sich geladen, flächendeckend und strukturell.
Veränderung ist gefordert. Aber genau damit tut sich die evangelische Kirche ebenso schwer wie die katholische. Das jüngste Indiz für diese Trägheit: Der Rücktritt von Nancy Janz als Betroffenen-Sprecherin des Beteiligungsforums „Sexualisierte Gewalt“ in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und ihres Sozialverbandes Diakonie. Seit Mitte 2022 hatte sie diese Position inne. [….]
(Harff-Peter Schönherr, 04.02.2026)
Hätten wir doch bloß eine politische Ariel im Bundestag, die jeden Tag die Damen und Herren auf der Regierungsbank gewaltig mit diesem Thema nervt. Die ihnen erklärt: Das kann man eben nicht mal gut sein lassen.







