Montag, 12. Januar 2026

Altenrepublik Deutschland

Die klassische Alterspyramide wird in Deutschland immer mehr zur Alterskeule mit einem dicken Wasserkopf.

Es ist ein „alter Hut“: Deutsche Politik ist deswegen so zukunftsblind und hinterlässt den nachfolgenden Generationen einen Scherbenhaufen, weil die Masse der Geronten, der mit Abstand wichtigste Wählerblock sind. Keine Partei verscherzt es sich gern mit den Rentnern. Die CDU generiert ihr Mehrheiten, indem sie sich auf die Wackelköpfe verlässt, die aus Panik vor Veränderungen gewohnheitsmäßig  immer die C-Partei ankreuzen. Die Bremser der Geschichte, die jegliche Reformen blockierten, sich allen Minderheiten entgegen stellten und das Denken maximal verengten.

Die Überalterung der deutschen Gesellschaft und der daraus folgende Fachkräftemangel, sowie die Unterfinanzierung des Renten- und Gesundheitssystems, haben durchaus Vorteile.

Denn insgesamt ächzt die Welt unter enormer Überbevölkerung. Anders als im saturierten Westeuropa und den steinreichen asiatischen Staaten (Südkorea, Japan), poppen die meisten Menschen sich viel zu viele Kinder herbei. Kinder, die sie nicht ernähren können, die vor Bürgerkriegen, Armut, ökonomischer Aussichtlosigkeit, imperialen Kriegen und zunehmend der Erderhitzung fliehen müssen.

Nach dem Schlüssel/Schloss-Prinzip sind wir dafür das perfekte Zielland; denn genau diese Menschen – jung, mobil, engagiert – braucht Deutschland dringend.

Es könnte so schön sein. Leider bildet sich ein Hufeisen aus trägen Graugesichtern der Geriatrie und der U30-Dunning-Kruger-Fraktion heraus. Sie alle wählen leidenschaftlich rechts – einerseits aus purer Bosheit, anderseits aus ökonomischer Ignoranz. „Ausländer raus“, das ganz große Politmotto des Merzismus, ist nicht nur zutiefst ahistorisch und inhuman; es sägt auch den Globalisierungsast ab, auf dem wir sitzen.

[…] Die CSU hat eine Abschiebeoffensive vorgeschlagen – mit Linienflügen nach Afghanistan und Syrien. Das wäre für Deutschland ein ökonomisches Eigentor und ein gesellschaftlicher Rückschritt. Der CSU-Vorschlag ist reiner Populismus. Er widerspricht dem Kern des deutschen Asylrechts und ignoriert die empirisch belegten wirtschaftlichen Chancen gelungener Integration. Angesichts der demografischen Alterung und des dramatischen Arbeitskräftemangels wäre dieses Vorhaben ökonomisch kontraproduktiv, für Unternehmen belastend und volkswirtschaftlich teuer.

Deutschland steht bekanntlich vor einer demografischen Zäsur. Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in Rente, Jahr für Jahr scheiden mehr Menschen aus dem Arbeitsmarkt aus, als nachrücken. Für die Unternehmen ist das längst Realität. In vielen Branchen sind fehlende Beschäftigte der entscheidende Engpass – nicht fehlende Nachfrage. Wer nun Hunderttausende Menschen, die bereits hier sind, arbeiten oder arbeiten könnten, aus dem Land drängen will, verschärft die Lage. Das ist keine Wende, wie es die CSU bezeichnet, sondern eine Selbstschädigung.

Die Arbeitsmarktentwicklung zeigt zudem klar, wie wichtig Migration bereits heute für die Stabilität der deutschen Beschäftigung ist. In den vergangenen Jahren gab es einen Zuwachs an Beschäftigung nur durch Menschen aus dem Ausland – lediglich mit Menschen aus dem Inland oder EU-Ausland wäre dies nicht zu schaffen gewesen. Das ist keine Meinung, sondern ein statistischer Befund, den auch wirtschaftspolitische Analysen in Deutschland immer wieder betonen.

Besonders deutlich lässt sich das am Beispiel syrischer Staatsangehöriger zeigen. Das IAB weist aus, dass im September 2024 rund 287.000 syrische Staatsangehörige abhängig beschäftigt waren, davon 82 Prozent sozialversicherungspflichtig. Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit dokumentiert zudem, dass die Beschäftigungsquote syrischer Staatsangehöriger seit 2016 stark gestiegen ist und ein relevanter Teil des ausländischen Beschäftigungswachstums zuletzt auf syrische Beschäftigung entfiel. Das sind keine Randgruppen, wie es bei der CSU heißt, sondern längst ein relevanter Teil des Arbeitsmarkts.

Der Verlust von mehr als 200.000 Beschäftigten aus dem Arbeitsmarkt bedeutet kurz- und mittelfristig eine konjunkturelle Abwärtsspirale. Beschäftigung sinkt, Unternehmen produzieren weniger, Einkommen und Konsum gehen zurück – ebenso die Nachfrage. Gerade in ohnehin schwierigen Zeiten kann das eine erneute Rezession auslösen. […] Der Schaden wäre besonders groß, weil viele Geflüchtete in systemrelevanten Bereichen arbeiten – in Medizin, Gesundheit und Pflege, Logistik, Verkehr, Bau, Reinigung, Gastronomie und Grundversorgung. Gerade hier ist der Personalmangel schon heute spürbar: längere Wartezeiten, höhere Preise, geschlossene Angebote, überlastete Dienste. Der Mediendienst Integration verweist darauf, dass Menschen syrischer Herkunft überproportional häufig in Engpassberufen tätig sind; bei syrischen Männern liegen Schwerpunkte etwa in Verkehrs- und Logistikberufen, im Gastgewerbe, im Gesundheitswesen und im Bau. Wer hier Arbeitskräfte entfernt, sorgt nicht für mehr Ordnung, sondern macht das tägliche Leben schwerer – und teurer. Denn Knappheit treibt Preise, bei Pflegeplätzen, Handwerksleistungen, Transport, Gastronomie, vielen Dienstleistungen. Die soziale Frage wird dadurch verschärft, nicht gelöst. […]

(Marcel Fratscher, 12.01.2026)

Eine wenig überraschende Analyse; wir wissen ja, was die CSU gut kann: Ökonomisch Rumstümpern und dem Standort Deutschland schaden.

Aber müsste sie nicht mehr an ihr ureigenes Wählerreservoir, die doofen Alten, die immer brav CSU ankreuzen, denken? Denn wenn sich die Boomer in die Rente verabschieden, werden sie es sein, die am allermeisten auf Zuwanderung angewiesen sind.

Aber erstens können C-Politiker generell nicht weiter als bis zur eigenen Nasenspitze denken und zweitens, nützen ihnen Geronten nichts mehr, wenn sie so alt und krank geworden sind, daß sie nicht mehr wählen.

 

Für diese Uralt-Kohorte, sowie Behinderte, gibt es die T4-Fraktion der christlichen Lebensschützer-Parteien: Hendrick Streeck und Kristina Schröder, die schambefreit verkünden, die Pflege von Hochbetagten und im Alltag auf Hilfe Angewiesenen, solle sich Deutschland nicht mehr leisten.

Lebensschutz gilt den Konservativen traditionell nur für das „ungeborene Leben“; wer einmal den Geburtskanal durchquert hat, soll sehen, wie er zu Recht kommt. Kinderarmut, verrottende Schulen, marode Kitas, sind den Schwarzen ebenso egal, wie die drei Millionen Pflegefälle.

[….] Abwanderung: Sterblichkeit erhöht     

Durch die Abwanderung von Pflegekräften ist die Sterblichkeit in deutschen Krankenhäusern an der Grenze zur Schweiz gestiegen. Das berichten das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung und das ifo Institut in München, die Daten von 2006 bis 2017 ausgewertet hatten. Demnach stieg dort die Sterblichkeit um 4,4 %. Der Pflegekräftemangel wirke sich v.a. auf ältere Patienten sowie Notfälle aus. Grund für den Stellenwechsel seien der starke Schweizer Franken, eine hohe Personalnachfrage in der Schweiz und stagnierende Tariflöhne in Deutschland. […]

(ARD, 12.01.2026)

Macht ja nichts im CDUCSU-affinen Süden Deutschlands. Die drittgrößte Industrienation der Erde lässt eher ihre Alten abkratzen, bevor sie rot oder grün wählt.

Die fromme Fraktion (Streeck, Warken, Spahn) stört sich nicht an erhöhter Sterblichkeit wegen zu niedriger Tariflöhne. Wirtschaft geht vor Moral.

Es sei denn, jemand möchte sterben. Beim Thema „selbstbestimmtes Leben“ schlägt der Sadismus der C-Politiker ihre ökonomischen Überzeugungen: Wenn Todkranke über ihrem Leiden ein Ende setzen möchten, kommt massiver Widerstand der Konservativen, die Alte und Kranke offenbar leidenschaftlich gern leiden sehen.