Samstag, 23. November 2019

Die No-Showdown-Partei.


Ja, die arme, arme CDU-Vorsitzende.
Sie musste sich nach nur einem Jahr im Amt so sehr vor der vor fast 20 Jahren ausgemusterten Konkurrenz fürchten, daß sie dramatisch die Machtfrage stellen musste, um nicht gleich wieder in die Wüste gejagt zu werden.

Die Andrea Nahles der CDU ist zwar taktisch maximal ungeschickt, verfügt über kein rhetorisches Talent, spricht schlechter Englisch als eine schwäbische Drittklässlerin, verfügt über den Humor eines Klo-Feudels und hat den politischen Durchblick eines Grottenolms, aber immerhin ist sie in der Lage die Schwächen der innerparteilichen Gegner zu analysieren.

Daher schätzte sie ihren Hauptkritiker, Liebling der Parteirechten und Kuban-Wichsphantasie Friedrich Merz richtig ein:
Der Mann reißt gern aus sicherer Distanz seine Klappe auf, ist hochempfänglich für Schmeicheleien, strebt dahin, wo er sicher weiß bejubelt zu werden, scheut aber das Risiko und nässt sich zuverlässig ein, wenn sich ihm eine Frau entgegenstellt.

Auf dem Leipziger CDU-Bundesparteitag musste Kramp-Karrenbauer gestern kämpfen, sprach volle anderthalb Stunden – und das war nicht nur für sie selbst eine Qual – aber als es darauf ankam, trat sie Merz dahin, wo es ihm richtig weh tut.
Solle er doch „hier und jetzt und heute“ gegen sie antreten und die Führungsfrage klären.
Ein exzellenter Schachzug der homophoben Saarländerin. Denn nun war ihr einerseits erstmals ehrlicher Applaus sicher – selbst die sie hassenden Delegierten bewunderten ihren Mut – aber andererseits, ging sie in Wahrheit gar kein Risiko ein. Sie hatte nämlich Friedrich Merz analysiert und wußte; der ist kein Lafontaine von 1995, der mit einer fulminanten Rede den drögen amtierenden Parteichef Scharping wegfegte. Merz hatte dementsprechend auch sofort die Hosen voll, duckte sich ganz tief und wand sich wie ein winselnder Welpe von dannen.

[….] In den entscheidenden Momenten – und auf die kommt es bekanntlich an – machte Annegret Kramp-Karrenbauer stets alles richtig. Das war auf dem Parteitag vor einem Jahr in Hamburg so, als sie mit einer furiosen Rede überzeugte. Und das war auch gestern so, als die Saarländerin die Machtfrage stellte, die Krone symbolisch auf den leeren Thron legte – wissend, dass da keiner war, der das Format hatte, zuzugreifen. [….] Die Partei hatte sie gestern hinter sich, auch weil ihr prominentester Gegenspieler Friedrich Merz mal wieder als Bettvorleger landete, nachdem er zuvor mit Fundamentalkritik als Tiger gestartet war. Allmählich weiß es jeder in der CDU: Er hatte seine historischen Chancen. Er nutzte sie nie. [….]
(Harald Stutte, Mopo, 23.11.2019)

JU-Chef Kuban ist jetzt sehr traurig.
Zu allem Übel hatte seine Mutterpartei auch noch den Plan den Kanzlerkandidaten per Urwahl zu bestimmen weggefegt und damit die einzig realistische Chance den zaudernden Scheinriesen Friedrich doch noch zum Kanzler zu machen. Es flossen viele Tränen in den Reihen der pyknischen JU-Männerrunde.

Die sich ohne Merkel weiter selbstverzwergende CDU steuert damit auf einen Kanzlerkandidaten Söder zu.

[….] Eine Überlebende, ein Verlierer - und ein großer Gewinner.
Kramp-Karrenbauer kann Leipzig ohne Niederlage verlassen, Merz muss klein beigeben - der lachende Dritte im Wettbewerb der beiden Christdemokraten ist CSU-Chef Söder. [….]

Eine gute Nachricht für GR2.

Eine gute Nachricht auch für Angela Merkel, die dereinst nicht nur eine in einer langen Kette von Unions-Kanzlern sein wird, sondern von Historikern eine singuläre outstanding Position zugesprochen bekommen wird.
Auch ihre Rolle als Parteivorsitzende wird umso mehr verklärt und idealisiert werden, je mehr die Nachfolgerinnen debakulieren und es nicht mehr schaffen die Macht zu garantieren.

[….] In der Krise erfasst die Union eine kuriose Nostalgie - die Partei müsse wieder für Marktwirtschaft stehen wie einst 2003 in Leipzig. Eine schräge Gedankenirrung.
[….] Dabei ist näher betrachtet nicht ganz klar, was an 2003 zum realpolitischen Erfolgsbeispiel taugt. Möglich sogar, dass das, was die Union damals als Wirtschaftsprofil feierte, heute noch weniger ziehen würde als damals ohnehin schon. [….]

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