Samstag, 16. November 2019

Santorums Echokammer


Es ist völlig unverständlich wie man nachts etwas anderes machen kann als nach den Impeachment-Hearings CNN-Panels anzugucken.
Immerhin erleben wir da gerade etwas, das man sich in 200 Jahren nicht vorstellen konnte: Ein zutiefst krimineller und korrupter US-Präsident, der sich intensiv darum bemüht die US-Verfassung auszuhebeln, der bösartige Diktatoren umschmeichelt, die eigenen Diplomaten, Geheimdienste und Parlamentarier bedroht und dabei von einer knappen Hälfte des Landes begeistert unterstützt wird.

[…..] Im demokratischen Spektrum ist das US-Präsidentenamt in seiner Machtfülle nahezu einzigartig. Der Präsident ist oberster Regierungsbeamter, Oberbefehlshaber und nimmt über die Auswahl der Bundesrichter auch Einfluss auf die künftige Rechtsprechung. Nur der Kongress kann ihm Widerstand leisten. Legislative gegen Exekutive - das ist die Uraltformel, aus der diese Demokratie ihre explosive Kraft bezieht.
[…..] Trump behauptet in vollendeter Plumpheit, er stünde über dem Gesetz. Schließlich mache der Präsident die Gesetze, wie also könne er sich ihnen unterwerfen. Das ist natürlich provokativer Humbug. […..] Nun wandert das Thema vor ein Gericht, das Trump bereits nach seinen Vorstellungen besetzt hat. Dieser Mann testet die Verfassung wie noch keiner seiner 44 Vorgänger. [….]

Kein Mensch, der auch nur über rudimentären Verstand verfügt, kann bestreiten, daß Trump abgesetzt und ins Gefängnis gehört.
Das passiert einzig und allein deswegen nicht, weil die republikanische Partei ethisch so verkommen ist, daß sich auch Mafiosi angewidert abwenden.
Abgrundtiefe Bösartigkeit in Kombination mit noch größerer Feigheit der GOP-Parlamentarier halten Trump im Oval Office.

[…..] Jeder kennt die Wahrheit. Jeder weiß, was Donald Trump getan hat. Selbst der notorische Lügner Trump kann nicht genug lügen, um die Wahrheit zu verdecken. Und die Wahrheit ist: Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika hat sein Amt und seine Macht missbraucht, um sich einen persönlichen politischen Vorteil zu verschaffen. Er hat die ukrainische Regierung erpresst, damit diese ihre Staatsanwälte gegen einen innenpolitischen Gegner Trumps ermitteln lässt, den demokratischen Präsidentschaftsbewerber Joe Biden.
Das sind die Fakten. Wer sie kennen will, der kennt sie, dazu braucht es die öffentlichen Anhörungen eigentlich nicht, mit denen die Demokraten jetzt im Kongress beginnen. Und es gibt in Washington außer Trump auch praktisch niemanden mehr, der sich die Blöße geben will, diese Fakten ernsthaft zu bestreiten. […..]
Was es hingegen in beliebiger Anzahl gibt, sind republikanische Abgeordnete und Senatoren, die diese Fakten ignorieren, entschuldigen oder herunterspielen; die auf den Demokraten herumhacken, weil diese die Fakten ans Licht gebracht haben; oder, und das ist die jüngste Variante, die die Fakten zwar anerkennen, sie aber gleichzeitig dadurch wegzuerklären versuchen, dass sie sagen, Donald Trump - immerhin der Mann, den sie ansonsten als einen ganz großartigen Präsidenten loben - sei einfach intellektuell zu beschränkt und emotional zu instabil, um dafür verantwortlich gemacht werden zu können, was er getan hat.
[…..] Der Präsident [rechnet] damit, dass die blanke Angst ihn rettet: die Angst der republikanischen Parlamentarier, dass die eigenen Parteianhänger revoltieren und sie rauswerfen, wenn sie sich gegen Trump stellen; und die Angst der Partei, dass die Präsidentschaftswahl nächstes Jahr verloren geht, wenn sie sich jetzt per Impeachment ihres Kandidaten entledigt.
Die Angst, dass Amerikas Demokratie vielleicht irreparablen Schaden nimmt, wenn Trump weiterregiert, wiegt die Angst der Republikaner vor dem Absturz in die Opposition nicht auf. Auch das gehört zur Wahrheit: Trump tut, was er tut. Aber es ist die Feigheit der Republikaner, die ihn damit davonkommen lässt. [….]

Unglaublich, aber während Marie Yovanovitch vor dem Kongress aussagt von Trump bedroht worden zu sein, bedroht er sie erneut öffentlich live auf Twitter.


Ein schwarzer Tag – mal wieder – für Trump.
Nicht nur stellt sich Marie Yovanovitch als großartige Expertin heraus…..

[…..] Yovanovitch ist für die Demokraten im Kongress die perfekte Zeugin gegen Trump: Sie bleibt stets besonnen, ernst und spricht mit ruhiger Stimme. Die Absolventin der Spitzenuniversität Princeton dient seit 33 Jahren im US-Außenministerium, sie hat für ihr Land in brandgefährlichen, wenig glamourösen Ländern wie Somalia gearbeitet; sie wurde von dem Republikaner George W. Bush und von dem Demokraten Barack Obama auf drei unterschiedliche Botschafterposten berufen. Mehrfach hat sie für ihren Dienst im Außenamt Auszeichnungen erhalten.
Mit ihrer Biografie erscheint Marie Yovanovitch geradezu wie der Prototyp der unbestechlichen, unparteiischen Beamtin. […..]

….. sondern es tauchte mit Außenministeriumsmitarbeiter David Holmes ein weiterer Ohrenzeuge, der aussagte wie Trumps Millionenspender und EU-Botschafter Sondland sich über Rudy Giuliani äußerte - “Dammit Rudy. Every time Rudy gets involved he goes and fucks everything up.” -  und zudem die Proletensprache Trumps zitierte: President Trump did not “give a shit” about Ukraine; assured Trump that Zelenskiy “loves your ass”.


Was sich hier als größtes Skandalon der amerikanischen Geschichte darstellt – Nixon und McCarthy waren damit verglichen Waisenknaben – stößt in den USA selbst auch vergleichsweise geringes Interesse. Die öffentlichen Hearings diese Woche hatten miese Einschaltquoten.
Die von FOX und den Evangelikalen in die totale Verblödung getriebene Majorität der Amis läßt ihre Demokratie achselzuckend untergehen.
Daß der US-Präsident die US-amerikanische Diplomatie systematisch zerstört, ist ihnen offensichtlich egal.


Trump verachtet die Verfassung und den eigenen Regierungsapparat; seine Partei unterstützt ihn dabei Amerika systematisch zu schwächen, das Außenamt auszuhöhlen. Sogar der Herr der Diplomaten, Außenminister Pompeo, dessen oberste Aufgabe es ist seine Botschafter zu schützen, steckt so tief in Trumps Hintern, daß er mit keinem Satz Yovanovitch in Schutz nimmt und debil zusieht wie IQ45 die Elite des State Departments bedroht und bepöbelt.
In Trumpmerica werden qualifizierte und gut ausgebildete Diplomaten rausgeworfen.
Die ehrwürdigen Posten werden nun je nach Spendenhöhe an das Trump-Wahlkampfteam vergeben.

[….] Der Niedergang der US-Außenpolitik ist atemberaubend. Präsident Trump marginalisiert die Diplomatie, machte Spendenzahler zu Botschaftern oder besetzt wichtige Posten gar nicht mehr. [….]
Pompeo ist ein Herr ohne Haus. Das State Department ist unter Trump ausgeblutet. Das Budget soll um ein Viertel gekürzt werden, schon jetzt ist jeder vierte politische Posten, der vom Senat bestätigt werden muss, unbesetzt. Auch die Zahl der Karrierebeamten ist geschrumpft, immer mehr schmeißen hin, weil der Loyalitätsdruck wächst. Neulich warnte der US-Rechnungshof GAO, dass die "chronischen" Vakanzen nicht nur außenpolitische Initiativen gefährdeten, sondern auch die nationale Sicherheit.
"Keiner weiß, wie viele gegangen sind", schrieb die Ex-Konsularbeamtin Beth Milton in der "New York Times". Ihre Kündigung im August begründete Milton mit Trumps "Weltsicht", die "von Engstirnigkeit, Angst und kleingeistigem Chauvinismus geprägt" sei: "Wie kann man das im Ausland noch verteidigen?" [….] Einer Studie des Juraprofessors Ryan Scoville zufolge haben nur 60 Prozent der von Trump bestallten Botschafter Auslandserfahrung. 36 Prozent sprechen nicht mal die Landessprache. Mehr als die Hälfte von ihnen soll allerdings in Trumps Wahlkampfkasse gespendet haben, im Schnitt Summen von knapp 100.000 Dollar.
    Der Milliardär Woody Johnson spendete mehr als 450.000 Dollar, er ist seit 2017 Botschafter in London.
    Der Hotelier Gordon Sondland spendete eine Million Dollar für Trumps Inauguration, wurde dafür EU-Botschafter und ist als solcher nun tief in die Ukraineaffäre verwickelt.
    David Friedman, Botschafter in Israel, war Trumps vielbeschäftigter Konkursanwalt.
    Georgette Mosbacher, die Botschafterin in Warschau, galt vorher als "exzentrische Salondame" ("Washington Post").
    David Cornstein, ein Ex-Juwelier, der nun US-Botschafter in Budapest ist, nutzte seine Freundschaft mit Trump, um eine umstrittene Visite des ungarischen Premiers Viktor Orbán im Oval Office zu arrangieren. [….] Kronzeugen werden. [….]

Es ist unnütz sich weiter über Trump, seine korrupt-debile Sippe und seine Regierung zu echauffieren. Dazu kann es keine zwei Meinungen mehr geben.
Aber die tätige Mithilfe der Republikaner, großer Teile der Presse, sowieso die stoische Indolenz des Volkes, das mit einiger Wahrscheinlichkeit sogar Trump wiederwählen wird, lässt einen immer noch verzweifeln.


Man kann die destruktive Kraft der Religionen und insbesondere der evangelikalen Christen gar nicht unterschätzen.
Sie machen den Niedergang der einst so stolzen USA möglich.


Rick Santorum, ultrakonservativer, erzkatholischer, extrem homophober ehemaliger US-Senator, mehrfacher US-Präsidentschaftsbewerber, der 1996 die Leiche seines tot geborenen Embryos Gabriel Michael aus dem Krankenhaus nach Hause zerrte, um sie dort seinen sieben Kindern zu präsentieren, galt einige Jahre für mich als debilster und moralisch kaputtester Politiker überhaupt.
2019 ist er bloß ein durchschnittlicher Republikaner, der als bezahlter Pundit in CNN-Runden sitzt, erklärt wieso er Trump liebt und zuverlässig Demokraten bepöbelt.
Letzte Nacht entgegnete er den allesamt von den Aussagen Holmes‘ und Yovanovitch‘ zutiefst geschockten Experten, er fühle sich wie in einer „echo-chamber“, immer hieße es, heute wäre Trump noch tiefer gesunken. Dabei drücke sich Trump nur etwas unglücklich aus. Er möge auch nur 20% dessen was Trump sage, aber sei begeistert von 90% der Trump-Taten.
„Mit einem Wisch ist alles weg“.
Zutiefst kriminell, verlogen, verfassungswidrig, schon sechs Mitarbeiter aus Trumps innerstem Kreis sitzen im Gefängnis – gestern kam Roger Stone dazu – aber der erzmoralische Santorum findet alles prima.

Illegal? Highcrimes? Kein Problem für den Moralexperten.

[…..] “I see a couple of potential crimes here,” Honig said. “First of all, bribery. If a public official seeks a personal benefit in exchange for an official act, that is bribery. I think that’s exactly what we have here. And second of all, forget about any exchange. It’s a federal crime to solicit foreign election aid.”
“The Supreme Court said BS on information of being political value,” Santorum said.
“The Supreme Court did not say — no, no, no,” Honig shot back. “William Barr said BS, not the court, big difference.”
“You have to look at whether there was personal gain. And just because there was direct political gain for the president is irrelevant,” Santorum responded, arguing that all requests of foreign governments have potential political gain for the White House.
Honig debunked this spin with a simple question: “If Donald Trump asked Ukraine to give him a used van that he could use with his campaign, would that be a thing of value for his campaign?” [….]

Das ist jetzt der neue Kurs der GOP: Trump ist so kriminell, daß man sich die Demokraten gefälligst daran gewöhnen sollten.

Nach 45 drastischen Lügen Trumps allein zu der Angelegenheit des High-Crime-Telefonates dürften die Demokraten Santorum nicht immer noch damit langweilen, das als „not normal“ zu bezeichnen.
Sonst käme er sich vor wie in einer Echokammer.

[….]  President Donald Trump is dishonest about a whole lot of things. But he is rarely as comprehensively dishonest as he has been about his dealings with Ukraine and the impeachment inquiry they have triggered. [….]
The President is dissembling about so many different topics at once that it can be difficult to keep track of what is true and what isn't. To help you fight Trump-induced dizziness, here are brief fact checks of 45 separate false claims Trump has made on the subject of Ukraine or impeachment. [….]

Freitag, 15. November 2019

Sozialdemokratische Handschrift

Radikal liberale Wirtschaftspolitik à la Trump ist für das obere Drittel der Bevölkerung eine feine Sache.
Die Bankkonten der Millionäre schwellen quasi von allein immer mehr an, die Gewinne der Unternehmer sprudeln, weil es keine einschränkenden Regeln gibt und man sowohl die Angestellten und Konsumenten, als auch die Umwelt ausbeuten kann wie man möchte.
Niedere Arbeiten muss man nie wieder selbst verrichten, weil ein Heer aus Einwanderern, Illegalen, Verschuldeten, Ungebildeten bereit steht, um für einen Hungerlohn zu putzen, den Wagen zu waschen, den Garten zu pflegen, den Müll abzuholen. Da es gute Bildung nur gegen Geld gibt, fällt es dem durch private Eliteschulen geschleusten Nachwuchs immer leichter auch zukünftig all die Unterprivilegierten auszusaugen, die nur auf einer maroden staatlichen Schule waren.
So ein System generiert mittel- bis langfristig immer mehr Nachteile.
Öl-, Chemie- oder Fischerei-Industrie können Land und Wasser nicht für immer ungeregelt ausbeuten, weil sonst die Ressourcen eines Tages erschöpft, die Flüsse vergiftet und die Erde überhitzt ist.
Ohne Krankenversicherung und mit der durch Mangelbildung verursachten Fehlernährung sterben die Amerikaner allerdings auch ein paar Jahre eher. Die Lebenserwartung beträgt 78 Jahre: Franzosen leben vier Jahre länger.

[….] In den USA, das Trump wieder groß machen will, setzt sich der Trend fort, dass die Lebenserwartung sinkt. Nach Angaben der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) und dem eben veröffentlichten Jahresbericht des National Center for Health Statistics für das Jahr 2017 verschlechtert sich der Gesundheitszustand der Amerikaner und steigen die Todesraten bei jungen und mittelalten Amerikanern an. [….] Seit 2015 sinkt die Lebenserwartung der Amerikaner und steigt demgemäß die Mortalität. 2015 wurde eine Lebenserwartung bei Geburt bei Frauen und Männern von 78,8 Jahren ermittelt, 0,1 Jahre weniger als 2014. Bei den Männern war der Rückgang mit 0,2 auf 76,3 Jahre höher als bei den Frauen, wo die Lebenserwartung um 0,1 auf 81,2 Jahre fiel. Dabei gibt es die bekannte Kluft nicht nur zwischen Frauen und Männern, sondern vor allem zwischen besser Gebildeten und den Reicheren gegenüber schlechter Gebildeten und Ärmeren. Wer reicher ist, kann statistisch mit einer um bis zu einem Jahrzehnt höheren Lebenserwartung rechnen [….] Aber der gesundheitliche Zustand hängt nicht zuletzt vom Einkommen bzw. der fehlenden Krankenversicherung ab. [….] Zum Vergleich: In Deutschland blieb die Lebenserwartung nach dem Statistischen Bundesamt etwa gleich und lag 2017 bei neugeborenen Jungen bei 78,4 Jahren und bei neugeborenen Mädchen bei 83,2 [….]

Durch Trumps Steuergeschenke an die Superreichen wurden zwei Trillionen Dollar neue Schulden angehäuft; die staatlichen Kassen sind so leer, daß die US-Infrastruktur vollkommen marode ist.
Ausgerechnet in dem Hightech-Land schlechthin, dem kalifornischen Silicone Valley, ist die Stromversorgen wie in einem Dritte-Welt-Staat. Immer wieder steht bei den Techfirmen alles still, weil kein Strom aus der Steckdose kommt.

[….]  Blackout in Kalifornien Beim Strom auf Dritte-Welt-Niveau
[….] Wegen der Brandgefahr durch marode Leitungen schaltete PG&E auch im Silicon Valley und anderen Teilen Kaliforniens tagelang den Strom ab. [….] Die Aktion des Stromversorgers PG&E, für mehr als 800.000 Haushalte wegen drohender Brände vorsorglich über mehrere Tage den Strom abzuschalten, wird in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert.
[….] Im Radiosender NPR platzte Hill der Kragen. "Unser Bundesstaat ist die fünfgrößte Wirtschaftsnation der Welt. Doch wir agieren wir ein Land der Dritten Welt", sagte er. "Der Energieversorger hat in den vergangenen 20, 30 Jahren nichts in seine Infrastruktur investiert, obwohl wir die Ressourcen zur Verfügung gestellt haben." [….] In den vergangenen drei Tagen seien zwei Milliarden Dollar an Steuereinnahmen zunichte gemacht worden, sagt Hill. Ganz zu schweigen vom persönlichen Leid vieler Menschen, die zum Beispiel auf medizinische Geräte angewiesen sind.
[….] Die Infrastruktur im reichsten Bundesstaat der USA ist extrem marode. Autobahnen und Brücken sind häufig Holperpisten und mit Schläglöchern übersät. Auch Stromleitungen werden in den meisten Gemeinden noch immer oberirdisch verlegt. Der Grund dafür ist einfach: Eine Verlegung in den Boden wäre zu teuer. 1,5 Kilometer unterirdisch verlegte Stromleitungen kosten im Schnitt mehr als eine Million Euro. [….]

Aber nicht nur kranke, früher sterbende Menschen und kollabierende Infrastruktur sägen an dem Ast der libertären Wirtschaft, die in Deutschland zum Beispiel von Friedrich Merz, Carsten Linnemann und Tilman Kuban eingefordert wird.
Wenn die Majorität der Bürger zu sehr ausgebeutet und von der Wertschöpfung separiert wird, bricht die Nachfrage zusammen und es drohen die berüchtigten sozialen Unruhen, die ein Land völlig lahmlegen können. Man blicke nur nach Venezuela oder Chile.
Die US-Politik ist jetzt schon so libertär, daß nicht nur die Chance auf sozialen Aufstieg so gering wie nie ist, sondern sie hat bereits großflächig zur Verelendung geführt.
Vermutlich mehrere Millionen Bürger sind obdachlos; ganz genau weiß man es nicht, da es keine Meldepflicht gibt und die meisten Obdachlosen ihr Schicksal vertuschen.

[….] Das US-Bildungsministerium hat aber bereits rund 1,4 Millionen obdachlose Schüler im Schuljahr 2016/17 verzeichnet. Hilfsorganisationen sprechen von noch höheren Dunkelziffern.
Aus Angst, von ihren Kindern getrennt zu werden, bemühen sich die Betroffenen nach außen hin um Normalität, bringen die Kinder unverändert zur Schule, gehen selbst zur Arbeit. Nur, dass sie sich trotzdem streckenweise keine Wohnung leisten können. [….]

Zig Millionen Amerikaner sind nicht krankenversichert, können sie keine Behandlungen leisten, so daß ihnen nur Schwarzmarkt-Opioide bleiben. Jedes vierte Kind in den USA lebt in Armut, 18 Millionen Kinder hungern.
Insgesamt hungert jeder sechste US-Amerikaner gelegentlich.

Das sind schon etwas veraltete Zahlen vom Anfang des Jahrzehnts, als beispielsweise 2011 die in Los Angelas lebende Jana Simon ihre Umgebung beschrieb. Durch die Trumpnomics, die Millionen Menschen den Versicherungsschutz nimmt, Sozialstandards senkt und Mindestlöhne senkt, dürften sich die Zustände mittlerweile deutlich verschärft haben.

[….]Wenn ich hinter unserem Haus zum Parkplatz gehe, kann ich kaum atmen, so überwältigend ist der Gestank, die Hunde unserer Nachbarn und die Obdachlosen nutzen die Gasse als Toilette. Ich kann Menschen dabei beobachten, wie sie auf die Straße kacken, halb nackt von Sinnen durch die Gegend tanzen und in verrosteten Rollstühlen umherfahren. Nachts dringen die irren Stimmen bis in den neunten Stock, einmal ruft jemand eine Stunde lang immer wieder: "God, help me!" Dazu kommen die Sirenen und das Rattern der Helikopter. Das menschliche Elend zu sehen trifft mich jeden Tag wie ein Schlag. Meine Tochter nennt jeden älteren Herrn nun: "armer alter Mann".


Zwei Blocks von unserem Haus entfernt beginnt homeless country, das Land der Obdachlosen. Hunderte, Tausende Menschen in allen Stadien des Verfalls leben auf der Straße in Zelten. Sie sind krank, verrückt, auf Drogen oder anderweitig nicht mehr in der Lage, ein normales Leben zu führen. Als wir einmal morgens durch das Viertel fahren, können wir beobachten, wie sich eine Stadt buchstäblich aus dem Asphalt erhebt. Manchmal liegen Menschen auch auf dem Bürgersteig, und es ist nicht klar, ob sie überhaupt noch leben. Aber niemand wählt 911.
Ich war oft in den USA und in vielen armen Ländern dieser Erde. Diesmal ist es anders, existenzieller. Immer wenn ich amerikanischen Bekannten erzähle, wie geschockt ich von der Armut in einem der reichsten Länder der Welt bin, in dem es als fast selbstverständlich gilt, dass Familien zwei riesige Autos zu fahren, schauen sie mich an, als erzählte ich etwas Unanständiges. Das Thema ist unangenehm, nicht Small-Talk-geeignet. Oft antworten sie, es liege an unserem Wohnort Downtown. Anderswo würden wir die Obdachlosen nicht so wahrnehmen. […..]

Multimillionäre in ihren Postkarten-artigen Gated Communities mögen nicht viel vom Elend in den USA wissen, aber wenn durch den republikanischen Trickle-Down-Wahn immer größere Teile der Bevölkerung ins Elend gestürzt werden, wird das Elend irgendwann auch an den 50-Millionen-Dollar-Villen anklopfen.

Die Verachter der Merkel-Scholz-Groko streben offenbar auch in Deutschland solche Zustände an.
Ohne die SPD in der Bundesregierung würde die CDU den Sozialstaat nur zu gerne nach dem US-Vorbild stutzen und dafür Blackrock-Millionäre wie Friedrich Merz mit Geld überschütten. Die entsprechenden Beschlüsse und Anträge der CDUCSU-Gliederungen liegen vor. Ginge die SPD aus der Groko könnten die sozialen Grausamkeiten auch leicht mit Hilfe der FDP und AfD durchgesetzt werden.




Diese angebliche „Sozialpolitik aus der Gießkanne“ wird nicht nur von Spahn, Merz und AKK verdammt, sondern möglicherweise noch effektiver von den Lobbyisten in den Reihen der CDU-MdBs wie Hans Georg Michelbach (18 Jahre lang bis 2018 Vorsitzender der Mittelstands-Union), Carsten Linnemann (Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) der CDU/CSU), Michael Fuchs (Senior Advisor bei der Lobbyagentur WMP Eurocom),  Peter Clever, ehemaliger Pressesprecher in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Ministerialdirektor a. D. und seit 2003 Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA).

Freundlicherweise erteilt die CDU-Bundestagsfraktion Hausausweise für den deutschen Bundestag an superreichen Unternehmeslobbyisten, die rein zufällig auch an die CDU spenden – aber das hat sicher rein gar nichts mit der Verteilung der Ausweise zu tun.

     Allianz SE: 30.000 € an die CDU, 5 Hausausweise
    Evonik Industries AG: 70.000 € an die CDU, 5 Hausausweise
    Daimler AG: 100.000 € an die CDU, 3 Hausausweise
    EADS Deutschland GmbH: 20.000 € an die CDU, 3 Hausausweise
    Krauss-Maffei Wegmann GmbH & Co. KG: 28.500 € an die CDU, 2 Hausausweise
    Rheinmetall AG: 33.000 € an die CDU, 2 Hausausweise
Groko-Hasser sollten sich überlegen, ob man diesen Leuten das Feld überlässt.
Oder ob man nicht lieber einen SPD-Finanzminister und einen SPD-Sozialminister im Kabinett hat, damit dagegen gehalten wird.

[….] Die Wirtschaft klagt gern über teure soziale Geschenke der GroKo. Dabei haben genau diese "Wohltaten" der Wirtschaft dieses Jahr eine Rezession erspart. Da kann man auch mal Danke sagen.
Es gehört zu den Ritualen dieser Zeit: Immer, wenn die GroKo mal wieder etwas für Rentner, Mütter oder Kombinationen aus beidem beschließt, schwindet in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft der Frohsinn. So wie diese Woche bei der Grundrente. Schon wieder nichts für uns - kein Pralinchen für die Bosse. Keine Steuersenkung. Kein Abbau lästiger Regelungen für den Kündigungsschutz oder so. Wie das unter früheren Kanzlern mal üblich war. Stattdessen wieder einmal "Wohltaten" für die "Klientel" verschüttgegangener Parteien.
Tenor: schlecht für die Wirtschaft. Also schlecht fürs Land. Der Wind blase den Unternehmen ohnehin gerade mit "voller Wucht ins Gesicht", befand diese Woche Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer. Das kann niemand wollen. 
Das Kuriose daran könnte nur sein: Wenn in diesen Monaten die deutsche Wirtschaft von einer Rezession (bisher) verschont blieb, wie das Statistikamt am Donnerstag mitteilte, scheint das nach allen Künsten, die uns Adam Riese hinterlassen hat, daran zu liegen, dass die Konsumenten in Deutschland schön weiter Geld ausgegeben und die Konjunktur damit gestützt haben. Das wäre nicht der Fall gewesen, hätte es nicht dieses Jahr so viele Wohltaten für Rentner, Mütter und andere gegeben.
[….] Im Laufe allein der vergangenen beiden Jahre bekamen:

    Pflegeheime mehr Geld, um Personal aufzustocken und Pfleger ein bisschen besser zu bezahlen;
    ältere Menschen zwei Mal hintereinander drei Prozent mehr Rente;
    Eltern mehr Kindergeld;
    bedürftige Studis mehr Bafög;
    Bauwillige schönes Baukindergeld;
    ältere Mütter noch mal etwas mehr Rente,
    ebenso wie - geschlechtsunabhängig - Leute, die aus gesundheitlichen Gründen irgendwann nicht mehr arbeiten konnten;
    Ost-Rentner kriegten mehr, um nicht mehr so viel weniger zu kriegen wie West-Rentner;
    Krankenhäuser bekamen mehr Geld, um, wer weiß, Patienten auch mal weniger lang auf den Gängen rumstehen zu lassen;
    Schulen mehr Budget fürs Digitale;
    Einkommensteuerzahler höhere Grundfreibeträge;
    Beitragszahler weniger Abzüge für die Krankenversicherung, weil da jetzt auch die Arbeitgeber wieder mitmachen.

Ganz schön viel. Die Frage ist nur, ob das alles automatisch schlecht für die Wirtschaft ist. [….]
Nimmt man alles zusammen, was die GroKo da so eingeschenkt hat, ergibt das nach Schätzung der Konjunkturexperten mehr als 20 Milliarden Euro, die allein dieses Jahr vom Fiskus auf die Konten der Leute im Land umgelenkt wurden. [….] Diese 20 Milliarden entsprechen 0,6 Prozent der gesamten deutschen Wirtschaftsleistung 2019. Was bei einem derzeit gerade noch erwarteten Anstieg dieser Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozent bedeutet, dass es dieses Jahr ohne diesen fiskalpolitischen Geschenkekorb mit Sicherheit ein Minus gegeben hätte, eine Rezession eben. [….] (Thomas Fricke, 15.11.19)

Donnerstag, 14. November 2019

Unsere tägliche Schuld.

Wenn ich eins nicht leiden kann, dann sind es Hundehalter oder Katzenbesitzer, die sich öffentlich als die weltgrößten Tierfreunde inszenieren, sämtliche soziale Medien mit den Bildern ihrer vierbeinigen Lieblinge zuspammen, sich bei Demos gegen Leinenzwang und Hundesteuer echauffieren und gleichzeitig pausenlos zu Lidl und Aldi rennen, um sich mit Billigfleisch einzudecken.
Wer dreimal am Tag Fleisch isst, Currywurststände ansteuert, von März bis Oktober jeden Tag grillt, kann kein Tierfreund sein – egal wie sehr sein Herz an seiner Fußhupe hängt.

(….) Als in den 1980er Jahren weltweit die Empörung über das Totprügeln (das Fell sollte keine Einschusslöcher haben) von Robbenbabys hochkochte, konnte diese Form der Robbenjagd deswegen gestoppt werden, weil die niedlichen runden Babys mit dem weißen Fell und den Knopfaugen über das perfekte Kindchenschema verfügten. Vorher-Nachher-Bilder mit den blutigen abgezogenen Robbenkörpern waren ein so krasser Gegensatz, daß kaum ein Auge trocken blieb.

Gleichzeitig wurden viel mehr Haie brutal abschlachtet – 100 Millionen Exemplaren jährlich werden bei lebendigen Leib die Flossen abgeschnitten, um sie dann immer noch lebendig zum elenden Verrecken zurück in den Ozean zu werfen.
Haifleisch schmeckt nicht besonders gut.
Im Gegensatz zu Robben verfügen sie auch nicht über kuscheliges Fell.
Haie haben ein Mundwinkelproblem. Die Mundwinkel sind nach unten gerichtet, so daß sie für den Homo Sapiens grimmig aussehen, während Delphine mit ihren nach oben gebogenen Mundwinkeln immer zu lächeln scheinen und uns gleich sympathisch sind.
Dabei sind Delphine als Warmblüter gefährlichere Jäger als Haie, sie verbrauchen wesentlich mehr Nahrung pro Kg Eigengewicht.

Thunfische, höchst beeindruckende Jäger haben sogar eine noch viel schlechtere PR-Abteilung. Niemand stört es, wenn sie in riesigen Netzen umkommen, obwohl sie in vielen Meeren bereits vom Aussterben bedroht sind. Aber wehe, es befindet sich ein Delphin als „Beifang“ unter ihnen. Da drehen die Tierschützer durch. (….)

Es ist leicht sich über grausame Bilder aus Tierversuchslaboren zu echauffieren, empört auf widernatürlich gehaltene Zirkustiere zu reagieren und die Lebensbedingungen der armen Piepsis in Hühnermastbetrieben anzuprangern.
Die Mehrheit der Menschen möchte nicht, daß Kühe und Schweine übermäßig grausam tagelang bei Lebend-Tiertransporten zu den Großschlachtern leiden.
Sie sind glücklich über die wackeligen Handy-Videos, auf denen freiwillige Helfer arme süße Robben von alten Fischernetzen befreien, freundliche junge Touristen auf dem Rückenpanzer liegende Karettschildkröten umdrehen und zurück ins Meer schieben.
Es ist nahezu Mainstream sich über das Stiertreiben in Pamplona zu ärgern,  hämisch auf von Stieren verletzte Toreros zu reagieren oder Hobbyjäger auszulachen, die sich in ihrer tumben Doofheit gegenseitig über den Haufen schießen.

In den 1980er boykottierte jeder, den ich kannte Nizza-Salat; weigerte sich generell Thunfisch zu essen, weil wir alle die grausamen Bilder gesehen hatten wie beim Thunfisch-Killen Delphine als Beifang in die Netze gerieten und darin ertranken.
Erst als sichergestellt war, daß Thunfisch ohne tote Delphine zu bekommen war, aß man ihn wieder.
Und die armen Thunfische?
Ähnlich inkonsequent-dümmlich rollte damals eine Kampagne durch das Land, die es sich zum Ziel gemacht hatte das Essen von Hunden zu verbieten.
Der Hintergrund war, daß es in entlegenen Gegenden Süd- und Ostdeutschlands, Österreichs und der Schweiz durchaus üblich war einen alt gewordenen Hofhund irgendwann zu schlachten.
Katzen wurden als sogenannter Dachhase lange Zeit zubereitet.

[….] Allerdings gab es auch in Gebieten, in denen die Bevölkerungsmehrheit kein Hundefleisch aß, Regionen, in denen regelmäßig Hunde verspeist wurden. Beispiele dafür sind das Appenzeller- und das Bündnerland in der Schweiz oder einige sächsische Städte. Offiziellen Angaben zufolge wurden in den Jahren um 1900 in Chemnitz durchschnittlich 226, in Dresden 136 und in Zwickau 58 Hunde jährlich geschlachtet. […..]
(Wikipedia)

Tatsächlich wurde 1986 von der Kohl-Regierung ein Gesetz erlassen, das den Verzehr und Hunden und Katzen verbot.
Tierfreund war zufrieden. Der ekelhafte Brauch hatte ein Ende und man biß wieder herzhaft das Würstchen aus Schlachtabfällen.

  Diese Inkonsequenz ist für mich unerträglich.
Wie kann jemand, der dem Leben eines Hundes so viel Wert beimisst, daß generell verboten wird ihn zu essen gleichzeitig ein Schwein, eine Gans oder ein Kalb als ethisch wertlos ansehen?

Es wird doch eher umgekehrt ein Schuh draus. Das nur zum turboschnellen Mästen gezüchtete Schwein hat ein viel kläglicheres Leben, als der Hofhund, der zumindest neun, zehn, elf schöne Jahre, also ein ganzes Hundeleben hatte, bevor er altersschwach in den Kochtopf kam, um aus ihm dubiosen Salben zu gewinnen.

Ich bewundere meine vegane Friseurin für ihre Konsequenz.
Niemals würde sie einen Kaffee trinken, in dem eine Spur Kuhmilch ist, Gebäck anrühren, das womöglich Butter enthält oder gar Lederschuhe tragen.

Meine Essgewohnheiten zwinge ich niemanden auf und verlange keine radikale Umstellung.
In meiner Idealvorstellung halten kleine Biobauernhöfe ein paar Kühe, die glücklich und frei auf saftigen Almwiesen wie in der Werbung herumlaufen, vom Bauern liebevoll gekrault, gebürstet und umsorgt werden. Sie trotten ganz gemächlich selbst zum Melken, wenn sie Lust haben.
Ich würde den Käse aus der so gewonnenen Milch kaufen. Stirbt so eine völlig zufriedene Milchkuh eines Tages eines natürlichen Todes, wäre es unsinnig den Kadaver zu begraben.
Im Gegensatz zu Veganer würde ich in diesem Fall befürworten aus der Kuhhaut Lederschuhe anzufertigen und wer mag, soll auch das Fleisch essen dürfen.

In der Realität gibt es aber so gut wie keine solchen glücklichen Kühe, sondern grotesk getunte Turbo-Kühe.


Der Grund für das brutale Multimillionenfache Leid in Kuh- und Schweinestall ist aber nicht das Fleischessen an sich, sondern der enthirnte Billigwahn der Massen.
Wer dauernd im Discounter Fleisch kauft, aber so gut wie kein Geld ausgeben will, erzwingt die abartigen Methoden in der Tiermast, die inzwischen weltweit ein Viertel der Treibhausgas-Emissionen ausmachen.

[…..] 4,1 Millionen Milchkühe, 26 Milliarden Euro Umsatz: Deutschlands Milchindustrie ist die größte in der EU. […..] An die toten Kühe gewöhnt man sich. An aufgedunsene Bäuche, glasige Augen und rote Zungen, die quer aus dem Maul hängen, an das Wasser, das aus den Körperöffnungen läuft. Ja sogar an den Geruch, süßlich faul, so als hätte man einen Topf Gemüsesuppe wochenlang in der Sonne stehen lassen
Aber die toten Kälber, sagt Tadjana Lenhard, die vergisst man nicht so leicht. […..]
Lenhard, 50 Jahre alt, kastanienfarbenes Haar, grüner Blaumann, mag die Ruhe am Morgen. […..] Lenhard wirft nur selten einen Blick auf das Navigationsgerät. Seit mehr als zehn Jahren sammelt sie in der Gegend tote Kälber, Kühe, Schweine, Ferkel ein. Manchmal auch Pferde, Wildschweine, Schafe. Sie kennt die Wege, sie kennt die Bauern. Montags bis freitags fährt sie übers Land und lädt die Kadaver in der Tierkörperbeseitigungsanlage ab. Dort werden die Tiere verbrannt und zu Tiermehl verarbeitet. [….] [….]

Die deutsche und die europäische Landwirtschaft ist eine Killer-Wirtschaft. Sie macht krank, zerstört die Lebensgrundlagen in Afrika, vergiftet unsere Böden, ruiniert das Klima, schafft tödliche Antibiotika-Resistenzen.

[…..] Eine vorausschauende Politik hätte längst verhindert, dass zu viel Gülle auf den Feldern unser Grundwasser verseucht. Stattdessen musste erst die EU-Kommission mit hohen Strafzahlungen drohen. Dann passte Berlin die Düngeregeln zu halbherzig an und besserte deshalb noch mal nach. […..] Eine verantwortungsvolle Politik müsste sie jetzt auf die Herausforderungen der Klimakrise vorbereiten. Schließlich kommt aus der Landwirtschaft ein Viertel der weltweiten Treibhausgasemissionen – allein die Klimagase aus der Tierhaltung entsprechen den Emissionen des Verkehrssektors. Die Klimaziele sind nur mit weniger Fleischproduktion zu erreichen. […..]

Bauern sind in Deutschland so ziemlich die konservativste Bevölkerungsgruppe. Ob Cloppenburg-Vechta oder Niederbayern – wo es viel Landwirtschaft gibt, wählt man schwarz.
Bauern sind aber keine grundsätzlich schlechten Menschen und könnten auch nachhaltig und gesund produzieren.
Das tut gegenwärtig aber nur eine Minderheit der Bauern, weil zwei Faktoren dagegen sprechen:

1.) Die katastrophal verfehlte Agrarpolitik Brüssels und insbesondere der erbärmlichen Lobbypolitikerin Klöckner.

(….) Julia Klöckner entwickelte sich in atemberaubender Geschwindigkeit zur willigen Erfüllungsgehilfen der systematischen Tierquälerei.(….)

2.) Die völlig verdummten Verbraucher, die in ihrem Billigwahn Biobauern strafen und die gigantischen Tierleidbetriebe fördern.

(…..) Sicher, auch Fleischesser könnten mehr Druck auf die Mastbetriebe und Schlachthöfe ausüben, indem sie höherpreisiges Biofleisch kaufen würden.
Nie war Fleisch so billig und nie aßen Deutsche so viel Fleisch. Daran sind Verbraucher und Anbieter gleichermaßen beteiligt.
Würde das ganz billige Zeug nicht wie verrückt gekauft, könnten sich die Produzenten auch umstellen, um Kühen und Schweinen ein etwas artgerechteres Leben zu bieten.

Wenige Menschen haben viel Appetit auf ein Grillhuhn während sie die unfassbar grausamen Bilder aus den Hühnerfabriken sehen.

Aber man muss kein schlechter Mensch sein, um diese Schockbilder auch ganz schnell wieder zu vergessen und am nächsten Morgen doch wieder gegrillte Hähnchenbrust zum Frühstück zu bestellen.
Wir Menschen sind Verdränger; weltmeisterliche.

Ja, es gibt immer wieder die Horrorvideos aus der Schweinemast, aber nur wenige reagieren konsequent darauf.

Wenn auf die Vernunft der Verbraucher kein Verlass ist, kann man immerhin noch auf die Politik hoffen, die manchmal das Volk in die richtige Richtung zwingen muß. (….)

Wenn ich mich als Vegetarier in einen Fleischesser hineindenke, der nicht unendlich reich ist, stelle ich mir vor, es wäre viel schöner lediglich einmal in der Woche einen Braten zu essen, der dann aber besonders gut schmeckt, frei von Anabolika und Antibiotika ist, der nicht von Wasser aufgeschwemmt beim Braten um 2/3 schrumpft und für den die Kreatur nicht durch betäubungslose Kastration extra gequält wurde.
Da unterliege ich aber offenbar einem großen Irrtum. Der ganz großen Mehrheit der Fleischesser ist die Qualität völlig egal. Sie wollen nur Quantität, also billig. Sie nehmen in Kauf gammeliges Schimmelfleisch, Pferde-Schlachtabfälle oder Listerienwurst von Wilke zu fressen, wenn sie nur so preiswert ist, daß man sich auch dreimal am Tag den Magen damit vollschlagen kann.

[…..] Viele von uns greifen im Supermarkt zum günstigsten Gemüse und zum Billigfleisch, kritisieren aber gleichzeitig die Landwirte für ihren hohen Pestizideinsatz und die Massentierhaltung. […..] Aber: Die Verantwortung für Umwelt und Klima tragen wir gemeinsam, die Bauern sind ebenfalls in der Pflicht. Den Schwarzen Peter hin- und herzuschieben, hilft nicht weiter. Es ist Aufgabe der Politik, mit klaren Regeln eine zukunftsfähige Landwirtschaft zu organisieren. […..] Dazu gehört etwa, Verstöße gegen das Tierschutzgesetz nicht länger durchgehen zu lassen: Kükenschreddern oder das betäubungslose Kastrieren von Ferkeln müssten längst verboten sein. Und dazu gehört auch, mit einem verpflichtenden Fleisch-Siegel für Klarheit zu sorgen, ob das Kotelett im Supermarkt von einem Schwein stammt, das sein Leben auf einem Dreiviertelquadratmeter Stallfläche mit nackten Betonspaltenböden gefristet hat. Oder ob es Auslauf im Freien und Stroh zum Wühlen hatte.
Um eine verantwortungsvolle Entscheidung zu fällen, sollten Verbraucher wissen, dass sie tierquälerische Haltung in Kauf nehmen, wenn sie beim Fleisch sparen. Tatsächlich lässt Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) aber nichts unversucht, die Haltungsbedingungen zu verschleiern. Sie will ein weiteres freiwilliges Label in den Markt drücken. Das stiftet nur Siegel-Wirrwarr. […..]

Es ist wie in dem Gleichnis von dem Vater, der seinen Mercedes so liebt, daß er stundenlang im Internet nach dem besten Motoröl recherchiert, das er sich auch mal 100 Euro den Liter kosten lässt. Auf dem Weg nach Hause bei Kaufland stoppt, um das billigste Speiseöl für 79 Cent den Liter zu kaufen. Das landet ja nur in den Mägen seiner Kinder. Da ist Qualität irrelevant.

Mit solchen Verbrauchern haben es CDU-Landwirtschaftsministerinnen und Agrar-Großlobbyisten natürlich leicht.

[…..] Tatsächlich ist das Umdenken bei den Konsumenten bereits in vollem Gange. Viele essen weniger Fleisch, kaufen öfter regional und Bio ein. Auch die protestierenden Landwirte sollten erkennen, dass sie nicht weitermachen können wie bisher. Sie müssen sich auf veränderte Konsumgewohnheiten und mehr Klima- und Artenschutz einstellen. Dabei brauchen sie unsere Unterstützung an der Supermarktkasse – aber auch als Steuerzahler. Zum Beispiel, wenn sie auf Erträge verzichten, weil sie weniger Pestizide versprühen und damit einen Beitrag zum Schutz von Insekten leisten. […..]

Mittwoch, 13. November 2019

Was ist ein Dondemir?


Manchmal hilft auch Google nicht weiter.
Wenn man den Begriff „Dondemir“ in Suchmaschinen eingibt, erhält man Links zu sozialen Profilen einiger Menschen, die so heißten. Entweder „Dondemir“ mit Nachnamen oder auch „Don Demir“.

Ich dachte spontan an einen tierischen Verwandten des Dromedars.

Als nächstes kam mir Denethor, der Herrscher Gondors in den Sinn.
Denethor II., Sohn Ecthelions II. war der 26. Truchsess von Gondor und verfügte über fast reines Blut von Númenor – im rassistischen Tolkien-Universum ein großes Plus. Tolkien verachtete Multikulti.
Denethor hatte zusammen mit seiner Frau Finduilas zwei Söhne. Den geliebten Erstgeborenen Boromir und dessen jüngeren Bruder Faranmir, dem er misstraute. Aber vielleicht sind die Überlieferungen auch einfach unvollständig und es es gibt neben Bormomir und Faramir noch einen weiteren Bruder Dondemir, von dem bisher nur die bundesdeutsche Verteidigungsministerin weiß?


Ja, man muss das Video viele Male laufen lassen, bis man ahnt, was der kleine Annegret meinte, als er bei seiner außenpolitischen Grundsatzrede am 07.11.2019 im Audimax der Universität München sprach.
Kramp-Karrenbauer, ehemalige Wissenschaftsministerin spannte den großen Bogen von „Seiba-Defenz“ bis zu „Dondemir“.

Man bekommt inzwischen regelrecht Mitleid mit der homophoben Saarländerin. Seit elf Monaten ist sie CDU-Bundesvorsitzende, seit vier Monaten Verteidigungsministerin und hat sich in der Zeit mit einer beeindruckenden Kette von Pleiten. Pech und Pannen den neuen Spitznamen „Pannegret“ erworben.
Was sie anfasst, geht schief. Galt sie noch vor einem Jahr als sehr wahrscheinliche nächste Kanzlerin, tanzt ihr inzwischen die eigene Partei so sehr auf der Nase herum, daß es ein Wunder wäre, wenn sie es überhaupt noch zur Kanzlerkandidatin bringt.
Ihr neuester Versuch eines Befreiungsschlages sollte ein neuer militärischer Kurs in der Außenpolitik werden. Mehr Bundeswehreinsätze, deutsche Soldaten für die Welt.
Hängen geblieben ist bisher aber bloß ein Streit mit dem SPD-Außenminister Maas, der dem vehement widerspricht und eben die Münchner Grundsatzrede, bei der insbesondere hängenblieb, daß ihre Englischkenntnisse um das Niveau Oettinger-Dobrindt mäandern.

Dondemir de Broggle“ soll also „Don't tell me the Problem” auf saarlenglisch heißen.
Schlimme Erinnerungen werden wach.





Ist es nicht ein bißchen billig sich über die offensichtlichen Schwächen anderer zu amüsieren?
Ich meine nein.
Wir sprechen hier über Politiker, die in den 1960er geboren wurden und in Westdeutschland zur Schule und zur Uni gingen.

AKK legte 1982 in Völklingen ihr Abitur ab, studierte 1982 bis 1990 studierte Politik- und Rechtswissenschaften n Trier und Saarbrücken, erwarb einen Magistra Artium in Politikwissenschaft und Öffentliches Recht.
Sie ist mit einem Ingenieur verheiratet, war ab 2000 Landesministerin, ab 2011 Ministerpräsidentin, ab 2018 erst Generalsekretärin, dann Parteivorsitzende der CDU und schließlich ab 2019 Bundesministerin.

Natürlich gibt es Berufe, bei denen man in Deutschland gar keine Englisch-Kenntnisse benötigt, aber das sind auch die, die generell eher schlecht bezahlt sind.
Wenn man auch nur im weitesten Sinne so etwas wie Karriere im Sinn hat, muss man einigermaßen englisch sprechen können.
In vielen Jobs sind das ohnehin die Basics: Sekretärinnen, Verkäufer in Innenstadtboutiquen, Reiseverkehrskaufmann, Groß- und Außenhandelskauffrau, Taxifahrer, Hotelbranche, Gastronomie, Journalismus, Musik.
Wie man als Akademiker ohne englisch durchkommt, ist mir ein Rätsel. Das ist keine Floskel; ich verstehe es wirklich nicht. Wie kann man denn wissenschaftlich recherchieren, Quellen heranziehen, veröffentlichen?
Aber es mag ja sein, daß Menschen wie Kramp-Karrenbauer oder Oettinger unfassbar talentlos sind und daher prinzipiell nicht in der Lage sind Englisch zu lernen; so wie ich niemals ein Eiskunstläufer oder Violinen-Wunder werde?

Ich glaube aber an eine andere Theorie: AKK und Oettinger sind einfach schlechte Politiker, die sich aus Arroganz selbst überschätzen.
Es gibt bei 82 Millionen Deutschen gerade mal rund ein Dutzend Bundesminister.
Nur einer von sechs bis sieben Millionen Menschen ist Minister.
Das ist kein Allerweltsjob, sondern er verlangt Fähigkeiten. Englisch ist so selbstverständlich, daß man es gar nicht erwähnen sollte.
Und tatsächlich können auch die meisten Bundesminister mehrere Sprachen fließend. Diejenigen, die wie zum Beispiel Gerd Schröder schwach in Englisch waren oder, die wie Joschka Fischer zwar mal ganz gut Englisch konnten, die Sprache aber wieder einrosten ließen, haben sich rechtzeitig, als sie ahnten was da für ein Amt auf sie zukäme bemüht die Sprache zu lernen. Beide konnten immerhin fließend Englisch, als sie ihr Bundesamt übernahmen. Das geht, auch wenn man nicht so talentiert ist wie Willy Brandt oder Helmut Schmidt, die schon als ganz junge Männer ausgezeichnetes gebildetes Englisch konnten.
Selbst Angela Merkel, die wahrlich unter erschwerten Bedingungen anfing, weil sie aus einem Bildungssystem kam, in dem es kein Englisch gab und die dementsprechend in der Schule russisch gelernt hatte, konnte in dem Moment als sie Bundeskanzlerin wurde immerhin so gut Englisch, daß sie ohne Dolmetscher Vieraugen-Gespräche führen kann.
Das sollte auch das Mindeste sein, wenn man sich zutraut die viertgrößte Wirtschaftsmacht des Planeten zu regieren.

AKK ist mutmaßlich weniger unfähig, sondern einfach faul und versteht gar nicht was von ihr verlangt wird.

Bezeichnend dafür ist, daß ihr peinlicher „Dondemir“-Satz nicht in einem in Englisch geführten Gespräch oder aus dem Stehgreif entstand, sondern bei einer wohlformulierten, abgelesenen und lange vorbereiteten Rede auf Deutsch fiel.
Es ist ohnehin anmaßend für die Kleinkaliber-Politikerin sich mit Obama zu vergleichen, aber wenn man dann das Zitat nicht aussprechen kann, sollte man es wenigstens lassen und es gleich eingedeutscht verwenden.
Wenn sie klug gewesen wäre, hätte sie sich gar nicht die unnötige Blöße gegeben von „Seiba“ (Cyber) und „Dondemir“ zu sprechen.
Es war nicht nötig bei einer Rede an einer bayerischen Uni.

Aber nun wird es kleben bleiben. Sie hat es nicht besser verdient.