Sonntag, 22. September 2019

Die Nazis sammeln ein


Im Leitartikel des aktuellen SPIEGELs verweist Dirk Kurbjuweit auf das Spannungsverhältnis zwischen dem Megathemen Klima und Demokratie.
Viel radikalere Schritte wären notwendig, um die Klimakatastrophe wenigstens nicht noch weiter zu verschärfen und mögliche Erfolge werden sich erst in vielen Jahren zeigen.
Die meisten Bürger haben das verstanden und unterstützen das. Deswegen ist die Hasenfüßigkeit der Bundesregierung so außerordentlich blamabel und empörend.

Aber es gibt eine immerhin große Minderheit, die aus Egoismus, Borniertheit oder Verblödung an der Seite der Klimaleugner (AfD, Trump, David Berger) stehen.

Bergers Urin-Blog
 Das zeigt sich exemplarisch an dem hochgradig hysterischen Hass, der Greta Thunberg aus dem konservativen Lager entgegen geschleudert wird.
Die rechten Blogs haben innerhalb weniger Monate ein völlig neurotisches Verhältnis zu dem 16-jährigen Mädchen entwickelt, so daß sie kaum noch einen Satz formulieren können, ohne pawlowsch pöbelnd über „Klima-Gretel“ herzuziehen. Manische Hetze gegen Thunberg ist längst nicht mehr ein exklusives Merkmal faschistoider, zumindest potentiell staatsfeindlicher Fanatiker à la PP und PI, sondern wird auch von Poschardts „Welt“ oder dem CSU-Videoportal „CSYOU“ verbreitet. Sogar die CDU-Chefin und Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer ätzte, sie würde ihren Kindern keine Entschuldigung für eine „Fridays For Future“-Demo schreiben und stieg heute auf dem Weg nach New York in eine zweite Regierungsmaschine, obwohl gleichzeitig Merkel und Schulze in einem weiteren Flieger auf demselben Weg waren.

 
Auf der rechten Seite gibt es einen niemals zu unterschätzenden Hang zu Bösartigkeit und Irrationalität.

[….] Mit Mo­ra­li­sie­ren kommt man hier nicht wei­ter. Auch wer ein di­ckes Auto fährt, ver­dient es nicht, ge­äch­tet oder stig­ma­ti­siert zu wer­den. Um­ge­kehrt gilt zu ver­ste­hen, dass Kri­tik nicht auf Denk- oder Sprech­ver­bo­te hin­aus­läuft. Alle Bür­ger sind ge­for­dert, Wi­der­sprü­che aus­zu­hal­ten, auch die ei­ge­nen, und mit­ein­an­der im Ge­spräch zu blei­ben.
Al­les an­de­re hilft vor al­lem der AfD. Sie freut sich schon dar­auf, jene Bür­ger ein­zu­sam­meln, die den Kli­ma­wan­del nicht als Pro­blem er­ach­ten und sich schnell stig­ma­ti­siert füh­len. Mit ih­nen könn­ten die Rechts­po­pu­lis­ten ihr Wäh­ler­po­ten­zi­al er­heb­lich ver­grö­ßern. […..]
(DER SPIEGEL, 21.09.2019)

Bergers Pipi-Blog 22.09.2019
   Nun könnte man einwenden, wie relevant AfD-Wahlergebnisse sind, wenn wir alle auf einem kochenden Planeten verglühen.
Die Erderwärmung tötet jetzt schon viele Menschen, aber weitüberwiegend in den armen Teilen der Welt.
In den westlichen, reichen Ländern wird man sich mit Geld, Macht und Ausbeutung länger gegen die Erhitzung schützen können.
In der Zeit könnten noch mehr irre Populisten à la Bolsonaro, Trump und Johnson das Ruder übernehmen und mit ihrem Wahnsinn, den Trump gerade mustergültig am Beispiel Iran demonstriert die Menschheit in einem Atomkrieg pulverisieren, bevor wir alle gegrillt werden.
Man darf nie die menschliche Bereitschaft mit Scheuklappen gegen die Wand zu rasen unterschätzen.

Trump kündigte den mühsam in 12 Jahren ausgehandelten Irandeal, woraufhin Teheran peu à peu auch von den Zusagen des Vertrages Abschied nahm. Trumps „Strategie“: Maximalen Druck auf den Iran ausüben bis sich ihm die Mullahs beugen. 

Sie tun das aber nicht, sondern reagieren mit Gegendruck, zeigen Trump was er zu verlieren hat, wie verwundbar die USA-Freunde am Golf sind, so daß das Militär Trumps letzte Option ist. Natürlich will Teheran nicht mit Washington verhandeln, nachdem Trump jedem überdeutlich gezeigt hatte, daß US-Zusagen wertlos sind. Aber den Iran angreifen? Das ist genau das was er im Wahlkampf versprochen hatte nicht zu tun! Er wollte die GIs zurückholen und mit Deals erfolgreich sein. Nun sitzt er in der Sackgasse, hat seine Verbündeten vor den Kopf gestoßen und offenbar gibt es auch im Rest der Administration niemand, der weiß was man tun könnte.

[….] Kanz­le­rin Mer­kel will sich von Trump kei­nes­falls in ein mi­li­tä­ri­sches Aben­teu­er hin­ein­zie­hen las­sen. Am Diens­tag for­der­te sie den ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten dazu auf, zu dem Atom­ab­kom­men zu­rück­zu­keh­ren. Hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand be­schrei­ben deut­sche Di­plo­ma­ten ihre US-Kol­le­gen als voll­kom­men kopf­los.  »Ich kann Ih­nen nicht viel sa­gen«, sei ein Stan­dard­satz in Ge­sprä­chen mit ame­ri­ka­ni­schen Spit­zen­be­am­ten. Oder: »Un­se­re Po­li­tik wird ge­ra­de über­prüft.« Selbst das Wa­shing­to­ner Spit­zen­per­so­nal ver­ste­he nicht, was Trump will. […..]
(DER SPIEGEL, 21.09.2019)


Man sollte so eine nie dagewesene weltgefährliche Unfähigkeit in den Regierungen nicht leichtfertig fördern, indem man noch mehr Menschen in die Arme der AfD treibt.

 
Der mögliche CDU-Kanzlerkandidat und Ganz-knapp-nicht-CDU-Parteichef Friedrich Merz geht ebenfalls auf Anti-Greta Kurs.

  [….] Der CDU-Politiker Friedrich Merz vermutet hinter radikalen Forderungen nach mehr Klimaschutz nicht nur die Sorge um die Umwelt: "Es geht gegen unsere freiheitliche Lebensweise, um die Zerstörung der marktwirtschaftlichen Ordnung", schreibt Merz in einem Beitrag für die "Welt am Sonntag". Das stecke hinter den Forderungen nach radikalen Lösungen, "der eine oder die andere spricht es ja auch ganz offen aus". […..]

Hier sehen wir deutliche Anzeichen einer schwarz-braunen Bromance.
Von Merz bis zu David Bergers Attacken auf die Grünen ist es nicht weit.

Die AfD hat unterdessen ihr eigenes Konzept entdeckt, wie man das Klima und Deutschland rettet: Indem man die gefährlichen Grünen bekämpft!
Die Umwelt könne nur geschützt werden, indem die Grünen gestoppt würden.

Berger Phimoseblog 21.09.2019

Samstag, 21. September 2019

Merkel, go home.


Als Verteidiger der Großen Koalition habe ich es gerade sehr schwer. Zwei Tage musste ich nach Luft schnappen bevor ich einen Satz zum Klimapäckchen schreiben konnte.
Als Blogger pflegt man eine derbere, lockere Sprache als renommierte Printjournalisten; also, wie soll ich das übertreffen, wenn schon die biedere Tagesschau Mit Klimaschutz hat das nichts zu tun! schreibt, der SPIEGEL titelt Gute Nacht. Ein Desaster und Experten von „Klarem Politikversagen“ sprechen?

Ich schüttele so viel mit dem Kopf, daß ich dauernd Aspirin einwerfen muss.

Diese aberwitzige Hasenfüßigkeit bei einem Thema, das so viel Zustimmung erfährt. 88 Milliarden Euro betragen die jährlichen Subventionen für die KfZ-Industrie und wenn Autofahrer ein winziges bißchen belastet werden sollen für einen absolut Menschheits-überlebenswichtigen Zweck, knicken die Koalitionäre in vorauseilendem Gehorsam ein.

[…..] Der magere Preisanstieg an der Zapfsäule verbunden mit der höheren Pendlerpauschale führt bei spitzenverdienenden 50-km-Pendlern dazu, dass sie ihren großen SUV behalten können und - zumindest am Anfang - sogar noch daran verdienen! Wer für Mindestlohn pendelt, der zahlt drauf.
Das ist weder sinnvoll noch sozial. [….]

Die Inkarnation des Problems ist Angela Merkel, die völlig unverantwortlich handelt, indem sie nur ihre eigene Amtszeit im Blick, aber keinesfalls das Format zur Kanzlerin hat.

[….] Damit ist eine große Chance vertan. Das Klimapaket steht nicht in einer Reihe mit den großen Aufbrüchen in der jüngeren Geschichte; etwa der Neuen Ostpolitik von Willy Brandt oder der Arbeitsmarkt-Agenda von Gerhard Schröder. Damals waren Regierungsspitzen mutig genug, auch bei schwindenden Mehrheiten für ihre Überzeugungen zu streiten.
Diesen Anspruch hat die große Koalition nicht. Das Klimaschutzpaket zeigt, dass da ein Zweckbündnis nach Kompromissen sucht, die niemandem wehtun. Obwohl alle Parteien wissen, dass das Klima nur zu retten ist, wenn sofort und deutlich Kohlendioxid reduziert wird, was am besten über den Preis geht, haben sie ein gigantisches 50-Milliarden-Euro-Paket voller Klein-Klein geschnürt. Es ist paradox: Das Paket steht dem Aufbruch jetzt eher im Wege. Aber es verlängert die Laufzeit der großen Koalition. […..]

Schließlich sammelte ich mich und kam wieder in der traurigen Realität an: Merkel ist auch am heutigen Tag die beliebteste Politikerin Deutschlands. Die Wähler wollen so eine Beruhigungspille und nicht etwa den dynamischen Kanzlertypus, den ich präferiere.

Eine andere traurige Realität sind die Mehrheitsverhältnisse des Bundestages und die stabilen Umfragewerte.
Ja, ich verteidige die GroKo, aber ich bin wahrlich kein Fan von ihr. Ich verabscheue die Altmaiers, Klöckners, Scheuers.
Die Groko ist aber trotz des dramatischen Ministerversagens immer noch das kleinste Übel, da wenigstens die Hälfte des Kabinetts, nämlich die sechs Sozis gut arbeitet. Alle anderen Alternativen wären weit schlechter.
Das gilt noch immer.

(….)  Groko ist so unbeliebt? Dann geht doch endlich raus da!
Nahles ist eine Versagerin als Parteichefin? Dann soll sie doch abtreten!

So reden Irrealos. In der echten Welt folgt man aber nicht nur seinem ersten Impuls, sondern denkt noch über die Folgen nach.

Was passiert, wenn die SPD die Groko verlässt?
Es gibt drei Möglichkeiten:

1.) Merkel einigt sich auf Jamaika, die sechs SPD-Minister Maas, Scholz, Barley, Giffey, Schulze und Heil werden durch drei FDPler und drei Grüne ersetzt.
Dann wäre Oberlobbyisten und Porschefahrer Lindner Vizekanzler und würde gewaltig die Sozialleistungen zusammenstreichen. Also wäre es eine klare Verschlechterung zum Ist-Zustand. Allerdings ist die Variante unwahrscheinlich, da Jamaika schon einmal scheiterte und die 20%-Grünen von heute sicher keine Lust haben mit weniger Macht als die FDP (BTW 10,7%), nämlich ihren mickrigen 8,9% in die Regierung einzutreten.

2.) Neuwahlen. Dafür gibt es aber hohe Hürden. Sie können nicht einfach so vom Bundestag angesetzt werden, sondern setzt eine gescheiterte Vertrauensabstimmung und entsprechendes Handeln des Bundespräsidenten voraus. Warum sollte Merkel so ein blamables Ende ihrer Kanzlerschaft mutwillig herbeiführen und damit auch auf die glanzvolle EU-Ratspräsidentschaft im Jahre 2020 verzichten? Zumal ein schlechteres CDUCSU-Ergebnis als 2017 zu erwarten ist. Warum sollte die SPD das in sicherer Erwartung dramatischer weiterer Sitzverluste mitmachen? Diese Option ist also auch sehr unwahrscheinlich.

3.) Da man Kanzler nur mit einem konstruktiven Misstrauensvotum abwählen kann, es weit und breit keine Mehrheit für einen anderen Kanzler gibt und sich Frau Merkel zudem in einem persönlichen Umfrage-Hoch befindet – sie ist die beliebteste Politikerin Deutschlands, eine übergroße Mehrheit möchte, daß sie bis 2021 im Amt bleibt – wird sie  mit einer Minderheitsregierung Kanzlerin bleiben und sich hauptsächlich von FDP und AfD aushelfen lassen.
Das ist die mit Abstand wahrscheinlichste Variante.
Die sechs SPD-Minister Maas, Scholz, Barley, Giffey, Schulze und Heil werden arbeitslos, die SPD verliert jeden Regierungseinfluss, stattdessen sucht sich Merkel sechs möglichst weit rechts stehende neue Unionsminister à la Spahn, Klöckner, Seehofer, die mit nationalistischer, xenophober, antieuropäischer, homophober und antiökologischer Politik um die Zustimmung der über 90 AfD-Parlamentarier buhlen. Die Rechtsaußen Merz, Ziemiak, Linnemann scharren schon mit den Hufen.

Alle drei Varianten sind aus linker Sicht eine klare Verschlechterung zur Groko.
Die wahrscheinlichste Variante (3) ist die Allerschlechteste. (….)

So traurig es ist, bis sich die Umfragen nicht dramatisch verändern oder Merkel endlich freiwillig aus dem Kanzleramt geht, ist diese Groko zwar mies und frustrierend, aber besser als alle Alternativen.

Das Klimapaket ist nicht völlig wirkungslos und immerhin konnte die SPD gegen die mauernde Union, die zahlenmäßig sehr viel stärker ist, einiges rausholen.

[….]Über allem hing ein Grundkonflikt, den Kanzleramtsminister Helge Braun vor Beginn der Marathonnacht Unionsabgeordneten deutlich gemacht hatte. Teilnehmer berichten, Braun habe erklärt, dass die Union alles ablehnen werde, was nach Verbot aussehen könnte. Stattdessen sei sie für Anreize, wolle Impulse setzen und Veränderungen im Verhalten anregen, aber keinen Zwang ausüben. Die SPD dagegen verlange auch Verbote und Begrenzungen, etwa, indem der Einbau neuer Ölheizungen von einem bestimmten Datum an verboten werde. Nichts macht deutlicher, welche Grundüberzeugungen in dieser Nacht verhandelt wurden. Am Ende mit einem Paket, in dem es das eine wie das andere gibt, aber so abgeschwächt, dass es fürs Erste niemandem wehtut. [….]

[….] Die CSU, bisher vom Anspruch beseelt, nichts verbieten, aber alles anreizen zu wollen, stimmte plötzlich einem Verbot zu, wie es die SPD gefordert hatte. Die Union war bereit, verdeckte Steuererhöhungen in Kauf zu nehmen. Nichts anderes ist der Einstiegspreis für den Handel mit Emissionsrechten für Gebäude und Verkehr. Für die Anhänger der Union mag das ernüchternd sein. […..]

Freitag, 20. September 2019

Behinderte vs Behinderung


Frauen sind deutlich langlebiger als Männer; sie haben eine robustere Physiologie und auch eine stabilere Psyche.
Während Witwer verkümmern und hilflos sind, können Witwen sich anpassen überleben.

In Deutschland ist dieses Phänomen besonders aus den beiden Weltkriegen bekannt.
Religiös indoktrinierte geschlechtliche Rollenzuweisungen gaben Frauen eine dienende und unselbstständige Position in der Gesellschaft. Wenn aber durch Nationalismus und Größenwahn Millionen Männer an die Front geschickt wurden, mussten Frauen aufgrund der außergewöhnlichen Umstände die Rollen ihrer Ehemänner ausfüllen und konnten das so gut und so selbstständig, daß die möglicherweise erst nach Jahren zurückkehrenden Männer verzweifelten. Sie fühlten sich ihrer Großartigkeit und Unersetzlichkeit beraubt, wenn sie feststellen mussten, wie gut es auch ohne sie ging und konnten sich anders als ihre Eheweiber schlecht an die neuen Umstände anpassen.

Wir Männer haben schließlich nur ein Y-Chromosom, das zwar eigenständig klingt, aber bloß ein verkümmertes, krüppeliges, amputiertes X-Chromosom der Frauen ist.
Allerdings haben wir einen biologischen Vorteil; wir produzieren ununterbrochen Fortpflanzungszellen und können daher verschwenderisch mit Spermien um uns werfen. Hat man mal alle durch die Samenleiter gejagt, muss man nur ein bißchen warten während man Frische nachproduziert.

Frauen können das nicht, sie werden schon mit ihrer Gesamtzahl an Eizellen geboren. Ein bis zwei Millionen Stück sind schon im Embryo vorhanden. Lächerlich wenige; ein Mann spült bei einer Ejakulation bis zu 300 Millionen Samenzellen raus.
Die Eizellen der Damenwelt sind also nicht nur irgendwann endgültig alle – nach dem Klimakterium ist es vorbei mit der Fortpflanzung – sondern sie werden auch noch alt.
Bekommt eine Frau mit 40 oder 45 Jahren ein Kind, ist die Eizelle eben auch schon 40 oder 45 Jahre alt. Und besser werden menschliche Zellen nun einmal nicht.
Daher kommt der Begriff „Risikoschwangerschaft“. Je älter das Ei, desto höher die Wahrscheinlichkeit, daß es schon ein bißchen angeditscht, schadhaft oder schwach ist.

 […..] Die Wahrscheinlichkeit, ein Kind mit dem Down-Syndrom (Trisomie 21) zu bekommen, nimmt mit dem Alter der Mutter zu: von 0,006 Prozent bei 20- bis 24-jährigen Müttern auf 0,5 Prozent bei 30-Jährigen und zwei Prozent bei 40-Jährigen.
Auch das Risiko für Fehlbildungen, Früh- und Fehlgeburten steigt mit zunehmendem Alter der Mutter. Beispielsweise steigt die Rate an Fehlgeburten von etwa neun Prozent im Alter von 20 bis 25 Jahren auf 20 Prozent aller Schwangerschaften bei den 35-jährigen Frauen.
Abgesehen davon treten mit steigendem Alter der Mutter auch Schwangerschaftskomplikationen häufiger auf. Das betrifft vor allem schwangerschaftsbedingten Bluthochdruck, Eiweißausscheidung im Urin, Schwangerschaftsdiabetes und Funktionsstörungen des Mutterkuchens mit Unterversorgung des Kindes (Mangelgeburt). […..]
(TK)

Die moderne Medizin kann diese ganz natürlichen Risiken manchmal abmildern und gelegentlich auch ganz beheben.

Noch einmal zur Erinnerung: Die menschliche Natur, die Natürlichkeit ist nicht unbedingt das, was mit zivilisatorischen Werten und Wünschen vereinbar ist. Unnatürlich ist gut!

(….) Natürlichkeit verträgt sich allerdings nicht mit Zivilisation. Es wäre auch natürlich, daß Menschen ohne Zähne verhungern oder daß alte Menschen sehr oft blind werden.
Die Zivilisation ist aber unnatürlich. Deswegen bekommen in Hamburg Menschen mit Grauem Star eine Cataract-Operation. Wie am Fließband werden in einem kleinen ambulanten Eingriff neue Linsen eingesetzt und dabei auch gleich die Kurzsichtigkeit korrigiert.
Wir lassen der Natur eben nicht ihren Lauf, sondern greifen ein. Wir implantieren Zähne, passen Hochleistungshörgeräte und Cochlea-Implantate an, setzen Defibrillatoren und Pacemaker in die Brusthöhle, entfernen Tumore aus Prostata und Dickdarm. All das ist völlig unnatürlich und in der Geschichte der Menschheit sehr neu. Aber der evolutionäre Humanismus verlangt solche technischen Korrekturen an der natürlichen Biologie.
Dementsprechend wollen wir auch Kindersterblichkeit in Deutschland möglichst nicht akzeptieren – auch wenn das ein natürlicher Ausleseprozess wäre.
In vielen moralischen Aspekten ist Unnatürlichkeit überlegen.
Das betrifft den Beginn genauso wie das Ende des Lebens, welches wir mit Opiaten und Morphinen erheblich angenehmer gestalten, als es natürlich wäre.

Es ist natürlich Kinder aus Versehen zu zeugen, sie durch Verhütungsmittelfehlfunktionen zu generieren, sie aufgrund einer Gewalttat zu erschaffen. Das geht ganz leicht. Zehnjährige Mädchen werden ohne den Vorgang zu verstehen von ihrem elfjährigen Bruder geschwängert, oder es ist jemand nach einer nächtlichen Sauftour schwanger, ohne sich überhaupt zu erinnern Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. In vielen Teilen der Welt gibt es Massenvergewaltigung im Zuge ethnischer Kriege.
Die Kombination von Ei und Samenzelle zu einem neuen Leben funktioniert ohne Liebe, ohne Ethik, ohne Religion, ohne Vertrag und ohne Vertrauen. (……)

Um festzustellen, ob bei einer Schwangerschaft möglicherweise ein Fötus mit einer Trisomie gebildet wurde, gab es lange Zeit nur die Fruchtwasseruntersuchung.
Das ist eine invasive Methode, die das Risiko einer Fehlgeburt erhöht.

Neuer ist ein spezieller Gentest.

[….] Der nicht-invasive Pränataltest (NIPT) wird seit 2012 angeboten. Dabei wird der Schwangeren eine Blutprobe aus der Armvene entnommen und im Labor untersucht. Im Blut findet man DNA-Fragmente des Fötus, die herausgefiltert und analysiert werden. Gesucht wird nach den häufigsten Chromosomen-Abweichungen Trisomie 21 (Down-Syndrom), Trisomie 13 und Trisomie 18, die mit sehr hoher Sicherheit festzustellen sind.
In Deutschland gibt es mittlerweile mehrere Anbieter solcher Bluttests. Die Erkennungsrate für Trisomie 21 liegt bei diesen Tests bei mehr als 99 Prozent, die falsch positiven Befunde liegen im Bereich von 0,1 bis 0,2 Prozent. Für Trisomie 18 (Erkennungsrate von 98 bis 100 Prozent) und Trisomie 13 (Erkennungsrate von 80 bis mehr als 99 Prozent) gibt es ähnliche Werte. [….]
(FR, 19.09.2019)   

Der NIPT ist teuer und so gilt es als kleine Sensation, daß gestern der nahezu allmächtige gemeinsame Bundesausschuss gBA dafür stimmte unter genau definierten Bedingungen NIPT als Kassenleistung einzustufen.
Kirchen und Behindertenverbände laufen Sturm.
In meinen täglichen Zeitungen lese ich empörte Kolumnen Down-Syndrom-Vätern, die ihre Kinder herabgesetzt sehen und die große moralische Eugenik-Keule schwingen. Damit wolle man den Wert ihrer Kinder „schmälern“.

[…..]  Als Vater eines mittlerweile fünfjährigen Jungen mit dieser genetischen Besonderheit kann ich sagen: In dem Moment, als die Diagnose raus war, waren wir voller Angst und Unsicherheit, unwissend, was da auf uns zukommt. […..] Denn unsere Gesellschaft ist noch lange nicht so weit, behindertes Leben als grundsätzlich lebenswert zu empfinden. Das zeigt die Erfahrung meiner Familie in den vergangenen fünfeinhalb Jahren. […..] Am Ende kann ich zwar nur unser Leben mit unserem Sohn – er heißt Rick – beurteilen. Aber dieses Leben macht Spaß. So einfach ist das. Na klar, Rick kann furchtbar nerven. Welches Kind kann das nicht? Rick findet es auch – ganz Downsyndrom-typisch – furchtbar witzig, einfach ohne erkennbares Ziel wegzurennen. Er ist bei Weitem noch nicht so selbstständig wie seine „normale“ Zwillingsschwester. Und er verursacht technokratischen und bürokratischen Stress, dem sich Familien mit „normalen“ Kindern nicht aussetzen müssen.
[…..] Schmälert all dies Ricks Wert als Mensch? Ist es richtig, Menschen wie Rick die Chance zu nehmen, einfach so zu sein, wie sie sind? […..] Überhaupt: Wie weit wollen wir in die Prozesse der Natur eingreifen, nur weil wir es können? Rein statistisch betrachtet hat schließlich jedes 800. Kind das Down-Syndrom. Es läuft dabei also nichts schief-, sondern nur anders als bei der von uns festgelegten Norm. Damit gehört das Down-Syndrom aber letztlich auch zur Normalität. […..]
(RND/Mopo/ Dr. Sebastian Harfst 20.09.19)

An anderer Stelle wird auf Island verwiesen; dort wird der NIPT schon lange von den Krankenkassen bezahlt mit der Folge, daß so gut wie keine Kinder mit Down-Syndrom mehr geboren werden.
Das sei zutiefst amoralisch.

Dr. Harfst, das weise ich empört zurück. Genau wie die Kirchen verwechselt er Kranke und Krankheit, Behinderung und Behinderte.

Niemand hat etwas gegen Behinderte, will den „Wert“ eines Menschen mit Trisomie 21 schmälern. Im Gegenteil, ihnen gebührt Achtung wie jedem anderen auch.
Mit Behinderungen umzugehen, indem man sie als eben nicht „unnormal“ behandelt, sondern sie inkludiert, also in das gesellschaftliche Leben einbezieht, ohne sie zu diskriminieren, ist ein zivilisatorischer Fortschritt.
Die längste Zeit in den letzten 2.000 Jahren wurden mit offensichtlichen Behinderungen geborene Babys gleich ins Meer oder die Klärgrube geworfen, oder bestenfalls weggesperrt in Irrenanstalten.
Das war der „christliche Weg“.
Kein Humanist würde das auch nur annähernd befürworten.
Jeder Mensch mit einer Krankheit/Behinderung ist schützenwert und hat die gleiche Würde wie jeder andere.

Aber man bekämpft die Krankheit.

Es ist eine Unverschämtheit, wenn ausgerechnet konservative Christen denjenigen, die sich um Linderung eines Leidens bemühen niedere Motive unterstellen.

[….] Der Bundesverband Lebensrecht kritisiert den Test, da er Menschen mit genetischen Besonderheiten wie etwa der Trisomie 21 "diskriminiert und selektiert". Die Evangelische Behindertenhilfe warnt vor gesellschaftlichen Folgen bei einer Zulassung als Regeluntersuchung. In diesem Falle müssten umfassende Beratungs- und Unterstützungsangebote für Eltern und spezifische Hilfen für Familien mit einem Kind mit Behinderung geschaffen werden. Sonst liefen sämtliche Bemühungen um Inklusion ins Leere. [….]
(SZ, 20.09.19)

Christen und CDUler, die aus ideologischer Verbohrung dafür kämpfen, daß mehr Menschen mit schweren Behinderungen geboren werden, sollten sich schämen.
Abgesehen davon, daß es sie grundsätzlich gar nichts angeht, wie eine Frau mit ihrem eigenen Uterus umgeht und sich schon daher alle Verbote verbieten, sind ihre Vorwürfe perfide.

Natürlich wünscht man sich seinem Kind eine Krankheit zu ersparen.
Das hat aber rein gar nichts damit zu tun, daß man sein Kind weniger lieben oder weniger unterstützen würde, wenn es doch eine Krankheit/Behinderung oder einen sonstigen Makel bekäme.
Auch das ist nämlich eher die Spezialität evangelikaler Christen, die ihre eigenen Kinder verstoßen und auf die Straße werfen, wenn beispielsweise nicht ihrem heterosexuellen Leitbild entsprechen.

Diese Debatte gibt es immer wieder, wie zum Beispiel zur Verleihung des „Ethik-Preises der Giordano-Bruno-Stiftung“ an denen Philosoph Peter Singer im Jahre 2011.
Aber Christlich-Konservative sind erkenntnisresistent.

[…..] In dem maßgeblichen Buch zu dieser Thematik „Muss dieses Kind am Leben bleiben? – Das Problem schwerstgeschädigter Neugeborener“ (Helga Kuhse/Peter Singer, Harald Fischer Verlag 1993) heißt es dazu: „Wir meinen (…), dass die reichen Nationen sehr viel mehr tun sollten, um behinderten Menschen ein erfülltes, lebenswertes Leben zu ermöglichen und sie in die Lage zu versetzen, das ihnen innewohnende Potential wirklich auszuschöpfen. Wir sollten alles tun, um die oft beklagenswert schlechte institutionelle Betreuung zu verbessern und die Dienstleistungen bereitzustellen, die behinderten Menschen ein Leben außerhalb von Institutionen und innerhalb der Gemeinschaft ermöglichen“ (S.26). […..] Angesichts „des Leids, das der Status quo für die schwergeschädigten und kranken Kinder und ihre Familien bedeutet“, stellten Kuhse/Singer, wie zuvor schon Hoerster, zwei Forderungen auf:
a) „Eltern eines schwerstgeschädigten Kindes [müssen] zu jedem Zeitpunkt und unabhängig vom Alter des Kindes die Möglichkeit haben, das Kind ohne eigene Kosten in einer staatlichen Institution unterzubringen (Wir gehen natürlich davon aus, dass diese Institutionen über genügend Mittel verfügen, um einen hohen Betreuungsstandard zu garantieren.)“
b) „Aktive und passive Euthanasie sollte immer dann erlaubt sein, wenn jemand unter einer unheilbaren Krankheit so sehr leidet, dass ein Weiterleben nicht in seinem oder ihrem Interesse ist. (…) Die erste Bedingung befreit die Familie von der Belastung, ein schwerstbehindertes Kind aufziehen zu müssen – wenn sie denn davon befreit werden will. Die zweite Bedingung stellt sicher, dass ein Kind dasselbe Lebensrecht besitzt wie wir alle, aber nicht, wie zur Zeit noch, gezwungen werden kann, ein elendes Leben weiterzuleben“ (S.252).
Man könnte diese Position etwa auf den folgenden Nenner bringen:
 1. Jeder Mensch hat ab der Geburt ein Lebensrecht, aber keine Lebenspflicht. (Manchmal ist das Leben leider mit solchen Qualen verbunden, dass es unethisch wäre, es unbedingt aufrechterhalten zu müssen.)
2. Kranke und Behinderte sollten mit allen Mitteln gefördert werden – Krankheit und Behinderung jedoch nicht! Ich halte diese Differenzierung nicht für „behindertenfeindlich“, sondern, ganz im Gegenteil, für „behindertenfreundlich“. […..]

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn muss der gBA-Entscheidung der NIPT-Kostenübernahme übrigens noch zustimmen.
Angesichts des letzten unverantwortlichen Spahn-Desasters zur Homöopathie sind alle Befürchtungen angemessen.

Donnerstag, 19. September 2019

Im Herzen des Katholizismus


Im Vatikan, insbesondere in der Inquisitionsbehörde, der Joseph Ratzinger ein Vierteljahrhundert vorstand bis er 2005 selbst Papst wurde, wußte man am besten darüber Bescheid wie viele Priester und Mönche Messdiener sexuell missbraucht hatten.
Schließlich sollten alle Fälle ihm und nur ihm und keineswegs den Behörden gemeldet werden.

Derjenige, der TATSÄCHLICH für das Fortführen des myriadenfachen Kindesmissbrauchs verantwortlich war, nämlich jener Mann, der ein Vierteljahrhundert als oberster Glaubenswächter wirkte, aktiv alle Kinderfickerfälle an sich zog, strengstes Schweigen befahl und die Bischöfe anwies die Päderasten in ihren Reihen gewähren zu lassen, zweifelt kein bißchen an seiner Rolle. 

Aus Gründen absoluter Geheimhaltung zog in der Tat die verschwiegene vatikanische Glaubenskongregation alle wichtigen Fälle von Sexualvergehen von Klerikern an sich und so kamen die Fälle in den Jahren 1981 bis 2005 auf den Tisch ihres Präfekten Kardinal Ratzinger. Dieser sandte noch am 18. Mai 2001 ein feierliches Schreiben über die schweren Vergehen ("Epistula de delictis gravioribus") an alle Bischöfe der Welt, in welchem die Missbrauchsfälle unter die "päpstliche Geheimhaltung" ("secretum Pontificium") gestellt wurden, deren Verletzung unter Kirchenstrafe steht.
(
Küng)

Reue Fehlanzeige.

Bei Benedikt geht es […] um Folgendes: Er war verantwortlich als Chef der Glaubenskongregation für die Fälle von Missbrauch in der Kirche. Also, er war für deren Aufklärung, beziehungsweise eben für deren Vertuschung.
  Und wenn man sagt, man will jemandem vergeben, dann muss man sagen, nach der katholischen Lehre muss da sein: A, Schuldeingeständnis, B, echte Reue, dann kann C, Vergebung folgen. Aber der Papst selbst, obwohl er sich mit Missbrauchsopfern trifft, obwohl er hier und da Dinge sagt, wie schrecklich das alles sei - er hat nicht seine eigene Schuld eingestanden.
Er zeigt keine Reue, im Gegenteil, er sagt, man sieht ja, wie diese schlimme weltliche Gesellschaft, diese schlimme sexuelle Enthemmung auch die Kirche affiziert, und darum muss sich erst recht mein Kampf gegen die - wie er es nennt - Antikultur des Todes fortsetzen. Das heißt, er zieht genau die falschen Schlussfolgerungen. Er sieht so zusagen - er guckt weiterhin auf den Span in unserem Auge, statt den Balken im eigenen zu erkennen.

Ratzinger ist ein mitleidsloser Elitärer, der seit vierzig Jahren gegen Humanismus und Menschenrechte kämpft.

Die schiere Masse der durch katholische Priester missbrauchen Kinder – Myriaden in jedem Episkopat – machte es natürlich schwer die Fälle alle zu vertuschen. Wer es wissen wollte, wußte davon, las darüber, sah TV-Dokumentationen.

In den USA gab es seit den 1970er Jahren entsprechende Anzeigen, aber erst mit dem Bostoner Megaskandal von 2002 wurde der ganz breiten Öffentlichkeit klar in welch gigantischem Ausmaß sich Priester an kleinen Jungs vergriffen.

Ein großes Journalisten-Team des Boston Globe enthüllte 2002, dass allein in der Erzdiözese Boston 90 Priester über 1000 Kindern und Jugendlichen sexuell gedemütigt, gequält und vergewaltigt hatten.
In Deutschland und beim deutschen Papst verschloss man weiterhin fest Augen und Ohren bis schließlich der Berliner Canisius-Skandal von 2010 das gewaltige Ausmaß des Treibens der bestialischen Soutanen-Sadisten aufdeckte.

Mehr noch als sein Vorgänger stellt sich der aktuelle Papst Bergoglio seit 2013 gegen die Opfer. Franz spricht Täter frei, verkürzt deren Strafen, spricht den Opfern in Chile pauschal die Glaubwürdigkeit ab und beförderte schließlich demonstrativ den schon damals als mutmaßlichen Sextäter bekannten Kardinal Pell, der mittlerweile im Knast schmort.
George Pell, der auch heute noch demonstrativ seinen Kardinalsrang führt und gar nicht einsehen kann, daß er eingesperrt ist. Schließlich wäre es nur „plain and vanilla sex“ mit den 12-Jährigen Jungs gewesen.

Wenn aber die Kurientransen in ihren roten Kleidern im Zentrum der Weltkirche so agieren, sollte man sich nicht wundern, daß die jüngeren Geistlichen ihnen bis in jüngste Zeit nacheifern. In Rom, im Vatikan. Wand and Wand mit gleich zwei Päpsten, die immer wieder deutlich durch ihre Handlungen ausdrückten, daß Kinderficker geschützt und geschätzt werden.

Wie der Herr, so das Gescherr.

(…..) Zuweilen hat man den Eindruck, der ganze Petersdom sei wie zu früheren Jahrhunderten üblich ohnehin eine einzige Callboy-Börse - ähnlich den Republikaner in den USA, deren Spitzenvertreter massiv gegen die same-sex-marriage vorgehen und gleichzeitig dermaßen viele Gay-sex-Skandale produzieren, daß man sie satt "Grand old party" nur noch "Gay old party" nennt.

"Tutti perversi?" fragt das italienische politische Wochenmagazin "Panorama" angesichts des vatikanischen Stricherrings, der im März 2010 aufflog.

Chinedu Thomas Ehiem, der vatikanische Chorsänger, organisiert für die Herren in den Soutanen neben den gesanglichen auch andere orale Freuden.
Pfaffen lieben es oral.
Ehiem vermittelt Callboys.

"Im Vergleich zu dem bin ich bloß normal ausgestattet, er hat einen unglaublichen Körper. Ab zehn Uhr hat er Zeit, er ist ein Freund von mir und tut, was ich ihm sage." Solche Mitschnitte aus Telefonaten, aus sehr delikaten Telefonaten, haben dem Vatikan einen deftigen Skandal um Sex und Prostitution beschert.

Angehende Priester wurden ebenfalls von dem Vatikanischen Chorsänger als Lustknaben an den höheren Klerus vermittelt:

Und Ehiem ist äußerst rührig: "Ich habe da einen aus Neapel, einen Kubaner, einen Deutschen, gerade aus Deutschland eingetroffen, zwei Schwarze, einen Fußballer, einen Tänzer der RAI", heißt es laut der Tageszeitung "Libero" in einem Mitschnitt. Einmal wird der Kuppler konkret und bietet einen Prostituierten an, "zwei Meter groß, 97 Kilogramm schwer, 33 Jahre alt." Auch Priester-Seminaristen sollen zu den jungen Männern gehört haben, die Ehiem an Balducci weiterreichte; in einem Gespräch jedenfalls kommt die Frage auf, wann denn der Jüngling "wieder im Seminar" sein müsse.

Als Zuhälter für schwule sexuelle Dienstleistungen im Vatikan fungierte hauptsächlich Angelo Balducci; "Gentiluomini di Sua Santità" ("Ehrenmänner Seiner Heiligkeit") des Papstes und Präsident des Obersten Rates für Öffentliche Arbeiten.

Die "Gentiluomini di Sua Santità" hatte Papst Paul VI. im Jahr 1968 statt des früheren Hofstaates eingesetzt. Um einer der 147 "Ehrenmänner Seiner Heiligkeit" zu werden, muß man ganz besondere Verdienste gegenüber dem Heiligen Stuhl erworben haben - eine Voraussetzung, die Baldulucci offensichtlich erfüllte.

Sexuelle Dienstleistungen durch junge hübsche Männer sind im Staat der Zölibatären heiß begehrt.
Sich die Stricher selbst in einer der vielen Schwulenbars rund um den Vatikan aufzugreifen, ist erstens umständlich, zweitens zeitaufreibend, drittens indiskret und viertens mitunter auch gefährlich, wie das Schicksal des adeligen Herrn Luzi beweist.

Auch Luzi, a Roman nobleman, war einer der "Ehrenmänner Seiner Heiligkeit"; ein Kollege Angelo Balduccis.

The Vatican yearbook notes that Mr. Sini Luzi began service as a Gentleman of His Holiness in April 1989, and today national newspapers published photographs of him, a smiling, bespectacled man, with Pope John Paul II, or standing in the Vatican clad in the black cutaway and decorations of his office.

Der Kammerherr des Papstes, Enrico Sini Luzi, ist 1998 in einer Vatikanwohnung bei schwulen SM-Spielchen umgekommen.
Der in den römischen Schwulenbars stadtbekannte Papst-Freund hatte sich einen Stricher aufgegabelt und wurde dann in Reizwäsche mit einem Kerzenleuchter erschlagen gefunden – der Videorekorder mit den Homopornos lief noch. (….)

So läuft das unter der Herrschaft Ratzingers, der seit 1977 Kardinal, seit 1981 Quasi-Papst als Woytilas mächtigster Kurienpräfekt und seit 2005 Papst, also seit 38 Jahren der mächtigste oder einer der beiden mächtigsten Männer der Kurie ist.
Und wieso sollte sich daran was ändern, wenn auch Franz beharrlich alle Schritte wider die Kinderfickerei behindert?

Die beiden vatikanischen Priester Gabriele Martinelli und Enrico Radice poppten sich durch die Minderjährigen im Präseminar Pius X. Untersucht werden die bis 2017 reichenden Fälle natürlich nicht aufgrund eigener Erkenntnisse, sondern wieder einmal nur weil die Presse mit „ihrer sprungbereiten Feindseligkeit“ (Ratzi) darüber berichteten.

[….] Martinelli sei zur Zeit der mutmaßlichen sexuellen Übergriffe 21 Jahre alt und für die Ausbildung von Ministranten zuständig gewesen. Martinelli wurde 2017 zum Priester geweiht. Radice war Rektor der Einrichtung.
Das Präseminar Pius X. liegt innerhalb der Mauern des Vatikans, nur wenige Schritte von der Residenz von Papst Franziskus entfernt. In dem Präseminar leben minderjährige Ministranten, die im Petersdom und bei Zeremonien des Papstes dienen.
Italienischen Presseberichten zufolge hatte ein junger polnischer Ministrant, der sich mit einem der Opfer das Zimmer teilte, von Dutzenden sexuellen Übergriffen berichtet. Er sei Zeuge von bis zu 140 Missbrauchsfällen geworden und habe geschildert, dass Martinelli seine Opfer durch "Macht und Einschüchterung" gefügig gemacht habe. […..]

Konkret angestoßen hatte die Ermittlungen mal wieder der von Kurialen leidenschaftlich gehasste Journalist Gianluigi Nuzzi. Mindestens vier Jahre vorher waren die Kardinäle über das Treiben der bösartigen Sadisten. Aber genau neben Ratzinger und Bergoglio ansässige Kardinäle vertuschten, bestritten, verdunkelten.

[….] Der italienische Enthüllungsjournalist Gianluigi Nuzzi hatte die mutmaßlichen Verbrechen in dem Präseminar in seinem Mitte 2017 erschienenen Buch „Peccato originale“, das unter dem Titel „Erbsünde“ 2018 auch auf Deutsch veröffentlicht wurde, erstmals bekanntgemacht.
Wichtigste Quelle Nuzzis war der ehemalige polnische Ministrantenschüler Kamil Jarzembowski, der nach eigenen Angaben Zeuge von bis zu 140 Missbrauchsverbrechen Martinellis wurde. Bei den Opfern handelte es sich um die sogenannten „Ministranten des Papstes“, die bei den Messen im Petersdom als Ministranten dienen. Jarzembowski berichtete, er und andere Ministrantenschüler hätten den Rektor des Präseminars schon 2013 auf den fortgesetzten Missbrauch durch Martinelli aufmerksam gemacht, doch Radice habe nichts unternommen.
Auch ein Brief an den für das Präseminar zuständigen Kurienkardinal und Erzpriester des Petersdoms, Angelo Comastri, sei folgenlos geblieben. Kardinal Comastri hatte in einer ersten Reaktion auf die Enthüllungen Nuzzis im November 2017 versichert, es sei in dem Präseminar niemals zu Missbrauch gekommen. […..]