Mittwoch, 27. Mai 2015

Heilige Scheiße – Teil I

Es gibt viele Merkwürdigkeiten in der katholischen Kirche.

Kardinal-Staatssekretär Parolin aus dem Vatikan nennt das irische Ja zur Homo-Ehe eine "Niederlage für die Menschheit".

Ja, misogyne Männer in bunten Kleidern und brennenden Handtäschchen, die anderen Männer erklären wie BÖSE Homosexualität ist...
Chuzpe haben sie ja!

Ziemlich bizarr ist auch der Monotheismus-Tick.
Echnaton war da wenigstens noch konsequent. Christen fordern es nur.

Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.
(„Das erste Gebot“)

Ja, Gott, der Vater, der Sohn, der Hei Gei und Maria – vier Götter, die den Menschen erklären wie BÖSE Vielgötterei ist.
Chuzpe haben sie ja!

Gerade der Katholizismus mit den Tausenden Heiligen und Seligen, die zur Ehre der Altäre angebetet werden, dürfte die polytheistischste Religion der Welt sein.

Heilige sind in religiöser Hinsicht vollkommene Menschen, die von Gott eine höhere Stufe der Gnade erreicht haben und daher alle ins Himmelreich kommen.
Gerne werden Heilige auch als Spezialgötter (=Schutzpatrone) mit bestimmten Zuständigkeiten verehrt.
Für jedes Thema stehen dem katholischen Gläubigen also Fachgötter zur Verfügung, die man um Fürbitte anflehen kann.

Im 12. Jahrhundert erklärte Papst Alexander III. die alleinige Zuständigkeit der Päpste für Heiligsprechungen. Ging man zunächst sparsam mit der Heiligsprechungskompetenz um, begann der Pole Karol Woytila aus dem Vollen zu schöpfen. Er schuf über tausend neue Heilige und Selige.
Stand am Ende des JP-II-Pontifikats:  6650 Heilige und Selige, sowie 7400 Märtyrer and still counting.

In religiöser Hinsicht ein vollkommener Mensch war Winfrid (* um 673 in Wessex; † um 755  in Friesland), der seit dem 16. Jahrhundert unter dem Namen Heiliger Bonifatius als „Apostel der Deutschen“ verehrt wird, weil er bei den heidnischen Franken ein Kloster nach dem nächsten gründete.
Am 15. Mai 719 gab ihm Papst Gregor II. den Auftrag, den „ungläubigen Völkern das Geheimnis des Glaubens bekannt zu machen“ und verlieh ihm den Namen Bonifatius. So kam der Heilige zu den Friesen.

Ob die Tat, große Teile des heutigen Deutschlands und Frankreichs christianisiert zu haben, so vorbildlich war, darf angesichts der grausamen Religionskriege, die folgten, darf angesichts des düsteren aufklärungsfeindlichen von Christlichen Autoritäten regierten Mittelalters bezweifelt werden.

Ohne den Heiligen Bonifatius auch kein Dreißigjähriger Krieg (von 1618 bis 1648), der als vermutlich verheerendster Religionskrieg Mitteleuropa entvölkerte.

"Hans Philipp Goßmann von Spachbrücken zu Tod geschlagen. Hans Gerhards schwangeren Frauen die Rippen entzweigeschlagen, dass sie bald gestorben. Jakob Hans Frau zu Tod geschändet. Hans Simon mit dem Gemächt ufgehängt und vollends erschlagen ... Summa: 18 Personen", endet die "Schadensliste", die man nach einem Überfall der kaiserlichen Soldaten auf das hessische Reinheim im Mai 1635 bei der zuständigen Obrigkeit einreichte.
Der Dreißigjährige Krieg zeigt sich in solchen Beispielen als Krieg schlechthin: erschlagene, gefolterte, vergewaltigte Unbeteiligte. Ausgebrannte Städte, verwüstete Dörfer, kahlgefegte Äcker. Hungersnöte, Seuchenzüge. Wer da noch lebte, lebte nicht mehr lange: "Wir Leut leben wie die Tier, essen Rinden und Gras", heißt es in einem Bibeleintrag aus den zerstörten Dörfern der Schwäbischen Alb gegen Ende des Krieges. Man ernährte sich von Eicheln und Kleie, briet Ratten, Katzen, Hunde und krepierte Pferde. [….]

In den letzten Tagen habe ich mich mal wieder etwas genauer in den 30-Jährigen Krieg (1618 bis 1648) hineingelesen.
Es war bekanntlich der schwerste Religionskrieg, der jemals in Europa tobte.
Protestanten und Katholiken haben so lange aufeinander eingedroschen, bis das „heilige römische Reich deutscher Nationen“ entvölkert und verwüstet war.
Die Hälfte der Deutschen Gesamtbevölkerung wurde massakriert oder fiel Seuchen zum Opfer, die Zivilisation wurde um 100 Jahre zurück geworfen.
Die Bauernhöfe waren verwaist, der Viehbestand nahezu komplett ausgerottet.

Der Mega-Religionskrieg bescherte uns Begriffe wie „magdeburgisieren“.
Magdeburg war damals eine von den Bischöfen unabhängige Stadt mit 30.000 - 40.000 Einwohnern, die versuchte neutral und friedlich zu bleiben.
Das gefiel den Katholiken natürlich überhaupt nicht und so schickt im April 1631 die katholische Majestät Kaiser Ferdinand II den kaiserlichen Befehlshaber Tilly, der die Stadt bis auf die Grundmauern zerstört und seine Truppen anschließend so lange plündern, morden und vergewaltigen läßt, daß nach einer Zählung aus dem Jahr gerade noch 468 Magdeburger leben.

Es war aber auch nicht alles schlecht am 30-Jährigen Krieg.
Da es weit über 200 Jahre brauchte, bis die Bevölkerungszahl wieder auf den Stand vom Beginn des 17. Jahrhunderts angestiegen war, kam es zu einer großartigen Verwaldung der ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen.
Die menschengemachte Monokultur verschwand zugunsten eines intakten Ökosystems aus Urwäldern.

Und wer hat Schuld am 30-Jährigen Krieg?

Dazu gibt es selbstverständlich ein ganzes Bündel Ursachen aus unterschiedlichen Machtinteressen.

Zwei Hauptschuldige will ich aber hervorheben.

Erstens der tiefsitzende Menschenhass der Horrorreligion des Katholizismus.
Es war die katholische Kirche, die das Rad der Zeit zurückdrehen wollte und mit ihrer Marionette Ferdinand II ganz Europa rekatholisieren wollte.

Das Restitutionsedikt war eine von Kaiser Ferdinand II. am 6. März 1629 erlassene Verordnung, mit der ohne Einverständnis der evangelischen Reichsstände der Status quo des geistlichen Besitzstands im Reich wieder auf den Stand des Jahres 1552 gebracht werden sollte. Es setzte damit die katholische Interpretation des Augsburger Religionsfriedens (1555) durch.
(Wikipedia)

Die RKK war dermaßen blutrünstig, daß sie selbst nachdem schon der halbe Kontinent verwüstet war erbittert Propaganda gegen diejenigen betrieb, welche auch nur an einen Frieden dachten.
Insbesondere die Jesuiten und der Pater am Kaiserlichen Hof, Johannes Weingarten empörten sich ab dem Jahr 1633 über den katholischen Heerführer Wallenstein, der "den Krieg vernachlässige“ und nicht mehr die rechte Lust verspürte Protestanten zu massakrieren.

Als auch noch Gerüchte auftauchten Wallenstein wolle Friedensverhandlungen beginnen, hetzten die katholischen Geistlichen so gegen den Kriegsmüden, daß sie seine Ermordung durchsetzen konnten.

Die zurückhaltende Art seiner Kriegführung während des zweiten Generalates [Wallensteins], seine Friedenspolitik und die dadurch hervorgerufene Sorge um den Triumph der katholischen Idee ließen am Hofe bald eine starke Partei gegen ihn erstehen, an der Spitze der Sohn des Kaisers, der spätere Ferdinand III. Sie gewann im Laufe der Zeit einen entscheidenden Einfluß auf den schwachen und schwankenden Kaiser, zumal in ihr Männer wie der bayerische Kurfürst, der böhmische Oberste Kanzler Slawata, die Jesuitenpatres Lamormaini, der Beichtvater, und Weingartner, der Hofprediger, mit Leidenschaft gegen Wallenstein wirkten.
(Uni Giessen.de)

Die zweite Hauptschuld liegt in den Charakteren der handelnden Personen, die einfach keine netten Menschen waren.

Das betrifft die katholischen Heerführer und Kriegsverbrecher Johann t’Serclaes Graf von Tilly (1559-1632) und Albrecht Wenzel Herzog von Wallenstein, sowie auch den legendären Schwedischen König Gustav II. Adolf, (1594-1632).

Unglücklich mit dem religiös vorbildlichen Heiligen sind auch heutige Dendrologen.
Gottes Schöpfung pries der „Apotsel der Deutschen“ nämlich vorzugsweise, indem er die ältesten Bäume abhacken ließ.

Vor der Christianisierung dachte man hierzulande Donar (auch „Thor“) sei der richtige Gott. Ihm weihte man große alte Eichen, die man dann verehrte und schmückte.
Bräuche aus der Zeit haben sich bis heute gehalten; immer noch gibt es in Dörfern „Tanzlinden“, werden Maibäume aufgestellt.
Auch der Brauch Zweige von Tannen zur Wintersonnenwende zu dekorieren und ins Haus zu stellen ist eine zutiefst heidnische Tradition zur Verehrung Donars.
Als es Bonitfatius‘ Nachfolgern nicht gelang diese Bräuche auszumerzen, adaptierte man sie und log fröhlich drauf los an dem Tag sei Jesus Christus geboren worden, deutete die Donar-Zweige zum Christbaum um.
(Wenn man Althistorikern glauben darf, wurde Jesus, sofern er tatsächlich existierte vermutlich im März geboren.)

Anderen Gottheiten bei heiligen Eichen zu huldigen, inspirierte Bonifatius zu dem was Christen am besten können: ZERSTÖREN.
Landauf, landab ließ er die schönsten Bäume abhacken.
Im großen Stil ließ der katholische Weibischof und Missionar heidnische Heiligtümer zerstören.

Althergebrachter Kultur, die den Menschen so wichtig war, begegnete der päpstliche Missionar mit größtmöglicher Intoleranz und Destruktivität.
Gottes Schöpfung zu achten, hieß für ihn: Kleinholz machen.
Die Christen gaben schon damals ein Beispiel ab für den IS in Palmyra.

Der Papst war entzückt.

Als Anerkennung für seine Dienste ernannte Papst Gregor III. ihn 732 zum Erzbischof und päpstlichen Vikar des Ostteiles des Frankenreiches und erteilte ihm die Erlaubnis, Bischofssitze einzurichten.
(Ökumenisches Heiligenlexikon)

So wütete der Baumkiller 30 Jahre bis ihn in Boorne (Holland) Mitte des achten Jahrhunderts aufgebrachte Heiden ermordeten. Möglicherweise war es auch nur ein Raubüberfall auf den reichen Papst-Gesandten.
Spätere Missionare deuteten Bonifatius profane Ermordung dann flugs zu einem Märtyrer-Akt um. Als toter Märtyrer ließ sich der Brite bestens für die Christen-PR einspannen – auch hier gleichen sich die Bilder mit dem IS.

Im 19. Jahrhundert setzte eine neue Welle der Verehrung ein; damals fürchteten viele Katholiken nach der Gründung des deutschen Nationalstaates eine Los-von-Rom-Bewegung und stilisierten dagegen Bonifatius als den Apostel Germaniens. Die jährliche Wallfahrt zum Fuldaer Dom bewahrt dem Gründervater des Klosters, der Keimzelle der späteren Stadt Fulda, ein ehrendes Andenken. 1867 kamen die deutschen katholischen Bischöfe hier zum ersten Mal zu einer Konferenz zusammen, bis heute findet die Konferenz jedes Jahr im Herbst in Fulda statt; beim feierlichen Schlussgottesdienst im Dom werden die Bischöfe dann jeweils einzeln mit der Bonifatius-Reliquie gesegnet. Das bisher in den deutschen Diözesen unterschiedlich begangene Gedächtnis des Bonifatius ist 2005 einheitlich für alle Diözesen im deutschen Sprachraum in den Rang eines Festes erhoben worden.
Kanonisation: Papst Pius IX. genehmigte 1855 die Verehrung von Bonifatius.
Attribute: Eiche und Axt, Fuchs, Rabe, Peitsche, Schwert
Patron von England und Thüringen; der Bierbrauer, Feilenmacher und Schneider; der Bistümer Fulda, Erfurt und Groningen in den Niederlanden; Mitpatron des Bistums Haarlem in den Niederlanden
(Ökumenisches Heiligenlexikon)

Kommentare:

  1. Jawohl Tammox, wir sollten uns viel öfter mit der Geschichte befassen. Das hilft den Geist frisch zu halten und gleichzeitig die Gegenwart besser und vor allem umfassender zu verstehen.

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  2. Da sagst Du was Wahres.

    Helmut Schmidt rät das übrigens auch bei jeder Gelegenheit.

    LGT

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