Mittwoch, 14. November 2012

Kleine Freuden.



Nichts ist ideal.

Ich schimpfe auf die SPD, bin aber Parteimitglied.
Ich meckere am SPIEGEL rum, behalte aber mein Abo.
Ich verdamme die Religiösität der ZEIT, lese sie aber weiterhin.
Ich verachte viele Aspekte der Obama-Politik, wollte aber unbedingt, daß er wiedergewählt wird.
Ich bekomme jeden Morgen das „Hamburger Abendblatt“ von SPRINGER, obwohl ich fast alle Artikel ungelesen wegschmeiße.

Ich tue das alles, weil es entweder gar keine, oder nur viel schlechtere Alternativen gibt.

Es macht doch noch einen großen Unterschied, ob die SPD oder die CDU die Regierung stellt, auch wenn einige auf Sozialtransfers Fixierte wegen Hartz IV behaupten, das sei alles eine Soße.
Das ist eine These, die ich vehement ablehne.

Außer der Höhe des Hartz-IV-Satzes gibt es noch einige andere wichtige Dinge, für die auch die Integrität und der Anstand der handelnden Politiker entscheidend sind.
Schwarzgelb läßt sich dabei vorzugsweise kaufen und weiß eben nicht mehr was Anstand ist.

Es gibt Dinge, die vielleicht ökonomisch opportun sind, für die aber gilt „das tut man nicht!“
Dazu zählt der Export von dementen Omen und Open nach Osteuropa, Waffenverkauf in Krisengebiete und Shareholder-Value auf dem Rücken von Billigarbeitern.
Angela Merkel ist die Aufrüstungskanzlerin
„2011 hat die Bundesregierung so viele Rüstungsexporte wie noch nie zuvor genehmigt, im Gesamtwert von 10,8 Milliarden Euro. Angela Merkel ist die Aufrüstungskanzlerin. Seitdem sie regiert, ob nun mit FDP oder SPD, bricht sie alle Rekorde bei den Waffenexporten. Im Durchschnitt wurden in jedem ihrer Regierungsjahre Exportgenehmigungen im Wert von über 8 Milliarden Euro erteilt“, kritisiert Jan van Aken, außenpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE, anlässlich des Kabinettsbeschlusses über den Rüstungsexportbericht 2011. „Dieses Geschäft mit dem Tod geschieht praktisch ohne jede parlamentarische Kontrolle, von der Möglichkeit eines Eingreifens des Souveräns ganz zu schweigen.“ Van Aken weiter:
„Deutschlands Beitrag zum Arabischen Frühling sind Waffen, Waffen, und noch mehr Waffen: Unter den Top 20 der Empfänger deutscher Rüstungsgüter sind gleich fünf Länder aus Nordafrika/Naher Osten: VAE (Platz 3), Irak (6), Algerien (8), Saudi-Arabien (12), Ägypten (18).

Es ist unchristlich, die Welt so hemmungslos aufzurüsten. Wer Waffen in Krisengebiete und an Diktaturen verkauft, macht sich mitschuldig an Unterdrückung, Menschenrechtsverletzungen und vielen Kriegstoten. Diese Regierung möge vor Scham im Boden versinken, wenn sie auch nur noch einmal von Abrüstung oder Menschenrechten spricht.
Wie wenig Beschränkungen es bei den Waffenexporten gibt, zeigt sich übrigens an der Zahl der Ablehnungen: Gerade mal 0,005 Prozent der Anträge (105 von 17.586) wurden nicht genehmigt.
DIE LINKE fordert, dass Deutschland nach japanischem Vorbild Waffenexporte generell unterlässt. Als erster Schritt dazu muss sofort jeder Export von Waffenfabriken und Kleinwaffen grundsätzlich verboten werden.“

(Jan van Aken, PM Linke Bundestagsfraktion 14.11.12)

Genehmigungen für Rüstungsexporte wachsen  explosionsartig
Der Anstieg der Rüstungsexportgenehmigungen durch die Bundesregierung  verdeutlicht einmal mehr, dass die sogenannte „Merkel-Doktrin“ offenbar ihre Wirkung entfaltet. […] Damit zeigt sich, dass die schwarz-gelbe Koalition den Export von  Rüstungsgütern offensichtlich als ganz normales Instrument zur Gestaltung  ihrer Außen- und Sicherheitspolitik betrachtet. Bedenken hinsichtlich einer  instabilen Sicherheitslage oder Verletzungen von Menschenrechten werden immer  weiter in den Hintergrund gedrängt.
Es wird höchste Zeit, dass die Rüstungsexportrichtlinien, die die Genehmigung von Rüstungsexporten an klare Vorgaben knüpfen, endlich wieder Beachtung finden. Schwarz-Gelb hat diese Richtlinien trotz verbaler Lippenbekenntnisse seit 2009 kontinuierlich missachtet und die  Öffentlichkeit getäuscht. Ob Panzergeschäfte mit Saudi-Arabien oder  Indonesien: Die Hemmschwelle für solche höchst fragwürdigen Geschäfte   wurde immer weiter herabgesenkt.
(SPD-PM Nr: 1256 vom 14.11.12)

Leitlinie der Rüstungsexportpolitik der Bundesregierung bleibt: Alles, was die Bundeswehr im Inland weniger bestellt, wird von Schwarz-Gelb sofort auf den globalen Waffenmarkt geworfen. Die Kanzlerin und ihr Kabinett genehmigen nicht nur fragwürdige Geschäfte. Schlimmer: Indem sie die Verträge großzügig mit Bürgschaften absichern, nehmen sie den Firmen auch noch das reguläre wirtschaftliche Risiko ab.
Es ist schon traurige Tradition: Die Bundesregierung hält die Informationen über ihre Rüstungsexportpolitik solange wie möglich zurück, da sie ihr selbst offensichtlich unangenehm ist. Frau Merkel versucht ihre lockere Genehmigungspraxis neuerdings mit diffusen sicherheitspolitischen Erwägungen zu rechtfertigen, dahinter stecken aber nur die Beharrungstendenzen der Rüstungsindustrie. "Mehr Klarheit, mehr Wahrheit" sollte die Devise sein. Wir brauchen endlich transparente Verfahren, die die Bundesregierung veranlassen, ihre Entscheidungen öffentlich zu begründen und parlamentarische Kontrolle zu ermöglichen. Und zwar nicht erst Monate nachdem diese Entscheidungen getroffen wurden. Nur so kann eine restriktive Exportpolitik, wie sie eigentlich in den Richtlinien der Bundesregierung angelegt ist, wirklich durchgesetzt werden.
(Katja Keul, Grüne PM 0994 vom 14.11.12)
Wer über Rudimente von Anstand verfügt, weiß daß eine einigermaßen moralisch agierende Bundesregierung nicht so handelt.

Jakob Augstein hat dazu anlässlich des Grünen Durchmarsches in Stuttgart (und BW) ein paar treffende Sätze formuliert.
Die Grünen sind für die Moderne zuständig, die CDU für das Ressentiment. Darum siegt die Öko-Partei in Stuttgart. Und die Union führt Wahlkampf auf dem Rücken von Asylbewerbern.
Die Nächte sind jetzt kalt. Aber die Berliner Polizei ist noch kälter: Sie hat den Asylbewerbern, die seit Tagen vor dem Brandenburger Tor ausharren, die Decken weggenommen. Nach Polizeiangaben verstoße der "Einsatz von Übernachtungs-Utensilien" gegen geltendes Recht. So geht eine CDU-geführte Behörde gegen die Ärmsten der Armen vor. Das passt. Gleichzeitig hat Merkels Innenminister Friedrich den Kampf gegen angeblichen Asylmissbrauch entdeckt. Er will Sinti und Roma daran hindern, nach Deutschland zu flüchten. Trotz allen Geredes von der modernisierten Union: CDU und CSU sind immer noch die Parteien des Ressentiments.
[…] Die Grüne Claudia Roth musste nicht übertreiben, als sie am Wochenende sagte: "Zur Union fällt mir Mappus ein, fallen mir Plagiate ein, fällt mir die Art und Weise ein, wie sie mit Griechenland in der Euro-Krise umgehen. Das ist alles andere als bürgerlich und anständig." Das ist das Problem der Union: Vom Plagiator Guttenberg über den Schnäppchenjäger Wulff bis zum Innenminister Friedrich, der seinen Wahlkampf auf dem Rücken von Sinti und Roma führen will, hat die Union vergessen, was sich gehört.
Stichwort Antiziganismus.

Rund 500.000 „Zigeuner“ sind von Deutschen bis 1945 in Konzentrationslagern umgebracht worden.
 Es waren Opfer zweiter Klasse, die genau wie Deserteure und Schwule vielfach bis heute keinerlei Entschuldigung oder Anerkennung erhalten haben. 
Es dauerte fast 70 Jahre bis sich Deutschland bequemte der halben Million umgebrachter Sinti und Roma ein Mahnmal zu errichten.
Erst 1982 sprach der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt den Sinti und Roma den Opferstatus zu, fast vierzig Jahre nach Kriegsende.  [….] Das Allensbacher Institut [ermittelte]: 68 Prozent aller Deutschen lehnen es ab, neben einer Zigeunerfamilie zu wohnen. Weil sie fürchten, bestohlen zu werden; weil sie glauben, dass von Zigeunern eine irgendwie ungute Schwingung ausgeht. Vielleicht auch, weil den Deutschen trotz Zigeunerbraten, Zigeunersoße und Zigeunerbaronen kein Volk so fremd vorkommt wie das der Sinti und Roma. 'Wir sind die Minderheit, die die größte Xenophobie auf sich zieht', sagt [der Vorsitzende des Landesverbands der Sinti und Roma in Baden-Württemberg]  Daniel Strauß, 'der gesellschaftliche Antiziganismus ist nach wie vor salonfähig.'
(SZ 24.05.12)
 Während die immer noch wenigen Juden in Deutschland (genaue Zahlen kennt man nicht, vermutlich leben aber wieder rund 200.000 Juden hier) öffentlich willkommen geheißen werden, empfinden die meisten Deutschen für die gerade mal 70.000 Sinti und Roma in Deutschland bestenfalls nur Desinteresse.
 CDU- und CSU-Politiker reißen sogar öffentlich ihr Maul auf und orakeln darüber, wie man diese Menschen schnellstmöglich wieder nach Ungarn oder Rumänien abschieben könnte.
 Bloß wieder raus aus Deutschland.
Es sind wirklich Opfer zweiter Klasse. 
Man stelle sich vor Herr Friedrich würde laut darüber nörgeln, daß schon wieder viel zu viele Israelis in Deutschland lebten und die sollten doch mal „in ihr Heimatland“ zurück gehen.
Dann wäre aber was los. 

Mit Sinti und Roma kann man es machen und kein Bischof, keine christliche Kanzlerin empört sich.

Und dann stellt sich aber doch heraus, daß es einen Unterschied macht, welche Partei man wählt. Seit die Bürger Schleswig-Holsteins im Mai dieses Jahres CDU und FDP auf die Oppositionsbank geschickt haben, geht es doch etwas anständiger zu im hohen Norden der Republik.
Die etwa 5000 Sinti und Roma Schleswig-Holsteins werden jetzt genau wie die dänische Minderheit und die friesische Volksgruppe verfassungsrechtlich geschützt und gefördert. 

Rot, Grün und SSW sei Dank.
Es geht dabei um, wie Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) sagt, 'sieben kleine Worte, die eine große Wirkung haben würden'. Es sind sieben Worte, die in Artikel 5 der Landesverfassung von Schleswig-Holstein aufgenommen werden und garantieren sollen, dass auch 'die Minderheit der deutschen Sinti und Roma' Anspruch auf Schutz und Förderung hat. […]
Die Aufnahme in die Landesverfassung aber wäre ein einmaliger Schritt. 'Es bedeutet uns sehr viel', sagt Verbandschef Weiß. Es sei ein Symbol, das mehr Sicherheit geben werde. Seit dem 15. Jahrhunderts leben Angehörige der Minderheit im Norden, wurden aber immer wieder ausgegrenzt und verfolgt. In der NS-Zeit starben etwa 400 Angehörige der Minderheit aus dem Land in Vernichtungslagern.
Für die Verfassungsänderung wird im Landtag eine Zweidrittel-Mehrheit gebraucht, in früheren Legislaturperioden scheiterte das Vorhaben an der CDU. Sie begründete ihre Ablehnung stets damit, dass die Sinti und Roma - anders als Dänen und Friesen - keine landesspezifische Minderheit sei. Diesmal reichen die Stimmen von SPD, SSW, Grünen, FDP und Piraten.
 Das war der CDU dann doch heute zu peinlich als antiziganistische beleidigte Leberwurst aufzufallen und so stimmte sie lieber mit den anderen Parteien.

 Die Verfassungsänderung kam heute einstimmig zustande.
Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) sprach von einem historischen Beschluss. "Die Sinti und Roma leben seit mehr als sechs Jahrhunderten in Schleswig-Holstein und gehören zu diesem Land wie Deutsche, Dänen und Friesen." Es sei ein Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung, dass sich dies jetzt auch in der Landesverfassung widerspiegele, sagte Albig.
Auch die Minderheitenbeauftragte Renate Schnack (SPD) begrüßte die Geschlossenheit des Parlaments bei der Abstimmung. Sie verwies darauf, dass der heutige Beschluss des Landtages europaweit beachtet werde: "Die lange verwehrte Anerkennung der Sinti und Roma war ein Fleck auf der weißen Weste unseres Landes. Seit heute kann Schleswig-Holstein wieder zu Recht für sich in Anspruch nehmen, eine faire und international vorbildliche Minderheitenpolitik zu führen."
(NDR 14.11.12)

Kommentare:

  1. Kannst Du bitte den Begriff "auf Sozialtransfers Fixierte" präzisieren? Was willst Du damit ausdrücken? (Hoffentlich nicht, was ich befürchte...)

    Gruß
    Omnibus56

    AntwortenLöschen
  2. Ruestungsfreuden und Zigeuner. ... feine Mischung!!

    Das sind, unter anderen, Themen, fuer deren Verlauf ich bis heute keinerlei Verstaendniss/oder sonstig positives aufbringen kann. Vor allem nicht nach Hitler, und das ist ja noch gar nicht solange her .... "68 Prozent aller Deutschen lehnen es ab, neben einer Zigeunerfamilie zu wohnen." ... gibts da auch Statistiken fuer Griechen, Tuerken/sonstige 'Islamisten, Italiener, Portugiesen, Spanier, Asiaten, Juden, Ostblockler, Schwarze, Inder, Marsianer, ......

    aber uA. nett, dass man jetzt zb. in Schleswig-Holstein die Zigeuner 'wie Deutsche, Dänen und Friesen' unter Artenschutz stellt.

    I'm so fuckin Proud ...

    AntwortenLöschen
  3. @ Omnibus 56:

    Ich meine damit diejenigen, die ihre parteipolitischen Ansichten mehr oder weniger ausschließlich an der Höhe des HartzIV-Satzes festmachen, als ob es keine anderen Themen gäbe.

    Ich selbst finde die „Verteilungsgerechtigkeit“ in diesem Land auch äußerst wichtig, aber ich beurteile die Parteien nicht NUR danach, sondern bin der Schröder/Fischer-Regierung für viele gesellschaftspolitische Errungenschaften sehr dankbar, die es eben niemals unter der CDU gegeben hätte. Ziemlich früh hat ja Schröder beispielsweise die Zwangsarbeiterentschädigung auf den Weg gebracht. Solche Dinge sind MIR eben auch EXTREM wichtig.


    @Jake:

    …und sie schämeten sich nicht!

    Das sind auch genau die Meldungen, bei denen ich wahnsinnig werden könnte. Und die CDU wird trotzdem als beste Partei Deutschlands angesehen….

    Hier noch etwas Schönes zum Thema, das ich gestern vergessen hatte:

    „Im Osten glauben mehr als zwei Drittel, dass Ausländer nur ins Land kommen, um den Sozialstaat zu melken. Im Westen findet das jeder Fünfte.
    16 Prozent der Ostdeutschen und der Migranten glauben, dass Juden mit übleren Methoden vorankommen als andere. Knapp jeder Dritte, in Ost wie West, behauptet, Juden nutzten die Erinnerung an den Holocaust aus. 60 Prozent der Deutschen haben eine negative Einstellung zum Islam. Über 94 Prozent der Deutschen finden Demokratie gut - jedenfalls theoretisch.
    Wo leben wir eigentlich?, muss sich fragen, wer diese Untersuchung liest, die leider nicht nur repräsentativ ist, sondern auch an der Universität Leipzig erstellt wurde - also resistent ist gegen das Argument blindwütiger Ossi-Feindlichkeit. Die verheerenden Zahlen attestieren den Bewohnern der neuen Länder eine deutlich menschenfeindlichere Haltung als dem Westen. Und sie zeigen, dass die irrlichternde Ablehnung derer, die als "fremd" gelten, vom Rand der wiedervereinigten Gesellschaft in ihre Mitte gewandert ist. Das kann man zum Davonlaufen finden, aber genau das darf nicht weitergehen: dass weggesehen und verdrängt wird.“



    mehr:

    http://www.sueddeutsche.de/politik/rechtsextremismus-in-deutschland-wer-getreten-wird-der-tritt-1.1522549

    LGT

    AntwortenLöschen
  4. KOMMENTAR VON DER NORDSTERN:



    15. November 2012 06:36

    "auch wenn einige auf Sozialtransfers Fixierte wegen Hartz IV behaupten, das sei alles eine Soße."

    Sorry, Tammox, aber ich finde Du bist auf dem Auge blind.

    http://www.heise.de/tp/blogs/foren/S-Froh-und-gluecklich/forum-241966/msg-22684155/read/

    Alles nur Einzelfälle?

    Wohin die Reise unter Steinbrück geht, muss man nicht lange überlegen:

    http://www.readers-edition.de/2012/11/06/steinbrucks-wahlkampfteam-die-agenda-2010-ist-zuruck/

    Die Politik der SPD stinkt (nicht nur) auf der Bundesebene zum Himmel und keine Schönschreiberei der Welt wird etwas daran ändern.

    Aktuell in meinem Bundesland:

    http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.stuttgart-21-spd-mehrkosten-fuer-flughafenbahnhof-ohne-gruene-finanzieren.f49d142f-0d72-441e-b41e-3f70fbcb14b6.html

    Derzeit hat man mit der SPD nur die Wahl zwischen dem kleineren Übel und das wird der Mehrheit sicherlich nicht ausreichen, um sie nächstes Jahr auch zu wählen.

    Der Nordstern.

    AntwortenLöschen
  5. @ Nordstern:


    Das ist mir alles zu sehr Bauchnabelschau!

    Selbst wenn es so wäre (was nicht stimmt!), daß die SPD reine CDU-Sozialpolitik machen würde, sind mir viele andere Themen, in denen sich CDU und SPD massiv unterscheiden, viel wichtiger. Hartz ist nicht alles.

    Drogenpolitik
    Kitas
    Betreuungsgeld
    Kriegseinsätze
    Umweltpolitik
    Lobbyistenbeglückung, insbesondere bei Pharma, Versicherungen, Banken, Agrar, Apotheken und Militär
    Rüstungsexporte
    PID
    Patientenverfügung
    Homoehe
    Homoadoption
    Legalisierung Prostitution
    Zwangsarbeiterentschädigung
    Rehabilitierung Wehrmachtsdeserteure
    Frauenquote
    Mindestlohn
    Studiengebühren
    Ganztagsschule
    Managergehälter
    Abschiebeknäste
    Nebenverdienst-Transparenz
    Parteispenden
    Ausländerrecht
    Integration
    Doppelte Staatsbürgerschaft
    Ehegattensplitting abschaffen
    Cannabis
    Internetsperren
    V-Männer
    Gesinnungsprüfung beim Kampf gegen Rechtsextremismus abschaffen
    Selbstbestimmtes Sterben
    Revisionistische Reden gegenüber östlichen Nachbarn
    Abschieben von Dementen nach Osteuropa
    Vermögenssteuer
    Schweizer Steuerabkommen


    Usw usf

    Man muß sich ja nur die ganzen Gesetzesinitiativen der SPD ansehen, die von CDU und FDP abgeschmettert werden.
    Es gibt unendlich viele grundlegende Unterschiede zwischen CDU und SPD und in jedem Punkt stehe ich auf der Seite der SPD.

    Hinzu kommt, daß ich Steinbrück für sehr intelligent halte. Und er hat Eier und knickt nicht immer gleich ein, wenn es droht unpopulär zu werden.
    Und wer Steinbrück zum Beispiel gestern in der Hamburger Markhalle erlebt hat, weiß, daß er ausgesprochen witzig und unterhaltsam ist.

    http://www.mopo.de/politik/kanzlerkandidat-in-hamburg-die-grosse-peer-steinbrueck-show-in-der-markthalle,5067150,20862248.html

    Ich mag ihn nun einmal!

    LGT

    AntwortenLöschen
  6. Und nochmal Hoyerswerda: http://www.ardmediathek.de/mdr-fernsehen/exakt/paar-muss-wegen-rechtsradikaler-bedrohung-stadt-verlassen?documentId=12455446

    Sagenhaft!

    AntwortenLöschen
  7. @Tammox:
    "Hartz ist nicht alles". Im Grunde hast Du natürlich Recht, aber sage das mal jemandem, der unter dem Hartz-Regime leben muss! Sage das jemandem, dem verfassungswidrig die ALG-II-Sub-Existenzminimum-Bezüge noch bis auf Null gekürzt werden, weil er einen anständig bezahlten Job will und sich IMO völlig zu Recht weigert 40 Stunden und mehr die Woche arbeiten zu sollen, um am Ende immer noch ALG-II beziehen zu müssen. Etc. pp.

    Außerdem zeigen Agenda 2010 und die Hartz-Gesetze und nicht zuletzt Franz Münteferings ekelhafter Satz: »Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.« ein Menschenbild, das sich mit meinem absolut nicht zur Deckung bringen lässt. Die ärgsten Entsolidarisierungsgesetze muss sich die SPD ans Revers heften lassen. Und das Schlimmste ist für mich die Tatsache, dass weite Teile der SPD auch immer noch stolz darauf sind.

    Die SPD ist für mich (nicht nur wenn auch insbes. beim Thema Sozialstaat) nicht einmal mehr das kleinere Übel. Sie ist Übel unter Übeln. Was Du für einen Narren am Genossen der Bosse, seinen Mitstreitern und Nachfolgern gefressen hast, wird mir ewig ein Rätsel bleiben...

    Schönen Sonntag noch
    Omnibus56

    PS: (Nur) Beim Thema SPD werden wir wohl nie auf einen Nenner kommen. :-)

    AntwortenLöschen
  8. Also mit „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“ hat Müntefering die Bibel zitiert, nachdem der bescheuerte Ottmar Schreiner ihn zu Tode genervt hatte.
    Das ist selbstverständlich MIT NICHTEN jemals SPD-Politik gewesen.

    Ansonsten ist es aber so, wie immer, daß ich MINDESTENS so lange der SPD treu bleibe, bis mir jemand eine bessere Alternative genannt hat und die sehe ich absolut nicht!

    Mir hat auch in all den Jahren Diskussion nie einer eine Alternative zu Hartz nennen können - obwohl ich das auch hier im Blog immer wieder gefragt habe.

    Seit der Einführung von Hartz IV wird unbestreitbar DEUTLICH MEHR GELD für Sozialhilfe ausgegeben als vorher.
    So sehr wie dennoch auf HartzIV geschimpft wird, läßt das nur den Schluß zu, daß die Hartz-Gegner noch mal deutlich höhere Sätze wollen.
    Wenn das so ist:
    Wie viel Geld soll es denn sein?
    Und wem soll es weggenommen werden?
    Die Fragen beantwortet mir ja niemand.


    Ja, und vielleicht stimmt es, was Du sagst, daß ich leicht reden habe, weil ich kein Hartz beziehe.
    Aber als Selbstständiger bin ich es gewohnt von meinem mickrigen 10-15 Euro-Stundenlohn (BRUTTO!) 560 Euro Privat-Krankenversicherung und die Miete und den Strom und die KFZ-Versicherung und Benzin und Heizung und und und ganz allein zu bezahlen.
    Selbstverständlich kann ich mir davon NICHT leisten Kinder zu haben, in Urlaub zu fahren, ein Smartphone anzuschaffen etc. Ich war 1990 zuletzt im Kino und das letzte mal Hamburg verlassen habe ich 1994 für drei Tage nach Berlin.
    Und mit läppischen 40 Stunden käme ich auch niemals aus.

    Die Perspektive mußt Du auch mal sehen.

    Ein normal angestellter Handwerker zum Beispiel verdient nicht so viel wie ein Hartz’ler mit zwei Kindern bekommt.

    Ich könnte mir gar nicht Frau und Kinder anschaffen, weil das finanziell weit außerhalb meiner Reichweite ist.
    Ich kenne aber alleine zwei Hartz-Bezieher, die genauso alt sind wie ich, die schon Großmütter sind und selbst ein, bzw vier Kinder haben.
    Bei denen spielt das vermehren keine Rolle, weil sie dann ja Kindergeld und eine größere Wohnung „vom Amt“ bezahlt bekommen und die Blagen automatisch krankenversichert sind.
    Wenn man aber als Kleinstselbstständiger mit einer privaten Krankenversicherung auf einer Eigenbeteiligung von 1000 Euro hockt, kann man nicht jedes Mal zu Arzt gehen, wenn es einem schlecht geht. Da haben es die Hartz’ler viel bequemer!

    So kann jeder aus seiner Perspektive Ungerechtigkeiten ausmachen.

    Ist also nicht irgendwas dran an dem Spruch, wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen? (Selbstverständlich nicht wörtlich gemeint!)

    Und selbstverständlich nehme ich alle Leute aus, die nicht arbeiten können, weil sie krank oder alt sind.

    Ich sehe in diesem Land sehr viele soziale Ungerechtigkeiten und plädiere ja auch deutlich für Mindestlohn, für bessere Bezahlung von Pflegepersonal, für mehr Ausgaben in Schulen, Nachhilfe, Kitas, Jugendämter, Sprachkure, Integrationsmaßnahmen, Sozialarbeiter, etc.
    Da könnte ich viel aufzählen!
    Den Hartz-Satz pauschal zu erhöhen wäre aber nicht meine erste Priorität.




    LGT

    AntwortenLöschen
  9. Da es zwischendurch immer wieder um eine der bittersten Fragen geht, warum denn ausgerechnet in Gegenden mit duennster Auslaenderbeteiligung die uebelst auslaenderfeindlichen Tendenzen auftreten, welche der aufschlussreichen Statistiken: http://dontyoubelievethehype.com/2011/12/auslaender-beuten-unser-sozialsystem-aus/

    Gruss
    Jake

    AntwortenLöschen
  10. Danke Jake!!!

    Sehr sehr gut!

    Das muß man bei dem Thema eigentlich immer dazu schreiben, daß der NPD'ler, die sich über "Überfremdung" beklagen, gerade da hocken, wo es nur 1% Ausländer gibt!

    In Hamburg heißt es immer, sind neben den 17% Bürgern mit ausländischen Pass (zu denen ich gehöre) fast die Hälfte der Menschen aus Familien mit "migrantischen Wurzeln". D.H, sie sind eingebürgert oder haben eine Ehepartner oder Elternteil, der Ausländer ist.

    Das sind ja Verhältnisse, wie sie in den Hartz-IV und NPD-Hochburgen gar nicht denkbar sind.

    Das ist wie mit dem Antisemitismus, der auch dort auftritt, wo es gar keine Juden gibt. Menschen irgendwo in Brandenburg hassen Juden, obwohl sie noch nie in ihrem Leben einen gesehen haben.

    Menschen...
    Widerliche Spezies.
    Homo homini lupus.

    LGT

    AntwortenLöschen
  11. Noch 'n bueschn wat lustiges zum Thema: http://dontyoubelievethehype.com/2012/11/ex-npd-stadtrat-macht-sich-zum-gespoett/

    Wie verbloedet Sarrazin und seine Anhaenger wirklich sind, ist natuerlich ehh klar und wird durch diesen Beitrag nachhaltigst bestaetigt.

    Gruss
    Jake

    AntwortenLöschen
  12. hahahaha, Jake!
    Genial - habe ich gleich gepostet:


    http://tammox-totlachen.blogspot.de/2012/11/deutschland-hat-die-begabtesten.html

    LGT

    AntwortenLöschen

Feedback an Tammox